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Sabrina Imbler: So weit das Licht reicht

Inhalt:
So weit das Licht reicht ist Naturbuch, poetisches Memoir und Coming-of-Age-Geschichte in einem – ein faszinierender Tauchgang von der OberflĂ€che bis zum Meeresgrund. (Klappentext)

Rezension:

Nature Writing ist ein schwieriges Genre, werden doch Naturbeziehungen oft genug romantisiert, Tiere manchmal gar vermenschlicht. Wird dieses jedoch in Kombination mit etwas völlig GegensĂ€tzlichen gebracht, dazu noch Einsprengsel anderer Bereiche der Literatur, insbesondere des Sachbuchs, ist es schwierig ein passendes Zusammenspiel zu erzeugen, da alle Lesende mit unterschiedlicher Erwartungshaltung an die LektĂŒre herangehen und wahrscheinlich selten diese vollkommen getroffen finden werden.

Genau dies ist der Autorin Sabrina Imbler mit dem hier vorliegenden Werk passiert, welches zwischen Nature Writing, den Versuch eines Sachbuchs und einem Selbstfindungsprozess schwangt, der einer Nabelschau gleichkommt. Der beschworene Blick auf die Kreaturen der Tiefsee, welcher der Untertitel zunÀchst vorgibt, kommt jedenfalls zu kurz.

Diese Abschnitte sind interessant, wie auch die Abschnitte, das Nachdenken der Autorin ĂŒber sich selbst, sich faszinierend lesen, doch hĂ€tte es hier bereits der QualitĂ€t der LektĂŒre gut getan, wenn man aus einem tatsĂ€chlich zwei BĂŒcher gemacht hĂ€tte.

So kommen an der einen Stelle wirklich spannende AusfĂŒhrungen zu Meereslebewesen viel zu kurz, an anderer die zum Thema Gender, durchaus gespickt mit interessanten psychologischen AusfĂŒhrungen, am Beispiel Imblers selbst, welche ich einmal positiv hervorheben möchte. Zusammengestellt jedoch wirken ÜbergĂ€nge nicht so, wie sie es könnten, hat man zwei unterschiedliche Werke, die nichts Halbes und nichts Ganzes ergeben.

Ein anderer Kritikpunkt ist da nur noch augenrollend zur Kenntnis zu nehmen, den die Autorin als Wissenschaftsjournalistin eigentlich aus sich heraus beherzigen mĂŒsste. Man vermenschlicht keine wilden Tiere. SpĂ€testens damit ist fĂŒr mich die gesamte LektĂŒre gefallen.

Die kompakte Form der AusfĂŒhrungen bringt es mit sich, dass dort, wo AusfĂŒhrungen wĂŒnschenswert wĂ€ren, diese zu kurz kommen, anderswo derer zu viele sind, so dass man ein permanentes Ungleichgewicht vor Augen hat. Auf Dauer ist dies sehr anstrengend, da man geneigt ist, zu den fĂŒr sich selbst interessanteren Stellen zu springen. Das kann man hĂ€ufig tun, da Abschnitte gut ĂŒbersichtlich gehalten werden, was man jedoch eher der Formatierung des Verlags anrechnen dĂŒrfte. Positiv erwĂ€hnenswert bleiben noch die liebevollen Illustrationen von Simon Ban zu Beginn jedes Kapitels.

Möchte ich Nature Writing, Coming of Age, populĂ€rwissenschaftliches oder Gedanken zum Ich und zum Gender lesen, kann ich das hier alles bekommen, jedoch hĂ€tte hier eine eindeutige Entscheidung, gleich wofĂŒr, der LektĂŒre gut getan.

Autorin:

Sabrina Imbler ist Wissenschaftsjournalistin und Autorin. Sie lebt in Brooklyn und veröffentlicht regelmĂ€ĂŸig Essays und Reportagen in verschiedenen Zeitungen und Magazinen. Ihr DebĂŒt „So weit das Licht reicht“ wurde zu den zehn besten Nonfiction-BĂŒchern des Jahres 2022 gewĂ€hlt.

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Johannes Plagemann/Henrik Maihack: Wir sind nicht alle

Inhalt:

Der Westen ist nicht mehr der Nabel der Welt. Stattdessen treten die Staaten des Globalen SĂŒdens mit neuem Selbstbewusstsein auf. Was sind ihre Interessen, Motive und Sichtweisen? Warum teilen sie die Sichtweise des Westens nicht, zum Beispiel gegenĂŒber Russland? Dieses Buch zeigt die Unterschiede der Wahrnehmung internationaler Politik im Westen und im Globalen SĂŒden auf. Ein besseres VerstĂ€ndnis dieser Unterschiede wird immer drĂ€ngender, je mehr die USA und Europa an ihrer einstigen Dominanz verlieren. Das Buch diskutiert, warum die Staaten des Globalen SĂŒdens so handeln, wie sie es tun, warum deren Skepsis gegenĂŒber dem Westen so tief sitzt – und warum in der neuen Vielfalt auch Chancen liegen. (Klappentext)

Rezension:

Noch immer herrschen im politischen Geschehen der Vereinigten Staaten von Amerika und in Teilen von Europa das Denken in systemisch entgegengesetzt zueinander stehenden Blöcken vor, wĂ€hrend das Schließen von Vereinbarungen basierend auf Wertegemeinschaften fĂŒr selbige immer schwieriger zu werden scheint. Woran liegt das? In Asien treten Staaten wie China oder Indien mit neuem Selbstbewusstsein auf, auch auf den afrikanischen Kontingent verlangt man inzwischen nach Mitspracherechten auf Augenhöhe gegenĂŒber vom Westen dominierten internationalen Institutionen. Diesen Wandel haben die Politikwissenschaftler Johannes Plagemann und Henrik Maihack in ihrem sehr differenzierenden Sachbuch aufgeschlĂŒsselt.

Bevor aber die Frage geklĂ€rt wird, wie sich diese VerĂ€nderungen im politischen Geschehen darstellen und was sie bedeuten, wird zunĂ€chst erlĂ€utert, welche Regionen unter den Oberbegriff zu verstehen sind und weshalb ein Blick in die Geschichte Afrikas und Asiens lohnt. Immer anhand von Beispielen von Ereignissen, etwa das Aufeinandertreffen bei Staatsbesuchen oder konkret die Schau auf einzelne LĂ€nder werden HintergrĂŒnde anschaulich erklĂ€rt und so die graue Theorie politischer Analyse durchbrochen, die zuweilen durchschimmert. Hier merkt man einerseits die Expertise der beiden Autoren, andererseits aber auch den direkten Kontakt in einzelne LĂ€nder hinein. Beide Autoren haben Einblick in das politische Innenleben verschiedener LĂ€nder, die hier thematisiert werden und arbeiteten lange beratend tĂ€tig, u. a. fĂŒr das AuswĂ€rtige Amt.

