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Leipziger Buchmesse 2017: Bericht Teil 1 – Donnerstag auf der Messe

Nun bin auch ich schmerzenden Fußes von der diesjĂ€hrigen Leipziger Buchmesse zurĂŒck und liege nun in meiner Unterkunft auf den Sofa. Ob ich je wieder werde aufstehen können, weiß ich nicht. (Der Text wurde direkt nach der Messe geschrieben.) Dazu tut mir jetzt noch alles zu weh.

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Leipziger Buchmesse 2017

Es ist wieder so weit, die Leipziger Buchmesse beginnt in wenigen Tagen. Genauer gesagt, vom 23.-26. MĂ€rz auf dem GelĂ€nder der Neuen Messe in Leipzig. Ich werde alle vier Tage auf der Messe sein und fĂŒr euch (und fĂŒr mich) Lesungen, Podiumsdiskussionen und Buchvorstellungen besuchen. Ein paar kleine Überraschungen habe ich natĂŒrlich auch fĂŒr euch im GepĂ€ck. Jetzt wird jedoch noch nichts verraten. Wer nicht auf die Berichte zur Messe warten möchte, kann mir auf Twitter und Instagram folgen. Dort werde ich regelmĂ€ĂŸig meine EindrĂŒcke festhalten.

Instagram: @findosbuecher

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Und Twitter. Dort heiße ich findosbuecherw1.

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Euer findo.

 

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Lesung: Wladimir Kaminer – Goodbye, Moskau

Bevor ich es vergesse, wollte ich doch noch etwas ĂŒber die gestrige lesung von Wladimir Kaminer schreiben.

Ich muss dazu sagen, dass ich diesen Autoren noch nie auf den Schirm gehabt, jerdoch allenfalls entfernt mit Klamauk in Verbindung gebracht habe. Doch, wirklich kannte ich weder seine BĂŒcher noch seinen Film, trotzdem schaut man ja einen geschenkten Gaul nicht ins Maul. Die Eintrittskarte hatte ich nĂ€mlich zum Geburtstag bekommen und gestern war nun der Tag, diese endlich einzulösen. Immerhin, ich habe mich vorher informiert und langsam wurde Kaminer doch noch interessant.

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Sebastian Fitzek: AchtNacht

AchtNacht Book Cover
AchtNacht Sebastian Fitzek Knaur Erschienen am: 14.03.2017 Seiten: 408 ISBN: 978-3-426-52108-3

Inhalt:

Stellen Sie sich vor, es gĂ€be eine Todeslotterie. Sie könnten den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen. In der „AchtNacht“, am 8.8. jeden Jahres, wĂŒrde aus allen VorschlĂ€gen ein Name gezogen.

Der AuserwĂ€hlte wĂ€re eine AchtNacht lang vogelfrei, geĂ€chtet. Jeder in Deutschland dĂŒrfte ihn straffrei töten – und wĂŒrde mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankienspiel. Sondern bitterer Ernst. Es ist ein massenpsychologisches Experiement, das aus dem Ruder lief. Und Ihr Name wurde gezogen!

(Verlagstext)

Rezension:
Wie weit wĂŒrden Sie gehen, wenn auf eine Person ein Kopfgeld von zehn Millionen Euro ausgesetzt wĂ€re? Was wĂŒrden Sie tun, wenn dies Ihr Kopf wĂ€re? Diese Fragen stellt Sebastian Fitzek und begibt sich mit dem Leser auf die Spuren Benjamin RĂŒhmanns, dessen Name in der AchtNacht gezogen wurde.

Fortan ist der auf der Flucht und versucht zu ĂŒberleben. Doch, wen kann er noch trauen? Wer hat seinen Namen ĂŒberhaupt ins Spiel gebracht? Wer hast ihn so sehr, dass er ihn tot sehen möchte? Und wer hat ĂŒberhaupt dieses perfide Spiel gestartet, welches immer ungeheurere Dimensionen annimmt?

Kaum ein paar Monate nach dem Paket bringt der Berliner Autor schon wieder die Bestsellerlisten durcheinander und spielt in „AchtNacht“ mit der Psyche seiner Leser. Angesiedelt irgendwo zwischen einem klassischen Psychothriller und einem Verschwörungsthriller packt Sebastian Fitzek die Leser in ihre Grundfesten und lĂ€sst Fragen aufkommen, denen wir uns hoffentlich nie in der RealitĂ€t stellen mĂŒssen, die aber von der Wirklichkeit nicht allzuweit entfernt sind.

Wie schnell passiert es heute, dass eine von den Medien vorgegebene Meinung als wahrhaftig hingenommen wird, ohne einer ernsthaften ÜberprĂŒfung standhalten zu mĂŒssen? Wie schnell verbreiten sich behauptungen im Netz und wer mag noch unterscheiden zwischen Recht und Unrecht in einer Welt, die sich immer schneller dreht.

Und wer mag den entfesselten Mob aufhalten, zumal als Opfer?

In gewohnt nervenzerfetzender Manier hat Fitzek ein grausames Szenario entworfen, deren Wendungen so zahlreich wie vielfÀltig sind. Kurze Kapitel, temporeich geschrieben und zahlreiche Cliffhanger, zumal aus der Sicht der verschiedenen Akteuere.

Stilmittel, die der Autor beherrscht und auch hier wieder gekonnt einsetzt. Der Fan, der zudem andere Werke von ihm kennt, wird wieder einige Figuren vergangener BĂŒcher entdecken, und, wer ganz genau liest, dann auch einen Logikfehler, der aber fĂŒr sich genommen, nicht weiter ins Gewicht fĂ€llt und auch nicht verraten wird.

