Naturwissenschaft

GĂŒnther Wessel: Alfred Wegener

Inhalt:
Schulen, Straßen, Stiftungen, Forschungsinstitute und sogar ein Mondkrater tragen seinen Namen. Zu Recht: Mit seiner genialen idee der Kontinentaldrift legte Alfred Wegener im anbrechenden zwanzigsten Jahrhundert den Grundstein fĂŒr die Theorie der Plattentektonik und bewies bei seinen spektakulĂ€ren Grönlandexpeditionen einen Wagemut, der seinesgleichen nur bei großen Polarhelden wie Amundsen, Scott & Co. findet. (Klappentext)

Rezension:
Immernoch gab es im ausgehenden 19. Jahrhundert weiße Flecken auf der Landkarte und Raum fĂŒr große Abenteuer, doch war dies auch die Zeit fĂŒr bahnbrechende natur- und geowissenschaftliche Überlegungen. Und die Jahre großer MĂ€nner, die wissenschaftliche Untersuchungen noch vor Geltungsdrang stellten. Der Journalist und Schriftsteller GĂŒnther Wessel hat einem der großen dieses neuen Typus‘ Wissenschaftler mit dem vorliegenden Sachbuch ein Denkmal gesetzt.

Alfred Wegener, dessen Name heutzutage eine Vielzahl von Orten und Institutionen tragen, war von Kindesbeinen an ein Mensch voller Forscherdrang, der sich schon frĂŒh Naturbeobachtungen widmete und zielstrebig bereits vor dem Ersten Weltkrieg in Kontakt mit der Polarforschung kam. Schon 1906 nahm er an einer von DĂ€nen organisierten Forschungsreise nach Grönland teil. Die zweite folgte nur wenige Jahre spĂ€ter. Durch Wetterbeobachtungen, naturwissenschaftlichen Messungen aus Ballonfahrten heraus, machte er sich einen Namen, anfangs belĂ€chelt wurden seine Ideen von der Kontinentaldrift, die jedoch grundlegend sein sollte.

Dies beschreibt GĂŒnther Wessel in seinem beinahe literarisch anmutenden Sachbuch, ebenso warum es Wegener und andere immer wieder, teils verbundenen mit enormen menschlichen Strapazen, ins ewige Eis zog und dabei von Erfrierungen bis hin zum eigenen oder den Tod von Kameraden praktisch alles in Kauf nahmen und dabei beinahe unmenschliche Leistungen vollbrachten. Eingebettet im zeithistorischen Kontext und der, der wissenschaftlichen Entwicklung ist so viel mehr als nur die Biografie eines Abenteurers entstanden.

Kurzweilig lesen sich die Kapitel, aufgelockert durch Karten und Bildmaterial am Ende des Textes, welche uns gut recherchiert nicht nur Strapazen im Grönlandeis darlegen, sondern uns auch an den kleinen Triumphen Wegeners teilhaben lassen. Doch der Autor geht auch kritisch mit der Zeit und Alfred Wegener um. GĂŒnther Wessel stellt dar, warum andere Expeditionen nicht selten in Tragödien endeten und weshalb der Naturwissenschaftler, der als einer der wenigen seiner Zeit ĂŒber die Grenzen seines Fachs hinaus dachte, am Ende nicht nur, aber eben auch an sich selbst scheiterte, trotzdem unvergessen bleibt.

Eine Biografie, die gleichsam Abenteuerbericht, Naturwissenschaftsgeschichte vereint und sich zuweilen wie ein Krimi liest, ĂŒber Alfred Wegener, der Theorie und Praxis wie kein zweiter miteinander vereinbaren konnte, ist dieses hervorragende Sachbuch. Und zugleich ein Mahnmal, dass am Ende die Natur die Oberhand behalten wird. In welcher Form auch immer.

Autor:
GĂŒnther Wessel wurde 1959 geboren und ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller. ZunĂ€chst studierte er Germanistik und Philosophie, bevor er ein Volontariat in einem Sachbuchverlag absolvierte. Seit den 1990er Jahren schreibt er ReisefĂŒhrer und Biografien, dazu Hörfunkfeatures fĂŒr verschiedene Rundfunkanstalten. Als Sachbuchrezensent ist er regelmĂ€ĂŸig bei Deutschlandradio Kultur zu hören. Von 1998 bis 2001 berichtete er aus den USA ĂŒber US-amerikanische Kultur und Politik. Es folgten Stationen in BrĂŒssel und Berlin. Er wurde verschiedenfach ausgezeichnet, u. a. mit dem ITB Buch Award, 2018.

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Barbara Schennerlein: Aeroarctic

nhalt:
Sommer 1931. Das Luftschiff Graf Zeppelin steigt zu seiner aufsehenerregenden Forschungsfahrt ĂŒber noch unentdeckte Polargebiete auf. Wie gelang es der Gesellschaft Aeroarctic, das Projekt zum Erfolg zu fĂŒhren – trotz enormer politischer und wirtschaftlicher HĂŒrden? Und was hat es mit dem Mythos auf sich, der nach der Expedition entstand?

Rezension:
Zwischen den beiden Weltkriegen eröffnete sich ein kurzes Zeitfenster, der vielzitierte Mantel der Geschichte, in dem Pioniergeist und Kooperation zwischen LĂ€ndern möglich war, die sich spĂ€ter spinnefeind werden sollten, noch aber ihre Rolle suchten. Dies galt vor allem fĂŒr Deutschland auf der einen Seite, dem kaum ein anderer Spielraum als den der Wissenschaft blieb, um sich international wieder Bedeutung zu verleihen, als auch fĂŒr die Sowjetunion, die nach Jahren des BĂŒrgerkriegs ebenso in der großen Politik isoliert gewesen ist. Da kam dieses ambitionierte Projekt gerade Recht.

Mit einem Zeppelin wollten Wissenschaftler die Arktis erkundigen. Doch vorab galt es riesige wirtschaftliche und politische HĂŒrden zu bewĂ€ltigen. Die Ingenieurwissenschaftlerin Barbara Schennerlein berichtet in ihrem gut recherchierten Sachbuch von diesem einmaligen, sehr besonderen und heute fast vergessenen wissenschaftlichen Unternehmen.

LZ 127 Graf Zeppelin, dieser fabelhafte, silberne Fisch, der da ruhig im Ozean der Luft schwamm, diese MÀrchenerscheinung, die mit der silbrigen HimmelsblÀue in eins zu verschmelzen schien.

