Gesellschaft

Eyal Megged: Oschralien

Oschralien Book Cover
Oschralien Eyal Megged Berlin Verlag Erschienen am: 02.05.2018 Seiten: 378 ISBN: 978-3-8270-1349-1 Übersetzerin: Ruth Achlama

Inhalt:

Hillel hat kaum eine Beziehung zu seinem Sohn Roy. Nach dem Scheitern seiner Ehe strĂ€ubte er sich von Anfang an gegen diese Vaterschaft, gegen die Möglichkeit einer neuen Familie. Seine Reise nach Australien zu Roy und dessen Mutter könnte eine zweite Chance sein – aber wer sagt, dass Hillel die will…? (Klappentext)

Rezension:
Es liegt nicht am Autoren, an der Übersetzung, an der Geschichte selbst, es liegt an mir. Ich hoffe mal, es ist so, anders kann ich mir den Effekt nicht erklĂ€ren, den dieser Roman auf mich hatte. Dabei ist die Grundidee an sich nicht schlecht.

Ein orientierungsloser und beruflich nicht gerade erfolgreicher Mann wird vom anderen Ende des Globus‘ aus angerufen und aufgefordert, seinen Erziehungspflichten dem gegenĂŒber nachzukommen, den er in einem unbedachten berauschenden Moment gezeugt hat.

Doch, der Sohn will seinen nun auftauchenden Vater nicht und zeigt es ihm mit allen Mitteln, die dem Rotzbengel zur VerfĂŒgung stehen. Mutter und Vater sind machtlos gegen den kleinen Vulkan, der stĂ€ndig explodiert und kommen sich nĂ€her, unfĂ€hig jedoch, auf lange Sicht eine Beziehung aufzubauen.

Das ist ein Stoff fĂŒr große und ausschweifende Romane, aber in jedem Falle nicht der von Eyal Megged. Lange nicht mehr habe ich solch einen zusammengewĂŒrfelten Mist mir angetan.

Wie gesagt, an der Idee liegt’s nicht, eher an der AusfĂŒhrung. In feinster Sprache befindet sich der Leser gleichsam in einer Art philosophischer Vorlesung ĂŒber das Wohl und Wehe, dem Zusammenhalt und Auseinadertriften von Menschen und ihrer Beziehungen.

Das Studium jedenfalls, merkt man dem Autoren an, da das darin zusammengeklaubte Wissen, aus jeder niedergeschriebenen Zeile trieft. Das ist fĂŒr jeden Leser einfach nur ermĂŒdend und langweilig, jedenfalls nicht zielfĂŒhrend, wenn er oder sie mit Philosophie nichts anfangen kann oder sich einfach nur mit der LektĂŒre fallen lassen möchte. Ein hilfloses Unterfangen, zumindest hier.

Und wenn man der schwĂŒlstigen Sprache nichts abgewinnen kann, der Handlung und was der Autor daraus macht, ebenso wenig, einzig die Idee bleibt, ist nicht mehr viel, was ĂŒbrig bleibt.

TatsĂ€chlich haben sich an der Grundidee schon unzĂ€hlige Autoren versucht und es ist ihnen fast allen besser gelungen, als Megged, von dem ich hoffe, dass seine Geschichte im Original eine völlig andere Wirkung hat, wobei das ja ein schlechtes Zeichen fĂŒr die Übersetzerin wĂ€re. Wenn sich das ungefĂ€hr gleicht, ist es fĂŒr beide kein Ruhmesblatt. „Oschralien“ ist die transportierte Langeweile schlecht hin und ein gutes Schlafmittel.

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Autor:
Eyal Megged wurde 1948 in New York geboren und ist ein israelischer Schriftsteller, Kolumnist und Journalist. Er wuchs in Tel Aviv auf, wo er Philosophie und Kunstgeschichte studierte. Der Autor arbeitete zunnĂ€chst als Redakteur fĂŒr einen Hörfunksender und schreibt als Jornalist fĂŒr israelische Tageszeitungen ĂŒber Literatur, Kultur und Sport.

1993 wurde er mit dem Macmillan Prize ausgezeichnet. Mehrere seiner Werke wurden ins Deutsche, sowie ins Englische ĂŒbersetzt. Mit seiner Familie lebt er in Tel Aviv.

Nebenbemerkung:
Es mĂŒsste jetzt vielleicht jemand die Geschichte lesen und daran Gefallen finden. Ich möchte wirklich wissen, ob es Menschen gibt, die den Zugang bekommen, den ich nicht gefunden habe.

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Andre Francois-Poncet: Botschafter in Berlin 1931-1938 (1)

Botschafter in Berlin 1931-1938 Book Cover
Botschafter in Berlin 1931-1938 Andre Francois-Poncet
Buchserie: Teil 1
Europaverlag Erschienen am: 21.09.2018 (Neuauflage) Hardcover ISBN: 978-3-95890-224-4

Inhalt:

Andre Francois-Poncet war seinerzeit der dienstĂ€lteste und erfahrenste Diplomat und Botschafter im Deutschen Reich, der den Aufstieg der Nazis in Berlin beobachtete und fĂŒr sein Land analysierte.

Von 1931 an schrieb er regelmĂ€ĂŸig Telegramme und schickte Berichte an das französische Außenministerium, konferierte mit Nazi-GrĂ¶ĂŸen und stellt im ersten Teil seiner Erinnerungen dar, wie Rechtstaatlichkeit und Demokratie unterwandert und ausgehölt wurden, wie der politische Quereinsteiger Hitler zum mĂ€chtigsten Mann werden sollte, der Europa und die Welt in den Abgrund stĂŒrzte.

Von der Machtergreifung bis zum letzten AufbĂ€umen des Friedens, der Konferenz von MĂŒnchen, skizziert Francois-Poncet die deutsche Politik der 1930er Jahre. ihre Wirkung im Inneren und auf das Ausland. (eigene Inhaltsangabe)

BĂŒcher der Reihe:

Andre Francois-Poncet: Botschafter in Berlin 1931-1938 (1)

Andre Francois-Poncet: Von Versailles bis Potsdam (2)

Andre Francois-Poncet: Tagebuch eines Gefangenen (3)

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Rezension:
Von vielen Seiten ist sie bereits beschrieben worden und wird auch immer noch beleuchtet werden, die deutsche Geschichte in wundersamen aber grausamen Zeiten.

Grausam, weil nur wenige Zeitgenossen ernstnahmen, was ihre SchlĂ€chter laut verkĂŒndeten, einige hießen die Vorhaben sogar gut, wundersam, weil sich nicht wenige die Augen rieben ob der neuen Töne, die im Regierungsviertel Berlins der 1930er Jahre herrschten. Dies nun sind die neu aufgelegten Erinnerungen des wohl erfahrensten Diplomaten jener Zeit, des französischen Botschafters Andre Fracois-Poncet 1931-1938.

Neu verlegt im Europaverlag öffnen sich dem Leser die TĂŒren des diplomatischen Parketts und er erfĂ€hrt, welche HĂŒrden die Politik des Auslands im Umgang mit den neuen Machthabern des Deutschen Reiches zu nehmen hatten, woran sie schließlich scheitern sollten.

