Jugendbuch

Craig Silvey: Wer hat Angst vor Jasper Jones?

Wer hat Angst vor Jasper Jones? Book Cover
Wer hat Angst vor Jasper Jones? Craig Silvey Rowohlt Erschienen am: 01.09.2012 Seiten: 415 ISBN: 978-3-499-21697-8 Übersetzerin: Bettina Münch

Inhalt:

Laura Wishart ist fort. Ein für alle Mal. Sie wurde auf einer seltsamen Lichtung getötet, die nur Jasper Jones bekannt ist. Und ich habe sie dort hängen sehen.

Australien 1965. Mitten in der Nacht wird der 13-jährige Charlie Bucktin vom Klopfen an seinem Fenster geweckt. Draußen steht Jasper Jones, der Außenseiter der kleinen Stadt Corrigan und zugleich ein unbestimmter Held für Charlie.

Jasper bittet ihn um Hilfe, und so stiehlt sich Charlie mit ihm durch den nächtlichen australischen Busch – voller Angst, aber auch voller Abenteuerlust. Auf einer geheimen Lichtung wird Charlie Zeuge von Jaspers schrecklicher Entdeckung.

Mit diesem beklemmenden Geheimnis in seinem Herzen durchlebt Charlie eine Zeit der Angst, der falschen Verdächtigungen – und des Erwachens. In einem einzigen drückend heißen Sommer, in dem sich Charlies Leben für immer verändert, wird er lernen, die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden und sich vor Gerüchten zu fürchten wie vor einem Fluch. (Verlagstext)

Rezension:

Die Katastrophe wie ein Wolkenbruch im australischen Busch. In Corrigan ist eines der beliebtesten Mädchen des Ortes verschwunden und nur Jasper Jones, der allseits verschrieene Außenseiter udn Charlie Bucktin, nicht minder eine Außenseiter-Figur, haben eine Ahnung, was mit der Schülerin passiert ist.

Und auch sonst ist dieser Sommer, der letzte seiner Kinderheit für Charlie mehr als sonderbar. All die erwachsenen Oberflächlichkeiten und Rivalitäten scheinen ihn und seine Freunde einzuholen, Jeffrey darf endlich einmal (wenn auch widerwillig) eine bedeutende Rolle in der örtlichen Cricket-Mannschaft spielen.

Sein Vater dagegen bekommt den Hass der Gemeinde wegen des Vietnam-Krieges zu spüren und Charlies Familie zerbröckelt vor seinen Augen, während Charlie immer tiefer in den Strudel der Ereignisse versinkt, kaum Luft zum Atmen bekommt.

Craig Silvey hat hier einen ganz wundervollen kleinen Jugendroman geschrieben, der sich durchweg kurzweilig liest. Das ernste Thema immer wieder aufgelockert durch, für 13-jährige, hochphilosophische wie auch witzige Gedankengänge.

Tatsächlich strotzt „Wer hat Angst vor Jasper Jones?“ nicht nur vor Spannung und Abenteuer, sondern durch eine gewaltige Prise Humor, den man den Protagonisten gerade noch so abnimmt.

Mehr hätte nicht sein dürfen, so aber hält Silvey die Geschichte glaubwürdig am Leben und enthärtet dort, wo es nötig ist, den gesamten Verlauf. Beginnend bei dem Verabschiedungsritual von Jeffrey und Charlie (Auf Wiederhörnchen! Bis Baldrian!) bis hin zu den verrückten Gesprächen der Freunde.

Eben gerade noch Kinder, die voller Unschuld in die Welt blicken, doch Charlie muss bald erfahren, wie grausam und ungerecht diese wirklich ist.

Die Ausarbeitung der Charaktere ist für ein Jugendbuch außerordentlich gut gelungen, sowohl der Kinder als auch der Erwachsenen. Charlie muss nicht nur eine diktatorische Mutter ertragen, sondern auch einen Vater, der sich von der alles gefallen lässt.

Zudem ist die Beschreibung der Psyche einer Ortschaft so tiefgründig, dass man fühlbar mit dem Jungen und seinen Freunden leidet, die erleben müssen, wie der schöne Schein der Erwachsenen-Welt in sich zusammenfällt, wenn ein unvorhergesehenes Ereignis sie aus der Bahn wirft.

Der Schreibstil tut sein Übriges, um große und kleine Leser in seinem Bann zu ziehen. Und das tut Craig Silvey zu Recht.

Bis Baldrian und auf Wiederhörnchen!

Autor:

Craig Silvey wurde 1982 geboren und ist ein australischer Schriftsteller und Musiker und als Sänger udn Songwriter bei den „The Nancy Sikes!“ aktiv. Sein erster Roman wurde im jahr 2004 veröffentlicht und bekam promt gute Kritiken in der australischen Presse, danach verlegte er sich ganz auf das Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern.

Mit „Jasper Jones“ (OT) wurde er auch international bekannt, welches mehrere Preise abräumte. 2015 wurde mit einer Verfilmung des Jugendromans begonnen.