Schließlich wĂŒrde sonst gespoilert werden, was keiner wollen kann. Jeder Leser soll ja seine persönliche AchtNacht erleben dĂŒrfen, wenn er auch das GlĂŒck hat, als nahstehender Beobachter zu agieren und das Buch am Ende des Tages zuklappen zu dĂŒrfen. Denn, Gott sei Dank, sind wir (noch) nicht so weit, das Szenario RealitĂ€t nennen zu mĂŒssen.

Fitzek hat hier wieder bewiesen, dass er zu den Großen der deutschen Krimi- und Psychothrillerliteratur gehört, wenn auch das LesevergnĂŒgen, mit kalten Schauer ĂŒber den RĂŒcken, nur ein paar Stunden anhĂ€lt. Zu schnell liest sich auch dieser Thriller wieder.

Man sollte sich ihn gut einteilen. Etwas, was den wenigsten aber gelingen wird. Ohne viel Blut, aber mit den GefĂŒhlen seiner Protagonisten, ist „AchtNacht“ ein erstaunliches Experiment, dem wir hoffentlich nie ausgeliefert werden.

Oder, hĂ€tten Sie vielleicht einen Namen noch fĂŒr den Lostopf?

Autor:
Sebastian David Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren und ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er arbeitet in der Programmdirektion eines Berliner Radiosenders und studierte Jura bis zum ersten Staatsexamen. Er promovierte in Urheberrecht und arbeitete als Programmdirektor fĂŒr verschiedene Radiostationen Deutschlands.

2006 erschien sein erster Psychothriller „Die Therapie“, welches promt ein Bestseller wurde und als bestes Krimi-DebĂŒt fĂŒr den Friedrich-Klauser-Preis nominiert wurde. 2012 wurde sein Roman „Das Kind“ verfilmt.

Merkmale seiner BĂŒcher sind bestimmte Gimmicks zu seinen BĂŒchern, wie wieder auftauchende Personen oder Extras in Form von Links oder Videos, auch sucht er Wege abseits der ĂŒblichen Wasserglas-Lesungen. 2016 feierte Fitzek zehnjĂ€hriges AutorenjubilĂ€um.

Seine BĂŒcher werden fĂŒr’s Theater adaptiert, eine weitere Verfilmung ist in Arbeit. Fitzek wird in 24 Sprachen ĂŒbersetzt.

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Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 1 – Aschenputtel

Aschenputtel Book Cover
Aschenputtel Kristina Ohlsson Krimi blanvalet Taschenbuch Seiten: 477 ISBN: 978-3-8090-2591-7

Inhalt:

Hochsommer in Schweden. Es regnet BindfĂ€den. Der voll besetzte Schnellzug nach Stockholm muaa außerplanmĂ€ĂŸig halten. Eine junge Frau tritt hinaus aufs Bahngleis, um ungestört zu telefonieren – und wird von ihrer Tochter getrennt, als der Zug ohne Vorwarnung weiterfĂ€hrt.

Der Schaffner wird alarmiert, doch als er das kleine MĂ€dchen abholen will, ist es spurlos verschwunden. Und Dutzende potentieller Zeugen haben nichts gesehen.

Das Ermittlerteam um Kommissar Alex Recht und Fahndungsspezialistin Fredrika Bergman wird auf den Fall angesetzt. ZunÀchst sieht es so aus, als stecke der Vater des MÀdchens dahinter. Doch dann wird das Kind tot in Nordschweden gefunden.

Wenig spĂ€ter wird ein zweites Kind verschleppt, und der Fall entwickelt sich zu einem Albtraum – denn der Mörder ist nicht nur skrupellos, sondern geradezu brilliant in seinem Tun. Und er ist nicht allein… (Klappentext)

Reihenfolge der BĂŒcher:

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 1 – Aschenputtel

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 2 – Tausendschön

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 3 – Sterntaler

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 4 – HimmelschlĂŒssel

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 5 – Papierjunge

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 6 – SĂŒndengrĂ€ber

[Einklappen]

Rezension:

Es sollte eine ganz normale Zugfahrt werden, doch am Ende verschwindet das Kind spurlos. Die Mutter völlig aufgelöst, dass Ermittlerteam um den erfahrenen Kommissar Alex Recht neu zusammengestellt, noch in der Findungsphase. Klar, dass dort erst einmal Kompetenzen ausgelotet werden.

Insbesondere die neu hinzugekommene Analytikerin Fredrika Bergmann wird von den ausgebildeten Polizisten im Team kritisch beÀugt. Das tut der Arbeit nicht gut und so kommt das Team nicht voran. Die Ermittlungen fahren sich fest.

Fredrika, noch nicht „betriebsblind“ lotet alle Möglichkeiten aus, wogegen die Kollegen sich auf eine allzu offensichtliche Spur konzentrieren.

Doch, auch der TĂ€ter selbst bleibt nicht untĂ€tig. Allen wird schließlich klar, dass die Zeit davonrennt als ein zweites Kind tot aufgefunden wird. Doch zwischen den zwei Leichen gibt es kaum Verbindungen.

Wo ansetzen? Als man sich schließlich zusammenrauft, schließen sich die LĂŒcken. Bald hat man eine Vorstellung, doch die Wirklichkeit ist grausamer denn je.

Beim Blick in manchen BĂŒcherregalen könnte man meinen, dass die Schweden ein gewalttĂ€tiges mordendes Volk wĂ€ren, doch in Wahrheit schreiben sie nur gute Krimis. So auch Kristina Ohlsson, die mit ihrem DebĂŒt „Aschenputtel“ einen fulminanten Auftakt liefert, der einem das Blut in den Adern gefrieren lĂ€sst.

Zwar verzichtet die Autorin auf detaillierte Beschreibungen von Gewalt, der Schrecken spielt sich im Kopf des Lesers ab, doch psychisch vermag die Autorin um so mehr zu ĂŒberraschen.

DahinplÀtschernd beginnt die Geschichte um das charismatische Ermittlerteam, dessen Mitglieder alle ihre Eigenheiten haben und an Vielschichtigkeit in den einzelnen Kapiteln gewinnen.

