Rück- und Ausblick

Monatsrückblick: Juli 2021

Es muss in mir eine riesige Angst geherrscht haben, unter einem riesigen Stapel ungelesener Rezensionsexemplare und auch sonst unter Büchern zu ersticken. Anders kann ich mir die Anzahl der gelesenen Werke nicht erklären, mit der ich sehr zufrieden sein kann. Danke an mein Unterbewusstsein. Das Lesetempo möchte ich gerne beibehalten, wenn möglich auch annähernd mit der gleichen Qualität. Luft nach Oben darf natürlich immer sein.

Wieder einmal habe ich mir mehrere Sachen zu Gemüte geführt, die teilweise noch nicht erschienen sind, die jetzt als Beitrag auf Halde schon in den Tiefen des Blogs schlummern, nur noch nicht veröffentlicht sind. Davon wird einiges in den kommenden Wochen zu lesen sein. Insgesamt vier Rezensionen sind so für August schon mal gesetzt. Das eine oder andere Werk wird da noch hinzukommen.

Ein Krimi aus der Feder von Kyle Perry „Die Stille des Bösen“ entführte mich direkt zu Beginn des Monats nach Tasmanien, einer Region, von der ich so gut wie wenig weiß und aus der ich noch nichts gelesen habe. Mit diesem Genre dort einzusteigen, ist einmal etwas anderes. Sollte ich einmal die Gelegenheit haben, dort hin zu reisen, hätte ich es jedoch gerne ein wenig ruhiger.

Danach, Bernhard Schlink. Mit ihm verbinde ich etwas ganz besonderes, Sein Werk „Der Vorleser“ war seinerzeit meine Lektüre für das Abitur. Im Deutschunterricht haben wir sowohl Buch als auch Film besprochen und mussten dann, in der Prüfung, einen Brief aus Sicht der Hauptprotagonistin schreiben, den dann einer Eigeninterpretation unterziehen.

Dies war zumindest eine der Aufgaben, die beliebteste in meiner Schule zu dieser Zeit, dank der intensiven Beschäftigung damit in Vorbereitung auf die Klausur. Mir hat das Werk sehr gut gefallen, sein neuestes hat mich dann von der Art an Ferdinand von Schirachs „Terror“ erinnert, welches ähnlich aufgebaut ist. Der „20. Juli – Ein Zeitstück“ ist ähnlich aufgebaut, als eine Art Theaterstück geschrieben, sicher so auch gedacht und von ähnlicher Brisanz. Ich brauch wohl nicht zu sagen, dass ich sehr angetan von diesem Werk bin.

Bernhard Schlink „20. Juli – Ein Zeitstück“, Diogenes-Verlag.

Khue Pham entführte mich mit ihrem Roman „Wo auch immer ihr seid“, der leicht biografisch angehaucht ist, nach Vietnam und mit Timo Peters‘ „Couchsailing“ ging es auf hohe See. Kann man von einem Sachbuch seekrank werden? Das muss wohl jeder selbst herausfinden. Ich kann zumindest jede einzelne Welle nachvollziehen. Bei mir reicht dazu schon eine Tour mit Ruderboot im heimischen Badesee.

Danach habe ich einen Roman gelesen, der nach Mitte August erscheinen und uns nach Argentinien mit einer, sagen wir schwierigen, Thematik beschäftigen wird. Bei mir hat Ariel Magnus mit dieser Erzählung jedenfalls eingeschlagen, so dass direkt danach Sir Walter Scott mit „Chrystal Croftangrys Geschichte“ große Probleme hatte, anzukommen. Diese Neuauflage eines Werks, was wohl das Genre des historischen Romans zumindest mit begründet hat, hat bei mir seine Wirkung verfehlt. Vielleicht ist es jedoch auch ein Schriftstück, was trotz Neuübersetzung einfach schlecht gealtert ist.

Dazwischen habe ich noch ein sehr schön illustriertes Sachbuch über die versinkende Welt der Südseeinseln Kiribatis gelesen und an einem technischen Update des Blog-Systems beinahe verzweifelt. Ihr seht, ich kann immer noch schreiben, also habe ich das zumindest klären können.

Alice Piciocchi/Andrea Angeli „Kiribati – Eine Inselwelt versinkt im Meer“, Sieveking Verlag.

Auch habe ich etwas versucht, einen Beitrag über ein neues Format des Fernsehsenders SWR mit Denis Scheck, über das auch andere Medien berichtet hatten. Das habe ich still und leise getan, da es zunächst ein Test war, für einen Meinungsbeitrag, der sich nun nicht in ein Schema sperren lässt, wie eine Rezension, wo Aufteilung und Gliederung klar sind. Meines Erachtens ist es mir gelungen, das herüber zu bringen, was ich wollte und so steht künftigen Artikeln dieser Art nichts im Wege, da ich ja immer noch Möglichkeiten suche, ganz behutsam, den Blog außerhalb von Rezensionen etwas aufzulockern.

Mein Guilty Pleasure ist eine Manga-Reihe, die ich einmal, warum auch immer angefangen habe zu lesen und dann irgendwie dabei geblieben bin. Ich gehöre weder zur Zielgruppe dieses Formats, noch habe ich Ahnung oder Vergleiche zu Zeichenstilen und anderen Mangas. Von Anime-Filmen lasse ich gleich ganz die Finger.

Ich finde es einfach schrecklich, wenn man jugendlichen oder kindlichen Figuren erstens das Aussehen von Erwachsenen, zweitens auch nicht altersgerechte Stimmen verpasst. Bei Mangas in Papierform störe ich mich oft an den Zeichenstilen, so dass ich die meist im Laden etwas wahllos aus den Regalen ziehe, einmal darin herumblättere und dann wieder zurückstelle.

