Literatur

Manfred Koch: Rilke – Dichter der Angst

Inhalt:
Rainer Maria Rilke gilt als einer der größten Dichter des 20. Jahrhunderts. Seine Kunst sei „Dinge machen aus Angst“, schreibt er im Juli 1903 seiner ehemaligen Geliebten Lou Andreas-Salome. Manfred Koch zeigt in seiner neuen, Leben und Werk gleichermaßen in den Blick nehmenden Biographie Rilke als hochsensibles Echolot und geschlechtlich fluidesten Dichter der heraufziehenden Moderne. So entsteht die mitreißende Erzählung eines radikalen Lebens, das ganz Kunst sein will und dadurch eine Wahrnehmungssensibilität entfaltet, die erschreckend nah in Berührung kommt mit den Abgründen in ihm selbst und in seiner Zeit. (Klappentext)

Rezension:
Rilke, für den Dichtung alles war, kann man vielleicht als einen der ersten wirklichen Europäer bezeichnen, der er dies zu einer Zeit gewesen ist, als der Nationalismus um sich greifen und den ersten Weltenbrand entfachen sollte, der den Kontinent erschütterte. Bis dahin und in der danch folgenden kurzen Zeit der Stabilisierung hatte der Dichterfürst nicht nur die Schweiz gesehen, auch in Ländern wie Frankreich, Russland oder Spanien und Italien war er auf der Suche nach sich selbst gewesen, nach Inspiration und Unterstützung. Diesen Weg zum einen, zum anderen über Rilkes Texte folgt der Literaturwissenschaftler und Essayist Manfred Koch.

Entstanden ist dabei eine in mehreren Aspekten bezeichnende Biografie.

Lesefreundlich gegliedert sind die einzelnen Lebesstationen überschriebenen Kapiteln in kompakte Abschnitte, in denen wir über das Werk Rainer Maria Rilke kennen, dessen Kindheit prägende und komplizierte Mutter-Sohn-Beziehung bezeichnend sein sollte für die Entstehung und den Zugang des Dichters zu seinen Texten selbst, sowie zu den späteren Beziehungen zu seinen Mitmenschen. In seiner Form handlich, lernt man so einen Großteil des Schaffens Rilkes kennen, was die Biografie zur empfehlenswerten Lektüre macht, kennt man vorher nur ein wenig davon. Zugleich schildert der Autor so viel Zeitgeschehen und gibt hier auch, was sich bei einem solch umtriebigen Menschen anbietet, einen guten Überblick über den Kulturbetrieb Europas jener Jahre.

Manfred Koch beschönigt jedoch nichts, sondern zeigt auch auf, wie problematisch die Beziehungen Rilkes vor allem zu den von ihnen umschwärmenden und umschwärmten Frauen gerade für diese selbst werden konnten, aber auch, den psychischen Leidensdruck auf, der Rilke zu meisterhaften Texten befähigte, jedoch Zeit seines Lebens ihn selbst und seine Umgebung auch schadete, und dies nicht zu knapp. Es ergibt sich dabei in vielen Fascetten absolut kein symphatisches Bild, welches man wohl in anderen Biografien suchen muss, doch eine umfassende Analyse eines Schaffens, welches Grenzen vieler Art zu durchbrechen vermochte.

Den Weg zu gehen, einmal umgedreht vom Werk zu den einzelnen Lebensstationen, ist eine mal andere Variante, ein Leben zu betrachten und darf als gelungen bezeichnet werden, zudem hier wirklich auf viele Texte eingegangen wird, die Rilke im Laufe der Jahre geschaffen hat. Auch die Kompliziertheit und fast krankhafte Unerbittlichkeit des Dichters gegenüber sich selbst und seiner Arbeit herauszustellen, dies in einer kompakten und doch hinreichend detaillierten Form zu packen, hat Manfred Koch geschafft, dessen Fachkenntnis und Anerkennung für Rilkes Werk in jeder Zeile zu spüren ist, denen eine jahrelange Recherchearbeit vorausging.

Eine umfangreiche Quellenlage, sowie ein ausgewählter Bildteil ergänzen die Lektüre. Nur die ist zu bewerten. Würden wir dies nach Umschlagen der letzten Seite auf Rilke als Person ausweiten wollen, müssten für ihn selbst so einige Abzüge gemacht werden.

Autor:
Manfred Koch wurde 1955 in Stuttgart geboren und ist ein deutscher Literaturwissenschaftler und Essayist. Er studierte zunächst in Tübingen Philosophie, Germanistik und Geschichte, bevor er ebenda promovierte. Von 1988 an arbeitete er als Lektor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Thessaloniki, derer sich eine wissenschaftliche Assistenzstelle in Gießen anschloss. Von 2001 bis 2003 hatte er eine Vertretungsprofessor in Tübingen inne, von 2004 an war er Mitorganisator der Poetik-Dzentur. Von 2009 bis 2021 lehrte er in Basel als Privatdozent und unterrichtete anschließend in Vermond. Er schrieb Beiträge für die Neue Zürcher Zeitung, publizierte und verfasste Radio-Essays für den SWR2.

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Tobias Roth: Welt der Renaissance 3 – Rom

Inhalt:
Rom – die Stadt der Widersprüche, der marmornen Ruinen und des kometenhaften Wiederaufstiegs zur Welthauptstadt. Tobias Roth entdeckt, übersetzt und kommentiert die literarischen Schätze der Zeit und entführt fachkundig und fesselnd in eine Welt voll hoher Kunst und verrückter Kleriker, antikenbegeisterter Dichter und rauer Wirklichkeit.

