Jugendbuch

Timothee de Fombelle: Tobie Lolness I – Ein Leben in der Schwebe

Tobi Lolness - Ein Leben in der Schwebe Book Cover
Tobi Lolness – Ein Leben in der Schwebe Timothee de Fombelle Kinderbuch/Jugendbuch dtv junior Taschenbuch Seiten: 408 ISBN: 978-3-423-71412-9

Handlung:

Seit Anbeginn der Zeit lebt Tobias Volk auf der uralten, mächtigen Eiche. Doch nun schwebt Tobie, 13 Jahre alt und gerade mal anderthalb Millimeter groß, in höchster Gefahr – und nicht nur er: Das Leben seiner Eltern und überhaupt des ganzen Baumes liegt plötzlich in seinen Händen. Doch Tobie bleibt wenig Zeit. Eine atemlose Jagd durch die sagenhafte Baumwelt beginnt. (Klappentext)

Reihenfolge der Bücher:

Timothee de Fombelle – Tobi Lolness I – Ein Leben in der Schwebe

Timothee de Fombelle – Tobi Lolness II – Die Augen von Elisha

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Rezension:

Hinter großartigen Covern muss noch lange keine ebenso große Geschichte stecken, doch lohnt es sich hier auf beide Facetten des Buches einzugehen. Weil hier sich eines zum anderen fügt und tatsächlich die „Verpackung“ dem Inhalt gerecht wird.

So hat Francois Plate hier schon einen echten Blickfang aus einem grünen Blätterwald geliefert, über den die Hauptfigur sprintet. Dazu noch der Titel-Schriftzug, der sich fühlbar leicht vom Buchumschlag abhebt, in den selben Grüntönen und ein Cover-Kauf ist vorprogrammiert. Freudig zu sehen, dass sich diese Liebe zu zeichnerischen Details in der Geschichte fortsetzt. Wunderschöne Grauton-Zeichnungen begleiten den Leser durch die Geschichte.

Fast mag man sich an die Geschichte vom kleinen Nick erinnert fühlen, die zwei andere große Franzosen geschrieben und ja, eben gezeichnet haben. Letztere Zeichnungen haben Kultstatus erreicht, Plates Zeichnungen sind insgesamt jedoch detaillierter und ebenso liebevoll.

Die Geschichte selbst könnte auch in unserer Welt spielen. Skrupelloser Bauunternehmer biegt Gesetze für sich zurecht, um seine Pläne zu verwirklichen, beeinflusst die Regierenden und räumt unliebsame Gegner aus dem Weg. Nur würde das in der Zielgruppe Kinder/Beinahe-Jugendlicher wohl keiner lesen.

Und so verpackt de Fombelle diese Erzählung sprichwörtlich luftige Höhen, lässt die Menschenwelt auf Millimeter-Größe schrumpfen und macht einen 13-jährigen Knirps zum Helden. Gerade einmal anderthalb Millimeter groß wird Tobie vom brutalen Bauunternehmer Jo Mitch gejagd, schließlich ist er der Einzige, der seine grausamen Pläne gefährdet.

Die Eltern von Tobie, seine Mutter und sein Vater, Wissenschaftler, die sich für Fragen interessieren, wie „Gibt es Leben außerhalb des Baumes?“, sind da schon längst kalt gestellt. Doch Tobie gibt nicht auf. Doch, um seine Eltern zu retten, muss er an Jo Mitch und seine Schergen vorbei.

Eine wunderbare Geschichte über Freundschaft und Verrat, Mut und Angst, Umwelt und dem empfindlichen Gleichgewicht von Leben. Unserer realen Welt nicht unähnlich erlebt auch Tobie, wie eine empfindliche Störung des ökologischen Gleichgewichts nicht nur seine Welt, sondern auch sein Leben zerstört.

Doch, er lernt auch sich zu behaupten, in einer ihm feindlich gesinnten Umgebung und dass es Hoffnung ist, die bekanntlich zuletzt stirbt. Sehr gut lesbar für alle Altersgruppen, zu empfehlen auch für Erwachsene, die die Verantwortung dafür tragen, einen lebenswerten Planeten der nächsten Generation zu übergeben. Denn, sonst muss diese irgendwann genau so kämpfen zu Überleben wie Tobie Lolness selbst. Wir sollten uns selbst überlegen, ob wir das wirklich wollen.

Autor:

Timothee de Fombelle wurde 1973 in Paris geboren und ist ein französischer Schriftsteller und Dramatiker. Mit 17 Jahren gründete de Fombelle eine Theatergruppe, für die er selbst Stücke schrieb und inszenierte. Für eines dieser Stücke erhielt er in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Clement Sibony den Prix du Souffleur (2002) und wurde als Theaterautor bekannt. Heue ist er einer der bekanntesten franzöischen Schriftsteller.

Sein Jugendbuch „Tobie Lolness“ wurde in 26 Sprachen übersetzt und u.a. mit den meisten französischen Jugendliteraturpreisen sowie den italienischen Andersen-Preis ausgezeichnet. Der Auftakt der Duologie errschien erstmals 2008 in Deutschland.

