Khaled Hosseini: Am Abend vor dem Meer

Inhalt:
Am 02. September 2015 ertrank Alan Kurdi bei dem Versuch, sich über das Mittelmeer nach Europa in Sicherheit zu bringen. Er war drei Jahre alt und stammte aus Syrien. Khaled Hosseini war selbst ein Flüchtlingsjunge, der fern von seinem Heimatland Afghanistan aufwuchs.

Diese Erfahrung von Trennung und Heimweh prägt die einzigartie emotionale Kraft seiner Bücher und wurde schriftstellerischer Antrieb wie gesellschaftlicher Auftrag: Seit vielen Jahren unterhält er eine eigene Stiftung und ist Sonderbotschafter des UNHCR.

Im „Am Abend vor dem Meer“ kommt beides zusammen. Die atmosphärisch dichte Erzählung, eindringlich farbig illustriert von Dan Williams, erzählt in einem Brief eines Vaters an seinem Sohn vom Abschied von zu Hause und der Gefahr der Überfahrt auf der Flucht. (Verlagstext)

Rezension:
Das Thema „Flüchtlinge“ dominiert seit Jahren die Schlagzeilen in Europa, lässt die Gemüter kochen und spaltet das politische Leben. Viele Politiker sind längst nach rechts gerückt, demokratische Werte zählen nicht mehr viel, Grundwerte wie Menschlichkeit ohnehin nicht. Viel wird diskutiert, über die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen, wer integriert werden darf, wer nicht, und wie das alles aussehen soll.

Die Fluchtursachen geraten immer mehr in den Hintergrund, sind vielerorts schon fast vergessen. Immer noch machen sich daher Männer, Frauen und Kinder auf den gefährlichen Weg nach Europa, da ihre Heimat keine Zukunft und kein Leben bieten kann. Nicht wenige sterben bei den Versuch, zu Land oder zu Wasser Hilfe zu erreichen.

So auch der kleine Alan Kurdi, der im Jahr 2015 im Mittelmeer ertrank. Das Bild des kleinen Jungen, dessen lebloser Körper am Strand lag, ging um die Welt, wurde instrumentalisiert. Ihm und den anderen zahlreichen Opfern der Flucht ist dieses Buch gewidmet.

Es ist viel weniger ein Buch als eine kleine Briefnovelle, die es auf so wenigen Seiten gehörig in sich hat. Ein Vater, offenbar schon am Ziel, schreibt einen Brief an seinen kleinen Sohn, der den gefährlichen Weg über’s Mittelmeer noch vor sich hat.

Er schreibt von der Stadt Homs, wie einst der Vater sie kannte und in welchen Gegensatz sie der Sohn sieht, schreibt von den Gefahren der Überfahrt über das Meer und hofft inständig, dass der Sohn nicht Opfer von den Gewalten der Mutter Natur werden wird. Das Ende indes bleibt offen.

Dieser eine Brief durchzieht das gesamte Buch, pro Seite immer nur einpaar Zeilen, die wirkungsvoll durch die Zeichnungen Dan Williams‘ unterstrichen werden. Die Aquarelle wirken zuerst fröhlich, weichen nach und nach immer düster wirkenden Bildern, die alleine schon Eindruck genug machen und dem Leser sehr nahe gehen werden.

Es passiert mir nicht oft, dass ich mich dermaßen emotional beeindrucken lasse, doch hat es bei mir im Inneren etwas ausgelöst und einen Schalter umgelegt. Einige Tränen sind tatsächlich geflossen.

Was die täglichen Nachrichten betrifft, versuche ich das Geschehen in diesem Teil der Welt und die Auswirkungen hier, die einen Teil der Bevölkerungen gefährlich nahe an den Rand rutschen lässt, der 1933 das NS-Regime an die Macht gebracht hatte, nicht an mich heran zu lassen. Es gelingt mir jedoch immer weniger.

Khaled Hosseini und Dan Williams führen uns mit wenigen Worten und eindrucksvollen Bildern die Situation vor Augen, der jeder Flüchtling gegenüber steht. Es wird klar, dass sich niemand grundlos auf diese gefährliche Reise begibt, dass die, die in unseren gesellschaftlichen Fokus geraten sind, lieber in ihren Ländern leben würden, wenn die Situation es zuließe.