Der Leser lernt jeden aus Alex Rechts Team kennen, sein Privatleben und Arbeitsauffassung und nach und nach die Sympathie fĂŒr die Protagonisten. Auch die TĂ€terpersonen bleiben nicht blaß.

Das zumindest hat der Leser Recht und Bergman voraus. Das tempo derweil zieht spÀtestens zur Mitte der Handlung an. Stockholm ist selten so spannend wie hier.

Ein Schweden-Krimi ohne die sonst ĂŒbliche Melancholie. Der Auftakt ist gelungen, die Geschichte spannend und glaubwĂŒrdig und vor allem in sich abgeschlossen. zwar iost es schön, die BĂŒcher in ihrer Reiehenfolge zu lesen, alleine wegen den Entwicklungen des Privatlebens der Ermittler.

Man kommt aber auch so klar. Die Charaktere wachsen einem an’s Herz. WĂ€hrend sonst einsame eigenbrötelerische Ermittler, allenfalls Duos die Druckseiten fĂŒllen, hat Ohlsson gut daran getan, ein ganzes Team antreten zu lassen.

Ihren Fokus auf den Rand der schwedischen Gesellschaft, den Finger in die Wunde des nordischen Mustersozialstaates gelegt, ist es auch spannend verpackte Gesellschaftskritik, diese nicht aus den Augen zu verlieren.

Und wenn doch, darf man sich wenigstens auf weitere Krimis von Kristina Ohlsson freuen, die mit ihrem flĂŒssigen Schreib- und ErzĂ€hlstil, stĂ€ndig wechselnden Perspektiven und einer interessanten Handlung zu fesseln vermag.

Autorin:

Kristina Ohlsson wurde 1979 in Kristianstad geboren und arbeitete nach ihrem Studium der Politikwissenschaften im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium als Expertin fĂŒr EU-Außenpolitik und Nahostfragen. Bei der nationalen schwedischen Polizeibehörde ebenso und als Terrorismusexpertin bei der OSZE in Wien.

2009 veröffentlichte sie ihren DebĂŒtroman „Aschenputtel“, mit dem ihr der Durchbruch als Autorin gelang. Die Reihe um die Polizisten Alex Recht und Fredrika Bergman wurde ein internationaler Erfolg. 2013 schrieb sie ihr erstes Jugendbuch, welches ein Jahr spĂ€ter in Deutschland erschien.

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Alberto Angela: Pompeji – Die grĂ¶ĂŸte Tragödie der Antike

Pompeji - Die grĂ¶ĂŸte Tragödie der Antike Book Cover
Pompeji – Die grĂ¶ĂŸte Tragödie der Antike Rezensionsexemplar/Sachbuch Goldmann Verlag Hardcover Seiten: 511 ISBN: 978-3-442-31427-0

Inhalt: Am 23. Oktober 79 n. Chr. feiert die illustre Gesellschaft Pompejis ein opulentes Fest. Doch der bebende Vesuv wird das bunte Treiben in der Stadt der Ausschweifungen und Intrigen jĂ€h beenden… Auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse rekonstruiert der renommierte Wissenschaftsjournalist und Bestsellerautor Alberto Angela in einem atemberaubenden Countdown Stunde um Stunde den Untergang der Stadt.

Alberto Angela fĂŒhrt uns durch belebte gassen, in prĂ€chtige Salons, kleine LĂ€den und winzige WohnstĂ€tten. Unaufhaltsam steuern wir mit den Pompejanern auf den verheerenden Ausbruch des Vesuvs zu.
Eine sinnliche Reise in die Welt der Antike, die tiefen Einblick gibt in das faszinierende Alltagsleben der Römer am Golf von Neapolis vor 2000 Jahren. (Klappentext)

Rezension:
Es war die wohl grĂ¶ĂŸte Tragödie der Antike. Als RauchsĂ€ulen emporstiegen, die Erde bebte und ihr Innerstes preisgab, schien es, als wĂŒrde der letzte Tag der Menschheit anbrechen und die Welt, wie sie die Bewohner Pompejis, Herculaneums und Stabiaes kannten, fĂŒr immer untergehen.

So kam es auch. Die Zeichen der bevorstehenden Katastrophe nicht deuten könnend, wurden die Bewohner des Golf von Neapolis von den Urgewalten der Natur ĂŒberrascht.

Der Berg, damals noch nicht als Vulkan erkennbar, eher ein fruchtbarer HĂŒgel, erwachte zum Leben und der Zorn der Götter, so schien es, brach ĂŒber die Menschen herein. Beim Ausbruch des Vesuviuvs starben Tausende, nur wenige konnten fliehen.

Alberto Angela nimmt seine Leser mit auf eine Zeitreise, verfolgt die jenigen, die ĂŒberleben sollten und die, die starben und fĂŒhrt sie durch die Tage, nach denen nichts mehr so sein sollte, wie vorher. Der Autor, der in Fachkreisen schon mit einigen anerkannten AufsĂ€tzen fĂŒr Aufsehen gesorgt hat, hat fĂŒr sein neuestes Werk eine ungeheure Recherchearbeit geleistet und von Vulkanologen, Historikern ĂŒber ArchĂ€o- und Geologen die neuesten Erkenntnisse ĂŒber das Leben im Römischen Reich im Allgemeinen und am Golf von Neapel im Besonderen zusammengetragen.

Herausgekommen dabei ist ein facettenreiches Portrait der Menschen jener Zeit, Der Leser begleitet die Einwohner Pompejis durch die letzten Tage der Katastrophe und sieht die Vorzeichen der Katastrophe, die der Autor ausfĂŒhrlich und doch leicht verstĂ€ndlich erklĂ€rt.