Hugo Eckener

Die Faszination Eis ist heute immer noch etwas, in der große Pioniertaten möglich sind, doch galt dies im besonderen Maße zu einer Zeit, als die Flugtechnik am Anfang ihrer Entwicklung stand und noch immer große Teile der Landkarte schwer zugĂ€nglich waren oder noch gĂ€nzlich unbekannt. Detailliert beschreibt die Autorin, wie MĂ€nner aus unterschiedlichen BeweggrĂŒnden zur Zusammenarbeit fanden und ĂŒber nationale Grenzen, die heute noch starrer waren als damals, begannen ein Projekt von bis dato nicht bekannter GrĂ¶ĂŸenordnung zu formen, mit denen man neue Grundlagen fĂŒr die Wissenschaft legen, andererseits aber auch die Tauglichkeit des Luftschiffs fĂŒr die Polargebiete unter Beweis stellen wollte.

Doch, wie nachhaltig war dieses Projekt eigentlich, welche Fallstricke mussten MĂ€nner wie Walther Bruns oder Huho Eckener, zeitweise auch Fridtjof Nansen ĂŒberwinden, ob politischer oder wissenschaftlicher Natur, was genau wollte man ĂŒberhaupt erkunden, wo doch so viele offene Fragen vor allem einen engen finanziellen Spielraum gegenĂŒber stehen sollten. Die Autorin zeigt auf Grundlage intensiver Recherchen das Werden eines internationalen Projektes, welches so erst Jahrzehnte spĂ€ter wieder möglich sein sollte. Dabei nutzt sie eine, teilweise erst durch sie, zusammengefĂŒhrte Quellenlage, ergĂ€nzt durch vielseitiges Karten- und Bildmaterial, um uns in diese Zeit eintauchen zu lassen, die von Pioniergeist bestimmt gewesen ist.

Das liest sich fast filmisch, zu weilen wie ein dicht gepackter Krimi. Sehr detailliert beleuchtet Barbara Schennerlein das „Zeppelin-Arktis-Projekt“, und die Ergebnisse der daraus resultierenden Forschungen, die in Teilen noch spĂ€ter von der Fachwelt gewĂŒrdigt wurden und Basis fĂŒr weitere wissenschaftliche Arbeiten bilden sollten. Sie zeigt aber auch den sehr steinigen Weg von Vorhaben dieser GrĂ¶ĂŸenordnung in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten und welche Auswirkungen das Mit- und Gegeneinander verschiedener Interessen hatte, sowie warum nur fĂŒr einen kurzen aber bezeichnenden Moment der Geschichte der Zeppelin das Mittel der Wahl gewesen ist.

Zusammengefasst ergibt sich eine spannende wissenschaftliche, aber durchaus literarisch zu lesende Dokumentation, die man mit diesem Sachbuch in den HĂ€nden hĂ€lt. Die Faszination Arktis und Begeisterung fĂŒr die technische Pionierleistung, die hier beschrieben wird, schimmert in jeder einzelnen Zeile durch. Wer einen heute fast vergessenen Aspekt der Polarforschung, unter deutscher FederfĂŒhrung wohlgemerkt, erkunden möchte, ist diese LektĂŒre wohl zu empfehlen.

Instagram der Autorin: Hier klicken.

Autorin:
Barbara Schennerlein ist eine deutsche Integnieurwissenschaftlerin und Autorin. Sie forscht zur Geschichte der Erschließung der Polarregionen und war Mitglied einer kleinen Forschergruppe, die die seit Jahrzehnten verlassene Polarstation Buchta Tichaja zu neuem Leben erweckten. Bevor sie sich vollstĂ€ndig den Studien zur Polargeschichte widmete, arbeitete sie viele Jahre in der Software-Branche.

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Insa Thiele-Eich: Wirklich wichtiges Wissen von heiter bis wolkig

Inhalt:
In diesem Buch erfahren wir nicht nur, wie lange wir unser FrĂŒhstĂŒcksei auf der Zugspitze kochen mĂŒssen oder warum das Regenprasseln auf dem Zeltdach so entspannend ist, sondern auch, wo das Wasser auf unserem Planeten herkommt und wie lang der wirklich lĂ€ngste Dauerregen der Erdgeschichte gedauert hat – ganze 2 Millionen Jahre!

Denn die Meteorologin Insa Thiele-Eich weiß alles ĂŒber das Wetter, und noch viel mehr. Klug und unterhaltsam erklĂ€rt sie, wie unser Wetter eigentlich entsteht, und zeigt, wie stark es unseren Alltag durchdringt – vor allem da, wo wir nie damit gerechnet hĂ€tten. Danach werden GesprĂ€che ĂŒber das Wetter garantiert nie wieder langweilig. (Klappentext)

Rezension:

Storm Hunter jagen Tornados hinterher und stellen spektakulĂ€re Bilder ins Internet, wĂ€hrend der eine oder andere fasziniert beim Anblick eines Regenbogens stehen bleibt oder ungewöhnliche Wolkenformen betrachtet. Unser Wetter sorgt nicht nur fĂŒr steten GesprĂ€chsstoff, sondern greift alltĂ€glich in unser Leben ein. Kaum etwas anderes vermag so faszinieren.

Dabei ist Wetter nichts anderes als der Zustand der AtmosphĂ€re an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit, beschrieben durch Elemente wie Temperatur, Luftdruck oder Niederschlag, jedenfalls gar nicht immer trocken, wie die Meteorologin Insa Thiele-Eich zu berichten weiß. In ihrem amĂŒsant gehaltenen Sachbuch verdeutlicht sie physikalische ZusammenhĂ€nge, ebenso einfach wie verstĂ€ndlich und zeigt, wer Klima und Klimawandel verstehen möchte, fĂŒr jene lohnt es sich, sich zunĂ€chst mit den Wetter zu beschĂ€ftigen. Oder auf der Zugspitze ein Ei zu kochen.

In sehr kurzweilig gehaltenen Kapiteln geht es zunĂ€chst einmal rein um verschiedene Definitionen und Grundlagen, bevor einzelne Themenkomplexe erörtert werden. Vorwissen wird nicht verlangt, vermittelt die Autorin doch so anschaulich dieses Wissen, dass es Spaß macht, in die Materie einzutauchen.

Wir folgen dem Weg des Wassers, ebenso der Geschichte der Meteorologie, erfahren, welches Tier der bessere Vorhersager ist und welchen Einfluss das Wetter auf unseren Körper hat oder auch der Entwicklung von Sprache. Immer wieder geht die Autorin dabei auf gesellschaftshistorische Entwicklungen, sowie der Geografie des Wetters ein.

