sowjetunion

Inga Gaile: Der Geschmack von schwarzer Erde

Inhalt:
Drei Generationen von Frauen und die Schrecken des 20. Jahrhunderts: „Der Geschmack von schwarzer Erde“ von Inga Gaile erzählt schonungslos von ihren Schicksalen im KZ Ravensbrück, im sowjetischen Lettland und nach dem Ende des Kalten Krieges.

Der Roman zeigt die Traumata, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hat, unabhängig von Nation und sozialer Stellung, und verwebt die Lebensgeschichten dieser Menschen miteinander. Eine KZ-Gefangene, eine traumatisierte Patientin, eine Deportierte, eine, die nach der Wahrheit über sich selbst sucht – sie alle sind die Schönen. Wie bleibt man menschlich im Angesicht des Unmenschlichen?
(Klappentext)

Rezension:
Es ist nicht nur die Geschichte dreier Frauen, deren Schicksale über die Generationen hinweg miteinander verwoben sind, die die lettische Schriftstellerin Inga Gaile hier entstehen lässt, sondern vor allem die eines Landes, welches über Jahrzehnte hinweg immer wieder vom Schicksal gebeutelt wurde. In „Der Geschmack von schwarzer Erde“ durchziehen Düsternis und Brutalität einen fast durchgehend blutroten Faden diese Erzählung, durchbrochen nur von wenigen Momenten der Hoffnung. Was macht das mit den Menschen?

Was gehen nachfolgende Generationen, in denen Täter und Opfer miteinander konfrontiert werden, mit den Schrecken der Vergangenheit um, die sich bis ins Mark ihrer Familien eingebrannt haben?

Die Beantwortung dieser Frage ist vielschichtig, darf man auch von dieser Erzählung vollständig nicht verlangen, doch offenbaren sich viele Scherben, die die Befindlichkeiten und das Denken im heutigen Baltikum verständlich machen. Der Weg dahin indes ist kompliziert. Das wird schon am Auftakt dieses Romans deutlich. Eine nicht benannte Erzählstimme führt in die Handlung ein, deren folgende Abschnitte zumindest namentlich benannt werden und im Verlauf dann mit Jahreszahlen überschrieben.

Die Tonalität verheißt nichts als Trostlosig- und Traurigkeit, war das Land doch lange ein Spielball der Mächtigen um sie herum. Deutsche, Russen. Immer ging es um Land, Einfluss und Macht. Die Schriftstellerin spürt diesen Griffen nach, fragt durch ihre Figuren, die zunächst kaum greifbar sind, wie Traumata entstanden, wie damit umgegangen wird und was vielleicht auch die lettische Identität, das Denken der Menschen dort ausmacht.

Kompakt gehalten sind die einzelnen Kapitel. Im Angesicht des Grauen wird sparsam mit Worten hantiert. Dadurch bleiben die Figuren zunächst unnahbar, beinahe kalt. Erst im Verlauf der Handlung kann zu einzelnen Protagonisten die Distanz überwunden werden. Erst nach und nach entstehen Sympathien. Hauptfiguren sind derer drei, deren Weg wir durch die Geschichte ihres Landes begleiten. Ein Familienroman vor dem Hintergrund einer Landesgeschichte, die zur ständigen Habacht-Stellung gemahnt.

Immer lauschen die Figuren nach Nuancen, die den nächsten großen Knall ankündigen. Die Autorin beschreibt körperliche und seelische Wunden teilweise so treffend, dass es förmlich beim Lesen wehtut. Was zwischen den Zeilen so steht, wirkt dabei noch heftiger.

Wir begleiten Violette, Magdalena und Duks. Die eine durchlebt die Schrecken des Konzentrationslagers, die andere den stalinschen Terror, die dritte das Ende des Kalten Krieges. Sämtliche prägende Epochen der jüngeren Geschichte Lettlands verdichten sich in den Figuren, denen die Autorin die Kraft des Überlebens in die Hand gegeben hat. Ihre Wege verfolgen wir, ihre Narben, die ihnen durch andere zugefügt werden, die wir ebenso kennenlernen. Die Protagonistinnen sind die Spielbälle, erkämpfen sich jeden Tag, jedes Jahr neu. So ist „Der Geschmack von schwarzer Erde“ auch eine Erzählung, was Überlebenswille zu leisten vermag.

Inga Gaile schafft es, seelische Grausamkeiten und Kälte vor dem inneren Auge entstehen zu lassen und deren Wirkung auf andere aufzuzeigen. Die Schriftstellerin offenbart, was das Denken und Handeln ihres Heimatlandes, vor allem gegenüber den übermächtigen großen Nachbarn und auch sonst, noch heute bestimmt, ohne manchen Schrecken wortwörtlich zu benennen. Anderer wird plastisch, beinahe filmisch dargestellt. Der Wechsel der Perspektiven erfolgt behutsam, ist dennoch so gesetzt, dass eine Dynamik daraus entsteht, derer man sich nicht entziehen kann. Wenn man sich in der Tonalität eingefunden hat, was nicht einfach ist und mehr als einen Moment benötigt.

Aus Sicht der verschiedenen Figuren werden die einzelnen Kapitel erzählt, deren Handlungsfäden langsam ineinander übergreifen. Mit ein wenig geschichtlichen Verständnis und auch Interesse daran, ist es leichter, dort hinein zu finden. Das Tempo der Erzählung ist vergleichsweise gemächlich. Mit der kompakt gehaltenen Form trägt die Autorin dem Rechnung. Immer wieder stechen einzelne Sätze hervor, nach denen man innehalten muss, da sie einem mehr als nachdenklich zurücklassen.

Schauplätze und Protagonisten vermag die Schriftstellerin filmisch zu beschreiben, ohne zu viele Worte zu verlieren. Und doch genügen sie. Schon lange war ein Generationenepos nicht mehr so kompakt wie dieser. Es ist ein behutsamer Text, der vieles klarer werden und uns innehalten lässt, der die Themen vereint, wie wir mit unserer Familiengeschichte umgehen und was Erlebnisse und Taten unserer Großeltern und Eltern mit uns machen?

Wie gehen wir damit um? Wofür sind wir verantwortlich? Wofür nicht? Was können wir für uns daraus ziehen? Was macht uns zu dem, was wir sind? Ziemlich viele Fragen, deren Beantwortung Inga Gaile anhand ihrer Figuren uns überlässt, vor dem spannenden Hintergrund eines Landes, welches heute sehr genau hinschaut, eben deshalb, was an seinen Grenzen und außerhalb passiert. In dieser kompakten Form ist das, etwas kantig zwar, gelungen.

Autorin:
Inga Gaile ist eine lettische Autorin und Verfasserin von Romanen, Theaterstücken und Gedichten. Die derzeitige Präsidentin des lettischen PEN thematisiert in ihrem Roman „Der Geschmack von schwarzer Erde“ die dunkelsten Seiten der lettischen und deutschen Geschichte.