Dabei werfen beide nicht nur einen Blick in die Geschichte, zeigen die Fehler heutiger westlicher Politik, jedoch auch, was sich bereits verĂ€ndert und im Zusammenspiel von West und SĂŒd sich bereits Ă€ndert und dann doch funktioniert. Das Aufbrechen der Pole in Interessensgemeinschaften als Chance, ein Bild, an das man sich lesend und nach hiesig vorherrschenden Politvorstellungen auch erst einmal gewöhnen muss. Die Lesbarkeit leidet da jedoch zuweilen unter der recht kompakten Darstellung.

Das wirkt manchmal sehr trocken, ist jedoch eine wichtige LektĂŒre, um gewisse Dynamiken zu verstehen, die uns immer öfter kĂŒnftig begleiten werden. Gleichwohl werden nur jene dies mit Gewinn lesen können, die sich wirklich dafĂŒr interessieren, auch eine politische FĂ€rbung kann man hier wohl nicht ganz absprechen. Die kommt dann doch durch. Der Blick in die Geschichte und was daraus folgt, war jedoch erhellend.

Autoren:

Johannes Plagemann ist Politikwissenschaftler am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg. 2015-2016 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im AuswĂ€rtigen Amt tĂ€tig. In den Medien tritt er als Experte fĂŒr den Globalen SĂŒden auf.

Henrik Maihack ist Politikwissenschaftler und leitet seit 2021 das Referat Afrika der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Berlin. Ab 20111 vertrat er die FES im Globalen SĂŒden, zunĂ€chst in Indien, danach in Bangladesch, SĂŒdsudan, Ruanda und Kenia. Er analysiert regelmĂ€ĂŸig die deutsche Afrikapolitik und politische Transformationsprozesse in den LĂ€ndern des Globalen SĂŒdens.

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Birgit Schönau: Die Geheimnisse des Tibers

Inhalt:
Lebensader, Höllenfluss, LustgewĂ€sser: Über Jahrtausende war der Tiber Roms Schicksalsfluss. Als Gott verehrt und als Geißel gefĂŒrchtet, bestimmte er das Leben der Ewigen Stadt. An seinen Ufern erhoben sich Kirchenstaat und Ghetto, PrunkpalĂ€ste und ArmenhĂ€user, hier wurde gekĂ€mpft, gelitten, gefeiert und Geschichte geschrieben. Ein Fluss voller Grandezza, Schrecken und Wunder, von denen Birgit Schönau in ihrem mitreißenden Buch erzĂ€hlt. (Klappentext)

Rezension:

Auseinandersetzungen und Konflikte entschieden sich an seinen Ufern, Platz fĂŒr spektakulĂ€re Schauspiele. Der Fluss machte die Ärmsten noch Ă€rmer, andere schlossen am Tiber die GeschĂ€fte ihres Lebens oder kĂ€mpften um selbiges. Auch die Macht der PĂ€pste fand hier zuweilen ihre Grenzen. Der Schicksalsfluss entschied Jahrtausende ĂŒber Wohl und Wehe der Römer Bevölkerung. Heute, eingekesselt und gezĂ€hmt, hat der Fluss etwas von seinem Schrecken fĂŒr die Ewige Stadt verloren, doch noch immer lohnt sich eine nĂ€here Betrachtung.

Eine Art Doppelbiografie ist es, die die Journalistin Birgit Schönau hier erzĂ€hlt, denn die Geschichte des Flusses ist zugleich die der Stadt, die dieser durchströmt. Ein Ort, der ohnehin schon historisch aufgeladen ist, wird hier von einer anderen, interessanten, Perspektive beleuchtet, so reißen wir durch mehr als dreitausend Jahre faszinierender Geschichte. Eine sagenumwobene GrĂŒndungslegende steht zu Beginn, doch berichtet die Autorin von einem Fluss, dessen UrkrĂ€fte sich ins kollektive GedĂ€chtnis der spĂ€teren Kapitale eingeschrieben haben, einer Aneinanderreihung historischer Anekdoten, die jede fĂŒr sich alleine schon erzĂ€hlenswert wĂ€ren.

Kurzweilige Kapitel, in denen sich die Liebe zu Fluss und Stadt, ebenso wie viel Sachkenntnis, erzĂ€hlen vom Tiber als Versorgungsader, Trickwasserquelle, aber auch Abwasserkanal, nicht zuletzt fĂŒr unzĂ€hlige mit ihm verknĂŒpfte Schicksale. Mindestens ein römischer Kaiser fand hier seinen Tod, ein Papst sogar zum zweiten Mal nach seinem eigentlichen Ableben. Den einfachen Römern erging es, mitunter, kaum besser. ErzĂ€hlt wird jedoch auch eine Geschichte der Triumpfe, von ersten sozialen und medizinischen Einrichtungen, erfolgreichen GeschĂ€ftsleuten. Im antiken Rom und in der Stadt der PĂ€pste.

Schönau ist es gelungen, ein StĂŒck Stadtgeschichte spannungsreich zu erzĂ€hlen, ergĂ€nzt durch zahlreiche Fakten, die man aus dieser Perspektive so noch nie betrachtet hat. Die Kapitel beleuchten jeweils eine andere, immer entlang eines Zeitstrahl, ergĂ€nzt durch Kartenmaterial im Inneren der Umschlagsseite, des modernen und des alten Rom. Eine Zeittafel am Ende des Buches, sowie eine Übersicht und Kurzgeschichte der einzelnen Tiber-BrĂŒcken komplettieren dieses besondere Sachbuch.

Die PĂ€pste und ihre Baumeister, die gewaltige Kathedralen und Kirchen erbauen, und mit Hilfe des Wassers Obelisken in die Ewige Stadt transportieren ließen, scheiterten jahrhundertelang an Bau und Instanthaltung von BrĂŒcken, wie auch die Cesaren keinen dauerhaften festen Hafen etablieren konnten. Lange Zeit hatte stets der Tiber das letzte Wort. Dies ist seine Geschichte.

Autorin:
Birgit Schönau wurde 1966 in Hamm geboren und ist eine deutsche Journalistin und Publizistin. Sie studierte in Dortmund und Bochum Journalistik und Geschichte, wonach sie ein Volontariat bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung absolvierte. Danach arbeitete sie beim WDR. Im KorrespondentenbĂŒro der dpa, spĂ€ter fĂŒr die SĂŒddeutsche Zeitung, den Tages-Anzeiger, Merian und andere Zeitungen arbeitete sie ab 1990 aus Rom, war von 2005-2014 Italien-Korrespondentin der Wochenzeitung Die Zeit. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie 1999, es folgten weitere zur italienischen Politik, Fußball und zur Geschichte Italiens. Sie ist MitgrĂŒnderin des PEN Berlin.

