Dirk Kummer: Alles nur aus Zuckersand

Alles nur aus Zuckersand Book Cover
Alles nur aus Zuckersand Dirk Kummer Kinderbuch Carlsen Erschienen am: 30.08.2019 Hardcover Seiten: 139 ISBN: 978-3-551-55390-4

Inhalt:
Für Fred und seinen besten Freund Jonas ist jeder Tag ein Abenteuer. Am liebsten spielen sie in der verlassenen Fabrik, ganz in der Nähe der Grenze zu West-Berlin. Doch als bekannt wird, dass Jonas‘ Mutter einen Ausreiseantrag gestellt hat, werden die beiden aus ihrem unbeschwerten Alltag gerissen.

Ab sofort dürfen sie sich nicht mehr treffen. Aber die Freunde haben einen Plan: Heimlich fangen sie an, einen Tunnel in den Brandenburger Sand zu graben. Auch wenn Jonas die DDR verlässt, werden sie sich wiedersehen. Ganz sicher. (Klappentext)

Rezension:
Das Leben könnte so einfach sein, wenn die Erwachsenen nicht immer so kompliziert wären. Und wenn dann noch die blöde Politik dazu kommt, ist alles aus. Was also tun? Auf diese Formel könnte man diesens Kleinod der jüngeren Kinderliteratur aus dem Carlsen-Verlag herunterbrechen, die von zwei Jungen erzählt, die um ihre Freundschaft kämpfen. Identifikationsfiguren sind Jonas und Ernst, beste Freunde, die alles zusammen unternehmen.

Man stromert durch die Gegend, auf den Schulhof und durchlebt einen wunderschönen Sommer, bis zu dem Tag, an den für Ernst die Welt zusammenbricht. Jonas‘ Mutter hat doch tatsächlich einen Ausreiseantrag gestellt. Was das heißt, begreift Jonas sofort.

Nie wieder werden sie zusammen spielen können, denn Ende der 1970er Jahre ist die Welt noch in zwei Teile getrennt, durch Zäune, Mauern, Stacheldraht. Doch die beiden Freunde entwickeln einen Plan, man müsste nur einen Tunnel graben, dann könnte man sich treffen. In der zwischenzeit könnte man es ja per Telepathie versuchen, wie die Ureinwohner in Australien. Daran würden Ernst auch nicht seine systemtreuen Eltern oder die Sportschule hindern. Gesagt, getan.

Man beginnt zu graben. Unweit der Grenze, in einem verlassenen Fabrikgebäude. Doch, nicht nur der brandenburgische Sand bereit den beiden Jungen Probleme.

So viel zum Inhalt, der allen bekannt sein dürfte, die den Film „Zuckersand“ 2017 im Fernsehen geschaut haben. Der Film war gut, die Schauspieler noch besser und so stellt man sich die Jungen gleich einmal bildlich vor, wie sie da fassungslos vor der Entscheidungsgewalt der Erwachsenen stehen und einer Politik, die sie noch niht verstehen.

Warum sollte man ausgerechnet ihnen die Freundschaft zueinander verbieten? Warum fallen nachts manchmal Schüsse an der Grenze und wie erhält man eine Freundschaft, die auseinander gerissen wird? Fragende Kinderaugen inklusive.

Dirk Kummer hat als Regisseur des Filmes gezeigt was er kann und dies in einer für gerade jüngere Kinder freundlicheren Variante abgewandelt nun zwischen zwei Buchdeckeln verpackt. Trotzdem oder gerade deswegen funktioniert dieser kleine Roman gerade für die Zielgruppe sehr gut, da hier Werte wie Freundschaft, Mut und Zusammenhalt dem gegenüber gestellt werden, was man durchaus als Erwachsenenverhalten bezeichnen kann, sich unbedingt zu einer Seite bekennen zu müssen. Erwachsene machen die Welt kompliziert. So einfach ist das.

Einfühlsam baut Dirk Kummer mit wenigen Sätzen, das Werk ist nicht sehr umfangreich, die Charaktere auf, die man sofort mag. Für Kinder bieten beide Jungen Identifikationsfiguren und so ganz nebenbei erklärt man ein aus Kinderaugen sicherlich unverständliches Stück Geschichte. Dicht ist der Schreibstil, temporeich die Erzählweise, auch wenn Ernsts Gedanken mal wieder zu den Aborigines nach Australien reisen.

Dort kann Jonas ja bald sein, er selbst müsste entweder Reisekader des Olympiateams werden oder später Rentner. Interessenten sei empfohlen, jedoch nicht so lange zu warten. Ihr solltet das Buch gleich lesen. Vielleicht nachdem ihr den Film gesehen habt. Aufgrund der Erarbeitung des Stoffes funktioniert das auch.

