Kind

Virginia Macgregor: Der Junge, der mit dem Herzen sah

Der Junge, der mit dem Herzen sah Book Cover
Der Junge, der mit dem Herzen sah Virginia Macgregor Manhattan Verlag Erschienen am: 15.05.2017 Seiten: 413 ISBN: 978-3-442-48632-8

Inhalt:

Der neunjährige Milo leidet unter Retinitis Pigmentosa: Sein sehvermögen lässt immer stärker nach, irgendwann wird er vollständig erblinden. Noch aber sieht er die Welt – wenn auch nur wie durch ein Nadelöhr. Doch so bemerkt er Kleinigkeiten, die anderen entgehen.

Als seine 92-jährige Urgroßmutter dement wird und in ein Altenheim umziehen muss, fallen Milo dort seltsame Vorgänge auf. Die Erwachsenen interessieren sich für Milos Erkenntnisse nicht, und so bleiben ihm nur der Koch Tripi und sein Ferkel Hamlet, um ihm bei seiner Mission zu helfen.

Milo ist nämlich entschlossen, seine „Gran“ wieder nach Hause zu holen, die Machenschaften der Heimleiterin offenzulegen und -vielleicht- seine Eltern zu versöhnen. (Klappentext)

Rezension:

Besondere Schicksale fördern besondere Begabungen und Geschichten. So auch die Krankheit Retinitis Pigmentosa. Weitgehend unbekannt, da selten, handelt es sich um eine Netzhautdegeneration, bei der die Photorezeptoren absterben.

Meist im Kindesalter mit den ersten Symptomen auftretend wird das Augenlicht immer weniger, bis der Betroffene schließlich vollständig erblindet. Selten genug ist dies, so dass man hieraus eine spannende Geschichte hätte schreiben können. Virginia Macgregor legt hier uns jedoch „Der Junge, der mit dem Herzen sah“, vor.

Der im deutschsprachigen Raum, im Manhattan-Verlag, erschienene Roman, ist so weichgespült, wie das bonbonblaue Cover vermuten lässt, gleichwohl man aus der Gestaltung heraus ja nie Schlüsse über die Geschichte ziehen sollte.

Tatsächlich ein schöner Schreibstil, der Hauptprotagonist einfach nur niedlich, ist die Handlung jedoch so vorhersehbar, dass es kaum Spaß macht, diese zu verfolgen. Die Protagonisten, im ersten Drittel sehr nervtötend, sind entweder zu kindisch oder im Falle des neunjährigen Milos, zu erwachsen handelnd.

Man darf zwar annehmen, dass Kinder in manchen Situationen schneller lernen müssen, wie Erwachsene zu funktionieren und bestimmte Abläufe einfach abspulen können, aber bitte nicht so, in diesem Übermaß.

Dekoriert mit einer Schicht Zucker erzählt die Autorin ein Krankheitsdrama, über die Auswirkungen falscher Berufswahl, den Pflegenotstand, Flüchtlingsdrama, Scheidungs- und Armutsgeschichte, und das ist einfach zu viel des Guten.

Als wollte man den Leser unbedingt darauf stoßen, unbeding die eine oder andere Träne zu vergießen. Das funktioniert so nicht. Die Handlungsstränge, einzeln für sich, hätten allesamt Stoff für eine gute Erzählung gegeben, in dieser Form jedoch passt das nicht zusammen.

Vor allem nicht, wenn man die Verantwortung auf die Schultern eines Kindes ablädt, der sowie so schon gestraft genug ist.

Die kurzgehaltenen Kapitel und der Schreibstil sind angenehm zu lesen, die Erzählstränge irgendwie logisch, kommen aber in dieser Form und Bündelung kaum beim Leser ein. Insgesamt zu viel des Guten.

Zwei drei Handlungsstränge weniger und hundert Seiten mehr, hätten diesen Roman zu etwas ganz Besonderen machen können, wie das Krankheitsbild etwas Besonderes ist.

So aber bleibt eine Geschichte, die an der Oberfläche bleibt und mit Ausnahme der Liebe eines Kindes zu seinen Mitmenschen, nicht tiefschürfender wird.

Autorin:

Virginia Macgregor ist in England, Deutschland und Frankreich aufgewachsen, studierte nach der Schule in Oxford. Neben ihren Beruf als Englisch-Dozentin und Hauslehrerin begann sie regelmäßig zu schreiben.

„Der Junge, der mit dem Herzen sah“, ist ihr erstes Buch. Inzwischen sind weitere Romane erschienen, die in verschiedenen Sprachen übersetzt wurden. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Berkshire.

Virginia Macgregor: Der Junge, der mit dem Herzen sah Weiterlesen »

Daniel Magariel: Einer von uns

Einer von uns Book Cover
Einer von uns Daniel Magariel C.H. Beck Erschienen am: 19.09.2017 Seiten: 172 ISBN: 978-3-406-71183-1 Übersetzung: Sky Nonhoff

Inhalt:

Ein fesselnder, erschütternder Roman über zwei junge Brüder und ihren zugleich liebevollen und übergriffigen Vater. Die drei haben den „Krieg“ gewonnen: So nennt der Vater seine bittere Scheidung und den Kampf ums Sorgerecht. Sie verlassen Kansas und fahren nach Albuquerque. um noch einmal neu zu beginnen.

Vor der kargerhabenen Kulisse der Landschaft New Mexicos erzählt Daniel Magariel in seinem Debüt mit bestechender Klarheit, wie die Jungen verzweifelt versuchen, die Familie zusammenzuhalten, sich gegenseitig schützen und helfen, und schließlich ums Überleben kämpfen. (Klappentext)

Rezension:

Familie ist ewig. Familie ist für immer. Was aber, wenn der Kreidekreis zerläuft und der Kampf um den Zusammenhalt verloren und die Gemeinschaft zerbrochen ist? Was, wenn die Reste des Familienlebens unter zwei Parteien aufgeteilt sind und die Kinder sich haben entschieden müssen, bei welchen Elternpart sie die nächsten Jahre ihres Lebens verbringen „wollen“?

Daniel Magariel erzählt in seinem atemraubenden Debüt nichts weniger als eine Geschichte voller Leid und Traurigkeit, die es in sich hat. Zunächst aus der Perspektive zweier Brüder, des Jüngeren zuerst, gelingt der Einstieg.