Auch klar wird, dass grundlos nichts passiert und das wir in der Pflicht sind, uns zu kümmern. Wir dürfen uns nicht mit Vereinfachungen und Stammtischparolen zufrieden geben, auch nicht mit minutenlangen Berichten in den Nachrichten.

Es muss sich endlich um die Fluchtursachen gekümmert werden, die Länder und Staaten, die so viel Elend und Leid bringen, dass zu viele ihr Leben dort als nicht lebenswert betrachten können, lieber die Gefahren der Flucht auf sich nehmen, müssen wieder ins Blickfeld geraten. Damit nicht noch mehr Erwachsene und vor allem Kinder wie Alan Kurdi sterben.

Mit den Kauf des Buches ist zumindest ein kleiner Schritt getan. Die Leser unterstützen damit die Khaled Hosseini Foundation und den UNCHR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, die lebensrettende Nothilfemaßnahmen finanziert, um Flüchtlingen überall auf der Welt eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Autor:
Khaled Hosseini wurde 1965 in Kabul, Afghanistan, geboren und ist ein amerikanischer Schriftsteller und Arzt. Sein Vater arbeitete für das afghanische Außenministerium von 1970 bis 73 in Teheran, 1976 zog die Familie nach Paris, wo dieser in der afghanischen Botschaft arbeitete.

1976, nach der sowjetischen Invasion, beantragte die Familie politisches Asyl in den USA, welches 1980 gewährt wurde. 1984 erlangte Khaled Hosseini seinen High-School-Abschluss, studierte anschließend Biologie und Medizin, worin er 1993 promovierte. Seit 1996 arbeitet er als Internist. Im Jahr 2003 veröffentlichte er seinen ersten Roman, der verfilmt wurde, 2007 und 2013 folgten weitere Erzählungen.

Illustrator:
Dan Williams ist Künstler und Illustrator. Seine Arbeiten erscheinen in zahlreichen Zeitungen, wie etwa „Guardian“ oder Magazinen wie „National Geographic“ und „Wall Street Jounal“. Für mehrere Verlage illustrierte er bereits Publikationen. Williams‘ Werke wurden mehrfach ausgestellt.

Khaled Hosseini
Am Abend vor dem Meer
Seiten: 48
ISBN: 978-3-10-397409-6
Verlag: S.Fischer

Nikolaij A. Sokoloff: Der Todesweg des Zaren

Inhalt:
Im Jahr 1917 kam es in Russland zu Demonstrationen, Streiks und Revolten. Nikolaus II. wurde zum Rücktritt gezwungen und stand fortan unter Hausarrest. Der ehemalige Zar und seine Familie wurden in die Verbannung geschickt, während im Land ein grausamer Bürgerkrieg herrschte.

Im Sommer 1918 verbreiteten sich über die Ermordung des Zaren Gerüchte. Nikolaj A. Sokoloff war einer der ersten, die die Ermordung des Zaren und seine Familie systematisch untersuchten und die Ergebnisse veröffentlichte. Mit der Zeit gerieten seine Erkenntnisse in Vergessenheit. (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:
Wer kennt sie nicht, die Legenden, die sich um die Familie des letzten Zaren von Russland Nikolaus II. ranken? Angeblich überlebende Zarenkinder, die nach Jahren als Erwachsene aufgetaucht sind und einigermaßen plausible Geschichten erzählten, Gerüchte, wonach bolschewistische Soldaten einer der Zarentöchter halfen, aus der Hölle des Massakers zu entkommen.

Es fehlten ja, als man die Gebeine der Ermordeten fand zunächst zwei Gebeine (die man erst später ein paar Meter weiter fand) und überhaupt, was war eigentlich in der Mordnacht geschehen?

Nikolai A. Sokolofff, russischer Untersuchungsrichter, begab sich bereit 1919, beauftragt damals noch von der gegen die Bolschewiken kämpfende „Weiße Armee“, auf Spurensuche. Herausgekommen ist ein Untersuchungsbericht, der Grauenvolles enthüllt.

Der Bericht selbst wurde 1925, nach dem Tode Sokoloffs veröffentlicht, und geriet dann für längere Zeit in Vergessenheit. Dies ist nun der Nachdruck des Originals, natürlich übersetzt. Immer noch ist es die Hauptquelle für Autoren und Historiker, zu ergründen, was damals geschah, denn Spurensuche ist schwierig.