BestĂ€ndig blitzt die Faszination Insa Thiele-Eichs fĂŒr ihr Steckenpferd durch, aufgelockert werden Definitionen klar abgegrenzt von anschaulichen ErklĂ€rungen und Grafiken, was beinahe lehrbuchmĂ€ĂŸig wirkt ohne im schlimmsten Sinne lehrbuchhaft zu sein. In diesem Bereich hat das eine hohe QualitĂ€t, zumal die ohne erhobenen Zeigefinger daherkommt.

Dazu tragen nicht nur Sachkenntnis und Humor bei, auch ein wahnsinniges lecker erscheinendes Cookie-Rezept hat es ins Buch geschafft. NatĂŒrlich mit der idealen dafĂŒr geeigneten Temperatur? So, und bei welcher kocht jetzt das Ei auf der Zugspitze? Nun, das mĂŒsst ihr selbst herausfinden.

Eine unbedingte Leseempfehlung.

Autorin:
Insa Thiele-Eich wurde 1983 in Heidelberg geboren und ist eine deutsche Meteorologin und AnwĂ€rterin zur Astronautin. ZunĂ€chst studierte sie Meteorologie in Bonn und war dort als wissenschaftliche Koordinatorin tĂ€tig. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Untersuchung von Austauschprozessen, parallel dazu untersuchte sie fĂŒr ihre Doktorarbeit die Auswirkungen des Klimawandels in Bangladesch. 2017 wurde sie Teil einer privat finanzierten Initiative, die erstmals eine Deutsche zur Astronautin machen möchte.

FĂŒr den Kurzzeitaufenthalt, der durch Spenden finanziert werden soll, ĂŒberstand sie ein Auswahlprogramm und absolvierte eine theoretische und praktische Raumfahrt-Grundausbildung, sowie ParabelflĂŒge und erwarb einen Flugschein. Politisch engagiert sie sich in der Königswinterer WĂ€hlerinitiative, fĂŒr die 2021 in den Stadtrat nachrĂŒckte.

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Katherine Rundell: Warum die Giraffe nicht in Ohnmacht fÀllt

Inhalt:

Unsere Welt ist einzigartig und verblĂŒffend. Es gibt Haie, die schon zu Shakespeares Zeiten gelebt haben, Giraffen, die durch Paris flanierten, verliebte Spinnen und Einsiedlerkrebse, die ihre HĂ€user renovieren. Mit einem bemerkenswerten GespĂŒr fĂŒr fesselnde Geschichten und kuriose Anekdoten eröffnet uns die preisgekrönte Autorin Katherine Rundell in diesen 22 eindrĂŒcklich recherchierten PortrĂ€ts bedrohter Tierarten einen neuen Blick auf die hinreißend seltsame Schönheit unserer Erde. (Klappentext)

Rezension:

Unsere Faszination fĂŒr sie kennt kaum Grenzen. Zu viele KuriositĂ€ten hĂ€lt die Tierwelt der Erde bereit. Doch diese Begeisterung hat bereits viele Tierarten von der Erde verschwinden lassen, die wir ihre LebensrĂ€ume beschneiden oder sie so sehr bejagen, bis sie schließlich aufhören zu existieren. Andere stehen heute am Rande des Abgrunds, viele bedroht, ihr Überleben in den kommenden Jahrzehnten keineswegs gesichert. Zeit also fĂŒr eine Hommage an die SchĂ€tze der Erde, die es zu bewahren gilt.

Die britische Autorin Katherine Rundell stellt in ihrem feinsinnig recherchierten Sachbuch, in dem kuriose Fakten und knallharte Informationen in einer bunten Mischung prĂ€sentiert werden, stellvertretend fĂŒr alle bedrohten Tierarten, zweiundzwanzig mehr oder weniger bekannte vor und hat damit eine sehr abwechslungsreiche LektĂŒre geschaffen. In kurzen Kapiteln wird jede Tierart vorgestellt, ihre Besonderheiten, vermischt mit kuriosen Fakten.

So erfĂ€hrt man u. a., dass in Paris einst eine Giraffe spazieren gefĂŒhrt wurde und auch einmal ein Elefant der gut betuchten Oberschicht zum Essen serviert wurde, dass das Alter einiger heutiger Grönlandhaie ĂŒber 500 Jahre zĂ€hlt oder mancher Mauersegler, einmal das elterliche Nest verlassend, nie wieder den Boden berĂŒhrt. Nie verfĂ€llt die Autorin dabei in graue Theorie, jedes einzelne Kapitel ist durchtrĂ€nkt von der Faszination fĂŒr die beschriebenen Lebewesen. Wundervolle Illustrationen von Talya Baldwin komplettieren das kurzweilige Werk.

Vom Pangolin ĂŒber dem Goldmull, der hellhörigen Fledermaus bis hin zu jenem Geschöpf, welches alle anderen heute an den Rand drĂ€ngt, uns selbst, ist so eine Sammlung entstanden, die natĂŒrlich nur eine willkĂŒrliche Auswahl darstellen kann, aber den Zweck erfĂŒllen sollte. Ein Teil der Autorinhonorare der Originalausgabe kommt zwei WohltĂ€tigkeitsorganisationen zu Gute, die sich fĂŒr die EindĂ€mmung des Klimawandels und der Umweltzerstörung einsetzen. Wenn die Faszination fĂŒr diese und andere Lebewesen zu der LektĂŒre und letztendlich den gesteckten Zielen zu Gute kommt, ist viel gewonnen.

Autorin:
Katherine Rundell wurde 1987 geboren und ist eine britische Autorin und Hochschullehrerin. Nach einer Kindheit in Simbabwe und England studierte sie zunĂ€chst in Oxford und erwarb danach ein Stipendiat fĂŒr Englische Literatur. 2011 veröffentlichte sie ihr erstes Werk, dem weitere folgten. Die Autorin fĂŒr Kinder- und JugendbĂŒcher, sowie SachbĂŒcher, steht regelmĂ€ĂŸig auf den Bestsellerlisten und erhielt u. a. den Baillie Gifford Prize und den British Book Award. Ihre BĂŒcher werden in ĂŒber 30 Sprachen ĂŒbersetzt. Zudem schreibt sie fĂŒr Zeitungen und Magazine wie New York Times und dem Times Literary Supplement.

