Krimi

Tom Callaghan: Insp. Akyl Borubaew 2 – Tödlicher Frühling

Tödlicher Frühling Book Cover
Tödlicher Frühling Autor: Tom Callaghan Hoffmann & Campe – Atlantik Erschienen am: 10.03.2016 Seiten: 351 ISBN: 978-3-455-65048-8 Übersetzung: Kristian Lutze u.a.

Handlung:

Ein Feld unterhalb des schneebedeckten Tienschen Gebirges. Akyl Borubaew blickt auf sieben Kinderleichen hinab, deren Körper Spuren schlimmster Misshandlungen aufweisen. Wer ist zu so etwas fähig? Bei seinen Ermittlungen legt sich Borubaew mit den mächtigsten Kreisen des Landes an. Er weiß, dass er damit sein eigenes Leben auf’s Spiel setzt. (Klappentext)

Reihenfolge der Bücher:

Tom Callaghan: Insp. Akyl Borubaew 1 – Blutiger Winter

Tom Callaghan: Insp. Akyl Borubaew 2 – Tödlicher Frühling

Tom Callaghan: Insp. Akyl Borubaew 3 – Mörderischer Sommer

Tom Callaghan: Insp. Akyl Borubaew 4 – Erbarmungsloser Herbst

[Einklappen]

Rezension:
Kirgistan ist den Nachrichten, wenn denn dort einmal etwas aufregendes passiert, allenfalls eine Randnotiz wert. Es eignet sich aber hervorragend als Kulisse eines Thrillers. Zumindest, wenn der aus der Feder von Tom Callaghan stammt.

So nimmt uns der Brite mit in die Abgründe des Splitterlandes, in dem alte Seilschaften aus längst vergangenen Sowjetzeiten immer noch wirken und Korruption und Misswirtschaft an der Tagesordnung sind.

So stößt der Protagonist an eine Mauer von Unwägbarkeiten und Hindernissen als es darum geht, mehrere Kindermorde aufzuklären, da auch hier die Mächtigen des Landes ihre Finger im Spiel haben.

Schließlich muss bis zum nächsten Umsturz, bis zum nächsten Putsch in die eigene Tasche gewirtschaftet werden, wehrend das Volk teilweise Neugeborene weggeben muss, um zumindest dem Rest der Familie das Überleben zu sichern.

Borubaew, ebenso zielstrebige, wie hartnäckige und sympathische Hauptfigur gratzt am Lack der Seilschaften des Landes und bekommt deren Unwägbarkeiten zu spüren, gerät selbst in den Malstrom der Ereignisse und in Vorwürfe, die ihm nicht nur seinen Job kosten können.

Doch der Inspektor deckt auf und sucht Beweise für eine schreckliche Vermutung. Doch der Atem der Mächtigen und Oligarchen ist lang und kalt.

Ein überaus spannender Thriller, den uns der Brite Tom Callaghan hier vorliegt, der unscheinbar und doch mit einem Knall ins rollen kommt, dessen Handlung aber erst langsam voranschreitet um dann mit voller Wucht zuzuschlagen.

Und so ganz nebenher lernt man etwas über das gesellschaftliche Funktionieren dieser Länder, wenn es ein solches gibt, auch wenn sich die Thriller-Gegebenheiten glücklicherweise nicht passgenau auf Kirgistan übertragen lassen. Doch, manchmal sorgt eben auch ein wahrer Kern für einen großartig grausamen und erschütternden Handlungsrahmen, der es in sich hat. Langeweile ausgeschlossen, Spannung bis zur letzten Seite.

Nur, wer öfter Politthriller/-krimis liest, wird das Ende leicht vorhersehbar finden, aber etwas völlig Neues zu erschaffen, kann man praktisch nicht verlangen. Alles ist schließlich irgendwie schon einmal da gewesen.

Die Verpackung von Themen wie Vettern- und Misswirtschaft, Oligarchentum und organisierte Kriminalität, Menschenhandel, hat mir aber hier sehr gut gefallen. Der Autor schafft mit seinem packenden Schreibstil genug Gänsehaut. Weglegen kann man den Trhiller aber auch nicht.