Zwei Jahre nach Kriegsende in Frankreich erstmals erschienen, ein wenig spĂ€ter auch dort, was von Deutschland ĂŒbrig geblieben war, erzĂ€hlt Francois-Poncet, wie er erstaunt die Erosion der Rechtstaatlichkeit und demokratie zur Kenntnis nehmen musste und welche Schwierigkeiten sich ergaben, erkannten die neuen Machthaber gĂŒltige VertrĂ€ge nur scheinbar an, nutzten HintertĂŒrchen und spielten mit falschen Karten, um In- und Ausland immer wieder vor vollendete Tatsachen zu stellen, die in den Abgrund fĂŒhren sollten.

Detailliert schildert der ehemalige Botschafter Begegnungen mit Nazi-grĂ¶ĂŸen von Göring bis Hitler, beschreibt die brodelnde Stimmung auf den Straßen Berlins und die VorgĂ€nge des Notenaustausches zwischen den Alliierten des Ersten Weltkrieges, die nicht an einem Strang zogen und somit die Tore öffneten, fĂŒr das politsche Va banque Spiel, welches die Nazis auszureizen wussten.

Pointiert beschreibt der Autor die Entmachtung der Weimarer Demokratie, die VorgÀnge zur Machtsicherung um den Röhm-Putsch und schildert, welch politische Hektik dem Austritt deutschlands aus den Völkerbund oder dem Ende von Locarno voraus gingen.

Bishin zum letzten AufbĂ€umen, der MĂŒnchener Konferenz, gelingt so ein Blick hinter die Kulissen und abseits des Geschichtsunterricht bekommt der Leser ein GefĂŒhl dafĂŒr, wie aufwendig und fragil es war, mit den Nazis Politik zu machen, die dann doch nicht halten sollte.

Im Gegensatz zu seinen privaten Erinnerungen „Tagebuch eines Gefangenen“, die spĂ€ter veröffentlicht wurden, ist hier der Ton lt. des Herausgebers Thomas Gayda sehr diplomatisch gehalten, eben so, wie Francois-Poncet die Mehrheit der Deutschen, deren Kultur er schĂ€tzte, verstand.

Um so grĂ¶ĂŸer wirkt die ErschĂŒtterung, die der Autor durchblicken lĂ€sst, resultierend aus unerhörten Ereignissen in unerhörten Tagen. Dem kann man sich als Leser kaum entziehen. Die Sogwirkung solcher Zeitzeugenberichte ist einfach zu groß und gerade darin liegt der Wert des Berichts, zumal hier eben mal eine ganz andere Draufsicht, die französische, als die bekanntere Sicht deutscher Zeitzeugen oder die amerikanischer und britischer Historiker, zum Tragen kommt.

Das funktioniert auch heute noch. Ja, vielleicht sogar besonders gut, wo sich wieder eine Partei in Deutschland anschickt, demokratische und rechtstaatliche Werte auszuhöhlen.

Francois-Poncet hĂ€tte die Parallelen mit Sicherheit gesehen und davor gewarnt und so ist „Botschafter in Berlin 1931-1938“ ein hoch politisches und aktuelles Dokument, welches ernstgenommen werden muss. Zu viel steht auf den Spiel.

Ein gut lesbarer und erschĂŒtternder Bericht, ĂŒber das, was damals niemand wahrhaben wollte, auch im benachbarten Ausland nicht und eine Analyse dessen, wie schnell die demokratischen Fundamente von Weimar unter den willfĂ€hrigen HĂ€nden der Nazis und ihrer Gönner zerbröselten, die spĂ€ter die Deutschen mitsamt ihrer neuen FĂŒhrungsriege in den Abgrund stĂŒrzen sollten.

Der Diplomat Andre Francois-Poncet, der spĂ€ter wieder an die Deutschen glauben und einer der ersten befĂŒrworter einer VerstĂ€ndigung nach dem Krieg gewesen ist, beschreibt klar die internen und von außen sichtbaren VorgĂ€nge und setzte sich ein Denk- und den Deutschen ein Mahnmal.

Es bleibt diesen ĂŒberlassen, es heute wieder anzunehmen. Europas und Deutschlands Frieden wĂ€re es zu wĂŒnschen.

Autor:
Andre Francois-Poncet wurde 1887 in Frankreich geboren und war Germanist, Politiker und Diplomat, französischer Botschafter in Berlin und spÀter in Rom. Nach dem Krieg begleitete er den Posten des französischen Hohen Kommissars in Deutschland von 1949-1955.

Er wurde 1943 von den Deutschen verhaftet. Nach der Befreiung begleitete er verschiedene diplomatische Posten und fungierte als PrÀsident des Französischen Roten Kreuzes 1955-1967, ab 1960 als PrÀsident des Rats der EuropÀischen Bewegung. Er starb 1978 in Paris.

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D.B. John: Stern des Nordens

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Stern des Nordens Autor: D.B. John Rezensionsexemplar/Thriller Rowohlt/Wunderlich Taschenbuch Seiten: 541 ISBN: 978-3-8052-0032-5

Inhalt:
Nordkorea, 2010. Niemand kennt das verbotene Land so gut wie sie.
Die CIA erwĂ€hlt sie fĂŒr eine tödliche Mission. Doch Jenna Williams hat noch ein anderes Ziel: Sie muss ihre Zwillingsschwester finden.
Und sich selbst retten. (Klappentext)

Rezension:
Die meisten Thriller funktionieren nach Schemen, die sich bewĂ€hrt haben, fĂŒr gute und vor allem spannende Unterhaltung sorgen und daher immer wieder bemĂŒht werden. Das beginnt schon bei den Handlungsorten, die sich fast gĂ€nzlich in Skandinavien, Amerika, in einer europĂ€ischen Großstadt oder, noch schlimmer, in der lĂ€ndlichen Provinz befinden und so ist es wohltuend, wenn das eine oder andere Werk dann doch mal davon abweichen.

Der „Stern des Nordens“ von D.B. John ist ein solches, welches gleich drei Handlungsorte und -strĂ€nge aufweist und damit von Anfang an eine Dynamik mit sich bringt, die die gesamte Lesezeit ĂŒber anhalten wird. Zum einen haben wir zwar den in Amerika beginnenden Handlungsstrang um die Professorin Jenna Williams, die mit den Familienschicksal der verschwundenen Schwester hadert und spĂ€ter von der CIA fĂŒr eine heikle Mission ausgewĂ€hlt wird, aber wir haben eben auch zwei andere ErzĂ€hlstrĂ€nge, die in Nordkoreas Gefilden spielen.

Da gibt es den der nordkoreanischen Landbewohnerin, die sich und ihren Mann mehr schlecht als recht durchs Leben bringt, stĂ€ndig bedroht durch Hunger oder den GĂ€ngeleien der örtlichen staatlichen KrĂ€fte und den anderen, in dem ein nordkoreanischer Diplomat genau so schnell aufsteigt, wie er spĂ€ter fallen wird. Heraus kommt dabei eine ErzĂ€hlung, die an Spannung und Grusel kaum zu ĂŒberbieten ist. Ein Politthriller, der sich von der auf den BĂŒchertischen verfĂŒgbaren Masse abhebt.