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Barbara Schennerlein: Aeroarctic

nhalt:
Sommer 1931. Das Luftschiff Graf Zeppelin steigt zu seiner aufsehenerregenden Forschungsfahrt über noch unentdeckte Polargebiete auf. Wie gelang es der Gesellschaft Aeroarctic, das Projekt zum Erfolg zu führen – trotz enormer politischer und wirtschaftlicher Hürden? Und was hat es mit dem Mythos auf sich, der nach der Expedition entstand?

Rezension:
Zwischen den beiden Weltkriegen eröffnete sich ein kurzes Zeitfenster, der vielzitierte Mantel der Geschichte, in dem Pioniergeist und Kooperation zwischen Ländern möglich war, die sich später spinnefeind werden sollten, noch aber ihre Rolle suchten. Dies galt vor allem für Deutschland auf der einen Seite, dem kaum ein anderer Spielraum als den der Wissenschaft blieb, um sich international wieder Bedeutung zu verleihen, als auch für die Sowjetunion, die nach Jahren des Bürgerkriegs ebenso in der großen Politik isoliert gewesen ist. Da kam dieses ambitionierte Projekt gerade Recht.

Mit einem Zeppelin wollten Wissenschaftler die Arktis erkundigen. Doch vorab galt es riesige wirtschaftliche und politische Hürden zu bewältigen. Die Ingenieurwissenschaftlerin Barbara Schennerlein berichtet in ihrem gut recherchierten Sachbuch von diesem einmaligen, sehr besonderen und heute fast vergessenen wissenschaftlichen Unternehmen.

LZ 127 Graf Zeppelin, dieser fabelhafte, silberne Fisch, der da ruhig im Ozean der Luft schwamm, diese Märchenerscheinung, die mit der silbrigen Himmelsbläue in eins zu verschmelzen schien.

Hugo Eckener

Die Faszination Eis ist heute immer noch etwas, in der große Pioniertaten möglich sind, doch galt dies im besonderen Maße zu einer Zeit, als die Flugtechnik am Anfang ihrer Entwicklung stand und noch immer große Teile der Landkarte schwer zugänglich waren oder noch gänzlich unbekannt. Detailliert beschreibt die Autorin, wie Männer aus unterschiedlichen Beweggründen zur Zusammenarbeit fanden und über nationale Grenzen, die heute noch starrer waren als damals, begannen ein Projekt von bis dato nicht bekannter Größenordnung zu formen, mit denen man neue Grundlagen für die Wissenschaft legen, andererseits aber auch die Tauglichkeit des Luftschiffs für die Polargebiete unter Beweis stellen wollte.

Doch, wie nachhaltig war dieses Projekt eigentlich, welche Fallstricke mussten Männer wie Walther Bruns oder Huho Eckener, zeitweise auch Fridtjof Nansen überwinden, ob politischer oder wissenschaftlicher Natur, was genau wollte man überhaupt erkunden, wo doch so viele offene Fragen vor allem einen engen finanziellen Spielraum gegenüber stehen sollten. Die Autorin zeigt auf Grundlage intensiver Recherchen das Werden eines internationalen Projektes, welches so erst Jahrzehnte später wieder möglich sein sollte. Dabei nutzt sie eine, teilweise erst durch sie, zusammengeführte Quellenlage, ergänzt durch vielseitiges Karten- und Bildmaterial, um uns in diese Zeit eintauchen zu lassen, die von Pioniergeist bestimmt gewesen ist.

Das liest sich fast filmisch, zu weilen wie ein dicht gepackter Krimi. Sehr detailliert beleuchtet Barbara Schennerlein das „Zeppelin-Arktis-Projekt“, und die Ergebnisse der daraus resultierenden Forschungen, die in Teilen noch später von der Fachwelt gewürdigt wurden und Basis für weitere wissenschaftliche Arbeiten bilden sollten. Sie zeigt aber auch den sehr steinigen Weg von Vorhaben dieser Größenordnung in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten und welche Auswirkungen das Mit- und Gegeneinander verschiedener Interessen hatte, sowie warum nur für einen kurzen aber bezeichnenden Moment der Geschichte der Zeppelin das Mittel der Wahl gewesen ist.

Zusammengefasst ergibt sich eine spannende wissenschaftliche, aber durchaus literarisch zu lesende Dokumentation, die man mit diesem Sachbuch in den Händen hält. Die Faszination Arktis und Begeisterung für die technische Pionierleistung, die hier beschrieben wird, schimmert in jeder einzelnen Zeile durch. Wer einen heute fast vergessenen Aspekt der Polarforschung, unter deutscher Federführung wohlgemerkt, erkunden möchte, ist diese Lektüre wohl zu empfehlen.

Instagram der Autorin: Hier klicken.

Autorin:
Barbara Schennerlein ist eine deutsche Integnieurwissenschaftlerin und Autorin. Sie forscht zur Geschichte der Erschließung der Polarregionen und war Mitglied einer kleinen Forschergruppe, die die seit Jahrzehnten verlassene Polarstation Buchta Tichaja zu neuem Leben erweckten. Bevor sie sich vollständig den Studien zur Polargeschichte widmete, arbeitete sie viele Jahre in der Software-Branche.

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Francesca Melandri: Kalte Füße

Inhalt:
Was bedeutet Krieg? Und was, wenn man auf der falschen Seite kämpft? Francesca Melandri erzählt die Geschichte ihres eigenen Vaters – und bringt die Stille einer ganzen Generation zum Sprechen. Eine zutiefst persönliche Spurensuche der Autorin von Alle, außer mir: ein unerlässliches Buch zum Verständnis unserer Gegenwart. (Klappentext)

Rezension:
Als Russland den Krieg gegen die Ukraine beginnt, tauchen plötzlich Ortsnamen in den Nachrichten auf, die Francesca Melandri aus den Geschichten kennt. Geschichten ihres Vaters, dessen Feldzug gegen die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg eigentlich ebenfalls ein Krieg gegen die Ukraine war. Was hat der Mann erlebt, der seine Alpini führte, mit ihnen im Winter 1942/43 fliehen musste und Zeit seines Lebens nichts Schlimmeres sich vorstellen konnte, als Erfrierungen? Wie stand er zu einem System, welches Europa den Faschismus gebracht hat? Was machen wir heute daraus, wenn die Namen von Diktatoren und Ländern wechseln, und das Land der schwarzen Erde wieder einmal zum Schlachtfeld wird?

Die Autorin begibt sich auf Spurensuche entlang zweier Zeitlinien. Die Gegenwart möchte sie verstehen, aber noch mehr das Bild ihres Vaters vervollständigen, der einst an den gleichen Orten kämpfen musste, wie sie heute in aller Munde sind. Die Ebenen verschwimmen, fast literarisch mutet dieser Zwischenstand an. Melandri versucht sich an dem anzunähern, was kaum zu begreifen ist. Fragen werden aufgeworfen, die sie ihren Vater Zeit ihres Lebens nicht stellen konnte. Auch zeigt sie, dass wir nicht für alles, zumal nicht die Kriege von Despoten verantwortlich sind, aber dennoch dafür, was wir daraus machen und wie wir darauf reagieren.

