Steven Levy: Facebook – Weltmacht am Abgrund

Facebook - Weltmacht am Abgrund Book Cover
Facebook – Weltmacht am Abgrund Steven Levy Droemer Erschienen am: 02.03.2020 Seiten: 687 ISBN: 978-3-426-27728-7 Übersetzer: Gisela Fichtl (u.a.)

Inhalt:

Die turbulente Firmengeschichte von Facebook zeigt, wie aus dem Konzern das international einflussreichste Tech-Imperium werden konnte, von dem es heute heißt, es bedrohe die Demokratie.

Das mit über 3 Milliarden weltweiten Nutzern auf Facebook, WhatsApp und Instagram über enorme datenvorräte und eine macht verfügt, die ihresgleichen sucht. Eine Macht, für die der Konzern heute immer deutlicher zur Rechenschaft gezogen wird.

Mit unvergleichlichem Insider-Wissen legt Steven Levy offen, was Mark Zuckerberg für die Zukunft seines Unternehmens und die unserer Gesellschaft plant. Er macht deutlich, warum Facebook die Welt unumkehrbar verändert hat und dafür heute die Konsequenzen trägt. (Klappentext)

Rezension:

Als studentisches Netzwerk im Jahr 2004 gegründet, sollte Mark Zuckerbergs Unternehmung einen stetigen Aufstieg Richtung der unseren Alltag beherrschenden Tech-Konzerne nehmen, dass es fast schwindelerregend ist, die einzelnen Stationen zu betrachten.

Wie konnte es einer kleinen Gruppe von Studenten gelingen, die Grundlage für etwas zu schaffen, welches heute zu den wohl Umstrittensten aller Unternehmen gehört, die Einfluss auf unser Leben nehmen?

Der renomierte Tech-Journalist Steven Levy beschreibt den Wandel der Plattform zur allumfassenden Datenmechanerie, skizziert dabei Wege und Wendungen, auch die Probleme, denen sich die Firmenspitze von Facebook heute mehr denn je gezwungen ist zu stellen.

Voraus ging eine jahrelange Recherche durch den Journalisten, der die Entwicklöung von Amerikas Tech-Konzernen seit über dreißig Jahren begleitet. Steven Levy nutzt und kennt die sozialen Medien und bekam Zugang zur Führungsriege, den Mitarbeitern von Facebook, sprach mit ehemaligen Wegbegleitern und Konkurrenten Mark Zuckerbergs.

Was anfangs nur als Art Unternehmensbiografie gedacht war, entwickelte sich im Laufe von zahlreichen Gesprächen zu einem tiefgehenden Psychograms dieses Unternehmes und ihrer Führungsriege. Levy zeigt auf, welche Wege und Wendungen Facebook nahm, wie Facebook arbeitete und Konkurrenten ausschaltete oder sich einverleibte, um dabei die Vision ihrer Gründer zu erfüllen.

Natürlich behält Levy die Fehler, die dabei gemacht wurden im Blick und zeigt, mit welchen Überbleibseln Zuckerberg und Co. zu kämpfen haben, die ihnen Jahre später auf die Füße fallen sollten.

Anfangs durchaus wohlwollend, ist es der kritische Blick, den Levys Arbeit auszeichnet, weshalb sich die Lektüre lohnt. tatsächlich könnte man auf die Idee kommen, einen begeisterten und positiven Bericht vorgesetzt zu bekommen, doch der Autor schaut über den Tellerrand.

Er zeigt die Perspektiven von Wegbegleitern und Konkurrenten, die zumeist nicht wohlwollend auf die Zeit mit Zuckerberg zurückschauen, aber auch, dass die angestellten durchaus idealistische Vorstellungen haben, die sich jedoch regelmäßig mit dem Geschöftsmodellen beißen, ganz zu schweigen von den entwicklungstechnischen Sprüngen, denen der Konzern folgen muss, um Platzhirsch zu bleiben.

Die Reportage ließt sich wie eine Biografie, ein Wirtschaftskrimi aber auch wie eine Blaupause, um mal die Farbe zu missbrauchen, von Erfolgsgeschichten des Silicon Valley.

Man muss dabei kein Nerd haben oder technisches Verständnis, um Steven Levys Ausführungen folgen zu können, zumal ein Großteil der Geschichte an Personen festzumachen ist, denen der Autor persönlich begegnet ist.

Hoch anzurechnen ist es dem Autoren, nicht zu werten, Mark Zuckerberg, sowie dessen Führungsriege, dass sie dem Tech-Journalisten auch dann noch Zugang zu Personen und Unternehmen gewährten, als die Richtung klar wurde, in die sich das Buch entwickelte.

Steven Levy zeigt die Auswirkungen eines amerikanischen Traumes auf die ganze Welt, sowie die Verquickung des Konzernes in die Politik von Staaten, nicht zuletzt der USA selbst.

Welche Probleme sind es, die Facebook selbst geschaffen hat, denen Zuckerberg begegnen muss und welche Visionen werden auch in Zukunft durch Facebook oder einer der eroberten Anwendungen in unserem Leben bestimmt.

„Facebook – Weltmacht am Abgrund“, als vielschichtiger Versuch, eine Unternehmung zu begreifen, die sich selbst von ein gefleischten Insidern schwer durchschauen lässt.

Autor:

Steven Levy wurde 1951 geboren und ist ein Technik-Redakteur, Kolumnist und Senior Editor beim Nachrichtenmagazin Newsweek. Er beschäftigt sich mit Kryptographie im Zeitalter der Computer und veröffentlichte 1984 erstmals eine konsistent ausformulierte Hackerethik.

In seinen Reportagen beschreibt er die Entwicklungen bei Tech-Konzernen wie Google oder Facebook und fand im jahr 1978 das nach einer Obduktion im Jahr 1955 entwendete Gehirn Albert Einsteins. Seine Reportagen und Artikel wurden mehrfach ausgezeichnet.

#01 Alexander von Humboldt

Keine Ahnung, wie viel Zeit ich dafür benötige, es ist mir auch egal, jedoch möchte ich euch nicht das Lesen dieses interessanten Schubers vorenthalten.

Da sich aber kaum jemand so viel Material freiwillig antun dürfte, mit Ausnahme derer, die vielleicht Biologie oder Geologie studieren oder Alexander von Humboldt als Person selbst, nehme ich euch einfach mit. Schon seit Erscheinen bin ich um diese Sammlung herumgeschlichen und in Leipzig habe ich dann „Nägel mit Köpfen“ gemacht.

Der Schuber musste her und steht nun bei mir bereit, entdeckt zu werden.

Ob ich das durchhalte? Keine Ahnung. Einen Versuch ist es aber wert.

Innerhalb des Beitrages werden die gelesenen Abschnitte zum jeweiligen Band ergänzt. Hier geht es um Band 1. Der Beitrag könnte also ziemlich lang werden. Zwecks Übersichtlichkeit, setze ich daher Spoiler, so dass ihr einzelne Abschnitte auf- und wieder zuklappen könnt, damit ihr nicht so viel scrollen müsst.