Das Unbekannte ist es, was reizt und so sind die zwei letztgenannten HandlungsstrĂ€nge der Trumpf D.B. Johns, mit dessen Ausarbeitung der Autor in diesem Werk glĂ€nzt. Recherchearbeit und Hintergrundwissen merkt man ihm an. TatsĂ€chlich hat der Schriftsteller selbst schon Nordkorea bereist. Anders kann man auch wohl kaum so authentisch Landschaft und das GefĂŒhl beschreiben, welches einem schon als Außenstehenden umgeben muss.

Wie mag es dann erst fĂŒr die Bewohner Nordkoreas selbst sein, die sich tĂ€glich mit den AbsurditĂ€ten und Differenzen auseinandersetzen mĂŒssen, die ihr Leben bestimmen? FĂŒr den Leser jedenfalls ergibt sich alleine daraus ein spannender Nervenkitzel, der es in sich hat. Abweichungen, die sich zur RealitĂ€t ergeben, klĂ€rt der Autor in den hintenan gestellten Anmerkungen auf und sorgt fĂŒr den nötigen Hintergrund bei seiner Leserschaft, auch das ein großes Plus. Wenn das nur alle Schreiberlinge machen wĂŒrden.

Nicht ganz so ĂŒberzeugend ist der erste Handlungsstrang, was aber zumindest am Anfang an den fehlenden Spannungsmomenten liegt, die ZusammenfĂŒhrung ist auch nicht perfekt, was widerum jedoch Jammern auf hohem Niveau ist. Ansonsten liegt hier ein Werk vor, von jemanden, der schreiben kann, gut lektoriert und vorher recherchiert wurde, um die nötigen HintergrĂŒnde auch glaubwĂŒrdig einzuflechten. Das gelang D.B. John in „Stern des Nordens“ sehr gut und so ergibt sich ein Thriller, der sich wirklich von anderen Werken abhebt.

Die Protagonisten sind scharfkantig und entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter. Nebencharaktere tragen zu Spannungsmomenten und der Dynamik des Werkes bei. Örtliche Beschreibungen gehen teilweise so unter die Haut, dass man glauben möchte, der Autor hĂ€tte all das tatsĂ€chlich gesehen, was man sich bei einigen Kapiteln jedoch fĂŒr Niemanden wĂŒnschen mag.

Hier wird vieles zusammengefĂŒhrt. Die Sicht von Außen, aus dem Inneren dieses kuriosem Staates, politische Einflechtungen und eine darauf basierende Thrillebene, die nicht loslĂ€sst. Die Faszination des Bösen, komprimiert zwischen zwei Buchdeckeln. Den „Stern des Nordens“ wird man sich kaum entziehen können.

Autor:
D.B. John studierte zunĂ€chst Jura, verlegte sich jedoch in das Publizieren von BĂŒchern und Editieren von Kinderliteratur. 2009 zog der in Wales geborene Schriftsteller nach Berlin und schrieb seinen ersten Roman. Zuvor hat John lange in SĂŒdkorea gelebt, eine Reise in den Norden inspirierte ihn schließlich zu diesen Roman.

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Tracy Chevalier: Der Neue

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Der Neue Tracy Chevalier Knaus Erschienen am: 16.04.2018 Seiten: 192 ISBN: 978-3-8135-0671-6 Übersetzerin: Sabine Schwenk

Inhalt:

Osei, der afrikanische Diplomatensohn, will vor allem eines: nicht auffallen. An seiner neuen Schule provoziert er jedoch allein durch seine Anwesenheit SchĂŒler und Lehrer. Es ist das Amerika der 1970er Jahre. Gemischte Klassen sind selten, Rassismus ist an der Tagesordnung. Als sich Osei mit der beliebten Dee anfreundet, sieht der Pausenhof-Tyrann Ian rot. geschickt spinnt Ian ein Netz aus LĂŒge und Verrat, in dem am Ende SchĂŒler und Lehrer gleichermaßen gefangen sind. (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:
Wie aktuell sind eigentlich noch die Werke und StĂŒcke des großen Wiliam Shakespeare? Praktisch weltweit werden diese verfilmt oder fĂŒr TheaterbĂŒhnen adaptiert, wunderbar ist auch diese Modernisierung von „Othello“ gelungen, eines der Meisterleistungen, mit denen sich der KĂŒnstler ein Denkmal von Weltrum setzte.

Tracy Chevalier versetzt das StĂŒck in’s 20. Jahrhundert, mitten hinein in die USA. Rassismus in Amerika ist noch viel weiter verbreitet als heute, wo immer noch auf MissstĂ€nde aufmerksam gemacht werden muss.

Das Land schmĂŒckt sich mit den Erfolgen schwarzer Sportler, im Alltag aber begegnet man einander mit Misstrauen und Argwohn. In dieser Situation befindet sich der 12-jĂ€hrige Osei, der als afrikanischer Diplomatensohn auf eine neue Schule kommt und schon aufgrund seiner Hautfarbe zum Außenseiter wird.

Nur Dee, eines der beliebtesten MĂ€dchen der Klassenstufe, nimmt sich seiner an, doch ahnen die beiden nicht, dass dies der Beginn einer Katastrophe sein wird. Ausgelöst vom Schulhof-Tyrann Ian entspinnt sich ein Netz aus LĂŒgen um den Neuen und umfasst bald die gesamte Schule. Wird Osei sich daraus befreien können?

Ein Roman, wie ein Schrei, der erst leise daherkommt und dann immer lauter und drÀngender wird. So in etwa könnte man die Struktur der Geschichte beschreiben, in der es viele Grautöne zwischen zwei Antipoden gibt. Gut und Böse. Licht und Schatten.

Dieses Szenario auf die Figuren eines Schulhofes abspielen zu lassen und dabei die Strukturen und die Hackordnung im Klassenzimmer darzustellen, ist die große StĂ€rke der Autorin, die feinsinnig FĂ€den und HandlungsverlĂ€ufe miteinander verknĂŒpft und dem großen Knall einige SchĂŒber versetzt, um ein aufrĂŒttelndes und nachdenkliches Ende herbeizufĂŒhren.

Wir alle kennen diese MitschĂŒler, den Tyrannen, der den MitschĂŒlern das Pausenbrot oder Geld abgeknöpft hat, den Sonnyboy, den alle mochten und der alle ebenso leiden konnte, das beliebte MĂ€dchen, die Tusse, den Außenseiter. „Der Neue“ ist eine Sammlung dessen und was passieren kann, fĂ€llt ein Dominostein um, der eine Kettenreaktion in Gange setzt.

Es ist ein Roman fĂŒr Erwachsene, kann aber ohne EinschrĂ€nkung auch jĂŒngeren Lesern gegeben werden. Besonders wertvolle LektĂŒre in unserer Zeit, wo es viele Oseis gibt, die heute wieder um ihren Weg kĂ€mpfen mĂŒssen. FĂŒr mich eines der wichtigen BĂŒcher des Jahres.