Die Figuren sofort zum Greifen nah, haben ihre spürsparen Schwächen und Stärken, gewinnen schnell an Konturen und vor allem, jeder einzelne Protagonist für sich, die Sympathie des Lesers.

Sprachlich einfach zu fassen, wird schnell das Dilemma der Figuren klar. Der Anschluss an die neue Heimat will nicht gelingen, weder der Vaterfigur im Beruflichen, noch den Jungs im schulischen Bereich, wo das Nesthäkchen der Familie, welches ausgerechnet vom Aussehen her den Vater an seine Exfrau erinnert, schon in der ersten Woche in ene Prügelei gerät und der große Bruder im Basketballteam seiner Schule ebenfalls keine Kontakte knüpfen kann.

Schwer depressiv versuchen die Protagonisten ihren Alltag, der immer mehr Risse bekommt, zu leben. Die Katastrophe ist schnell absehbar.

Ganz und gar nicht katastrophal ist jedoch die gesamte Geschichte, die ein Dilemma moderner Familienwelten greifbar macht, in der es kaum Gewinner gibt, aber viele Verlierer.

Magariel gelingt es auf wenigen Seiten, ohne überheblichen Schreibstil Konflikte glasklar darzustellen und Wege der Figuren vorzuzeichnen, denen man trotz oder gerade wegen ihrer Fehler kaum böse sein kann.

Man leidet mit dem Jüngsten, der die Düsternis zuerst kommen sieht, dem ältesn Jungen, der verantwortung übernehmen muss, ohne bereits stark genug dafür zu sein und der erwachsenen Person, der die Söhne bald charakterlich über den Kopf wachsen.

Im Grunde passiert ansonsten nicht viel, wenn auch hier eine eher typisch amerikanische Lösung zum Tragen kommt, was man aber mit Augendrücken durchgehen lässt.

Ansonsten trägt die Klarheit der Worte und dadurch aufgestellten Geschehnisse aber zu einem gelungenen Leseerlebnis bei. Eine Hommage an die Familie, den Zusammenhalt und das Für-einander-da-sein-in-schweren-Zeiten. Nicht mehr und nicht weniger.

Autor:

Daniel Magariel hat an der Columbia University, sowie an der Syracuse University studiert und in verschiedenen Staaten der USA gelebt. Derzeit lebt er mit seiner Frau in New York. „Einer von uns“, ist sein erster Roman.

Daniel Magariel: Einer von uns Weiterlesen »

Jesus Carrasco: Die Flucht

Die Flucht Book Cover
Die Flucht Jesus Carrasco Klett-Cotta Erschienen: 2013 Seiten: 208 ISBN: 978-3-608-98001-1 Übersetzerin: Petra Strien

Inhalt:

Ein Junge flieht. Die Schreie seiner Jäger verfolgen ihn. Tagsüber kauert er in einem staubigen Versteck. Nachts kämpft er sich in der Dunkelheit vor und sucht in vertrockneten Brunnen nach Wasser. Vor ihm liegt nichts als die ausgebrannte Ebene, eine Welt unerbittlicher Hitze und Gesetzlosigkeit. Und es gibt kein Zurück. (Klappentext)

Rezension:

Unter der sengenden Sonne Spaniens, die die ebene Landschaft unter sich ausdürrt, begegnet der Leser einem Jungen auf der Flucht. Genauer gesagt, in seinem Versteck, in dessen Nähe seine Häscher ihn suchen. Das Alter des Kindes nicht näher bestimmt, der Protagonist nicht namentlich betitelt, erwacht sofort der Beschützerinstinkt, ohne zu wissen, was dem Jungen vorab widerfahren ist.

Darüber lässt der Autor die Leser lange Zeit im Unklaren, wie so vieles erst einmal im Nebel verborgen bleibt. Das ist die Ausgangslage von Carrascos Geschichte, die auf’s Wesentliche reduziert, ihre Leser vollkommen in den Bann zieht. Die Protagonisten sind unbarmherzig gegen sich selbst, alleine dem kleinen Jungen und der sich ihn annehmende Ziegenhirte gewinnen im Laufe der Geschichte an Farbe und Sympathie.

Die anderen haben sie schlichtweg auch nicht verdient, wie sich mit zunehmender Seitenzahl herausstellt. Immer mehr wird der Leser davon ergriffen, den Hintergrund des Leidens des Jungen aufzuspüren und sich auf eine Reise zu begeben, die den Knirps an seine psychischen und physischen Grenzen bringen wird.

Immer wieder der drohenden Gefahr ausgesetzt, doch noch in die Hände seiner Verfolger zu fallen.

Es ist eine unglaublich schnell zu lesende, trotz des Themas, Geschichte, die sofort faszinierrt. Der Schreibstil, auf Wesentliches reduziert, ohne Schnirkel genügt, um völlig in die Gedankenwelt des kindlichen Protagonisten einzutauchen, sich seiner anzunehmen.

Mehr braucht es hier nicht, mehr möchte man auch nicht, leidet und dürstet mit dem Jungen und fragt sich, ob man wohl selbst diesen Kampf ums Überleben bestehen würde.

Angelegt ist die Erzählung in einem nicht näher bestimmten Zeitraum, doch ist zu vermuten, aufgrund der Schilderungen einiger Begebenheiten (etwa: Massengrab), dass es sich entweder um die Zeit des Spanischen Bürgerkrieges oder der Diktatur Francos handelt, gleichwohl könnte die Geschichte praktisch überall im südlichen Europa angesiedelt sein.

Die Geschichte geht einem ans Herz, wobei sich die geschilderte Gewalt in Grenzen hält. Alleine, die Gedanken zwischen den Zeilen, wenn man ein wenig mehr der Vergangenheit des Jungen zu spüren bekommt, gehen schon genug nahe.

Beeindruckend ohne zu viel oder zu wenig zu erzählen, geht Jesus Carrasco voran und nimmkt uns mit auf einem Weg, auf dem der kleine Protagonist über sich hinauswächst. Ein Roman, der nichts anderes als die Höchstwertung verdient.

Autor:

Jesus Carrasco wurde 1972 in Badajoz geboren. „Die Flucht“ ist sein erster Roman, der in mehreren Sprachen übersetzt wurde und in zehn Ländern erschienen ist. Es wurde in Spanien als das „Beste Buch des Jahres2013“ ausgezeichnet. Der Autor lebt in Sevilla und arbeitet zudem als Werbetexter.