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Holger Kreymeier: Hashtag #DDR

Inhalt:

2023 im geteilten Deutschland. Der Widerstand in der DDR findet nicht mehr auf der Straße statt, sondern im Netz. Die DDR-FĂŒhrung strebt die strengere Kontrolle des Internets und Zerschlagung der Oppositionsgruppen an, braucht aber Milliardenhilfen in D-Mark, die ihr die Bonner Regierung in Aussicht stellt. Nachdem YouTube-Entertainer Lonzo den realen Zustand der DDR mit seinem Video „Die Zerstörung der DDR“ entlarvt hat, bekommt er die UnterstĂŒtzung der freien Presse der Bundesrepublik. Doch dann wird er zum Sicherheitsrisiko – fĂŒr beide deutsche Staaten … (Klappentext)

Rezension:

Es ist eines der viel erzĂ€hlten Szenarien der fiktiven Geschichtsforschung, sich die Frage nach dem „Was wĂ€re wenn?“ zu stellen, wenn sich Ereignisse nicht so wie tatsĂ€chlich, sondern in eine vollkommen andere Richtung entwickelt hĂ€tten. Diese Gedankenspiele sind Grundlage fĂŒr zahlreiche ErzĂ€hlungen und manchmal sind diese uns erschreckend nah.

Der Schriftsteller Holger Kreymeier hat den Zeitstrahl verschoben. Nachdem Gorbatschow verunglĂŒckt ist, ist die deutsche Teilung immer noch knallharte RealitĂ€t. Ihr, der großen Politik, stehen Social Media Influencer auf beiden Seiten entgegen und ebenso wie in unserer Welt stellen sie Weichen. Manchmal bringen sie dabei Lawinen ins Rollen, die sie kaum mehr aufhalten können. Oder wollen. Ein gefĂ€hrliches Spiel beginnt.

Dystopische Szenarien haben ihre SchwĂ€chen. Oft genug merkt man, dass diese nicht konsequent ausgefĂŒhrt werden. Die Welt, in der uns der Autor hier entfĂŒhrt, ist jedoch greifbar. Gleich eines Spielfilms sehen wir die Geschichte vor unserem inneren Auge auferstehen und begleiten die Figuren auf ihren Weg, der spannungsgeladener nicht sein könnte.

Die Vorstellung gelingt, da man sofort zu fast jeder Person ein reales Vorbild erkennen kann und auch sonst die Ecken und Kanten nachvollziehbar bleiben, etwa, wenn der eine deutsche Staat die innere Opposition gerne umfassend ĂŒberwachen wĂŒrde, dies jedoch an der Überalterung von FĂŒhrungspersonen bis hin zum kaum vorhandenen technischen Know-how scheitert oder auf der anderen Seite der schwierige Balanceakt zwischen Diplomatie und Notwendigkeit austariert werden muss. Zudem sind auch die Protagonisten viel mehr Graubereichen zuzuordnen, als dem bloßen Schwarz und Weiß, was den kompakt gehaltenen Roman glaubwĂŒrdig erscheinen lĂ€sst. Das schnelle ErzĂ€hltempo tut sein Übriges dazu.

In einem Zeitraum von nur wenigen Wochen zwischen Ost und West wird die Geschichte erzĂ€hlt. Holger Kreymeier hat es hierbei geschafft, zahlreiche Facetten des politischen Spektrums der damaligen Zeit in die Gegenwart hinein zu transportieren. Der Perspektivwechsel zwischen den Protagonisten trĂ€gt zum Fluss der ErzĂ€hlung bei, Kurznachrichten a la Twitter unterstreichen das GegenwartsgefĂŒhl.

Die Geschichte wirkt in sich schlĂŒssig, ĂŒber kleinere SprĂŒnge wird man ob der spannungsreichen ErzĂ€hlung gerne hinweg sehen, jedoch wĂ€re die Ausformulierung mancher Szenarien, die teilweise doch knapp formuliert sind, wĂŒnschenswert gewesen. Auch das Ende der ErzĂ€hlung reicht nicht ganz an den starken Auftakt heran, lĂ€sst jedoch Spielraum fĂŒr eine FortfĂŒhrung. Der Roman hat das Potenzial, weitererzĂ€hlt zu werden. Man möchte das auch gerne lesen.

Bestimmte geschilderte Auswirkungen lassen ob der RealitĂ€tsnĂ€he einem einen kalten Schauer ĂŒber den RĂŒcken laufen. In bestimmten Punkten gleicht der Roman einer Warnung a la Orwell. Hier merkt man die Erfahrungen Kreymeiers mit den Medien an und eine genaue Beobachtungsgabe, die einerseits durchaus kritisch betrachtet, andererseits Interesse an vorhandenen Möglichkeiten zeigt.

Die ErzĂ€hlung ist fĂŒr Geschichtsinteressierte gleichsam wie fĂŒr Dystopie-Lesende eine weitere ErgĂ€nzung zur bestehenden Literatur. Die NĂ€he zu real existierenden Punkten der Vergangenheit und Gegenwart machen die Handlung greifbar. Manchmal fehlen Details, einige Male wĂŒnscht man sich etwas mehr AusfĂŒhrlichkeit und den einen oder anderen Sprung. FĂŒr eine Fortsetzung wird man aber in jedem Fall zu haben sein.

Autor:

Holger Kreymeier wurde 1971 in Hamburg geboren und ist ein deutscher Journalist und Medienunternehmer. Er studierte zunĂ€chst Soziologie an der UniversitĂ€t Hamburg, absolvierte wĂ€hrenddessen ein Praktikum bei OK Radio und bei der Zeitschrift Cinema. Anschließend war er bei einem Tochterunternehmen des Axel Springer Verlags tĂ€tig, arbeitete danach freiberuflich fĂŒr verschiedene Medienunternehmen. Zwischen 2007 und 2018 betrieb er die Online-Magazinsendung Fernsehkritik-TV. „Hashtag #DDR“ ist sein viertes Buch.

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Feurat Alani: Der Geschmack von Aprikoseneis

Inhalt:

Mit der ersten großen Liebe ist fĂŒr uns oft ein Duft verbunden. FĂŒr Feurat Alani sind der Duft und der Geschmack von köstlichem Aprikoseneis, das er als Kind in Bagdad gekostet hat, fĂŒr immer mit dem Irak verbunden. In 1000 Tweets berichtet er von dieser ersten Reise in das Herkunftsland seiner Familie und von den spĂ€teren Reisen als erwachsener Journalist, vom Krieg und dem Wandel, den dieser im Traumland seiner Kindheit bewirkt hat. Wir begleiten den Autor bei der Entdeckung eines orientalischen Landes voller unbekannter DĂŒfte, aber auch bei seiner Trauer um das, was spĂ€ter unwiederbringlich verloren ging. Die berĂŒhrenden und scharfsichtigen Beobachtungen des Kindes und des jungen Erwachsenen hat LĂ©onard Cohen mit seinen Zeichnungen eindrĂŒcklich illustriert. (Inhalt lt. Verlag)

Rezension:

In Mansour halten wir an einer Eisdiele. Ich koste von dem besten Eis, dass ich je gegessen habe. Aprikose. Der Duft von Bagdad.