Das schreibt sie allem ins Stammbuch, die lieber heute als morgen den aktuellen Krieg beenden möchten, auf Kosten eines Landes, der Menschlichkeit und dass das, was gerade passiert, uns allen was angeht. Gerade weil die meisten von uns das Glück haben, keinen Krieg am eigenen Leib erfahren zu haben und aus den Fehlern der Vergangenheit lernen zu können. Kompakt sind die Abschnitte gehalten, in der Vergangenes und Gegenwart miteinander verschmelzen. Die Autorin will verstehen, doch je mehr sich ein vollständiges Bild auf der einen Seite ergibt, desto unfassbarer scheint die andere, unbegreiflich die Reaktion derer, die sensationsheischend auf Social Media den Überlebenskampf am Rande Europas verfolgen und doch nicht helfen, unterstützen wollen.

Francesca Melandri verfolgt die Stimmen der Vergangenheit ebenso wie der Gegenwart und versucht das Gleichnis. Mit gewählten Worten gelingt es ihr auch. Stichworte, die die Richtschnur bilden als Teilüberschriften innerhalb der Kapitel. Damit hat sie ein Buch zwischen Roman und Sachbuch geschaffen, welches Zeitdokument und Aufarbeitung zugleich ist. Eines, was im Gedächtnis bleibt, schwer im Magen liegend, eindrücklich. An manchen Stellen versöhnlich, anderen ratlos und zweifelnd. Diese Mischung kompakt formuliert, wird einem so schnell nicht loslassen.

Autorin:
Francesca Melandri wurde 1964 in Rom geboren und ist eine italienische Schriftstellerin. Zunächst begann sie als Drehbuchautorin für das Fernsehen zu arbeiten, ihren ersten Roman veröffentlichte sie 2010. Ein Jahr darauf folgte die deutsche Übersetzung. 2021 lebte sie in kurzzeitig in Berlin und 2023 hielt sie dort die Eröffnungsrede des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Sie ist Gründungsmitglied des PEN Berlin. An der ETH Zürich hält sie eine Gastprofessur für Italienische Literatur inne. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet.

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Der Erste Weltkrieg/Der Zweite Weltkrieg – Die visuelle Geschichte

Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährt sich in diesem Jahr zum achtzigsten Mal. Grund genug also, sich ausführlich mit den unterschiedlichen Aspekten des Krieges zu beschäftigen, der so zerstörerisch und so mörderisch werden sollte, wie keiner zuvor. Davor, mit einer kurzen Phase brüchigen Friedens dazwischen hatte es bereits schon einmal einen weltumspannenden Krieg gegeben. Und so umfassend müssen auch die Übersichten sein, um alle Aspekte aufzuführen, die die Vorgeschichte, Kriegsverläufe und was danach folgen sollte, einigermaßen begreiflich machen zu lassen. Und so haben sich eine Vielzahl von Historikern und anderen Wissenschaftlern daran gemacht, Gesamtdarstellungen zu erarbeiten. Nun liegen diese im Verlag Dorling Kindersley vor.

Die Werke dieses Verlags haben die Eigenheit, gerade wenn sie bewusst in einer Abfolge zueinander erscheinen, nahezu die gleiche Rezension herauf zu beschwören, weshalb ich mir die Freiheit genommen habe, einen gemeinsamen Beitrag für beide Sachbücher zu schreiben. Entlang eines Zeitstrahls wird Geschichte hier erzählt, eingerahmt durch die Vor- und Nachgeschichte, dann die Jahre des jeweiligen Krieges, nochmal einzeln aufgedröselt. Unterschiedliche Perspektiven kommen zur Sprache, sei es durch die Erläuterung der Kriegstaktiken innerhalb der jeweiligen Phase oder weil einzelne Feldzüge beleuchtet werden.

Dabei nehmen die Autor:innen beider Werke nicht nur eurozentrische Perspektive ein, sondern vergessen nicht zu beleuchten, wie der Erste und der Zweite Weltkrieg auf der anderen Seite des Globus‘ aussahen. Immer wieder werden einzelne Persönlichkeiten beleuchtet, die in den jeweiligen Phasen oder überhaupt eine Rolle spielten, sowie auch der „Alltag“ im Krieg oder der Terror des NS-Regimes analysiert, um nur die Beispiele zu nennen.

Die Lesbarkeit ist aufgrund der abwechslungsreichen Gestaltung gegeben. Fließtexte wechseln sich mit Infoboxen ab, Karten und Grafiken visualisieren Informationen. Schon das Überformat zwingt einem, sich bewusst eines der Bücher hervorzuholen, entweder sich mit einem bestimmten Thema zu beschäftigen oder gezielt zu suchen, was sowohl ein Stichwortregister am Ende der beiden Enzyklopädien möglich macht, als auch ein übersichtliches Inhaltsverzeichnes.

Autorenkollektiv: Der Erste Weltkrieg – Die Visuelle Geschichte
Seiten: 372
Rezensionsexemplar/Sachbuch
Verlag: Dorling Kindersley
ISBN: 978-3-8310-4874-8
Übersetzung: Burkhard Schäfer, Birgit Lamerz-Beckschäfer (u. a.)

Autorenkollektiv: Der Zweite Weltkrieg – Die Visuelle Geschichte
Seiten: 360
Rezensionsexemplar/Sachbuch
Verlag: Dorling Kindersley
ISBN: 978-3-8310-3757-5
Übersetzung: Burkhard Schäfer, Klaus Binder (u. a.)

Beide Werke erhalten, es ist gar nicht anders möglich:

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Helene Yalden: Trifilij, seine Frau Tatjana und seine Töchter Marseillaise und Felitsata

Inhalt:
Die außergewöhnliche Geschichte einer Familie, deren Mitglieder mit ungewöhnlichen Namen gesegnet waren. Zusammen mit den Charakteren der Erzählung durchleben wir über einen Zeitraum von fast 100 Jahren glückliche und tragische Momente im Leben mehrerer Generationen und werden Zeugen wichtiger historischer Ereignisse. Familiengeschichten, die in der Familie von Trifilij von Generation zu Generation weitergegeben wurden, haben Einfluss auf die Nachkommen – auf ihren Charakter und ihren Blick auf die Welt. Es ist so wichtig, die Verbindung zwischen den Generationen innerhalb einer Familie aufrechtzuerhalten! (Klappentext)

Rezension:

Eine Zeitreise hinein in das Auge des Sturmes, von dessen Mittelpunkt man die Brüche und Wendungen zum Guten, aber eben auch zum Schlechten betrachten kann, mit der Sicherheit des Jetzt, macht die Autorin und erzählt von stürmischen Zeiten und glücklichen Momenten, vor allem aber von ihrer eigenen Familie, die sich immer wieder neu einrichten und arrangieren muss. Der sperrig erscheinende Titel stellt zugleich die Hauptprotagonisten vor, deren Wege wir durch die jüngere Zeitgeschichte Russlands begleiten dürfen, vom russischen Bürgerkrieg an, bis zu den Punkt, an dem die Autorin selbst zur Protagonistin wird.