Das Ipatjew-Haus, die letzte Unterkunft und schließlich Todesfalle der Familie, existiert nicht mehr und auch sonst ist der Tathergang mangels lebender Zeugen nur schwer nachzuvollziehen. Tagebücher, einige wenige Fotos, ein paar Tonbandaufnahmen von Aussagen der Bewacher der Familie sind alles, was übrig geblieben ist, und eben dieses Dokument.

Auffallend ist, wie gewissenhaft Sokoloff selbst in dieser schweren Zeit, wir erinnern uns, 1919 war Bürgerkrieg in Russland, recherchiert hat, Zeugen vernommen und orte besucht hat, die mit den letzten Tagen der Zarenfamilie zusammenhingen.

Während damals jedoch der Bericht von üüberlebenden Verwandten des Zaren angezweifelt wurde, können wir heute noch einen Punkt Sokoloff zurechnen. Seine Präzension, die in jeder Zeile zu spüren ist. Nur die Überreste der Familie fand er nämlich nicht, bei so ziemlich allen anderen Punkten hatte Sokoloff das richtige Gespür.

Da dieser Bericht einer der Hauptgrundlagen um die letzte Zarenfamilie ist, sei es jeden Interessierten empfohlen, dies zu lesen. Man sollte es jedoch nicht ohne Vorkenntnisse tun, wird ansonsten schwierig.

Der Schreibstil ist nüchtern gehalten, es ist halt ein Untersuchungsbericht, jedoch dadurch um so verständlich. Ein Namensverzeichnis wäre gut gewesen, ist aber schon im Original nicht vorhanden, also, folgerichtig, auch nicht im Nachdruck. Trotzdem ein sehr lesenswertes Dokument.

Autor:
Nikolai A. Sokoloff wurde 1882 geboren und lebte bis 1924. Er war ein russischer Richter und Untersuchungsrichter, und sollte im Auftrag der Weißen Armee den Verbleib Nikolaus II. und seiner Familie nach der Oktoberrevolution klären. Während des Bürgerkriegs flüchtete er sich vor den Bolschewiken nach Frankreich,, wo er kurz darauf starb.

Nikolaij A. Sokoloff
Der Todesweg des Zaren
Seiten: 177
ISBN: 978-142300223
Verlag: Meistersprung Literatur

Navid Kermani: Entlang der Gräben

Autor: Navid Kermani
Titel: Entlang der Gräben
Seiten: 442
ISBN: 978-3-406-71402-3
Verlag: C.H. Beck

Inhalt:
Ein immer noch fremd anmutendes, von Kriegen und Katastrophen zerklüftetes Gebiet beginnt östlich von Deutschland und erstreckt sich über Russland bis zum Orient. Navid Kermani ist entlang den Gräben gereist, die sich gegenwertig in Europa auftun: von seiner Heimatstadt Köln nach Osten bis ins Baltikum und von dort südlich über den Kaukasus bis nach Isfahan, die Heimat seiner Eltern.

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Rafel Nadal: Die letzten Tage meiner Kindheit

Die letzten Tage meiner Kindheit Book Cover
Die letzten Tage meiner Kindheit Rafel Nadal Roman Bastei Lübbe Erschienen am: 27.04.2018 Taschenbuch Seiten: 239 ISBN: 978-3-404-17678-6

Inhalt:
„Die Welt ist in zwei Lager geteilt: ihres und unseres. Wir sind in der Überzahl, verlieren aber trotzdem immer.“ Diese lektion lernt Lluc schon früh. Am letzten Tag des Spanischen Bürgerkriegs muss der Achtjährige mit ansehen, wie seine Mutter erschossen wird.

Bei der fürsorglichen Senyora Stendhal und ihrem Sohn Dani findet er ein neues Zuhause – nur, um es kurz darauf wieder zu verlieren. Lluc sinnt auf Rache. er träumt davon, in die Berge zu ziehen und sich dem Widerstand gegen Franco anzuschließen. Denn er will nicht sein leben lang auf der Seite der Verlierer stehen. (Klappentext)

Rezension:
Es ist eines dieser Romane, die zumindest gefühlt nicht großartig beworben und daher in der Wahrnehmung nicht ganz so weit oben auf den Büchertischen zu finden sind, wie es vielleicht andere Werke dieses Formats täten. Erzählt wird, was der Klappentext hergibt, eben die Geschichte eines kleinen Jungen, der im Spanischen Bürgerkrieg seine Mutter, ein paar Jahre später praktisch seine liebgewonnene Adoptivfamilie verliert und überhaupt den ganzen Schmerz, die ganzen offenen Wunden ertragen muss, die der Spanische Bürgerkrieg in die Herzen der Bevölkerung getrieben hat.