Autorin:
Tracy Chevalier wurde 1962 geboren und ist eine US-amerikanische Schriftstellerin und erwarb nach dem College den Abschluss Bachelor of Arts in Englisch. Im Jahr 1984 zog sie nach London, arbeitete als Lektorin und absolvierte einen Kurs im Kreativen Schreiben.

1999 erschien ihr Roman „Das MĂ€dchen mit den Perlohrring“, welcher zu einem Weltbestseller avancierte. Sie ist Mitglied der Royal Society of Literature, arbeitet als Jurorin und kuratiert Ausstellungen. Mit ihrer Familie lebt sie in London.

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Tara Westover: Befreit

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Befreit Rezensionsexemplar/Sachbuch Kiepenheuer & Witsch Hardcover Seiten: 444 ISBN: 978-3-462-05012-7

Inhalt:

Tara Westover ist 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal eine Schulklasse betritt. Zehn Jahre spĂ€ter kann sie eine beeindruckende akademische Laufbahn vorweisen. Aufgewachsen im lĂ€ndlichen Amerika, befreit sie sich aus einer Ă€rmlichen, archaischen und von Paranoia und Gewalt geprĂ€gten Welt – durch Bildung, durch Aneignung von Wissen, das ihr so lange vorenthalten worden war. (Klappentext)

Rezension:

FĂŒr diese Rezension habe ich mir zum ersten Mal des Effektes Willen ĂŒberlegt, die Kurzbiografie einer Autorin wegzulassen. Vorab sich nĂ€mlich nicht ĂŒber Tara Westover informieren zu können, macht die von ihr erzĂ€hlte Geschichte noch brisanter, noch mĂ€chtiger und noch unglaublicher.

Tara Westover wĂ€chst als Kind in einer, von ihrem vater bestimmten Familie auf, die sich komplett von der Außenwelt abgrenzt. Hier geht es nicht nur um die GegenĂŒberstellung zweier parteipolitischer Ansichten, die heutzutage das medienbild der USA prĂ€gen, hier geht es um alles oder nichts.

Eine rechtschaffende, glÀubige, Gott zugewandte Familie gegen den Rest der Welt. So sieht das zumindest Taras Vater, der sogar die strengen Vorschriften der Mormonen noch wörtlicher als die meisten GlÀubigen nimmt und damit seinen Kindern alle Chancen nimmt.

Diese werden von den staatlichen Schulen genommen, mĂŒssen im Familienbetrieb arbeiten, selbst schwerste Verletzungen werden nicht im Krankenhaus behandelt, sondern auf dem heimischen Sofa, unter Zuhilfenahme pseudoĂ€therischer Öle und natĂŒrlich Gebeten. Unter diesen Bedingungen wĂ€chst die immer grĂ¶ĂŸer werdende Kinderschar auf.

Je Àlter sie werden, um so mehr sehen Tara und, leider nicht alle, ihre Geschwister eine Zukunft, die ihnen verwehrt werden wird, wenn sie nicht ausbrechen. Zwei ihrer Àlteren Geschwister und sie selbst nehmen diesen Kampf jedoch auf und stellen sich damit gegen Glaube, Familie und vor allem ihrem Vater.

Wie weit muss man gehen, um den Kampf um Selbstbestimmung, Entwicklung und frieheit zu gewinnen? Manche offenbar sehr weit, wenn man Tara Westovers beeindruckende Bildungsbiografie liest.

Als Leser wird man kaum aus den Erstaunen herauskommen, welches Leid die Autorin unter der Tyrannei ihres Vaters zu erdulden hatte, dessen bipolare Störung zur Zerreißprobe fĂŒr den gesamten Clan geworden ist, dessen beim Streit aufgeplatzte Wunden bis heute nicht verheilt sind.

Nach der LektĂŒre wird man den Faktor Bildung einen grĂ¶ĂŸeren Wert als bisher bemessen, innerlich die Autorin an manch beschriebenen Ereignissen in den Arm nehmen, dann wieder mit den Kopf gegen die Wand des Naheliegenden stoßen wollen.

Eindrucksvoll beschreibt Westover die ihr gestellten HĂŒrden, die sie ohne Hilfe liebenswerter Menschen nicht hĂ€tte ĂŒberwinden können. TrĂ€nen, Traurigkeit, GlĂŒcksgefĂŒhle, Wut. All das wechselt so schnell nacheinander, dass man innehalten muss, um zu Atem zu kommen.

Tara Westover beschreibt ihren Weg in EigenstĂ€ndigkeit und SelbstwertgefĂŒhl, welcher steiniger nicht hĂ€tte sein können. Was muss es nur fĂŒr eine Überwindung und Kraft gekostet haben, diese Zeilen zu Papier zu bringen?

Der Lehrer rief mich auf, und ich las den Satz vor. Als ich an das Wort kam, hielt ich inne. „Dieses Wort kenne ich nicht“, sagte ich. „Was bedeutet es?“

Tara Westover: „Befreit“

An manchen Stellen möchte man brechen. FĂŒr mich gehören Eltern, die krank oder nicht, so die Sicherheit ihrer Kinder gefĂ€hrden wie Westovers dies getan haben, die ihre Kinder jede reelle Chance auf Bildung und damit Freiheit genommen haben, in Gewahrsam.

Um so grĂ¶ĂŸer die Bewunderung fĂŒr Tara Westover, die dennoch einen Funken Liebe noch in sich bewahrt hat, fĂŒr die zeit, in der ihre Eltwern und sie vielleicht eines Tages aufeinander zugehen können. Diese Biografie ist ein Mahnmal fĂŒr das, was ZwĂ€nge anrichten und was Bildung bewirken kann. Grenzen zu ĂŒberschreiten, benötigt Zeit.

Manchen macht die Geschichte Tara Westovers hoffentlich Mut genug, ihren eigenen Weg zu gehen. Wenn das dieses Buch schafft, wÀre viel gewonnen.

Autorin:

Tara Westover wurde 1986 in Idaho, USA, geboren und lebt heute in Großbritannien. 2008 erwarb sie den Bachelor of Arts an der Bringham Young University, am Trinity College in Cambridge erhielt sie 2009 ihren Abschluss als Master of Philosophy und promovierte 2014, nach einem Abstecher in Havard in Geschichte. „Befreit“ ist ihr erstes Buch.

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Behnam T. Said: Geschichte al-Qaidas

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Geschichte al-Qaidas Behnam T. Said C.H. Beck Erschienen am: 28.08.2018 Seiten: 239 ISBN: 978-3-406-72585-2

Inhalt:

Die Terrororganisation al-Qaida scheint seit der Abspaltung des „Islamischen Staats“ der Vergangenheit anzugehören, doch in Wahrheit fĂŒhrt sie von SĂŒdasien ĂŒber Nordafrika bis nach Europa einen Krieg an vielen Fronten.

Behnam T. Said erzĂ€hlt anhand neu erschlosssener Dokumente erstmals die ganze Geschichte des geheimen Netzwerks, das seit dem Niedergang des IS zum Auffangbecken fĂŒr Tausende Dschihadisten geworden ist und an vielen Orten den Krieg schĂŒrt. (Klappentext)

Rezension:
Es gibt wohl kaum ein Thema, welches mit so vielen Emotionen belastet ist, wie Terrorismus und die Auswirkungen, die AnschlĂ€ge im Namen des Terrors haben. Nicht wenige gehen davon auf das Konto gut vernetzter Organisationen, wie etwa den „Islamischen Staat“ oder al-Qaida, die den grĂ¶ĂŸten aller AnschlĂ€ge am 11. September 2001 durchfĂŒhren ließen.