Jesus Carrasco: Die Flucht Weiterlesen »

Christian Frascella: Sieben kleine Verdächtige

Sieben kleine Verdächtige Book Cover
Sieben kleine Verdächtige Christian Frascella Frankfurter Verlagsanstalt Hardocver Seiten: 319 ISBN: 978-3-627-00198-8

Inhalt:

Sie waren alle etwa zwölf Jahre alt, als sie beschlosssen, die Bank von Roccella, ihrer kleinen Stadt auszurauben. (Klappentext)

Rezension:

Die Welt ist ein Dorf. Zumindest für Italien scheint diese Regelung zu gelten. Vor allem, wenn man Christian Frascella liest. Der schnürt sämtliche Klischees über sein Heimatland in eine Geschichte zusammen und lässt seine Protagonisten allesamt auf ihre Hosenböden fallen.

Dazu kommt dann noch eine Prise Mafia und organisiertes Verbrechen, das Gegen- und Nebeneinander zwischen Arm und reich, Pädophilie und dem Zusammenhalt oder Auseinandertriften italienischer Familienclans. Das ist der Stoff für Abenteuer rund um den Stiefel im Mittelmeer, hier konzentriert auf absurde Weise in einer kleinen italienischen Dorfgemeinschaft.

Dabei ist sie allerdings gut erzählt. Der Leser wird sofort von den sieben Hauptfiguren, die zwölfjährigen Billo, Cecconi, Corda, Gorilla, Raccani, Lonica und Fostelli eingenommen, die zunächst einmal mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben. Da gibt es den todkranken Vater, ebenso wie die verarmte Gewerkschafter-Familie oder auch schlicht das Damoklesschwert der Versetzungsgefährdung in die nächste Klassenstufe.

Aus all den Problemen heraus, kann nur ein Banküberfall und die daraus sich ergebenden Geldsummen für jeden helfen und so planen die vorwitzigen Kids einen kleinen ganz großen Überfall, wie ihn Süditalien lange nicht gesehen hat.

Doch, zunächst muss dafür „Speckbacke“ in sich verliebt gemacht werden. Die Tochter des Barbesitzers ist die Schlüsselfigur im Plan der glorreichen Sieben, deren Aktivitäten jedoch noch ganz andere Gestalten auf sich aufmerksam machen.

Sämtliche Kriminelle scheinen plötzlich aus den Erdlöchern aufzutauchen, zu allem Überfluss auch noch der „Mexikaner“, der vor Jahren die illiegalen Geschäfte des Ortes kontrollierte und dessen Ruf immer noch Angst und Schrecken verbreitet.

Jeden der Jungs wird langsam klar, welches Pulverfass sie geöffnet haben. Plötzlich scheint der Plan ungeheuerliche Dimensionen und Folgen anzunehmen. Packend und spannend, sehr fließend liest sich diese Erzählung, deren einnehmende Protagonisten man sogleich lieb gewinnt. Man fühlt mit jedem Einzelnen der Kinder mit. Am Ende jedoch ist dies alles zu dick aufgetragen.

Nicht nur, dass die Aneinanderreihung solch extremer Zufälle und persönlicher Katastrophen so scheint als hätte sich alles Unglück auf ein kleines unbedeutendes italienisches Dorf konzentriert, alleine dass manche Erzählstränge dann nicht in all ihrer Konsequenz weitergeführt werden.

Irgendwie beschleicht das Gefühl, dass man an manchen Stellen dann doch noch mehr hätte erfahren wollen, detailliertere Beschreibungen noch ausführlicher.

Bei so viel Pech haben die Kinder zum Ausgleich aber auch eine ungehörige Portion Glück, welches vielleicht für Junge Leser verhindert, dass die Geschichte allzu sehr ins Negative abdriftet, die Erzählung jedoch etwas unglaubwürdig werden lässt.

Insgesamt aber ein amüsant geschriebenes und vor allem für Kinder und Jugendliche sicher lohnendes Werk, welches sich schnell lesen lässt.

Für nordeuropäische Ohren werden die Namen anfangs etwas ungewohnt klingen und leicht durcheinander gebracht werden aber auch das legt sich mit zunehmender Seitenanzahl. Wer den Weg der sieben kleinen Verdächtigen verfolgt, braucht sich um die Zukunft Italiens keine Sorgen zu machen.

Autor:

Christian Frascella wurde 1973 geboren und ist ein italienischer Schriftsteller. Bevor er seinen ersten Roman veröffentlichte, arbeitete er ain verschiendenen jobs als Militäringenieur, Fabrikarbeiter und Telefonist.

Sein Debütroman „Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe“ erschien 2012 in Deutschland und wurde für den Jugendliteraturpreis nominiert, zuvor war er 2009 in Italien für den Premio Viareggio nominiert, Italiens bedeutensten Literaturpreis. Aktuell hat er sechs Romane veröffentlicht, von denen drei ins Deutsche übersetzt wurden.

Christian Frascella: Sieben kleine Verdächtige Weiterlesen »

Rebecca Makkai: Ausgeliehen

Ausgeliehen Book Cover
Ausgeliehen Rebecca Makkai List Verlag Taschenbuch ISBN: 978-3-548-61134-1 Übersetzerin: Mirjam Pressler

Handlung:

Der zehnjähriger Ian ist süchtig nach immer neuen Geschichten. Lucy Hull, Bibliothekarin in der Stadtbücherei von Hannibal, ist dabei seine Komplizin. Sie hilft ihm, die geliehenen Bücher an seiner strengen Mutter vorbeizuschmuggeln.

Eines Morgens traut Lucy ihren Augen kaum. Ian, von zu Hause ausgerissen, kampiert zwischen den Regalen. Er hat einen Plan: Geschickt lotst er sie in Richtung highway und mitten hinein in eine abenteuerliche Reise. (Klappentext)

Bemerkung:

Die Taschenbuchausgabe scheint vergriffen. Ich selbst habe sie nur gebraucht erworben. Es gibt jedoch eine Hardcover-Ausgabe mit anderen Cover, die bei Ullstein verlegt wird.