Die Kapitel kurz, Cliffhanger zahlreich und schnell hat man mehr Seiten insgesamt gelesen als man eigentlich wollte. Zu sehr wird man in den Strudel der Geschichte eingesogen. Einzig, die Ich-Perspektive war für mich gewöhnungsbedürftig, aber das liegt eher an meinem Leseverhalten, passt hier jedoch ganz gut.

Ein packender Polit- und Gesellschaftsthriller vor der Kulisse eines wunderbaren Landes, wie der Autor nach der Wucht des Endes im Dankeswort verrät. Kirgistan soll eine Reise wert sein, dennoch ist wohl niemanden zu empfehlen, sich in die Fußstapfen von Inspektor Borubaew zu begegeben. Wobei, als nur Leser kann man das ruhig machen.

Autor:
Tom Callaghan wurde in Groß-britannien geboren und studierte nach der Schule im englischen York, sowie in New York am Vassar College. Er arbeitete als Creative Group Head und lebte in London, New York und Philadelphia. Später zog er nach Dubai, wo er bis heute lebt. „Tödlicher Frühling“ ist sein zweiter Thriller um Inspektor Akyl Borubaew. Sein Erstling erschien im Jahr 2015.

Tom Callaghan: Insp. Akyl Borubaew 2 – Tödlicher Frühling Weiterlesen »

Chris Chibnall/Erin Kelly: Broadchurch – Der Mörder unter uns

Broadchurch - Der Mörder unter uns Book Cover
Broadchurch – Der Mörder unter uns Christ Chibnall/Erin Kelly Fischer Taschenbuch Erschienen am: 21.08.2014 Seiten: 448 ISBN: 978-3-596-03076-7

Handlung:

Danny Latimer war elf Jahre, als er starb. Sterben musste. Seine Leiche fand man unten am Kliff. Bei ihren Ermittlungen stoßen Ellie Miller und Alec Hardy in dem kleinen Ort Broadchurch an der englischen Südküste auf mehr Verdächtige, als ihnen lieb ist.

Dannys Vater hat kein Alibi für die Tatzeit. Wo war er in dieser Nacht? Dannys Freund hat sämtliche Nachrichten von seinem PC und Handy gelöscht. Worum ging es da? Der Zeitungsverkäufer, die unfreundliche Frau im Trailerpark, der Postbote – sie alle haben etwas zu verbergen. aber was? Als die Wahrheit ans Licht kommt, ist in Broadchurch nichts mehr, wie es einmal war. (Klappentext)

Rezension:

Der Verlust eines Kindes ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Noch schlimmer, wenn dieser Verlust durch Gewalt herbeigeführt wurde. So geschehen, in dem kleinen verschlafenen Ort Broadchurch, den sonst nur Touristen heimsuchen. Und bald ist nichts mehr wie es war.

Ellie Miller, Polizistin, ermittelt in der Dorfgemeinschaft, in der sie aufgewachsen ist und sieht bald den Wald vor lauter Verdächtigen nicht mehr. Verdächtige, die sie geglaubt hat, schon ihr gesamtes Leben lang zu kennen. Alec Hardy, ihr neuer Vorgesetzter, rau unnahbar, Ortsfremder, macht es ihr da nicht leichter.

Auch er trägt ein, wie der Rest der Bewohner des Ortes, dunkles Geheimnis mit sich. Doch, sie kommen mit den Ermittlungen nicht voran. Sie beginnen jeden Stein in Broadchurch umzudrehen, gehetzt von der Presse, gehetzt von der zerbrechenden Dorfgemeinschaft, in der jeder Jeden verdächtigt.

Doch irgendwann kommen sie der Lösung des Falles näher. Näher als ihnen lieb ist.

Buchvorlagen sind oft genug besser als die Filme, die darauf basieren. Doch, wie ist es umgekehrt? Wenn der Film, die Serie in diesem Falle, zuerst da war? Das Ergebnis ist gelungen. Erin Kelly gelingt es, dem Erfolg der Serie gerecht zu werden.