Wir erleben die Bewohner eines Dorfes nahe Girona, so detailliert beschrieben, dass man dem Autoren jede Zeile für bare Münze abnimmt, stammt Nadal doch selbst aus dieser Stadt, und können den die Verzweiflung, die Sehnsüchte, die Wut des Jungen nachvollziehen.

Trotz der nicht gerade schwierigen Sprache, dies so kunstvoll umzusetzen, ist hier großartig gelungen. Die Protagonisten sind detailliert ausgearbeitet, bleiben jedoch, je mehr Nebencharakter, manchmal zu blass, was aber im Fortgang der Handlung nicht stört. Der Spannungsbogen gleicht viele Schwächen des Romans aus. Aber eben nicht alle. In manchen Teilen plätschert die Handlung dann eben doch dahin, wie ein ums Überleben kämpfendes Rinnsal unter der spanischen Sonne, auch sind Schreib- und Erzählstil in manchen Abschnitten nicht passend zum Alter des Protagonisten.

Die Hauptfigur ist sich selbst ein Rätsel. Zwei- bis dreihundert Seiten mehr, und Nadal hätte ein großartiges spanisches Epos schreiben können, so aber ist ein fast zu vernachlässigender Roman entstanden. Kann man lesen, muss man jetzt nicht unbedingt. Das Ende des Romans besteht aus Zeilen verpasster Chancen. Der Abschluss lässt den Leser unbefriedigt zurück. Da fehlt das gewisse Etwas. Die Abrundung, wie sie anderen familiären Romanen mit geschichtlichen Beiwerk zugrunde liegt, ist hier nicht vorhanden

Vielleicht ist das kennzeichnend für die spanische Gesellschaft direkt nach den Bürgerkrieg oder nach dem Ende der Franco-Diktatur, mit dessen Aufarbeitung man sich immer noch schwer tut. In sofern vielleicht ein nicht ganz unwichtiges Buch. In der gleichen Liga wie andere Romane dieses Genres spielt „Die letzten Tage meiner Kindheit“ dennoch nicht.

Autor:
Rafel Nadal wurde 1954 in Girona geboren und ist ein spanischer Journalist und Schriftsteller. Er schrieb für mehrere große spanische Zeitungen, heute für die Tageszeitung La Vanguardia. Daneben arbeitet er für verschiedene Radio- und Fernsehsender. Der mehrfach ausgezeichnete Autor veröffentlichte bisher drei Romane. Sein Buch „Das Vermächtnis der Familie Palmisano“ gehört zu den am zahlreichsten übersetzten katalanischen Werken.

Alexandra Endres: Wer singt, erzählt – Wer tanzt, überlebt

Wer singt, erzählt - wer tanzt, überlebt Book Cover
Wer singt, erzählt – wer tanzt, überlebt Alexandra Endres Rezensionsexemplar/Reisebericht mairdumont Erschienen am: 10.07.2017 Taschenbuch Seiten: 281 ISBN: 978-3-7701-8284-8

Inhalt:

Von der Karibikküste über die Anden bis an den Pazifik – Alexandra Endres taucht ein in den Alltag und die Rhythmen Kolumbiens. Sie lauscht den Cantaoras von Cali und den Rappern von Medellin. Sie folgt den Spuren von Gabriel Garcia Marquez in Cartagena und begegnet den heiligen Männern der Arhuaco, die im Gebirge von Santa Marta das Gleichgewicht der Welt bewahren. Ein Reiseabenteuer für jeden, der Kolumbien in seiner ganzen Vielfalr verstehen möchte. (Klappentext)

Rezension:

International bestimmt der Drogenhandel oder der Raubbau an Gold und Kohle, der schlimmste Umweltzerstörungen hinterlässt, die Schlagzeilen, positive Meldungen berichten vorsichtig von den schwierigen Bemühen um Frieden in einem zerrüttelten Land.

