Leipziger Buchmesse 2019: Constanze John in der Minutenwelt Georgiens

„Wir sind Gäste in dieser Welt der Minute, Wir vergehen, und die Nächsten bleiben hier. Was wir miteinander tun, all diese freundlichen und angenehmen Dinge – das ist es doch, wofür wir leben, oder? Was, außer dem, werden sie mit in unsere Gräber legen? Nur drei Meter leinwand, nur“…

Zutisopeli/Die Minutenwelt, zitiert aus Constanze John „40 Tage Georgien“.

Es sind noch ein paar Dinge offen, die ich von der Messe mitgenommen habe, drei Interviews und Gespräche vor allem, die ich in Leipzig dieses Jahr mit verschiedenen Autoren geführt habe. Leider komme ich erst jetzt und in den nächsten Tagen wirklich dazu, diese zu sichten und werde dies hier, nach und nach, veröffentlichen. Gleich das erste Interview, welches ich vereinbart habe, veröffentliche ich jedoch in Form eines Berichts, da ich in diesem Falle noch besser meine Eindrücke schildern kann. Die anderen Interviews werde ich jedoch wirklich als solche veröffentlichen.

Das Gespräch selbst fand im Büro der Reisemission Leipzig GmbH statt, einer der vielen Veranstaltungsorte im Rahmen des Programms „Leipzig liest“. Diese Ausrichtung der Messe sorgt dafür, dass es eben eine wirkliche Publikumsmesse ist und nicht nur in den Messehallen selbst das Lesefieber gelebt wird. Und so versammelten sich in diesem Büro zahlreiche Zuhörer und Interessierte, um der Leipziger Schriftstellerin zu lauschen.

Constanze John
40 Tage Georgien – Unterwegs von Tiflis bis ans schwarze Meer
Seiten: 411
ISBN: 978-3-7701-8293-0
Verlag: mairdumont

Mit so viel Andrang hatte man beim mairdumont Verlag, bei der Reisemission selbst, wohl nicht gerechnet, am allerwenigsten, so schien es mir, die Autorin. Doch Georgien als Land eine große Unbekannte, weckt Interesse. Wir sprechen hier vom letztjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse, doch durch Autoren wie Nino Haratischwili ist das Land immer noch im Gespräch. Auch darüber habe ich mit Constanze John gesprochen.

Doch, zunächst drängelten sich die Zuhörer in den zwei kleinen Büroräumen und die Lesung begann mit einer Einführung in Georgiens „Minutenwelt“. Diese Zeilen, oben zitiert, eröffnen den Reisebericht, der hier schon rezensiert wurde, zeigen, wie dieses Land, gelegen am Kaukasus, tickt.

Die Autorin berichtet von ihrer Entdeckung der Faszination für die georgische Lebensart und vor allem für die Menschen und ihre Geschichten. Fotos werden gezeigt, Ausschnitte gelesen. Als sich der Trubel legt, die Lesung beendet ist, ist der Wunsch, das Land selbst einmal zu bereisen, bei vielen Zuhörern weit nach oben gerückt. Die Autorin und ich sind dann noch in den Büros geblieben und haben miteinander gesprochen.

Zwischen Supra und „Minutenwelt“, nach ihrer Lesung, Constanze John.

Wir vertiefen das in der Lesung Gesagte und kommen schnell auf die Welt des Augenblicks zu sprechen, die die Lebensart der Georgier zu bestimmen scheint. Man lebt jetzt, in diesem Moment und soll dies auch bewusst tun. Dieser Gedanke beeindruckt, wie auch die dort gelebte Gastfreundschaft. Ein Jeder wird willkommen geheißen, aufgenommen, Höhepunkt vielleicht, in das große Ritual der Supra mit einbezogen zu werden, die einen bestimmten Ablauf vorweist.

Constanze John über „40 Tage in Georgien – Unterwegs von Tiflis bis ans Schwarze Meer“.