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Steve Brusatte: Eine neue Geschichte der SĂ€ugetiere

Inhalt:

Das Aussterben der Dinosaurier war die große Chance der SĂ€ugetiere: FĂŒr Jahrmillionen hatten sie ihr Dasein im Schatten der tyrannischen Giganten gefristet, um dann die Gelegenheit zu nutzen, in einem beispiellosen Siegeszug die Vorherrschaft auf der Erde zu erringen. Wissenschaftlich fundiert und höchst unterhaltsam erzĂ€hlt Steve Brusatte von bekannten evolutionĂ€ren Ikonen wie Mammuts, SĂ€belzahntigern und Schnabeltieren sowie von bizarren, faszinierenden Spezies der Ă€ußersten Äste des SĂ€ugetierstammbaums. Ein wichtiges und erhellendes Buch darĂŒber, wie wir zu dem wurden, was wir sind. (Klappentext)

Rezension:

Der Meteoriteneinschlag, der vor Millionen von Jahren die Vorherrschaft der Dinosaurier auf unseren Planeten beendete, eröffnete zugleich die Chance fĂŒr eine andere Gruppe von Lebewesen, aus der Deckung hervorzutreten und sich zu entwickeln. Sie taten es und nahmen die PlĂ€tze der ehemaligen Giganten ein, wurden grĂ¶ĂŸer und besetzten frei gewordene Nischen. Ein Siegeszug rund um den Globus begann, der letztendlich auch zur Entwicklung des Menschen fĂŒhrte. Dazu forscht der PalĂ€ontologe Steve Brusatte seit Jahren mit seinem Team und anderen engagierten Wissenschaftlern und nimmt uns mit auf eine Reise durch die Zeit, nicht zuletzt auch zu uns selbst.

Bei manchen Texten mag man den Eindruck haben, erst nach dem Verschwinden der Dinosaurier kam es zur Entwicklung der SĂ€ugetiere, doch sind es zwei damals parallel verlaufende StrĂ€nge, die betrachtet werden mĂŒssen. Mit Hilfe der modernen Wissenschaften und Techniken, wie etwa CT-Scans, ist es uns heute möglich, deren Verlauf zu rekonstruieren. Am Anfang stehen dabei oft Überreste von ZĂ€hnen, anhand derer wir die Entstehung des SĂ€ugetiergebisses mit den fĂŒr uns und unsere Verwandten so typischen Merkmalen nachvollziehen können. Über die Jahre schließlich wurden noch mehr Überbleibsel gefunden und so können wir uns heute ein, vielleicht nicht in allen Facetten vollstĂ€ndiges, dennoch ĂŒbersichtliches Bild von dem machen, wie der Siegeszug der SĂ€ugetiere ĂŒber Millionen von Jahre ausgesehen haben mag.

Steve Brusatte hat hier ein StĂŒck Wissenschaftsgeschichte niedergeschrieben und erlĂ€utert sehr detailreich Wendepunkte und Kontraste an Beispielen von ihn und anderen erforschten FundstĂ€tten, sowie vieler Spezies, die es heute nicht mehr gibt. Auch die Entwicklung der SĂ€ugetiere war mitunter verlustreich, trotzdem insgesamt von Erfolg gekrönt. Immer wieder gelangt man beim Lesen zu dieser Feststellung. Der Weg dorthin ist sehr verschachtelt, was sich auch bei der LektĂŒre bemerkbar macht.

An vielen Stellen kommt der Wissenschaftler durch, wenn sich etwa lateinische Namen oder Tierarten, Merkmalsbeschreibungen aneinanderreihen und man lesend versuchen muss, den Überblick zu behalten. Das ist nicht immer leicht und erfordert Konzentration. Dennoch hat es der Autor geschafft, an der einen oder anderen Stelle Auflockerung in seinen Text zu bringen, sei es durch informatives Bildmaterial oder einer Prise Humor, wenn z. B. kuriose Personen mit ihren Eigenarten beschrieben werden, die sich um die Erforschung prĂ€historischer SĂ€ugetiere verdient gemacht haben. So interessant wie die Erforschung der „Schreckensechsen“ ist das, was danach folgte und wohl noch folgen wird. Steve Brusatte zeigt ebenso auf, wo aktuell noch weitergeforscht wird und LĂŒcken gefĂŒllt werden mĂŒssen. So wie die Entwicklung der SĂ€ugetiere ist auch die Erkundung ihrer Geschichte nicht statisch.

Anhand eines Zeitstrahl in Form der Kapitel des Werks verfolgen wir die Geschichte der SĂ€ugetiere bis zum Aussterben der Dinosaurier als ParallelerzĂ€hlung und danach, wie diese mehrere Katastrophen, nicht nur die, die die Dinosaurier in die Knie zwang, ĂŒberstanden und sich mehrere Male neu erfinden mussten. Anhand ihrer Merkmale beschreibt Brusatte die Entwicklung moderner SĂ€ugetiere, ihren Umgang mit dem Klimawandel etwa und wie auch Homo Sapiens letztlich daraus folgte.

Auch ein Ausblick in die Zukunft wird gewagt. Was werden kĂŒnftige PalĂ€ontologen vorfinden und vielleicht auch ĂŒber uns erfahren? Hier wird der ErzĂ€hlstrang wieder zu der ursprĂŒnglichen Parallelgeschichte, nur als Zukunftsvision. Wir nehmen heute mehr als alles andere Einfluss, nicht nur auf die SĂ€ugetiere der Welt, im negativen Sinne. Und sind zugleich eine ihrer Chancen. Die Geschichte der SĂ€ugetiere, so das Fazit, sie geht weiter.

Autor:

Steve Brusatte wurde 1984 geboren und ist ein US-amerikanischer PalĂ€ontologe und Evolutionsbiologie. Er studierte zunĂ€chst an der University of Chicago und schloss sein Studium an der Columbia University ab. Derzeit lehrt und forscht er an der University of Edinburgh. Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten verfasste er mehrere populĂ€rwissenschaftliche SachbĂŒcher und wirkte zudem als Berater fĂŒr Dokumentarfilme und 2020 fĂŒr einen der Jurassic World Teile. Sein Team entdeckte mehrere neue Fossilien, er selbst wandte sich immer mehr der Erforschung prĂ€historischer SĂ€ugetiere zu.