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Michael Byrne: Lottery Boy

Lottery Boy Book Cover
Lottery Boy Michael Byrne Verlag: cbt Erschienen am: 21.09.2015 Seiten Hardcover: 317 ISBN: 978-3-641-15490-5

Inhalt:

Bully hat niemandnen mehr auf der Welt außer seinem Hund Jack. Doch dann: Das große Los. Ein Lottoschein mit sechs Richtigen. Es gibt da nur ein kleines Problem. Der Gewinn verfällt in fünf Tagen. Und Bully braucht einen Erwachsenen, um an das Geld, zu kommen. Aber wen kann er vertrauen? (Klappentext)

Rezension:

Wen gönnt man eigentlich einen Gewinn? Einen Jackpot im Lotto zum Beispiel. Doch wohl den, den man gar nicht auf der Rechnung und der es am nötigsten hat? Und so begegnet dem Leser Bully, eigentlich Bradley, 12 Jahre alt, Protagonist dieses Romans.

Der Junge, der auf der Straße lebt, seine Mutter verloren hat und nur noch lose Verbindungen zu seinem früheren Leben hat, schlägt sich mit seinem Hund Jack so eben durch. Dabei macht er dies so sympathisch, dass man ihn sofort ins Herz schließt und seinen Weg gern verfolgt.

Doch das tun auch andere. Besonders als Billy entdeckt, dass der Lottoschein, den seine Mutter einst ausfüllte, sechs Richtige ausweist. Der Jackpot ist geknackt. Einziges Problem, Bully hat niemanden, den er trauen kann und so beginnt, als die Straßenszene Londons vom „Goldjungen“ Wind bekommt, eine gnadenlose Jagd auf ihn.

Und der Zwölfjährige weiß nun nicht, wen er trauen kann. Doch, ohne Erwachsenen kommt er nicht an das Geld. Was also tun?

Noch nie war eine moderne Version von Oliver twist, der Vergleich drängt sich hier unweigerlich auf, so sympathisch. Michael Byrne schafft es mit wenigen Sätzen den Leser in den Bann zu ziehen. Diese Mischung aus Abenteuer, Spannungsroman, Krimi hat es in sich und das nicht zu knapp.

So sehr, dass es nicht nur den jugendlichen Leser gefallen mag, sondern auch Erwachsene. Der Autor beschreibt eindrucksvoll das Leben auf den Straßen von London, fernab jeder häuslichen Wärme und die Berührungspunkte zu einer Welt, die den Obdachlosen der Metropole zumeist verschlossen bleiben.

Die Nöte von der Unterkunft bis zur nächsten Mahlzeit, dass Hoffen und Bangen werden so detailliert beschrieben, dass man gar nicht anders kann, als Bully in sein Herz zu schließen.

Dieser Roman ist nicht schwarz und nicht weiß, wobei für Bully der Feind, der an seinen Gewinn heran möchte, völlig klar ist. Ansonsten aber haben alle Figuren, wie auch im realen Leben, ihre Schattierungen, Nöte, Ängste und Probleme. Am Greifbarsten bleibt freilich der Hauptprotagonist. Michael Byrne schafft es, mit Bully den Leser in seinen Bann zu ziehen. Die Seiten fliegen nur so dahin.

Man bangt mit dem sympathischen Jungen, der doch nichts anderes will als ein besseres, ein anderes Leben, dabei wie ein kleiner Junge, der er ja auch ist, träumt und dennoch erwachsen und überlegt strategisch handeln muss.

Ein wunderbarer atemberaubender Roman für kleine und große Jungen. Ein moderner Oliver Twist, der sich „gewaschen“ hat. Im Jungen- und Jugendbuch-Bereich lange nicht mehr so was gutes gelesen.

Autor:

Michael Byrne arbeitete zunächst als Englisch-Lehrer, nachdem er an der Thannes Valley University in London studiert hatte. Er unterrichtete an einer weiterführenden Schule in der Nähe von Heathrow. Nach einem Umzug nach Winchester arbeitete er dann als Taxifahrer und schrieb sein erstes Buch „Lottery Boy“. Mit seiner Familie lebt er in Winchester.

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Kai Meyer: Die Seiten der Welt

Die Seiten der Welt Book Cover
Die Seiten der Welt Kai Meyer Fischer FJB Erschienen: 25.09.2014 Seiten: 556 ISBN: 978-3-8414-2165-4

Inhalt:

Furia Salamandra Faerfax lebt in einer Welt der Bücher. Der Landsitz ihrer Ahnen birgt eine unendliche Bibliothek. In ihren Tiefen ist Furia auf der Suche nach einem ganz besonderen Buch: ihrem Seelenbuch. Mit ihm will sie die Magie der Worte entfesseln.

Noch weiß sie nicht, in welch tödlicher Gefahr sie schwebt. Denn Furias Familie wird von mächtigen Feinden bedroht – und die trachten auch ihr nach dem Leben. Der Kampf gegen die Herrscher der Bibliomantik und die Entschreibung aller Bücher beginnt … (Klappentext)

Rezension:

Vergleiche hinken zwar, dennoch müssen sich jegliche Fantasy-Werke immer ein wenig mit denen von Joanne K. Rowling messen lassen und das klappt bei Kai Meyer und seinen „Seiten der Welt“ ganz gut. Wie das britische Pendant hat auch die Welt dieses Autoren seine Verknüpfungen in unserem realen Leben, so dass das alles nicht zu abgehoben wirkt und dennoch genug Phantastik inne, um völlig eigenständig und geheimnisvoll zu erscheinen.

Denn, genau das ist die Welt von Furia, der Hauptprotagonistin, die mit ihrer Familie nur für Bücher lebt. Denn ihr Vater und sie sind Bibliomanten, zwar verarmt und verstoßen aber dennoch stolz auf ihre Kräfte, die sie aus den sie umgebenden Büchern ziehen.