Mit Berichten aus den Ruinen von Francesco Petrarca und Poggio Bracciolini, der Entlarvung großer Kirchenschwindelei von Lorenzo Valla, Sonetten von Michelangelo über die Kröpfe lombardischer Katzen, Augenzeugenberichten von der Plünderung Romans 1527 sowie subversiv frommen Gedichten Vittoria Colonnas, einem gigantischen Mittagessen im Vatikan, dem Testament des päpstlichen Elefanten Hanno und vielem mehr. (Klappentext)

Reihe:
Dies ist der dritte Band der „Welt der Renaissance“. Vorherige Bände beschäftigten sich mit Florenz und Neapel und können wie dieser unabhängig voneinander gelesen werden.

Rezension:
Die Renaissance war eine Zeit der Gegensätze. Kunst und Kultur erlebten eine Blütezeit, auch das architektonische Bild der Städte veränderte sich. Kuppeln waren nun überall zu sehen. Während die einen, allen voran humanistische Gelehrte die Texte und Literatur der Antike wiederentdeckten, brannten die einen antiken Marmor zu Kalk für ihre Bauwerke. Die Kirche selbst war verwickelt, in Ränkespielen und Prunksucht, an deren Ende sie gespalten wurde.

Machtspiele bestimmten das Bild, während die neue Technik des Buchdrucks half, Wissen zu verbreiten, jedoch sie selbst zum Opfer wurde. Plötzlich gab es nun eine erste Liste festgeschriebener verbotener Schriften. Der Autor Tobias Roth hat sich aufgemacht, die Spuren der Geistesgrößen jener Zeit nachzuspüren, durch die ewige Stadt zu wandeln, in der schon damals nichts beständiger war als die stete Änderung. Herausgekommen ist eine Sammlung kurioser Blickwinkel hinter den Mauern der Kurie und dem Alltag zwischen Aufschwung und Unsicherheit, Pilgerströmen und Verkehrskatastrophen.

Es wirkt zu viel auf den ersten Blick, diese kuriose Sammlung, die zunächst genau so chaotisch aussieht, wie es die Stadt am Tiber schon damals gewesen ist. Ein Durcheinander, in den man sich zurechtfinden muss, wie zwischen den engen Gassen der Stadt.

Hier hilft der Autor, ordnet ein, folgt den Schreibenden, unter ihnen die erste Frau, die sich in der vormaligen Männerdomäne zu behaupten weiß und zeigt die zahlreichen Facetten eines faszinierenden Zeitalters, in dem schon damals wenige alles haben und viele andere nichts. Der Übergang zwischen Texten, Kommentar und Einordnung ist da zu weilen fließend. Stichworte am Rand erleichtern die Orientierung, Fußnoten liefern notwendige Erklärungen nicht nur zu Hannos Testament, welches zum Spotttext auf die Kurie geschrieben wurde.

Man staunt hier, schmunzelt da, erschrickt über die Gegensätze, die dennoch später Grundlage für so viele Veränderungen sein werden. Das ist nicht immer einfach zu lesen oder leicht zugänglich. Tobias Roths Text lädt ein zur Recherche.

Wer waren die Menschen, die er manchmal flüchtig, oft ausführlicher beschreibt, wie sahen sie aus die Gebäude, die Statuen und was folgte daraus. Ein gut recherchiertes Sachbuch, welches herausfordert und dazu einlädt, den eigenen Blickwinkel zu erweitern liegt mit dem dritten Teil der „Welt der Renaissance“ vor, deren Vorgänger bereits nach Florenz und Neapel führten. Ein weiteres Puzzlestück, in dem nicht nur Michelangelo sein berühmtes Deckengemälde schafft, sondern selbiges vor bremsenden Geistern gerettet wurde.

Der Autor gibt in seinem Sachbuch, welches zahlreiche Abbildungen originaler Texte als Faksimiles enthält, eine Übersicht über Kunst und Kultur einer Stadt, die sich selbst sucht und in denen die Suchenden unterschiedlichste Antworten darauf finden. Eine Zeitreise, die erstaunliches zu Tage befördert. Nicht nur die Speisepläne der Geistlichkeit.

Mediatheken-Tipp: Arte „Die Meister von Rom – Michelangelo, Raffael und Leonardo Da Vinci

Wikipedia: Die Renaissance / Elefant Hanno

Autor:
Tobias Roth wurde 1985 in München geboren und ist ein deutscher Lyriker, Übersetzer und Essayist. Er studierte Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Freiburg, sowie Europäische Literaturen in Berlin. Nach seinem Studium war er von 2007 bis 2015 als Kulturjournalist tätig und betreute eine Seite zur zeitgenössischen Lyrik, war Herausgeber der Berliner Renaissancemitteilungen, 2011 bis 2017.

Er ist Mitglied der Mainzer Gesellschaft zur Förderung von Design, Kunst und Kommunikation e.V. und hat mehrere wissenschaftliche Schriften zu literaturhistorischen Themen veröffentlicht. Zudem ist er als Lyriker, Übersetzer und Essayist tätig. Er ist Mitgründer des Verlags Das Kulturelle Gedächtnis. Tobias Roth wurde für seine Werke mehrfach ausgezeichnet.

