Andreas Ulrich: Torstraße 94

Torstraße 94 Book Cover
Torstraße 94 Andreas Ulrich Rezensionsexemplar/Sachbuch be.bra Verlag Erschienen am: 12.09.2016 Taschenbuch Seiten: 143 ISBN: 978-3-89899-130-5

Inhalt:
Die Torstraße verbindet die Friedrichstraße im Westen mit der Prenzlauer Allee im Osten. Wie in kaum einer anderen Straße ist hier noch die brüchige Geschichte Berlins greifbar. Am Beispiel des Hauses Nr. 94 geht Andreas Ulrich den Spuren der Vergangenheit nach: Ob Agentin oder Konditor, ob Bankräuber oder Näherin, ob Super-Model oder Parteisekretär – das Haus und seine Bewohner haben viel erlebt: Dramatisches und Komisches, Absurdes und Unglaubliches. (Klappentext)

Rezension:
Wahrscheinlich ist es falsch, ein solches im Großen und Ganzen recht interessantes Portrait zu lesen, ohne den Bezug zur entsprechenden Örtlichkeit zu haben. So bin ich nur zugezogen und kenne die Straße selbst nicht, habe dieses Buch rein aufgrund des Klappentextes gewählt. Und natürlich, die einzelnen Geschichten der Menschen, die in der Torstraße 94 lebten, sind kurzweilig und schnell gelesen, amüsant, spannend und sicherlich für den Einheimischen eine interessante Sammlung aber hier sprang der Funke nicht wirklich über.

Da ich weder weiß, wie es sich anfühlt, schon immer in Berlin (oder noch anders, in einer geteilten Stadt zu leben) gelebt zu haben, das Früher nicht kenne und ich die jetzige Hauptstadt als reinen Wohn- und Arbeitsort betrachte, ist bei mir bei der reinen Aufnahme der Geschichten Schluss. Das Gefühl wäre wahrscheinlich ein anderes, wenn ich das gleiche Buch über meine Geburts- und tatsächliche Heimatstadt (die ich auch noch als solche betrachte) lesen würde.

Oder zumindest über eine Straße Berlins, die ich schon besser kenne. Auch so ein Buch gibt es übrigens. Es handelt sich hierbei um eine Reihe. Berliner sollten sich unbedingt mal auf der Verlagsseite umschauen. Für Einheimische auf jeden Fall mit Wiedererkennungswert. Für alle anderen kein Muss und nur ein bedingtes Kann. Der Schreibstil ist dennoch kurzweilig, die Geschichten lassen sich episodenhaft lesen. Man muss das nicht direkt hintereinander. Ideal um kurze Zeitabstände zu überbrücken.

Autor:
Andreas Urlich wurde 1960 in Berlin geboren und studierte nach dem Abitur Journalistik an der Universität Leipzig. Danach arbeitete er als Reporter, Redakteur und Moderator für den Berliner Rundfunk, Jugendradio DT 64 und Radio Brandenburg. Heute ist er hauptsächlich für den RBB, radio eins und Deutschlandradio Kultur tätig.

Seine Themen sind Sport, Politik und Zeitgeschichte. Bekannt wurde er durch sein Portrait von 25 Menschen der durch die Mauer geteilten Swinemünder Straße in Berlin. Im Jahr 2006 veröffentlichte er einen Geschichtsband zum ehermaligen „Palast der Republik“. Der Autor lebt in Berlin-Mitte.

Bruno Apitz: Nackt unter Wölfen

Nackt unter Wölfen Book Cover
Nackt unter Wölfen Autor: Bruno Apitz Roman Aufbau Verlag Ausgabe erschienen: 20.06.2014 Taschenbuch Seiten: 586 ISBN: 978-3-7466-3026-7

Handlung:
Der Roman „Nackt unter Wölfen“ erzählt die bewegende Geschichte eines dreijährigen Kindes, das unter den unmenschlichen Bedingungen des KZ Buchenwald von Häftlingen gerettet wird. Aber er handelt ebenso von den Konflikten seiner Retter, die ihrem Gewissen folgen und dabei die Gesetze des kommunistischen Lagerwiderstands brechen. (Klappentext)

Rezension:
Genau so wie das Werk von Bruno Apitz neu verfilmt wurde, gab der aufbau-Verlag 2015 eine neue Ausgabe eines Weltbestsellers heraus, der er anfangs gar nicht werden sollte. Als Bruno Apitz die Geschichte schrieb war er länger auf der Suche nach einem Verlag.

