Die Frankfurter Buchmesse 2026 – Gute Tage für die Literatur
Der Jahreszeit getreu, zeigte sich das Wetter der vergangenen Tage zumindest in Frankfurt sehr wechselhaft, was in etwa die Stimmung auf der diesjährigen Buchmesse ganz gut wiedergibt. Neue Konzepte und Initiativen begleiteten die größte Veranstaltung der Buchbranche ebenso, wie Zahlen und harte Fakten, mit denen diese schon länger zu kämpfen hat. Sinkende Lesekompetenz und ebenso schwächelnde Verkaufszahlen sind da zu nennen, der Angriff auf die Meinungsfreiheit, Kunst und Kultur von Seiten der Extreme. Auch dagegen stemmte sich die tschechische Autorin Radka Denemarkova in ihrer viel beachteten Eröffnungsrede, die sich vor allem an und gegen den Kulturminister ihres Landes richtete, welches dieses Jahr das Gastland stellen durfte. „Land an der Küste“ war das Motto Tschechiens und meinte damit vor allem die Lebendigkeit, Weitläufigkeit, Grenzen überwindende Möglichkeit und das Schaffen von Verbindungen, wie es eben der Kultur und vor allem der Literatur möglich ist.

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Die Halle des Gastlandes habe ich mir dann auch gleich als erstes angeschaut. Weiße aufgeblasene Ballons, die eine Art Kristall- oder Bergwelt, wenn man so will, schroffe Landschaft darstellen sollten, dominierten den Raum, dazwischen die Regale mit zahlreichen tschechischen Werken und ihren Übersetzungen. Mal wieder ein richtiges und nachdenklich machendes Konzept. Da Nachbarland, ist hierzulande ein Gutteil an tschechischer Literatur in der deutschen Übersetzung uns zugänglich und so konnte man sich an vielen Verlagsständen, vor allem bei den kleineren und unabhängigen Verlagen, nicht nur nur an den in der Halle liegenden Büchertisch, mit der Literatur des Landes eindecken.
Gleich darauf ging es in Halle 5 zum Fitzek-Stand, wo es verschiedene Fotospots zu absolvieren gab, zudem das kommende Werk „Der Nachtzug“ bereits in einem gläsernen Kasten ausgestellt war und zur Crime World, in der man sich selbst ein paar Detektivaufgaben stellen und Fälle lösen musste. Hat Spaß gemacht, ich war aber froh, das gleich zu Beginn der Messe gemacht zu haben. Schon ein paar Stunden später und das an einem Fachbesuchertag, war die Besucher-Schlange an beiden Ständen einfach zu lang. Den ersten richtigen Termin hatte ich bei Voland & Quist, wo mir das aktuelle Programm vorgestellt wurde, danach eine Lesung von Andrea Wulf, die ihr Buch über den Gelehrten Georg Forster „Der Reisende“ präsentierte. Im Anschluss sprach Jill Lepore über „Die Regierung der Maschinen„. Den Abschluss des Tages bildete das Bloggertreffen bei Wagenbach, bei dem der Übersetzer Martin Hallmannsecker von Carlo Levi „Christus kam nur bis Eboli“ über seine Arbeit sprach und ebenfalls abschließend über Ausschnitte des kommenden Verlagprogrammes gesprochen wurde.
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Den ersten Tag, noch mit wenigen Veranstaltungen gespickt, habe ich benötigt, um reinzukommen, mich zu orientieren, da die diesjährige Messe mit einem neuen Hallenkonzept aufgewartet hat, was Laufwege veränderte. Young-, New Adult und Jugendliteratur haben in diesem Jahr eigene Bereiche und Hallen bekommen, internationale und deutschsprachige Verlage waren ebenenmäßig voneinander getrennt. Vor allem für Verlage fühlte es sich dem Vernehmen nach mehr an wie eine internationale Messe, die ja Frankfurt auch ist, ob das wirklich Besucherströme aber entzerrt, wird sicher noch das nach der Messe sicher werdende Feedback zeigen. Ich glaube, die Besucherströme und Drängelpunkte sind jetzt einfach nur woanders auf dem Messegelände zu finden.