Mit Folgen, die in der gesamten Welt noch heute zu spĂŒren sind. Doch, die Geschichte al-Qaidas ist lang. Der Islamwissenschafter Behnam T. Said erzĂ€hlt sie anhand von neu veröffentlichten Dokumenten, die die USA bei der Tötung Bin Ladens sicherstellen konnten und nun freigegeben haben.

Dicht und gut recherchiertes Überblickswissen, nicht immer einfach zu lesen, detailliert genug, um mehr als das in den Nachrichtenportalen befindliche Material bewerten zu können, aber auch nicht zu hoch gegriffen, so dass man als Laie den AusfĂŒhrungen folgen kann.

Dies bietet die „Geschichte al-Qaidas“, mit Hilfe der der Autor dem Leser nahebringen möchte, wie sich al-Qaida entwickeln konnte, welche Personen mit welchen HintergrĂŒnden entscheidende Strippenzieher waren und sind, und vor allem warum. Said beschreibt minutiös, welche Ziele MĂ€nner wie al-Zawahiri und Bin Laden verfolgten und welche Strömungen innerhalb der Organisation, diese so wandlungsfĂ€hig und gefĂ€hrlich machen.

Eine ĂŒbersichtliche Gliederung beleuchtet zunĂ€chst Personenbiografien, bevor es dann zu den AnfĂ€ngen und Stationen der Wegbereiter des Terrorismus‘ ĂŒbergeht, gefolgt von den AnschlĂ€gen des 11. September und seiner Folgen. FĂŒr die einzelnen betroffenen LĂ€nder, wie auch den arabischen raum und fĂŒr al-Qaida selbst.

Said verfolgt ebenso die jĂŒngere Geschichte des „Islamischen Staats“ und wagt einen Ausblick auf die Zukunft der Terrororganisation, beschreibt zugleich, warum diese immer wieder Menschen fĂŒr ihre ideologien zu vereinnamen vermag.

Sehr dichte, alte und neue Quellen, ergeben so ein Gesamtbild, welches eines der ersten sein dĂŒrfte, wobei selbst der Autor dieses fĂŒr nicht statisch hĂ€lt. Vielmehr weißt er daraufhin, dass in Zukunft noch mehr Dokumente etwa erschlossen werden könnten, wenn die USA diesen Fundus irgendwann vollstĂ€ndig freigibt.

Bis dahin sind kaum mehr als diese Rundblicke möglich und so könnte Saids Werk bis dahin zum Standard avancieren, fĂŒr alle, die sich ein wenig mehr als mit zweiminĂŒtigen BeitrĂ€gen in Fernseh- und Nachrichtenmagazinen beschĂ€ftigen und vertiefendes Wissen zu diesem schrecklichen Kapitel der jĂŒngeren Geschichte erfahren möchten.

Autor:
Behnam Timo Said wurde 1982 geboren und ist ein deutscher Islamwissenschaftlicher, Buchautor und ehemals nachrichtendienstlicher Analyst. Said studierte in Hamburg islam- und Politikwissenschaft, sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Seit Februar 2018 arbeitet er fĂŒr die Justizbehörde Hamburg. 2014 promovierte er an der UniversitĂ€t Jena. Insbesondere beschĂ€ftigt er sich in den Bereichen Islamismus, Salafismus und Jihadismus, in diesen widerum mit ExtremismusprĂ€vention und Resozialisierung.

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Khaled Hosseini: Am Abend vor dem Meer

Am Abend vor dem Meer Book Cover
Am Abend vor dem Meer Khaled Hosseini/Dan Williams S. Fischer Verlag Erschienen am: 29.08.2018 Seiten: 48 ISBN: 978-3-10-397409-6

Inhalt:

Am 02. September 2015 ertrank Alan Kurdi bei dem Versuch, sich ĂŒber das Mittelmeer nach Europa in Sicherheit zu bringen. Er war drei Jahre alt und stammte aus Syrien. Khaled Hosseini war selbst ein FlĂŒchtlingsjunge, der fern von seinem Heimatland Afghanistan aufwuchs.

Diese Erfahrung von Trennung und Heimweh prĂ€gt die einzigartie emotionale Kraft seiner BĂŒcher und wurde schriftstellerischer Antrieb wie gesellschaftlicher Auftrag: Seit vielen Jahren unterhĂ€lt er eine eigene Stiftung und ist Sonderbotschafter des UNHCR.

Im „Am Abend vor dem Meer“ kommt beides zusammen. Die atmosphĂ€risch dichte ErzĂ€hlung, eindringlich farbig illustriert von Dan Williams, erzĂ€hlt in einem Brief eines Vaters an seinem Sohn vom Abschied von zu Hause und der Gefahr der Überfahrt auf der Flucht. (Verlagstext)

Rezension:
Das Thema „FlĂŒchtlinge“ dominiert seit Jahren die Schlagzeilen in Europa, lĂ€sst die GemĂŒter kochen und spaltet das politische Leben. Viele Politiker sind lĂ€ngst nach rechts gerĂŒckt, demokratische Werte zĂ€hlen nicht mehr viel, Grundwerte wie Menschlichkeit ohnehin nicht. Viel wird diskutiert, ĂŒber die Unterbringung und Versorgung von FlĂŒchtlingen, wer integriert werden darf, wer nicht, und wie das alles aussehen soll.

Die Fluchtursachen geraten immer mehr in den Hintergrund, sind vielerorts schon fast vergessen. Immer noch machen sich daher MÀnner, Frauen und Kinder auf den gefÀhrlichen Weg nach Europa, da ihre Heimat keine Zukunft und kein Leben bieten kann. Nicht wenige sterben bei den Versuch, zu Land oder zu Wasser Hilfe zu erreichen.

So auch der kleine Alan Kurdi, der im Jahr 2015 im Mittelmeer ertrank. Das Bild des kleinen Jungen, dessen lebloser Körper am Strand lag, ging um die Welt, wurde instrumentalisiert. Ihm und den anderen zahlreichen Opfern der Flucht ist dieses Buch gewidmet.

Es ist viel weniger ein Buch als eine kleine Briefnovelle, die es auf so wenigen Seiten gehörig in sich hat. Ein Vater, offenbar schon am Ziel, schreibt einen Brief an seinen kleinen Sohn, der den gefĂ€hrlichen Weg ĂŒber’s Mittelmeer noch vor sich hat.

Er schreibt von der Stadt Homs, wie einst der Vater sie kannte und in welchen Gegensatz sie der Sohn sieht, schreibt von den Gefahren der Überfahrt ĂŒber das Meer und hofft instĂ€ndig, dass der Sohn nicht Opfer von den Gewalten der Mutter Natur werden wird. Das Ende indes bleibt offen.