Wie konnte es zu diesem Vulkanausbruch kommen? Wie lebten und reagierten die Menschen auf dieses bis dato unbekannte Naturereignis? Wer schaffte es, sich und seine Familie, Freunde oder Sklaven in Sicherheit zu bringen und fĂŒr wen war auch nur der Versuch, dem UnglĂŒck zu entfliehen, ein Schritt in den Tod?
GestĂŒtzt auf antiken Quellen und Forschungen anderer VulkanausbrĂŒche, sowie den Erkenntnissen aus den Ausgrabungen von Pompeji und Herkulaneum rekonstruiert Angela minutiös die Geschehnisse.

Dabei kommen auch neueste Theorien und Kenntnisse zur Sprache, sehr dicht recherchiert. Haben wir bisher den Ausbruch des Vulkans falsch datiert? Wer hatte die grĂ¶ĂŸten Überlebenschancen? Welche Klischees in der Denkweise ĂŒber die Katastrophe sind schlichtweg falsch?

ErzĂ€hlt wird von den einzelnen Schichten der antiken Gesellschaft und ihrem Umgang mit den Ereignissen, vorher mit dem, was sie umtrieb, womit sie sich in ihrem Alltag beschĂ€ftigten und weshalb die Katastrophe nicht nur im besagten Ausbruch sondern in mehreren SchĂŒben der Naturgewalt bestand.

Der Leser indes fĂŒhlt sich inmitten der Geschehnisse. Spannender als jeder historische Roman, der je darĂŒber geschrieben werden kann. Alberto Angela entfesselt fĂŒr uns eine Katastrophe, die jederzeit erneut, dieses Mal ĂŒber die Bewohner Neapels, hereinbrechen kann.

Fast als wĂŒrde man selbst den Rauch sehen und die giftigen DĂ€mpfe einatmen, unter Vulkangestein begraben oder von pyroklastischen Strömen ĂŒberrollt werden. Wer dieses Standartwerk ĂŒber Pompeji gelesen hat wird die Ausgrabungen und den Vesuv selbst kĂŒnftig mit anderen Augen sehen.

Autor:
Alberto Angela wurde 1962 in Paris geboren, studierte nach dem Abitur in Frankreich und in Italien Naturwissenschaften, bevor er sich weiter auf PalÀontologie und PalÀoanthropogie spezialisierte. Er arbeitete an verschiedenen Orten der Welt an Ausgrabungen und Forschungen und veröffentlichte mehrere in Fachkreisen anerkannte AufsÀtze.

Als Wissenschaftsjournalist arbeitete er fĂŒr Fernsehsender und veröffentlichte mehrere SachbĂŒcher ĂŒber die menschliche Entwicklungsgeschichte und das Alte Rom. Er ist Mitglied des Instituts fĂŒr Menschliche PalĂ€ontologie in Rom.

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Neil Smith: Das Leben nach Boo

Das Leben nach Boo Book Cover
Das Leben nach Boo Neil Smith Verlag: Schöffling & Co. Erschienen am: 08.02.2017 Seiten: 414 ISBN: 978-3-89561-496-5 Übersetzerin: Brigitte Walitzek

Inhalt:

Oliver »Boo« Dalrymple ist dreizehn Jahre alt, hochbegabt, wenig beliebt und vor allem tot. Gerade noch hat er an seinem Schulspind gestanden, in das Periodensystem vertieft, da findet er sich im Wiedergeburtsraum eines seltsamen Jenseits wieder.

Dort begrĂŒĂŸt ihn Thelma, ein schwarzes MĂ€dchen, das in den sechziger Jahren gelyncht wurde, und erklĂ€rt ihm, was es damit auf sich hat: In einer von Mauern umgebenen Stadt leben ausschließlich verstorbene amerikanische Jugendliche seines Alters.

Quicklebendig verbringen sie ihre Zeit wie auf einem großen Schulhof, sausen auf FahrrĂ€dern umher und werden von einem hippiehaften Gott namens Zig mit allem versorgt, was DreizehnjĂ€hrige zum Leben brauchen.

Boo hat gerade begonnen, sich an das Nachleben zu gewöhnen, als sein ehemaliger Klassenkamerad Johnny in der Stadt auftaucht und ein ĂŒberraschendes neues Licht auf seine Vergangenheit wirft.

Auf der Suchenach der brutalen Wahrheit wird ihre gerade erst geschlossene Freundschaft ernsthaft auf die Probe gestellt. (Verlagstext)

Einordnung und Gestaltung:

Den Roman könnte man auch als Jugendbuch durchgehen lassen. In diesem Falle ist er ab 13-14 Jahren geeignet. Der Verlag differenziert hier nicht und vermarktet ihn auch als Roman.

Der Roman in der gebundenen Ausgabe, 1. Auflage, ist in elf unterschiedlichen Cover-Varianten erhĂ€ltllich. Bei Online-Bestellungen ist es Zufall, welches man erhĂ€lt, wĂ€hrend man in grĂ¶ĂŸeren Buchhandlungen oft mehrere der Cover zur Auswahl hat.

Rezension:

Die Frage nach einem Leben nach dem Tod hat die Menschen seit jeher fasziniert. Was kommt nach unserem Sterben? Boo weiß die Antwort.

Eigentlich heißt er Oliver, doch seine MitschĂŒler nannten ihn, den Außenseiter so, der plötzlich im Wiederbelebungsraum einer Stadt aufwacht, die nur von 13-jĂ€hrigen bewohnt wird.

Allen gemein ist, dass sie auf die eine oder andere Art ums Leben gekommen sind und nun 50 Jahre in ihrem dreizehnjĂ€hrigen Ich verharren mĂŒssen, bevor sie entgĂŒltig ableben. Doch, Oliver weiß zwar, dass er tot ist, doch nicht, wie er gestorben ist.