Rezension:

Wenn man als Autor zu viel möchte, es aber nicht schafft, auch nur eine Idee komplett aus- und zu Ende zu führen, passiert genau das. Dann entstehen solche, vorsichtig ausgedrückt, unausgegorenen Geschichten, wie diese von Rebecca Makkai geschriebene. Das Hauptthema ist dabei noch das interessanteste.

Ein kleiner Junge durchlebt die Liebe zur Literatur heimlich, da er jedes Buch an seiner strenggläubigen Mutter vorbeischmuggeln muss. Behilflich ist ihn dabei die Bibliothekarin der Kinderbuchabteilung seiner Stadtbibliothek, die er kurzer Hand entführt und auf einen Roadtrip quer durch das Land entführt.

Doch, gleich auf den ersten Seiten beginnen die erzähltechnischen Probleme der Autorin. Geschrieben aus der Ich-Perspektive Lucy Hulls, der erwachsenen Protagonistin, reiht sich ein Klischee an ein anderes. Gedanken werden angeregt aber nicht zu Ende geführt.

Die Hauptprotagonisten sind zwar sympathisch aber handeln unschlüssig und ohne Ziel. Man erfährt weder, warum eine erwachsene Frau sich so von einem zehnjährigen Nerd übertölpeln lässt, noch warum dieser Hull quer durch das Land schickt. Sonnebebrillt und asthmatisch an ihrer Seite sitzend.

Auch die Familiengeschichte der Bibliothekarin ist für sich genommen interessant genug, einen eigenen Roman zu tragen, fügt sich hier aber gleichsam schlecht ein und warum die Autorin so permanent mit der Sexualisierung eines Kindes herumspielt, liegt nur begründet in der Einführung einer kruden Nebenfigur, was zwar hauptthematik sein möchte aber auch nicht wirklich funktioniert.

Zu allem Überfluss gesellt sich dann noch eine Möchtergern-Verfolgungs-Agenten-Geschichte dazu. Handlungsstränge allesamt lose und kaum ein stimmiges Gesamtbild ergebend.

Bei alledem sollte man meinen, dass wenigstens das Erzähltempo anzieht, doch auch hier hat die Autorin die Ruhe weg. tatsächlich plätschert die Geschichte so dahin. Ruhiger geht’s teilweise auf keinen anderen Roadtrip zu.

Bei „Tschick“ hat das einst funktioniert, hier offenbaren sich dadurch nur noch mehr die Stolperfallen, denen die Autorin erlegen ist. Man merkt, dass es ihr erster Roman ist und hofft, dass sie sich in ihren nachfolgenden Geschichten erheblich verbessert hat.

Dennoch, es ist kein schlechter Roman. Wenn man über die so ausführlich beschriebenen Schwächen hinwegsieht, funktioniert es. Rebecca Makkai gelingt es dann und wann doch, zu unterhalten, die Gedanken des Lesers festzuhalten und uns in eine, hierzulande sehr kritisch gesehene Seite amerikanischen Alltags einzuführen.

Wenn man ihr etwas Positives zurechnen möchte, dann ist es überhaupt dies, dass sie den Finger in eine Wunde legt, die vor allem den großen starrsichtigen Freikirchen nicht gefallen dürfte, die die Bibel nur allzu wörtlich auslegen und eine Null-Toleranz-Grenze gegenüber Andersdenkenden verfolgen.

Daraus alleine hätte man trotzdem noch viel mehr machen können. Man darf nur hoffen, dass es Rebecca Makkai in ihren weiteren Arbeiten mit dieser oder anderen Thematiken besser gelingt.

Autorin:

Rebecca Makkai wurde 1978 geboren und ist Verfasserin von mehreren Romanen und Kurzgeschichten. Ihr erster Roman erschien 2011 und war in der Top-Ten-Liste 2011, der Schriftsteller-Debüts, zudem in der Auswahl des Chicago Magazines der besten Geschichten des Jahres.

Ihr Roman wurde in über sieben Sprachen übersetzt. Auch ihr Nachfolge-Roman füllte einige Bestenlisten und gewann mehrere Preise. Eine Novelle, die sich der Thematik AIDS annimmt, ist von ihr in Vorbereitung.

Rebecca Makkai: Ausgeliehen Weiterlesen »

Ka Sundance: Mit 6 Kindern um die Welt

Mit 6 Kindern um die Welt Book Cover
Mit 6 Kindern um die Welt Ka Sundance Riva Erschienen am: 10.04.2017 Seiten:: 238 ISBN: 978-3-7423-0105-5

Inhalt:

Sie sind zu acht und sie sind auf der ganzen Welt zu Hause. Ob Costa Rica, Thailand, Kanada, Australien, Marokko oder La Palma – die Sundance-Familie zeigt, dass man auch mit Kindern frei und unabhängig sein kann.

Ihr zwangloses und unbeschwertes Leben, von dem sie öffentlichkeitswirksam auf YouTube und Facebook berichten, übt auf viele eine große Faszination aus.

Manch einer hält sie für Glückspilze. Aber für Ka Sundance und seine Familie steht fest: Das hat nichts mit Glück zu tun, sondern beruht auf einer klaren Entscheidung.

Angefangen bei den Reiseerlebnissen aus seiner Jugend berichtet der sechsfache Vater, was ihn und seine Frau vor über 20 Jahren zu der Entscheidung bewogen hat, ihr altes Leben in Deutschland aufzugeben und sich von ihren festen Gewohnheiten und alltäglichen Verpflichtungen zu lösen.

Er erzählt, wie sie ihrem Leben durch das Reisen mehr Sinn, Fülle und Freiheit verliehen haben und wie es ihnen gelungen ist, aus ihrem Lebensentwurf ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das nicht nur satt, sondern auch zufrieden macht – getreu ihrem Motto: Tu, was du liebst! (Klappentext)

Rezension:

Ein Traum, der sicherlich von vielen gehegt wird. Einfach ein Flugticket kaufen, fliegen und nie mehr zurückkommen. Das ganze Leben eine Reise um die Welt. Ka und Katie Sundance haben dies gewagt,l alle Sicherheiten in Deutschland aufgegeben und bereisen den Globus, seit sie sich kennenlernten.

Immer am finanziellen Limit, doch auch mit dem Glauben an die glücklichen Fügungen des Schicksals. Und sie haben Glück. Wird ein Käufer für den zum Wohnmobil umgebauten Bauwagen gesucht, findet sich ein Interessant, brauchen die beiden Jobs, um über die Runden zu kommen und das nächste Flugticket zu finanzieren, eröffnet sich vor Ort eine Arbeitsmöglichkeit.