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Empfehlung: Ozeane – Die große Bild-EnzyklopĂ€die

Seit jeher sind wir Menschen fasziniert von den Meeren, deren KrĂ€fte wir fĂŒrchten und im Laufe der Geschichte gelernt haben, fĂŒr uns zu nutzen. Ob als Rohstoff- oder Nahrungslieferant, zur Energieerzeugung, die Ozeane als Bestandteil des Wasserkreislaufs sind die Grundlage allen Lebens. Hier entstand es, bevor es den Sprung an Land wagen konnte. Ein Blick unter die OberflĂ€che offenbart dabei noch immer erstaunliches. Der Großteil der Ozeane ist weitgehend unerforscht, doch lasst uns faszinierende Lebewesen am Rande brodelnder Unterwasservulkane entdecken, RĂ€uber, die in den dunklen Weiten der Tiefsee mit Leuchten Partner sowie Beute anlocken, Haie, die des Nachts durch Riffe streifen. Unsere Ozeane sind voll mit Superlativen, hier lebt das Ă€lteste Tier der Welt, hier das grĂ¶ĂŸte SĂ€ugetier unseres Planeten.

Von der faszinierenden Welt der Korallenriffe bis zum Leben an den Polarmeeren. Steckbriefe erklÀren sowohl biologische als auch geografische Gegebenheiten.
(Quelle: Dorling Kindersley)

FĂŒr diese vorliegenden EnzyklopĂ€die wurden nun die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse bildgewaltig aufbereitet. Niemand geringeres als Fabien Cousteau, der Enkel des berĂŒhmten Tiefseeforschers fĂŒhrt uns in die Welt des Wassers ein, deren Grundlagen und ZusammenhĂ€nge verstĂ€ndlich und anschaulich erklĂ€rt werden. Aktuelles Wissen gepaart mit historischen Fakten, zahlreichen Grafiken und ĂŒber 2000 Fotografien und ein umfangreicher Kartenteil eröffnen uns Einblicke in diesen faszinierenden Naturraum, machen uns dessen KrĂ€fte und Gegebenheiten verstĂ€ndig. Seite fĂŒr Seite lernen wir zudem ihre faszinierenden Bewohner kennen, deren Vielfalt und Schönheit, jedoch auch wie fragil deren Welt inzwischen geworden ist, durch unseren Rohstoff- und Energiehunger, unseren MĂŒll und der durch unserer Lebensweise beeinflussten Änderung des Klimas.

Großformatig und qualitativ hochwertig ist dies ein umfangreiches Nachschlagewerk, welches Groß und Klein zum Stöbern und darin versinken einlĂ€dt. Umfassende Informationsbreite und tiefe Sachkenntnis werden anschaulich vermittelt. Hier werden alle, je nach Interesse, neues Wissen daraus ziehen und anderes vertiefen können. Nicht nur das rechtfertigt den Preis, haben die Autor:innen und beteiligten Wissenschaftler:innen verschiedenster Fachgebiete dazu beigetragen, dass von der QualitĂ€t und Wirkung mehr ist als eine bloße BBC-Dokumentation in Papierform vorliegt, sondern ein Grundlagenwerk, welches seines Gleichen sucht. In sofern möchte ich hier nicht werten, fĂŒnf Sterne sind hier zu wenig, was ja ohnehin fĂŒr die meisten Werke dieser Art gilt, sondern nur empfehlen. Ein Blick hinein genĂŒgt, um zu wissen, warum.

Pflanzen und Tiere in und am Rande der Ozeane, ausfĂŒhrliche ErklĂ€rungen und umfangreiches Kartenmaterial zum Überblick. (Quelle: Dorling Kindersley)

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Sophia Kimmig: Von FĂŒchsen und Menschen

Inhalt:

Roter Pelz, bernsteinfarbene Augen, grazile Statur – wer ihm einmal begegnet, vergisst diesen Anblick nicht mehr. Doch der Fuchs ist nicht nur fĂŒr seine Schönheit, sondern auch als schlau, gerissen und neugierig bekannt. Vom Polarkreis bis in den Norden Afrikas findet man ihn, und er besiedelt zunehmend unsere StĂ€dte. Wildbiologin Sophia Kimmig heftet sich dort an seine fersen und versucht, hinter das Geheimnis des ÜberlebenskĂŒnstlers zu kommen. Sie nimmt uns mit auf nĂ€chtliche Erkundungstouren, erzĂ€hlt amĂŒsant von den TĂŒcken der Feldforschung und gewĂ€hrt uns spannende Einblicke in das verborgene Leben unserer wilden Nachbarn. (Klappentext)

Rezension:

Diesen Tieren sagt man so einiges nach. SchlĂ€ue und Gerissenheit sind die Eigenschaften, die sich hĂ€ufig in MĂ€rchen und Fabeln wiederfinden und FĂŒchsen angedichtet werden, doch vor allem sind sie eines. Flexible Generalisten, die sich verĂ€nderten Bedingungen bisher gut anpassen und damit umgehen konnten. So ist der Rotfuchs heute einer der erfolgreichsten Kulturfolger des Menschen und bewohnt, wĂ€hrend es fĂŒr seine Verwandten auf dem Land immer schwieriger wird, zunehmend unsere StĂ€dte.

Weitgehend von uns unbemerkt, bevölkert er BahndĂ€mme, BrachgelĂ€nde, Schul- und Friedhöfe und bedient sich dabei einem reichhaltigen, durch uns stetig gedeckten Tisch. Doch, wie findet sich der Fuchs ĂŒberhaupt in einer eigentlich tierfeindlichen Umgebung ĂŒberhaupt zurecht? Wie leben diese Tiere inmitten unter uns?

Die Wildbiologin Sophia Kimmig begibt sich auf Spurensuche durch Berlin, von den Randbezirken bis hinein ins Regierungsviertel und berichtet von ihrer Arbeit und dem Leben Meister Reineckes, welches beinahe unbemerkt parallel zu uns stattfindet.

FĂŒchse vermögen zu faszinieren. Es sind die flĂŒchtigen Begegnungen, die uns fĂŒr einen kurzen Moment innehalten lassen. Ein Rascheln im GebĂŒsch, das Aufblitzen roten Fells am Wegesrand, manchmal sogar in HauseingĂ€ngen oder gleich in der U-Bahn. Ein Video eines solchen Fuchses, der sich in die Eingeweiden der öffentlichen Verkehrsmittel Berlins gewagt hatte, ging viral und selbst das BundesprĂ€sidialamt ist inzwischen auf den Fuchs gekommen.

Wie kam es zu diesem Wandel? Einst wurde das Tier als Nahrungskonkurrent und KrankheitsĂŒbertrĂ€ger stark bejagd. Heute ist es Kultobjekt und die meisten Menschen ihm gegenĂŒber positiv aufgeschlossen.