Nicht wenige lehnten die Geschichte ab. Sie passte anfangs nicht in das Geschichtsbild und Bewusstsein, was der damals noch junge Staat DDR von sich hatte und man wusste auch noch nicht, wie man damit am besten umgehen sollte.
Schließlich waren die Jahre der NS-Diktatur noch allzu frisch und der Umgang mit früheren Zeiten mehr als heikel. Zumal unter ideologischen Gesichtspunkten des ostdeutschen Staates. Nachdem zahlreiche Verlage der DDR die Geschichte abgelehnt hatten, sagte schließlich der Mitteldeutsche Verlag zu, druckte eine kleine Auflage.

Nach unzähligen Änderungen. Zum Einen wurde die Geschichte der Buchenwalder Kommunisten von der Staatsführung kritisch beäugt, zum anderen war man sich uneins über bestimmte einprägsame Szenen, die den Alltag im KZ beschrieben. Zwischen Leben und Sterben. Doch der Roman avancierte schnell zum Erfolg und war bald restlos ausverkauft.

So bewegend wie die Geschichte an sich, ist auch die des Autors und die der Entstehung des Romans, sowie des ersten Filmes. Dies rechtfertigt schon alleine diese Neuauflage, die nicht nur die weltbekannte Fassung, sondern auch alle Änderungen sichtbar macht, die Bruno Apitz zähneknirschend hinnehmen musste, um seinen Roman veröffentlichen zu können.

Ergänzt wird dies durch eine Biografie des Autors sowie der Erläuterung der Entstehungsgeschichte des Romans, welche als Zusätze diese Ausgabe zu etwas Besonderen machen. Dabei wird auch auf die tatsächliche Geschichte des Stefan Jerzy „Buchenwald-Kindes“ aufmerksam gemacht, die nur in der von Apitz veränderten Form zu DDR-Zeiten Beachtung fand und als Tatsache hingestellt wurde.

Dies tut der Großartigkeit des Rimans keinen Abbruch. Er ist aufrüttelnd und spannend, sofern man davon reden mag, zugleich. Der Schreibstil tut sein übriges dazu und mehr gibt es an sich nicht zu sagen, doch empfiehlt es sich wirklich auch mit der Geschichte von Buchenwald an sich und mit der wahren Geschichte von Stefan Jerzy zu beschäftigen.

Auch, wenn dies ins Uferlose führt, für ein umfassendes Gesamtbild ist dies unerlässlich. Ich kann für diese Ausgabe eine unbedingte Empfehlung aussprechen, sei es auch nur wegen der Ergänzungen, die andere Ausgaben nicht haben. Es lohnt sich.

Autor:
Bruno Apitz wurde 1900 in Leipzig geboren und kam 1917 wegen Antikriegspropaganda ins Gefängnis. Danach begann er eine Buchhändlerlehrhre und betätigte sich als Schauspieler. Seit 1927 Mitglied der KPD wurde er ab 1933 mehrfach inhaftiert.

Von 1937 bis zurBefreiung war er im KZ Bucvhenwald interniert. In der DDR betätigte er sich als Redakteur, Verwaltungsdirektor der Städtischen Bühnen Leipzig und Dramaturg bei der DEFA. 1955 lebte er als freier Autor in Berlin und starb 1979. Sein erster Roman „Nackt unter Wölfen“ wurde 1963 verfilmt, vor kurzem neu verfilmt.

David Abulafia: Das Mittelmeer – Eine Biografie

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Das Mittelmeer – Eine Biografie Autor: David Abulafia Sachbuch S. Fischer Verlag Erschienen am: 23.10.2014 Taschenbuch Seiten: 960 ISBN: 978-3-596-17441-6

Thematik:
Die Geschichte des Mittelmeers ist die Geschichte unserer Zivilisation. Über 3000 Jahre war das Mare Nostrum, wie die Römer es nannten, Zentrum des Handels und des kulturellen Austauschs zwischen drei Kontinenten.

Seine Gesamte Geschichte wird hier von dem großen Historiker David Abulafia in einer einzigartigen Zusammenschau brilliant erzählt: von der Errichtung der ersten geheimnissvollen Tempel auf Malta 3500 v. Chr. bis zu den heutigen Zielen des Massentourismus. (Klappentext)

Rezension:
In Zeiten, in denen täglich Bilder von Flüchtlingsströmen im Mittelmeerraum über die Fernsehbildschirme flimmern, ist es ganz gut, sich einmal ausführlich mit der Geschichte dieser pulsierenden und vielfältigen Region zu beschäftigen. Eine Geschichte, die nicht eben nur die Bettenburgen Spaniens umfasst, wie man sie leidgeprüft kennen mag, sondern viel weiter zurückgeht.