Die zuweilen sehr nüchtern, dennoch von Liebe zu den einzelnen Personen durchdrängte Geschichte beginnt beim Familienoberhaupt, der sich für die Ideen des Kommunismus begeistern kann und an der Seite Stalins wiederfinden, ein Drahtseilakt, der ihn später indirekt zu Fall bringen wird und wandelt dann perspektivisch zu den starken Frauenfiguren der Familie, die diese nach ihm dominieren werden. Aus drei Perspektiven, eingerahmt von einer Art Vor- und Nachbetrachtung der Autorin selbst, wird erzählt, jede in ihrer sehr eigenen Tonalität. Anfangs wirkt der Text dadurch gewöhnungsbedürftig, so bald man hineinkommt, eröffnet sich jedoch ein großes und vor allem vielschichtiges Panorama.

Trotzdem wird man durch die den Perspektiven zugrundeliegenden Unterschiede zu einem Teil des Textes mehr Zugang finden als zu den anderen, zudem wenn bestimmte Begrifflichkeiten einfach nicht geläufig sind. Dem hat Helene Yalden jedoch Abhilfe geschaffen. Ein Glossar erleichtert die Lektüre und Einordnung, ein Fototeil am Ende dieser Familienbiografie tut das Übrige zur Auflockerung. Über allem stehen die Fragen, was macht die Vergangenheit, was machen die Entscheidungen unserer Vorfahren mit uns, was verbindet uns, was unterscheidet? Was zieht sich durch mehrere Leben innerhalb einer Familie? Was folgt daraus? Und was sagt dies auch über Region und Menschen aus? Was ist eigentlich Heimat? Ein Land, eine Region, etwas Unbestimmtes in uns selbst?

Große Fragen zwischen den Zeilen, auf die es vielleicht keine eindeutige Antworten gibt. Die Autorin dürfte diese für sich zumindest gefunden haben, eingebunden in detailreich geschilderten Alltagsbeschreibungen, Traditionen, hervorzuheben die Gefühlsbeschreibungen, die punktuell gesetzt, doppelt nachhallen. Das muss man mögen, dann hat man auf mehreren Ebenen durchaus eine gewinnbringende Lektüre.

Autorin:

Helene Yalden wurde in Russland geboren und lebt seit 1995 mit ihrer Familie in Deutschland. Die Verlegerin und Autorin ist Naturwissenschaftlerin und Verfasserin mehrerer naturwissenschaftlicher Publikationen.

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Sergej Lebedew: Titan oder Die Gespenster der Vergangenheit

Inhalt:
Die sowjetische und postsowjetische Zeit erzeugt mit ihren verdrängten Verbrechen fortwährend neue Ungeheuer und Gespenster. Sergej Lebedew folgt in seinen Erzählungen dem vergifteten Erbe der Sowjetunion und seinen unheimlichen Spuren in der Gegenwart.

Obwohl seine Geschichten jeweils für sich stehen, verbindet sie ein gemeinsames Thema, ein gemeinsamer poetischer Raum. In diesem Raum ziehen die Schatten der Vergangenheit ruhelos umher, und die Toten rufen fortwährend nach Gerechtigkeit. (Klappentext)

Rezension:
So groß wie das Land, so einengend ist der Raum, in dem sich die Menschen bewegen. Russland hat das Lebensglück der Menschen verspielt, in der Vergangenheit, in der Gegenwart.

Die Schreibenden finden ihren Platz für Kritik fast nur noch im Exil und so lebt auch Sergej Lebedew schon längst nicht mehr in Moskau, sondern in Potsdam, doch die Gespenster der Vergangenheit lassen auch ihn nicht los und so sind in diesem Band eine Reihe seiner Erzählungen versammelt, die tief blicken lassen, in das, was dieses riesige und zu den Menschen garstige Land immer noch dominiert.

Kurzgeschichten reihen sich aneinander, wie an einer Kette, deren Perlen man scheinbar ohne System aneinander gereiht hat. Tatsächlich springen wir durch die Zeit und erleben Protagonisten, deren Schicksale vielfach übertragbar sind auf Dinge, die passieren, passiert sind. Der Richter etwa, der genau das Urteil fällt, welches von ihm erwartet wird, um den nächsten Schritt der Karriereleiter zu erklimmen, weit davon entfernt, was die Gerechtigkeit eigentlich verlangen würde.

Der Bahnwärter, der in der Einöde, auf den Spuren ehemaliger Häftlinge des Straflagersystems Stalins sitzt und auf das einzige Signal wartet, welches der Grund ist, überhaupt dorthin versetzt wurden zu sein, der Offizier, der hinter der Fassade die Risse an dem Gebäude erkennt, dem er dient, Bestandteil eines Systems, bestehend aus eben vielen Fassaden. Viel ist Schein im Russland der Vergangenheit und Gegenwart. Die Wirklichkeit ist grausam.

Trocken ist die Tonalität der Texte, die jeder für sich stehen und einzeln gelesen werden können. Immer springt man zwischen den Zeiten. Oft ist erst auf den zweiten Blick klar, welcher Epoche eine Erzählung zuzuordnen ist, lassen sich doch viele Elemente sowohl in die eine als auch in die andere übertragen. Die Protagonisten sind scharf gezeichnet. Manche Konturlosigkeit wird als Stilmittel bewusst eingesetzt.

Das Bewusstsein der Menschen suchte nach Bildern, nach einer Sprache zur Beschreibung der Tragödie – und griff dafür auf mystische Anspielungen zurück, die die unheilvolle Vergangenheit real werden ließen und sie gleichzeitig verfremdeten, sie zu einem Phänomen aus einer anderen Welt, einer anderen Realität werden ließen.

Sergej Lebedew: Titan oder Die Gespenster der Vergangenheit

Jede einzelne Zeile wirkt dennoch wie ein Nadelstich gegenüber der russischen Gesellschaft und Politik. Diesen Stil muss man mögen. Wer sich einmal eingefunden hat, entdeckt viele Parallelen und Ebenen. Gebäude stehen für Lebensläufe mit Brüchen, wie auch die Menschen selbst sich vielfach anpassen mussten, an sich praktisch über Nacht verändernde Bedingungen. Lebedew erzählt von jenen, die in diesem Spiel gelernt haben zu überleben und denen, die darin zerrieben wurden und werden.

Das Format der Kurzgeschichte ist ihre Kompaktheit, bringt es jedoch mit sich, dass einige der übergreifend durchdachten Texte direkt nach dem Lesen in Vergessenheit geraten, andere hätte man gerne ausführlicher gehabt und den Weg, die Strategien der handelnden Figuren verfolgt. Mit der Treffsicherheit Lebedews in Formulierungen möchte ich Romane lesen. Das könnte großartig werden.

Autor:
Sergej Lebedew wurde 1981 in Moskau geboren und ist ein russischer Schriftsteller. Er entstammt einer Geologenfamilie und suchte in seiner Schulzeit in aufgelassenen Minen nach Mineralien und Bergkristallen, wobei er auf Reste ehemaliger Lager des GULAG stieß. Lebedew studierte Geologie und arbeitete später als Journalist, veröffentlichte in einer Literaturzeitschrift Gedichte und Essays.

