Gabriel Herlich: Freischwimmer

Inhalt:
Es gibt Zeiten im Leben, auf die man zurückblickt und begreift, dass sie alles verändert haben – für Donnie Frey ist diese Zeit sein 21. Sommer. Eine einzige schicksalshafte Begegnung reicht aus, um Donnie völlig aus der Bahn zu werfen. Plötzlich sieht er sich mit Fragen konfrontiert, denen er bislang erfolgreich ausgewichen ist.
Was bedeutet es, eigene Entscheidungen zu treffen und mit den Konsequenzen zu leben? Wie weit würde er gehen, um für seine Überzeugungen einzustehen? Antworten auf diese Fragen findet er dort, wo er sie am wenigsten erwartet hätte: in Zimmer 311 eines Altenheimes, auf dem Fahrersitz eines Buchanka und in einem malerischen Hotel in Südfrankreich. (Klappentext)
Rezension:
In einer Mischung aus Coming of Age, Roadtrip, Vergangenheitsbewältigung und der Suche nach sich selbst, pendelt die Erzählung „Freischwimmer“, des Schriftstellers Gabriel Heinrich, der in einen Sommer eintaucht, in dem sich für seinen Protagonisten alles verändert. Zwischen den leichtgängig zu lesenden und doch tiefgründigen Kapiteln verschieben sich Sichtweisen und Perspektiven über die Abgründe unserer jüngeren Vergangenheit und die Gegenwart.
Gezwungenermaßen begibt sich der Protagonist auf Spurensuche, nachdem vermeintliche Sicherheiten und er erstmals außerhalb der Reichweite falscher Freunde sich der Realität stellen muss. So beginnt die Erzählung, mit einem lauten Knall, der alles verändert und einen Genre-Mix eröffnet, den man dieser Erzählung in ihrer Kompaktheit zunächst nicht zutraut. Und doch schafft es der Autor so viel in diesen Text zu verpacken, den man teilweise atemlos und angespannt verfolgt und dabei nach und nach mit seinem Hauptcharakter einen Perspektivwechsel einnimmt, der eindrucksvoll ist.
Erzählt wird dies aus Donnies Sichtweise, einem unsicheren und auf die schioefe Bahn geratenen jungen Erwachsenen, der inzwischen zu viel auf sich geladen hat, zu viel verbirgt, erst durch Konfrontation langsam sich selbst hinterfragt und alles bisher Geglaubte. Der Wandlungsprozess des Hauptcharakters ist die Essenz dieses Romans, der so vielschichtig ist, wie sein Erzähler, dessen Hüllen wir nach und nach durchdringen. Dabei nähert sich Gabriel Herlich seiner Figur behutsam an und macht sie langsam für die Lesenden zugänglich.
Der Hauptprotagonist ist nicht von Beginn an ein Sympathieträger ohne Zweifel, die falschen Freunde als Antagonisten jedoch fast sofort der Gegensatz, der die ersten Kapitel der Erzählung bestimmt und gegen Ende die Handlung sozusagen einrahmt. Dazwischen Tempo, ruhige Momente, immer wieder wechselnd, die die ganze Brisanz aufzeigen. Es geht um Erkenntnis, Schuld, Aufarbeitung und andere große Themen, die wie ein Damoklesschwert über den Protagonisten schweben. Spannend vor allem dann, wenn das Fallbeil sich senkt.
Der Zeitraum der Haupthandlung umfasst wenige Tage, in denen so viel passiert, dass es fast verwundert, dass dies dem Autoren gelungen ist, ohne Lücken zu erzählen, und trotz der Kompaktheit den überschaubaren Figuren-Tableau Konturen zu geben. Herlich spielt mit den Grautönen zwar, um so wuchtiger jedoch wirkt das absolute. Gerade das macht diese Erzählung so unglaublich beeindruckend.
Dazu kommt das Talent des Schriftstellers für szenische Beschreibungen von Orten, was die Handlung greifbar werden lässt. Zudem ist alleine schon die Dynamik falscher Freundschaften so gut vorstellbar und glaubhaft erzählt. Da macht es dann auch nichts, dass das Ende praktisch ab Anfang des letzten Drittels so gut wie vorhersehbar ist. Nach dem Lesen wird man es für folgerichtig halten, auch wenn es den Überraschungseffekt vermissen lässt.
Die Verbindung der Themen macht diesen Roman so eindrucksvoll wie besonders, auch diese wiederkehrenden Umschwünge vom Leichten ins Schwere sind hier toll eingewoben. Gabriel Herlichs Debütroman kann man nur viele Lesende wünschen. Hiermit kann man nichts falsch machen und gewinnt dabei so viel, auch Perspektiven auf vorher unbekannte oder vernachlässigte Themen, die mit diesem Roman eine Stimme finden. Und dies sollte uns das doch wert sein, oder?
Autor:
Gabriel Herlich wurde 1988 in Frankfurt/Main geboren und ist ein deutscher Schriftsteller. Er studierte Betriebswirtschaft in Wien und Grenoble und arbeitet in der Tech-Branche. Mit seiner Familie lebt er in Hamburg. Dies ist sein erster Roman.
Gabriel Herlich: Freischwimmer Weiterlesen »

















Total Users : 3842097