Der Historiker David Abulafia wagt diesen Blick in die Vergangenheit und führt den Leser ein spannendes Stück Geschichte vor Augen. Er zeigt, wie Handel und Kriege, unterschiedliche Kulturen mit ihren jeweiligen Entwicklungen und Bräuchen, das Leben am Mare Nostrum beeinflussten, welche Bedeutung das Mittelmeer einst hatte und noch hat.

Mit einem Blick für’s kleinste Detail zeigt er Hintergründe auf, die man ansonsten übersehen hätte und erklärt, das Zusammen- udn Gegenspiel von Römern und z.B. der Bevölkerung von Kathargo oder die wechselseitigen Beziehungen von Genua und Venedik sowie Dubrovnik. Er schildert den Aufstieg und Fall von großen Imperien, deren Dreh- und Angelpunkt eine einzige geografische Größe war, die zugleich oft genug die einzige Gemeinsamkeit darstellte.

Geschichte ist spannend und auch diese Geschichte ist spannend, doch sollte sich der geneigte Leser vor Augen handeln, dass es sich hier um ein Buch eines Historikers handelt, der vielleicht für Nicht-Fachleute schreiben wollte aber dieses Ziel gründlich verfehlt hat.

Es scheint mehr eine wissenschaftliche Abhandlung zu sein, die man konzentriert lesen sollte als eine einfache Geschichtsstunde. Der Begriff „Biografie“ ist eine glatte Untertreibung. Wer das nicht weiß, kann ob der Masse der Informationen, des Facettenreichtums dieses Monumentalwerkes allzu schnell überfordert werden und kapitulieren.

Der Schreibstil ist dementsprechend sachlich und nüchtern, nicht jedoch einfach. Flüssiges Lesen gelingt nur, wenn man solcher Art von Lektüre gewohnt ist. Dann aber eröffnet sich ein wahrer Fundus an Wissen, welches man nur aufnehmen braucht aber sich bitte hinterher eine ausgiebige Pause gönnen.

Im Anschluss an die Abhandlung findet sich ein reiches Quellenverzeichnis und Register, dass, so scheint es, beinahe so umfangreich ist, wie die Geschichte des Mittelmeers selbst. Eine Geschichte, die es in sich hat.

Autor:

David Abulafia wurde 1949 geboren und ist Professor für Geschichte des Mittelmeerraumes an der Universität von Cambridge und an der British Academy. Zudem ist er Mitglied der Academia Europa. Für seine Arbeiten zur italienischen und mediterranen Geschichte wurde er im Jahr 2003 zum Commendatore dell’Ordine della Stella della Solidarieta Italiena ernannt. Er ht zahlreiche Bücher veröffentlicht, die inzwischen mehrfach übersetzt und ausgezeichnet wurden.

Miguel Abrantes Ostrowski: Sacro Pop – Ein Schuljungen-Report

Sacro Pop - Ein Schuljungen-Report Book Cover
Sacro Pop – Ein Schuljungen-Report Miguel Abrantes Ostrowski Rezensionsexemplar/Biografie Prokom Verlag Taschenbuch Seiten: 174 ISBN: 3-89861-311-9

Handlung:
Pater Franz Edelbrück. An ihn musste ich denken. Zu Beginn meiner Internatszeit fragte er mich, ob ich überhaupt wüsste, was Rock’n Roll heißt. Ich antwortete: Rock’n Roll heißt soviel wie – rocken und rollen. Darauf er: „Du hast überhaupt keine Ahnung! Rock’n Roll heißt nichts anderes als Ficken.“

Miguel Abrantes Ostrowski zeichnet ein gnadenloses ironisches Portrait vom ganz normalen Wahnsinn in einem katholischen Elite-Internat. Voller Witz und Charme lässt er den Leser hinter die Kulissen schauen. Sein Report ist ein sanfter Schocker und anders als alles bis dahin Gehörte. (Klappentext)

Einordnung:
Wie dieses Buch einzuordnen ist, ist nicht so ganz klar. Satire und Biografie, Weltsicht und nicht zuletzt „Sonstiges“ passen als Genre. Ich habe mich für die Kategorie „Biografie“ entschieden, da hier immerhin ein Lebensabschnitt beschrieben wird.