Das letzte, an das er sich erinnern kann, ist, dass er an seinem Schulspind stand und die Elemente des Periodensystems aufgesagt hat. Doch, das zĂ€hlt nicht mehr. Mit Hilfe neuer Freunde erkundet er seine „neue“ Welt, bis einer seiner MitschĂŒler das Reich der toten Jugendlichen betritt.

Johnny, der zuvor noch im Koma gelegen hatte, erklĂ€rt ihm, dass Boo und er bei einer Schulschießerei ums Leben gekommen sind. Der AttentĂ€ter auch. Der „Gunboy“ ist dabei ebenfalls gestorben. Und lĂ€uft wahrscheinlich nun in dieser neuen Welt frei herum.

Neil Smith schafft mit „Das Leben nach Boo“ ein wundervoll nachdenklich stimmendes Szenario, welches sich zu diskutieren lohnt. Es geht um wahrhaft existenzielle Fragen außerhalb unseres iridischen Lebens. Wo kommen wir hin, wenn wir nicht mehr sind?

Wie geht es weiter mit unserer Seele, zumal wenn sie frĂŒher gehen muss als ĂŒblich? Doch, nicht nur dafĂŒr verdient der Roman Aufmerksamkeit, lenkt er doch die Aufmerksamkeit auf ein vor allem US-amerikanisches Problem, ist es dort doch die USA selbst, die sich jedes Jahr auf’s Neue mehrfach der Frage stellen muss, wie mit Schulattentaten, -tĂ€tern und opfern umgehen, wenn auch die Probleme aus europĂ€ischer und kanadischer Sicht hausgemacht sein dĂŒrften.

Doch, Smith bleibt nicht bei diesen, sondern wirft weitere Fragen auf. Wie gehen wir mit Schuld und Schuldigen um? Was ist richtig und falsch?

Ja, sogar Fragen von gesellschaftlichen Grenzen werden aufgeworfen, wenn man das Szenario betrachtet, dass es einen Himmel getrennt nach Altersklassen und NationalitÀten gibt.

Genau, wie Oliver und Johnny so manches Mal an diesen Problemen zu zerbrechen drohen, der eine frĂŒher, der andere spĂ€ter, merkt auch der Leser schnell die Begrenztheit des Gedankenspiels des Autoren.

Smith möchte zu viel, fabriziert LĂ€ngen, wo keine sein mĂŒssten, was bei den kurzen Kapiteln, die allesamt nach den Elementen des Periodensystems nummeriert sind, an sich schon eine Kunst ist und droht allenthalebn, seine Leser zu verlieren.

Nur gerade so, schaffen es dann folgende spannendere Kapitel, die mit zunehmender Seitenzahl an Tempo gewinnen, den Leser wieder mitzunehmen. Letztendlich das Ausschlaggebende dafĂŒr, den Roman bis zum Ende durchzulesen.

Die Protagonisten bleiben zudem, bis auf wenige der Hauptfiguren (da, auch nicht alle) farblos und entwickeln sich kaum weiter, wenn der Autor auch beschreibt, dass selbst in der Welt der Dauer-13-jÀhrigen Entwicklung, wenn auch nur charakterlich, existiert.

Auch logische Fehler hat diese Welt, regiert von einer Übergestalt namens Zig, der eher wie ein verplanter LebenskĂŒnstler agiert statt wie eine Gottheit.

Zum einen die BeschrÀnktheit des himmlichen Daseins auf 50 Jahre, zum anderen in Zigs Gabe den Kindern z.B. nur Comics und vegetarisches Essen, nicht aber Lexika und Fleisch zukommen zu lassen.

Leider ist zu wenig bekannt als dass man Smith missionarischen Eifer unterstellen könnte aber es fĂŒhlt sich an manchen Stellen ebendoch wie ein erhobener Zeigefinger an, der inkonsequent mal in die eine, dann in die andere Richtung zeigt.

Schade, da sich der Autor damit viel Potential von seiner Geschichte einfach vergibt. Das Grundthema „Das Leben nach Boo“ ist trotzdem ĂŒberlegens- und lesenswert. Und, wem das ganze dennoch abgeht, kann ja immer noch alle elf Cover der deutschen Ausgabe sammeln.

Autor:

Neil Smith lebt als Autor und Übersetzer in Montreal, Kanada. Sein DebĂŒt „Bang Crunch“ wurde von der Washingtron Post zum Buch des Jahres gewĂ€hlt. Mit diesem ErzĂ€hlband gewann Smith zahlreiche Preise.

Sein zweiter Roman „Das Leben nach Boo“ wurde bishlang in sieben Sprachen ĂŒbersetzt. Auch dafĂŒr wurde er mehrfach ausgezeichnet.

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Marie Fredriksson: Listen to my heart – Meine Liebe zum Leben

Listen to my heart - Meine Liebe zum Leben Book Cover
Listen to my heart – Meine Liebe zum Leben Marie Fredriksson/H. v. Zweigbergk Verlag: edel Erschienen am: 21.11.2016 Seiten: 239 ISBN: 978-3-8419-0488-1

Inhalt:

Mit Roxette hat Marie Fredriksson die BĂŒhnen der ganzen Welt erobert, ein wahres MĂ€rchen, das ihr nach einer entbehrungsreichen Kindheit zuteil wurde. Doch dann stellt ein tödlicher Gehirntumor allen Erfolg in den Schatten und reduziert das Leben wieder auf das Wesentliche.

Seit nunmehr 15 Jahren kĂ€mpft Marie gegen den Krebs und vor allem gegen die SpĂ€tfolgen der Krankheit, die sie zuletzt zwangen sich fĂŒr immer von der BĂŒhne zu verabschieden.

„Listen to my heart“, ist eine Geschichte von großer Liebe, von Trauer, großen Erfolgen und Rache am Schicksal – der Liebe zum Leben sei Dank. (Klappentext)

Rezension:

Erfolgsstorys außerhalb der schwedischen Eurovisionsgeschichte kann man an einer Hand abzĂ€hlen. Im musischen Bereich sind sie rar gesĂ€t, die Ausnahmetalente, die den Sprung nach Europa und den Rest der Welt schaffen.