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Timothee de Fombelle: Tobie Lolness II – Die Augen von Elisha

Tobie Lolness II - Die Augen von Elisha Book Cover
Tobie Lolness II – Die Augen von Elisha Timothee de Fombelle Gerstenberg Erschienen am: 01.11.2010 Seiten: 441 ISBN: 978-3-8369-5204-0 Übersetzer: Tobias Scheffel/Sabine Grebing

Handlung:

Seine Eltern leben noch! Nach zwei Jahren Exil im Grasland bringt die Nachricht Tobie dazu, auf die große Eiche zurückzukehren. Doch welch ein schrecklicher Anblick bietet sich ihm dort: Weite Teile des Baums sind abgestorben, die Bewohner leben in Angst und Schrecken – und sein Erzfeind Leo Blue will Tobies große Liebe Elisha zur Heirat zwingen. (Klappentext)

Reihenfolge der Bücher:

Timothee de Fombelle: Tobi Lolness I – Ein Leben in der Schwebe

Timothee de Fombelle: Tobi Lolness II – Die Augen der Elisha

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Rezension:

Der zweite Band einer Reihe entpuppt sich oft als der schwächere in einer Reihe. Sei es, weil die Übergänge ins Finale sich einfach hinziehen wie Baumharz oder das Pulver, was in Band 1 verschossen wurde, hier einfach an Wirkung verliert und man sich diese lieber für die Finalrunde aufspart.

Was aber, wenn die Reiehe tatsächlich nur aus zwei Bänden besteht und der erste von beiden einfach nur genial ist? Dann geht das entweder schief, wie bei Glukhovskys „Metro 2034“ oder wirkt phänomenal wie bei Tiomothee de Fombelle, der es geschafft hat, mit „Die Augen von Elisha“ einen würdigen Nachfolger zu veröffentlichen. Und auch hier gehe ich dieses Mal, weil sich das lohnt, zu allererst auf das Cover ein.

Cover von Taschenbüchern werden entweder sträflich vernachlässigt, manchen Grafiker würde man am liebsten in die Kunstschule stecken, damit diese sich bessern oder sie produzieren Hingucker, wie es Francois Place auch hier gelungen ist.

Dieses Mal liegt der Handlungsort, die Äste des Baumes, unter einer dicken Schneeschicht begraben. Die Kälte und Dunkelheit, die die Geschichte im Gegensatz zum Vorgänger prägen, ist deutlich zu spüren. Der Titelschirftzug ist in den Herbsttönen absterbender Blätter gehalten, wie auch der Baum langsam stirbt unter den Machenschaften von Tobies Erzfeinden Leo Blues Jo Mitch’s.

Diese haben die Macht in der fragilien Gesellschaft des Baumes unter sich aufgeteilt und eine Sklaven-Diktatur des Schreckens geschaffen. Widersacher, wie Tobies Eltern, werden gefangen gehalten und zur Zwangsarbeit eingesetzt, auf alle anderen wird eine gnadenlose Hetzjagd betrieben, nicht zuletzt nach Tobie selbst.

Timothee de Fombelle zeigt auch hier wieder, wie wichtig Zusammenhalt, Toleranz und Akzeptanz ist, ein Kinderbuch gegen Hass, Feindschaft und Rassismus und für eine vielfältige Zukunft, wie sie heute von allzu vielen verteufelt wird. Das Buch wurde freilich zu einem Zeitpunkt geschrieben als Rechtsradikalismus und Intoleranz noch nicht die alltäglichen Schlagzeilen bestimmten. Man mag daher de Fombelle entweder eine besondere Weitsicht auf zukünftige Ereignisse zugestehen oder zumindest den Appell, es nicht so weit kommen zu lassen. Zumindest mit letzteren ist er heute vielleicht als gescheitert zu betrachten, wenn er diese Absicht denn gehabt hat aber er zeigt auch, dass Diktaturen, ob staatliche oder die der Meinungen, nicht lange überleben und immer ein Enmde finden, was mehr als tröstlich ist.

Insgesamt ist dies ein wunderbarer Roman für Kinder und angehende Jugendliche, der seine Leser ernst nimmt und sowohl von Klein als auch von Groß gelesen werden kann. Die älteren Leser werden die vielen Parallelen zum Heute bemerken, für jüngere ist es einfach ein spannungsgeladener lehrreicher Roman über Macht, Diktatur und krimineller Energie aber auch über Umweltschutz, Toleranz und akzeptanz, den Kampf um Gerechtigkeit und um das, was richtig ist. Ohne den Zeigefinger zu erheben. Timothee de Fombelle hat dies, wieder einmal, hinbekommen ohne ins Schlingern zu geraten. Die insgesamt kurzen Kapitel, reich illustriert, lesen sich flüssig und sind gespickt mit Cliffhangern, die dem Lesen mehr als zuträglich sind. Gern möchte man, dass Tobies Welt wirklich existiert. So weit von unserer eigenen ist sie ja nicht entfernt.

Autor:

Timothee de Fombelle wurde 1973 in Paris geboren und ist ein französischer Schriftsteller und Dramatiker. Mit 17 Jahren gründete de Fombelle eine Theatergruppe, für die er selbst Stücke schrieb und inszenierte. Für eines dieser Stücke erhielt er in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Clement Sibony den Prix du Souffleur (2002) und wurde als Theaterautor bekannt. Heue ist er einer der bekanntesten franzöischen Schriftsteller.

Sein Jugendbuch „Tobie Lolness“ wurde in 26 Sprachen übersetzt und u.a. mit den meisten französischen Jugendliteraturpreisen sowie den italienischen Andersen-Preis ausgezeichnet. Der Auftakt der Duologie errschien erstmals 2008 inDeutschland.

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