Herausgeber und Autor

Zu den Herausgebern (u.a.):

Oliver Lubrich

Oliver Lubrich wurde 1970 in Berlin geboren und ist ein deutscher
Literaturwissenschaftler, seit 2011 Professort für Neuere Deutsche
Literatur und Komparatistik an der Universität Bern. Zahlreiche Werke
Alexander von Humboldts editierte er und arbeitete seit 2013 an der
„Berner Ausgabe“ bisher uneditierter Schriften und Aufsätze Alexander
von Humboldts.

Thomas Nehrlich

Ist ebenso Literaturwissenschaftler und Dozent am Berner
Literaturinstitut, studierte Deutsche Philologie und Komparatistik in
Berlin und Paris. Von 2009-2011 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter
der Freien Universität Berlin, ist it Lubrich leitend an der Edition der
Berner Ausgabe tätig gewesen.

Zu Alexander von Humboldt:

Alexander von Humboldt wurde 1969 in Berlin geboren und lebte bis 1859, war ein deutscher Forschungsreisender und Gelehrter, der als Mitbegründer der Geografie und empirischen Wissenschaften gilt. Im Laufe seines Lebens unternahm er Forschungsreisen nach Lateinamerika, den USA und Zentralasien, forschte auf den Gebieten der Physik, Geologie, Mineralogie Botanik, Zoologie und Astronomie (usw.).

Er erhielt Zeit seines Lebens zahlreiche Auszeichnungen und Doktorwürden, gilt als letzter Universalgelehrter, sprach etwa ein Dutzend Sprachen und erkannte schon früh kreisläufe, wie den Klimawandel, nahm zu zahlreichen technischen und politischen Themen Stellung.

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Zu dieser Ausgabe

Alexander von Humboldt, der von 1769-1859 lebte, war nicht nur Forschungsreisender und Naturwissenschaftler, sondern auch der internationalste Publizist seiner Zeit.

Neben zahlreichen Büchern veröffentlichte er hunderte Schriften, Aufsätze, Essays, Artikel und Briefe, Beiträge zum Werk anderer Autoren. In nationalen und internationalen Medien, in mehr als ein dutzend Sprachen und an über 440 Orten auf fünf Kontinenten.

Alexander von Humboldt -Sämtliche Schriften-, Berner Ausgabe, erschienen bei dtv.

Beiträge zum Bergbau, zur Geologie, Technik, Anthropologie, Zoologie bis hin zur Klimatolgie. Er nimmt Stellung zu politischen themen wie Kolonialismus, Sklaverei, dem Welthandel oder der Judenemanzipation, entwickelte dabei zahlreiche wissenschaftliche Programme. 95 Prozent seiner Texte waren bisher nicht erschlossen, seit Humboldts Tod nie wieder gedruckt worden, rund 80 Prozent der Texte bibliographisch überhaupt nicht erfasst.

Grund genug, das einmal zusammen zu tragen.

In der Berner Ausgabe, die nach den beiden Herausgebern so benannt
ist, hat man dies versucht, mit mehrjähriger Vorarbeit natürlich.
Sämtliche Veröffentlichungen, zusammen mit Nachdrucken und
Übersetzungen, ein Band pro Publikationsjahrzehnt, weitere 2700
Fassungen, die darüber hinaus veröffentlicht wurden, werden ohnline
zugänglich gemacht, sowie textale Ergänzungen.

Die Ausgabe versteht sich dabei als Archivausgabe. Die letzten drei Bände innerhalb des Schubers, insgesamt sind es zehn Stück, umfassen die Übertragungen seiner bisher nicht übersetzten Schriften ins Deutsche, sowie Durchquerungen und Werkzeuge, sprich das Verbinden von unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, das interdisziplinare Forschen und Denken, sowie die Werkzeuge dazu.

Das Werk gibt es in der von mir benutzten Studienausgabe und, etwas edler, in einer in Leinen gebundenen Vorzugsausgabe, limitiert und handnummeriert, unterscheidet sich jedoch nicht vom Inhalt von einander. Es ist eine wissenschaftliche Ausarbeitung, kann darüber hinaus der Natur- und Geschichtsforschung dienen, erfordert in jedem Falle viel Aufmerksamkeit.

In sofern bin ich gespannt, diese Schriften zu entdecken.

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Gedanken zu „Band 1, 1789-1799„, fortlaufend ergänzt:

22.03.2020, von Beginn bis Seite 52

Die ersten erfasstenm Texte behandeln Themen der Botanik und Technik. Über neuartike Webstühle hat Humboldt geschrieben, sowie einen Vergleich gestellt, zu schon bestehenden Maschinen.

Es gibt Texte und von Humboldt selbst verfasste Korrekturen und Ergänzungen über die Entstehung von Basaltgestein, sowie zur Pflanzenkunde, hier insb. die Erfassung und Einordnung, sowie kurz Nutzen verschiedener Gräser.

Ein paar der Texte sind, da in einer anderen Sprache erschienen (Französisch), auch in der selben abgedruckt, werden wohl in den letzten drei Bänden übersetzt, wenn ich das richtig verstanden habe.

Bei den deutschen Texten muss sich konzentrieren beim Lesen, kann das dann aber gut erfassen. Das liegt an der Schreibweise bestimmter Worte und Begrifflichkeiten, sowie an der damals üblichen Ausderucksweise. Interessant fand ich hier den Text über die Technik von Webstühlen.

Hier merkt man Humboldts allumfassendes Interesse, sowie Neugier, aber auch Genauigkeit und Perfektionismus. Immer wieder geht er auf das Werk anderer Autoren und wissenschaftler ein, z.B. Carl von Linne, mit denen er zum Teil im regen Austausch steht. Auch auf Kritik reagiert er mit sachlichen Erwiederungen, scheut sich nicht, fehler richtigzustellen.

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30.03.2020, von Seite 52 bis Seite 101

Noch sind es vergleichsweise wenig fremdsprachige Texte. Die veröffentlichte Humboldt in späteren Jahren, als er viel in der Welt unterwegs gewesen ist. In seiner ersten Zeit ging es vornehmlich um Botanik, was sich bereits in seinen ersten Artikeln wiederspiegelt.

Man muss sich da schon sehr konzentrieren, wenn man jetzt kein fachliches Wissen an den Tag legt und von Pflanzen nur so viel Ahnung wie wenig hat. Alexander von Humboldt beschäftigte sich aber auch viel mit Bergbau und Rohstoffen.

In diesem Abschnitt ist viel von Salgewinnung, Salinen, derer Qualität und der Zusammensetzung der Salze die Rede, wie man sie reinigt bzw. von Fremdstoffen trennt. Wie schon der Abschnitt über die Webstuhltechnik zeugt auch dieser von der startenden Technisierung.