Die schwedische Band Abba gehörte dazu und in jĂŒngerer Zeit, inzwischen auch wieder mehrere Jahrzehnte her, schaffte Roxette den Sprung auf die internationale BĂŒhne. Ein Leben zweier Musiker, ihrer Freunde und Familien fĂŒr die Musik.

Immer skandalfrei, immer in Bewegung und immer mit neuen krativen Ideen fĂŒr in Erinnerung bleibende Auftritte. Eine Band, auf die sich mehrere Generationen einigen können. Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs war Marie Fredriksson, die sich von schwierigen finanziellen FamilienverhĂ€ltnissen ihren Traum erkĂ€mpfte, fĂŒr die Musik und die BĂŒhnen dieser Welt zu Leben.

Mit Hilfe der schwedischen Journalistin Helena von Zweigbringk veröffentlichte Fredriksson ihre Geschichte, deren schwerster Schicksalsschlag, ein Tumor im Jahr 2002 fast ihr Ende bedeutet hÀtte. Doch Marie Fredriksson nahm den Kampf auf und siegte. Aus Liebe zum Leben.

KĂŒnstlerbiografien, zumal von heutigen selbst ernannten Stars, haben oft genug keine tiefere Ebene und bleiben oberflĂ€chlich. Die meisten dieser BĂŒcher bringen ein paar Anekdoten und kuriose Fakten hervor, zumehr lassen sich die Schreiber, ob nun der kĂŒnstler selbst oder ein Ghostwriter nicht herab.

Das Buch von Marie Fredrikkson ist anders. Die Journalistin Helena von Zweigbergk hat die SĂ€ngerin mehrere Monate begleitet und Interviews gefĂŒhrt. Mit Marie, ihren Freunden und Bekannten, mit der Familie und Wegbegleitern einer schwedischen Erfolgsstory.

Herausgekommen ist ein beeindruckendes Portrait eines angeschlagenen aber nicht unbesiegten Menschen, welche nicht aufgegeben hat, in einer Situation, in der es jeder verstanden hĂ€tte. Nein, dass BĂŒhnentalent kĂ€mpft fĂŒr sich und ihre Freunde um ihr Leben als sie die schlimmste aller Diagnosen trifft. Ein Hirntumor, der fast das Ende bedeutet.

NatĂŒrlich ist dieses BĂŒchlein vor allem fĂŒr die Fans von Roxette, von Marie und Per, interessant, zumal wegen der Fakten und der Hintergrundgeschichte der Entstehung der Band. Aber es gibt auch Mut, fĂŒr sich zu kĂ€mpfen, wenn alles aussichtslos erscheint und kaum Hoffnung mehr besteht.

Kurze Kapitel, in denen man den Eindruck hat, in denen die SĂ€ngerin aus ihrem Leben und vom Kampf gegen den Krebs erzĂ€hlt wechseln sich ab mit den EindrĂŒcken von Zweibringks, die ihr beim Niederschreiben und bei der Entstehung des Buches geholfen hat.

FĂŒr die Fans, die Marie Fredrikssons nur alles Gute und GlĂŒck wĂŒnschen können, dĂŒrfte so der Abschied von der Band leichter fallen. Alleine ihre Songs werden im GedĂ€chtnis bleiben. Eine kleine großartige Biografie ĂŒber ein beeindruckendes Leben.

Roxette „Listen to your heart“.

Autorinnen:
Helena von Zweigbergk wurde 1959 in Stockholm geboren und ist eine schwedische Autorin, Journalistin und Filmrezensentin. Nach der Schule studierte von Zweigbergk an der UniversitÀt Stockholm und erlangte erstmals in den 1990er Jahren Bekanntheit durch das schwedische Radioprogramm Spanama.

Ihr erstes Buch veröffentlichte sie 2001, welches vier Jahre spĂ€ter auch ins Deutsche ĂŒbersetzt wurde. 1994 arbeitete sie zusammen mit der Journalistin Cecilia Bodström an einem Reportage-Buch ĂŒber Prostitution. Zudem schrieb sie mehrere Filmrezensionen fĂŒr eine schwedische Tageszeitung, sowie KinderbĂŒcher.

Schwerpunkt ihrer schriftstellerischen Arbeit sind heite Menschen, die um ihre eigenen Standpunkte kĂ€mpfen. Als Journalistin arbeitete sie vor allem fĂŒr die Zeitung Expressen und war von 2006-2007 als Programmleiterin einer schwedischen Fernsehshow. Sie lebt mit ihrer Familie in Stockholm.

Marie Fredriksson wurde 1958 in Össjö geboren und ist eine schwedische Musikerin. International bekannt wurde sie als Bandmitglied von Roxette. Nach dem Studium an der Musikhochschule Svalöv erhielt Fredriksson mit ihrer Band MaMas Barn einen Plattenvertrag, erzielte damit jedoch nur mĂ€ĂŸige Erfolge.

1984 begann sie ihre Solokarriere und grĂŒndete zwei Jahre spĂ€ter mit Per Gessle die Band Roxette. ZunĂ€chst nur in Schweden erfolgreich, gelang 1989 der weltweite Durchbruch mit dem Hit „The Look“.

Mehrfach erhielt sie die goldene Schallplatte und wurde als beste SĂ€ngerin Schwedens ausgezeichnet. Mehrere Tourneen rund um den Globus folgten. Im September 2002 wurde bei Fredriksson ein Hirntumor diagnostiziert

Nach ĂŒberstandener Krankheit feierte sie 2009 ihr Comeback. 2016 gab die Band entgĂŒltig ihren Abschied bekannt, mit der BegrĂŒndung Fredriksson habe aufgrund der SpĂ€tfolgen nicht mehr die Kraft fĂŒr die Auftritte. Sie starb am 9. Dezember 2019.