Autor:
Dirk Kummer wurde 1966 geboren und ist ein deutscher Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler. Nach Kindheit und Jugend in Falkensee und Ost-Berlin, spielte Kummer als 13-jähriger in seiner ersten Fernsehrolle und leistete nach seinem Abitur drei Jahre Wehrdienst bei den Grenztruppen. Danach studierte er Darstellende Kunst.

1992 ging er in die Schweiz, arbeitete ab 1993 nur noch sporadisch als Schauspieler, hauptsächlich als Regie-Assistent und erhielt 2002 ein Autorenstipendium der Drehbuchwerkstatt Nürnberg und des Bayerischen Rundfunks. Ein Jahr später arbeitete er fast ausschließlich asl Drehbuchautor und Regisseur. Sein Film „Zuckersand“ erhielt 2017 u.a. den 3sat-Zuschauerpreis und 2018 den Grimme-Preis.

Das war der Gratiscomictag 2019

Es gibt Tage, von denen man erst etwas mitbekommt, wenn sie gerade laufen oder schon gelaufen sind. Praktisch, wenn es schon fast zu spät ist. Bei mir ist das der diesjährige Gratiscomictag, der sich 2019 zum zehnten Mal jährt. Nach amerikanischen Vorbild möchten auch im deutschsprachigen Raum namenhafte Verlage auf sich aufmerksam machen und junge Leser für Comics gewinnen, alte Leser zurück gewinnen und so wurden am Samstag in Buchhandlungen und Spezialgeschäften gratis Comics verteilt.

Über vierzig verschiedene, vom Comic bis zum Manga war alles dabei. Zwei bis drei Hefte durfte man pro Geschäft mitnehmen, ich habe vier meiner Stammbuchläden aufgesucht und bin auf insgesamt zwölf Stück gekommen. Als hätte ich nicht schon genug Lesestoff zu Hause.

Ob sich das für mich gelohnt hat, wird sich spätestens beim Lesen zeigen. Ich bin mir aber unsicher, ob ich mir dies noch einmal antue? Auf der Buchmesse machen mir ja Menschenmassen nichts aus, aber in so kleinen Läden bekommt so ein Gedränge noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Und, wenn Erwachsene sich freuen, noch vor dem zehnjährigen Knirps das letzte Heft eines bestimmten Comics abgegriffen zu haben, trauriges Kindergesicht und erwachsene Schadenfreude, dann ist das auch nicht Sinn der Sache. Trotzdem ist es eine interessante Aktion und vielleicht hat ja der eine oder andere Ladenbesuch zu einem ungeplanten Buchkauf geführt? Dann hätte sich der Tag auch für die Buchhandlungen gelohnt.

Man muss dazu sagen, dass ich ansonsten in Buchhandlungen sehr viel Geld ausgebe.

Kurzblick: Harry Potter weltweit

„Harry Potter nervt.“, beschwerte sich kürzlich einer der jüngeren deutschen Booktuber in einem seiner Videos und bemängelte die Praxis des Carlsen-Verlages, schon wieder eine neue Edition der Geschichte um den jungen Zauberlehrling aus Joanne K. Rowlings Feder herausgegeben zu haben, und ein wenig hat er recht.

Der Buchtoaster: „Harry Potter nervt.“

Das Portemonaie der Fans ist es, was der Verlag seit 20 Jahren  zu melken vermag, immerhin werden wieder und wieder neue Auflagen gedruckt, Zusatzbücher gedruckt, nicht zuletzt die Drehbücher zu den im Potter-Universum spielenden „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, die sowie so schon als Filme durchschlagen.

Das kann man finden, wie man möchte, den ganzen Quatsch sein lassen oder als Fan dem nachgeben und immer weiter kaufen. Letztendlich bleibt das jeden selbst überlassen. Ich habe mich inzwischen darauf ausgelegt, den Blick über den Tellerrand schweifen zu lassen und geschaut, wie das in anderen Ländern gehandhabt wird, auch wenn dafür andere Literatur fast zwangsweise untergeht.

Offen gestanden, genau so. Kein Verlag lässt sich diese sichere Einnahmequelle entgehen, andere Verlage ziehen mit Kochbüchern und ähnlichen Getue nach. Es funktioniert ja auch. Und ergibt ganz nebenbei ein erstaunliches Sammelgebiet, womit wir wieder bei den freiwillig gemolkenen Kühen wären, zu denen ich offengestanden leider auch gehöre.