Und doch ist die Bevölkerung sehr gastfreundlich und zugänglich, das positive Denken steht im Vordergrund und alle werden aufrecht gehalten durch die Klänge südamerikanischer Musik. Die Rede ist von Kolumbien, ein Land voller Gegensätze. Hier ist das Gefälle zwischen Arm und Reich, abgesehen vielleicht von Mexiko, besonders groß, doch wird hier nicht weniger als das Gleichgewicht der Welt bewahrt.

Alexandra Endres begibt sich auf Spurensuche, dieses Mal, nach allen kritischen Berichten, die sie über Politik, Wirtschaft und den Zustand des Landes geschrieben hat, die schönen Seiten Kolumbiens zu entdecken. Herausgekommen ist ein Länder-Portrait, welches umdenken lässt. Abseits der typischen Klischees beschreibt Alexandra Endres zielgerichtet ihre Eindrücke, die sehr facettenreich ein völlig anderes Bild ergeben, als das, welches man von Kolumbien in den Medien kennt.

Die Rede ist von Hoffnungsträgern und Menschenrechtlern, Planern und den Ureinwohnern dieses Landes, die Rede ist von Vergebung und Frieden, aber auch dem Überwinden von Grenzen in den Köpfen der Menschen.

Die Autorin zeigt, wie die Bevölkerung die zarten Bande des Friedens knüpft, Angst jedoch hat, vor erneuten Terror und Zerstörung, jedoch auch, wie die Menschen versuchen, das es gelingt. Ein friedliches und zukunftsorientiertes Land für alle Einwohner Kolumbiens.

Feinfühlig beschreibt sie das Leben der Menschen, die sie trofft, was sie bewegt und antreibt, welche Hoffnungen und Wünsche, aber auch Ängste, sie haben. Wir reisen in die (teiilweise schwer) zugänglichen Regionen des Landes, erleben Gesang und Tanz, pure Lebensfreude und Männer und Frauen, die sich und andere noch lange nicht aufgegeben haben.

Ein Land auf schwierigen Pfaden. Aber, im Aufbruch. Der Leser begleitet die Autorin. Fast ist es, als stünde man neben ihr im überfüllten Überlandbus oder schwitze in der tropischen Hitze den letzten Tropfen Wasser aus seinem Körper, nur um das Kolumbien von heute zu erfahren und zu begreifen.

Diese Strapazen lohnen sich. Das lateinamerikanische Land ist so vielfältig wie überraschend. Gut recherchiert, mit interessanten weiterführenden Tipps und einem helfenden Glossar kolumbianischer Begrifflichkeiten, findet der Leser sich schnell ein, in einem Land, welches beschlossen hat, in Frieden zu leben. Der Leser wird danach ein völlig anderes Bild haben. Das, eines wahrhaft faszinierenden und interessanten Landes, welches sich lohnt, zu entdecken. Es unbeobachtet zu lassen, wäre fatal, denn Kolumbiens Zukunft, sie hat gerade begonnen.

Autorin:

Nachd er Schule studierte Alexandra Endres in Köln Volkswirtschaft in Kombination mit Realpolitik, bevor sie Redakteurin bei der FAZ wurde und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Wirtschaftsgeographischen Institutes der Uni Köln.

Seit 2006 arbeitet sie für ZEIT Online und unternimmt immer wieder Reisen nach Südamerika. 2014 arbeitete sie als Gastredaktuerin für eine kololumbianische Zeitung.

Die südamerikanischen Länder (die sie immer wieder bereist), ihre Rohstoffe und Ressourcen, sowie Entwicklung und Menschenrechte gehören zu ihren Hauptthemen. 2016 bereiste sie Kolumbien erneut. Ihre erlebnisse veröffentlichte sie auf ihren Blog und ausführlich in Buchform.

Hermann Schulz: Warum wir Günter umbringen wollten

12105-6b1159d89e1dc72ad4cddfd6a232a2edAutor: Hermann Schulz
Titel: Warum wir Günter umbringen wollten
Seiten: 156
ISBN: 978-3-8489-2017-4
Verlag: Aladin
Illustrationen: Maria Luisa Witte

Inhalt:
März 1947, in einer Zeit zwischen Krieg ud Frieden. Freddy und seine Freunde stromern an den Nachmittagen durch die Wiesen, rüber zum Moor, Günter immer im Schlepptau. Aber Günter ist irgendwie anders, der tickt nicht richtig, sagen sie. Sie machen sich über ihn lustig, quälen ihn.