Feurat Alani: Der Geschmack von Aprikoseneis

Gerade als der Iran-Irak-Krieg vorbei ist, lernt Feurat im Alter von neun Jahren die Heimat seines Vaters kennen. Das Land wirkt anders als in den Medienberichten, modern und offen. Die einfachen Leute fahren VW Passat. Melonen werden am Fluss eingegraben, um sie abends gekĂŒhlt essen zu können. Doch das Gesicht Saddam Husseins bestimmt den Irak. Seinen Namen sollen sie nicht laut aussprechen. Als seine kleine Schwester es dennoch tut, kennt Feurat fortan nun auch den Duft der Diktatur.

Im Irak herrscht Lebenslust, zumindest damals, trotz bereits vorhandener EinschrĂ€nkungen. Vor dem Embargo leben die Menschen gut, doch das GlĂŒck der Menschen, schon damals Spielball der GegensĂ€tze, wird im Laufe der Jahre zerrinnen. Bis nichts mehr davon ĂŒbrig ist. Über die Jahre wirft der Autor, zunĂ€chst mit den Augen des Kindes, spĂ€ter als junger Journalist, immer wieder einen Blick auf dieses Land, welches wir kaum fassen können. Doch wie der Irak, so stet Feurat Alani selbst stets unter Spannung zwischen den Welten. Als Iraker und Franzose. Seine Beobachtungen hat er nun zusammengestellt. In Form einer Tweet-Sammlung. ErgĂ€nzt durch minimalistische Zeichnungen entstand so das Portrait seine Autobiografie, ein Blick auf die jĂŒngere Geschichte eines Landes, eine Graphic Novel und ein Zustandsbericht, der einem den Atem stocken lĂ€sst.

Als Ziad und ich uns an diesem Tag trennen, gehe ich mit einem GefĂŒhl der Scham. Mir wird alles geschenkt. Und ihnen alles genommen.

Feurat Alani: Der Geschmack von Aprikoseneis

In dieser Kombination ist das Werk „Der Geschmack von Aprikoseneis“ ungewöhnlich einprĂ€gsam. Kurz und prĂ€gnant sind die SĂ€tze, den Möglichkeiten der Social Media Plattform Twitter nachempfunden. Momentaufnahmen, die sich stapeln und fließend ineinander ĂŒbergehen. Sie zeigen den Wandel eines Landes, zugleich die VerĂ€nderung des Blickwinkels. Der des Kindes weicht dem jungen Erwachsenen, der dokumentieren, festhalten und der Welt von der irakischen Wirklichkeit berichtigen möchte.

Das GefĂŒhl, nie am richtigen Ort zu sein. UnrechtmĂ€ĂŸigkeit. Schuld. Ich möchte meine Erlebnisse im Irak vergessen, aber sie lassen mir keine Ruhe.

Feurat Alani: Der Geschmack von Aprikoseneis

Zeichnungen, die beinahe wie Scherenschnitte wirken und dennoch die Strahlkraft von Fotos besitzen, unterstreichen den Text, ohne ĂŒberhand zu nehmen. Sie prĂ€gen sich ein. Lesend nimmt man die beobachtende Position ein und verliert sich in diesem Strudel der Emotionen. Das funktioniert in dieser Kombination ebenso, wie dies der Tatsache geschuldet ist, dass Seitenzahlen völlig fehlen, was den unmerklichen und doch schnellen Wandel verdeutlicht, bis zum Zusammenbruch einer Gesellschaft.

Immer ist Feurat Alani Beobachter und Akteur zugleich, nebenan der SchauplĂ€tze und mittendrin. Einzelne Nadelstiche summieren sich, werden zu hörbaren Explosionen, einer Platzwunde, einer versuchten EntfĂŒhrung. EinschlĂ€ge werden fassbar, kommen immer nĂ€her, bis es auch die Familie des Autoren zerreißt. Diktaturen kennen keine Gnade. Chaos erst Recht nicht. Dreizeiler in AbsĂ€tzen prĂ€gen das Bild. Nur Ausschnitte hĂ€lt der Betrachtende fest und doch das wichtige. Platz fĂŒr NebensĂ€chlichkeiten bleibt da nicht. Zunehmend mĂŒssen auch die Menschen sich damit beschĂ€ftigen, zu ĂŒberleben. Bald ist das die einzige TĂ€tigkeit.

Ein trauriger Anblick. Einer der Insassen liegt auf dem Boden. Die RettungskrÀfte sind da. Der Sommer beginnt mit einem Toten. Das gefÀllt mir nicht.

Feurat Alani: Der Geschmack von Aprikoseneis

Aufgrund der ungewöhnlichen ErzĂ€hlstruktur, ergĂ€nzt durch eine Chronologie der Ereignisse ist diese Biografie einer Person, eines Landes, einprĂ€gsam und verdeutlicht zugleich, wie schnell etwas Intaktes, auch wenn die OberflĂ€che bereits von Beginn an Risse aufweist, in die BrĂŒche gehen kann. Wer ein GefĂŒhl dafĂŒr erlangen möchte, wird dieses Werk mit Gewinn lesen können. Mit mehr Spannung als ein Roman das könnte. Jeder Tweet ist eine TĂŒr. Die mehrteilige Serie „Fremde Heimat Irak„, die bei Arte zu finden und im gleichen grafischen Stil gehalten ist, sei ebenfalls ans Herz gelegt.

Autor:

Feurat Alani wurde als Sohn irakischer Eltern in Paris geboren. In Bagdad hat er als Korrespondent fĂŒr die Sender I-Tele und Le Point gearbeitet. Er war auch regelmĂ€ĂŸiger Mitarbeiter von Le Monde diplomatique und Geo, bevor er seine eigene Produktionsfirma grĂŒndete. Sein Dokumentarfilm Irak: les enfants sacrifi Ă©s de Fallujah (2011) wurde auf mehreren Festivals prĂ€miert.

Illustrator:
LĂ©onard Cohen ist Absolvent der École Nationale SupĂ©rieure des Arts DĂ©coratifs de Paris. Im Jahr 2010 wurde sein Abschlussfilm Plato auf vielen Festivals gezeigt und gewann mehrere Preise, darunter jenen fĂŒr den besten Studenten-Kurzfilm und den Preis der Junior-Jury auf dem renommierten Internationalen Trickfilmfestival von Annecy. Cohen arbeitet freiberuflich und entwickelt vor allem Animationsprojekte.