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Amir Hassan Cheheltan: Die Rose von Nischapur

Inhalt:
Als sich David 2015 endlich seinen langjährigen Traum erfüllt und den Iran bereist, ahnt er noch nicht, dass sein Leben bei der Rückkehr nach England ein anderes sein wird. In Teheran trifft er den Schriftsteller Nader und dessen Freundin Nastaran. Schnell entwickelt sich durch ihre leidenschaftlichen Gespräche eine innige Freundschaft, die schon bald gefährlich zu kippen droht. „Die Rose von Nischapur“ ist ein bewegender Roman über Begehren, Misstrauen und die Sehnsucht nach einer Freiheit, die unerreichbar scheint. (Klappentext)

Rezension:
Zwischen den Welten entführt uns der vorliegende Roman „Die Rose von Nischapur“ des iranischen Schriftstellers Amir Hassan Cheheltan in die quirlige Hauptstadt des Landes, die sich fest in den Händen der herrschenden Mullahs befindet. Dazwischen jedoch, Leben. Die Menschen suchen und finden ihre Nischen.

Im Ausland jedoch kennt diese kaum jemand. David jedoch liebt das Werk des alten persischen Dichters und Philosophen Omar Khayyam. Nachdem er den Autoren Nader kennengelernt hat, beginnt er sich nicht nur einen Traum zu erfüllen. Seine Reise wird zur Herausforderung seiner neuen Bekannten werden und nicht zuletzt auch für sich selbst.

Beinahe poetisch wirkt der Roman, dessen Geschehen einige wenige Wochen umfasst und zahlreiche Konflikte aufmacht. So ist dies eine Erzählung über die Wirkung von Beziehungen, zugleich jedoch innerer Zerissenheit und Einsamkeit. Jede der handelnden Figuren sieht sich in dem festgefahrenen Land plötzlich seinen Ängsten oder Sehnsüchten ausgesetzt, die Geschehnisse in Gang setzen werden, die zunächst langsam, dann immer schneller ins Rollen geraten.

Auf das zunächst langsame Erzähltempo muss man sich einlassen, wird dafür jedoch mit einer schönen sprachlichen Ausgestaltung und interessanten philosophischen Betrachtungen belohnt. Letztere ziehen sich die gesamte Handlung hindurch und lassen sich gut auf den Alltag im Gottesstaat übertragen, die Zwänge und Herausforderungen, die damit verbunden sind.

Cheheletan beschränkt sich auf wenige Figuren, wobei Nader allen voran sein alter Ego sein dürfte. Natürlich mit Abwandlungen, jedoch merkt man dem Protagonisten die gleiche Vorliebe zur persischen Dichtkunst und Philosophie an, wie sie auch dem Autoren innewohnen wird, als auch die Kenntnisse der inneren Gefühlswelt während des Krieges.

Auch hier könnten wenigstens in Spuren gewisse Parallelen liegen. Auch die anderen Hauptprotagonisten haben so ihre Ecken und Kanten, wobei die als „Rose von Nischapur“ betitelte, die interessanteste sein dürfte, um sie dreht sich schließlich alles. Nebenfiguren gibt es kaum. Eine wenigstens bildet einen Kontrast zu David, was sie jedoch nicht gerade sympathisch macht. Mit ihrer westlichen Logik ist sie jedoch Handlungstreiber oder zumindest ein nicht zu ignorierender Impulsgeber für die Erzählung, die das Tempo anziehen lässt.

Die Perspektiven wechseln stets zwischen den drei Hauptfiguren, auch innerhalb der kompakten Kapitel. Ihre Reaktionen aufeinander machen den Roman interessant, wenn auch dadurch entstandene Wendungen, so man sie als solche bezeichnen darf, eher langsam entstehen. Wenige Rückblenden als Erinnerung der Protagonisten durchbrechen die Erzählstruktur nicht zu stark, als dass das störend wirken würde. Doch ergibt sich in dieser Kombination eine Art „Romeo und Julia“ auf Persisch.

Melancholie ohne Mehltau und ein paar Alltagsszenen, wie Familienzusammenkünfte sind stark in der Beschreibung. Man kann sich die Herzlichkeit der Menschen einerseits praktisch bildlich vorstellen, andererseits aber auch die Zwänge, unter denen die Protagonisten leben.

In diesem Roman stimmt das Verhältnis poetischer Sprache und interessanter Momente, die sich aus dem Miteinander der Figuren ergeben. Wer ruhige Erzählungen mag, die kompakt sind und sich dennoch Zeit nehmen, ein gewisses Tempo zu erlangen, ist mit „Die Rose von Nischapur“ gut bedient, man muss jedoch diesen Stil mögen und den Zugang dazu finden. Der iranische Autor Amir Hassan Cheheltan hat es hiermit zumindest bei mir geschafft.

Autor:
Amir Hassan Cheheltan wurde 1956 in Teheran geboren und ist ein iranischer Ingenieur und Schriftsteller. Zunächst studierte er Elektrotechnik, schriftstellerisch ist er seit den 1970er Jahren tätig. Sein erster Erzählband erschien 1976. Ein paar Jahre später gelang ihn der Durchbruch. Während des ersten Gofkriegs war er Soldat und stand zwischenzeitlich, 1998, auf einer Liste verfemter Schriftsteller.

Mit einem Stependium lebte er für einige Jahre in Italien, verfasste später Drehbücher. 2007 wurde sein Roman „Iranische Morgenröte“ im Iran für den Buchpreis nominiert, derer er sich wegen Zensur und Publikationsverbote verwehrte. Seine Romane dürfen im Iran nicht erscheinen, dennoch lebt der Schriftsteller in Teheran.