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Bruno Preisendörfer: Deutschland 1 – Als Deutschland noch nicht Deutschland war

Als Deutschland noch nicht Deutschland war Book Cover
Als Deutschland noch nicht Deutschland war Reihe: Deutschland – 1 Sachbuch Galiani Berlin Hardcover Seiten: 518 ISBN: 978-3-86971-110-2

Inhalt:

Eine Zeitreise in das deutsche 18. Jahrhundert als es ein Deutschland noch gar nicht gab. Vielmehr gab es viele verschiedene Regionen, Staaten und StÀdte, ein loses Gebilde voller Grenzen.

Es ist die Zeit, in der große MĂ€nner Kulturgut schufen, in der die großen Philosophen Kant und Schopenhauer wirkten und der Merkantilismus als Wirtschaftsform dominierte. Es ist die Zeit des Wandels und des Aufbruchs, gleichwohl immer noch ein harter Alltag im Leben der Menschen. Doch, wie lebten sie, die einfachen Leute und die Adligen zu dieser Zeit? Welche Kleidung trugen sie, was gab es zu essen, welche Moral- und gesellschaftlichen Vorstellungen prĂ€gten sie?

Bruno Preisendörfer nimmt den Leser auf eine spannende Zeitreise durch eine prÀgende Epoche. (eigener Text)

BĂŒcher der Reihe:

Bruno Preisendörfer: Deutschland 1 – Als Deutschland noch nicht Deutschland war

Bruno Preisendörfer: Deutschland 2 – Als unser Deutsch erfunden wurde

Bruno Preisendörfer: Deutschland 3 – Als die Musik in Deutschland spielte

[Einklappen]

Rezension:

Wie lange quĂ€len Deutsch-Lehrer ihre SchĂŒler eigentlich im Schnitt mit den allgemein als Klassikern akzeptierten Werken von Goethe, Schiller und anderen?

Wie viele SchĂŒler verzweifeln an der Philosophie Kants und Schopenhauers und wie vielen wird die Lust am Lesen genommen, dadurch, dass in jedes Komma und jeden Punkt mehr hinein interpretiert wird als tatsĂ€chlich drinsteckt? Zu vielen.

Spannender ist es dann doch, in die Zeit einzutauchen, zu erleben, unter welchen UmstĂ€nden Goethe und seine Zeitgenossen lebten, weÂŽlche probleme die Ärmsten unter den Armen zu bewĂ€ltigen hatten und fĂŒr welche fortschrittlichen ideen damals in Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur Grundsteine gelegt wurden.

Bruno Preisendörfer nimmt uns mit auf diese Zeitreise und lÀsst uns den Alltag im Noch-nicht-wirklich-Deutschland nachempfinden und erzÀhlt, pointen und zitatereich vom Leben der Menschen im 18. jahrhundert.

Er beschreibt gesellschaftliche Konflikte durch Standesunterschiede, macht Geschichte fassbar, begleitet den Delinquenten zum Galgen und den Knecht oder Handwerker durch Arbeit, Eheleben bishin zum Tod. Und fĂŒr manchen lĂ€uft es auf’s Gleiche hinaus, wenn die Frau und Kinder an Pocken oder anderen Krankheiten sterben.

Doch, es ist auch die Zeit des Fortschritts. Der Blitzableiter wird erfunden, Nachttöpfe dĂŒrfen nicht mehr allenthalben auf den Straßen entleert werden und Berlin bekommt die erste Straßenbeleuchtung. Impfungen werden entwickelt, KrankenhĂ€user entstehen. Auch das ist die Goethe-Zeit, die sich nicht nur auf Weimar beschrĂ€nkt.

Der Autor beschreibt dies alles sehr detailliert, gestĂŒtzt auf eine Unmenge von Quellen, die er ausgiebig nutzt und damit mehr erreicht als jeder Deutsch-Lehrer, der nur interpretieren möchte.

Er macht greifbar, was heute lĂ€ngst vergessen aber die nachfolgenden Jahrhunderte entscheidend mitgeprĂ€gt hat. Preisendörfer zitiert ausfĂŒhrlich aus Zeitungen, TagebĂŒchern und Korrespondenzen jener Zeit, durchstöberte Archive und statistischen Überlieferungen.

Herausgekommen dabei ist ein durchaus flĂŒssig zu lesendes Sachbuch welches gleichzusetzen ist mit historischen Standardwerken, die Politik aber außenvor lĂ€sst und dafĂŒr die Bauern, das Klein- und GroßbĂŒrgertum und das Leben des Adels beschreibt.

Lesenswert allemal, logisch gegliedert, stockt der Lesefluss dann doch an manchen Stellen. Zitate können schwierig zu greifen sein, wenn sie ausfĂŒhrlich sind. Man erfĂ€hrt vieles, was man vielleicht noch nicht wusste, entdeckt bekanntes und kurioses.

Der Leser lebt mit Goethes Zeitgenossen mit, ist glĂŒcklich, arbeitend, kĂ€mpferisch, mal arm, mal reich, mal lebensfroh, dann wieder leidend. Nicht auf die LektĂŒre natĂŒrlich bezogen, keiner muss dann einem „Werther“ folgen (siehe Goethe) aber kann danach durchaus in Gedanken an Kant und Schopenhauer philosophieren. Das hat doch was.

Autor:

Bruno Preisendörfer wurde 1957 in Kleinmostheim/Unterfranken geboren und ist ein deutscher Sachbuch- und Belletristik-Autor. Nach dem Abitur studierte er Germanistik, Politikwissenschaften und Soziologie und zog 1982 nach Berlin.