Sein erster Roman war 2011 auf der Vorschlagsliste zum Nationalen Bestsellerpreis Russlands und erschien zwei Jahre später in deutscher Übersetzung. 2013 erhielt er ein Stipendium des Literarischen Colloquiums Berlin. Sein 2015 in deutscher Übersetzung erschienener dritter Roman wurde in Russland erst 2016 veröffentlicht. Er äußerte sich mehrfach kritisch gegenüber Putin und lebt derzeit in Potsdam.

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Sasha Filipenko: Kremulator

Inhalt:

Pjotr Nesterenko ist mit dem Tod auf vertrauten Fuß. Als Direktor des Moskauer Krematoriums in der Stalin-Zeit hat er sie alle eingeäschert: die Abweichler, die angeblichen Spione und die einstigen Revolutionshelden, die den Säuberungen zum Opfer fallen.

Er jedoch, davon ist er überzeugt, kann gar nicht sterben. So oft ist er dem Tod schon knapp entronnen. Bis der Tag seiner eigenen Verhaftung kommt. Wird er auch diesmal den Hals aus der Schlinge ziehen? Ein Roman über Russlands Vergangenheit, die ihre Schatten bis in die Gegenwart wirft – auf Grundlage historischer Dokumente, die dem Autor von der Organisation Memorial (Friedensnobelpreis 2022) zur Verfügung gestellt wurden. (Klappentext)

Rezension:

Wie sehr muss man sich eigentlich in den Brennpunkt einer Gefahr hinein begeben, um nach und nach den Schrecken vor ihr zu verlieren und schließlich nicht mehr als solche wahrzunehmen? Dabei ist der Direktor des Moskauer Krematoriums Pjotr Nesterenko täglich mit ihr konfrontiert, lässt er doch die Überbleibsel des Stalinschen Terrors von der Bildfläche verschwinden.

Mit jedem Menschen, den Nesterenko verbrennen lässt, zieht sich die Schlinge auch um seinen Hals immer enger zu, bis er schließlich selbst in derer Fänge gerät. Der Geheimdienstoffizier, ihm gegenüber sitzend, bringt ihn zum reden. Nesterenko, der dem Tod so oft ins Auge gesehen hat, spricht, im guten Glauben auch da heil heraus zu kommen, um seines Lebens willen.

Ein Roman funktioniert dann am besten, wenn der Schreibende genau um die Fascetten dessen weiß, worüber er schreibt. Dem belarussischen Schriftsteller Sasha Filipenko gelingt dies ein ums andere Mal, nun wieder. In seiner neuesten Erzählung greift er den Stalinschen Terror auf, dessen Auswirkungen noch heute in vielen russischen Familien zu spüren sind, heute durch die jetzigen Regierenden in anderer Art und Weise, subtiler vielleicht, fortgeführt werden. Mit kurzen prägnanten Sätzen, die nicht zu selten wie gezielte Nadelstiche wirken, eröffnet der Autor ein zu Beginn fast schon amüsant weil surreal wirkendes Kammerspiel, welches sich mehr und mehr zu einem Schachspiel um Leben und Tod wandelt.

Während des Lesens der ersten Hälfte des Romans muss man zuweilen schmunzeln. Das Lachen bleibt im Halse stecken. Wir scheinen schnell zu ahnen, worauf das dargestellte Katz-und-Maus-Spiel hinauslaufen wird. Doch wagen wir zu hoffen, jedem Gedanken um das Unausweichliche beiseite zu schieben. Erzählt wird so ein Zeitraum von wenigen Wochen, der für den Protagonisten mal zu einer atemraubenden Tortur wird, dann wieder in zähflüssiger Langeweile sich zersetzen scheint.

Der Autor öffnet dabei verschlungene Pfade und lässt seine Figur Nesterenko zurückblicken, auf eine Biografie, wie sie ähnlich wohl zu der beschriebenen Zeit viele in Erklärungsnot gebracht haben dürfte. Wir Lesende erfahren so ein bewegendes Stück russischer Geschichte, mit der man auch viel heutiges erklären könnte, bleibt jedoch mit mehr Fragen zurück, als dass man Antworten bekommt.

Nach und nach bekommt die Hauptfigur so Konturen, der Antagonist zeigt indessen sein wahres Gesicht, welches er schon zu Beginn kaum verbirgt. Der hat ein Ziel, der beschriebene Weg und was dies mit seinem Protagonisten macht, ist die Frage, die Filipenko sich stellt und auf deren Beantwortung wir Lesende hinfiebern. Die Intensionen beider Figuren können nachvollzogen werden. Rasant führt die eine den anderen in den Abgrund hinab, den beide aus unterschiedlichen Positionen heraus nur allzu gut kennen.

Die Dynamik im Text entsteht durch gekonnt gesetzte Brüche in Form von verschiedenen Zeitebenen, die sich nur langsam zusammenfügen. Es verdient Anerkennung, das geschrieben zu haben, ohne den Überblick zu verlieren. Dem kommt zu Gute, dass das Figurenensemble überschaubar bleibt. Kein Wort ist hier zu viel, zu wenig gesetzt. Eine Kunst, die Filipenko vollkommen beherrscht. Rückblenden werden gezielt eingewoben. Wäre die beschriebene Zeit jedoch nicht klar, wäre solch ein Verhör, wie dort beschrieben, auch und besonders im heutigen Russland vorstellbar. Abweichung wird nicht geduldet. Damals nicht, heute auch nicht. Und sei sie nur gefühlter Natur.

Zumindest am Anfang nicht ganz so düster daherkommend, wie etwa der Vorgängerroman „Der ehemalige Sohn“, der vordergründig eher ein Familiengefüge beleuchtet hatte, wirkt diese Erzählung an vielen Stellen deutlich leiser. Die Bedrohung packt den Protagonisten an seinen wunden Punkten. Wer liest, dem läuft das kalt den Rücken hinunter. Fast wirkt das, als wäre man selbst der Verhörte, der im Prinzip weiß, redet man, geht man daran zugrunde. Redet man nicht, dann sowie so. Also spricht man, hat natürlich trotzdem oder gerade deswegen die Hoffnung, noch einmal davonzukommen.

Diese Parallelen vom Damals zum Heute sind es, die die Erzählung so besonders machen, da so fein ausgearbeitet, selten ein zweites Mal zu lesen sind. Vergleichbares ist schwer zu finden. Gibt es Romane mit dieser Thematik, die einem noch mehr in den Bann ziehen? Man wird in die Handlung hinein gesogen. Zuweilen fühlt man sich, als würde man diesem fast schon intimen „Gespräch“, welcher zu großen Teilen aus einem äußeren, unterbrochen von inneren, Monolog besteht. Das schafft unbedingte Nähe.

Immer wieder einen anderen gesellschaftlichen oder historischen Aspekt der Geschichte Belarus‘ und Russlands aufgreifend, hat es Filipenko mit „Kremulator“ erneut geschaffen, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, der auch nach Zuschlagen der letzten Seite nachhallt und emotional berührt.