Als dies zur Sprache kommt, ist Constanze John wieder in Gedanken bei ihren Eindrücken von ihren Reisen dorthin, und wieder auch bei den Menschen, die in hippen wandlungsfähigen Städten leben, aber auch in rauen und ursprünglichen Dorfgemeinschaften, bei einer kreativen und jungen künstlerichen Szene, aber auch bei Familien, deren Familienbiografien durch den Konflikt mit dem großen Nachbarland Russland und den abtrünnigen Provinzen Abchasien und Südossetien gebeutelt sind.

Die Autorin kommt auf Begegnungen, etwa mit den Künstler Pridon zu sprechen, der in seiner ganz eigenen „Minutenwelt“ lebt, aber auch auf Momente des Glücks in Uschguli. Wer den Reisebericht gelesen hat, spürt die Sehnsucht der Autorin zu den bereisten Orten zwischen den Zeilen, beim Vortrag und auch im Gespräch hat sie das nochmals unterstrichen.

Wer Georgien einmal erlebt hat, verfällt dem wohl vollkommen. Und auch dem Humor dieses Volkes, wenn es Witze über die Armenier macht, wie es umgekehrt genau so geschieht, oder wenn mit lachenden Augen von der Entstehungslegende berichtet wird, die die Autorin im Gespräch ebenfalls nochmals hervorhebt.

Constane John hat sich Georgien über die Menschen und ihre Geschichten erschlossen.

Als Gott nämlich die Länder auf die einzelnen Völker verteilte, feierten Armenier und Georgier jeweils rauschende Feste. Als die Verteilung beendet war, blieb für die Armenier nur noch das Land der Steine übrig, die Georgier, die immer noch feierten , bekamen erst einmal nichts. Gott hatte jedoch Erbarmen und schenkte ihnen einen Flecken Erde, den er selbst für sich als Ruhesitz vorgesehen hatte. Unter einer Bedingung, nämlich, dass die georgier jeden Gast freundlich aufnehmen mussten, der zu ihnen käme. Und das tun sie bis heute.

Wie sich das auswirkt, kann man dann in Constanze Johns Reisebericht nachlesen, doch, nach ein paar Tipps gefragt, welche Orte man in diesem Land unbedingt besucht haben sollte, hat die Autorin folgende für uns Leser und Reisende:

Tblissi, als pulsierende Stadt im inneren des Landes mit abwechslunsgreichen Nachtleben.

Uschguli, das höchst gelegene Dorf Georgiens. Die Geschichte Georgiens, konzentriert auf einen Punkt. Wehrtürme als Wahrzeichen und die Kraft der natur in der Bergwelt des Kaukasus. und die Menschen, stolz und eigensinnig, die dort leben.

Wardsia, das größte von drei Höhlenklöstern Georgiens, phänomenal und eindrucksvoll.

Wenn ich etwas aus dem Buch, der Lesung selbst und dem Gespräch mit der Autorin mitgenommen habe, ist es diese Faszination für ein Land, welches man vielleicht nicht auf den ersten Blick weniger als Reiseziel, mehr als Ort der Begegnungen sehen sollte. Die macht man dort nämlich, eingenommen von der Gastfreundschaft der Bevölkerung, in den Städten und Dörfern Georgiens. Letztlich ist es das, was von solchen Erfahrungen bleibt. Vor allem in dieser „Minutenwelt“. Danke, für diesen Austausch der Autorin Constanze John und den Damen und Herren von mairdumont.

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Leipzig liest und findo liest mit – Messetag 2 – 2019

Das letzte Jahr stand für mich und viele andere Blogger, auch für viele Booktuber, die Messe unter den Motto -Begegnungen-. Dieses Jahr eher unter den Motto -Zeit-. Das gilt widerum nur für mich, von anderen Menschen kann ich ja erst einmal schlecht sprechen, aber meinem Plan war es diesmal anzumerken.

Die Ruhe vor den Sturm. Bevor der große Andrang zum Messegelände kommt.