Sophia Kimmig ergrĂŒndet seit ihrer ersten Begegnung mit dem Rotpelzigen die FĂŒchse Berlins, besendert sie und schafft uns damit einen Überblick ĂŒber das verborgene Leben dieser Tiere und zeigt, dass die StĂ€dte lĂ€ngst nicht mehr nur fĂŒr uns Menschen ein lebendiger Ort ist. AmĂŒsant erzĂ€hlt sie von den UnwĂ€gbarkeiten ihrer Arbeit, aber auch dem Wandel in der Forschung und rĂ€umt zugleich mit einigen Legenden auf, die unsere wilden Nachbarn umgeben.

NatĂŒrlich fehlt er nicht, der persönliche Blick durch die Fuchsbrille, aber die Autorin bleibt sich den kurzweiligen Kapiteln ĂŒber treu und verbindet kenntnisreich Informationen, nach denen man mit anderen Augen durch die StĂ€dte gehen wird. In jedem Fall aufmerksamer.

Ich trage eine Fuchsbrille. Eine Brille, die mich eine verborgene Welt sehen lĂ€sst, die ich ohne nicht bemerkt habe. Wenn ich mich durch die Stadt bewege, sehe ich sie. Überall.

Sophia Kimmig: Von FĂŒchsen und Menschen

Einblicke gewĂ€hrt Kimmig sowohl in ihre alltĂ€gliche Arbeit, der Sicht von außen als auch in das Leben der Tiere, welches nicht etwa durch Bejagung oder Nahrungsmangel gefĂ€hrdet ist, sondern, des Lebensraumes bedingt, zunehmend durch den Straßenverkehr.

Der Wandel der Sichtweise wird ebenso sachlich dargestellt, wie der der Forschung, aber auch, wie das Zusammenleben zwischen Mensch und Wildtier gelingen kann, in einer immer enger werdenden Welt. ErgÀnzt wird dies durch sog. Fun Facts am Ende eines jeden Kapitels, einem auflockernden Fototeil und nicht zuletzt durch Beschreibungen ausgewÀhlter Fuchsleben inmitten Berlins.

Die Autorin schafft den Spagat zwischen informativen Sachbuch und unterhaltender LektĂŒre ohne erhobenen Zeigefinger, sowie ihre BegeisterungsfĂ€higkeit auf Lesende ĂŒberspringen zu lassen, sowie zu zeigen, wie Stadtökologie wirken kann.

Danach wird man Meister Reinecke mit anderen Augen betrachten. Muss man vielleicht auch. Kimmig zeigt, dass sich der Fuchs als unser, auch stÀdtischer Nachbar, lÀngst etabliert hat.

Autorin:

Sophia Kimmig wurde 1988 in Berlin geboren und arbeitet als Widlbiologin u.a. fĂŒr das Leibniz-Institut fĂŒr Zoo- und Wildtierforschung, erforscht dabei die Anpassung der Wildtiere an sich verĂ€nderte Lebensbedingungen, am Beispiel des Fuchses und dessen Stadtleben. Neben ihrer TĂ€tigkeit im Bereich Forschung und Umweltbildung erarbeitet sie zahlreiche BeitrĂ€ge fĂŒr Medien, in VortrĂ€gen und Publikationen, um Akzeptanz fĂŒr Natur- und Artenschutz zu schaffen. Die Autorin lebt in Berlin.

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Matthias Glaubrecht: Eskapaden der Evolution

Inhalt:

Rasant verĂ€ndert der Mensch die Bedingungen der Evolution, und wĂ€hrend viele Arten noch gar nicht entdeckt sind, nimmt das Artensterben immer dramatischere Ausmaße an. Dem drohenden „Ende der Evolution“, von dem der Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht in seinem gleichnamigen Bestseller schreibt, stellt er in diesem Buch die Schönheit, Vielfalt und auch die Launen der Natur gegenĂŒber.

In 36 kurzen Kapiteln prĂ€sentiert der Zoologe Tierisches, Allzutierisches aus dem KuriositĂ€tenkabinett der Evolution, leicht verstĂ€ndlich und mit einer gehörigen Prise Humor – von Sauriern mit vier FlĂŒgeln ĂŒber die jĂ€hrlich neuen Minnelied-Schlager der Buckelwale bis hin zu Frauenkommunen bei den Bonobos, die mit Sex das soziale Miteinander fördern. (Klappentext)

Rezension:

Noch immer stellt unsere Welt Wissenschaft und Forschung vor diversen RĂ€tseln. Ein Großteil der Tiefsee ist noch nicht erforscht, die Menschwerdung nicht restlos aufgeklĂ€rt und auch in der Entwicklungsgeschichte, bis hin zum Aussterben der Dinosaurier existieren noch zahlreiche Fragen. Auch sind Naturwissenschaftler sich heute sicher, ein Großteil der existierenden Arten auf unserem Planeten ist noch gar nicht entdeckt.

Das ist ein Problem. Ausgerechnet das erfolgreichste Lebewesen auf der Erde entzieht immer mehr von ihnen die Existenzgrundlagen und damit bald auch sich selbst. Welche Wunder gibt es also zu bewahren? Welche Fragen zu klĂ€ren? Warum ist es notwendig, das Leben, die Flora und Fauna der Erde, zu schĂŒtzen und welche Sonderbarkeiten gilt es zu entdecken? Der Wissenschaftler Matthias Glaubrecht nimmt uns mit auf eine wundersame Reise.

In ĂŒbersichtlich, nur lose zusammenhĂ€ngenden Kapiteln prĂ€sentiert der Autor uns Wunder und KuriositĂ€ten der Evolutionsgeschichte, klĂ€rt, warum einige heute lebende Vögel den ehemals ĂŒber den Planeten herrschenden „Schreckensechsen“ Ă€hnlich sind und das Klonen von Mammuts (vorerst) ein Wunschdenken bleiben wird, was dies fĂŒr die bedrohten Tierarten von heute und damit auch fĂŒr die BiodiversitĂ€t der Erde bedeutet. Er zeigt auf, warum eine MĂ€hne LöwenmĂ€nnchen in eine ZwickmĂŒhle bringt, warum Frauen lĂ€nger leben als sie Kinder bekommen können und was es mit dem Krieg der Schnecken auf sich hat.

Diese und viele andere Anekdoten lassen sich ĂŒber das Leben auf der Erde erzĂ€hlen. Matthias Glaubrecht tut dies zuweilen mit einer Prise Humor, jedoch immer mit dem Zeigefinger, dass ausgerechnet der Mensch dabei ist, dies zu beenden und dabei evolutionĂ€re Prozesse in einer Geschwindigkeit zu ĂŒberholen, die die Natur nicht vorgesehen hat. Angesichts der Wunder, die wir zerstören, geht man aus der LektĂŒre einigermaßen benommen heraus.