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Erich Mühsam: Unpolitische Erinnerungen

Inhalt:
Erich Mühsam schrieb seine „Unpolitischen Erinnerungen“ zwischen 1927 und 1929 als Auftragsarbeiten für eine Zeitung. Erst 1949 erschienen diese als Buch unter dem Titel „Namen und Menschen“. Er führt die Leser durch die Kneipen, Kaffeehäuser und Kabaretts, ­beschreibt die geheimen Gesellschaften, Freundeskreise, Stammtische und Wohngemeinschaften verschiedener Städte und stellt die Künstler der Boheme vor. (Inhalt lt. Verlag)

Rezension:
Posthum erschienen die „Unpolitischen Erinnerungen“ von Erich Mühsam, nachdem er 1934 im Konzentrationslager Oranienburg ermordet und nach Kriegsende die DDR gegründet worden war. Der Schriftsteller und Antimilitarist schrieb sie für eine Zeitung. Unpolitische Kolumnen eines politischen Menschen, der vom reichhaltigen und turbulenten Kulturleben der späten 1920er Jahre erzählt. Neu aufgelegt tauchen wir darin ein, erleben Frank Wedekind, Heinrich Mann und viele andere aus der Sicht eines Getriebenen.

Das vorliegende Werk ist sowohl Reportagesammlung als auch biografisches Versatzstück und zeichnet sich eben dadurch aus, dass jemand, der beständig aneckte, seine Thematik, womit er das tat, außen vorlassen musste und gerade durch diese damit entstandene Lücke erzählte. Temporeich erzählt der Autor vom wandelhaft unbeständigen Kulturbetrieb, in dem Stadtviertel zum Schmelztigel von Journalisten, Autoren und Malern wurden und ein jeder sein Auskommen suchte. Ereignisse reihen sich da aufeinander wie Perlen auf eine Kette, doch muss man aus dem Heute heraus innehalten. Was haben diese oder jene Personen zu den Zeitpunkt gemacht? Wer war das? Der Text, der sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch leicht gelesen haben muss, wirkt schwerfällig.

Und doch lohnt es sich, ihn zu lesen und nebenbei zu recherchieren. Dazu lädt Mühsam aus heutiger Sicht ein. Interessante Schauplätze für nicht minder spannende Biografien entdeckt man da und spürt doch zwischen den Zeilen, dass der Autor ihn die ganze Zeit über ahnt, den großen Knall, der da kommen wird.

Stete Wiederholungen und Rückgriffe auf Vergangenes machen es nicht leicht, im Lesefluss zu bleiben, auch den Überblick zu bewahren. Hier wird heute vor allem angesprochen, wer sich in der Kulturszene auskennt, innerhalb dessen diese Texte, die hier so schön versammelt sind, bereits auskennt. Für andere bleibt der Text nurmehr als Stichwortgeber eines ruhelosen Menschen, der stets, so scheint es, glücklos gewesen ist, dessen Biografie nur so von Rückschlägen gezeichnet ist und für sich genommen spannender wirkt als es die „Unpolitischen Erinnerungen“ vermögen, zu erzählen. Eben, weil aus heutiger Sicht der politische Teil fehlt, was nicht die Schuld des Autoren selbst ist, jedoch viel zu wenig ausführlich durch den diese Ausgabe begleitenden Text eingeordnet wird.

Und das erzeugt hier ein unrundes Werk, aus heutiger Sicht, eines Menschen mit Ecken und Kanten.

Ergänzung:
Nachtragen möchte ich hier die einordnenden Worte von Henning Venske, seines Zeichens Schriftsteller und Kabarettist. Er hat zu diesem Werk Vor- und Nachwort verfasst, die ich in meiner Rezension zunächst nicht habe berücksichtigt. Ein Text muss erst einmal so für sich alleine stehen und wirken. Nun ist der Einordnende Kenner des Metiers, in dem sich Erich Mühsam bewegte, wenn auch so einige Jahrzehnte später. Ich habe daher mir seine Worte und auch meine Rezension mir noch einmal zu Gemüte geführt. Unter der Berücksichtigung bin ich gerne bereit, hier etwas Eis abzukratzen. Mit etwas Abstand würde ich vor allem dies bezüglich nicht ganz so harte Worte wählen. Vielleicht gibt es neben der Lese-Stimmung, in der man für ein Buch sein muss, auch eine Rezensions-Schreib-Stimmung? Oder es liegt einfach daran, wenn andere Bücher zuvor einem positiver erwischt haben? Wie dem auch sei, ich ergänze gerne nach nochmaligen Überlegen, die Sterneanzahl auf 3 1/2 (nicht ganz vier) Sterne, lasse aber die ursprüngliche Rezension stehen. In der Rückschau sicherlich auch nochmal interessant, sollten beide, Henning Venske und Erich Mühsam mir noch einmal begegnen.

Autor:
Erich Mühsam wurde 1978 in Berlin geboren und war ein deutscher Schriftsteller, Publizist und Antimilitarist. Als politischer Aktivist war er 1919 maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wofür er zu Festungshaft verurteilt wurde, aus der er vorzeitig entlassen wurde. In der Weimarer Rebublik setzte er sich für die Freilassung politischer Gefangener ein. In der Nacht des Reichstagsbrandes wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet und am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet.