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Christian Linker: Boy from Mars

Inhalt:

Im Jahr 2099 lebt der dreizehnjĂ€hrige Jonto mit seinem Großvater auf dem Mars. Als Opa Ben stirbt, muss Jonto sich auf den Weg zur Erde machen, zu seiner Mutter, die er seit zwölf Jahren nicht gesehen hat. Im GepĂ€ck hat er das Tagebuch seines Opas voll rĂ€tselhafter Andeutungen auf eine spektakulĂ€re Erfindung. Angeblich soll es eine Superwaffe zum Schutz des Klimas sein. Neugierig begeben Jonto und seine neuen Freunde sich auf die Suche danach. Doch sie sind nicht die Einzigen, die Interesse am Supergenerator haben … (Klappentext)

Rezension:

Das vorliegende Jugendbuch von des deutschen Autoren Christian Linker entfĂŒhrt uns in eine nicht allzu ferne Zukunft. Im Jahr 2099 leben Menschen nicht nur auf der Erde, auch der rote Planet ist besiedelt. In Kolonien auf den Mars leben die Pioniere und bauen dort eine neue Gesellschaft auf, nachdem die ZurĂŒckgebliebenen dabei sind, die Folgen der gerade erst beendeten Klimakriege zu ĂŒberwinden. Jonto kennt kein anderes Leben als unter den Kuppeln der Marskolonien. Der DreizehnjĂ€hrige liebt seinen Großvater, mit dem er Wanderungen auf den Kratern des Planeten unternimmt und den populĂ€ren Sport Gravity Dunk.

Doch als sein Opa stirbt, muss er zurĂŒck, zu seiner Mutter, die er, wie auch den Planeten Erde, nur von Bildern kennt, ohne zu ahnen, dass das grĂ¶ĂŸte Abenteuer ihn noch bevorsteht. Eines, welches das Leben aller verĂ€ndern könnte.

In einer Mischung aus moderner Zukunftsvision und Abenteuerroman folgen wir den jungen Protagonisten Jonto auf seiner Reise zur Erde, die dort in ein rasantes Abenteuer mĂŒndet. Der DreizehnjĂ€hrige hadert dabei zunĂ€chst mit sich selbst und den Gegebenheiten, denen er zunĂ€chst nichts entgegensetzen kann und gibt damit eine perfekte Identifikationsfigur ab, wie auch die ErzĂ€hlung selbst aus eine Aneinanderreihung vieler Punkte besteht, die Jugendliche beschĂ€ftigen. Der Schriftsteller Christian Linker hat damit eine interessante Mischung geschaffen, sowohl die Konfrontation mit der harten RealitĂ€t der Welt der Erwachsenen darzustellen, als auch die Ängste und BefĂŒrchtungen der jungen Generation in Bezug auf KlimaverĂ€nderungen und dem Leben in der Zukunft aufzunehmen.

Ohne unlogische BrĂŒche funktioniert die ErzĂ€hlung, derer wir in kompakten Kapiteln folgen, die Vision eines Autoren, der ein Szenario erschaffen hat, dem man gerne folgen möchte, zudem immer auch ein Hauch optimistischen Untertons mitschwingt. Dazu tragen die Figuren bei, deren Weg und Handlung nachvollziehbar gestaltet ist, welche schnell Konturen bekommen. Hier ist klar, wer SympathietrĂ€ger ist. Positiv ist aber zu erwĂ€hnen, dass auch die GrĂŒnde fĂŒr das Handeln der Antagonisten glaubwĂŒrdig dargestellt werden. Das erzeugt einen Sog, den man sich nicht entziehen kann. Die Ausgestaltung dieser Welt, sowohl des roten als auch des blauen Planeten, wirkt mit jeder einzelnen Zeile.

ErzĂ€hlt wird die Geschichte aus der Sicht des Hauptprotagonisten, der erkennen muss, dass die Zukunft der Menschen in der Vergangenheit zu suchen ist und dabei mehr als einmal vor schwierigen Entscheidungen gestellt wird, die zu groß wirken fĂŒr einen DreizehnjĂ€hrigen, selbst wenn einem eine Digi-Linse zum Durchblick verhilft. Linker hat seine Figur mit Ecken, Kanten, der rastlosigkeit und gelegentlichen Stimmungsschwankungen versehen, auch das macht Jonto zu einem glaubwĂŒrdigen Protagonisten.

Der Roman wirkt in sich schlĂŒssig, die Welt greifbar. Linkers StĂ€rken liegen nicht nur in der Ausgestaltung seiner Figuren, auch Landschaftsbeschreibungen erzielen ihre Wirkung. Actionreiche Szenen fĂŒhlen sich beim Lesen an, einstweilen wie im Film, trotzdem gibt es in „Boy from Mars“, auch sehr ruhige, einfĂŒhlsame Momente, die die ErzĂ€hlung komplettieren.

Christian Linker hat mit diesen Roman fĂŒr Jugendliche einen spannenden Einstieg in die Welt der Dystopien geschaffen, zugleich Ankerpunkte zu so vielen anderen Genres und einen sympathischen Protagonisten, dessen Weg mit seinen Freunden in diesem wirklich gut ausgestalteten Stand Alone man gerne verfolgt. Und vielleicht muss sich eines Tages wirklich ein Junge auf den Weg vom Mars zur Erde machen und dabei alles verĂ€ndern.

Autor:

Christian Linker wurde 1975 in Leverkusen geboren und ist ein deutscher Jugendbuchautor. ZunĂ€chst studierte er Theologie in Bonn und arbeitete freiberuflich als PR-Redakteur und als Bildungsreferent in der außerschulischen Jugendbildung. Einige Jahre war er in Köln als hauptamtlicher Diözesanvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend tĂ€tig. Sein erstes Buch erschien 1999. Sein Roman „RaumZeit“ wurde 2003 fĂŒr den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Die BĂŒcher wurden teilweise fĂŒr das Theater adaptiert. Es folgte 2018 der Jugendbuchpreis Goldene Leslie.

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Alex Schulman: Endstation Malma

Inhalt:
Ein Zug fĂ€hrt durch eine Sommerlandschaft. An Bord: ein Ehepaar in der Krise, ein Vater mit seiner kleinen Tochter, eine Frau, die das RĂ€tsel ihres Lebens lösen will. Sie alle fahren nach Malma, einem kleinen Ort, wenige Stunden von Stockholm entfernt, umgeben von WĂ€ldern. Und keiner von ihnen weiß, wie ihre Schicksale verwoben sind und was sie in Malma erwartet. (Klappentext)

Rezension:

Zeitebenen, aneinandergereiht wie Waggons eines Zuges, sind es, die wir verfolgen, wĂ€hrend wir den Spuren der Protagonisten des neuen Romans von Alex Schulman verfolgen, der in einer Mischung aus Fiktion und faszinierenden Psychogram wieder einmal eine eindrĂŒckliche ErzĂ€hlung aufmacht.