Jedenfalls geht es bei der Reihe „12 Jahre“ von Nao Maita, erschienen bei Carlsen, um eine Gruppe von Zwölfjährigen, die erste Gefühle für einander entwickeln und nebenbei mit Schulalltag und Pubertät zurechtkommen müssen. Inzwischen sind wir bei Band 15 angelangt, da ich aber schon Band 1 nicht rezensiert habe, hat es wenig Sinn, jetzt zu diesem Zeitpunkt noch einzusteigen, zumal mir ja immer noch entsprechend Vergleichsmaterial fehlt. Ich werde die Reihe dennoch bis zum Ende verfolgen.

Vorher folgte ein, in meinen Augen sehr wichtiger Enthüllungsbericht. Nicolai Boudaghi und Alexander Leschik berichten dort über die Radikalisierung und ihren Weg innerhalb der AfD bis zu den Tagen ihres Ausstiegs. Alles so in geballter Form zu lesen, ist schon sehr erschreckend, auch wenn man praktisch jeden Tag durch die Nachrichten Spitzen dieses Eisberges mitbekommt.

Nicolai Boudaghi/Alexander Leschik „Im Bann der AfD“, Europaverlag.

Zu guter Letzt ging es dann nochmal ins Ausland, an den Rand der schillernden Millionenstadt Seoul. Auch hier wieder ist das eine Region, über die ich noch nicht viel gelesen habe und wenn, dann waren das Sachbücher über Nordkorea und allgemein über den hießigen politischen Konflikt, der die Halbinsel in zwei Teile spaltet.

Hwang Sok-yong beschreibt in „Vertraute Welt“ jedoch etwas ganz anderes, nämlich, wie es ist, am Rande dieser doch so erfolgreichen Stadt zu leben, wenn man in dieser Wohlstandsgesellschaft nicht mithalten kann. Diese Kritik an unserer modernen Wegwerfgesellschaft, mit der sich der Autor in seinem Land sicher nicht nur Freunde gemacht hat, in Romanform so zu lesen, war ein sehr bezeichnender Abschluss für den Lesemonat Juli.

Ob der August literarisch genau so ergiebig ist und einschlägt, werden wir sehen. Ich hoffe es sehr.

Euer findo.

Monatsrückblick: Juni 2021

Wer hier mitliest, hat sicher schon bemerkt, dass im vergangenen Monat nicht ganz so viele Beiträge veröffentlicht wurden, wie es sonst geschieht. Das liegt zum Einen an der Hitze, die den Raum, in dem ich sitze und an meinen Rezensionen feile, auf beinahe unerträgliche Temperaturen aufheizt, zum anderen daran, dass ich zuletzt mehrere Werke gelesen habe, die einer von den Verlagen gesetzten Sperrfrist unterliegen. Das Buch habe ich schon gelesen, da es aber erst dann und dann veröffentlicht wird, dürfen bis dato keine Rezensionen veröffentlicht werden. Also schreibe ich vor und habe jetzt so viele Rezensionen auf Halde, wie lange nicht mehr. Teilweise bis in den September hinein.

Wer sich also Sorgen gemacht hat, dass ich eventuell am Bloggen die Lust verliere oder ähnliches, der sei beruhigt. Die Zahl der Beiträge ist in etwa gleich geblieben, ihr seht sie nur noch nicht alle. Dennoch waren es selbst mir zu wenig lesbare Texte, so dass ich kürzlich ein Random-Literaturfestival vorgestellt habe. Kann mir bitte jemand sagen, ob sich das gelohnt hat? Verfolgen konnte ich es nämlich nicht.

Dennoch, auf drei Bücher darf ich näher eingehen. Die sind ja bereits im Handel, wobei ich euch guten Gewissens nur zu zweien raten kann. Tatsächlich war das dritte, von Ernst Peter Fischer und Detlev Ganten geschriebene „Die Idee des Humanen“ wohl einer meiner Jahresflops, zumindest ein sehr starker Anwärter darauf. Dieses Sachbuch und ich stelle ja durchaus nicht immer Einfaches hier vor, hat mich geschafft und ganz und gar nicht überzeugt. Wie kann man nur ein eigentlich so interessantes Thema so gestelzt, so star, so sperrig zu Papier bringen?

Ganz anders da der Familienroman von Michael GöringDresden – Roman einer Familie„. Ein Blick in die Barockstadt zur Zeit der DDR und kurz vor und nach der Wende 1989, mit samt und sonders sympathischer Protagonisten und einer Erzählung vom Wandel einer Gesellschaft. Das war keine große Literatur, dennoch wohltuend und irgendwie schön zu lesen, zumal für Einen, der diese Zeit nicht bewusst miterlebt hat.

Schließlich, meine Zufaallsentdeckung aus dem Buchladen. Shahak ShapiraHolyge Bimbel„. Die Bibel durch den Kakao zu ziehen, in einer Mischung aus Phantasie-, Jugend- und Internetsprache, das muss man erst einmal können. Den Humor sollte man natürlich haben und vielleicht auch keine allzu ernste Stellung zu Religion und Kirche, geschweige denn strenggläubig sein. Dann wird dieses kleine Büchlein, welches arg verkürzt und sehr überspitzt die Bibelgeschichten verdeutlicht, nichts bewirken. Bei allen anderen ist das Trainieren der Lachmuskeln dann jedoch garantiert. Mir hat es in jedem Fall sehr gefallen. Manchmal ist es dann doch leicht, mich zu begeistern.

Nebenbei kann ich mir dieses kleine Büchlein auch sehr gut als Theaterstück vorstellen.

Wie wird es weitergehen? Der Stapel ungelesener Rezensionsexemplare hält sich weiter die Waage und auch mein Stapel ungelesener, einfach so gekaufter Bücher ist nicht kleiner geworden. Lesestoff habe ich also genug, so dass auch Material für den Blog bereitliegt, welches entdeckt werden möchte. Im Juli werde ich wieder Rezensionsexemplare lesen, davon einige mit, ihr ahnt es, Sperrfrist und andere aber sofort veröffentlichen. Dann kommen auch ein paar Beiträge zum Vorschein, die ich im Juni geschrieben habe. Vielleicht wird es zudem einen Beitrag für die Kategorie -Bücher gegen das Vergessen- geben, die ich schon viel zu lange vernachlässigt habe? Wer weiß das schon? Ich jedenfalls noch nicht.