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Anthony Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg 1936-1939

Der Spanische Buergerkrieg von Antony Beevor
Der Spanische Buergerkrieg von Antony Beevor

Autor: Antony Beevor
Titel: Der Spanische Bürgerkrieg 1936-1939
Seiten: 654 (inkl. Danksagung, Register, Karten, Begriffserklärungen)
ISBN: 978-3-570-55147-9
Verlag: Pantheon

Inhalt:
Der Spanische Bürgerkrieg wurde zum Trauma für das moderne Spanien und ist in der Gesellschaft bis heute spürbar. Im Kampf der Volksfront, die von großen Teilen der europäischen Intellektuellen ideell und militärisch unterstützt wurde, gegen die Nationalisten unter General Franco, hinter dem das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien standen, bekämpften sich die beiden großen Ideologien des 20. Jahrhunderts.

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Claude K. Dubois: Akim rennt

Akim rennt Book Cover
Akim rennt Claude K. Dubois Kinderbuch Moritzverlag Erschienen am: 11.12.2018 Hardcover Seiten: 96 ISBN: 978-3-895652-684

Handlung:

Kurz zuvor hatte Akim noch mit anderen Kindern Krieg gespielt, nun bricht selbiger über sein Dorf herein, in dem er lebt. Bomben fallen, es gibt Tote und Verletzte. Das Dorf wird von Soldaten besetzt, doch Akim kann fliehen.

Im Chaos des Krieges aber wird er von seiner Mutter getrennt. Auf der Flucht lernt er Hunger und Kälte kennen aber auch Menschen, die sich seiner annehmen. Angekommen schließlich im Lager einer Hilfsorganisation geschieht das Unglaubliche. Er trifft seine Mutter wieder.

Rezension:

Die Geschichte ist schnell erzählt und leicht zu verstehen, nachzuvollziehen, weshalb hier kaum von Spoilern gesprochen werden kann. Denn, hauptsächlich handelt es sich um ein Bilderbuch und die Texte, eigentlich nur ein paar Sätze sind so verständlich, dass Erstleser, Schulanfänger damit mehr als zurechtkommen, wenn sie gerade angefangen haben Sätze flüssig zu lesen. Es geht hier aber auch mehr um die Bilder.

In beeindruckenden Schwarz-Weiß-Brauntönen gezeichnet, wird die Figur des kleinen Akim greif- und die Schrecken des Krieges, von Flucht und Vertreibung nachvollziehbar. Dabei bezieht sich Dubois nicht auf einen bestimmten Krieg, Ortsangaben werden nicht gemacht. Die Geschichte spielt in allen Konfliktregionen dieser Welt.

Dies ist die Stärke Dubois‘. Ohne viele Worte, nur mit Zeichnungen eine ganze Geschichte zu erzählen. Es ist ein Kinderbuch für alle Kleinen, die beginnen, angesichts der aktuellen Situation in Europa und der Welt Fragen zu stellen.

Kinder bekommen mehr mit als Erwachsene denken. „Akim rennt“ sollte dennoch nur begleitend gelesen werden. Zu erdrückend, ernst und komplex ist die Thematik. Es ist aber auch ein Buch für Erwachsene, die mal etwas anderes in den Händen haben wollen als politischer Hetz-Literatur a la Sarrazin und Co.

In Zusammenarbeit mit PRO ASYL und Amnesty International entstand dieses beeindruckende Werk, welches sich lohnt zu besitzen und zurecht den Deutschen Jugendliteratur-Preis bekommen hat. Für 12 Seiten Text (immer nur ein paar aussagekräftige kurze Sätze pro Seite), der Rest sind Zeichnungen. Weniger ist auch hier mehr.

Autor:

Claude K. Dubois, geboren 1960 in Verviers, Belgien, unterrichtet Illustration an einer berühmten Kaderschmiede dieses Faches, dem Institut Saint-Luc in Lüttich/Liège/Luik, wo sie auch selbst studiert hat. Sie veröffentlichte mehr als 40 Bilderbücher, von denen einige bereits im deutschsprachigen Raum erschienen sind.