Doch, ihre Familie umgibt ein Geheimnis, weshalb sie so abgeschieden vom Rest der Welt, von anderen ebenso befähigten Bibliomanten leben und so gerät Furia als sie ihren Vater bei der Suche nach einem Buch des sagenumwobenen Autoren Siebenstern begleitet, in einem Kampf um Leben und Tod.

Als schließlich auch noch ihr kleiner Bruder Pip entführt wird, ist sie auf sich allein gestellt. Sie, noch ohne Seelenbuch, aus die erfahrene Bibliomanten ihre Kräfte ziehen und die Magie der Bücher. Kai Meyer legt hier einen sehr spannungsgeladenen Schreibstil an den Tag, welcher den Roman nicht nur für die jenigen zur Pflicht macht, die Bücher lieben.

Nein, alle Fantasy-Begeisterten werden auf ihre Kost kommen, bei der Lektüre in die Welt der Literatur zu versinken, die hier spannender und manchmal auch emotionaler hätte nicht sein können. Die Figuren sind dabei weder eindeutig Gut noch Böse, sondern allesamt Grau.

Einseitigkeit ist hier fehl am Platz und nicht zu finden. Auch und schon gar nicht bei den Hauptprotagonisten. Wechselseitig erlebt man Sympathien, dann wieder Abneigungen gegenüber fast allen Figuren. Auch die Zeichnung der Nebencharaktere ist Kai Meyer hier gelungen, egal ob das Pip, Furias kleinen Bruder, den man sofort ins Herz schließt, betrifft oder einem alten Stoffsessel mit Eigenleben.

Wenn auch die Kapitel mit quasi lebenden Möbelstücken meines Erachtens nicht hätten sein müssen aber ein witziger Einfall ist es schon. Auch die vielen Ideen von Kai Meyer, von denen ich mir die eine oder andere mehr oder weiter verfolgt ausgeführt gewünscht hätte, tragen ihr Übriges zur Lektüre bei.

So freue ich mich dann auh auf die Fortsetzung „Nachtland“. Eine Weile möchte ich noch in der Gesellschaft von Furia verweilen.

Autor:

Kai Meyer wurde 1969 in Lübeck geboren, wuchs im Rheinland auf und studierte einige Semester Film, Theater und Philosophie. Danach voluntierte er bei einer Tageszeitung und arbeitet seit 1995 als freier Schriftsteller.

Sein erstes Buch veröffentlichte er im Alter von 24 Jahren, inzwischen sind es um die 50 Romane für Erwachsene und Jugendliche. Darunter einige unter seinem Pseudonym „Alexander Nix“. Seine Werke wurden mit dem Deutschen Bücherpreis und dem Deutschen Kinder- und Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Die Bücher wurden in über 30 Sprachen übersetzt.

Gimmick:

Als Gimmick liegt ein Lesezeichen mit der Aufschrift -Libropolis- dem Buch bei. Zumindest den meisten. Meiner Ausgabe, die eingeschweißt war, lag leider keines bei und so bleibt mir der Zugang zu einer Welt vielleicht verwehrt, der in „Die Seiten der Welt“ eine so wichtige Rolle spielt.

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Ronald Malfi: December Park

December Park Book Cover
December Park Ronald Malfi Luzifer Verlag Erschienen am: 30.09.2015 Seiten: 617 ISBN: 978-3-95835-032-8

Handlung:

Im Hebrst 1993 wird das beschauliche Städtchen Harting Farms in Maryland vom Verschwinden mehrerer Kinder erschüttert. Zunächst denken die Bewohner noch an Ausreißer – bis in dem großen, gespenstischen, umwaldeten December Park die erste Leiche eines Mädchens gefunden wird.

Die Zeitungen sprechen vom Entführer als Piper – als Rattenfänger, wie in der Sage der Brüder Grimm -, weil er gekommen ist, um die Kinder wegzulocken. Doch in den Schulgängen flüstern die Kinder noch viel düstere Namen. (Klappentext)

Rezension:

Dieses Werk des amerikanischen Autoren Ronald Malfi hat von den ersten Seiten an einen Gruselfaktor, der fesselt und zugleich zweifeln lässt, ob man die Nacht friedlich durchschlafen kann.

Eigentlich ist Harting Farms ein verschlafenes Nest, in dem sich Hase und Fuchs schon vor Einbruch der Dunkelheit gute Nacht sagen und doch ist seit dem die ersten Jugendlichen und Kinder verschwunden sind, im Ort nichts mehr so wie es war.

Und so erleben der 15-jährige Angelo und seine Freunde, wie der Fund einer Mädchenleiche aus der Nachbarschule die Atmosphäre auf den Straßen verändert. Die Menschen bekommen Angst, werden unsicher und übervorsichtig. Auch Angelo bekommt dies mit voller Wucht zu spüren, sein Vater ist einer der ermittelnden Polizisten im Ort.

Und so wird der LÖeser gleichsam der Protagonisten ins kalte Wasser eines Strudels aus Spekulationen und Verdächtigungen geworfen. Immer neue Fragen und Abgründe tun sich auf, die zwar schnell flüssiges Lesen zulassen, die Spannung aber ins Unermessliche steigen lassen.

Mit den Urängsten von Eltern und den größten Befürchtungen von Familien spielt Malfi und lässt eine Gruppe jugendlicher Charakterköpfe, die mehr oder weniger, eher mehr sympathisch sind aber mit Ecken und Kanten, auf Antworten stoßen, wer der Täter sein könnte. Anfangs ist noch jeder verdächtig und sei es nur der Mathelehrer, weil der mal eine schlechte Note vergeben hatte.

