Katharina Greve: Das Hochhaus

Inhalt:

Was will die Familie von oben mit diesem irrsinnig großen Fernseher? Warum hat die Frau von unten ihre Tochter zur Castingshow angemeldet und der Mann nebenan nach dem Einbruch nicht die Polizei gerufen? Dieses Buch liefert 102 Antworten auf die Frage, welche großen und kleinen Dramen sich täglich hinter der anonymen Fassade eines Hochhauses abspielen. Vielleicht erkennen Sie Ihre Nachbarn wieder. Oder sich selbst. (Klappentext)

Rezension:

Einigen Zeitungslesern mag die Wahl-Berlinerin Greve ein Begriff sein, andere stolperten im Jahr 2013 vermutlich über ein Kalenderblatt, welches die Künstlerin schlagartig bekannt machte. Eher als Witz gedacht, hatte sie das Bild des damaligen Papstes Benedikt XVI. gezeichnet, der einen Lottoschein begutachtet und sechs Richtige getipp hatte, um daraufhin seinen Rücktritt zu verkünden: „Heiliger Strohsack! Morgen kündige ich!“ Der Rücktritt kam tatsächlich.

Doch, nicht nur eine prophetische gabe legt die Autorin und studierte Architektin an den Tag, sondern auch einen simplen und fast schon kühlen Zeichenstil, der in diesem Buch, welches ursprünglich einmal als Web-Projekt begann, zur Geltung kommt. Seite für Seite werden die Etagen eines Hochhauses freigelegt und man blickt in skurrile und manchmal allzu alltägliche Situationen derer Bewohner hinein. Hinter der grauen Fassade begegnen sich Dramen, wie ein jeder sie kennt oder auch nicht, muss so manches Mal schmunzeln, lachen oder bleibt nachdenklich zurück.

Eine Ansammlung von Marotten vereint auf wenigen Seiten zeigt, wie vielfältig Lebenssituationen sein können und welche Umstände sich daraus ergeben. Greve verknüpft dabei lose den Alltag der gezeichneten Figuren und so kann man von Etage zu Etage springen, von hinten nach vorne, „richtig herum“ lesen oder durcheinander. Das ist egal.

Katharina Greve: Das Hochhaus – 102 Etagen Leben, avant verlag

Besonders spannend aber wird es, wenn man versucht, den Situationen zu folgen. Vom fremdgehenden Ehemann aus dem unteren Stockwerk seiner Freundin etwa, zur betrogenen nichts ahnenden Ehefrau oder vom Einbrecher, der im Hochhaus lebt, zu den Wohnungen seiner Nachbarn, die von ihm geplündert worden. Das ist große Klasse und ein toller Humor der Zeichnerin, der sich auf jeder Seite wiederspiegelt.

Zugleich zeigt Greve auch, dass man als Autorin auch neue Wege gehen kann. So ist dieses Buch nicht zuerst da gewesen, sondern eben aus einer Internetpräsenz heraus entstanden, kann als Poster im Überformat bestellt werden, neuerdings sogar als Buchrolle, Schriftrolle, die man in beiden Richtungen rollen und lesen kann. Das bietet sich bei dieser Form von Comic an und ist sicher auch etwas für sonst Lesemuffel, in jedem Fall aber etwas für Komic- und Architekturfreunde. Zwar möchte ich selbst nicht in einem Hochhaus leben, mir reichen schon meine Nachbarn, aber selbst darunter erkenne ich ein paar wieder. Alleine dafür hat sich dieses Büchlein schon gelohnt.

Bauplan: Das Hochhaus Online

Autorin/Zeichnerin:

Katharina Greve wurde 1972 in Hamburg geboren und begann 1991 ein Architekturstudium an der Technischen Universität Berlin, welches sie 1999 abschloss. Seit 2002 ist sie freiberuflich als Künstlerin, Autorin und Zeichnerin tätig und wurde für Ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet. Sie veröffentlichte bereits mehrere Comic-Romane und Graphic Novels.

Ihre Zeichnungen erscheinen zudem in verschiedenen Zeitungen und Magazinen. Bekannt wurde sie durch eine Zeichnung für einen Abreißkalender, in dem sie den Rücktritt des Papstes Benedikt XVI. prophezeite, der einen Tag später diesen tatsächlich bekannt gab. Katharina Greve lebt in Berlin.

Katharina Greve
Das Hochhaus – 102 Etagen Leben
Seiten: 56
ISBN: 978-3-94503-471-2
avant verlag

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