Ich habe mich mit den Blick auf’s Ausland ans Sammeln gemacht, wie man seit kurzem auf der Seite „Meine HP-Sammlung“ beobachten kann, und bin dabei, mir nach und nach die Sprachfassungen des ersten Bandes „Harry Potter und der Stein der Weisen“ in die Wohnung zu holen. Es ist faszinierend, eine Geschichte zu wissen, die auf der ganzen Welt gelesen werden kann, in der eigenen Sprache und auch sonst. Zudem kann man vergleichen, wie wirkt sich die Druckqualität und die der Bindung aus, welche Unterschiede gibt es in der Schrift und Sprache und was hat das überhaupt für Auswirkungen auf das Gesamtwerk.

Und, wo wir schon bei der Haptik des Buches sind, kommen wir gleich einmal zu Optik. Wie wirkt sich die Covergestaltung auf das Gesamtwerk aus? Wer diese und andere Fragen beantwortet haben und zugleich etwas über verlegerisches Verhalten lernen möchte, kann also gut und gerne die Harry Potter Geschichte als Vergleichsmaterial nehmen. Vom Inhalt her ist sie ja überall gleich.

Ausgangsmaterial muss dabei das Original-Werk, sprich hier die englische Ausgabe des britischen Bloomsbury-Verlages sein, der Joanne K. Rowlings Geschichte zu allererst veröffentlichte und gefühlt alleine vielleicht von den Lizenzen leben kann, die er in der ganzen Welt verkauft. Auch auf der Insel gibt es inzwischen mehrere Auflagen im Taschenbuch- oder Hardcover-Format. Hörbücher. Braille-Fassungen und Sondereditionen kommen auch noch dazu.

Die Papierqualität, zumindest der Taschenbuchausgaben ist meinem Gefühl nach schlechter als was man in Mitteleuropa bekommt, von der Schriftgröße her ähnelt es sich und auch sonst gibt es keine großen Unterschiede, wenn man mal von der Gestaltung absieht. Die britischen Cover wurden von einigen Verlagen verschiedener Länder unverändert (oder nur in Bezug auf die Schrift und Sprache) übernommen, andere, wie eben Carlsen, legten mit eigenem Cover vor.

Der britische Band ist bei mir übrigens sehr schnell gerissen. Entweder habe ich eine Montagsausgabe erwischt oder es war Magie im Spiel. Sei’s drum. Irgendwann hole ich mir einen der Bloomsbury-Schuber.

Auf der anderen Seite des Erdballs ist der erste Band vom Umfang her größer. Die japanische Ausgabe ist größer vom Format her und hat zudem ein aufwendiges Cover, welches sich aus europäischer Sicht auf der Rückseite befindet. Wie ein Manga muss diese Geschichte, die in traditioneller Schreibweise von oben nach unten geschrieben ist, von hinten nach vorne gelesen werden. da die Schrift sehr groß, die Zeichenabstände ebenfalls und die Ränder nicht unbeachtlich sind, muss die Geschichte in Japan ab Band 4 auf mehrere Bücher verteilt werden. Wer will schon einen Ziegelstein mit sich herumschleppen? Japanische Kinder haben also mehr Bücher in ihrem Zimmer stehen oder greifen gleich zum E-Book. Ob da allerdings diese tolle Zeichnung aus Pastellkreide (?) zu sehen ist, weiß ich nicht.

In Spanien und Italien ähneln sich vom Umfang her die Ausgaben des ersten Bandes sehr, da Schriftgröße und -art fast gleich sind, man außerdem zur gleichen Sprachfamilie gehört. Man fragt sich zwar, was sich der italienische Zeichner bei den Mäusehut gedacht hat (Ich muss diese Stelle bei Gelegenheit nochmal lesen, ob der wirklich vorkam.), aber insgesamt sind das beides sehr schön verarbeitete Ausgaben. Etwas dünner als die deutsche Ausgabe, werden die Bücher beider Länder durchnummeriert, der spanische bekommt pro Band einen unterschiedlich eingefärbten Rahmen.

Das italienische Harry Potter 1 Cover.

Unter den Sprach-Übertragungen finden sich verschiedene Kuriosa. So könnten Latein-Lehrer ihren Unterricht mit der Bloomsbury-Ausgabe „Harrius Potter“ aufpeppen. Wer des Plattdeutschen mächtig ist, findet die ersten zwei Bände auch in dieser Übersetzung, muss dafür inzwischen aber auch eine ganze Menge Geld hinblättern. Diese Ausgaben kann man nur noch antiquarisch und gebraucht erwerben, womit wir wieder bei den gemolkenen Kühen wären. Es ist aber auch ein Teufelskreis.