Dieser eine Brief durchzieht das gesamte Buch, pro Seite immer nur einpaar Zeilen, die wirkungsvoll durch die Zeichnungen Dan Williams‘ unterstrichen werden. Die Aquarelle wirken zuerst fröhlich, weichen nach und nach immer dĂŒster wirkenden Bildern, die alleine schon Eindruck genug machen und dem Leser sehr nahe gehen werden.

Es passiert mir nicht oft, dass ich mich dermaßen emotional beeindrucken lasse, doch hat es bei mir im Inneren etwas ausgelöst und einen Schalter umgelegt. Einige TrĂ€nen sind tatsĂ€chlich geflossen.

Was die tÀglichen Nachrichten betrifft, versuche ich das Geschehen in diesem Teil der Welt und die Auswirkungen hier, die einen Teil der Bevölkerungen gefÀhrlich nahe an den Rand rutschen lÀsst, der 1933 das NS-Regime an die Macht gebracht hatte, nicht an mich heran zu lassen. Es gelingt mir jedoch immer weniger.

Khaled Hosseini und Dan Williams fĂŒhren uns mit wenigen Worten und eindrucksvollen Bildern die Situation vor Augen, der jeder FlĂŒchtling gegenĂŒber steht. Es wird klar, dass sich niemand grundlos auf diese gefĂ€hrliche Reise begibt, dass die, die in unseren gesellschaftlichen Fokus geraten sind, lieber in ihren LĂ€ndern leben wĂŒrden, wenn die Situation es zuließe.

Auch klar wird, dass grundlos nichts passiert und das wir in der Pflicht sind, uns zu kĂŒmmern. Wir dĂŒrfen uns nicht mit Vereinfachungen und Stammtischparolen zufrieden geben, auch nicht mit minutenlangen Berichten in den Nachrichten.

Es muss sich endlich um die Fluchtursachen gekĂŒmmert werden, die LĂ€nder und Staaten, die so viel Elend und Leid bringen, dass zu viele ihr Leben dort als nicht lebenswert betrachten können, lieber die Gefahren der Flucht auf sich nehmen, mĂŒssen wieder ins Blickfeld geraten. Damit nicht noch mehr Erwachsene und vor allem Kinder wie Alan Kurdi sterben.

Mit den Kauf des Buches ist zumindest ein kleiner Schritt getan. Die Leser unterstĂŒtzen damit die Khaled Hosseini Foundation und den UNCHR, das FlĂŒchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, die lebensrettende Nothilfemaßnahmen finanziert, um FlĂŒchtlingen ĂŒberall auf der Welt eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Autor:
Khaled Hosseini wurde 1965 in Kabul, Afghanistan, geboren und ist ein amerikanischer Schriftsteller und Arzt. Sein Vater arbeitete fĂŒr das afghanische Außenministerium von 1970 bis 73 in Teheran, 1976 zog die Familie nach Paris, wo dieser in der afghanischen Botschaft arbeitete.

1976, nach der sowjetischen Invasion, beantragte die Familie politisches Asyl in den USA, welches 1980 gewĂ€hrt wurde. 1984 erlangte Khaled Hosseini seinen High-School-Abschluss, studierte anschließend Biologie und Medizin, worin er 1993 promovierte. Seit 1996 arbeitet er als Internist. Im Jahr 2003 veröffentlichte er seinen ersten Roman, der verfilmt wurde, 2007 und 2013 folgten weitere ErzĂ€hlungen.

Illustrator:
Dan Williams ist KĂŒnstler und Illustrator. Seine Arbeiten erscheinen in zahlreichen Zeitungen, wie etwa „Guardian“ oder Magazinen wie „National Geographic“ und „Wall Street Jounal“. FĂŒr mehrere Verlage illustrierte er bereits Publikationen. Williams‘ Werke wurden mehrfach ausgestellt.

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Christopher Wilson: Guten Morgen, Genosse Elefant

Guten Morgen, Genosse Elefant Book Cover
Guten Morgen, Genosse Elefant Rezensionsexemplar/Roman Kiepenheuer & Witsch Hardcover Seiten: 266 ISBN: 978-3-452-05076-9

Inhalt:

Die lustige, traurige, spannende, lehrreiche, herzzereißende Geschichte des zwölfjĂ€hrigen Juri, Sohn des Zoodirektors, der ein so liebes Gesicht hat, dass ihm jeder ungefragt seine Geheimnisse erzĂ€hlt. Er gerĂ€t ins RĂ€derwerk der Geschichte, als er ein paar Wochen in Stalins Datscha verbringt und sein Vertrauter und Vorkoster erster Klasse wird. (Klappentext)

Rezension:

Juri ist ein wenig langsamer im Denken als andere Kinder seines Alters, aber ansonsten fehlt ihm nichts. Im Gegenteil, wie eine BlechbĂŒche, zwar ein wenig verbeult, seit ihm einmal fast eine Straßenbahn und ein LKW ĂŒberrollt haben, ist er immer noch da und beobachtet die Menschen um sich herum.

Und die betrachten ihn als kleinen harmlosen Idioten, der zwar alles sieht aber den man alles anvertrauen kann, ohne das es gefÀhrlich wird. Wichtig in diesen Zeiten, wo Terror und Angst das Land regieren.

Schon bald kommt Juri mit dessen Zentrum in BerĂŒhrung, als sein Vater und er vom Geheimdienst abgeholt und in ein Haus am Rande Moskaus gebracht werden, um einen Patienten zu behandeln. Nicht die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen, die Zootiere, die sein Vater als VeterinĂ€r sonst immer behandelt, sondern einen anderen großen Elefanten, der so Ă€hnlich aussieht wie der StĂ€hlerne.

Ehe Juri sich versieht, steht er plötzlich im Strudel der Aufmerksamkeit des kranken Mannes, vor dem so viele Angst haben. Den RÀnkespielen um Macht und mögliche Nachfolge kann sich auch der ZwölfjÀhrige nicht entziehen.

Gleichsam „Der Junge auf den Berg“ von John Boyne, nur etwas naiver, erzĂ€hlt der Schriftsteller Christopher Wilson die Geschichte von Macht Angst und wie sie uns vereinnahmen, so wir unter ihren Einfluss stehen, anhand eines kleinen Jungen, der die gesamte Handlung ĂŒber Randfigur bleibt, und zugleich Hauptperson ist.

Randfigur im Sinne der beobachtenden Person, die ihre Umgebung genau wahrnimmt und durch die kindlichen Bemerkungen eher unbewusst das Verhalten der anderen Protagonisten steuert, selbst aber zumindest zu Anfang eher unbeteiligt ist, Hauptperson, da Juri die ErzÀhlposition einnimmt und die Wirkung Stalins auf dessen Umgebung nur um so klarer verdeutlicht werden.

ErzĂ€hltechnisch und sprachlich sehr schön gemacht, ist der zwölfjĂ€hrige Protagonist SympathietrĂ€ger, und, gefĂ€hrlich, auch der rote Diktator in seinen letzten LebenszĂŒgen, wĂ€hrend die anderen Protagonisten klar Gegenpole bilden.

