
Inhalt:
Eine brutale Mordserie hält Blackvale in Atem. Als Julia Lang, die Finanzchefin eines milliardenschweren KI-Unternehmens getötet wird, unterstützt Finn Dever die örtliche Polizei bei dem Fall. Seine Fähigkeit, die unmittelbare Zukunft eines Menschen zu sehen, hat schon oft geholfen – doch diesmal führt ihn die Spur zu einer schockierenden Wahrheit: Seine Gabe ist keine Laune der Natur, sondern künstlichen Ursprungs. Und er besitzt diese Gabe nicht allein, sondern teilt sie sich mit einem mächtigen Feind. Mit jedem Schritt wird die Gefahr größer – und Finn erkennt, , dass der Feind ihm näher ist, als er dachte … (Klappentext)
Bastian Martschink: Finn Dever 1 – Letzter Blick
Bastian Martschink: Finn Dever 2 – Täuschung
Bastian Martschink: Finn Dever 3 – Spurlos
Rezension:
Die neue Krimi-Reihe „Finn Dever“ des deutschen Schriftstellers Bastian Martschink entführt uns in die düsteren Welten amerikanischer Tech-Konzerne, eingebettet in das Schema klassischer Ermittlungsromane. Neben den spannungsgeladenen Handlungssträngen werden fast philosophische Fragen aufgemacht, wie sie derzeit gesellschaftlich diskutiertwerden und in aller Munde sind. In wie weit werden wir von Künstlicher Intelligenz bereits bestimmt? Sitzen wir überhaupt noch an einem funktionierenden Hebel oder werden wir bereits gesteuert.
Diese Fragen muss sich für seine Person die der Reihe namengebende Hauptfigur stellen, der mit seiner besonderen Gabe der Polizei schon oft zur Lösung ihrer Fälle verholfen hat. docvh zuvor beginnt auch dieser Auftaktband mit einer klassischen Mordsituation, derer sich eine detailliert geschilderte Ermittlungsarbeit anschließt, im Laufe derer wir das Figurentableau Martschinks kennenlernen. In dieser temporeichen Erzählung stechen dabei vor allem zwei Hauptfiguren heraus, die die unterschiedlichen Seiten der Ermittlungen repräsentieren und in diesem Spannungsfeld sich Schritt für Schritt dem Ergebnis annähern.
Da wäre zunächst Finn Dever selbst, der mit seinen Fähigkeiten sich zu sehr in die Fälle einbringt, die seine Stadt in Atem halten und dabei den Spagat versucht, zwischen Hauptjob, Beratertätigkeit und Privatleben zu jonglieren, was ihn im Verlauf der Handlung an Grenzen bringen wird, andererseits Kate, die neu hinzugeholt das ermittelnde Team als Leiterin unterstützen und der Polizei zum Erfolg verhelfen soll. Korrekt und zielorientiert, misstraut sie Finns Fähigkeiten zunächst, agiert jedoch pragmatisch und nutzt diese Gegebenheiten. Beide Protagonisten haben damit zu kämpfen, ihr Privatleben mit der Ermittlungstätigkeit in Einklang zu bringen. Diese Komponente ist es, die erste Ecken und Kanten sichtbar werden lässt.
Schnell ist klar, dass beide Figuren auf der gleichen Seite stehen und die Antagonisten woanders zu suchen sind. Bastian Martschink setzt auf temporeiche kompakt gehaltene Kapitel, um dies zu erzählen, was das eine oder andere Mal ungelenkt wirkt oder zumindest holpernd. Hier merkt man eine gewisse Sicht, mit der von außen auf amerikanische Ermittlungsarbeit geschaut wird, wenn auch reine Effekthascherei auf ein niedriges Maß gehalten wird.
Auch haben sich einige Fehler eingeschlichen, die man aber dank des Erzähltempos schnell überliest. Gewisse Rollenklischees ja, die gibt es auch. Wer damit nicht zurechtkommt, merkt dies jedoch mit den ersten Kapiteln. Wer dann noch weiterliest, gelangt zu den philosophischen Fragestellungen rund um künstlicher Intelligenz, die den Handlungsstrang um den Hauptprotagonisten durchziehen.
Alleine für diese lohnt es sich, sich mit dem Kriminalroman zu beschäftigen, der aus wechselnder Perspektive die Handlung fortspinnt. Zudem wird jedes Kapitel mit einer Medienmeldung eröffnet, die sozusagen die Sicht von außen auf die Mordseite zeigt, die die Stadt in Atem hält. Dieses Zusammenspiel bietet die Erzählung, die trotz einiger Schwächen sich schnell zum Pageturner entwickelt und das Tempo trotz ruhiger Momente, einmal aufgenommen, auch nicht mehr verliert.
Die Wendungen sind in diesem Zusammenhang durchaus glaubwürdig. Der Umgang mit künstlicher Intelligenz bringt eine Aktualität hinein, die zunächst skeptisch werden lässt, ob sie so eingebettet funktioniert, aber sie tut es.
Das Gedankenspiel, Chips einzupflanzen, die bestimmte Aufgaben übernehmen, verstärken oder entsprechende Impulse geben können, ist so weit nicht hergeholt, auch die Fragestellung, wer in wie weit die Kontrolle darüber behält und die Verantwortung für entsprechende Folgen zu tragen hat, ist es nicht minder. Dieser Aspekt ist hochspannend und diskutabel, hier natürlich auch ein Element der Handlung, diese voranzutreiben, wenn es kein anderes Mittel vermag.
Bastian Martschinek gelingt es handelnde Personen und Orte filmisch zu beschreiben. Zuweilen wirkt der Roman wie eine Miniserie im guten Sinne, die schlicht unterhalten möchte, was auch gelingt. Die Erzählung macht dabei Lust, noch mehr über die Figuren und ihre Entwicklung erfahren zu wollen. Der nächste Band um Finn Dever steht bereits in den Startlöchern.
Im Großen und Ganzen macht man mit diesem Kriminalroman nichts falsch, gerade, wenn man es nicht allzu plastisch brutal und dennoch moderne Elemente eingebunden haben möchte. Dann ist diese Erzählung sicherlich der richtige Lesestoff, zudem der Schriftsteller durchaus beruflich-biografische Berührungspunkte seiner selbst mit eingebunden hat, was der Handlung hier zu Gute kommt. Wer in der Lage ist, ein paar Unebenheiten zu übersehen, dem ist dieser Auftaktband und sicher auch die Reihe zu empfehlen.
Autor:
Bastian Martschink ist Professor für Data-drive-Marketin an der Hochschule Düsseldorf und beschäftigt sich mit Big Data, Analytik und Künstlicher Intelligenz. Er wurde 1984 in Herne gebporen und studierte in Bochum, sowie New York Mathematik und amerikanische Literatur. Durch seine Arbeit lernte er die verschiedenen Ebenen eines internationalen Großkonzerns kennen und lässt diese Kenntnisse, sowie seine Fachthemen in seine Bücher einarbeiten.