Doch, bald wird aus anfangs nur langsamer, fast interessensloser Suche bitterer Ernst, der verzweifeln, schlucken und schwitzen lässt. Der Gurselfaktor, kein fiktionaler Horror, ist hoch. Die Stimmung so düster wie das Cover selbst.

Natürlich gibt es auch hier die klischeehaften Dorfschrecken, die vor allem durch sinnlos rohe Gewalt auf sich aufmerksam machen oder den geheimniskrämerischen Ladenbesitzer, doch die Wahrehit liegt Angelo, der schriftstellerische Begabungen hegt, näher als ihm lieb ist.

Ein spannendes Buch über ein Dorf im Ausnahmezustand, was genreübergreifend von Horror über Krimi, Roman bis Jugendbuch alles zu bieten hat und diese Mischung in Perfektion bringt. Man sollte es daher nicht im Park bei Dämmerung lesen. Nur auf eigene Gefahr.

Autor:

Ronald Malfi wurde 1977 in New York geboren und studierte nach der Schule Englisch. Hauptsächlich schreibt er Kurzgeschichten und Romane im Horror- und Thriller-Genre. Seine Werke wurden mehrfach ausgezeichnet u.a. mit dem Gold IPPY Award (für „Die Treppe im See“).

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Günter Lucks: Der rote Hitlerjunge

Der rote Hitlerjunge Book Cover
Der rote Hitlerjunge Günter Lucks Rowohlt Taschenbuch Erschienen am: 31.07.2015 Seiten: 234 ISBN: 978-3-499-62923-5

Handlung:

Ein Familienbild aus den Arbeiterbezirken des Hamburger Ostens in den 30er Jahren: Der Stiefvater ist Kommunist, der Vater gar im Rotfrontkämpferbund. Der eine Großvater ist Monarchist, der andere ein kommunistischer Schneider, der Onkel wiederum Sozialdemokrat. Die Stiefmutter aber schwärmt für Hitler.

Und plötzlich will der kleine Günter zum Schrecken seines Vaters in die Hitlerjugend. Günter Lucks erzählt die Geschichte seiner abenteuerlichen Kindheit, einer Kindheit zwischen den Extremen. Sie spielt in einem untergegangenen Großstadtmilieu, von dem aus erster Hand heute kaum noch ein Zeitzeuge berichten kann. (Klappentext)

Einordnung Genre:

Dieses Buch ist autobiographisch, weshalb ich es hier eingeordnet habe. Es könnte aber genau so gut bei Kinder- und Jugendbüchern stehen, da es das Erleben einer Zeitepoche aus Kindersicht erzählt.

Wenn man es als solche Literatur betrachtet, empfehle ich das Buch für 13- bis 14-jährige, die schon mit einigen Begriffen Kontakt hatten und damit umgehen können. Aufgrund der anderen Bücher des Autors, habe ich mich trotzdem für „Biographie“ entschieden.

Rezension:

Es ist eine sonderbare Welt in der der kleine Günter aufwächst. Die Wirtschaft kriselt, im armen Hamburger Arbeiterbezirk sowie so und seine Eltern verehren die KPD-Größen Etkar Andre oder Fiete Schulz. Seine Eltern streiten sich über den Sinn eines Weihnachtsfestes, was der Vater als entschieden zu bürgerlich ablehnt und die Regierungen wechseln schnell.

Doch, dann kommt Hitler an die Macht. Günter darf nicht mehr sagen, was er will, zumindest in der Öffentlichkeit nicht, überall werden jetzt Menschen „abgeholt“, die den neuen Machthabern nicht genehm sind.

Und der Junge beginnt sich zunehmend für die Hitlerjugend zu interessieren. Er bewundert die Uniform, die jetzt „alle“ in seinem Alter tragen, doch wird er bald erkennen, wie ernst der Spagat zwischen Privatheit und Öffentlichkeit ist. und so wird er schließlich Hitlerjunge, aber ein roter.

Ein kleines faszinierendes Büchlein über eine Kinder-Biografie, wie sie für Hamburg in dieser Zeit vielleicht nicht einmal so selten gewesen sein dürfte. Den Leser nimmt der Autor mit auf eine Reise durch eine heute nicht mehr existierende Welt, beschreibt einfühlend die Sorgen, den Zwiespalt, die Ängste und später auch den Hunger und die Katastrophe, unter die die Menschen litten.

Mit all den damit verbundenen Problemen und den Spagat, den die Menschen zu leisten hatten. Aus Kinder- und Jugendsicht einer Generation, die viel zu schnell erwachsen werden musste. Der Schreibstil klar und deutlich, kann das Buch auch von jüngeren Lesern gelesen werden, die an das Thema herangeführt werden wollen oder einfach nur erfahren möchte, wie Kinder ihres Alters diese Zeit erlebt haben.

Gleichwohl richtet sich Lucks nicht an eine bestimmte Zielgruppe und erzählt einfach nur aus seiner Sicht. Ohne irgendetwas zu beschönigen oder wegzureden. Es gibt da keine Längen. Mit „Der rote Hitlerjunge“ ist ein interessanter Zeitzeugenbericht entstanden, der es in sich hat und das Dilemma einer Kindheit beschreibt, die viel zu schnell beendet wurde.