Auch hier wieder Humboldts verbindender Blick, der Zusammenhänge zwischen verschiedenen Fachgebieten zieht.

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Stephan Lucas: Auf der Seite des Bösen

Auf der Seite des Bösen Book Cover
Auf der Seite des Bösen Autor: Stephan Lucas Droemer Erschienen am: 02.03.2020
(Neuauflage)
Seiten: 268 ISBN: 978-3-426-30242-2

Inhalt:

Stephan Lucas steht auf der Seite des Bösen – denn er ist Strafverteidiger und verhilft Mördern, Vergewaltigern und anderen Straftätern vor Gericht zu ihrem Recht. Hier berichtet er von seinem spannenden Alltag:

Da wird ein unbescholtener Familienvater in einem harmlosen Streit zum Totschläger; ein Junge wird mit intimen Fotos erpresst, die er einer vermeintlichen Internet-Freundin geschickt hat. Der aus dem TV bekannte Anwalt erzählt von dramatischen Schicksalen und emotionalen Herausforderungen.

Wie fühlt es sich an, die Hand eines Mörders zu drücken, die zuvor eine junge Frau erwürgt hat? Wie geht man mit einem Mörder um, der einen Freispruch will? Muss man einen Vergewaltiger hassen? (abgewandelter Klappentext)

Rezension:

Wenn die Boulevard-Presse möglichst öffentlichkeitswirksam Strafprozesse kommentiert, ist das laut und schrill. Nicht selten wird nach einem härteren Durchgreifen der Justiz gerufen, natürlich ohne sich haarklein mit der Sachlage zu beschäftigen. Emotionale Forderungen nach der Wiedereinführung der Todesstrafe sind da nicht weit.

Doch, wie ist es eigentlich zu verkraften, nahezu täglich mit dem Bösen an sich konfrontiert zu sein?

Welche emotionalen Achterbahnfahrten muss man durchstehen, an welche Linien kann man sich halten, wenn man als Strafverteidiger Mördern, Vergewaltigern und Erpressern zu ihrem Recht verhelfen muss. Eines ist klar, sowohl den Opfern als auch den Tätern ist ein fairer Prozess geschuldet.

Der aus dem TV bekannte Rechtsanwalt zählt zu denen, die tagtäglich mit den grausamsten Fällen konfrontiert werden, die unsere Justiz zu bieten hat. Als Strafverteitiger ist Stephan Lucas ständig mit den Extremen der menschlichen Abgründe konfrontiert.

In der überarbeiteten Neuausgabe stellt er seine ihm prägensten Fälle vor und erläutert, warum z.B. Mörder fairen und genauen Prozessen unterzogen werden müssen, ja sogar Anrecht auf eine gerechte Behandlung haben, die diese selbst ihren Opfern nicht zukommen lassen haben.

Eine Stärke unseres Rechtsstaates ist es. Dies zu zulassen, der Autor macht jedoch auch deutlich, welcher Drahtseilakt damit oftmals verbunden und warum das richtig ist. Die Unantastbarkeit der Justiz sollte ein hohes Gut für alle Beteiligten sein.

Nicht selten ist es jedoch so, wie es zunächst scheint. An den exemplarischen Fällen wird dies deutlich, zumal der Zwiespalt zwischen Recht und Gerechtigkeit für beide Seiten in einem Prozess offensichtlich ist.

Der Anwaltsberuf ist nicht nur das kalte Paragraphenreiten. So wird deutlich, dass auch Steohan Lucas die sich im Gerichtssaal und in seiner juristischen Vorarbeit sich auftuenden Abgründe nicht kalt lassen. Wenn der pädophile Täter sich dem Gerichtsverfahren entzieht und hinterher vieldeutige Fotos aus Asien schickt, ist es auch für den Autoren ein Tiefschlag.

Alleine schon dem Verarbeitungsprozess des Opfers hätte man eine abgeschlossene Verhandlung samt Verurteilung des Täters geschuldet.

Dieser Zwiespalt und tägliche Spagat wird hier Zeile für Zeile gut herausgearbeitet. Gleichzeitig hätte ich mir noch mehr Fälle und Tiefe gewünscht, um die Komplexität bestimmter Sachverhalte zu verdeutlichen und auch richterliche Entscheidungen verständlicher zu machen.

Das fehlt ein wenig, ist vielleicht auch der anwaltlichen Schweigepflicht geschuldet. Die beschriebenen Prozesse sind natürlich anonymisiert und so weit abgewandelt, dass nur die Betroffenen und vielleicht die mit den Fällen befassten Juristen die wahren Fälle erkennen können. Trotzdem wäre etwas mehr Ausführlichkeit hier gut gewesen.

Stephan Lucas zeigt, dass auch sein Beruf kein reiner Schreibtisch-Job ist und der Gerichtssaal keine Bühne. Zumindest nicht immer. Er lüftet den Vorgang ein wenig und zeigt, dass hinter der Oberflächlichkeit der Medien, die nur zu gern stichwortartig Fälle der Justiz aufgreifen und dabei einen Großteil an Hintergründen unterschlagen, die notwendig sind, um richterliche Entscheidungen komplett nachzuvollziehen, auch auf der Seite des Bösen das Recht geachtet werden muss.

Schließlich gilt ein Täter bis zur richterlichen Entscheidung als unschuldig.

Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Kann man lesen.

Autor:

Stephan Lucas wurde 1972 in Frankfurt/Main geboren und ist ein deutscher Rechtsanwalt. Nach der Schule studierte er Jura und legte 1996 und 1999 seine Staatsexamina ab, erhielt seine Zulassung zm Rechtsanwalt. Nach Stationen in Heidelberg und München gründete er seine eigene Kanzlei und spezialisierte sich auf Strafrecht.

Zudem ist er im TV in mehreren Reality-Formaten zu sehen gewesen und veröffentlichte 2012 sein erstes Buch.

Monika Rech-Heider: Auf nach Neuland

Auf nach Neuland Book Cover
Auf nach Neuland Monika Rech-Heider Verlag: Benevento Erschienen am: 20.02.2020 Seiten: 271 ISBN: 978-3-7109-0086-0

Inhalt:

Raus aus der Job-Familie-Alltag-Tretmühle und rein ins Abenteuer. Monika Rech-Heider und ihr Mann nehmen ihre Kinder aus Schule und Kindergarten und durchqueren mit ihrem Bulli ein Jahr lang Europa.

Auf nach Neuland – ein Kontinent ohne Grenzen, ein Leben in Freiheit mit ganz viel Zeit. Vor allem aber eine Reise, die alles andere als geplant verläuft und nach der nichts mehr ist, wie es vorher war. (Klappentext)

Rezension:

Wir wollten den Kindern zeigen, dass das leben gut ist. Dass Europa gut ist. Dass wir hier zu Hause sind dass uns nichts passiert. Und der Plan ist aufgegangen.

