Katharina Bendixen: Eine zeitgemäße Form der Liebe

Inhalt:
Ein Löwenjunges fällt in der Kinder- und Tiertagesstätte auf und durchläuft diverse Maßnahmen, um seine Menschwerdung voranzutreiben. In einer Eltern-Chatgruppe eskaliert die Kommunikation. Eine Wissenschaftlerin stellt ein Programm vor, bei dem überforderte Mütter ihre Kinder tauschen und so zu einer zeitgemäßen Form der Liebe finden können.

Katharina Bendixen erzählt von Eltern und ihren Kindern, von den Ansprüchen an Mutterschaft und von ihren Widersprüchen. In klassischen Short Storys, magisch-surrealen Erzählungen und doppelbödigen Alltagstexten fühlt sie einer so gestressten wie saturierten Gesellschaft auf den Zahn. (Klappentext)

Rezension:
Sammlungen von Kurzgeschichten haben den Vor- und Nachteil zugleich, dass man umhergeworfen wird, zumal wenn sich Stil und Form von Text zu Text unterscheiden. Nicht immer wird man Zugang und Anknüpfungspunkte finden, doch klug zusammengestellt, gelingt dies, zudem wenn die einzelnen Geschichten uns immer wieder auch herausfordern.

Die deutsche Schriftstellerin Katharina Bendixen schafft dies mit ihrer Sammlung „Eine zeitgemäße Form der Liebe“, in der sich Kurzprosa mit fast schon surrealen Berichten abwechseln, einmal eine Art Chat-Protokoll, dann wieder Gedankenschnipsel, an denen man hängen bleibt. Sie alle beschäftigen sich mit Mutterschaft, Elternschaft, der Wahrnehmung und Wirkung im Inneren und von außen. Die Thematik ist das einzige, was die Geschichten zusammenhält, manchmal zusätzlich ein Name, der in einer der folgenden Geschichten unvermittelt erneut auftaucht. Diese Art der Komposition muss man mögen, auf sie muss man sich einlassen, manches mehrfach lesen. Ein Weglegen und wieder Hervorholen lohnt sich, sowie ab und an innezuhalten.

Zu beobachten, was die Texte mit einem machen, wie sie die Wahrnehmung verändern, zudem wenn beinahe schräge Gedanken zum Handlungssymbol einer der Erzählungen werden. Das Kind als Tier betrachten oder Tauschobjekt gar, wenn es so agiert, dass das die Gesellschaft als verhaltensauffällig stuft oder man vielleicht den Gedanken hat, mit einem anderen Kind besser dran zu sein. Wie absurd, wie phantastisch für eine Geschichte. Katharina Bendixen spielt in ihnen mit Sprache, trifft den Nagel auf den Kopf, reizt Kunstkniffe und Doppelbödigkeit aus.

Nicht immer funktioniert das gleichermaßen, weswegen sich starres Hintereinanderweglesen nicht empfiehlt. Zu groß sind die Unterschiede. Manchmal war der Spagat zwischen Form und Sprache, auch Absurdität zu viel des Guten.

Nichts destotrotz habe ich durchaus ein paar Highlights finden können, bei denen mich sowohl Kreativität als auch Umsetzung stark beeidnruckt haben. Alleine dafür hat es sich gelohnt.

Autorin:
Katharina Bendixen wurde 1981 in Leipzig geboren und ist eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin. Nach dem Abitur studierte sie in Leipzig und Alicante Buchwissenschaften und Hispanistik, veröffentlichte in Literaturzeitschriften und Anthologien. Sie ist Prosa-Redakteurin der Literaturzeitschrift poet und schreibt für verschiedene Zeitungen. Sie betreibt mit anderen einen Blog über Autoren- und Elternschaft, ist Mitglied des PEN-Zentrum Deutschland. Mit ihrer Familie lebt sie in Leipzig.

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