Autor:

Günter Lucks wurde 1928 in Hamburg geboren und besuchte die Volksschule. Nach einer Ausbildung bei der Post arbeitete er bis zur Rente in der Druckerei und bei der Poststelle des Axel Springer Verlags.

In den Hamburger Bombennächten wehrend des „Feuersturms“ verlor er mehrere Familienmitglieder u.a. seinen Bruder. er veröffentlichte mehrere Bücher über seine Zeit als Kriegskind oder als Kindersoldat unter Hitler.

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Bärbel Körzdörfer: Jungs auf Skype

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Jungs auf Skype Bärbel Körzdörfer Bastei Lübbe Erschienen am: 25.09.2010 Seiten: 176 ISBN: 978-3-8339-3653-1

Inhalt:

Victor und Jens skypen – zwei Freunde fürs Leben! Victor ist der Sohn eines reichen Industriellen. Er lebt in einer weißen Villa an der Hamburger Alster. Sein Traum: Eines Tages als Fotograf um die Welt zu fliegen!

Aber sein strenger Vater verachtet diesen Traum und schickt ihn fort – auf ein Internat in Bayern! Victor flieht nach Berlin. Jens ist der Sohn eines arbeitslosen Tischlers. Er lebt in einem Hochhaus der Hansestadt.

Er kämpft gegen Armut. Und hat Angst vor der ersten Liebe. Ein Mix aus Sehnsucht und Träumen, schnellen Sprüchen, Chats und schrägen Gedanken. (Klappentext)

Rezension:

Zwei Jungs, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine stinkreich, ebenso faul wie cool ansonsten aber brav, der andere arm, immer einen coolen Spruch auf der Lippe und ansonsten sich durchs Leben kämpfend.

Eine ungewöhnliche Freundschaft und zwei ganz normale Leben. Aus mehr besteht Körzdörfers Geschichte nicht und auch hier erfährt der Leser nur über das Skype-Gespräch der Jungen mit, was diese denken und fühlen, ihre Ängste und Sorgen, ihre Hoffnungen und Träume.

Und mehr braucht es auch nicht. Ein amüsant zu lesender Kinderroman, für groß und klein. Mehr nicht, mehr braucht diese Geschichte aber auch nicht zu sein. Eben nur ein Skype-Chat, bei dem auf einer langen Frage tagelang nichts und dann auch mal nur eine einsilbige Antwort folgt.

Ein Chat unter Jungen halt. Mal witzig, mal schräg, zum schmunzeln (besonders die wörtliche Übersetzung deutscher Sprichwörter ins Englische, eben all right at the green area.) oder ernsthaft.

Dabei nicht langweilig, der kleine Roman nimmt sogar im letzten Drittel richtig fahrt auf. Mehr gibt es dabei nicht zu sagen. Muss auch nicht. Alles andere lässt sich per Skype klären.

Autorin:

Bärbel Körzdörfer ist verheiratet mit dem Journalisten Norbert Körzdörfer, der u.a. Bild-Chefredakteur Kai Diekmann beraten hat.

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Fabio Geda: Im Meer schwimmen Krokodile

Im Meer schwimmen Krokodile Book Cover
Im Meer schwimmen Krokodile Fabio Geda btb Verlag Seiten: 190 Taschenbuch ISBN: 978-3-570-40201-6

Inhalt:

Nachdem Enaiat von seiner Mutter aus Afghanistan geschmuggelt wurde, wacht er eines Morgens auf und ist allein. Er hat nichts als seine Erinnerungen und die drei Versprechen, die er ihr gegeben hat. Mit dem Ziel, ein besseres Leben zu finden, begibt Enaiat sich auf eine lange Reise Richtung Westen.

Er durchwandert die Länder des Ostens bis nach Europa, reist auf Lastwagen, arbeitet, schlägt sich durch, lernt das Leben von seiner grausamen Seite kennen.

Und trotzdem entdeckt er, was Glück ist… Fabio Geda erzählt die wahre Geschichte von Enaiatollah Akbari in einem zu Herzen gehenden Buch: Eine Geschichte, die uns den Glauben an das Gute zurückgibt. (Klappentext)

Rezension:

In Zeiten, wo die Flüchtlingsproblematik die Emotionen zum Kochen bringt, in der Diskussionen nicht mehr mit rationalen Argumenten geführt werden und Rechtspopulisten immer mehr Aufwind bekommen, sollten wir uns einmal die Geschichten hinter den Fernsehbildern in Erinnerung rufen.

Flüchtlinge, die wochen-, manchmal monatelang, nicht selten Jahre unterwegs sind, um Krieg, Verfolgung und Terror zu entfliehen. Nicht wenige davon im Kindes- und Jugendalter. Eine dieser Geschichten erzählt Fabio Geda, der den Bericht von Enaiatollah Akbari angenommen hat.

Dieser wurde von seiner Mutter aus dem von Krieg und Terror geplagten Afghanistan kurz vor den Terroranschlägen des 11. September außer Landes geschmuggelt. Von da an, auf sich selbst gestellt, beginnt er die gefährliche Reise nach Europa, trifft Menschen, die ihm aus unterschiedlichsten Gründen helfen und muss immer wieder Rückschläge verkraften.

Doch selbst in Europa ist nicht sicher, ob er bleiben darf oder wieder in seine Heimat, die gar keine ist, zurückkehren muss. Doch, Enaiatollah kämpft, wie er es schon von Kindesbeinen an kennt, für ein besseres Leben und eine sichere Zukunft. Es ist eines dieser Bücher, die es aus der Nische der Kinder- und Jugendliteratur hinein in den Bereich der Erwachsenen-Romane und damit zu größere Beachtung schaffen sollten.