Und nebenbei wächst die Familie. Die Kinderschar wird größer. Dabei krempeln die Sundances ihr Leben um, ernähren sich vegan und verhindern so die Asthma-Erkrankung des Zweitgeborenen, betreiben World-Schooling und werden immer öfter gefragt, wie sie es schaffen, dieses Lebensmodell umzusetzen.

Einige Zeit von Sozialhilfe abhängig, kommen diese Anfragen gerade recht. Als das Internet erste schritte macht und zum Massenmedium wird, wagt das Ehepaar den Schritt, eine Online-Firma zu gründen, die genau über diese Lebensweise aufschluss geben soll.

Mit Hilfe von E-Books, später Online-Kursen und Tutorials wird das Spektrum nach und nach erweitert. Die Familie, die ungewöhnliche Art zu leben als Geschäftsmodell. Dabei immer auf den Teppich bleibend, sympathisch ihren Träumen folgend.

Das hat Erfolg. Mittlerweile müssen die Sundances nicht mehr jeden Cent dreimal umdrehen und leben in Costa Rica und unternehmen von dort aus Reisen rund um den Globus.

https://www.youtube.com/watch?v=EanjYd8LsCI
Familie auf Weltreise. Die Sundances.

Die Kinder haben Freunde in vielen verschiedenen Ländern, haben praktisch von selbst mehrere Sprachen gelernt zu sprechen und kommen mit unterschiedlichsten Menschen und Kulturen in berührung. Und heute bauen die Sundances eine Stiftungen für Hilffsprojekte auf.

Zuerst skeptisch wird der Leser sehr schnell von der ruhigen und unaufgeregten Art, sowie den unerschütterlichen Optimismus Ka Sundances eingenommen, der es schafft, in kurzweiligen Kapiteln sein Lebensmodell nahezubringen. „Tu, was du liebst!“, ist das Motto, welches sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch durchzieht.

Träume sollten verfolgt und nicht aufgegeben werden, Widerstände überwunden und manchmal einfach Schritte gewagt werden, auch wenn der Rest der Welt einen für verrückt erklärt.

Das kann mal schwer werden, ist sicher jedoch befriedigender, als der graue Alltag der Durchschnittsbevölkerung und jeder kann dies 8im Rahmen seiner Möglichkeiten) umsetzen. Man sollte es auf einen Versuch ankommen lassen.

Ka Sundance missioniert nicht aber er zeigt, dass es auch anders geht. Man muss sich keinen Zwängen unterwerfen, kann selbstbestimmt leben und das Glück finden. er berichtet von einem Leben mit Nackenschlägen, dem kleinen und dem großen Glück, einer lebenslangen Weltreise und neugierigen Kinderaugen, für die ein Leben als Globetrotter zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Teil, einer lebenslangen Reise. Quer durch die Wüste.

Seine Erfahrungen mit Veganismus und einem minimalistischen Lebensstil kommen ebenfalls zur Sprache, wie auch das neueste Projekt einer Stiftung zum Aufbau für Hilfsprojekte, bei denen sie selbst mit anpackt. Denn die Reise und Ideen der Sundances sind noch lange nicht am Ende angelangt.

Homepage:

https://www.m-vg.de/riva/shop/article/12397-mit-sechs-kindern-um-die-welt/


Facebook: https://www.facebook.com/DieSundanceFamily/
Instagram: https://www.instagram.com/sundancefamily/

Wer sich inbesondere für die Reisen interessiert:

https://www.youtube.com/user/DieRohkostFamilie

Autor:
Ka und Katie Sundance lernten sich 1997 kennen und heirateten ein Jahr später. Ihren Traum, um die Welt zu reisen, setzten sie um und sind seit dem unterwegs.

Nirgendwo sesshaft, gründeten sie ihre Familie mit inzwischen sechs Kindern und bauten in einer Notlage mit Hilfe der Anfänge des Internets ein Online-Business auf und beraten durch Online-Kurse und E-Books zu Themen wie Online-Marketing und Überzeugungsmanagement, verganer Ernährung und alternativer Lebensweise.

Nebenbei bereisen sie mit ihren Kindern die Welt und nutzen ihre Reichweite zum Aufbau einer Stiftung, die Hilfsprojekte unterstützt.

Ka Sundance: Mit 6 Kindern um die Welt Weiterlesen »

Gisela von Radowitz: Tabaluga

Tabaluga Book Cover
Tabaluga Gisela von Radowitz Roman Knaus Hardcobver Seiten: 159 ASIN: B0021ZZWXC (antiquarisch)

Handlung:

Seit die feuerspeienden Drachen ausgestorben sind, gibt es niemanden mehr, der die Welt beschützen kann. Arktos, der Herr des eises, ein machtbesessener skrupelloser Tyrann, träumt davon, die Natur zu beherrschen und die gesamte Schöpfung tiefgefroren in einem Museum auszustellen. Nur die Bewohner einer kleinen, grünen oase im ewigen Eis leisten noch Widerstand. Als ein altes drachenei unter einer lawine entdeckt wird, keimt neue Hoffnung auf. Tabaluga, der kleine grüne Drache, wird geboren.

Er soll die Macht von Arktos brechen und seine herrschaft beenden. David gegen Goliath, der ewige kampf: Daa Gute gegen das Böse. Die Liebe gegen den Hass. (Klappentext)

Rezension:

Die Geschichte um den kleinen grünen Drachen hat inzwischen mehrere Generationen geprägt und so dürften diejenigen, die dieses Buch, inzwiwschen nicht mehr verlegt, in ihre Kindheit zurück katapultiert werden.

Der Kultstatus um den Kampf zwischen David und Goliath, Feuer und Eis, Liebe und Hass in Form dieser Fabel haben unzählige Menschen geprägt. Allen voran Peter Maffay und unzählige Musiker, sowie Autoren wie Gisela von Radewitz. Von ihr hier die Grundlage der Geschichte, von der es zuvor bereits einige Musikalben aus den Händen Maffays gegeben hatte, aufgeschrieben.

Behutsam und gefühlvoll, liebevoll illustriert wird hier die Geschichte vom letzten Drachen auf Erden Tabaluga erzählt, der innerhalb einer kleinen grünen Oase aufwächst.