Monika Rech-Heider „Auf nach Neuland“

Der Anfang dieses Roadtrips quer durch Europa liegt in einer vielschichtigen Sinnkrise und so ist der Bericht nicht nur Reisereportage, Selbsthilfebuch und Erfahrungsbericht, sondern die Geschichte einer Familie, auf den Weg zu sich selbst.

Aus dem gleichnamigen Blog heraus entstanden, den die Familie während der Reise führte, die zunächst mit einer Sinnkrise begann, erzählt die Autorin, wie es ihrem Mann, den Kindern und ihr selbst gelang, sich als Familie wieder zu finden und neu zu sortieren.

Einfühlsam und nahbar beschreibt Rech-Heider zunächst den Ausgangspunkt, der zu einem Trip mit großen Stolpersteinen führen sollte, die letztendlich nur überwindbare Herausforderungen darstellen sollten.

Für ähnliche Vorhaben gibt sie Tipps und Anregungen, etwa was die Organisation der Kinder angeht, da in Deutschland Schulpflicht herrscht und Ausbrüche aus dem system so nicht vorgesehen sind. Entgegen dem Gehalt vieler anderer Reiseberichte, beschreibt die Autorin hier, welche Probleme solch ein Vorhaben mit sich bringt.

Nichts wird beschönigt, weder fahrzeugtechnische Herausforderungen, noch familiär emotionale Achterbahnfahrten.

Dies ist die Stärke des Berichts, dessen kurzweilige Kapitel einen Lesefluss entstehen und so nicht nur die rein geografische Reise nachvollziehen lassen. Immer wieder gibt es Sprünge zwischen den einzelnen Zeitpunkten der Reise, sowie Rück- und Ausblicke ins Familienleben. Zeitrechnung, vor und nach der Reise.

Der emotionale Zugang wird dadurch hergestellt. Ein Leser kann sich sofort mit dem Ausbruchswillen aus dem alltäglichen Trott identifizieren. Auch die Freiheiten und Vorteile, jedoch auch Probleme Europas kommen zur Sprache.

Gleichzeitig wirken manche Beschreibungen zwar als für die Autorin selbst wichtig, für den Konsumierer der „Blogartikel“ auch mal belanglos. Dies stört und hemmt den Lesefluss, im nächsten Moment ist man jedoch gleich wieder in einer anderen Ecke Europas angelegt.

Monika Rech-Heiders Bericht lebt von den Beschreibungen der Begegnungen mit Menschen, die man wohl landläufig als Zufallsbekanntschaften bezeichnet, die die Familie auf ihren Weg hin machte, sowie der Gewissheit, dass es hier durchaus gelang, ein wenig aus diesem Abenteuer in die Zeit nach den Trip hinüber zu retten.

Natürlich muss eine Sinnkrise nicht unbedingt mit einer Auszeit oder einer Reise bewältigt werden, doch die kurzen Texte, die nach den jeweiligen Reiseabschnitten gegliedert sind, zeigen zumindest diese Möglichkeit auf.

Immerhin dies. In der Art mündlich vorgetragen, kommt der Bericht sicher noch emotionaler und tiefgehender rüber, schriftlich fehlt hier noch das gewisse Etwas. Als Anregung, für sich selbst einen Weg aus der Gleichförmigkeit des Alltags zu entrinnen, funktioniert „Auf nach Neuland“ dennoch.

Autor:

Monika Rech-Heider ist Geografin, Journalistin und Inhaberin einer kleinen PR-Agentur. Ihr Mann ist freiberuflicher Architekt. Zusammen reisten sie und ihre Kinder ein Jahr durch Europa. Aus dem zugehörigen Blog entstand das gleichnamige Buch.

Statt Buchmesse – Rückblick

Manchmal muss man die Situation so nehmen, wie sie ist und da nun einmal der Urlaub eingeplant war, die Verwandtschaft darauf vorbereitet, mich unterzubringen und ich die Zugtickets gebucht hatte, hatte ich mich trotzdem dazu entschlossen, nach Leipzig zu fahren.

Wer konnte, hatte sein Hotel umgebucht oder storniert. Viele hatten diese Möglichkeit nicht und hatten die Zeit genutzt, die Messestadt zu erkunden oder sich Alternativen zum Programm „Leipzig liest!“ zu suchen, welches nur in sehr komprimierter Form stattfand.

Hashtags, wie #Buecherhamstern, machten seit der Bekanntgabe der Messe-Absage im Internet auf das Programm unabhängiger und kleiner Verlage aufmerksam. Große Verlage, wie dtv oder Carlsen, veranstalteten eigene Aktionen. Selbst die Medien, wie MDR Kultur, stellten kurzerhand quasi eine Online-Messe zusammen. Blogger vervollständigten das Bild mit Aktionen, wie den #ComicMärz. Die Buchmesse ging in die Digitale.

Bücherhamstern.

Dies brachte zumindest ein wenig Ersatz für volle Messehallen, Lesungen und Autorenrunden, brachte Leser und Leserinnen diesmal auf anderen Wege einander näher und zeigte auf, was möglich ist, wenn eine Ausnahmesituation die Tage bestimmt. Und das war großartig.

Bücherfreunde halten zusammen. Wenn wir dies als Fazit in das nächste Jahr mit hinein nehmen könnten, wäre dies klasse. Natürlich kann dies alles eine reale Messe nicht ersetzen, und so habe ich mir auch die Tage entsprechend ein Alternativprogramm gestaltet.

Für mich und einige andere Bücherfreunde ging es auf Goethes Spuren durch die Leipziger Innenstadt, am Sonnabend in den Zoologischen Garten, den kleinen Elefanten bewundern. Und natürlich wurden trotz fehlender Lesungen Bücher begutachtet und gekauft. Ich habe mich diesmal nur auf die Bücher beschränkt, die ich ohnehin vorhatte, mir näher anzuschauen.

Gelesen habe ich auch. Ganze zwei Bücher habe ich geschafft. Wenn Buchmesse wirklich ist, komme ich nicht einmal zum Lesen.

Der kleine Elefant im Leipziger Zoo.

Und einen Schuber, der schrittweise hier vorgestellt werden soll, und jedweden Rahmen sprengt. Lesestoff für die kommenden Wochen.

Das sprengt den Rahmen oder den Koffer.

In diesem Sinne waren es trotzdem schöne Tage. Leipzig, natürlich, eine wunderschöne Stadt, die es sich lohnt, zu besuchen. Ich hoffe aber dennoch, dass wir im nächsten Jahr alle wieder eine farbenfrohe, bunte und vielfältige Buchmesse besuchen können und wieder live begegnen werden.

Und, dass wir alle unbeschadet aus dieser Situation herausfinden.

Gesundheit ist schließlich das Wichtigste.

In diesem Sinne, Leipzig liest dennoch.

Euer findo.