Denn Fabio Gedas Roman liegt tatsächlich eher in der Kinder- und Jugendbuchecke aus, was einerseits gut ist, um Kinder an dieses sehr sensible Thema heranzuführen, andererseits schlecht, da man mehrheitlich das Gefühl haben kann, gerade die Erwachsenen sind es, die Aufklärung bedürfen.

Geda erzählt eindringlich die Geschichte eines der Flüchtlinge, die exemplarisch für alle stehen kann, die dieses Schicksal haben, ohne zu werten. Er lässt Akbari erzählen und so entstand eine wunderbare Geschichte über Hoffnung, Verzweiflung, Mut, Entschlossenheit und Durchhaltewillen gegen alle Widerstände.

Ohne Längen und in flüssigen Schreibstil, hier genügen wenige Seiten um ein eindrucksvolles Stück Geschichte zu beschreiben, ist mit „Im Meer schwimmen Krokodile“ ein kleines Juwel entstanden, was es in sich hat und zum Nachdenken anregt.

Zu versuchen, die Vorurteile einmal fallen zu lassen und sich wirklich den einzelnen Schicksalen anzunehmen, die Gründe nachzuvollziehen, warum jemand flüchtet und was das mit einem macht, sowie all jenen Respekt zu zollen, die wirklich helfen. Schließlich muss man nur den Umkehrschluss zumindest gedanklich zulassen, was wäre in einer umgekehrten Situation, wenn unsereins flüchten müsste. Wäre man da nicht auch dankbar für jede Hilfe?

Natürlich ist das Geschäft mit Schlepperbanden, auch von diesen Erfahrungen erzählen Akbari und Geda, zu verurteilen, aber auch dieses hat Ursachen und nicht ohne Grund greifen Menschen auch zu diesem Strohhalm, wenn es andere Hilfe nicht gibt.

Fabio Geda erzählt eine Geschichte voller Hoffnungen und Glück, Bangen und Warten, Mut und Verzweiflung, die man gelesen haben sollte. Wer dies tut, tut es sicherlich mit Gewinn. Hoffen wir, dass der echte Enaiatollah Akbari seinen Weg gehen wird. Der Leser wird darüber zumindest keine Zweifel haben.

Autor:

Fabio Geda wurde 1972 in Turin geboren und studierte nach der Schule Kommunikationswissenschaften. Danach arbeitete er als Lehrer und im sozialen Bereich, schrieb seinen ersten Roman, der 2014 ins Deutsche übersetzt wurde.

Sein zweiter Roman „Im Meer schwimmen Krokodile“ verhalf ihm zum internationalen Durchbruch. Die wahre Geschichte des Flüchtlings Enaiatollah Akbari wurde in 18 Ländern publiziert.

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Henry Winterfeld: Timpetill – Die Stadt ohne Eltern

Timpetill - Die Stadt ohne Eltern Book Cover
Timpetill – Die Stadt ohne Eltern Roman Heyne Taschenbuch Seiten: 288 ISBN: 978-3-4535-3440-7

Inhalt:

Die beschauliche Kleinstadt Timpetill ist fest in der Hand der Piraten, einer Bande wilder Jungs und Mädchen, die alles durcheinander bringen. Eines Tages allerdings treiben sie es zu bunt.

Als Kater Peter, dem die Piraten einen Wecken an den Schwanz binden, halb Timpetill verwüstet, haben die Erwachsenen entgültig genug: Sie verlassen die Stadt – und ihre nervenaufreibenden Kinder. Die müssen nun selbst schauen, wie sie klarkommen. Es werden die aufregendsten Tage ihres Lebens.

Rezension:

Henry Winterfelds Erstlingswerk muss schon etwas ganz besonderes sein, wenn auf den antiquarischen Markt Preise von 250,00 Euro aufwärts erzielt werden, ohne das zum Verkauf angebotene Exemplar vorher mal in den Händen halten zu können.

Tatsächlich wurde der Roman in den 50er und 60er Jahren der Bundesrepublik noch verlegt, verschwand dann lange Zeit in der Versenkung und erst seit Juli 2013 ist dieses Werk wieder zu einen erschwinglichen Preis zu erwerben.

Gesorgt dafür, hat RandomHouse, genauer gesagt der Heyne-Verlag und natürlich musste ich zugreifen, zumal hier ja schon seit längeren davon geschwärmt wurde. Nun also, konnte ich mir selbst ein Bild machen.

Welches Kind gerät nicht einmal in Situationen, in denen es sich seine Eltern sonst wohin wünscht, ist aber dennoch froh, dass dieser Fall dann doch nicht eintritt, doch genau das passiert den jüngsten Bewohnern des kleinen Städtchens Timpetill.

Allerdings nicht freiwillig. Die Eltern, entnervt von den Streichen der „lieben Kleinen“, ziehen die Konsequenz und fortan sind die Sprösslinge ganz auf sich allein gestellt. Mit allen Konsequenzen. Vermeintlich Positive, wie „keine Schule“ oder „keine Aufgaben“, aber eben auch ohne Wasser, Strom und Essen.