Bei mir schaffen das nicht alle Romane, so in diesem Maße und nicht alle Schreibende so oft und stark, wie Sasha Filipenko, der wieder einmal meine Erwartungshaltung übertreffen konnte. Empfohlen sei die Erzählung allen, die sich für die Zeit des Stalinschen Terrors, dieser gewollt herbeigeführten Gesellschaft interessieren, die durch nichts als Angst zusammengehalten wurde und für jene, die erfahren möchten, warum auch heute noch die oberen Zehntausend Russlands mit den ihnen ausgesetzten Massen praktisch nach Gutdünken verfahren können. Die Geschichte ins Heute übertragen, könnte man sicher für einen Gutteil der dortigen Bevölkerung sagen, die Angst hat bis heute überlebt. Man stellt sich ein Verhör mit ungewiss-gewissen Ausgang auch heute noch so vor.

Schlicht und ergreifend beeindruckend ist das, wie hier Filipenko erneut durch den Spiegel der Historie etwas Modernes erzählt. Schon alleine daher ist „Kremulator“ unbedingt zu empfehlen.

Autor:

Sasha Filipenko wurde 1984 in Minsk geboren und ist ein belarussischer Schriftsteller, Journalist und TV-Moderator. Er, der auf Russisch schreibt, wurde in über 15 Sprachen übersetzt und studierte nach der Schule zunächst an der Europäischen Humanistischen Universität Minsk und ging anschließend 2004 nach St. Petersburg. Dort schloss er das Studium der Literatur ab und arbeitete für verschiednee unabhängige russische Fernsehsender.

In Belarus ist sein Werk teilweise verboten, zudem er in Opposition zum herrschenden Machtapperat um Lukaschenka steht, sich mit den in seinem Geburtsland stattfindenden Protesten 2020-2021 solidarisierte. Mit seiner Familie lebt er inzwischen im Schweizer Exil. Filipenko schreibt seine Texte weiterhin auf Russisch.

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Uwe Neumahr: Das Schloss der Schriftsteller

Inhalt:

Wohl nie waren so viele berühmte Schriftsteller und Reporterinnen aus aller Welt unter einem Dach versammelt wie in Nürnberg 1946. John Dos Passos und Erika Mann, Erich Kästner und Martha Gellhorn, Willy Brandt und Markus Wolf: Sie kamen, um zu berichten – von den Gräueln des Krieges und des Holocaust, die dort vor Gericht verhandelt wurden. Sie wohnten und schrieben auf Schloss Faber-Castell, diskutierten, tanzten, verzweifelten, tranken. Uwe Neumahr erzählt ihre Geschichte in seinem aufregenden und bewegenden Buch. (Klappentext)

Rezension:

In den Abgrund blickend, saß die Welt 1946 in Nürnberg zu Gericht, wo die noch Lebenden der ehemaligen NS-Führungsriege sich verantworten mussten, für die Auswirkungen ihrer Politik und Entscheidungen, die zum Krieg führten und in die Verbrechen des Holocausts mündeten. Das Unfassbare in Worte fassen, eine Sprache dafür zu finden und der Öffentlichkeit vor Augen zu führen, oblag den zahlreichen Journalisten und Schriftstellern, die den Prozessen beiwohnten, gänzlich oder zeitweise.

Im Gerichtssaal den einstigen Tätern gegenüber sitzend, danach im von den Alliierten eingerichteten Presse-Quartier auf Schloss Faber-Castell zu versuchen, dies zu verarbeiten und in Worte zu fassen. Der Germanist Uwe Neumahr erzählt ihre Geschichte.

Als im Februar 1933 das NS-Regime auch gegenüber den Kulturschaffenden seines Landes die Macht zementierte, ahnten wenige, dass die Welt nur Jahre später in Trümmern liegen und zu Gericht sitzen würde über die Führungsriege eines Staats, der Millionen Menschenleben forderte. Über diesen Beginn berichtet Uwe Wittstock in seinem viel beachteten literarisch wirkenden Sachbuch. Das Ende, an dem zu einem kleinen Teil die gleichen Protagonisten Anteil nahmen, wird nun in diesem Werk in den Blick genommen.

Anders als Uwe Wittstock hangelt sich jedoch Uwe Neumahr nicht entlang eines Zeitstrahl, sondern beschreibt das Unwirkliche anhand von Personenkonstellationen, die schon für sich selbst genommen so besonders sind, wie der Prozess selbst, ob zu der geschilderten Zeit, davor oder erst viel später.

Das Geschehen der Verhandlungen, im Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung war es anzahlmäßig nie nur ein einziger Prozess, gibt den Rahmen vor, ein sehr sonderbares Stück Geschichte einmal aus einem anderen Blickwinkel aufzuzeigen, der heut abseits der bekannten Bilder fast vergessen ist. In sich kompakt und geschlossen wirken die Kapitel, die zusammen einer Linie folgen und in der sich der Autor vor allem auf einzelne Biografien und der dadurch beeinflussten Wahrnehmung fokussiert.

So wurde der Prozess nicht nur von den Journalisten der verschiedenen Herkunftsländer unterschiedlich aufgenommen, auch abseits aller Ideologie oder Geografie gab es in der damaligen journalistischen Betrachtung durchaus ausgemachte Unterschiede. Wie wurde der Prozess etwa von den wenigen anwesenden weiblichen Journalistinnen gesehen? Wie schauten sei auf Angeklagte, Kläger und Richter? Wie schauten die Schreiberlinge auf das Leben und Wirken ihrer Konkurrenz? Gab es Unterschiede in der Betrachtung zwischen ausländischen und den wenigen anwesenden deutschen Journalisten?

Wie gestalteten sich und wirkten Verwerfungslinien im journalistischen Arbeiten während oder in Folge der Prozesse? Der Autor folgt diesen und geht der unterschiedlichen Betrachtungen von John Dos Passos oder Martha Gellhorn auf dem Grund, beschreibt die Wahrnehmungen von Erika und Golo Mann oder etwa Willy Brandts und Markus Wolf, deren Biografien sich dort zum ersten Mal kreuzen sollten.

Diese Vielfalt macht dieses Sachbuch zu einer aufwühlenden und zugleich spannenden Lektüre, die innerhalb einer besonderen und sehr sensibel anzufassenden Thematik gut recherchiert weitere Besonderheiten herausschält. Es liegt dabei in der Natur des Textes, dass einzelne Längen durchzuhalten sind, aber durch die relativ kurz gehaltenen Kapitel fällt dies nicht weiter ins Gewicht. Die Perspektive wechselt nicht nur zwischen den einzeln beleuchteten Personen, die Dynamik kommt immer wieder durch das jeweilige Gegenüber zustande.

Diese Art und Weise Geschichte nicht kalenderartig zu erzählen, sondern indirekt über die sie zur damaligen Zeit erlebenden Personen schafft einen sehr besonderen Zugang. Zugleich ist es ein Sachbuch, welches dadurch innerhalb der Bücher gegen das Vergessen einfach heraussticht. Diese Perspektivensammlung gibt es bisher so zu selten. Gestützt auf zahlreiche Quellen und einer Fülle an Archivmaterial hat Uwe Neumahr eine Lektüre geschaffen, die zugleich einer Vielfalt an journalistischen und schriftstellerischen Arbeiten ein Denkmal setzt, die damit ebenso gewürdigt und manchmal kritisch betrachtet werden muss, wie die Vorgänge, denen Kästner und andere beiwohnten.