Ihr dürft also gespannt sein.

Bis dahin, lest mal wieder.

Euer findo.

Monatsrückblick: Mai 2021

Wer zu Monatsbeginn hätte ein Kuriosum erleben wollen, hätte sich Anfang Mai in meiner Wohngegend aufhalten müssen. Ich selbst habe meinen Augen kaum getraut und doch hat es für ein paar Stunden tatsächlich geschneit. Das verorte ich einmal unter den letzten Ausläufern des Aprils, wahrscheinlicher aber weiß das Klima selbst nicht mehr, was wann und wo als üblich gilt. Wir Menschen tragen dazu einen Großteil bei.

In ein paar Jahrzehnten schon werden wir die ersten Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen, auch in Deutschland. Wie das aussieht, haben die Autoren Nick Reimer und Toralf Steiner eruiert und Wissenschaftler und Experten verschiedener Fachgebiete befragt. Herauskam ein sehr gut zu lesendes Sachbuch, welches uns Deutschland im Jahr 2050 vorführt.

Wie werden wir in unseren Städten künftig leben? Wie sehen Landwirtschaft und Wälder aus und wo werden extreme Wetterwechsel uns das Leben schwer machen?

Dieses Buch habe ich als eines von insgesamt acht gelesen, wobei eines ein Bildband war, über Billie Eilish, welches ich jedem Fan empfehlen kann und das andere eine Kurzgeschichte, von niemand Geringeren als dem Rechtsmediziner Michael Tsokos.

Liest sich im Übrigen sehr spannend. Dazu kamen noch Sachbücher über den kolonialen Kunstraub in der Südsee, zwei deutsche Familiengeschichten und ein Werk über die Kuriositäten der Evolution, die wir Menschen mit unserer Gier und Zerstörungswut bald überholen werden. Eine Bandbreite von Themen, die nur durch das übertroffen wird, was meine Wunschliste im Mai anwachsen ließ.

Das waren vor allem die Veranstaltungen der Ersatz-Buchmesse „#Leipzigliestextra“, die in diesem Jahr digital und zumeist über die Öffentlich Rechtlichen stattfand. Auch davon wird ein wenig hier im Laufe der nächsten Monate in Form von Rezensionsexemplaren vorgestellt werden. Thriller-technisch gab es eine Neuentdeckung. Aus der Feder von G.D. Abson konnte ich einen packenden Thriller lesen, der in St. Petersburg spielte.

Das habe ich tatsächlich noch nicht so oft gelesen und werde das definitiv weiter im Auge behalten. Muss ja, schließlich habe ich damit wieder eine Reihe begonnen. Als hätte ich nicht schon genug zu lesende hier liegen.Insgesamt war es ein guter und abwechslungsreicher Start in den Sommer und ich hoffe, dass der kommende Monat genau so wird.

Zuletzt habe ich noch zwei Tipps für euch.

Zum Einen den neuen High-Fantasy-Roman von Andreas Kroll „Die Botschafter“ und damit Auftakt einer sicher sehr spannenden und wechselhaften Fantasy-Saga.

Andreas Kroll: Die Botschafter (Band 1), Seiten: 386, ISBN: 978-3-75268-730-9, BoD,
Hompage

Mit Klauen und schuppenbewehrt reißen sie Bauern und Vieh.
Siehst du sie kommen, dann flieh!

Große Echsen und geflügelte Schlangen fallen in das Reich der Menschen ein. Sie jagen Dorfbewohner und bedrohen Städte, greifen die Zwerge im Donnersteiggebirge und die Alben in ihren Walddörfern an. Die Schuppenmonster hinterlassen eine blutige Spur, bis sie sich im Herbst genauso unvermittelt zurückziehen, wie sie aufgetaucht sind.Werden sie im nächsten Jahr zurückkehren? (Inhaltsangabe)

Informationen zu Andreas Kroll, seinen Werken und eine Leseprobe findet ihr hier.

Nun ein digitaler Veranstaltungstipp für freunde der georgischen Literatur und solche, die es werden möchten.

Das digitale Literaturfestival „Georgiens Erste Republik – 1918-1921: Geschichte. Literatur. Kunst“ einladen, das vom 24. bis zum 27. Juni 2021 vom Writers‘ House of Georgia in Kooperation mit der Lettretage, der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Georgischen Botschaft und dem Literaturmuseum Georgien.

Das Festival widmet sich der ersten Georgischen Republik von 1918 bis 1921 und soll die deutsch-georgischen Beziehungen in einen politischen und kulturellen Kontext setzen. Teilnehmende dürfen sich neben Musikbeiträgen und Kochinspirationen mit georgischen Rezepten auf literarische und historische Reisen in das Land im Kaukasus freuen. Dafür wird es an den vier Tage unterschiedliche Beiträge geben, an denen sich u.a. Salome Benidze, Nino Haratischwili, Zaal Andronikashvili, Lasha Bakradze, Abo Iashagashvili, Katja Petrowskaja, Kat Menschik, Stephan Wackwitz, Tilman Spreckelsen und Tamta Melashvili beteiligen.

Sobald ich dazu mehr Informationen habe, werde ich diese natürlich hier bekanntmachen. Aber das klingt doch interessant, oder?

Monatsrückblick: April 2021

Eigentlich möchte ich gar nicht groß darüber nachdenken. Schon wieder sind vier weitere Wochen des Jahres vergangen. Ein neuer Monat hat begonnen und der Sommer naht, hoffentlich, mit riesigen Schritten. Mal sehen, ob ich mich immer noch darüber freue, wenn ich mich dann wieder drinnen wie draußen wie Grillgut fühlen darf und See, Eis und der Gang zur Tiefkühltruhe die einzigen Möglichkeiten zur Erfrischung scheinen. Bis dahin gehen aber noch einige Wochen ins Land und ich nehme mir die Zeit, zurückzublicken. Auf den vergangen Monat April.