Schuld daran sind die Piraten, berüchtigte Kinderbande, die es wieder einmal zu weit getrieben haben und ganz froh darüber sind, nun ohne Eltern leben zu können, während der mutige Thomas und sein Freund Manfred der Erfinder „Geheimrat“ das sich anbahnende Chaos kommen sehen und mit aller Kraft die Stellung halten wollen, bis die Eltern wiederkommen.

Zwei Lager, die sich spinnefeind sind und fortan um die Oberhand in Timpetill kämpfen, mal „nur“ verbal, aber auch mit harten Bandagen. So entwickelt sich eine spannende Kindergeschichte, aufgelockert durch aufwendige Zeichnungen der beschriebenen Szenen, die sich sehr gut lesen lässt, von Kleinen wie von Großen.

Man fiebert mit den Protagonisten mit, freut und ärgert sich, schüttelt den Kopf um im nächsten Moment der einen, wie auch der anderen Figur insgeheim Recht zu geben und versinkt in diese Welt als würde man selbst zu den Piraten oder den Kindern um Thomas, Manfred und Marianne gehören. Und alleine des Effektes willen, lohnt es sich schon, den Roman zu lesen.

Doch, nicht nur deshalb. Winterfeld schreibt vielschichtig. Über seine Zeit, der aufkommenden Umwälzungen in Deutschland, die genau so mit Chaos und Straßenschlachten begannen und schließlich in die Katastrophe führten und auch die Alltagserlebnisse seines Sohnes Thomas‘ bindet er mit ein.

Für den hatte er ursprünglich diese Geschichte entwickelt und ihn hiermit zumindest in seiner Phantasie gleichsam zu einen Helden gemacht. Vielleicht gab es auch im Leben des echten Thomas eine Kinderbande, die ihm das Leben schwer machte? Wer weiß dass schon?

Vielleicht interessierte sich Thomas schon in seiner Kindheit für Technik, wie die Figur des Manfred, im Buch sein bester Freund? Möglich wäre es, Thomas wurde später Ozeanograph. Insofern ist diese Geschichte gleichsam ein mehrfaches Juwel, Eine gelungene Mischung aus Autobiographie und Phantasie, aus real Erlebten, Wünschen und Ängsten.

Nur einen Unterschied gibt es. In der Geschichte gelingt es „Thomas“ die Ordnung, die die Kinder durcheinander gebracht hatten, auf friedliche Weise binnen Tagen wieder herzustellen. In Europa tobte der Krieg noch bis Mitte 1945.

In der Neuausgabe existiert zudem noch ein Nachwort von Boris Koch. Unbedingt wirklich erst danach lesen. Es lohnt sich.

Autor:

Henry Winterfeld wurde 1901 in Hamburg geboren als Sohn des Dirigenten und Künstlers Jean Gilbert (eigentlich Max Winterfeld). Giberts Söhne studierten ebenfalls Musik, emigrierten während der Machtübernahme Hitlers in die USA. Henry Winterfeld lebte bis zu seinem Tod als Jugendschriftsteller und Filmautor in Maine, USA, wobei er seine Werke hauptsächlich in deutscher Sprache verfasste.

Im Jahre 1933 erfand Winterfeld für seinen damals zehnjährigen an Scharlach erkrankten Sohn Geschichten mit täglich einer Episode. So entstand sein erstes Buch „Timpetill – Die Stadt ohne Eltern“ welches er mit eigenen Scherenschnitten illustrierte. Verlegt wurde es erstmals 1937 unter den Pseudonym Manfred Michael.

Danach musste er aus den bedrohten Frankreich fliehen und zog zu Verwandten in die USA, deren Staatsbürgerschaft er 1946 annahm. 1953 erschien sein zweites Buch „Caius ist ein Dummkopf“. Sein Werk „Timpetill – Die Stadt ohne Eltern“ ist Pflichtlektüre an französischen Schulen und wurde 2007 verfilmt.

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Peter van Gestel: Wintereis

Wintereis Book Cover
Wintereis Roman Gulliver/Beltz & Gelberg Taschenbuch Seiten: 335 ISBN: 978-3-40774163-9

Handlung:

Kurz nach Kriegsende streift der 12-jährige Thomas durch die Straßen Amsterdams. Ein harter Winter hat die Stadt fest im Griff. Die Mutter gestorben, der Vater arm und arbeitslos, wächst Thomas dennoch liebevoll umsorgt auf. In seiner Klasse lernt er den neuen Jungen Piet kennen, mit dem er sich schnell anfreundet. Dessen Familie ist so ganz anders als seine und trägt ein Gehemnis mit sich. Als sich ihm Piet, inzwischen Zwaan genannt, offenbart, festigt das die Freundschaft der beiden noch mehr. Doch, eines Tages trennen sich die Wege der Jungen, die doch nicht ohne den Anderen können.

Rezension:

Es ist ein kleiner unscheinbarer Roman, der da herausgegeben wurde, zumindest wenn man von der deutschen Ausgabe spricht. Das Cover in Rot- und Brauntönen gehalten, darauf ein spazierender Junge und die typisch niederländische Grachten-Ansicht vom Wasser aus. Und so unscheinbar, auch der Klappentext der Übersetzung verrät nicht viel, beginnt auch der Roman. Zwei Jungen, der eine Neuling in der Klasse, freunden sich erst zögerlich, dann immer mehr miteinander an, gleichwohl sie aus unterschiedlichen Verhältnissen stammen.