Christian Hardinghaus: Die verdammte Generation

Die verdammte Generation Book Cover
Die verdammte Generation Christian Hardinghaus Europa Verlag Erschienen am: 21.02.2020 Seiten: 328 ISBN: 978-3-95890-297-8

Inhalt:

Holocaust und Judenverfolgung haben seit Jahrzehnten ihren berechtigten Platz im kollektiven Gedächtnis, doch wie sieht es aus, die Soldaten zu befragen, die auf deutscher Seite im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben.

Ein Versäumnis, welches begann, als man in Deutschland bereit war, ein Stück Geschichte aufzuarbeiten. Bisherige Versuche einer differenzierten Betrachtung scheiterten. Der Historiker Christian Hardinghaus befragte dreizehn Zeitzeugen, die schonungslos ehrlich über das Kämpfen und Töten im Zweiten Weltkrieg berichten.

Damals und retroperspektivisch. Es sind die <berichte einfacher Soldaten und somit ein wichtiger Beitrag unserer Erinnerungskultur. (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:

In den letzten Jahren füllten sich zunehmend die Archivsammlungen mit Zeitzeugenberichten und Interviews, die uns zur Aufgabe machen, diese Erinnerungen zu bewahren und nicht zu vergessen.

Als nachfolgende Generation sind wir für damalige Taten und Ereignisse nicht verantwortlich, doch tragen wir Verantwortung dafür, mit den Erkenntnissen daraus verantwortungsvoll umzugehen und diesen gerecht zu werden.

In verschiedenen Bereichen gelingt dies mehrheitlich. Doch, immer noch gibt es Themen, die weitgehend unbesprochen sind, so zum Beispiel die Rolle des einfachen Soldaten an den Fronten des Zweiten Weltkrieges, der ein kleines Rädchen im großen Getriebe war, auf die Entscheidungen der Politiker und obersten Führungsriege jedoch keinen Einfluss hatte.

Wie gehen wir damit um? Zurzeit zeichnen sich zwei Wege ab. Einmal, die totale Verklärung, was falsch ist. Zum anderen, die totale Negierung von bestimmten Ereignissen im Zweiten Weltkrieg, was ebenso nicht richtig erscheint.

Eine differenzierte Betrachtung, eben nicht nur der Extreme, sondern auch der Graustufen dazwischen, ist kaum vorhanden. Dies versucht der Historiker und Autor Christian Hardinghaus nun in seinem neuesten Werk und befragte dazu mehrere Zeitzeugen, unterschiedlicher Jahrgänge, die an verschiedenen Fronten des grausamsten aller Kriege auf deutscher Seite kämpfen mussten.

Als einfache Soldaten. Und stößt damit ein Stück Erinnerungskultur an, die in anderen Ländern selbstverständlich ist, hierzulande jedoch stiefmütterlich behandelt wird.

Die ehemaligen Soldaten berichteten dem Autoren nun in Abstand der vergangenen Jahrzehnte von ihren Erlebnissen mit einer differenzierten Selbstreflektion über das Leben als einfacher Soldat, das Töten und Sterben an der Front und den Grausamkeiten des Krieges an forderster Linie, ohne Holocaust und Verfolgung, hinter den Frontlinien zu negieren oder zu beschönigen.

Stärke ist hier die Sicht des persönlichen Erlebens, welche den Lesern zugänglich gemacht wird, ohne dass dies Christian Hardinghaus wertet. Vielmehr dürfen und können die Leser sich eine eigene Meinung bilden. Fazit vielleicht, Krieg bringt nichts, er zerstört nur.

Eben auch die Leben derer, die als Soldaten kämpfen müssen. Egal, ob freiwillig oder dazu gezwungen.

So ist diese Gesprächssammlung, nichts weniger ist das vorliegende Werk, eine Ergänzung, die dazu anregen sollte, sich mit allen Perspektiven des Zweiten Weltkrieges zu beschäftigen und sich eben nicht nur auf bestimmte zu konzentrieren.

Die bisherige Aufarbeitung ist richtig und wichtig, jedoch noch nicht vollständig. Gerade hierzu leistet der Historiker Hardinghaus einen wichtigen Beitrag, der durchaus, auch, kontrovers zu diskutieren ist.

Diese Diskussion jedoch erst einmal anzustoßen, ist in unseren turbulenten Zeiten der Meinungsfrontenbildung wichtig, um ein differenziertes und ausgewogenes Bild zu bekommen.

In kurzen übersichtlichen Kapiteln ist diese Sammlung der Gespräche gegliedert, abschließend mit jeweils drei ergänzenden Fragen an die Interviewpartner gestellt, die die Gespräche einordnen. Eine ausführliche Einführung in die Texte ist ebenso gegeben, wodurch das Ganze abgerundet wird.

Ein wichtiges Dokument, welches den geschichtlichen Diskurs ergänzen sollte, wenn mir auch die Anzahl der geführten Gespräche als fast zu wenig erscheint, was jedoch dem zeitlichen Kontext geschuldet sein dürfte.

Autor:

Christian Hardinghaus wurde 1978 in Osnabrück geboren und ist ein deutscher Historiker, Schriftsteller und Fachjournalist. Nach seinem Studium der Geschichte, Literatur- und Medienwissenschaft (Film und TV) promovierte er an der Universität Osnabrück im Bereich Propaganda- und Antisemitismusforschung.

Im gleichen Jahr absolvierte er den Lehrgang Fachjournalismus an der Freien Journalismusschule. 2016 erwarb er zudem den Abschluss für das gymnasiale Lehramt in den Fächern Deutsch und Geschichte. Er ist Autor zahlreicher Sachbücher und Romane. Hardinghaus lebt in Osnabrück.

Kurzblick: #ComicMärz 2020

Nico vom Blog Buchwinkel rief die Literaturblogger zum #ComicMärz zusammen. Klar, dass auch ich mich gerne daran beteilige.

In meinen Beitrag möchte ich dies gerne auf Zeichentrick, sozusagen den bewegten Comic, erweitern und stelle ein wahrhaft europäisches Projekt vor. Die Zeichentrickserie „Als die Tiere den Wald verließen“.

Als die Tiere den Wald verließen

Theme-Song „Gib niemals auf!“

Als der 1943 in Groß-Britannien geborene Schriftsteller Colin Dann seinen ersten Roman veröffentlichte, ahnte er nicht, dass daraus einmal ein wahrhaft eurropäisches Gemeinschaftsprojekt werden würde, welches Kinder über Landesgrenzen hinweg begeistern, faszinieren und zum Nachdenken anregen sollte.

Heute sind die Themen seiner Bücher, die darauf basierende Fernsehserie aktueller denn je. Zeit, sie einmal wieder hervorzuholen.

Colin dann arbeitete eigentlich bei einem britischen Verlag, veröffentlichte jedoch 1980 selbst einen Roman mit dem Titel „Als die Tiere den Wald verließen“, in denen Themen wie die Zerstörung der Natur, Vertreibung von Tieren, Umweltverschmutzung, Tod und Liebe behandelt wurden.