Nicht ganz einfach ist sie, diese Geschichte, in der wir die Figuren bis zu ihren jeweiligen Wendepunkten verfolgen. Alles lĂ€uft und entscheidet sich im fiktiven Ort Malma, wenige Stunden von Stockholm entfernt. Ein Ehepaar am Scheideweg, eine Frau auf der Suche, eine Tochter dazwischen, sie alle haben Fragen. Wird ihnen jemand diese beantworten können? Werden sie sich, teilweise selbst, ĂŒberwinden?

Alex Schulman gehört zu den wohl faszinierenden zeitgenössischen Autoren Schwedens, die außerhalb des sonst so klischeehaft beliebten Krimi-Genres brillieren, schafft er es in seinen Romanen eigene Dramen mit Fiktion zu verweben. Dies gelingt so gut, dass man sich im Norden Europas zuweilen fragt, welche Szenarien quasi Erlebten entsprechen und was frei erfunden ist, macht die ErzĂ€hlung zuweilen jedoch nicht immer in GĂ€nze zugĂ€nglich.

Schwierig hineinzufinden ist es in den Text, in dem die Figuren sofort mit ihren Ecken und Kanten auffallen. Nicht einmal das Kind wirkt von Beginn an bedingungslos sympathisch, zudem sehr bald das große Thema Depression dunkle Wolken am schwedischen Firmament aufziehen lĂ€sst. Wortgewandt vermag das der Autor zu beschreiben, immer tiefer droht man dann doch zu versinken. Darauf sollte man sich nur einlassen, wenn man nicht dazu neigt, sich allzu sehr hinunterziehen zu lassen.

Leicht ist etwas anderes. Schon die Zeitebenen machen es nicht unbedingt leicht, den Überblick zu wahren, die Protagonisten tun ihrerseits das Übrige. Sie streben voneinander weg, kommen doch nicht voneinander los. Ein Familiendrama in drei Akten, auf unterschiedlichen Ebenen, bei denen man sich die Haare raufen und die Figuren eine nach der anderen schĂŒtteln möchte. Ohne zu wissen, ob man enttĂ€uscht, wĂŒtend oder einfach nur genervt ist.

Landschaftsbeschreibungen indes kann der Autor so, wie er auch Figuren ausgestaltet, jedoch ohne Meta-Ebene. Orte, sei es nun der Bahnsteig, das Innere des Waggons oder auch Wohnungsszenen sind sehr plastisch beschrieben. Genau so stellt man sich das alles vor. Hier gelingt das Spiel mit der Sprache. Einzelne SĂ€tze sind es, wie auch bei „Die Überlebenden“, die sich einbrennen.

Wer einmal etwas anderes als das lesen möchte, was man sonst aus dem skandinavischen Raum bekommt, ist auch mit dieser ErzĂ€hlung von Alex Schulman gut bedient, wenn auch Schönheitsfehler in der B-Note diesen Roman nicht an das zuerst ins Deutsche ĂŒbersetzte Werk heranreichen lassen. Dazu ist „Endstation Malma“ etwas zu sperrig. Wie auch die Figuren ist diese ErzĂ€hlung sehr eigen. Darauf muss man sich einlassen wollen. Nur so funktioniert es.

Autor:
Alex Schulman wurde 1976 in Hemmesdygne, Schweden, geboren und ist ein skandinavischer Schriftsteller, Journalist und Blogger. Er schreibt fĂŒr diverse TV-Shows und startete im Jahr 2006 einen Blog, zudem fĂŒr diverse Zeitungen und Magazine BeitrĂ€ge, zuletzt moderierte er eine TV-Sendung und startete 2012 einen eigenen Podcast.

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Rolf-Bernhard Essig: Ach, wie gut, dass niemand weiß …

Inhalt:

Zahllose Reime, geflĂŒgelte Worte und Redewendungen verdanken wir unseren MĂ€rchen. Sprichwortexperte Rolf-Bernhard Essig hat ĂŒber 200 der schönsten und oft rĂ€tselhaften Sprachbilder aus dem MĂ€rchenreich gesammelt. Hier schreibt er ĂŒber ihre Bedeutung, ihren Hintergrund und ihre mĂ€rchenhafte Karriere in der deutschen Sprache. (Klappentext)

Rezension:

Wo das WĂŒnschen noch geholfen hat, Wölfe Kreide fressen oder Siebenmeilenstiefel getragen werden können, tauchen wir ein in die wunderbare Welt der MĂ€rchen, die nicht nur unsere Phantasie beflĂŒgeln, sondern auch unsere Sprache zahlreiche Facetten hinzufĂŒgen. Doch woher kommen Sprachbilder wie „jemanden in den Sack stecken“ oder „den Geist aus der Flasche lassen“? Der Sprachforscher und Germanist Rolf-Bernhard Essig hat sich auf Spurensuche begeben. Herausgekommen dabei ist eine wunderbare Sammlung durch die Sprache der MĂ€rchen.

Die gesammelten Geschichten der GebrĂŒder Grimm, die Texte von Hauff, Bechstein und Andersen werden seit Jahrhunderten vorgelesen und erzĂ€hlt, unterliegen jedoch einem stetigen Wandel, wie auch die Sprache selbst, in der sie erzĂ€hlt werden. faszinierend dabei, schon zu den Zeiten der erstgenannten Geschichten-Sammler waren einzelne ihrer Bestandteile lĂ€ngst geflĂŒgelte Worte. Dem Rest verhalfen die Grimms dazu, zu ĂŒberdauern. Nicht wenig wurde dafĂŒr angepasst und ĂŒberarbeitet, doch sind SĂ€tze, Wortspiele oder AusdrĂŒcke Ă€lter als jene, die sie einst ins Schriftliche ĂŒbertrugen. Spannend, die Geschichte dahinter.

Essig beschĂ€ftigt sich in seinem Werk zunĂ€chst mit den grundlegenden Redensarten, bevor er auf den sehr eigentĂŒmlichen Grimm-Sound eingeht, der bis heute ĂŒberdauert hat. Reime und Verse werden ebenso unter die Lupe genommen, wie auch lehrreiche Sprichwörter und solche zur Natur. Immer wieder wird auf die Entstehungszeit, soweit ergrĂŒndbar, Bezug genommen, Übersichten zwischen den Kapiteln ergĂ€nzen das Werk, welches in einem Zug, aber auch als Lexikon gelesen werden kann.