Der war quantitativ gut. Neun Bücher kann ich auf meine Haben-Seite verbuchen. Davon ist zwar ein Werk ein Bildband gewesen, aber angeschaut ist ja irgendwie auch gelesen. Selbst, wenn man den nicht mit einrechnet, war es immer noch gut genutzte Lesezeit, die ich verbracht habe. Los ging es mit einem Jugendbuch.

Den siebten Band der Reihe um den 13-jährigen Anwaltssohn Theo Boone, geschrieben von John Grisham, hatte ich schon im Vormonat begonnen zu schmökern und mich bereits da über die Neugestaltung aufgeregt, die sich der Verlag ausgedacht hat. Warum nur, ändert man das Format vom Hardcover zur Klappenbroschur?

Warum ändert man Schriftzüge, Grafik und Titelanordnung? Das macht man einfach nicht. Ich verstehe, wenn man das erste Buch als Taschenbuch und die folgenden, da erfolgreich, als gebundene Variante herausbringt, aber das sieht, vorausgesetzt, man hat den Platz dazu, im Regal einfach nicht gut aus. Davon abgesehen, habe ich die bereits auf Englisch gelesene Geschichte wieder gerne geschmökert. Vielleicht klappt es ja, und John Grisham schafft es so, sich LeserInnen für seine erwachsenen Bücher heranzuziehen.

Zwei Aufsätze, genauer Essays haben den Lesemonat geprägt und mich umgehauen. Zum einem „Die Macht der Mehrsprachigkeit“, von Olga Grjasnowa, zum anderen „Rassismus – Strukturelle Probleme brauchen strukturelle Lösungen“, von Natasha A. Kelly. Über beide möchte ich keine großen Worte verlieren. Nur die: Lest die Rezensionen. Lest die Bücher. Unbedingt. Es lohnt sich.

Veit Etzold brachte mehr als ein wenig Spannung in den April hinein und schickte seine Ermittlerin Clara Vidalis in ihrem achten Fall nach Italien. Eine Geschichte voller Wendungen war das, die ich gerne gelesen habe. Seine Art des Erzählens sagt mir immer mehr zu. Hier war es besonders, da ich ein paar der Schauplätze schon einmal persönlich vor Augen hatte. Da erlebt sich solch eine Geschichte nochmals ganz anders.

Beeindruckt hat mich auch Eddie Jakus Biografie „Der glücklichste Mensch der Welt“. Was der Mann erdulden und erleiden musste, wie er trotzdem all die Jahre über so positiv denken konnte, war wirklich faszinierend zu lesen. Dieser Lebenswille und diese Freude auch haben mich so beeindruckt, wie er all den Schrecken des Holocausts trotzen konnte. Vor solchen Menschen kann man sich einfach nur verbeugen.

Danach, besagter Bildband. Yadegar Asisi zeigt deutschlandweit und inzwischen auch über die Grenzen hinaus Panoramen von Naturszenen und historischen Ereignissen. In Berlin kann man beispielsweise die Berliner Mauer nochmals sehen oder den Pergamon-Altar, wie er damals ausgesehen haben muss, in Hannover einen Teil des Amazonas-Gebiets, in Leipzig bereits den Mount Everest oder das Wrack der Titanic. Seine Panoramen sind großflächige Wimmelbilder, auf denen man immer wieder etwas Neues entdecken kann. Etwas, was zunächst unscheinbar wirkt, dann jedoch überwältigt. Wer einmal die Gelegenheit hat, eine seiner Ausstellungen zu besuchen, sollte dies unbedingt tun. Der Bildband versammelte hier einige seiner Skizzen und Arbeiten. Ich freue mich schon darauf, wenn wir wieder dürfen, diese Sachen einmal wieder live zu sehen.

Danach wieder ein wenig Text und Natur. Till Hein nahm mich mit, in die faszinierende Welt der Seepferdchen. Skurrile Tiere sind das, so behäbig, so gefräßig, so toll anzusehen. Der Autor hat es hier geschafft, mich für etwas zu interessieren, von dem ich einfach noch so gut wie nichts wusste. So muss ein Sachbuch geschrieben sein.

Zwei Romane haben dann noch Platz gefunden, im April. Der eine, eine Art Mischung aus Coming of Age und historischer Roman, der für mich nicht komplett funktioniert hat, da er über weite Strecken doch ermüdend war, der andere die Übertragung und das Weiterspinnen eines Szenarios, welches hoffentlich nicht so zur Gänze eintreten wird.

Was passiert, wenn eine Partei sich radikalisiert, zunehmend zweifelhafte Leute deren Bild und Richtung bestimmen, haben wir schon einmal in unserer Geschichte und zuletzt in den vergangenen Jahren erlebt. Was geschehen wird, wenn eine solche Partei die Macht ergreift, führt uns Ferdinand Schwanenburg in seinem Roman „Machtergreifung“ sehr eindrucksvoll vor. Ein Werk, welches mich überrascht und erschrocken hat, und von allen gelesen werden sollte.

So war dieser Monat schon lesetechnisch ein voller Erfolg, eine Art Literaturverfilmung möchte ich hier aber auch aufführen. Ich habe begonnen, die Serie „Die Durrells – Ein Familien-Abenteuer auf Korfu“ anzusehen. Vier Staffeln umfasst die BBC-Serie, die in je sechs Folgen, vom Leben der britischen Familie Durrell erzählt, die beschließt, in den 1930er Jahren auf die griechische Insel auszuwandern und sich dort mit allerlei Problemen herumschlagen muss und damit sind nicht nur die eigenwilligen Einheimischen gemeint, mit denen sie sich anfreunden oder auch nicht.

The Durrells (Die Durrells – Ein Familien-Abenteuer auf Korfu), englischer Trailer.

