Tom Chesshyre: Slow Train
Inhalt:
Die Freiheit auf Schienen genieĂen – dafĂŒr begibt sich Tom Chesshyre auf eine abenteuerliche Zugreise quer durch Europa, von London ĂŒber die Ukraine bis nach Venedig. Das eigenetliche Reiseziel, Europa und seine Bewohner kennenlernen.
Tom Chesshyre reist ohne genauen Plan, eben dorthin, wohin die Schienen fĂŒhren, und freundet sich unterwegs mit seinen Mitreisenden an – und natĂŒrlich mit dem ein oder anderen Schaffner. Ein persönlicher Reisebericht, der zeigt, was Europa zusammenhĂ€lt. Und eine leidenschaftliche Einladung, sich mit dem nĂ€chsten Zug selbst auf den Weg zu machen. (Klappentext)
Rezension:
Als GroĂ-Britannien sich dafĂŒr entscheidet, die EuropĂ€ische Union zu verlassen, besteigt der Reiseschriftsteller Tom Chesshyre einen Zug und begibt sich auf die Suche nach eben dem, wovon sich so viele seiner Landsleute entfernt zu haben scheinen. Was ist das, dieses Europa? Welche Bedeutung hat der Begriff, der fĂŒr die Einen Hoffungsschimmer und Sehnsuchtsort, fĂŒr die anderen ProjektionsflĂ€che allen Ăbels darstellt?
Was können wir heute noch von diesem Zusammenhalt fĂŒr uns mitnehmen, der zunehmend zu bröckeln beginnt. Mit einem Interrailticket durchquert der Autor den Kontinent, von West nach Ost, Endstation Venedig.
Reiseberichte sind Momentaufnahmen bestimmter ZustĂ€nde und zumeist sehr subjektiv. Da nimmt sich dieser von Tom Chesdshyre nicht aus, dessen Liebe zu ZĂŒgen bereits auf den ersten Seiten auffĂ€llt. Der Leser begleitet den Autor von Station zu Station, die Kapiteleinteilung folgt der Reiseroute. EindrĂŒcklich sind die Schilderungen von Begegnungen im Zug, kurzen Momenten der Beobachtung an den Bahnsteigen. Passieren tut nicht viel.
Tom Chesshyre lĂ€sst sich treiben und ĂŒberraschen, ob von belgischen Schaffnern oder im Museum der zerbrochenen Beziehungen, irgendwo im ehemaligen Jugoslawien. Das macht nichts. Interessant sind ohnehin die Gedanken des Briten, die mit zunehmender Entfernung von zu Hause immer mehr zum dortigen politischen Geschehen schweifen. Werden in einem Europa, in dem sich die Staaten immer mehr von einander entfernen, Reisen wie diese noch möglich sein?
Am Rande der Bahnsteige, Bahnhöfe, zeigen sich fĂŒr Autor und LeserInnen, wie Europa heute noch wirkt und was das fĂŒr die Menschen bedeuten kann, etwa im gebeutelten Kosovo oder in der von den jĂŒngsten Auseinandersetzungen mit Russland geplagten Ukraine.
Sachlich, doch immer auch mit viel Emotionen verbunden, beschreibt Chesshyre was er sieht ohne ins Kitschige abzugleiten. Nur manchmal ist das Technische, die Eisenbahnliebhaberei dann doch etwas zu viel des Guten. Fans des Rollwerks auf Schienen kommen jedoch auf ihre Kosten. Liebhaber von Reiseberichten, ohnehin.
Ein PlĂ€doyer fĂŒr Europa, ob nun innerhalb eines politischen Gebildes, so doch als Gemeinschaft, in der ein jeder sein eigenes Leben lebt und doch auf den jeweils Anderen einwirkt. Die Eisenbahn verbindet heute noch ganze LĂ€nder und Regionen, funktioniert auch dort zuweilen, wo Politik gerade auseinander triftet.
Auf persönlicher Ebene scheint noch zu klappen, was offiziell immer schwieriger wird. Tom Chesshyre beobachtet, saugt auf und spricht mit den Menschen, hört zu. Das Reisen auf Schienen macht neugierig, verbindet, verÀndert Blickwinkel. Einen hauch davon kann man aus diesem Bericht mitnehmen. Damit ist dann schon ein Anfang gemacht.
Autor:
Tom Chesshyre wurde 1971 geboren und ist ein britischer Reiseschriftsteller. FĂŒr verschiedene Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichte er mehrere Reportagen, u.a. bei The Times. Auch fĂŒr National Geographic war er bereits tĂ€tig. Ăber das Zugreisen schrieb er bereits mehrere Reiseberichte. Chesshyre lebt in London.
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