Das alles in Romanform und ohne den geschönten Blick einer rosaroten Brille. Dieser Schriftsteller nahm, wie es Astrid Lindgren in Schweden tat, seine kleinen Leser und Leserinnen Ernst.

Die Geschichte an sich ist schnell erzählt. Der Wald, in dem die verschiedensten Tiere leben, muss den Menschen weichen. Zugunsten einer Wohnsiedlung. Der Teich wird zugeschüttet, Nester und Höhlen werden zerstört, der Bach verkommt zu einem schlammigen Rinnsal. Die Tiere kämpfen mehr und mehr ums Überleben. Guter Rat ist teuer.

Im Bau des Dachses versammeln sich die Tiere vom ängstlichen Kaninchen, der gerissenen Kreuzotter, bishin zum schlauen Fuch und beraten, was tun? Alleine die Kröte weiß Rat.

Colin Dann „Als die Tiere den Wald verließen“
Verlag: Beltz-Gulliver; Taschenbuch mit 368 Seiten.
ISBN: 978-3-4077-4395-4

Auf ihren Reisen ist sie einst an einem Naturschutzgebiet vorbeigekommen, wo Tiere unbehelligt von den Menschen, ja sogar von ihnen geschützt, leben können. Doch, der Weg dorthin ist weit und gefährlich. Soll man es also wagen?

Der Entschluss fällt nach einiger Diskussion und einem Schwur. Der -Eid zum gegenseitigen Schutz- soll die kleineren Tiere davor bewahren, von den Fleischfressern, nun ja, eben gefressen zu werden. So macht sich die bunt zusammengewürfelte Gruppe auf, ihren Wald Richtung Naturschutzgebiet zu verlassen.

Reihenfolge der Bücher von Colin Dann

Band 1 – Als die Tiere den Wald verließen

Band 2 – Was die Tiere im Park erlebten

Band 3 – Wie die Tiere das Fürchten lernten

Band 4 – Als die Tiere ums Überleben kämpften

Band 5 (Prequel) – Wo die Tiere zu Hause waren

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Nicht alle werden die Reise überleben. Viele Gefahren fordern unterwegs ihren Tribut. Doch, das gemeinsame Ziel schweißt zusammen.

Es ist diese Geschichte über Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Zusammenhalt, die mich als kleinen Jungen fasziniert hat, ebenso, dass Themen wie Liebe und Tod nicht ausgespart blieben. Der erste Wälzer, den ich gelesen hatte, zeitgleich die erste Zeichentrickserie, die ich mir bewusst angeschaut hatte. Die lief nämlich ab 1993 in der ARD.

Und war ein wirkliches Gemeinschaftsprojekt der EBU, die sich ansonsten für u.a. den Eurovision Song Contest auszeichnet. Unzählige Fernsehanstalten beteiligten sich unter Federführung der BBC und des WDR an der Umsetzung. Liebevoll im Zeichentrickstil animiert. Weit weg waren noch die Zeiten, in denen 3D-Animationen alltäglich wurden.

Quelle: PIDAX-Film

Naturgetreu und liebevoll bis ins Detail flimmerte die Serie über die Fernsehbildschirme in die Wohnzimmer. Zeitweise begleitet von einer Heftreihe, die jedoch nicht so lange überlebte, wie die Serie selbst, die sich im späteren Verlauf lose an den Folgebänden von Colin Dann orientieren sollte.

Realistisch der Zeichnstil, wenn auch mit zunehmenden Staffeln, es gab derer insgesamt drei, teilweise aus Foten Finger wurden, was man besonders an den Wieseln sehen konnte.

Zu loben ist hierbei jedoch die Synchronisationsarbeit. Große Namen wie Martin Semmelrogge etwa, leihten den Tieren ihre Stimmen. hnlichen Aufwand betrieb man auch in den anderen beteiligten Ländern.

Staffel 1 von 3, allesamt auf DVD veröffentlicht.

Die Romane gibt es, bis auf den ersten, der inzwischen neu aufgelegt wurde, bisweilen nur mehr antiquarisch zu erwerben. Die Serie ist immerhin komplett auf DVD erhältlich. Beides lohnt sich. Gerade heute, wo Themen wie Klima- und Umweltschutz, Tierwohl, in aller Munde sind.

Die Serie ist zu Weilen grausam, die Natur ist es ja auch. Friede, Freude, Eierkuchen sind weit davon entfernt. Vielmehr bemühten sich die Macher um ein realistisches Bild (wenn man einmal vom Zusammenhalt über Tierartgrenzen hinweg absieht) und Romannähe, was zu honorieren ist.

Und für spannende Familiennachmittage zu empfehlen.

Sven Felix Kellerhoff: Eine kurze Geschichte der RAF

Eine kurze Geschichte der RAF Book Cover
Eine kurze Geschichte der RAF Autor: Sven Felix Kellerhoff Klett-Cotta Erschienen am: 22.02.2020 Seiten: 208 ISBN: 978-3-608-98221-3

Inhalt:

Die RAF hatte dem Rechtsstaat den Kampf angesagt. Sie stürzte die Bundesrepublik in ihre bis dahin tiefste Krise. Welche Rolle spielten die Baader-Meinhof-Anwälte? Warum wurde an den Mythos der „Vernichtungshaft“ geglaubt?

Wie machte die RAF nach dem „Deutschen Herbst“ 1977 weiter? Der Autor zieht pointiert Bilanz und enthüllt die konzise Gesamtgeschichte des Linksterrorismus in Deutschland, der schonungslos gegen die Demokratie ins Feld zog. (Klappentext)

Rezension:

Aus kleinen Teilen einer Portestbewegung heraus entstand Ende der 1960er Jahre eine Terrororganisation, die mehr als dreißig Jahre die Bundesrepublik in Atem hielt, die Gesellschaft und den Rechtsstaat herausfordern sollte.

Zunächst getragen von Sympathien, anfangs von Teilen der Studentenschaft und Intellektuellenkreisen, verschaffte sie sich durch Anschläge auf Personen und Institutionen der Medienwelt, Wirtschaft und Politik Aufmerksamkeit, doch bröckelte der Rückhalt mit den Jahren, spätestens aber mit der Nacht von Stammheim zusehens.

Immer schwieriger wurde es, für vermeintliche und tatsächliche Ziele Personal zu requirieren und so lief die als „Proejekt Stadtguerilla“ gegründete Terrororganisation nach drei Generationen aus.

Die Rote Armee Fraktion scheiterte an der Gesellschaft und Hartnäckigkeit des Staates. Viel ist darüber geschrieben wurden, über die Täter und die Entwicklung dieser Bewegung, nicht zuletzt in den Monumentalwerken Stefan Austs und Butz Peters, die damit Standartliteratur geschaffen haben.

Doch, ist es möglich, die Perspektive der Opfer einzunehmen und eine Kurzfassung darüber zu schreiben? Sven Felix Kellerhoff hat dies versucht.