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Dem Wort auf’s Maul schauen: Die Wortschau

Mit Sprache, mit Worten spielen, kann zugleich erhellend und herausfordernd sein, zudem wenn die Texte kompakt gehalten sind. Um so kürzer die Aneinanderreihung der Worte, um so weniger Spiel hat man, die Lesenden zu überzeugen, für sich einzunehmen, in ihren Bann zu ziehen. Um so schöner, wenn dies gelingt. Seit 2007 versuchen es die verschiedensten Autorinnen und Autoren im von Johanna Hansen und Wolfgang Allinger herausgegebenen Magazin „Wortschau„, aus dem heraus gerade einmal neun Jahre später der gleichnamige Verlag entstand, der nicht nur dort, sondern auch in seinen verschiedenen Kunstbüchern und Büchern unterschiedlichste Kunstformen miteinander verbindet.

Ausgabe „Selbstgespräche“ des Literatur-Magazins Wortschau (Quelle: Wortschau Verlag)

Jedem Magazin, welches von einem Bildenden Künstler oder einer Bildenden Künstlerin illustriert wird, steht ein Motto voran, welches den verschiedenen Autorinnen und Autoren zur Inspiration diente, ihre Gedanken dazu zu verschriftlichen. Die gewählten Formen dann sind so unterschiedlich, wie die Schreibenden selbst. In den Heften finden sich sowohl Kurzgeschichten als auch Gedichte, Texte, die ihrer Formatierung wegen ins Auge stechen, die sich keiner Form zuordnen lassen wollen. Nicht jeder Beitrag findet Zugang zur lesenden Person, doch ist für alle etwas dabei. „Selbstgespräche“ etwa, so heißt die dem Blog vorliegende Ausgabe, können auf verschiedene Art und Weise interpretiert werden. Katia Tangian erlaubt mit „Datscha-Storys“ einen Blick in die Kindheit. Auf Worte-Suche, Zeichen für Zeichen, geht Ulrike Damm in „Ich will lernen Text zu schreiben“, während Katahrina Kiening in ihrem Gedicht „Momente“ versucht, selbige zu fassen.

Ebenso liegt hier ein Sonderheft. In „Nahaufnahmen„, welches in Zusammenarbeit mit dem Sprengel Museum Hannover entstand, werden die Arbeiten verschiedener Künstlerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts herausgestellt, von denen sich zahlreiche Autorinnen zu Texten inspirieren lassen haben. Die Präsenz von Frauen in der zeitgenössischen Kunst, ist stärker denn je, doch existiert immer noch ein Ungleichgewicht. Für die Literatur gilt das nicht minder. Und so verschafft das Heft hier Frauen beider Kunstformen Aufmerksam- und vor allem Sichtbarkeit. Auch hier gilt, zu manchem Text braucht es schon der Formatierung wegen eine Weile, um Zugang zu finden. Nicht immer gelingt dies, aber das ist ja bei Gemälden nicht anders und doch immer wieder interessant, wie unterschiedlich Sichtweisen sein können.

Intensiv mit Lyrik zuletzt zu Schulzeiten in Berührung gekommen und mit Texten, die kleiner sind als das, was man landläufig als Novellenroman ansieht, so seine Schwierigkeiten habend, war dies eine erfrischende, manchmal herausfordernde Leseerfahrung. Es liest sich eben nicht alles so zwischendurch, schon gar nicht hintereinander weg. Okay, manches schon und irgendwie hat es sich mit beiden Heften angefühlt wie ein Besuch in einem noch nicht bekannten Museum. Man hat vielleicht ungefähr so eine Ahnung, was einem erwartet und geht hinterher mit neuen Eindrücken raus. Und das ist doch sehr schön.

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Leipziger Buchmesse 2025 – Tag 3 & 4

Manchmal sucht man zwischen Instagram-Posts und Messe-App Verlagsstände, die eigentlich da sein müssten, findet sie aber nicht. Gefühlt fünf Mal bin ich die vergangenen Messe-Tage am Stand des Unionverlags vorbeigegangen. Ist halt leicht zu übersehen, wenn die Schriftgröße gefühlt 100 ist :lol: , aber der Verlag inzwischen zu einem anderen Verlag gehört. Gott sei Dank einem meiner großen Lieblingsverlage. C. H. Beck, wo mir von beiden das kommende Programm vorgestellt wurde. Ja, ich freue mich.

Ebenso über Wagenbach, bei denen ich auch vorbeischauen konnte, nachdem ich per Zufall eine Veranstaltung zu Sprache und Übersetzung im audiovisuellen Bereich entdeckt hatte. Da ging es um Untertitel und Synchronisation von Texten. Spannend auch einmal diese Thematik zu erleben. Im Anschluss habe ich beim Europa-Verlag ebenso über künftige Titel mich informieren können und über ein Buch zu einem Programm gegen Rassismus, welches ich wohl als solches, unabhängig von der Rezension, vorstellen werde dürfen.

Volle Messehallen am Wochenende. (Quelle: Privatarchiv)

Beim Mitteldeutschen Verlag endete mein Tag ebenfalls mit einem Treffen wirklich lieber Verlagsmenschen, die taz-Veranstaltung zum Gaza-Krieg dagegen konnte ich gar nicht besuchen. Der Stand dieser Zeitung ist aufgrund guter Programmpunkte immer sehr beliebt, nur leider für das Interesse viel zu klein. Da war einfach kein Herankommen möglich.

Am letzten Messe-Tag machen sich immer die Füße bemerkbar, zudem ist der Kopf bereits voll und so hatte ich mir nur wenige Veranstaltungen notiert, keine „Pflicht-Termine“ mehr. Trotzdem waren da noch einige interessante Verlage zu entdecken, einer zum Beispiel mit den Plan ein technisches Verkaufsportal aufzusetzen, nur für unabhängige kleine Verlage als Gegenentwurf zu Amazon. Vielleicht wird ja was daraus. Ich verfolge das mal.