Geldprobleme, die Liebe und die Tierliebe des jüngsten Sohnes Gerald „Gerry“ sorgen immer wieder für kuriose Situationen. Wie schon Gerald Durrells Buch „Meine Familie und andere Tiere“ ist auch diese Serie voll britischen Humors und Fernweh verursachenden Szenen. Wer einmal den Kopf frei bekommen möchte, was vielleicht in der jetzigen zeit nicht so ganz falsch ist, dem seien Serie und Buch in jedem Fall empfohlen.

Mittlerweile lese ich schon die nächsten Bücher. Der Schwung aus dem April ist noch vorhanden. Ich hoffe, ich kann ihn noch ein wenig halten.

Monatsrückblick: März 2021

Im Februar hatte ich schon befürchtet, den Schwung vom Beginn des Jahres verloren zu haben und so schaue ich jetzt sehr glücklich auf meinem Stapel gelesener Bücher. Quantitativ war es mit neun Werken ein sehr ergiebiger Monat, auch musste ich keinen qualitativen Totalausfall erdulden. Kein Buch mit weniger als drei Sternen zu bewerten, ist ja auch ganz schön. Der März begann dabei mit einem sehr vielschichtigen, gut recherchierten, nicht einfach zu lesenden Sachbuch. Katajun Amirpurs Khomeini-Biografie hatte ich bereits im Februar begonnen, da ich sie aber Anfang März beendet habe, zähle ich sie hier mit hinein.

Wer nicht gerade umfangreiches Hintergrundwissen zum Islam in all seinen Ausprägungen und Schattierungen besitzt, wird hier beim Lesen Probleme bekommen, wage Geschichtskenntnisse helfen auch nicht unbedingt. So hatte ich mit der Lektüre zu kämpfen, habe aber sehr viel Information und Wissen mitnehmen können. Wenn das ein Werk schafft, bin ich schon zufrieden. Bei Büchern aus dem C.H. Beck Verlag ist das für mich aber ohnehin meist der Fall.

Gleich danach habe ich zwei Bücher gelesen, die mich beide umgehauen haben. Zum einen „Der Sessel“ von Daniel Lee, welcher als Historiker das Ergebnis einer sehr interessanten Rechercheleistung zwischen zwei Buchdeckeln gezeigt hat, zum anderen einen True Crime Roman, der einfach überwältigend war. Christa von Bernuth hat hier den Fall der entführten Ursula Hermann adaptiert, der damals die Bundesrepublik in Atem hielt und daraus eine Geschichte gewoben, die einem nicht mehr so schnell loslässt. Die spannendsten Geschichten schreibt das wahre Leben. Die Autorin hat diese Chance ergriffen und genutzt. Dieser Roman lädt ein zu recherchieren, sich Gedanken zu machen. Man lebt und leidet mit den Protagonisten. Der gekonnte Erzählstil tut sein Übriges und, obwohl man weiß, wer die reale Vorlage kennt, wie’s ausgeht, ist diese Geschichte unbedingt lesenswert.

Christa von Bernuth „Tief in der Erde“
Seiten: 383
Taschenbuch
ISBN: 978-3-442-31573-4
Goldmann Verlag

Wenn schon reale Reisen aktuell eher schwierig und moralisch zweifelhaft sind, so ist das gedankliche Reisen doch noch möglich und so entführten mich die beiden nächsten Bücher einmal nach Norwegen, vor die Tore Oslos und schließlich in die Lagunenstadt Venedig. Das erste Werk ist der Bericht einer Wanderung von Vater und Sohn auf den Spuren eines fast vergessenen Vorfalls in der skandinavischen Bergwelt, das andere der erschütternde Zustandsbericht einer sterbenden Stadt. Petra Reski schreibt so detail- und kenntnisreich über ihr Leben dort und wie Politik und Tourismus sich dess sehr stolzen Venedig bemächtigt haben und langsam zerstören. Ursprünglich wollte ich wenigstens einmal diese Stadt besuchen. Nach der Lektüre bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich diesen Wunsch in die Tat umsetzen sollte, wenn es irgendwann wieder möglich sein wird.

Bücher, die nach der Lektüre eines beeindruckenden Werkes folgen, haben es bei mir generell etwas schwerer, ebenso zu faszinieren und so verwundert es nicht, dass sowohl das Sachbuch von Francoise Conrad „Warum Deutsch bellt und Französisch schnurrt“ als auch das neue Werk des Horror-Großmeisters Stephen King „Später“ einen nicht ganz so bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben. Beides Werke, die man mal gelesen haben kann, es jetzt aber auch nicht so ist, dass einem etwas fehlen würde, sollte man nicht dazu kommen. Letzteres empfiehlt sich jedoch, wer nicht unbedingt Fan von Horror-Literatur und noch nicht viel von Stephen King gelesen hat. Etwa 300 Seiten „Später“ sind einfacher zu bewältigen, als 1500 Seiten „Es“. Ersteres mit Motiven, die uns schon in Filmen wie „The sixth sense“ begegnet sind.

Die zuletzt im März untergebrachten Werke haben es mir dann entgültig unmöglich gemacht, am #ComicMärz des lieben Blogger-Kollegen Nico von buchwinkel.de teilzunehmen. Ohnehin wären nur noch ein paar Tage Zeit gewesen, ein passendes Comic oder eine interessante Graphic Novel hatte ich bis dato nicht zur Hand, aber der Kurzroman „Taschen voller Sand“ und vorher die zweite Geschichte aus der Feder Sasha Filipenkos „Der ehemalige Sohn“ haben mich voll und ganz beansprucht.