In Russland muss sich Joanne K. Rowling zuweilen den Erfolg mit den hießigen Fantasy- und Science-Fiction-Autoren Sergej Lukianenko („Die Wächter“) teilen, der in seiner Heimat genau so oder noch erfolgreicher ist. Nichts destotrotz gibt es auch dort mehrere Übersetzungen. Es entzieht sich dabei meiner Kenntnis, warum das so ist und warum die Bücher dort nun von einem anderen Verlag herausgegeben werden als zu Beginn des Phänomens, welches von Kaliningrad bis nach Wladiwostok herüberschwappte. Auch da. Hatte das lizenrechtliche Gründe? Ging der erste Verlag pleite oder andere Wege? Keine Ahnung. Wäre hier dankbar um Aufklärung.

Das dortige Cover findet sich auch auf meiner mir vorliegenden chinesischen Ausgabe und ist, glaube ich (Recherche ist alles.) ein Jubiläums-Motiv. Wenn ich mich nicht täusche, war dies das zum damals 15-jährigen Jubiläum. Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege. Die chinesische Ausgabe ist so dünn, wie ein sehr schmales Taschenbuch, hat aber Hochformat und ist enger bedruckt als etwa die japanische Ausgabe. Der Umfang gleicht etwa der Hälfte der russischen Ausgabe.

Als ich einmal den ersten Film aus Versehen auf Niederländisch loslaufen ließ, konnte ich mich kaum halten vor Lachen. So viele Chr-Hr- und ähnliche zungenverrenkende Laute hatte ich bis dato noch nie nacheinander gehört. Die Niederländer haben sowohl in der klassischen Hardcover- als auch in der Taschenbuchversion schöne, wie gemalte Motive, gleichen von der Papierqualität und der Bindung dem, was man vom deutschen Carlsen-Verlag gewohnt ist.

Es ist praktisch Harmonie, wie auch der Verlag der Niederländer sich nennt. Mir gefällt, dass die Niederländer hier ein Lesebändchen eingearbeitet haben. Etwas, worauf die Deutschen bis zu den von Jim Kay illustrierten Ausgaben warten mussten und sonst nur die Japaner haben (Ich gehe dabei von den Büchern aus, die schon bei mir sind.). Von der Schrift her wirkt alles etwas kleiner und enger bedruckt. Das wird dann auch vom Umfang her dünner als es die deutsche oder britische Ausgabe ist.

Als letztes komme ich zur polnischen Variante der Erwachsenenausgabe, die schon etwas hermacht mit diesen Stein der Weisen. Hoffentlich war das nicht einfach ein Fotoshop-Motiv einer großen Bilddatei-Datenbank und selbst wenn, es sieht gut aus. Die polnische Ausgabe ist etwas dicker im Umfang als es die niederländische ist, liegt gut in der Hand und ist überlebensfähig. Habe jedenfalls nicht das Gefühl, dass etwa der Transport in der Tasche oder das Lesen in der U-Bahn sich großartig auf das Buch auswirkt, von normalen Gebrauchsspuren einmal abgesehen.

Unterwegs ist gerade die ukrainische Ausgabe mit sehr aufwendigen Cover, auf die ich noch genauer eingehen werde, da sie wirklich sehr detailliert ist, aber das möchte ich erst wirken lassen, wenn sie bei mir ankommt. Davon werde ich berichten. Jetzt kann ich noch nicht viel dazu und zur Haptik sagen.

Allen Harry Potter Ausgaben aller Länder ist gemein, dass auch sie in den unterschiedlichsten Varianten kursieren und verlegt werden, damit wieder eine neue Generation von Lesern geschaffen wird und es weiter Kundschaft für die Verlage gibt. Das funktioniert mit „Harry Potter“ in allen Ausführungen sehr gut, schwächt manchmal jedoch den Blick auf andere Bücher, die dann irgendwie untergehen. In sofern gebe ich den Buchtoaster schon ein wenig Recht. Der Fan in mir lässt sich aber wahrscheinlich weiter melken. Selbst schuld.

Der Beitrag enthält unbezahlte Werbung.


Joanne K. Rowling: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – illustrierte Ausgabe

phantastische-tierwesen-und-wo-sie-zu-finden-sind-vierfarbig-illustrierte-schmuckausgabeAutorin: Joanne K. Rowling
Titel: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – illustrierte Ausgabe
Seiten: 160
ISBN: 978-3-551-55698-1
Verlag: Carlsen

Inhalt:
Das Lehrbuch des britischen Magizoologen Newt Scamanders liegt nun nicht nur Hogwartsschülern, sondern auch Muggeln, in dieser wunderschönen illustrierten Fassung vor. Freigegeben von der magischen Welt werden hier die magischen Wesen ausführlich vorgestellt und klassifiziert, so wie sie Scamander einst erforscht und beschrieben hat.

Weiterlesen