Der Autor indes konnte sich nicht entscheiden, in welchem Grundton dieses fĂŒr das Laienpublikum gehaltene Werk gehalten werden sollte. So wirkt dies, wenn hochkomplex zu lesende Passagen sich mit humorvollen Kapiteln abwechseln, nur um dann wieder Kapitel mit erhobenen Zeigefinger zu lesen. Hier hĂ€tte eine gewisse Einheitlichkeit in der Vermittlung der Thematik eine bessere Wirkung erzielt, zumal bestimmte Inhalte ruhig etwas ausfĂŒhrlicher behandelt hĂ€tten werden können.

Vielleicht ergibt sich ein anderer Eindruck, legt man den zuvor erschienen Band „Das Ende der Evolution“ daneben, so aber bleibt ein GefĂŒhl der UnvollstĂ€ndigkeit. Daher, ohne dieses zu kennen, die Empfehlung, es zuerst zu lesen. Andernfalls fehlt ein Puzzleteil. Und dies ist ja in der Evolutionsforschung oft genug der Fall. Die Erkenntnis kommt jedoch rĂŒber.

Autor:

Joachim Matthias Glaubrecht wurde 1962 geboren und ist ein deutscher Zoologe, Wissenschaftsjournalist und Autor. ZunÀchst studierte er in Hamburg Biologie, wo er 1990 sein Diplom erlangte und vier Jahre spÀter promovierte. 1996 war er Gast am Australian Museum in Sidney, spÀter dann Mitarbeiter und Kurator beim Naturkundemuseum Berlin.

2011 habilitierte er an der Humboldt-UniversitĂ€t Berlin. Im Jahr 2014 wurde er zum Direktor des Centrums fĂŒr Naturkunde ernannt. Er forscht ĂŒber evolutionĂ€re Systematik, historische Biogeografie und Morphologie, sowie Wissenschaftsgeschichte der Biologie. Zudem ist er fĂŒr Zeitungen und Zeitschriften als Wissenschaftsjournalist tĂ€tig und Autor mehrerer populĂ€rwissenschaftlicher Werke.

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Till Hein: Crazy Horse

Inhalt:

Anmutige TĂ€nzer, Meister der Tarnung und romantische Liebende, doch auch schwerhörige Vielfraße, launische Griesgrame und langsame Faulpelze: All das und noch viel mehr sind Seepferdchen. Man findet die kleinen Fische nicht nur in Seegraswiesen und MangrovenwĂ€ldern, sondern ebenso im Schachspiel und in griechischen Sagen – und wie gelangen sie eigentlich auf KinderbadeanzĂŒge, GeldmĂŒnzen und ToilettenschĂŒsseln aus dem alten Rom? Was macht sie trotz ihrer TrĂ€gheit zu erstklassigen JĂ€gern, warum ist ein Hirnareal nach ihnen benannt, wie können sie und helfen, besser zu schlafen, und sogar die Robotik inspirieren?

Crazy Horse beleuchtet die schillernde Welt der Seepferdchen auf ebenso sachkundige wie unterhaltsame Weise, berichtet von kuriosen Erkenntnissen der aktuellen Forschung, geht zahlreichen Mythen auf den Grund und erklÀrt, was die Tiere zu liebenswerten Antihelden macht. (Inhaltsangabe lt. Verlag)

Rezension:

Unter der OberflĂ€che der Ozeane offenbart sich den Beobachtenden eine faszinierende Welt voller KuriositĂ€ten. Faszinierende und bizarre Lebewesen finden sich dort, ein Großteil davon noch kaum erforscht und doch bereits stark vom Aussterben bedroht. Eine Sonderstellung nehmen dabei die Rosse der Meere ein, die eigentlich Fische sind und abgesehen von ihrer Form auch sonst zahlreiche Besonderheiten des Tierreiches in sich versammeln, nicht nur dass hier die MĂ€nnchen schwanger werden.

Diese und andere kuriose Fakten vermittelt der Wissenschaftsjournalist Till Hein in seinem Buch und nimmt uns mit auf eine faszinierende Reise in die Welt der Seepferdchen.

Der Hochzeitstanz der Seepferdchen dauert bis zu neun Stunden.

Till Hein: Crazy Horse

Wer schon einmal diese wundersamen Gerschöpfe, etwa im Zoo beobachten konnte oder gar das GlĂŒck hatte, sie in der freien Wildbahn beobachten zu können, ist sofort von ihnen eingenommen. Schon seit der Antike wissen wir von ihrer Existenz und doch ĂŒber sie selbst nur sehr wenig. Auch heute noch stellen Seepferdchen uns vor unzĂ€hligen RĂ€tseln.

Till Hein versammelt den aktuellen Wissenstand rund um diese Fische, die nur auf den ersten Blick eine Fehlkonstruktion der Natur sind. Er beschreibt in kurzweiligen und kompakten Kapiteln die Besonderheiten ihrer Biologie und warum uns Seepferdchen in mancher Hinsicht gar Ă€hnlich sind, was Ringelnatz mit den Rossen der Meere zu tun hatte und wie wir unsere Kenntnisse ĂŒber diese Tierart etwa in Technik und Industrie einsetzen können.

Doch, der Autor sieht nicht nur das Schöne, auch die bedrohliche Lage wird beschrieben, derer die Tiere heute ausgesetzt sind und wie diverse Schutzprojekte versuchen, die Seepferdchen rund um den Globus zu schĂŒtzen. Ein ungeschönter Bericht ist das, der zeigt, was wir verlieren, wenn wir diese faszinierenden Geschöpfe ausrotten, welche vielseitige Welt wir fĂŒr immer verlieren wĂŒrden.

Wie ein Kleinkind am Kuscheltier kann auch ein Seepferdchen emotional an einem Gegenstand hÀngen.

Till Hein: Crazy Horse

Forschende und Experten rund um den Globus hat Till Hein besucht und fragen können, Berichte gewĂ€lzt und eine Informationssammlung verfasst, nicht ganz so rĂŒhrseelig, wie dies etwa Sy Montgomery mit ihrer Passion, den Oktopussen gemacht hat, aber mit der gleichen Liebe fĂŒr das Besondere. Viel Wissenswertes erfĂ€hrt man hier und bekommt zugleich eine Ahnung von der KomplexitĂ€t der Fragen, die sich in Bezug auf die Tierart noch stellen, ohne hier in allzu trockene AusfĂŒhrungen zu geraten.

