Sarah Lorenz: Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken

Inhalt:
„Weißt du, Mascha, was ich schon immer hatte? Einen festen Willen und ganz viel Sehnsucht. Möchte ungern wie Novalis oder so ein Romantiker klingen, wenn ich von Sehnsucht spreche. Heute manifestiert sich meine Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Sicherheit – du ahnst es – in kleinen Häusern, bevorzugt mit Reetdach. Eine Weile führte sie mich in besetzte Häuser, autonome Zentren, versiffte Wohnungen, Notschlafstellen und etliche Betten mir fast unbekannter junger Männer. Sie führte mich von der ersten Liebe zu der, die mich jetzt trägt. Sie ließ mich, die ich stets so dramatisch, traurig und bedürftig war, beinah kaputtgehen an den Lieben dazwischen. Mittlerweile bin ich an einem Punkt im Leben, den zu erreichen ich nicht erwartet hätte.“ (Inhalt lt. Verlag)

Rezension:
Am Anfang ist es ein kleiner Gedichtband, der der Erzählerin Elisa, in die Hände fällt. Die Texte Mascha Kalekos faszinieren sie, ziehen sie in ihren Bann. Von ihr, der Dichterin, die so viele Schicksalsschläge erleiden musste, fühlt sie sich verstanden, tritt in einem inneren Dialog, erzählt von ihrem Leben. Dieser Monolog, unter dem Titel „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“, ist Sarah Lorenz‘ Debütroman.

Voller Traurigkeit ist dieser Text, der feingliedrig in Kapitel unterteilt, das Leben der Protagonistin offenbart. Nein, sie offenbart sich selbst, braucht das imaginäre Gegenüber, um ein Resümee zu ziehen, erzählt am imaginären Kaffeetisch von Schicksalsschlägen und Wendungen. Derer hat sie viele. Praktisch jedes Kapitel hält einen Schlag in die Magengrube bereit. Immer, wenn ein wenig Hoffnung glüht, ist das Unglück nicht weit.

In kurzen und kompakten Abschnitten ist der Monolog gegliedert und erzählt von vergehender Mutterliebe, steter Suche nach Ersatz und den Versuchen, Unabhängigkeit zu erlangen, dabei vom Regen in die Traufe zu geraten. Dabei umreißt die Erzählerin, von der wir nach und nach ein klareres Bild bekommen, ein halbes Leben. Stets sind es die großen Themen, die die Protagonistin bewegen und beinahe philosophische Fragestellungen aufwerfen.

Jedem Kapitel ist ein eindrückliches Gedicht von Kaleko vorangestellt, gibt die Tonalität vor. Der Roman selbst gibt ein langsames Erzähltempo vor, obwohl so viel passiert. Doch wird man förmlich gezwungen, sich auf diese Sätze voller Nadelstiche für die Protagonistin einzulassen oder man überfliegt sie, da die ganze Melancholie und Traurigkeit einem beim Lesen fast ins Trostlose abgleiten lassen.

Sarah Lorenz lässt hier jedoch auch eine unglaublich starke Figur zu Wort kommen, die immer wieder und hier, und dort auch ein klein wenig Kraft findet, sich immer wieder aufzuraffen, weiterzumachen, sich an das zu hängen, was lebenswert scheint. Einerseits fast nüchtern daherkommend, ist das in der darauffolgenden Zeile manchmal schon zu viel des Guten. Für diesem Text muss man sich in der richtigen Lesestimmung befinden. Zugänglich ist der nicht.

Dieses Monologisieren ist zuweilen nervig, ermüdend und lässt die Protagonistin jammernd erscheinen, was über solch langer Strecke einfach anstrengend ist. da hilft es auch nicht, dass sich Gegenwart und Rückblenden, auch auf das Leben von Mascha Kaleko selbst, abwechseln und durchaus eine gewisse Dynamik einbringen. Oder dies zumindest versuchen. Schauplätze werden gut beschrieben, sehr viele enervierende Wortwiederholungen inklusive.

Als Reminiszenz an eine große Dichterin, deren Texte so scheint es, zugänglicher sind, zumindest für mich, funktioniert dieser Roman durchaus. Das Gesamtpaket hat jedoch nicht die wohl von der Autorin gewünschte Wirkung bei mir erbracht. Vielleicht aber bei euch?

Autorin:
Sarah Lorenz wurde 1984 in Eckernförde geboren und ist eine deutsche Autorin und Kolumnistin. Sie ist gelernte Buchhändlerin und studierte Soziale Arbeit. Für die taz schrieb sie die Kolumne PMS-Ultras. „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“, ist ihr Debütroman.

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