Wenn der Alpha-Wolf schwĂ€chelt, zeigen die Beta ihre ZĂ€hne und so begegnen wir einer reihe von damaligen PolitgrĂ¶ĂŸen, die zwar durch kindliche Spitznamen verklausuliert, aber dennoch zu erraten sind. Genosse Bruhah ist z.B. der Geheimdienstchef und AusfĂŒhrer des stalinschen Terrors Beria, und so geht es nahtlos weiter.

Mit jedem noch dazukommenden Protagonisten verschĂ€rft sich die Lage, erhöht sich die Spannung und das ErzĂ€hltempo, wird der Hauptfigur jedoch klarer, in welcher Gefahrenzone er sich befindet. Der große Knall, er kommt auf leisen, dann immer lauter werdenden Sohlen.

Eine temporeiche ErzĂ€hlung mit kontinuierlichen Spannungsbogen, kindlicher Beobachtungsgabe und einem großen Finale, gebĂŒndelt auf relativ wenigen Seiten. So kompakt und gut erzĂ€hlt, wie man es kaum erwarten wird, und doch steckt hinter den Buchdeckeln ein kleiner großer Roman.

Abstriche gibt es, weil man vielleicht gerne mehr erfahren hÀtte, wie es mit Juri weiterginge, aber das lÀsst sich verschmerzen. Der Autor hat es bewusst vermieden, seine Geschichte totzuschreiben. Auch das gelingt ja nicht jeden. Eine klare Leseempfehlung.

Autor:

Christopher Wilson ist ein britischer Schriftsteller und veröffentlichte zahlreiche Romane und Kurzgeschichten Seine Werke wurden in mehreren Sprachen ĂŒbersetzt und fĂŒr’s Theater adaptiert. Mehrmals wurde er fĂŒr den Booker Prize und den Whitbread Fiction Prize nominiert.

Zuvor studierte er Psychologie unnd lehrte an der Goldsmith UniversitÀt London. Wilson unterrichtet Kreatives Schreiben in GefÀngnissen und lebt in London.

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RĂŒdiger Frank: Nordkorea – Innenansichten eines totalen Staates

Nordkorea - Innenansichten eines totalen Staates Book Cover
Nordkorea – Innenansichten eines totalen Staates RĂŒdiger Frank Pantheon Verlag Seiten: 461 Broschur ISBN: 978-3-570-55293-3

Inhalt:

Nordkorea und seine diktatorischen Machthaber aus der Kim-Familie werden gefĂŒrchtet und verlacht. GefĂŒrchtet, weil das Regime mit Atomkrieg droht und die Bevölkerung im letzten staatssozialistischen System der Erde unterjocht. Verlacht, weil auf westliche Betrachte RĂŒckstĂ€ndigkeit und MassenaufmĂ€rche vor allem kurios wirken. Aber das wird dem Land kaum gerecht.

RĂŒdiger Frank, einer der besten Kenner Nordkoreas, der regelmĂ€ĂŸig dorthin reist, versucht in diesem Buch eine AnnĂ€herung an das abgeschottete Land, aus dem nur wenig verlĂ€ssliche Nachrichten dringen. Aus seiner reichen Erfahrung heraus erklĂ€rt er Geschichte und SelbstverstĂ€ndnis, die Machtstrukturen und die seit einiger Zeit zu beobachtenden Änderungen im Alltag und in den wirtschaftlichen VerhĂ€tlnissen.

Und er wagt einen Ausblick auf die Frage einer möglichen Wiedervereinigung mit SĂŒdkorea. (Klappentext)

Rezension:
Nordkorea ist als kleines Land die große Unbekannte unter den Staaten Asiens. Über kaum ein Land dringt so wenig nach Außen, ĂŒber kaum ein Land gibt es so wenige Informationen und wird so einseitig berichtet, wie dieses auf der koreanischen Halbinsel.

Doch, abseits von Halbwissen und Begrifflichkeiten wie der „Achse des Bösen“, wozu die Vereinigten Staaten das Land zĂ€hlen, „Atomtests“ und „Hungersnöte“, fragt sich der westliche Beobachter, wie es den Land bis heute gelingt, zu existieren, wĂ€hrend andere LĂ€nder mit Ă€hnlichen Staatssystemen zusammenbrachen oder zumindest wirtschaftlich eine 180-Gradwende vollzogen, allen voran Nordkoreas großer Nachbar China.

Wie gelang es dem Regime sich trotz Hungersnöte und technologischen RĂŒckstand zu halten? Wir alle haben die Satellitenbilder im Kopf, die ein dunkles Nordkorea zeigen, umgeben von durch ElektrizitĂ€t hell erleuchteten Nachbarstaaten. Worauf baut der Staat auf? Welche Ideologien stecken dahinter und sind diese wirklich so starr, wie es scheint?

Oder durchlebt der Nachbar SĂŒdkoreas gerade eine Phase des langsamen, aber kontinuierlichen Umbruchs? Wie gestaltet sich die Gesellschaft Nordkoreas ihren Alltag? Gibt es ein Umdenken im Umgang mit den Regime und den Nachbarn?

Weshalb ist die Teilung Koreas und dem zu Folge eine mögliche Wiederveinigung nicht mit der Deutschlands zu vergleichen, auch wenn beide Staaten nach Berlin schauen und die Wiedervereinigung Fernziel fĂŒr beide ist? Und, wo liegen die Fallstricke?

RĂŒdiger Frank, der beide koreanische Staaten vom Äußern und insbesondere vom Inneren her kennt, analysiert Korea und zeichnet das Bild eines Staates, welches mehr interessante Fragen bereithĂ€lt, als dass es Fragen beantwortet.

Zu spannend ist es, zu beobachten, was derzeit in Nordkorea passiert, wenn es sich auch fĂŒr den Beobachter, der jetzt nur die BeitrĂ€ge aus den westlichen Medien kennt, selten so zu erkennen gibt. Man muss schon dorthin reisen und Kontakte in beide koreanische Staaten haben, um analysieren zu können und genau dies tut Frank in diesem Buch.

ZunĂ€chst beschĂ€ftigt sich der Autor mit der Geschichte Koreas, die in die Teilung von Außen heraus fĂŒhrte und folgend mit den ideologischen Überbau, der als erstaunlich wandlungs- und interpretationsfĂ€hig beschrieben wird. Sowohl von der staatlichen Seite als auch von der Bevölkerung selbst. Das politische System wird, soweit möglich, aufgegliedert und die wackelige Wirtschaft analysiert.

Der Autor beschreibt den Wandel Nordkoreas anhand von Reformversuchen des Regimes, zeigt, was funktioniert und was trotz Scheitern, etwa der Remormen 2002, trotzdem zurĂŒckbleibt und eines Tages helfen könnte, zu einem völligen Wandel beizutragen. Mit oder ohne den derzeitigen Machthabern.

RĂŒdiger Frank geht noch einen Schritt weiter und schildert die Rolle der Sonderwirtschaftszonen und die Rolle des derzeitigen Machthabers Kim-Jong-Un im staatlichen System Nordkoreas, sowie, wie Propaganda als Sonderweg zwischen Russland bzw. der ehemaligen Sowjetunion, China und den Erfeind USA funktioniert. Er wagt aber auch zugleich einen Blick in die Glaskugel, bezĂŒglich Varianten einer Wiederveinigung beider koreanischen Staaten.