Sasha Filipenko „Der ehemalige Sohn“
Seiten: 320
Hardcover
ISBN: 978-3-257-07156-6
Diogenes

Gerade das zuletzt genannte Werk hatte es in sich, so dass ich dieses als Monats-Highlight unbedingt hervorheben möchte. Kaum einer der Protagonisten ist sympathisch, sehr negativ und melancholisch die Grundstimmung, aber so faszinierend ist die Beschreibung einer Gesellschaft, die im Wandel begriffen und doch in der Zeit stehengeblieben ist. Ein interessanter und packender Zustandsbericht, war das, den ich da gelesen habe, über das heutige, das damalige Belarus und der Menschen, die dort leben. Von diesem Buch möchte ich einfach, dass es alle lesen, so unscheinbar auch Werke aus dem Diogenes-Verlag zunächst daherkommen.

Hier hat sich jedoch zwischen zwei Buchdeckeln ein kleines Juwel versteckt. Alleine dafür hat sich der März gelohnt.

Monatsrückblick: Februar 2021

„Meine Motivation ist heute winkend an mir vorbeigelaufen.“ Es gibt Tassen und T-Shirts mit diesem Ausspruch. Warum habe ich eigentlich keine? Diesen Monat hätte es gepasst. Den Schwung vom Jahresbeginn konnte ich nicht in den Februar hinein mitnehmen, die sehr stark schwankende Qualität oder eher mein Leseempfinden taten ihr übriges und dazu noch tagelange Kopfschmerzen, die vom ohnehin schon kurzen Monat nocheinmal vier Tage lang Lesezeit wegnahmen. What should we do? Da half es dann auch nicht, die Bloggeraktion des Sachbuchmonats Januar #SachJan21 fortzusetzen, die uns beteiligten BloggerInnen* Spaß gemacht und sehr viele interessante Bücher zur Diskussion gestellt hat, trotzdem möchte ich mich nochmals bei jedem Einzelnen von euch bedanken, für die Teilnahme. Ihr ward toll. Meine Wunschliste ist jetzt wieder etwas länger. Hilft ja nichts. Wiederholung im nächsten Jahr gewünscht?

Ein Sachbuch, welches ich noch im Januar begonnen und dann mit in den neuen Monat genommen hatte, war Volker Reinhardts „Die Macht der Seuchen“, über die Pest im Mittelalter. Nachdem ich schon meinen Nachrichtenkonsum auf das Minimum reduziert habe, für mein Seelenheil, weiß ich nun auch, dass ich keine Bücher zu diesen Themen lesen darf. Sie tun mir einfach im Moment nicht gut, auch wenn die Seuche Pest und nicht Corona heißt. Was habe ich innerlich geflucht, beim Lesen? Nicht über das Fachliche, aber wenn man ständig im Hinterkopf die innere Stimme hört, das Buch doch bitte abzubrechen, sollte man das vielleicht auch tun. Habe ich nicht. Habe es ja angefragt, also dann durchgequält. Sorry an mich.

Vielleicht sollte ich das einmal ändern?

Die Bücher der folgenden Autoren hatten es etwas besser bei mir. Barbara Demicks Buch über die historische Entwicklungen in Tibet anhand von Personen-Biografien war wunderbar zu lesen, wie auch Stephan Orths „Couchsurfing in Saudi-Arabien“. Ich liebe ohnehin solche Berichte als Momentaufnahmen der jeweiligen Situation vor Ort, auch als Anregung, einmal über den eigenen Tellerrand zu schauen und verspüre nun den dringenden Wunsch, ein paar Kamele zu halten. Wer übrigens schauen möchte, wie viel Kamele man für den Freund/die Freundin bekommt, kann das hier tun. Auch, wenn Reisen aktuell nicht möglich sind, wird es zu „Couchsurfing in Saudi-Arabien“ noch etwas auf diesem Blog geben, zusätzlich zur Rezension.

Buchtrailer zu Stephan Orth „Couchsurfing in Saudi-Arabien“ / Piper Verlag.

Ihr dürft gespannt sein.

Die Bücher, die nach sehr guten oder informativen, unterhaltsamen Werken folgen, haben es bei mir eher schwer. Auf den nächsten gelesenen Roman hatte ich mich dennoch gefreut, um so enttäuschter war ich, dass sich dieses „Gesetz der Serie“ bei mir wieder hier bestätigt hat. „Die Kinder hören Pink Floyd“ von Alexander Gorkow haben bei mir einfach keinen Zugang gefunden. Im Gegensatz zu Björn Stephans Roman „Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau“, der mich richtig tief hinein in die Geschichte hat eintauchen lassen. Beides sind Coming of Age Romane, beide fußen auf guten Grundideen und haben sympathische Protagonisten. Manchmal sind jedoch der Erzählstil und die Sprache ausschlaggebend. Vielleicht waren bei ersterem aber auch die Kopfschmerzen, ich erwähnte sie, stärker?

Zuletzt sah ich Grün. Hermann J. Roth hatte mich in die vielfältige Welt einer faszinierenden Farbe entführt und mit diesem Werk einen weiteren Grund geliefert, den Dudenverlag mehr Beachtung zu schenken. Wie toll bitte sind Bücher aus diesem Verlag, abgesehen natürlich vom SchülerInnen quälenden Standardwerk? Wenn jetzt noch in der gleichen Machart Bücher zu den Farben Rot, Blau und Gelb erscheinen würden, wäre das großartig. Wobei, gelbe Schrift auf weißen Grund macht sich wahrscheinlich schwierig, oder?

Der Stapel ungelesener Bücher ist währenddessen gewachsen, aber das macht nichts, da ich im nächsten Monat ein paar Tage Urlaub haben werde und da sicher auch das eine oder andere Mal mehr zum Lesen kommen werde. Zudem wird Nico von buchwinkel.de mit dem ComicMärz sicher Anregungen genug bieten. Auch ich weiß schon ungefähr, was mein Beitrag dazu werden könnte. Bis dahin.

Euer findo.

Monatsrückblick: Januar 2021

Die letzte Woche des ersten Monats im Jahr 2021 endete mit der traurigen, aber erwarteten Nachricht, dass wir auch in diesem Jahr auf die Leipziger Buchmesse verzichten müssen. Aus bekannten und verständlichen Gründen. Nun ja, Bücher trösten uns hoffentlich über diese Zeit hinweg. Wenn es so weitergeht, wie bisher mit den gelesenen, bin ich da einmal vorsichtig optimistisch. Quantitativ war es ein guter Jahresauftakt.