Und der eine wie der andere ist vom Gegenüber fasziniert. Thomas, hier der witzige, lausbübische Hauptprotagonist mehr von Zwaan als umgekehrt. Letzterer gibt sich geheimnisvoll und vorsichtig, intelligent und zurückhaltend. Als der Junge aber hinter das Geheimnis, nach und nach, seines neuen Klassenkamerades kommt, schweißt das die zwei noch enger zusammen.

Ein wunderbarer Roman über eine recht sonderbare Zeit als die Niederlande, direkt nach der Stunde Null im folgenden Winter im Kältechaos versanken, Hunger, Not und armut allgegenwärtig waren. Ein kleines Zeitportrait und ein Werk über Freundschaft, Vertrauen und Zusammenhalt.

Der Schreib- und Erzählstil, für Kinder und Jugendliche klar und gut lesbar gehalten, ist poetisch gehalten und der zwölfjährige Protagonist als pointierter frecher Erzähler. Ein toller kleiner Roman, der auch von Erwachsenen gelesen werden kann und gelesen werden sollte.

Autor:

Peter van Gestel wurde 1937 in Amsterdam geboren und besuchte zunächst die Schauspielschule, bevor er als Dramaturg und Autor für den niederländischen Rundfunk und das Fernsehen arbeitete.

Ende der 70er Jahre schrieb er Kurzgeschichten, später Romane für Kinder und Jugendliche, von denen einige ins Deutsche übersetzt wurden. Seine Werke wurden mehrfach ausgezeichnet. Für „Wintereis“ erhielt er den Theo-Tijssen-Preis, den Woutertje-Oreis und den Nienke van Hitchum-Preis.

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Gudrun Pausewang: Auf einem langen Weg

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Auf einem langen Weg Gudrun Pausewang Ravensburger Erschienen am: 01.08.1996 Seiten: 191 ISBN: 978-3-473-52041-1

Handlung:

„Jetzt ist es so weit“, rief die Mutter nervös. „Wir müssen weg. Heute Abend müssen wir auf dem Bahnhof sein. Wir werden in den Westen gebracht.“ Achim verstand nicht, worum es ging. Er war ja auch erst sechs Jahre alt.

Werner aber wusste, was das bedeutete: Die Stadt würde bald beschossen werden. Deshalb sollten vorher alle Frauen und Kinder und alle Alten und Kranken forgebracht werden. Der Zug kommt jedoch nicht weit. Bei einem Bombenangriff werden Werner und Achim von der Mutter getrennt. Sie haben nichts als ihre Wintermäntel. Und eine Adresse: Glauchau. (Klappentext)

Rezension:

Es ist das Schicksal hunderter Kinder, was Gudrun Pausewang hier beschreibt, denn nach Kriegsende gab es wohl unzählige kleine Werner und Achims, deren Familien Richtung Westen flüchteten um den „Horden“ der Roten Armee zu entkommen.

Viele Kinder verloren auf dem langen und beschwerlichen, gefährlichen Weg ihre Eltern ganz oder teilweise aus den Augen und mussten sich alleine durchschlagen. In der Hoffnung, die Eltern wieder zu finden und einfach nur zu überleben.

Dies gelingt Pausewang einfühlsam zu beschreiben, verständlich selbst für junge Leser, die sich wohl mit dieser Thematik, die nur die Groß- oder Urgroßelter-Generation betrifft, beschreibt und so einen Zugang ebnet für die Geschichten vieler Familien.

Der Schreibstil ermöglicht dabei ein leichtes flüssiges Lesen. Die Figuren sind überwiegend sympathisch, vor allem die Brüder Werner udn Achim eignen sich als Identifikationsfiguren.

Ihr Weg, ihre Abenteuer, ihre Gefühle und ihr Kampf ums Überleben werden gerade für Kinder einfühlsam beschrieben, wenn auch gerade Pausewangs Ausdruck auf jüngste Leser geradezu geeicht und für ältere Leser entweder etwas altmodisch aber zumindest manchmal angestrengt rüberkommt.

Inzwischen gibt es viele veröffentlichte Berichte, teilweise von den Zeitzeugen selbst, über die sog. „Wolfskinder“, die ihre Eltern in den letzten Kriegswirren verloren hatten und sich nun alleine durchschlagen mussten. Oft noch über das Kriegsende hinaus, jahrelang. „

Auf einem langen Weg“ ist eine würdige Verarbeitung dieser Thematik und eröffnet für die Kleinsten einen Zugang, so verständlich und einfühlsam, dass diese Geschichte bereits 1984 verfilmt wurde. Das Cover zeigt die beiden Jungschauspieler.

Autorin:

Gudrun Pausewang wurde 1928 in Wichstadtl in Böhmen geboren und floh mit ihrer Familie nach Kriegsende nach Westdeutschland. In Wiesbaden machte sie ihr Abitur und studierte Pädagogik. Danach unterrichtete sie als Grund- und Hauptschullehrerin.

Ab 1965 unterrichtete sie fünf Jahre an der Deutschen Schule in Chile und bereiste wärend dieser Zeit Südamerika. Ende 1963 ging sie nach Deutschland zurück, studierte Germanistik und war wieder als Grundschullehrerin tätig.

Nach einem kurzen Wechsel an einer Deutschen Schule in Kolumbien, kehrte sie entgültig nach Deutschland zurück und schrieb neben ihrer Berufstätigkeit Romane wie „Die Wolke“, wofür sie 1988 den Deutschen Jugendliteraturpreis bekam. 1998 promovierte sie an der Universität in Frankfurt/Main.

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