Knapp 208 Seiten umfasst das vorliegende Werk, wenn man Inhalts- und Quellenverzeichnisse mitzählt und so erhält man eine wahrhafte Kompaktfassung, die mit „Eine kurze Geschichte der RAF“ dies auch im Titel deutlich macht.

Das knapp gehaltene Sachbuch umfasst die wesentliche Geschichte der die Bundesrepublik Deutschland prägenden Terrororganisation, die an ihren beteiligten Personen, der Politik und letztendlich auch an der Gesellschaft scheitern sollte. Die Recherchearbeit merkt man dem Autoren an.

Es ist jedoch schade, dass es ihm nicht so gelungen ist, wie auf den ersten Seiten geschildert, hier den Opfern der Anschläge genug Raum zu geben.

Doch ist es erstaunlich, auf wie wenig Seiten sich die Geschichte der RAF raffen lässt, die selbst heutzutage kaum lesbare Pamphlete als Rechtfertigung für ihre Anschläge schrieb.

Kellerhoff zeichnet so knapp wie möglich die Entwicklung der Roten Armee Fraktion nach, wie es wohl kaum einem Autoren vor ihm gelungen ist. Viel neues wird einem Kenner der Materie jedoch nicht begegnen. Gut recherchiert ist es jedoch und so nah geschrieben, dass es sich als Einführung gut lesen lässt, was nun im Klett-Cotta Verlag erschienen ist.

„Eine kurze Geschichte der RAF“ ist Einführungsliteratur, nicht mehr, jedoch auch nicht weniger. Wer sich jedoch weitergehend informieren möchte, etwa zu Mogadischu, den Anschlag in Stockholm oder den vorangegangenen Ereignissen der Gründung der RAF sollte auf andere Literatur umschwenken, bzw. diese nachfolgend lesen.

Nichts destotrotz wird Kellerhoff künftig im Kanon der Geschichtsliteratur zur Roten Armee Fraktion zu Recht zu finden sein.

Autor:

Sven Felix Kellerhoff wurde 1971 in Stuttgart geboren und ist ein deuterscher Journalist, Historiker und Autor. Nach der Schule studierte er an der Freien Universität Berlin Neuere und Alte Geschichte, Publizistik und Medienrecht.

Er arbeiete zunächst für verschiedene Zeitungen und Fernsehsender, absolvierte 1997/1998 die Berliner Journalisten-Schule. Seit 1998 arbeitet er für den Axel Springer Verlag. Dort war er von 2000-2002 Leiter der Wissenschaftsredaktion der Berliner Morgenpost und danach Verantwortlicher für die Kulturberichterstattung.

Seit 2003 ist er leitender Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte der Welt und Berliner Morgenpost. Seit 2012 ist er verantwortlich für den Geschichtskanal der Welt/N24.

Kellerhoff ist Autor verschiedener Sachbücher und war von 2005-2008 Beisitzer im Vorstand des Landesverbands Berlin des Deutschen Journalisten-Verbands.

Bücher gegen das Vergessen #01

In zwölf Teilen soll es hier um besondere Bücher zu geschichtlichen Themen gehen, die gegen das Vergessen geschrieben und veröffentlicht wurden. Es ist eine unvollständige, vollkommen subjektive Auswahl und es gibt sicher noch viel mehr von dieser Sorte zu lesen. Diese Rubrik soll daher nur ein Anstoß sein, sich damit zu beschäftigen.

Dies ist Teil 1.

Teil 1 – Petr Ginz: Prager Tagebuch 1941-1942

Die Tagebücher des Petr Ginz

Nicht wenigen dürften, zumindest als Schullektüre, „Die Tagebücher der Anne Frank“ bekannt sein, die das jüdische Mädchen in ihrem Amsterdamer Versteck geschrieben hatte, worin sich die Familie vor ihrer Entdeckung durch die Nazis während der Besetzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg zurückziehen musste.

Doch, auch andere Kinder schrieben das alltäglich Erlebte, das Grauen, auf, welches in besonderen Zeiten Aufsehen erregt hätte, jedoch ein Zustand wurde, mit denen sie versuchten, zurecht zu kommen. Viel davon ist beeindruckend zu lesen und bei Lektüre regelrecht erdrückend.

Petr Ginz: Prager Tagebuch 1941-1942
Bloomsbury, 192 Seiten, ISBN: 978-3-8270-5245-2 (antiquarisch)

Das tschechische Äquivalent zu Anne Frank sind die Tagebücher des Prager Jungen Petr Ginz, der 1928 geboren wurde und als Zwölfjähriger begann, das Erlebte aufzuschreiben. Seine kleinere Schwester und er wuchsen liebevoll umsorgt in der tschechisch-slowakischen Hauptstadt auf, die mit als erste zu spüren bekam, was es bedeutete, von den Nationalsozialisten besetzt worden zu sein.

Petr zeichnete sich dabei durch eine sehr genaue und nachhaltige Beobachtungsgabe aus.

Juden müssen ein Abzeichen tragen. Auf dem Weg zur Schule habe ich 69 ‚Sheriffs‘ gezählt, Mama hat über Hunderte gesehen.

Petr Ginz: Prager Tagebuch 1941-1942

Der Junge schrieb auf, was Alltag wurde. Anders als Anne Frank, kurz und knapp, fast journalistisch genau, ohne Gefühle ausführlich zu beschreiben, die nur hin und wieder durchscheinen. Es war ja ursprünglich nur für ihn selbst gedacht. Sicher dachte er nicht daran, dass einmal seine Erinnerungen veröffentlicht werden würden. Die Gefühle kommen dann eher in seinen zahlreichen Zeichnungen, kolorierten Linolschnitten oder Gedichten zum Vorschein. Ein feinfühliger, sensibler und mental starker Junge, so scheint es den heutigen Lesern.

Die Familie versteckte sich nicht. Seine Schwester Eva und er kamen später nach Terezin/Theresienstadt. Eva überlebte. Petr wurde nach Auschwitz deportiert und dort wie viele andere ermordet.

Nachdem Absturz der Raumfähre Columbia, in die der israelische Astronaut Ilan Ramon die Kopie einer Zeichnung von Petr Ginz mitgenommen hatte, die zeigte, wie sich der Junge die Mondlandschaft vorstellte, erhielt seine Schwester die Nachricht vom Fund seiner Tagebücher in Prag, zusammen mit anderen kreativen Werken Petrs.

Petr Ginz: Mondlandschaft

Im Jahr 2006 wurden sie erstmals veröffentlicht.

Derzeit ist die Ausgabe der Prager Tagebücher 1941-42 nur antiquarisch zu bekommen. Doch, wer Tschechien, insbesondere Prag besucht, findet überall Spuren, nicht nur den Stolperstein vor der ehemaligen Wohnadresse. In einer Prager Synagoge sind die Namen all der Hauptstadteinwohner aufgeführt, die den Holocaust nicht überlebten, in einer anderen findet man ein Bild, welches Petr im Tereziner Ghetto gezeichnet hatte.