Zehn Werke sind es insgesamt geworden. Davon habe ich sieben von Verlagen und literarischen Agenturen zur Besprechung bekommen. Da ich meinen Lesegeschmack ganz gut kenne, war unter den gelesenen Büchern kein Totalausfall dabei. Ist ja auch einmal ganz schön. Die Sachbücher habe ich zudem im Rahmen des Sachbuchmonats Januar #SachJan21 gelesen. Meinen Mitstreitern und mir hat es Spaß gemacht. Wiederholung ist mal sicher.

Los ging es jedoch nicht mit Text, sondern mit einem faszinierenden Bildband über die wohl bis dato größte Polarexpedition der modernen Wissenschaftsgeschichte, die das Forschungsschiff Polarstern und ihre Besatzung ins ewige Eis führte. Einfrieren lassen wollte man sich, an einer Scholle gebunden Richtung Pol treiben lassen und Klimaforschung betreiben. Wie funktioniert die Wetterküche der Erde eigentlich genau? Das herauszufinden, war eine der zahlreichen Fragen, die sich die WissenschaftlerInnen stellten. Die Fotografin Esther Horvath hat das alles bei zweistelligen Minusgraden in beeindruckenden Bildern festgehalten. Leider sind solche Bildbände nicht gerade günstig. Wer die Gelegenheit bekommen sollte, sich diesen zur Hand zu nehmen, soll dies bitte unbedingt tun.

Esther Horvath „Expedition Arktis„, erschienen bei Prestel.

Mit „Kalmann“ von Joachim B. Schmidt, blieb ich in kalte Gefilde, jedoch etwas näher an der Zivilisation dran. Dieser Island-Roman wartet mit einem nicht ganz so einfachen Protagonisten auf, dessen Geschichte ruhig erzählt wird und sich zu einem spannenden Krimi entwickelt. Streckenweise muss man beim Lesen mit sich selbst sehr geduldig sein, auch den Figuren gegenüber, dann funktioniert der Roman jedoch, wenn auch mit Abstrichen. Die Geschichte wird nicht bei allen LeserInnen funktionieren.

Danach habe ich zwei Reiseberichte gelesen. Der eine war real und führte entlang der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn bis hin zum Baikalsee, der andere fiktional zu einer Schweiz in den afghanischen Bergen, einem Indianerstamm, der einen geschassten ehemaligen US-Präsidenten anbetet und zu einem sozialistischen Utopia inmitten von Sibirien. Hannes Stein hatte da ein paar richtig gute Einfälle, die diesen Roman sehr lesenswert machen und für ein paar humorvolle Stunden sorgen.

In diesem Roman war schon wieder eine Geschichte enthalten, die in extremer Kälte spielte oder zumindest in einer dazu bestimmten Region, und so schaute ich mit Edward Brooke-Hitching in den Himmel und wanderte mit Frauke Bolten-Boshammer nach Australien aus. Ohnehin eines meiner Sehnsuchtsziele, die ich gerne einmal bereisen möchte. Beides, sowohl die kleine astronomische Geschichtsstunde als auch die beeindruckende Biografie einer starken Frau kann ich nur empfehlen, zu lesen, genau so von Volha Hapeyeva „Camel Travel“. Diese kleine Novelle, über die ich noch nicht viel sagen kann, da Sperrfrist des Verlags, kann auch ganz gut gelesen werden. Zu gegebener Zeit wird es auch dazu eine Rezension geben, wie auch zum zuletzt gelesenen Krimi des Autoren-Duos Schwiecker/Tsokos „Die 7. Zeugin“. Dazu werde ich wohl heute Abend die Rezension schreiben.

Mit Jens Mühling ging es dann einmal quar durch russische Gefilde. „Mein russisches Abenteuer„, ist ein packeender Reisebericht, der noch vor dem Ukraine-Konflikt entstand und so dem Autoren einen einfacheren Zugang zu den Menschen gegeben hat, als dies in der Recherche für seine späteren Bücher der Fall war. Eines davon, „Schwere See – Eine Reise rund ums Schwarze Meer“, liegt hier schon bereit. Ich hoffe jetzt einfach einmal, ich komme in diesem Leben noch dazu, das auch zu lesen.

Jens Mühling „Mein russisches Abenteuer„, erschienen bei Dumont Reiseverlag.

Auch an mir gingen die politischen Geschehnisse in den USA nicht ganz unbemerkt vorbei, so dass ich „Versprich es mir„, von Joe Biden, den nun neuen US-Präsidenten mir zu Gemüte geführt habe. Übrigens als E-Book, was bei mir immernoch einen gewissen Seltenheitswert hat. Ich bevorzuge das gedruckte Buch. Der Platzmangel wird dies jedoch irgendwann einmal sicherlich in die andere Richtung drehen.

Es war ein beeindruckender Monat mit vielen interessanten Werken, zu denen ich großteils die Rezensionen schon veröffentlicht habe. Ein paar wenige müssen noch bis zum Erscheinungstermin der Bücher warten. So einen richtigen Ausfall gab es nicht, zumal ich bei Sachbüchern ja eh kaum etwas falsch machen kann. Wenn es also in dieser Form im Februar weitergehen sollte, hätte ich persönlich jetzt nichts dagegen.

Euer findo.

2020 – written by Stephen King, directed by Quentin Tarantino

Zumindest aus literarischer Sicht war es nicht ganz so schlimm, wie dieser Schriftzug aus den sozialen Medien suggeriert, wenn ich auch im Alltag gerne gefragt worden wäre, ob ich in einem solchen Szenario gerne mitspielen wollen würde. Aber, welches Virus macht das schon? Dankbar bin ich, dass es bisher in meinem Umfeld niemanden direkt getroffen hat. Das soll bitte so bleiben. Beruflich musste ich mich zwar neu orientieren, bisher kann ich jedoch nicht klagen. Das ist viel mehr, als bei anderen, die an 2020 noch mehr zu knappern haben, trotzdem bin ich dankbar für ein paar Konstanten, die geblieben sind. Dazu gehört seit über vier Jahren mein Blog, in dem ich über das schreibe, was ich gelesen habe, mit dem einen oder anderen Blick über den Tellerrand hinaus.