Die Protagonisten mit einem vertiefenden Profil versehen, nichts ist einseitig, nichts schwarz, nichts weiß und viele Grauschattierungen. Es gelingt hier, richtig in die Eigendynamik einer Dorfgemeinschaft einzutauchen, in der jeder jeden zu kennen glaubt und doch nur die Fassade sieht.

Viele kleine und große Aha- und Wow-Momente tragen zum Verwirrspiel bei und auch der Leser tappt so lange im Dunkeln, wie Miller und Hardy in ihrer Polizeiarbeit. Die Auflösung kommt dann mit einem Knall, der sich hätte ruhig noch über mehr Seiten ziehen können, aber bis dahin zittert man, entwirft eigene Theorien, wer es gewesen sein könnte, verwirft diese wieder und stellt neue auf. Ein gelungener Krimi aus England.

Entstehung des Buches:

Zuerst gab es eine erfolgreiche Serie im britischen Fernsehen, in der in über acht Folgen gezeigt wurde, wie ein Ermittler-Gespann sich zusammenrauft und einen einzigen Mordfall zu lösen versucht.

Dies gab den Machern der Serie die Chance, ihre Protagonisten zu entwickeln, ihnen Tiefe zu geben und zu zeigen, wie sich eine Gemeinschaft verändert, wenn der Alltag eines ganzen Dorfes in sich zusamenbricht.

In der schnelllebigen Fernsehlandschaft Groß-Britanniens war man damit erfolgreich, so dass immer mehr Fans der Serie nach dem Buch fragten. Mit „Die Mörder unter uns – Broadchurch“ liegt die Geschichte somit Taschenbuch vor.

Die Autoren:

Chris Chibnall ist ein Drehbuchautor so erfolgreicher Serie wie „Law & Order“ und „Doctor Who“. Er studierte Theater und Film an verschiedenen englischen Universitäten und produziert regelmäßig Theaterstücke für diverse Festivals in Groß-Britannien.

Seit 2006 arbeitet er als Schreiber und Ideengeber für verschiedene englische Fernsehserien. Seine Serie „Broadchurch“ lief erfolgreich im britischen Fernsehen und wurde bereits für Amerika adaptiert. In anderen Ländern hat man sich inzwischen die Ausstrahlungsrechte gesichert. „Broadchurch – Der Mörder unter uns“ ist die erste Serie von ihm, die in Buchform erschienen ist.

Erin Kelly ist eine englische Krimi-Autorin. Sie wurde 1976 in London geboren und wuchs in der Gegend von Essex auf. Sie studierte an der Warwick University englische Literaturwissenschaft und arbeitet seit 1998 als Journalistin.

Sie schrieb für die Zeitungen Sunday Times, den Sunday Telegraph und die Daily Mail. Ihr Debütroman „Das Gift des Sommers“ war ihr Durchbruch als Autorin. Mit ihrer Familie lebt sie in London.

Chris Chibnall/Erin Kelly: Broadchurch – Der Mörder unter uns Weiterlesen »

Michael Tsokos: Fred Abel 2 – Zersetzt

Zersetzt<br>Reihe Fred Abel - 2 Book Cover
Zersetzt
Reihe Fred Abel – 2
Michael Tsokos Droemer Knaur Erschienen am: 01.04.2016 Seiten: 427 ISBN: 978-3-426-51877-9

Handlung:

Eigentlich hätte Dr. Fred Abel beim BKA alle Hände voll zu tun. Ein Mordopfer scheinbar ohne Verletzungen weckt düstere Erinnerungen in ihm – an einen sadystischen Psychopathen, der nie gefasst wurde.

Unversehens wird Abel jedoch abberufen zum bisher gefährlichsten Fall seiner Laufbahn: In Transnistrien, einem Pseudostaat von Moskaus Gnasen, warten zwei nahezu komplett zersetzte Leichen auf ihre Identifizierung. Und ein skrupelloser Geheimdienst fordert das „richtige“ Ergebnis – sonst steht nicht nur Abels Leben auf dem Spiel. (Klappentext)

Einordnung:

Bücher der Reihe:

Michael Tsokos: Fred Abel 1 – Zerschunden

Michael Tsokos: Fred Abel 2 – Zersetzt

Michael Tsokos: Fred Abel 3 – Zerbrochen

Michael Tsokos: Fred Abel 4 – Zerrissen

[Einklappen]

Rezension:

In den Tiefen der menschlichen Seelen tun sich oft bei genaueren Hinschauen die erstaunlichsten Abgründe auf. Nicht anders, die Welt im Obduktionssaal der Gerichtsmedizin. Dr. Abel versucht anhand der Körper der Toden die Todesursachen zu ergründen und bearbeitet mit seinen Kollegen hochbrisante Fälle, die Stadt und Land in Atem halten.