Auch in Theresienstadt selbst, wo Petr und andere Jungen die Untergrundzeitung Vedem verfasste, gibt es Werke von ihm zu sehen.

Von Petr Ginz geschriebenes und von Nizza Thobi vertontes Gedicht.

Wer sich mit der Geschichte der Prager Juden beschäftigen möchte, wird unweigerlich auf die von Petr Ginz stoßen, der in anderer Zeit ein großer Journalist, Schriftsteller oder Wissenschaftler hätte werden können. Wer kann, besorge sich die antiquarische Ausgabe des Tagebuchs eines Jungen, der auch Geschichten im Stil von Jules Verne schrieb, den er bewunderte. Heute würde man von einer der ersten Fanfictions sprechen. Leider wurde diese bisher nicht übersetzt.

Seine Prager Tagebücher, die denen in der Beobachtungsgabe von Anne Frank in nichts nachstehen, jedoch schon. Sie seiem jedem zur Lektüre empfohlen.

Vzpominka na Prahu – Petr Ginz

Weiterführende Links:

Website über Petr Ginz – Mehr Informationen

The last flight of Petr Ginz

Schule – Judentum / Petr Ginz

Christopher Kloeble: Das Museum der Welt

Das Museum der Welt Book Cover
Das Museum der Welt Autor: Christopher Kloeble Verlag: dtv Erschienen am: 21.02.2020 Seiten: 528 ISBN: 978-3-423-28218-5

Inhalt:

Bartholomäus ist ein Waisenjunge aus Bombay, er ist mindestens zwölf Jahre alt und spricht fast ebenso viele Sprachen.

Als Übersetzer für die deutschen Brüder Schlagintweit, die 1854 mit Unterstützung Alexander von Humboldts zur größten Forschungsexpedition ihrer Zeit aufbrechen, durchquert er Indien und den Himalaya.

Bartholomäus verfolgt jedoch einen ganz eigenen Plan: Er selbst möchte das erste Museum seines großen und widersprüchlichen Landes gründen. Dafür riskiert er alles, was ihm etwas bedeutet, sogar sein Leben. (Klappentext)

Rezension:

Als das British Empire an seinen Rändern erste Auflösungserscheinungen zeigt, die Kolonien in Neuengland strebten Mitte des 19. Jahrhunderts nach Unabhängigkeit, begann man anderswo gerade erst, seine Vorherrschaft zu festigen.

Mit Hilfe von Pionieren, Glücksrittern und Entdeckern, dem Handel und starken Militär sicherte sich England den riesigen indischen Subkontinent im Spiel der Großmächte. Expeditionen wurden gefördert, um weiße Flecken von der Landkarte zu tilgen und Besitzanspruch zu markieren. Mittendrin drei Deutsche, deren Weg heute fast vergessen ist.

Unter Fürsprache des preußischen Königs und Empfehlung Alexander von Humboldts machten sich 1854 die Gebrüder Schlagintweit auf, Indien für das englische Königshaus und die britische East India Company zu ergründen. Die Bergsteiger und Wissenschaftler unternahmen eine bis dato beispiellose Expedition, erforschten mal gemeinsam, mal getrennt, von Bombay ausgehend, atemberaubende Landschaften, drangen bis nach Nepal und Tibet vor, um ihren in Europa gegebenen Auftrag zu erfüllen.

Unter all den Dingen, zu denen ich mitgewirkt, ist Ihre Expedition bzb eube der wichtigsten geblieben. Es wird mich dieselbe noch im Sterben erfreuen.

Alexander v. Humboldt, Brief an die Brüder Schlagintweit, im Roman abgedrucktes Zitat.

Der Schriftsteller Christopher Kloeble hat sich nun diesem historischen Stoff angenommen und daraus einen Abenteuer- und Expeditionsroman gewoben, der seines Gleichen sucht. Hauptfigur hier, der Waisenjunge Bartholomäus, der zunächst unwillig die drei Brüder begleitet, beobachtet und nicht nur die Ingrez, Indien und schließlich sich selbst kennenlernt.

Aus der Sicht des Hauptprotagonisten wird die Geschichte erzählt. Detailreich lässt der Autor das Indien der Kolonialzeit wieder aufleben, zeigt, wie erste zarte Sprosse einer Unabhängigkeitsbewegung wuchsen, die erst etwa hundert Jahre später zum Erfolg führen sollten.

Zugleich ist dem Autor ein wunderbarere Coming of Age Roman gelungen, der feinfühlig vom Aufwachsen in unklaren Verhältnissen, Ängsten berichtet, parallel Bartholomäus mit zunehmender Seitenzahl Erfahrung und Selbstsicherheit angedeihen lässt. Umgeben von Lüge und Verrat.

Werde ich den Verräter auch bald als Freund bezeichnen?

Der Hauptprotagonist Batholomäus in „Das Museum der Welt“ von Christopher Kloeble.

Die Spannung eines solchen starken Stoffes fehlt nicht. Tatsächlich hat Kloeble hier keine Längen entstehen lassen, sondern das richtige Maß gefunden, etwa zwischen ausführlicher Beschreibung von Handlungen und Landschaften, ohne in irgendeinem Bereich zu übertreiben oder seine Leser zu unterfordern. Auch kitschig wirkt das alles nicht.

Die Kapitelgliederung folgt der Expedition, deren Beschreibung nahe an der Wahrheit liegt, zumindest im Verlauf, und den Beobachtungen des jungen Bartholomäus‘. So werden nicht nur Orte und Gegenstände zu bemerkenswerten Objekten, auch die Protagonisten unter dem sensiblen Augenmerk des Hauptprotagonisten.

Dies hält den Spannungsbogen, der von der klaren und dichten Sprache des Autoren bestimmt ist. Dieser Roman ist eine gelungene Mischung aus Expeditionsgeschichte, Abenteuer und Coming of Age, Gesellschaftskritik und Landesgeschichte, wie sie nur selten zu finden ist. Somit ist das Werk Teil des Museums der Welt, des ersten Museum Indiens, welches Bartholomäus zusammentragen möchte.

Ich kann nur jedem Leser empfehlen, es zu ergründen.

Autor:

Christopher Kloeble wurde 1982 in München geboren und ist ein deutscher Schriftsteller und Drehbuchautor. Er war Mitglied im Tölzer Knabenchor und besuchte bereits als Schüler den Manuskriptum-Kurs der Ludwig-Maximillians-Universität München.

Er studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und veröffentlichte in diversen Zeitschriften. Parallel dazu schrieb er diverse Drehbücher für Film und Fernsehproduktionen. Für seine Werke erhielt er zahlreiche Stipendien und Preise. Kloeble lebt in Neu-Dehli und Berlin.

Zusatzinformationen:

Die Nachfahren der realen Gebrüder Schlagintweit haben hier Informationen und Hintergründe zur Geschichte ihrer Vorfahren zusammengestellt. Die abgebildete Karte findet sich auch im Roman wieder.

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