So gegliedert, ergibt sich ein ausgiebiges und detailliertes Standardwerk ĂŒber die aktuelle Situation Nordkoreas und ein anderes Bild, abseits der ĂŒblichen Medien-Berichte, welches man unbedingt verinnerlichen sollte.

RĂŒdiger Frank zeigt auf, wo das Regime an sich selbst scheitert, aber auch, was funktioniert und welche roten Linien die internationale Staatengemeinschaft ĂŒberdenken sollte, die sich zu sehr auf’s einseitige Handeln verlegt hat und damit alle Chancen der AnnĂ€herung verspielt, wenngleich Nordkorea nicht unschuldig daran ist.

Der Autor gibt einen sehr differenzierten und interessierten Einblick, der auf jeden Fall das Wissen ĂŒber Nordkorea erweitert und dazu anstĂ¶ĂŸt, sich eben nicht mit zweiminĂŒtigen Berichten in der Tagesschau zufrieden zu geben, sondern mehr zu erfahren.

In klarer und verstĂ€ndlicher Sprache zeichnet der Autor dieses Bild, dennoch verlangt das Lesen Konzentration ab, die man halten muss. Es ist kein Werk zum Nebenherlesen, aber so spannend beschrieben, wie Geschichte, Politik und Wirtschaft sonst nicht sein können. DafĂŒr und fĂŒr eine etwas klarerer Sicht auf ein, uns so unbekanntes, Land, lohnt sich die LektĂŒre.

Autor:
RĂŒdiger Frank wurde 1969 in Leipzig geboren und ist ein deutscher Wirtschafts- und Ostasienwissenschaftler. 1991/92 verbrachte er ein einsemestriges Sprachstudium an der Kim-Il-Sung-UniversitĂ€t im nordkoreanischen Pjörnjang, finanziert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und studierte an der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin Koreanistik, sowie Volkswirtschaftslehre und Internationale Beziehungen.

SpĂ€ter lehrte er in New York, wurde 2007 zum Professort fĂŒr „East Asian Economy and Society“ an der UniversitĂ€t Wien ernannt und ist seit 2012 Vorstand des Instituts fĂŒr Ostasienwissenschaften in Wien. In Seoul ist er als außerplanmĂ€ĂŸiger Professor tĂ€tig und besucht beide Staaten regelmĂ€ĂŸig. Er war Mitglied mehrerer EU-Delegationen und des World Economic Forum.

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S.E. Miederer: Arme Schlucker – Wahre Geschichten aus dem Leib gezogen

Arme Schlucker - Wahre Geschichten aus dem Leib gezogen Book Cover
Arme Schlucker – Wahre Geschichten aus dem Leib gezogen S.E. Miederer edition fischer Erschienen am: 01.02.2016 Seiten: 95 ISBN: 978-3-86455-841-2

Inhalt:

Die GrĂŒnde, aus denen Menschen Dinge verschlucken, sind so unterschiedlich wie die GegenstĂ€nde selbst. Ob nun der Insassse eines GefĂ€ngnisses, der sich ein paar Tage Krankenhaus erschleichen möchte, oder der Gast einer Party, der aus Versehen das HĂ€ppchen samt ungenießbarer Deko verschluckt – dank medizinischer Errungenschaften können in den meisten FĂ€llen die Fremdkörper komplikationslos wieder entfernt werden.

Prof. Dr. S. E. Miederer erzĂ€hlt erschreckende, witzige, skurrile Geschichten aus seinem Alltag als Gastroenterologe – dokumentiert mit zahlreichen abbildungen. Die hier vorgestellte Sammlung ist zum Teil im Deutschen Museum Bonn zu besichtigen. (Klappentext)

Rezension:
Entscheidend ist, was hinten raus kommt. Wenn etwas raus kommt. Im schlechten Falle bleibt es stecken. Dabei können erstaunlich viele Dinge den menschlichen Verdauungstrakt problemlos passieren, auch wenn sie ĂŒberhaupt nicht zum Verzehr geeignet sind. Manchmal jedoch hilft nur ein kleiner medizinischer Eingriff, um der Lage Herr zu werden.

Prof Dr. Miederer, erfahrener langjĂ€hriger Gastroenterologe erzĂ€hlt, anonymisiert natĂŒrlich, die Geschichten seiner Patienten und der FundstĂŒcke, die er seiner Sammlung im Laufe der Jahre einverleibte. Warum verschluckte ein kleiner Junge etwa eine Batterie, was passiert, wenn die Leidenschaft Leiden schafft und wenn mal Ebbe im Portemonaie ist, kann der Blick -ins- eigene Kind nicht schaden? Vielleicht findet sich ja dort noch die eine oder andere MĂŒnze.

Spoiler

Da fĂ€llt die in meiner Kindheit verschluckte Plastik-Pommesgal nicht mal ins Gewicht. Sie fand den natĂŒrlichen Weg nach draußen. 😉

[Einklappen]

Angehenden Medizinern und all den anderen Interessierten ist dieses kleine BĂŒchlein zu empfehlen, in dem mit viel Humor beschrieben wird, wie die Patienten aus ihrer misslichen Lage befreit wurden, die dann zumeist (nicht immer) im Positiven endete.

AmĂŒsant zu lesen sind die Geschichten und irgendwie ist es auch beruhigend, dass die meisten GegenstĂ€nde problemlos entfernt werden können. Nicht zu unterschĂ€tzen ist dennoch der Struwwelpeter-Effekt, den die LektĂŒre zweifellos haben dĂŒrfte, bei Kindern und Erwachsenen. Die Sammlung der GegenstĂ€nde ist heutzutage in Bonn zu bewundern.

Kurzweilig, lockerer Schreibstil, sehr episodenhaft gliedert sich das Buch. Die Kapitel gliedern sich in die Art des „Verschwindens“ der GegenstĂ€nde mit derer erfolgten Auflistung und dann der jeweiligen Situationsbeschreibung.

Medizinisches Fachchinesisch hat der Autor vermieden, wo er jedoch nicht umhinkommt, entsprechendes Vokabular zu verwenden, wird dieses im Text erklĂ€rt, sowie der jeweilige Eingriff anschaulich beschrieben. Die jeweiligen GegenstĂ€nde sind entsprechend abgebildet. Wer ein wenig schmunzeln möchte, fĂŒr den ist dieses BĂŒchlein zu empfehlen. FĂŒr alle anderen auch. Nur aufpassen sollte man, falls man sich dabei etwas in den Mund steckt. Man könnte es ja verschlucken.

Autor:
Prof Dr. S.E. Miederer wurde 1942 in Berlin geboren, wuchs in bayern auf und studierte an der UniversitĂ€t Erlangen Medizin, wo er promovierte. Er ist Mit-Entdecker des lebenswichtigen Akute-Phase-Eiweißes Haptoglobin und entwickelte 1976 das weltweit erste DesinfektionsgerĂ€t fĂŒr flexible Endoskope. Habilitierte er sich fĂŒr das Fach Innere Medizin und war bis 1987 Leiter der Gastroenterologischen Abteilung, bevor er Direktor der Medizinischen Klinik des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld wurde. Er lebt in Berlin und Bielefeld.

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