Diese ist jedoch bedroht von Arktos, Schneemann und im wahrsten Sinne des Wortes eiskalter Diktator über sein Riesenreich der Kälte, welches das kleine Grünland und ihre Bewohner bedroht. Diese ahnen voller Angst, Tabaluga ist ihre einzige Chance zu Überleben.

Doch, der Bewahrer des Feuers hat ausgerechnet mit diesem so seine Probleme. Das wahre Feuer nämlich muss er erst einmal finden und das ist nicht so leicht. Vor allem nicht, wenn man ständig auf widersprüchliche Aussagen der grünländischen Bewohner trifft, eine vorwitzige Häsin im Schlepptau hat und Arktos ihn längst als Bedrohung für sein Reich aus Schnee und Eis ausgemacht hat.

Trotzdem es eine Kindergeschichte ist, funktioniert sie sehr gut. Auch später noch gelesen. Zumal, wenn man die Erinnerungen an die Musicalaufführung von 1994 im Kopf hat oder auch nur die später folgende Trickfilmserie.

In kleinen Schritten, leicht verständlich wird ohne erhobenen Zeigefinger erklärt, wie viel Liebe bewirken kann, wie viel aber auch Hass zerstört. Wie lebt es sich in einer Diktatur und was ist Mitläufertum? Alles Begriffe und Themen, die später im Geschichtsunterricht einmal aufgegriffen werden, im vorgesehenen Lesealter noch keine Rolle spielen.

Doch, Kinder wollen ernstgenommen werden. Gisela von Radowitz tut dies, ebenso wie Peter Maffay mit seiner Musik. Alleine, der Drache tut bis heute viel Gutes.

Eine gleichnamige Stiftung setzt sich für Kinder und ihre Rechte ein, für verschiedene Projekte wurde mit Tabaluga Aufmerksamkeit entfacht und vielleicht lassen sich heute wie damals ein paar Kinder von der Faszination für den Feurigsten aller Grünländer begeistern und sich später, wenn sie sich einmal entscheiden müssen, zwischen dem was richtig und dem, was bequem ist, daran erinnern.

Die veständliche Art und Weise, diese Geschichte zu erzählen, die ernste Thematik und die behandelten Themen machen dieses Buch zu einem Juwel der deutschen Kinderbuchliteratur. Möge Tabalugas Feuer noch lange nicht erlöschen.

Neuauflage:

Die Neuauflage erschien bei Gulliver/Beltz & Gelberg unter den Titel: „Tabaluga – Die Suche nach dem Feuer“.

Autorin:

Gisela von Radowitz wurde 1941 in Hamburg geboren und studierte Sprachen und Kunstgeschichte in Groß-Britannien, Frankreich und in Spanien. Danach wanderte sie nach Südafrika aus und begründete ein deutschsprachiges Theater in Johannesburg, arbeitete als Schauspielerin und führte Regie.

1971 kehrte sie nach Deutschland zurück und gab 1979 ihren ersten Roman heraus, ein jahr später wurde sie erstmalig selbst als Romanautorin aktiv. Zudem schrieb sie Drehbücher für Film und Fernsehen. Ihr Mann Helme Heine arbeitet als Illustrator und wirkte auch an ihren Büchern mit. Zusammen leben sie heute in Neuseeland.

Gisela von Radowitz: Tabaluga Weiterlesen »

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 1 – Aschenputtel

Aschenputtel Book Cover
Aschenputtel Kristina Ohlsson Krimi blanvalet Taschenbuch Seiten: 477 ISBN: 978-3-8090-2591-7

Inhalt:

Hochsommer in Schweden. Es regnet Bindfäden. Der voll besetzte Schnellzug nach Stockholm muaa außerplanmäßig halten. Eine junge Frau tritt hinaus aufs Bahngleis, um ungestört zu telefonieren – und wird von ihrer Tochter getrennt, als der Zug ohne Vorwarnung weiterfährt.

Der Schaffner wird alarmiert, doch als er das kleine Mädchen abholen will, ist es spurlos verschwunden. Und Dutzende potentieller Zeugen haben nichts gesehen.

Das Ermittlerteam um Kommissar Alex Recht und Fahndungsspezialistin Fredrika Bergman wird auf den Fall angesetzt. Zunächst sieht es so aus, als stecke der Vater des Mädchens dahinter. Doch dann wird das Kind tot in Nordschweden gefunden.

Wenig später wird ein zweites Kind verschleppt, und der Fall entwickelt sich zu einem Albtraum – denn der Mörder ist nicht nur skrupellos, sondern geradezu brilliant in seinem Tun. Und er ist nicht allein… (Klappentext)

Reihenfolge der Bücher:

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 1 – Aschenputtel

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 2 – Tausendschön

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 3 – Sterntaler

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 4 – Himmelschlüssel

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 5 – Papierjunge

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 6 – Sündengräber

[Einklappen]

Rezension:

Es sollte eine ganz normale Zugfahrt werden, doch am Ende verschwindet das Kind spurlos. Die Mutter völlig aufgelöst, dass Ermittlerteam um den erfahrenen Kommissar Alex Recht neu zusammengestellt, noch in der Findungsphase. Klar, dass dort erst einmal Kompetenzen ausgelotet werden.

Insbesondere die neu hinzugekommene Analytikerin Fredrika Bergmann wird von den ausgebildeten Polizisten im Team kritisch beäugt. Das tut der Arbeit nicht gut und so kommt das Team nicht voran. Die Ermittlungen fahren sich fest.

Fredrika, noch nicht „betriebsblind“ lotet alle Möglichkeiten aus, wogegen die Kollegen sich auf eine allzu offensichtliche Spur konzentrieren.

Doch, auch der Täter selbst bleibt nicht untätig. Allen wird schließlich klar, dass die Zeit davonrennt als ein zweites Kind tot aufgefunden wird. Doch zwischen den zwei Leichen gibt es kaum Verbindungen.

Wo ansetzen? Als man sich schließlich zusammenrauft, schließen sich die Lücken. Bald hat man eine Vorstellung, doch die Wirklichkeit ist grausamer denn je.