Über die eine oder andere dort beleuchtete Person lohnt es sich dabei durchaus ein wenig Grundwissen in der Hinterhand zu haben. Die Lektüre lädt jedoch ein, selbstständig ergänzend zu recherchieren, so dass man selbstständig noch viel mehr Informationen zusammentragen kann. Wenn man denn möchte. Auch ohne bekommt man jedoch ein umfassendes Bild über jene, die sich einer fast unlösbaren Aufgabe gegenüber sahen.

Uwe Neumahr würdigt an der einen und beleuchtet kritisch an anderer Stelle. So ausgewogen möchte man mehr davon lesen. Das was da ist, lohnt sich.

Autor:

Uwe Neumahr wurde 1972 geboren und ist ein deutscher Schriftsteller und Literaturagent. In Tübingen und Pisa studierte er zunächst Literaturwissenschaft, promovierte in Köln und war Mitarbeiter der Forschungsstelle zur spanischen Renaissance der Universität Kiel. Danach arbeitete er als Lektor, sowie als Literaturagent, seit 2013 in München, wo er zahlreiche nationale und internationale Autor:innen vertritt. Er ist Autor mehrerer Sachbücher, u. a. einer Biografie über Cervantes, die 2015 erschien.

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Karl Schlögel: Terror und Traum – Moskau 1937

Inhalt:

Schauprozesse und Massenverhaftungen markieren den Höhepunkt von Stalins diktatorischer Herrschaft. Im Schatten des Terrors aber scheint der Traum einer neuen Gesellschaft Gestalt anzunehmen: Gigantische Bauprojekte verändern das Stadtbild, sowjetisches Hollywoodkino, Fliegerhelden und Sportspektakel begeistern die Massen. Karl Schlögels neues Meisterwerk schildert ein russisches Schicksalsjahr, das in der europäischen Geschichte tiefe Spuren hinterlassen hat. (Klappentext)

Rezension:

Im Blick auf die Zivilisationsbrüche der 1930er Jahre herrscht eine auffallende Asymmetrie. Eine Welt, der sich im kollektiven Gedächtnis nach dem Zweiten Weltkrieg Namen wie Dachau, Buchenwald und Auschwitz eingeprägt hatten, fehlen oft Workuta, Kolyma oder Magadan. Auch in Stalins Riesenreich vollzog sich ein totalitärer Wandel, dessen Opfer spätestens mit der Festigung des Eisernen Vorhangs zum zweiten Mal hinter einer Mauer des Schweigens verschwanden und erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der zaghaften Öffnung von Archiven wieder zum Vorschein kamen.

Dabei ist das Moskau 1937 ein Schauplatz europäischer Geschichte, viel facettenreicher und durchmischter, als das die damaligen Machthaber wahrhaben wollten. Die Welle des Terrors, mit der Stalins getreue, die nicht selten selbst derer Opfer wurden, fegte um so heftiger über die Metropole an der Moskwa hinweg. Der Historiker Karl Schlögel zeichnet dies nach und schaut dabei nicht nur auf die großen Schauprozesse, sondern auch auf eine immer mehr verängstigte Gesellschaft im erzwungenen Wandel.

Das sehr detaillierte Sachbuch des Osteuropa-Historikers Karl Schlögel erfährt, 2008 erstmals erschienen, durch die tagespolitischen Ereignisse eine Aktualität, die ihres Gleichen sucht, ist die Geschichte der Stalinschen Terrors doch untrennbar mit dem verbunden, was danach passieren sollte, auch, was passiert, wenn Verarbeitungs- und Erinnerungskultur nicht in dem Maße wirken können, wie dies in der Mitte des europäischen Kontinents in Sachen Holocaust der Fall ist.

Dabei wagt der Autor einen Rundumblick, soweit es damals schon die geöffneten Archive in Russland zugelassen haben und führt die Leserschaft ein, in ein pluralistisches Moskau, welches es nach 1937 so nicht mehr gab. Schlögel zeigt eine Vielfältigkeit auf, die sich nicht nur in Architektur und Fortschrittsglaube widerspiegelte, sondern auch in Kunst und Kultur, sowie Technik. Der junge Staat wollte sich der Welt präsentieren, zugleich die Machthaber im Kreml ihren Status sichern und festigen. Kapitel für Kapitel beschreibt Schlögel einzelne Aspekte des gesellschaftlichen Kosmos‘ einer Metropole, die im Zuge des Stalinschen Terrors in seine Bestandteile zerfiel. Das letzte Adressbuch für lange Zeit, 1936, steht am Anfang dessen, sowie Kongresse und Ausstellungen, die die Welt bewegten, während anderswo in Europa bereits zuvor dunkle Wolken dem vorauseilten, was später die Welt in den Abgrund stürzen sollte. Danach folgte nur noch Terror, mit all seinen schrecklichen Folgen.

Der beschriebene Zeitraum ist überschaubar, nicht so sehr die geschehenen Ereignisse und beleuchteten Perspektiven, deren Biografien abrupt 1937/38 endeten. In seinem Standardwerk nimmt sich der Historiker Zeit für einzelne gesellschaftliche Aspekte, die Beschränkung liegt allein im stadtgeografischen Raum, den Stalins Getreue mit Gewalt umformen wollten. Hier versinkt man in Details, was sehr nüchtern, teilweise sehr schwerfällig zu lesen ist, doch auch so sein muss, wenn man ein umfassendes Gesamtwerk erhalten möchte.

Fragen kommen auf, wie jene, warum selbst ehemalige Minister und Beamte, die an der ersten Terrorwelle beteiligt waren, in Schauprozessen angeklagt, selbst absurde vorgefertigte Geständnisse und Schuldbekenntnisse unterschrieben? Im Wissen um die Mechanismen des Machterhalt Stalins. Der Historiker beleuchtet das Geschehen an verschiedenen Schauplätzen Moskaus, den Blick der Einheimischen, der alten und der neuen Elite Russlands, sowie die Betrachtung der Emigranten und Exilanten, den Blick Amerikas auf das neue Moskau, sowie diesem auf sich selbst. Nach und nach setzt Schlögel hier ein Puzzle zusammen, welches abrupt zum Stillstand kam, als ein anderes Land Europa mit Gewalt und Terror überziehen sollte.

Karl Schlögel spricht hier den interessierten Laien mit Vorkenntnissen an, sowie Kenner der Historie und hat mit seinem geschichtlichen Standardwerk Grundlage für Diskussionen und weitere Betrachtungen gelegt, denen sich Andere annehmen können. Vieles von dem, was später in der Sowjetunion passierte, wäre ohne das Jahr 1937 nicht denkbar. So ganz ohne Vorkenntnisse geht es jedoch nicht, die mit Quellen gut unterfütterte Lektüre, ergänzt durch eine historische Karte des Schauplatzes, ist ohne dies nicht leicht lesbar. Zu viele Namen mussten erwähnt, zu viele Biografien und gesellschaftliche Aspekte beleuchtet werden.