Eva-Maria Weyer und Verlegerin mit ihrem Roman „Tabakpech“ (Quelle: Privatarchiv)

Auf einer nachfolgenden Lesung „Verschleppt, verbannt, verschwunden“ ging es um Jugendliche, verschleppt in Stalins Lagern und im Anschluss bei einer Lesung von „Tabakpech“ von Eva-Martina Meyer zum ehemals größten Tabakanbaugebiet der Welt. Das lag lange Zeit in Europa. Einer Lesung zu „Emigrant des Lebens – Erich Kästners letzte Jahre“ folgte noch „Wenn Russland gewinnt – Ein Szenario“ von Carlo Masala und damit endete schließlich auch meine Leipziger Buchmesse 2025.

Es war wieder einmal eine tolle Zeit mit vielen Begegnungen und Gesprächen und vor allem auch, mit euch. Bis zum nächsten Mal.

Euer findo

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Die Leipziger Buchmesse 2025 – Eine Vorschau

Nur noch wenige Tage und es ist wieder so weit: Der wichtigste Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche öffnet seine Pforten auf der Leipziger Messe. Vom 27. bis zum 30. März findet die Leipziger Buchmesse statt, die zusammen mit der Manga-Comic Con und den Veranstaltungen im Rahmen des Programms „Leipzig liest“ im letzten Jahr über 280.000 Besucher begeistern konnte. Damals präsentierte sich eine ganze Gastland-Region, die Niederlande und Flandern, unter dem Motto „Alles außer flach“. In diesem Jahr dürfen wir literarisch in den hohen Norden reisen. „Worte bewegen Welten“ ist der Leitspruch des Gastlandes 2025, Norwegen.

Auch ich werde wieder Messe-Luft atmen dürfen und freue mich schon darauf, euch hinterher darüber berichten zu können. In den letzten Jahren waren dabei nicht nur die Lesungen, Interviews und Podiums-Diskussionen, denen man lauschen durfte, Highlights, sondern immer wieder auch Zufallsbegegnungen, Gespräche zwischen den Ständen. Ob nun mit Lesenden des Blogs, anderen Bloggenden oder an den Verlagsständen und auf Veranstaltungen. Prinzipiell jagd ohnehin auf der Messe ein Highlight das nächste.

Zahlreiche Veranstaltungen habe ich mir notiert, wie etwa bereits am Donnerstag die Eröffnung des Gastlandstandes Norwegen mit Kronprinzessin Mette-Marit oder „Reisefieber“ mit Julia Finkernagel am Stand von MDR Kultur. Wenn ihr auch die Messe besuchen wollt, hier findet ihr das Programm und die App, in der sich Lesungen, Signierstunden und anderes finden lässt, sortiert nach Ort und Datum. Wie ihr zur Messe gelangt, erfahrt ihr hier und den Messeplan könnt ihr hier finden.

Neben den üblichen Verdächtigen, wie Sebastian Fitzek, dessen Signierstunden wie in jedem Jahr auch diesmal sicherlich den Rahmen sprengen werden, empfehle ich euch einen Gang zu den Ständen des Netzwerks „Schöne Bücher„, der unabhängigen Verlage. Dort bekommt ihr nicht nur Lektüre abseits des Mainstreams sondern auch ein Goodie, wenn ihr euch an einer Sticker-Sammelaktion beteiligt. Wie das aussieht, könnt ihr hier nachlesen. Aber auch wer nicht sammelt, dem seien ein Blick auf diese und andere Verlagsstände natürlich empfohlen, von denen wir alle wohl unsere ganz eigenen Favoriten haben. Ob diese nun unter den klassischen Romanen, Mangas, Comics oder Graphic Novels oder Hörbüchern zu finden sind, die dieses Jahr nochmals besonders auf der Messe präsentiert werden oder gar zwischen den Regalen der Antiquariatsmesse und im Bereich Druck-Kunst.

Quelle: Privataufnahme (so viele Menschen)

Manch einer muss jedoch vielleicht den finanziellen Ruin mit einkalkulieren. Im Gegensatz zur Frankfurter Buchmesse, die ohnehin nur an zwei Tagen für die normalen Besucher geöffnet ist, dürft ihr schon ab Donnerstag auf die Leipziger Buchmesse und überall dort auch Bücher kaufen, nicht nur in der Messe-Buchhandlung selbst.

Treffen wir uns also zwischen den Gängen, an den Verlagsständen und stöbern uns gemeinsam durch die Verlagsprogramme. Ich wünsche uns allen viel Spaß in den kommenden Tagen. Und allen, die zu Hause bleiben, viel Spaß dann beim Stöbern in den Blogs, Literaturforum, auf Youtube und den zahlreichen Social Media Kanälen, auf denen hoffentlich ein wenig Messe-Feeling zu euch auf’s heimische Sofa transportiert werden wird. Und sicher das eine oder andere Buch euch auf die Wunschliste wandern lässt.

Euer findo.

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Edward Brooke-Hitching: The Most Interesting Book in the World

Inhalt:

Ein Werk voller erstaunlicher Entdeckungen, verblüffender Erzählungen und interessanter Illustrationen – ein einzigartiges Sammelsurium des Seltsamen und Wundervollen aus Geschichte, Wissenschaft, Literatur und vielem mehr.