Beim Blick in manchen Bücherregalen könnte man meinen, dass die Schweden ein gewalttätiges mordendes Volk wären, doch in Wahrheit schreiben sie nur gute Krimis. So auch Kristina Ohlsson, die mit ihrem Debüt „Aschenputtel“ einen fulminanten Auftakt liefert, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Zwar verzichtet die Autorin auf detaillierte Beschreibungen von Gewalt, der Schrecken spielt sich im Kopf des Lesers ab, doch psychisch vermag die Autorin um so mehr zu überraschen.

Dahinplätschernd beginnt die Geschichte um das charismatische Ermittlerteam, dessen Mitglieder alle ihre Eigenheiten haben und an Vielschichtigkeit in den einzelnen Kapiteln gewinnen.

Der Leser lernt jeden aus Alex Rechts Team kennen, sein Privatleben und Arbeitsauffassung und nach und nach die Sympathie für die Protagonisten. Auch die Täterpersonen bleiben nicht blaß.

Das zumindest hat der Leser Recht und Bergman voraus. Das tempo derweil zieht spätestens zur Mitte der Handlung an. Stockholm ist selten so spannend wie hier.

Ein Schweden-Krimi ohne die sonst übliche Melancholie. Der Auftakt ist gelungen, die Geschichte spannend und glaubwürdig und vor allem in sich abgeschlossen. zwar iost es schön, die Bücher in ihrer Reiehenfolge zu lesen, alleine wegen den Entwicklungen des Privatlebens der Ermittler.

Man kommt aber auch so klar. Die Charaktere wachsen einem an’s Herz. Während sonst einsame eigenbrötelerische Ermittler, allenfalls Duos die Druckseiten füllen, hat Ohlsson gut daran getan, ein ganzes Team antreten zu lassen.

Ihren Fokus auf den Rand der schwedischen Gesellschaft, den Finger in die Wunde des nordischen Mustersozialstaates gelegt, ist es auch spannend verpackte Gesellschaftskritik, diese nicht aus den Augen zu verlieren.

Und wenn doch, darf man sich wenigstens auf weitere Krimis von Kristina Ohlsson freuen, die mit ihrem flüssigen Schreib- und Erzählstil, ständig wechselnden Perspektiven und einer interessanten Handlung zu fesseln vermag.

Autorin:

Kristina Ohlsson wurde 1979 in Kristianstad geboren und arbeitete nach ihrem Studium der Politikwissenschaften im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium als Expertin für EU-Außenpolitik und Nahostfragen. Bei der nationalen schwedischen Polizeibehörde ebenso und als Terrorismusexpertin bei der OSZE in Wien.

2009 veröffentlichte sie ihren Debütroman „Aschenputtel“, mit dem ihr der Durchbruch als Autorin gelang. Die Reihe um die Polizisten Alex Recht und Fredrika Bergman wurde ein internationaler Erfolg. 2013 schrieb sie ihr erstes Jugendbuch, welches ein Jahr später in Deutschland erschien.

Kristina Ohlsson: Fredrika Bergmann 1 – Aschenputtel Weiterlesen »

Antonio Scurati: Das Kind, das vom Ende der Welt träumte

Das Kind, das vom Ende der Welt träumte Book Cover
Das Kind, das vom Ende der Welt träumte Antonio Scurati Rowohlt Taschenbuch Erschienen am: 16.07.2010 Seiten: 352 ISBN: 978-3-644-00731-4 Suse Vetterlein

Inhalt:

Ein Kind träumt vom Ende der Welt. Es wandelt im Schlaf, spielt mit Feuer – und niemand hat eine Erklärung dafür. Dreißig Jahre später ist das Kind zum Mann geworden und erlebt einen neuen Albtraum: In seiner Heimatstadt bricht Panik aus, als mehrere Erzieher, Lehrer und Priester des Kindesmissbrauchs verdächtigt werden.

Die heile Welt vieler Familien zerbricht, denn immer mehr Eltern entdecken an ihren Kindern verstörende Symptome. Doch dann bringt die Aussage einer Mutter im Gerichtssaal die Wendung. (Klappentext)

Rezension:

Verstörend ist das Schlafwandeln des Sohnes für die Eltern, genau so wie Gerüchte, die Jahre später die Runde machen, eine ganze Stadt verschrecken.

Der Protagonist, wie der Autor selbst, inzwischen erfolgreicher Professor an einer angesehenen italienischen Universität, sieht wie Gerüchte und Unterstellungen plötzlich zu Aussagen werden und eine ganze Stadt überrollen.

Danach ist nichts mehr, wie es war. Jede Familie ist von Missbrauchsvorwürfen in irgendeiner art und Weise betroffen, jedes Kind zeigt die Symptome eines Opfers. Zumindest deuten Eltern, Medien und Medien dies so. Jeder Erwachsene ist gleichzeitig verdächtig genug, Täter zu sein.

Der Autor, anfangs nur als Journalist inbolviert, versinkt immer Tiefer im Strudel der Ereignisse, kommt auch immer näher dem Geheimnis seiner Kindheit. Und ist sich plötzlich nicht mehr sicher, ob er selbst Opfer war und schon Täter ist.

Antonio Scurati zeigt in seinem Roman, wie erdrückend ein Gerücht oder Anfangsverdacht zum Selbstläufer werden kann und wie schnell die Klimaveränderung von Aussagen das Leben der Menschen beeinflussen kann.

Er stellt die Rolle der Medien ebenso eindrucksvoll dar, wie die Rolle von wahren und gefühlten Tätern, ebenso wie die der Opfer, die oft genug aus dem Blickfeld geraten, wenn sich alles auf die Suche und Identifikation der Täter konzentriert.

Dies gelingt dem Autor in einem Wechsel kurzer Kapitel. Einerseits aus der Perspektive des verstörten schlafwandelnden Kindes, andererseits eines Mannes, der die Ereignisse auf sich zukommen sieht, aber nicht verhindern kann, von ihnen verschluckt zu werden.

Der Leser selbst wird von Zeile zu Zeile hineingesogen, gleichsam im erwähnten Strudel und kann sich kaum mehr darauß befreien. Scurati ist ein beeindruckendes, unbedingt lesenswertes Werk gelungen, zumal in Zeiten, wo Missbrauchsskandäle in Kirche und Heimen die Runde machten.

Das Buch erschien erstmals 2010 in Deutschland, ein Jahr zuvor im Mutterland der katholischen Kirche. Eine besondere Form der Verarbeitung der Ereignisse, die nichts verschönt oder negiert, sondern zeigt, was eine Nachricht bei den Menschen hervorbringt.