Mit einer Prise Humor lesen sich die Texte nicht trocken, wie man es einstweilen von einer SprachĂŒbersicht erwarten wĂŒrde. Die Chance, einem selbst unbekannte AusdrĂŒcke zu entdecken ist ebenfalls hoch, nicht zuletzt, da auch auf verschiedene Versionen derer eingegangen wird, zudem wie Sprichwörter aus MĂ€rchen damals wirkten und heute gelesen werden können.

Gleichwohl amĂŒsant und kurzweilig, merkt man den Texten an, dass sie von einem Sprachwissenschaftler verfasst wurden, wobei Essig aufgrund der Kompaktheit immer wieder die Kurve bekommen hat, so dass diese nicht allzu sehr ins Theoretische abgleiten. FĂŒr alle, die sich gerne mit unserer Sprache beschĂ€ftigen, MĂ€rchen-Liebhaber ohnehin, ist dieses Werk sehr zu empfehlen. Von den hier aufgefĂŒhrten Sprichwörtern gibt es dort mehr zu lesen als sieben auf einen Streich. Und das lohnt sich.

Autor:

Rolf-Bernhard Essig wurde 1963 in Hamburg geboren und ist ein deutscher Schriftsteller, Literaturkritiker und Dozent. Er studierte zunĂ€chst Germanistik und Geschichte in Bamberg, bevor er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Bibliothekar wirkte. Im Jahr 2000 veröffentlichte er seine Dissertation. Essig kuratiert Ausstellungen, etwa in den Museen fĂŒr Kommunikation in NĂŒrnberg und Frankfurt, 2019/20 in Fellbach und Suhl. Als Dozent war er in Bamberg, Samara und Togliatti tĂ€tig, wo er neben Literaturwissenschaft auch Kreatives Schreiben lehrte. Er ist Autor mehrerer Kinder- und SachbĂŒcher, sowie BeitrĂ€ge verschiedener Zeitungen. Zudem tourt er mit einem Programm zur deutschen Sprache durch Deutschland.

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Rick Riordan: Percy Jackson 3 – Der Fluch des Titanen

Inhalt:

Hilfe, die Titanen rĂŒsten zum Krieg! Percy muss unbedingt bis zur Sonnenwende die Göttin Artemis befreien, die in die Klauen der finsteren MĂ€chte geraten ist. Ein Abenteuer, das ihn und seine Freunde den gefĂ€hrlichsten Kreaturen der griechischen Mythologie gegenĂŒbertreten lĂ€sst – und tödliche Gefahren birgt … (Klappentext)

BĂŒcher der Reihe

Rezension:

Überall, wo der Sohn des Poseidon auftaucht, scheint sofort höllisches Chaos hereinzubrechen, so ist es auch bei dieser Mission der Fall, als Percy und seine Freunde zwei neue Halbblute ausfindig machen und ins Camp der Halbblute bringen wollen. Nicht nur, dass sie es quasi sofort mit einem Monster aufnehmen mĂŒssen, so dann werden auch noch Percys Freundin Annabeth und die Göttin Artemis entfĂŒhrt. Eine gefĂ€hrliche Suche beginnt, bei der der Sohn des Poseidon auf alte Feinde trifft und finstere MĂ€chte sich erheben.

Gleichsam Wellen sind die einzelnen Abenteuer durchstrukturiert, mit denen der amerikanische Schriftsteller Rick Riordan seine Protagonisten konfrontiert, nur dass diese von Band zu Band an Durchschlagskraft zunehmen. WĂ€hrend der erste Band einen verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig ruhigen Auftakt, wenn man noch nicht weiß, wie sich die Geschichte entwickeln wird, hat und der zweite zwar im Tempo zunimmt und mehr zwischenmenschliche Konflikte aufs Korn nimmt, wirkt dieser Folgeband der Jugendbuchreihe noch eine Spur hĂ€rter, auch ist das ErzĂ€hltempo praktisch sofort dort, wofĂŒr man bei den VorgĂ€ngern noch Zeit bekam, sich einzufinden.

So bleibt mehr Zeit Geschichte zu erzĂ€hlen, zwischen den Seiten bekommen die Figuren ausgiebiger Konturen, als das noch zuvor der Fall war, was allerdings dazu fĂŒhrt, dass erstmalig kleinere LĂ€ngen störend ĂŒberhandnehmen, trotzdem der Autor auch hier gerade so die Kurve bekommt, und die Balance zwischen kompakten Kapiteln und detaillierten ErzĂ€hlen bewahrt. Auch in diesem Band, den man nicht gelesen haben sollte, ohne die Vorgeschichte zu erkennen, gibt es eine klare Aufteilung der Figuren zwischen Gut und Böse, doch mutet Rick Riordan auch hier seiner Leserschaft einige Grautöne zu. Wohltuend zwischen den ganzen anderen Schreibenden, die es sich mit der Ausgestaltung ihrer Welten oft genug viel zu einfach machen.

Die ErzĂ€hlung fĂŒgt sich, wie auch schon in den BĂ€nden zuvor, harmonisch in unsere Welt ein, aber auch die Götterwelten sind einstweilen vorstellbar, sowie die Götterfiguren selbst, die durch weitere Charaktere ergĂ€nzt werden. Auch hier hilft wieder ein Glossar am Ende des Buches, den Überblick zu behalten. Manche Szenen-ÜbergĂ€nge wirken etwas holprig, wenn auch unlogische BrĂŒche glĂŒcklicherweise fehlen. Trotzdem kann man sich alles in allem gut in die Geschichte hineinversetzen und ist am Ende geneigt, dieser weiter zu folgen.

Auch hier merkt man die Vorkenntnisse Riordans, der diese gekonnt umgearbeitet seiner Zielgruppe zugÀnglich gemacht hat und aus dessen Feder inzwischen ein ganzes Universum entstanden ist. Zum ersten Mal jedoch auch, welche SchwÀchen Jugendbuch-Welten mitunter haben, wenn man sich pro Band nur so wenige Seiten Zeit nimmt.

Autor:

Rick Riordan wurde 1964 in San Antonio, Texas, geboren und ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. ZunĂ€chst studierte er Englisch und Geschichte, spĂ€ter unterrichtete er Anglistik und Sozialwissenschaften an einer High School in San Francisco. In Kalifornien und Texas unterrichtete er griechische Mythologie. Durch seinem Sohn inspiriert, sowie durch ein Schulprojekt „Kreatives Schreiben“, begann die Geschichte um Percy Jackson Gestalt anzunehmen, welche er 2005 veröffentlichte, dem weitere Werke und Reihen folgten.

Seit 2018 unterstĂŒtzt er ein Segment des Verlags Disney Hyperion, indem unter dem Imprint Rick Riordan Presents mythologisch inspirierte JugendbĂŒcher von Angehörigen der jeweiligen Kulturen erscheinen. Seine Werke wurden mehrfach verfilmt und ausgezeichnet, u. a. mit dem Mark Twain Award 2008 oder den Children’s Choice Book Award 2011.