Edward Brooke-Hitching beantwortet Fragen wie: Warum ist eine Katze zugleich Flüssigkeit und Feststoff? Wie versuchten Wissenschaftler im 18. Jh. mit Außerirdischen Kontakt aufzunehmen? Und warum aßen die Niederländer einst ihren Premierminister?

Entdecken Sie skurrile Geschichten wie die von einem religiösen Führer, der einen elektrischen Messias aus einem Esstisch bauen wollte, oder Menschen, die im Dunkeln leuchten. Ein Buch voller kurioser Fakten und unterhaltsamen Storytelling – ideal, um immer wieder etwas Neues zu entdecken! (Klappentext)

Rezension:

Von Eichhörnchen, die für 10 bis 20 Prozent aller Stromausfälle in den Vereinigten Staaten von Amerika verantwortlich sind, bis hin zu seekranken Fischen gibt es alleine in der Natur allerhand Kuriositäten, über die sich schmunzeln lässt. Nicht nur die hat Edward Brooke-Hitching, Hobby-Geograph und Sammler allerhand Erstaunlichen in seinem neuen Werk zusammengestellt. Dabei ist der Titel bewusst zu hoch gegriffen, doch lädt dieses kunterbunte Sammelsurium zum Schmökern und Entdecken ein, halten doch Wissenschaft, Natur, Kultur und Geschichte abseits des Mainstreams vielfach Interessantes bereit, auf das man erst mit dem zweiten, dritten Blick stoßen wird.

Ohne eine schematische Gliederung, wie es sonst den Werken Brooke-Hitchings eigen ist, werden wir Lesenden quer durch bunt zusammen gewürfeltes Wissen geworfen, welches ohne große Unterteilungen von Themenbereich zu Themenbereich springt. Nahtlos gehen da etwa die Fakten von den Naturwissenschaften zur Technik, in die Menschheitsgeschichte über. Für diese Art von Kompendien ist das eine ungewohnte Herangehensweise, an die man sich erst herantasten muss, andererseits funktioniert doch so das Entdecken und Erforschen vom Unbekannten.

Die einzelnen Fakten werden in mit Absätzen getrennten Textblöcken präsentiert, die man einzeln oder hintereinanderweg lesen kann, durchbrochen von kuriosen Listen, aus denen so interessante Dinge zu erfahren sind, wie etwa wo vor z. B. Alfred Hitchcock eigentlich Angst hatte oder welche ungewöhnlichen Sachen eigentlich schon vom Himmel gefallen sind, und damit ist dann nicht der selbige auf den Köpfen gewisser Gallier gemeint.

In jeder Zeile merkt man die Recherchelust des Autoren, der zwischen kuriosen Erfindungen allerhand Fragen beantwortet, wie etwa die, nach dem Geruch des Universums oder warum man barfußlaufend am Strand von Hawaii ziemlich sicher Ausscheidungen einer bestimmten Tierart zwischen den Zehen hat. Aufgelockert wird das Werk mit einigen Abbildungen, die Recherche untermauert dort zahlreiche Fußnoten, die „The Most Interesting Book in the World“ hervorragend ergänzen.

Halb ernst, aber dann doch immer wieder mit einem zwinkernden Auge geht man in jedem Fall schlauer aus der Lektüre hervor und hat dann allerhand anekdotisches Wissen parat, sicherlich genug Gesprächsstoff. Wer schon immer wissen wollte, wie sich die Kadaver toter Wolfsspinnen zu Händen umfunktionieren lassen oder welche zwei Päpste Ehrenmitglieder der Harlem Globetrotters waren oder welche italienische Bank Käse als Sicherheitseinlage akzeptiert, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. Bevor es einem auf den Kopf zu fallen droht. Auch dazu gab es, weiß der Autor zu berichten, im Laufe der Geschichte bereits kuriose und zu weilen schmerzvolle Ereignisse.

Dann lieber doch hiermit in die Regale oder auf den Nachttisch.

Autor:

Edward Brooke-Hitching ist Sohn eines Antiquars und arbeitete bei mehreren Zeitungen und am Theater, bevor er einen Abschluss in Filmwissenschaft an der University of Exeter machte. Als Dokumentarfilmer gewann er mehrere Preise. Im Jahr 2016 wurde seine „Enzyklopädie der vergessenen Sportarten“ veröffentlicht. Ausgangspunkt zu seiner Recherche geografischer Phänomene war eine alte Landkarte im Familienbesitz. Brooke-Hitching sammelt Werke über englische Forscher und Entdecker und lebt in London.

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Verlagsgeschichte: 60 Jahre Wagenbach

Wie überlebt man gute Bücher? Besser als schlechte jedenfalls! Der unabhängige Verlag für wildes Lesen feierte im letzten Jahr sein sechzigjähriges Bestehen und das, obwohl er sich anfangs gegenüber politischen Widerständen durchsetzen musste und heute ebenso wie andere mit steigenden Produktionskosten und den Schwund von Leserinnen und Lesern zu kämpfen hat. Nicht einfach, wenn man weder dem Mainstream folgen möchte, Nischen entgegen wirtschaftlicher Erwägungen besetzt hält und sich ganz und gar dem Genuss schön gemachter Bücher hingeben möchte. Wie in den Anfangsjahren eben auch.