Der Autor verliert sich nicht, vermittelt echtes Interesse und hat es dennoch geschafft, auf so wenigen Seiten von Biologie, ĂŒber Evolutionsgeschichte, Leben und Erforschung der Welt der Seepferdchen die Faszination beim Lesenden zu wecken. Der nĂ€chste Blick unter Wasser oder durch die Scheiben eines Meerwasseraquariums mit den Rossen der Meere wird ein anderer sein.

Autor:

Till Hein wurde 1969 in Salzburg geboren und studierte zunĂ€chst Geschichte, Germanistik und Russistik in Basel und Wien, bevor er 1996 einen Redaktionslehrgang beim Österreichischen Nachrichtenmagazin „Profil“ in Wien besuchte. Bis 2001 war er redaktioneller Mitarbeiter beim Magazin der SĂŒddeutschen Zeitung in MĂŒnchen. Seit dem arbeitet er fĂŒr das JournalistenbĂŒro textetage in Berlin. FĂŒr Magazine, Zeitungen und Zeitschriften schreibt er regelmĂ€ĂŸig Reportagen, u. a. fĂŒr Geo, Spiegel Wissen oder mare.

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Adele Brand: FĂŒchse – Unsere wilden Nachbarn

FĂŒchse - Unsere wilden Nachbarn Book Cover
FĂŒchse – Unsere wilden Nachbarn Adele Brand C.H. Beck Erschienen am: 16.03.2020 Seiten: 208 ISBN: 978-3-406-75113-4 Übersetzerin: Beate SchĂ€fer

Inhalt:

Seit Urzeiten begleitet der Fuchs den Menschen und schon immer war er fĂŒr seine Intelligenz und Schlauheit berĂŒhmt. Heute ist er das am weitesten verbreitete Raubtier und sein leuchtendes Fell selbst in den StĂ€dten ein hĂ€ufiger Anblick.

Doch wer ist dieser wilde Nachbar des Menschen in Wirklichkeit? Adele Brand erschließt uns in ihrem klugen und warmherzigen Buch den mysteriösen Kosmus der FĂŒchse mit ihren erstaunlichen ÜberlebenskĂŒnsten. (Klappentext)

Rezension:

Die Liste von NaturrÀumen, die der Mensch inzwischen nachhaltig zerstört hat, ist lang. Die Liste von Tierarten und Pflanzen, die von ihm ausgerottet oder an den Rand des Aussterbens gebracht wurden, noch vielschichtiger. Nur wenige Lebewesen konnten sich dagegen behaupten, in dem sie sich an die verÀndernden Bedingungen anpassten. Der erfolgreichste Kulturfolger unter ihnen ist der Rotfuchs.

Zwischen BahndĂ€mmen und MĂŒlltonnen, HĂ€userschluchten und BrachflĂ€chen hat der listige JĂ€ger nicht nur unsere VorgĂ€rten erobert, sondern tummelt sich inzwischen auch in den Zentren unserer Metropolen. Die britische Ökologin ist seit zwanzig Jahren auf Spurensuche und zeigt in ihrem neuen Buch auf, was sich hinter dem Erfolg von Vulpes vulpes verbirgt und What Does The Fox Say?

Ganz nahe am Nature writing ist dieses vorliegende Werk, doch liegt mit diesem Titel kein verklĂ€rendes StĂŒck Literatur vor, sondern ein unterhaltsames und vielschichtiges Sachbuch. In diesem werden Fakten amĂŒsant aufbereitet und einem kritischen Blick unterworfen. Adele Brand versteht es dabei, den Fuchs als Tier unter verschiedenen Winkeln zu beleuchten. In handlichen und kurzweiligen Kapiteln gibt sie zunĂ€chst einen Überblick ĂŒber dessen Entwicklungsgeschichte, welche den Grundstein fĂŒr den Erfolg und das heutige Überleben bildete.

Danach wendet sie sich der Biologie der Tiere zu, zeigt das komplexe Sozialleben der FĂŒchse auf und zeigt schließlich, wie ein Zusammenleben mit diesen imponierenden Tieren gelingen kann, wie man selbst zum Beobachter eines Wesens werden kann, welches schon lĂ€ngst in Teilen begonnen hat, uns zu studieren.

Interessant hierbei ist vor allem der Einblick in der Arbeit der Autorin, die Feldstudien mit diesem undurchschaubaren Raubtier in unserer Mitte durchgefĂŒhrt und viel zum VerstĂ€ndnis fĂŒr den Rotfuchs beigetragen hat. Sie zeigt, was ihn im Gegensatz zu seinen Verwandten, etwa dem Polarfuchs, so erfolgreich machte und was diesem Tier im Gegensatz zu Wolf oder Luchs bisweilen besser gelungen ist.

Aufgelockert wird das ganze durch Geschichten persönlicher Beobachtungen, anhand derer sie etwa Fuchskrankheiten erklĂ€rt, um so den Lebenszyklus dieser Tiere zu komplettieren. AuffĂ€llig, es ist keine ausufernde oder fordernde LektĂŒre, auch kein reines Pamphlet pro und contra der umstrittenen Fuchsjagd, welches aus Groß-Britannien zu erwarten wĂ€re. Adele Brands Position dazu ergibt sich praktisch schon mit den ersten Zeilen.

Eine Spur sachlicher als Sy Montgomery (Rendezvous mit einem Oktopus) in ihrem ebenfalls hervorragenden Werken, ist Adele Brand ein hervorragendes PlĂ€doyer fĂŒr das letzte StĂŒck Wildnis gelungen, welches Bestandteil auch vieler unserer Leben geworden ist. Wer nach der LektĂŒre einen Rotfuchs beobachtet, wird diesen mit einem noch wertschĂ€tzenderen Blick begegnen, als zuvor so schon.

Und, wie macht nun eigentlich der Fuchs? LeserInnen werden das herausfinden.

WeiterfĂŒhrende Informationen:

Blog und Facebook der Autorin

Youtube-Channel der Autorin: hier klicken

Autorin:

Adele Brand ist Ökologin und hat schon als Kind in ihren TagebĂŒchern ĂŒber FĂŒchse geschrieben, die die Passion ihres Lebens wurden. Sie hat FĂŒchse auf vier Kontinenten studiert, Forschungsprojekte in fĂŒnf verschiedenen LĂ€ndern geleitet, verwaiste Fuchswelpen aufgezogen und verletzte FĂŒchse gepflegt. Bei all dem setzt sie sich leidenschaftlich dafĂŒr ein, die Verbindung der Menschen mit der Tierwelt zu stĂ€rken. (Autorenangabe Verlag)

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