Die Lektüre, die nur vor allem die Konzentration der Lesenden gewinnt, ist erhellend. Fraglich nur, wie viele Fakten letztendlich hängen bleiben und was die noch ausführliche Betrachtung eines einzelnen Aspekts des gesellschaftlichen Wandels Moskaus noch zusätzlich für Erkenntnisse bringt. Hier ist die Grundlage dafür, dies auszuprobieren und um sich, in turbulenten Zeiten, neue Perspektiven zu schaffen. In diesem Sinne, zu empfehlen.

Autor:

Karl Schlögel wurde 1948 geboren und ist ein deutscher Historiker und Publizist. Er studierte u. a. Soziologie, osteuropäische Geschichte und Slawistik in Berlin und schrieb seine Dissertation über Arbeiterkonflikte in der Sowjetunion nach Stalin. 1982 ging er als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Moskau, wo er sich mit der Geschichte der russischen Intelligenzija im 19. und 20. Jahrhundert beschäftigte, arbeitete anschließend als Privatgelehrter und freier Mitarbeiter für den Rundfunk.

Er veröffentlichte dort, sowie in mehreren Magazinen und Zeitungen, bevor er eine Professur für Osteuropäische Geschichte in Konstanz erhielt, sowie 1995 die selbe in Frankfurt/Oder. Von 2003 bis 2005 war er dort Dekan der Kulturwissenschaftlichen Universität.2013 wurde er emeritiert. Er konzipierte mehrere Ausstellungen und Zeitschriften mit, war Mitglied der Jury des Friedenspreises des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und beschäftigt sich seit Beginn der Krimkrise intensiv mit der Geschichte der Ukraine. 2013 wurde er mit der Puschkin-Medaille ausgezeichnet, welche er 2014 ablehnte. 2018 erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse, ein Jahr darauf den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

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Fabien Nury/Thierry Robin: The death of Stalin

The death of Stalin Book Cover
The death of Stalin Fabien Nury/Thierry Robin Splitter Verlag Erschienen am: 25.02.2018 Seiten: 144 inkl. Bonusmaterial ISBN: 978-3-96219-171-9 Übersetzer: Harald Sachse

Inhalt:

An alle Parteigenossen…

An alle Werktätigen der Sowjetunion…

Das Herz des Kampfgefährten und genialen Fortsetzers der Sache Lenins,

des weisen Führers der Kommunistischen Partei und des Sowjetvolkes, Josef Wissarionowitsch Stalin…

… hat aufgehört zu schlagen.

-Mitteilung der Partei- und Staatsführung der UdSSR vom 8. März 1953-

(Klappentext)

Rezension:

Eine komplette Biografie in Form eines Comics zu gestalten, funktioniert in den meisten Fällen schon aufgrund der Vielschichtigkeit von Ereignissen nicht und würde ein sehr ausuferndes Projekt werden, so scheiterte Thierry Robin bei dem Versuch, eine solche über keinen Geringeren als Stalin zu entwerfen.

Doch, wie ist es, eine solche auf ein bestimmtes Moment zu konzentrieren? Erzielt man damit nicht genau die gleiche, wenn nicht sogar eine bessere Wirkung?

Zusammen von Fabien Nury und Thierry Robin gestaltet, liegt hiermit „The death of Stalin“ vor, die Graphic Novel, die nun den Fokus rund um die Ereignisse legt, die sich um den Tode des Massenmörders und sowjetischen Diktators Stalin abspielten.

Fein nuanciert wird dargestellt, welches Machtvakuum dieser Machtmensch bereits im Sterbebett hinterließ und welche Ränkespiele sofort nach seinem Tode begannen.

Die Autoren und Zeichner orientierten sich dabei eher lose an dem, was überliefert ist, so gab es z.B. den am Anfang dargestellten Brief der Maria Judina wirklich, doch war er nicht der Auslöser für Stalins Schlaganfall, der zum Tod führte. Dennoch ist den beiden Zeichnern ein großer Wurf gelungen.

In düsteren Farben wird der irrsinn von Macht- und Ränkespielen dargestellt, sowie die Charkterzeichnung der einzelnen Akteuere auf die Spitze getrieben. Wiedererkennungswert haben die Protagonisten. Ihre realen Vorbilder sind sofort ersichtlich.

Kalt wird es den Lesern den Rücken hinterlaufen, wenn der gefürchtete Geheimdienstchef Beria seine finsteren Pläne schmiedet und Figuren wie Chruschtchow oder Bulganin darauf reagieren müssen. Wirkliche Sympathieträger gibt es nicht, doch zeigen Nury und Robin den ganzen Irrsinn auf, den das Machtvakuum verursachte, welches sich nach Stalins Tod ergab.

Die Autoren zeigen auf, dass Stalins Terrorregime weitreichende Folgen hatte, noch über den Tod hinaus, mit den Folgen zu kämpfen hatte. Das Chaos, welches der große Terror hinterließ, wenn es um die Suche nach geeigneten Ärzten etwa ging oder selbst vor Stalins erwachssenen Kindern nicht haltmachte.

In diesem Sinne kann man Thierry und Nury nur Respekt zeugen, sich auf wichtige Details dieser geschichtlichen Ereignisse zu konzentrieren. Vielleicht ist nicht alles den tatsächlichen Begebenheiten zu hundert Prozent angeglichen, sofern überhaupt überliefert, aber so hätte es sein können. Der Geist des Geschehens kommt in jedem Fall rüber.

Ausgesprochen gut zeigen die Autoren, was Macht mit den Menschen macht, besonders aber die abhängigkeiten udn Rivlitäten der Führungsfiguren, die in den Zeichnungen einen realen Wiedererkennungswert besitzen.

Es fällt leicht, dem zu folgen, selbst, wenn man sich bisher kaum mit den geschichtlichen Werdegängen beschäftigt hat. Alleine, um die Atmosphäre aufzunehmen, genügen bereits ein paar Seiten.

Die Zusammenarbeit von Robin und Nury hat hier zu einer gelungenen Mischung geführt, diese wiederum zu einer interessanten und packenden Graphic Novel, die es in sich hat.

Geschichte kann eben spannend sein. Besonders, wenn sie so erzählt wird.

Autoren/Zeichner:

Fabien Nury wurde 1976 geboren und ist ein französischer Comicautor. Zeichnungen von Kurzgeschichten erschienen in mehreren Magazinen, bevor er sich auf historische Erzählungen spezialisierte. Er prägte dabei das biografische Comic. Seine Werke wurden mehrfach ausgestellt und ausgezeichnet.

Thierry Robin wurde 1958 geboren, ist ebenfalls Comicautor und zeichnete bereits Weihnachtsbriefmarken für die französische Post. Sein Werk wurde 1990 erstmals ausgestellt, was ihm die Türen zum Verlagswesen öffnete. Zusammen mit Nury veröffentlichte mehrere historische Graphic Novels.

Film-Adaption:

Hervorrragend auch die Film-Adaption von 2018.

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