Autor:

Antonio Scurati wurde 1969 in Neapel gebohren und lehrt an der IULM-Universität Mailand. Er koordiniert dort das Forschungszentrum für Kriegs- und Gewaltsprachen. Seine Romane wurden in mehrere Sprachen übersetzt und ausgezeichnet. Unter anderem bekam er den Premio Mondello und den Premio Campiello für seine Werke.

Antonio Scurati: Das Kind, das vom Ende der Welt träumte Weiterlesen »

Anna Maria Sanders: Ich dreh gleich durch!

Ich dreh gleich durch! Book Cover
Ich dreh gleich durch! Anna Maria Sanders Gütersloher Verlagshaus Erschienen am: 25.04.2016 Seiten: 304 ISBN: 978-3-579-08633-0

Inhalt:

Max, 11 Jahre alt, lebhaft, quirlig, impulsiv, planlos, vergesslich, eine richtige Nervensäge, aber auch ein äußerst liebenswerter Zappelphilipp – ein Kind mit ADHS.

Wie mag sich ein solches Kind in seinem Alltag mit all dem Chaos fühlen? In diesem Buch kommt zum ersten Mal ein ADHS-Kind selbst zu Wort. Max erzählt witzige Episoden aus seinem Leben.

Er lässt uns lachen, weinen und nachdenklich sein und verhilft uns durch seine entwaffnende Offenheit zu einer Riesenportion Verständnis und Gelassenheit. Auch diejenigen, die mit ihm zu tun haben, schreiben sich in einem erfrischenden Perspektivwechsel ihre liebe Not mit dem Energiebündel von der Seele. (Klappentext)

Rezension:

Ich halte nichts davon, Probleme mit Ratgeberbüchern zu lösen, die aufgrund ihrer Fülle und Lösungsansätze Probleme nicht lösen, sondern eher dazu beitragen, noch mehr zu verwirren. Dieses Buch hier aber, ist anders.

Erstmals wird in Tagebuchform aus der Sicht eines von ADHS betroffenen Kindes dessen Alltag beschrieben, der nicht nur für seine Umgebung, Eltern, Klassenkameraden und Lehrer äußerst anstrengend ist, sondern eben auch für Max.

Der Elfjährige, der völlig uncool zu seinem Geburtstag ein Tagebuch geschenkt bekommt, beginnt sich den Alltagsfrust von der Seele zu schreiben und bringt dabei allerhand witzige, traurige und nachdenklich machende Begebenheiten zur Sprache, ebenso wie seine Eltern, sein Großvater, seine schreckliche Tante und die Lehrerschaft, die die Mutter mit E-Mails ob der Schandtaten ihres Sohnes bombardieren und oft nicht wissen, wie umgehen mit dem kleinen Energiebündel.

Und nach und nach beginnen alle Seiten die jeweils andere zu verstehen. Max lernt sich selbst besser kennen, seine Eltern verlassen sich nicht allein auf Bücher oder aber wohlmeinende, kontraproduktive Verwandte, sondern vor allem auf Liebe, Einfühlungsvermögen, ihre erprobten Nerven und Intuition.

Nach und nach lernt man den Jungen einfach nur lieben und versteht, dass gerade Kinder mit solch einem Handicap ganz besonders sind.

Literarisch natürlich ist dieses Buch kein großer Wurf. Muss es auch nicht sein. Der Ansatz ist es, welcher diesen Ratgeber, der keiner sein will, so interessant macht. Warum nicht einfach einmal einen Betroffenen, zumal noch Kind, selbst zu Wort kommen lassen?

Gerade im Bereich ADHS, welcher von kontroversen debatten bestimmt und überdies noch nicht zur Gänze erforscht ist, eion radikaler Neuversuch, dieses Syndrom zu betrachten.

Die Autorin lässt dabei die Erfahrungen aus der Erziehung ihres jüngsten Sohnes, der ebenfalls an ADHS leidet, mit einfließen, sowie aus diversen medizinischen Studios und, ja, auch Ratgeberbüchern vor allem wissenschaftliche Betrachtungen mit einfließen.

Die Lösung aber findet sie selbst, ohne Medikamente, die sie laut ihrer Homepage aber auch nicht verteufeln will, denn sie können eine mögliche Lösung sein. Je nach dem. Schließlich muss jeder Fall individuell betrachtet werden. Allein, bei Max helfen andere Dinge.

Dieses Buch soll all jenenen Mut machen, die unter ADHS leiden oder mit Betroffenen einen oft sehr viel schwereren Alltag meistern müssen als die meisten von uns. Es ist auch jenen zu empfehlen, die vielleicht nicht direkt aber in der Verwandtschaft oder als Lehrer und Erzieher mit ADHS-Kindern zu tun haben.

Einen solchen Einblick können viele Fachbücher so nicht bieten und viele Lösungsansätze sind zu stark fokussiert, ohne dass äußere vom Tellerrand zu betrachten. Gespickt mit fachlichen Informationen, Erläuterungen zum realen Vorbild von Max Bergmann und den Tagebucheinträgen, die sich zum teil aus dem real Erlebten der Autorin, ihres Sohnes und der Familie speisen, ist dieses Buch unglaublich wertvoll und jedem zu empfehlen.

„Ich dreh gleich durch!“, sollte zur Pflichtliteratur aller Eltern und Betroffenen werden, die mit ADHS in Berührung kommen. Am Ende ist Verständnis der Weg zum Ziel.

Autorin:

Anna Maria Sanders wurde 1961 geboren und lebt verheratet mit ihrer Familie in Salzburg. Nachdem sie 1980 die Schule mit dem Abitur abgeschlossen hat verbrachte sie mehrere längere Aufenthalte in den USA und studierte in Salzburg Germanistik.

Sie arbeitete als Sprachlehrerin und beschäftigt sich seit der Geburt ihres zweiten Sohnes mit ADHS, worüber sie 2014 begann ihre Erfahrungen mit den Familienalltag eines ADHS-Kindes aufzuschreiben.

Die Autorin: http://www.anna-maria-sanders.com/autorin/

Anna Maria Sanders: Ich dreh gleich durch! Weiterlesen »

Follow by Email451
Instagram2.17k
BLUESKY