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Rick Riordan: Percy Jackson 2 – Im Bann des Zyklopen

Inhalt:
Auch Percys siebtes Schuljahr verlÀuft alles andere als ruhig: Erst gerÀt sein bester Freund Grover in die Gewalt eines Zyklopen und dann vergiftet auch noch jemand den Baum der Thalia im Camp der Halbgötter und hebt so dessen magische KrÀfte auf. Jetzt kann nur noch das goldene Vlies helfen! Wird es Percy gelingen, Grover und das Camp zu retten?

Rezension:

Nach einem temporeichen Auftakt laufen Buchreihen nicht selten in Gefahr, in beinahe zu ruhige Fahrwasser zu geraten, da nach EinfĂŒhrung der Figuren im Hauptband zumeist oft das eigentliche World-Building beginnt. FĂ€hrten werden gelegt, Grundlagen fĂŒr Szenarien mehr und mehr ausgestaltet und Protagonisten bekommen weitere Ecken und Kanten. In Teilen ist dies auch so mit diesem Band, der eine andere TĂŒr in der Welt Percy Jacksons aufmacht, doch der Autor Rick Riordan beginnt, ohne großartiges VorgeplĂ€nkel, gleich mit den ersten Seiten seine Figuren in ein wieder rasantes Abenteuer zu verwickeln.

Die Vorzeichen im Camp der HalbblĂŒter sind einstweilen dĂŒster, als der Baum der Thalia zu sterben beginnt und damit die Grenzen des Areals durchlĂ€ssiger fĂŒr allerhand Kreaturen werden, denen sich die Bewohner um Chiron, Dionysos oder SchĂŒler wie Percy und Clarisse erwehren mĂŒssen, zudem ist auch noch Grover wĂ€hrend seiner Suche nach Pan verschwunden. Alleine durch eine Traumverbindung gelingt es ihn, mit seinem besten Freund Kontakt aufzunehmen, weshalb sich Percy gegen WiderstĂ€nde, gemeinsam mit seiner Freundin Annabeth auf eine gefĂ€hrliche Reise begibt. Doch nicht in jedermanns Interesse liegt es, dass sie ihr Ziel erreichen und den Satyr befreien.

Wie auch im ersten Band bilden kompakt gehaltene Kapitel Grundlage dieses Jugendromans, der sich wieder allerhand Anleihen aus der griechischen Mythologie zum Vorbild nimmt und dieses Alleinstellungsmerkmal noch zu verfeinern weiß. Rasant ist dabei das ErzĂ€hltempo, ebenso detailreich ist die weitere Ausgestaltung dieser Welten, in denen Rick Riordans Figuren versuchen, das Schicksal zu wenden. Auf unseren Weg lernen wir dabei weitere Protagonisten kennen und, mitunter, fĂŒrchten.

Getreu dem Genre gibt es auch hier klare GegenĂŒber, doch haben beide Seiten Ecken und Kanten und BeweggrĂŒnde, die sich aus dem Handlungsverlauf heraus ergeben. Nichts bleibt Schwarz oder Weiß. Viele Grautöne sind hier im Spiel, dessen ZusammenhĂ€nge sich lose anhand von Mythen und Legenden entlang hangelt. Wie auch schon beim Auftakt macht dies die Geschichte ungemein spannend. Mitfiebern ist angesagt, wobei deren reiche Momente immer wieder auch mit einzelnen Prisen Humor durchbrochen werden. FĂŒr junge Lesende vielleicht genau die richtige Mischung, um ab und zu durchatmen zu können. Aber auch so fĂŒhlt man sich gut unterhalten.

Perspektivisch wird die Handlung weiterhin aus der Sicht des Hauptprotagonisten erzĂ€hlt, was es angenehm macht, diese zu verfolgen. Andere Facetten kommen dadurch zum Tragen, dass entweder Percy die beobachtende oder erfahrende Position einnimmt. FĂŒr eine Fantasy-Geschichte ist es angenehm, da dadurch nicht allzu viele unlogische oder zu harte BrĂŒche entstehen. Nur ein paar Stellen lassen kurz aufmerken, noch einmal zurĂŒckblĂ€ttern, um sicherzugehen, dass man wirklich nichts ĂŒberlesen hat.

Rick Riordan versteht es, sich nicht in allzu viele Details zu verlieren, sondern immer nur genau so viel zu erzĂ€hlen, wie man gerade benötigt, um die Handlung zu verfolgen. SchauplĂ€tze und Figuren sind im Allgemeinen sehr gut vorstellbar, bleiben nur hin und wieder etwas blass, wobei die Hoffnung auf die Fortsetzungen liegt, dass diese noch mehr Facetten hinzufĂŒgen. Einstweilen ist dies fĂŒr eine direkte Fortsetzung, die man ohne den VorgĂ€nger nicht gelesen haben sollte, in Ordnung. Als Stand Alone funktioniert das Werk, nochmals die Warnung, nicht.

Mich konnte Rick Riordan wieder in seinem Bann ziehen, wobei ich fĂŒr die Beibehaltung des Glossars am Ende des Werks ausgesprochen dankbar bin. Sonst gelĂ€nge es mir nicht, einen Überblick ĂŒber die griechischen Götter und Mythen zu behalten, derer sich der Autor hier bedient hat. So kann man die BĂŒcher weiterhin ohne große Vorkenntnisse, eben nur mit dem Wissen der vorherigen BĂ€nde, schmökern. FĂŒr die Zielgruppe angehender Fantasy-Leser halte ich auch diesen Band fĂŒr gelungen.

Wenn man ĂŒber ganz wenige BrĂŒche oder Wendungen hinweg sieht, die nicht funktionieren, empfiehlt sich damit auch „Im Bann des Zyklopen“.

Autor:

Rick Riordan wurde 1964 in San Antonio, Texas, geboren und ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. ZunĂ€chst studierte er Englisch und Geschichte, spĂ€ter unterrichtete er Anglistik und Sozialwissenschaften an einer High School in San Francisco. In Kalifornien und Texas unterrichtete er griechische Mythologie. Durch seinem Sohn inspiriert, sowie durch ein Schulprojekt „Kreatives Schreiben“, begann die Geschichte um Percy Jackson Gestalt anzunehmen, welche er 2005 veröffentlichte, dem weitere Werke und Reihen folgten.

Seit 2018 unterstĂŒtzt er ein Segment des Verlags Disney Hyperion, indem unter dem Imprint Rick Riordan Presents mythologisch inspirierte JugendbĂŒcher von Angehörigen der jeweiligen Kulturen erscheinen. Seine Werke wurden mehrfach verfilmt und ausgezeichnet, u. a. mit dem Mark Twain Award 2008 oder den Children’s Choice Book Award 2011.

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