Nicht nur, dass Fälle von Waterboarding in den Gebäuden des deutschen Bundestages die Regierung in Alarmbereitschaft versetzen, zusätzlich landet auch noch eine Leiche auf seinem Obduktionstisch, deren Todesmerkmale ihn unsanft an Begebenheiten seiner Vergangenheit erinnern.

Als Abel dann auch noch zu einer heiklen Mission nach Transnistrien aufbrechen muss, einem Pseudostaat, in dem nicht nur rote Sichelfahnen sondern auch altertümlich grausame Geheimdienstmethoden überlebt haben, sieht sich der Rechtsmediziner plötzlich selbst in einem Kampf gezwungen. Dieses Mal, um sein Leben.

Auch ohne den Erstling gelesen zu haben, schafft man den Einstieg in die Krimi-Reihe sehr gut. Tatsächlich lassen sich die Bücher wohl unabhängig voneinander lesen. Davon unberührt bleibt der flüssige Schreibstil, der im Zusammenhang mit den kurzen Kapiteln das Buch zu einem echten Pageturner macht.

Obwohl die Handlung sich teilweise zu sehr in die Beschreibung politischer Gegebenheiten und rechtsmedizinischer Details verliert. Wobei das auch unter der Rubrik „Berufskrankheit“ des Autoren fallen dürfte und nicht zuletzt der Anlehnung an wahre Fälle aus Tsokos beruflichen Leben geschuldet ist. Ansonsten ist der Thriller, der ausdrücklich das Merkmal True-Crime vom Verlag bekommen hat, packend zu lesen.

Auch, wenn Tsokos‘ Geschichte nicht so ganz unvorhersehbar ist, wie die seines Erstlings im Krimi-Bereich, welchen er zusammen mit Fitzek geschrieben hat. Dennoch, Fitzek-Fans werden auch hier auf ihre Kosten kommen und Fans des Rechtsmediziners, wenn er denn welche hat, sowie so.

Die Protagonisten sind recht schnell sympathisch oder eben nicht, insgesamt herrschen viele Schwarz-Weiss-, erst gegen Mitte der Handlung viele Grautöne vor. Die Vielzahl der Handlungsstränge, die teilweise nur sehr lose miteinander in Verbindung stehen, verwirrt zumindest geübte Leser dieses Genres nicht.

Alle anderen sollten aufpassen und sich konzentrieren, auch wenn das mitunter schlaflose Nächte bereiten kann. Interessant hier, unbedingt das Nachwort zu lesen. Dieses entbröselt dann die Fiktion von der Wahrheit und macht neugierig auf mehr. Denn, Tsokos hat aufgrund seines Berufes schon tausende Leichen gesehen und sicher jede Menge Geschichten zu erzählen.

Autoren:

Michael Tsokos wurde 1967 in Kiel geboren und ist ein deutscher Rechtsmediziner, sowie Professor an der Charite in Berlin. Er leitet seit 2007 deren Institut für Rechtsmedizin, gleichzeitig auch das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin-Moabit. Tsokos ist zudem ärztlicher Leiter der Gewaltschutzambulanz der Charite.

1998/99 war er im Auftrag des Bundeskriminalamtes an der Exumierung von Massengräbern im Kosovo tätig und half 2004 bei der Identifizierung von Opfern des Tsunamis in Thailand. Er ist Herausgeber mehrerer Fachaufsätze und populärer Sachbücher. Seinen ersten Krimi veröffentlichte er in Zusammenarbeit mit Sebastian Fitzek 2012.

Michael Tsokos: Fred Abel 2 – Zersetzt Weiterlesen »