Auch in diesem Jahr habe ich viele gute Bücher gelesen und nur ganz wenige Flops verzeichnen müssen. Inzwischen kenne ich meinen Lesegeschmack ganz gut und kann zumindest erahnen, was nicht ganz abwegig werden wird. Nur einmal musste ich in diesem Jahr das Lesen abbrechen. Für mich eine Neuerung, der ich sonst den Anspruch habe, alles zu beenden, was ich begonnen habe. Das gilt ganz besonders für Literatur. Es lag in diesem Fall nicht einmal an der erzählten Geschichte, alleine habe ich gemerkt, dass bestimmte literarische Formen trotz wiederholter Versuche, einfach nichts für mich sind, andere dafür um so besser funktionieren.

Um die 80 Bücher habe ich dieses Jahr gelesen, etwas langsamer im Tempo, jedoch auch konzentrierter als in den vergangenen Jahren. Zwei Drittel waren davon Rezensionsexemplare, die anderen habe ich geschenkt bekommen, als Dauerleihgabe oder mir selbst gekauft. Mein SuB, der Stapel ungelesener Bücher, ist die meiste Zeit gewachsen und dürfte nun fast dreistellig sein. Im nächsten Jahr möchte ich daran arbeiten. Ich habe daher weniger bei Verlagen und literarischen Agenturen angefragt als bisher. Mal schauen, ob das dann auch so funktioniert.

Der Großteil meiner gelesenen Bücher macht das Genre Sachbuch aus, wozu ich Biografien, Werke über Geschichte, Erfahrungs- und Reiseberichte zähle, kuriose Sammlungen. Danach folgen Romane, Krimis und Thriller, zu einem ganz kleinen Teil Kinder- und Jugendbücher, Graphic Novels und Mangas. Ganz wenig kam hier nicht zur Sprache, über das allermeist Gelesene habe ich jedoch geschrieben. Auch Beiträge zu Challenges, wie die von Nico vom Buchwinkel haben Impulse gegeben, sowie meine eigene Weltreise-Challenge. Bei ersteren werde ich im nächsten Jahr wieder mitmischen, meine eigenenen mir gestellten Aufgaben, zu denen ich euch herzlich einlade, werde ich ebenso verfolgen. 2020 habe ich das alles hinbekommen. Bin einmal ganz optimistisch, dass das auch im nächsten Jahr klappt, zudem gleich zu Beginn des Jahres meine Aktion des Sachbuch-Monats Januar startetn soll, in der das Sachbuch im Fokus steht.

Jetzt aber zu den wirklich wichtigen Dingen, hier sind meine Top 10 der gelesenen Bücher 2020. Wenn auch mir so etwas immer schwerfällt, zusammen zu stellen.

Daran gibt es nichts zu rütteln.
Jasmin Schreibers „Marianengraben“, erschienen bei eichborn, ist das absolute Lesehighlight für mich unter den Romanen gewesen.
Thomas Reinertsen Bergs „Auf einem Blatt die ganze Welt“, erschienen bei dtv, ist das Gegenstück dazu im Bereich Sachbuch.
"Pandatage" von James Gould-Bourn, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, ist in jedem Fall lesenswert.
Der Rest der Werke erfolgt ohne Rangfolge, da ich noch viel mehr empfehlenswerte Bücher hätte nennen können.
Erschienen ist "Das Licht der frühen Jahre" bei ullstein.
Erri de Luca hat mich durch seine ruhige Erzählweise und die schöne Sprache beeindruckt.
Jens Steiner "Ameisen unterm Brennglas", erschienen bei Arche.
Auch die Schweizer können einfühlsam erzählen.
Adele Brand über "Füchse - Unsere wilden Nachbarn", erschienen bei C.H. Beck.
Ein Sachbuch über mein Lieblingstier kann ich nicht unerwähnt lassen.
Stephen King "Das Institut", erschienen bei Heyne.
Damit sind wir wieder beim Großmeister des Horrors.
Der Roman "Das Museum der Welt", erschienen bei dtv.
Christopher Kloeble entführte mich nach Indien.
Aimee Carter "Der Fluch des Phönix", erschienen bei Oetinger.
Jugendbücher waren nicht ganz so zahlreich, hier aber einmal eines mit einem berührenden Protagonisten.
Wiebke von Carolsfeld lebt dort, arbeitete früher jedoch bei Kiepenheuer & Witsch, wo dieses Jahr ihr Roman erschien.
Kanada war das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, die nur in einem eng begrenzten Rahmen stattfinden konnte.

Wie geschrieben, ich hätte noch viel mehr lesenswerte Bücher nennen können, aber wir wollen es einmal bei den genannten belassen.

Was bleibt? Die Hoffnung auf ein besseres kommendes Jahr und auf genau so interessanten und vielfältigen Lesestoff, auf aufregende Challenges und lesenswerte Neuerscheinungen, abwechslungsreichen und spannenden Aktionen, auf Treffen und Messen (Drückt die Daumen.).

Ich danke nochmals allen Verlagsmenschen und literarischen Agenturen, allen BloggerInnen und Booktubern, den AutorInnnen der gelesenen und noch zu lesenden Bücher.

Vor allem aber danke ich euch, die ihr lest, was ich schreibe, mich in den sozialen Medien verfolgt, euch mit mir austauscht oder unterstützt, Schnellschreib- und andere Fehler ertragt. Ihr seid klasse. Schlagen wir mit 2021 ein neues Kapitel auf.

Viele Grüße,

Euer findo.