Neben seiner schriftstellerischen TĂ€tigkeit arbeitete er als Redaktionsleiter einer Magazin-Zeitung und war von 1995-1999 Redakteur bei der Zeitschrift „Freibeuter“. Er erhielt 1998 den WĂŒrth-Literaturpreis und 2016 fĂŒr sein Buch ĂŒber die Lutherzeit den NDR-Kultur Sachbuch-Preis.

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Veit Etzold: Skin

Skin Book Cover
Skin Thriller Bastei LĂŒbbe Taschenbuch Seiten: 415 ISBN: 978-3-404-17375-4

Inhalt:

Ein SchlĂŒssel, der dich zu einem grausigen Fund fĂŒhrt. Ein Video, dessen Bilder du niemals vergessen wirst. Ein Mörder, der deine dunkelsten Ängste kennt… (Klappentext)

Rezension:

Christian König steigt schnell auf in der TretmĂŒhle Unternehmensberatung ECC, bei der er seinen neuen Job beginnt. Von Termin zu Termin, unter Zeitdruck arbeiten er und seine Kollegen am nĂ€chsten Großprojekt, einer stauchelnden Bank aus der Krise zu helfen.

Doch, dass ist nicht so einfach. Als einer von seinen Kollegen an der Programmierung einer Excel-Tabelle scheitert, ĂŒbernimmt Christian diese Aufgabe, meistert sie mit mehr GlĂŒck als Verstand und rĂŒckt damit auf dessen Platz. Doch, mit dem Erfolg kommt das Grauen. In Form einer E-Mail, einem Link, einem Video. Dieses zeigt eine verwesende Leiche. Erschrocken wendet sich Christian an die Polizei und setzt damit Ereignisse in Gang, die ihn immer nĂ€her in den Kreis der VerdĂ€chtigen rĂŒcken.

Am Ende ist sich der junge Unternehmensberater selbst nicht mehr sicher. Hat er diesen Menschen ermordet?

Abgesehen davon, dass wohl alle Berliner Psychothriller-Autoren Kontakt zu dem Rechtsmediziner Michael Tsokos haben, ist Veit Etzold mit „Skin“ ein interessanter Thriller gelungen, der es in sich hat. ZunĂ€chst ziemlich leise dahinplĂ€tschernd, wird der Leser in die Karriereschleuder Unternehmensberatung eingefĂŒhrt, die bei Versagen ein sofortiges Karriere-Aus fĂŒr die Betroffenen bedeutet.

Anschaulisch beschreibt der Autor diese sehr eigene Welt zwischen FlĂŒgen, Bonus-Meilen, stĂ€ndigen Terminen, schwindender Konzentration und Überstunden, Beruf vor Privatleben und bettet darin eine Geschichte ein, die es in sich hat.

Mit der ersten Kontaktaufnahme Christians mit dem Grauen in Form von zunÀchst Bildern und Videos, dann immer mehr real Fassbaren (im wahrsten Sinne), gewinnt der Thriller an Tempo. Der Leser wird gleichsam den Protagonisten in einem Strudel gerissen, der kaum durchatmen lÀsst.

Der Autor weiß vor allem auf den ersten Seiten, von was er schreibt. Der Leser merkt, wie tief Etzold mit dem Thema Unternehmensberatung verbunden ist ubnd fĂŒr alles andere hat sich der Autor die richtigen Leute zur Beratung geholt.

Man sollte Rechtsmediziner in der Familie und im Bekanntenkreis nutzen und der Leser gewinnt so einige grausige medizinische Kenntnisse in diesem Bereich, die den Nervenkitzel noch einmal erhöhen.

Kurz und prĂ€gnant ist der Schreibstil, mit zunehmender Seitenzahl steigt das Lesetempo und die Spannung obwohl die Cliff-Hanger rarer gesĂ€t sind als z.B. bei Fitzek. Das Ende ist dafĂŒr nicht ganz so verdreht, erst auf den letzten Seiten bekommt man eine Ahnung, wer der TĂ€ter ist. Einzig die Figur des ermittelnden Polizisten ist klischeehaft nervig, gerade so an der Grenze, bevor es ins UnertrĂ€gliche kippt.

Abgehalftert, durch seine Arbeit desillusioniert und nah dran, die Grenzen dessen, was an ErmittlungstĂ€tigkeit ĂŒberhaupt erlaubt ist, sich zu schnell auf einen TĂ€ter fokussierend, wobei in Deutschland immer zuerst die Unschuldsvermutung gilt, findet Etzold immer noch einen Weg, den Polizisten Deckhard gerade so positiv erscheinen zu lassen, dass man schon froh darĂŒber ist, keine ermittelnde skandinavisch-alkohlisierte Fahne vor sich zu haben.

Die Auflösung kommt dann jedoch ein wenig zu schnell. Es hĂ€tten der Geschichte noch fĂŒnfzig zusĂ€tzliche Seiten sicher gut getan. Trotzdem ist „Skin“ ein Thriller, der unter die Haut geht und uns den nĂ€chsten E-Mail-Link und das nĂ€chste Schließfach mit grĂ¶ĂŸter Vorsicht öffnen lĂ€sst.

Autor:

Veit Etzold wurde 1973 in Bremen geboren und ist ein deutswcher Schriftsteller. Er studierte Anglistik, Kunstgeschichte, Medienwissenschaften und General Management in Oldenburg, London und Barcelona. Seine Dissertation beendete er im Jahr 2005. WĂ€hrend des Studiums arbeitete er fĂŒr Medienkonzerne, Banken und Unternehmensberatungen, war zugleich in der Management-Ausbildung tĂ€tig.

Neben seiner schriftstellerischen TÀtigkeit ist er weiterhin als Vortragsredner und Unternehmensberater tÀtig. 2009 veröffentlichte er zusammen mit dem Rechtsmediziner Michael Tsokos sein erstes Sachbuch, ein Jahr darauf seinen ersten Roman. Er lebt mit seiner Frau, Rechtsmedizinerin, in Berlin.

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