Rezension:
Erst mit der Missbrauchsdebatte in kirchlichen Einrichtungen der letzten Jahre wurde diese Veröffentlichung so richtig bekannt und populär, doch Ostrowskis Werk „Sacro Pop“ existiert schon seit 2004 im deutschen Buchhandel.

Hier erzählt der Autor von seiner Internatszeit in einem katholischen Jesuiten-Internat, vollkommen überzogen und überspitzt aber dennoch mit solch einer Schärfe, dass auch diese Geschichte nicht zu ignorieren ist. Nicht ignoriert werden kann.

Zwar beschreibt Miguel Abrantes Ostrowski, so der volle Name, auch den ganz normalen Schul-Wahnsinn und kuriose Erlebnisse; etwa wenn der Lehrer eine Museumsexkursion veranstaltet, das Museum aber geschlossen hat, weilMontag ist; aber eben auch Dinge, die so hätten nie passieren dürfen, in allzu vielen Einrichtungen dieser und ähnlicher Art aber Gang und Gäbe waren.

In sofern hat „Sacro Pop“ seine Daseins-Berechtigung aber versehen mit einem ganz großen Manko. Die Art und Weise, wie der Autor darüber berichtet, ist der Ernsthaftigkeit, mit der das Thema behandelt und davon berichtet werden muss, nicht gerecht geworden.

Zumal der Autor sämtliche Personen, Schüler, Lehrer und Schul-Personal verunglimpft und sich damit kein Gefallen getan haben dürfte. Abgesehen natürlich von den Personen, die aufgrund ihrer Taten, diese Behandlung durchaus rechtfertigen.

Aber ansonsten liest sich „Sacro Pop“ wie eine Anklageschrift Ostrowskis gegen den Rest seiner damaligen Welt, ohne zu unterscheiden, wer sich tatsächlich schuldig gemacht hat und wer nicht.

Auch der Schreibstil, der Ausdruck und wenn wir schon dabei sind, die Grammatik tun ihr übriges. Zwar lässt sich dieses Zeit-Internats-Portrait überwiegend in einem Rutsch lesen, man kommt aber nicht umhin, es ab und an wegzulegen.
Zu abstoßend, zu wirr, zu chaotisch und unstrukturiert ist das alles und die Ziele des Autoren sind bis zuletzt nicht ganz klar. Insgesamt nicht gerade hilfreich.
Der Aufarbeitung des Themas und der Debatte selbst hätte eine größere an dem Tag gelegte Ernsthaftigkeit, Genauigkeit in der Recherche und Beschreibung des Erlebten gut getan. Auch das Einbringen mehrer Ebenen und Sichtweisen hätte positiv gewirkt.

Diese Chance hat Abrantes Ostrowski jedoch eindeutig verpasst. In der Debatte um die Missbrauchsskandale kann daher dieses Werk nur ein oberflächlicher Anstoß sein, sich damit auseinanderzusetzen. Für eine tiefergehende Beschäftigung mit der Materie eignet sich „Sacro Pop“ nicht. Dazu fehlt einfach zu viel.

Einen Pluspunkt gibt’s für das mutige Cover andem sicherlich die Grafiker eine wahre Freude gehabt haben dürfen.

Autor:
Miguel Abrantes Ostrowski wurde 1972 geboren und besuchte zehn Jahre lang ein Juesuiten-Internat. Nach dem Abitur folgte ein Schauspiel-Studium in Leipzig. Von 1998 bis 2004 war er festes Ensemblemitglied am Schauspiel Frankfurt/Main, Staatstheater Mainz und Theater Freiburg engagiert. „Saco Pop“ ist seine erste Buchveröffentlichung.
 

Antonia Hayes: Die relative Unberechenbarkeit des Glücks

Die relative Unberechenbarkeit des Gluecks von Antonia Hayes
Die relative Unberechenbarkeit des Gluecks von Antonia Hayes

Autorin: Antonia Hayes
Titel: Die relative Unberechenbarkeit des Glücks
Seiten: 461
ISBN: 978-3-7645-05752
Verlag: blanvalet
Übersetzerin: Andrea Brandl

Autorin:
Antonia Hayes wurde in Sydney geboren, arbeitete und lebte in Paris, heute in San Francisco/USA. Sie schrieb Geschichten und Kolumnen für zahlreiche Magazine, bevor sie als Publizistin in der Verlagsbranche und als Buchhändlerin arbeitete.

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