Die erste Lesung am darauffolgenden Donnerstag gestaltete der Autor Achim Kinter mit seinem Roman „Charlotte und das viel zu kurze Leben„, dessen Vorgänger-Band ich hier auch schon vorgestellt habe. Dort am Stand der Kurt-Wolff-Stiftung der Unabhängigen Verlage und am Verlagsstand des Mirabilis-Verlags habe ich nicht nur die wunderbare Verlegerin getroffen, sondern auch die Autorinnen Britta Röder und Martina Berscheid, ein Rundgang zu den benachbarten Ständen, etwa Pinguletta, Ultraviolett-Verlag, Edition Wannenbuch oder Stroux (um nur einige zu nennen) durfte ebenfalls nicht fehlen. Gerade der Austausch dort ist es, der für mich inzwischen die Buchmessen ausmacht. Schließlich bekommt man da die besten Lektüre-Empfehlungen, zudem sind alle gespannt darauf, was die jeweils anderen zu berichten haben. Bei Mirabilis gab es in diesem Jahr noch einen Grund mehr. Der Verlag feiert in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag, auf dem wir alle am Nachmittag noch angestoßen haben.

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Vorher ging es aber auch zu der Lesung von Peter-Andre Alt, des C. H. Beck Verlags, „Die Kanzler und die Intellektuellen„, bei der sich der Moderator der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sehr gerne selbst reden hörte und den Autoren kaum zu Wort kommen ließ. Trotzdem klingt dieses Sachbuch für mich zunächst einmal interessant, wie auch das kommende Verlagsprogramm, welches mir im Anschluss präsentiert wurde und von dem ich einige Bücher auch hier künftig vorstellen werde. Tanja Kokoska sprach im Anschluss über ihren Roman „Guten Morgen, schönes Wetter heute“ (dtv), Edgar Selge über sein Buch „Juras letzter Winter“ (Rowohlt), bevor ich dann kurz bei dem wunderbaren Karl Rauch Verlag und eben bei Mirabilis nochmals vorbeigeschaut habe.
Neben einigen Personen, die ich dort und auf dem Wege zwischen den Terminen und Veranstaltungen getroffen habe, bin ich auch anderen ganz lieben Menschen wieder begegnet, die im Hintergrund verantwortlich dafür sind, dass ich hier immer solch eine tolle und vielfältige Auswahl an Literatur präsentieren darf, was auch für den Mitteldeutschen Verlag gilt, den ich an meinem letzten Messetag als erstes besucht habe. Auch Cornelia Funke habe ich an dem Tag zum ersten Mal auf einer Lesung gesehen, eine Autorin, die ganz wunderbar erzählen kann, von der ich leider noch nicht dazu gekommen bin, etwas von ihr zu lesen.

Leider nicht lesen, kann ich auf Ukrainisch, sonst würde ich aus Solidarität etwas aus dem Verlag Osnovy Publishing auswählen, der wohl den traurigsten Stand auf der Messe präsentierte. Ohne Bücher. Mit nichts als ein paar Mann und einigen Lizenzrechten waren sie auf der Messe, nachdem ihre Bücher bei einem Drohnenangriff verbrannt waren und haben trotzdem Präsenz gezeigt.
Bei Rowohlt ging es anschließend nicht nur um das kommende Verlagsprogramm, sondern auch um ein Mehr als ein Imprint „Studio Pick„, welches vor allem mit jungen Autorinnen und Autoren die ebenfalls junge Leser:innenschaft erreichen möchte, auch stellten Mareike Fallwinkel und Clara Lösel Ausschnitte aus ihren neuen Werken vor, während bei Kiepenheuer & Witsch Christoph Kramer aus seinem neuen Roman „Wolkenberührpunkt“ gelesen hat. Alles drei, spannende Bücher, auf die ich mich schon sehr freue. Ein kleines Bloggertreffen beim DK-Verlag bildete für mich den Abschluss der Buchmesse, die wieder viele Eindrücke mit sich brachte, schmerzende Füße und tolle Ideen, was ich künftig hier vorstellen werde können. Ich hoffe, ihr freut euch darauf, genau so wie ich selbst.
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