Dabei hat der Verlag viel zu bieten, anfangs kontrovers diskutierte Themen, anspruchsvolle Essays und Lesestücke, sehr schnell viel Literatur aus Italien, Lateinamerika, Spanien und innerhalb seiner „roten Reihe“ Alan Bennetts „Die souveräne Leserin“, die lesende britische Monarchin und nicht nur sie als bemerkenswerten und überraschenden Bestseller innerhalb der Verlagsgeschichte. Auf die kann man zurückblicken und dabei überraschend vielseitige Texte, nach Erscheinungsjahr im Verlag geordnet, lesen. In diesem wunderbaren Almanach zum Jubiläum und dabei auch Einblick in Verlagsgeschehen nehmen. Wie ging das damals eigentlich, das schöne Buch? Und wie geht das heute?

Zettel und Stift daneben legen, zum Notieren, ist jedenfalls zu empfehlen. Sei es, um Namen für das spätere Recherchieren herauszuschreiben oder die Wunschliste zu verlängern. Letzteres wird in jedem Fall passieren.

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Wenn die Zustandsbeschreibung kein Problem mehr ist

Dein Bücherschrank quilt über? Im Portemonaie ist Ebbe, doch brauchst du neuen Lesestoff? Dann könnte diese Secondhand-Plattform für dich interessant sein. Hierzulande noch nicht ganz so bekannt wie die üblichen Verdächtigen verspricht der ursprünglich aus Tschechien stammende Online-Gebrauchthandel eine neue Qualität. Denn, was viele zurückschreckt, schlechte Erfahrungen beim Kauf von bereits gelesenen Büchern, scheinen Zustandsbeschreibungen oft genug einem sehr wohlwollenden Interpretationsspielraum zu unterliegen. Hier setzt bookbot.de an, bessere Fotos, auch von mehreren Seiten geben ein klar darüber Auskunft, in welchem Zustand sich das Buch, welches man ins Auge fasst, befindet. Einer Bestellung soll so die Hemmschwelle genommen werden, ebenso eine mögliche Enttäuschung zu Hause vermieden. Doch, funktioniert das?

Wir haben es ausprobiert.

Über bookbot.de durfte ich vier Bücher meiner Wahl im Wert von insgesamt 40,00 Euro bestellen und war dabei völlig frei in meiner Entscheidung, weshalb ich mich daran gemacht habe, einige Werke von meiner Wunschliste zu befreien. Das Suchsystem auf der Plattform ist dabei denkbar ein, entweder lässt man sich eine Auswahl an Büchern über die verschiedenen dort angezeigten Kategorien (z. B. Belletristik, Sach- und Fachbücher oder fremdsprachige Bücher), die dann nochmals eigene Unterpunkte aufweisen, anzeigen oder man gibt ganz klassisch den Titel- oder Autor:innennamen in die Suchleiste ein. Wenn vorhanden, wird das gewünschte Buch angezeigt, die Zustände und die Sprachen, in denen es auf der Plattform erhältlich ist. Dies sieht, am Beispiel von Stephen Kings „Duddits“ etwa so aus.

Die Übersicht bei ausgewähltem Buch zeigt, was bookbot.de anders macht als andere. (Screenshots von bookbot.de)

Wir sehen, das Buch gab es zum Zeitpunkt der Beitragserstellung in tschechischer Sprache und auf Deutsch, diese grüne Taschenbuchausgabe haben wir uns ausgewählt. Sie hat starke Gebrauchsspuren, genauer „Spuren von Nässe“. Wie das insgesamt aussieht, davon können wir uns mit Hilfe weiterer Fotos überzeugen.

Beim Hinzufügen in den Warenkorb werden uns weitere Vorschläge für andere Bücher gemacht, wir klicken das oberste an und legen unser ausgewähltes Buch dort hinein. Im Warenkorb wählen wir dann die Versandart aus, können z. B. in diesem Falle zwischen der Lieferung nach Hause oder zu einer Packstation wählen, erst danach kommen wir zur Zahlung, bei der wir Vorkasse auswählen oder uns zwischen verschiedenen Online-Zahlungsmethoden entscheiden können. Anschließend geben wir unsere Versanddaten ein, abweichende Lieferadressen sind möglich, ebenso die Eingabe von Rabattcodes, die am Ende der Bestellung berücksichtigt werden sollen. Innerhalb weniger Tage kommt anschließend ein Päckchen zu euch nach Hause.

Das hat bei meiner Bestellung ohne Probleme funktioniert, meine Bücher kamen alle im beschriebenen Zustand an und waren tatsächlich auch genau die abgebildeten. Sogar der Versand mit GLS hat geklappt, der sonst in meiner Gegend eine Katastrophe darstellt. Na ja, vielleicht haben die sich ja geändert.

Übrigens, wer das passende Buch gerade nicht findet, kann sich auch hier einen Kaufalarm setzen. Dieser heißt hier, ganz sympathisch Kaufwächter.

Ich bin zufrieden mit meiner Bestellung und kann mir gut vorstellen, bookbot.de häufiger zu nutzen. Wer mehr über Versand- und Zahlungsbedingungen wissen möchte, informiere sich gerne hier. Als nächstes probieren wir vielleicht den Verkauf einiger Bücher aus, um auch diese Möglichkeit von bookbot.de einmal getestet zu haben.

Bookbot.de habe ich euch dauerhaft in der Seitenleiste verlinkt. Vielleicht ist ja das eine oder andere Buch für euch dort auch dabei.
Übrigens, auch einen deutschsprachigen Kundenservice gibt es, ihr erreicht ihn unter info@bookbot.de und unter +4978195633044 (von 8-20 Uhr MEZ).

Euer findo

Wenn die Zustandsbeschreibung kein Problem mehr ist Weiterlesen »