Viel Zeit für mich, für Standbesuche, Verlagsgespräche und überhaupt mehr Luft, um Lesungen anzusehen und Gesprächsrunden zu verfolgen, als im letzten Jahr. Insgesamt waren es trotzdem noch genug Termine, aber eben so, dass die Messe nicht in puren Stress ausartete und ich mich voll und ganz auch auf die Bücher konzentrieren konnte. So war mein Freitag in Leipzig dann auch überschau- und machbar.

Das erste Interview, welches ich mir an diesem Tag angehört hatte, ist eines, welches für mich inzwischen zu einem Muss auf der Buchmesse gehört. Nämlich eines mit Sebastian Fitzek, den ich selbst schon Fragen stellen durfte. In meinem Gespräch damals ging es damals um seinen Thriller „AchtNacht„.

Sebastian Fitzek „Fische, die auf Bäume klettern“

Sein neuestes Werk schlägt jedoch vollkommen aus dem sonst üblichen Schema und so ging es dann auch am Stand der ARD um „Fische, die auf Bäume klettern – Ein Kompass, für das große Abenteuer namens Leben„. Philosophisch die Frage, was man seinen Kindern auf den Weg geben soll oder kann, sicher amüsant und nachdenklich geschrieben, so ganz anders als sonst. Darauf freue ich mich ungemein, dies zu lesen. Natürlich musste das Buch gleich mit. Signiert hat Fitzek das Buch dann natürlich hinterher auch.

Danach ging es nach Österreich. Zumindest gefühlt. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch hatte zum Bloggertreffen eingeladen und brachte die österreichische Autorin Vea Kaiser mit, die ihren neuen Roman „Rückwärtswalzer oder die Manen der Familie Prischinger“ vorstellte. Bewirtet mit Wein und Keksen und noch vielen anderen guten Sachen, bei denen einem das Wasser im Munde zusammenläuft (so funktioniert Marketing) habe ich die bisher amüsanteste Messeveranstaltung seit Jahren erlebt.

Vea Kaiser „Rückwärtswalzer oder die Manen der Familie Prischinger“

Es wurde gelacht, geschmunzelt und viel geredet. Vor allem die Autorin selbst. Wer so begeistert erzählen kann, die Lektorin (aber nett) konnte sich vollkommen zurücklehnen, und ein Buch näher brachte, was ich mir so vielleicht nie gekauft hätte, der verdient Interesse. ich freue mich jedenfalls schon auf den Moment, wo ich dazu komme, den Roman zu lesen. Wenn das Buch so ist, wie die Vorstellung war, dann kann das nur etwas werden.

Entlassen wurden wir mit vielen Ideen, vollen Magen und guter Laune und so stürzte ich mich dann wieder ins Messe-Getümmel. Verlagsstände besuchen und ein ganz besonderes Projekt. In den letzten Jahren wurde die Messe immer politischer unhd auch immer mehr zu einem Ort der Konfrontation. Im Vorfeld gab es auch dieses Jahr wohl wieder die eine oder andere geplante Aktion gegen rechte Verlage, die leider auf der Messe vertreten waren, aber diesmal blieb alles weitgehend friedlich. Wenigstens das.

Man sollte aber auch einmal davon sprechen, dass durchaus dagegen gehalten wurde. Viele entsprechende Werke wurden vorgestellt und auf der Messe selbst war ein ganz besonderes Projekt vertreten. Ein Fotograf hat sich aufgemacht, um die Orte der Bücherverbrennungen aufzusuchen und den damaligen Zustand anhand von historischen Aufnahmen und heutigen Aussehen zu dokumentieren. Herausgekommen dabei ist eine interaktive Karte, die nach und nach erweitert wird.

Wer möchte, kann ja mal bei verbrannte-orte.de schauen. Hinterlegt werden sollen künftig eine Aufnahme des heutigen Ortes, ein historischer Zeitungsbericht oder ähnliches und ein historisches Foto, um zu zeigen, dass eben nicht nur in Berlin damals die Werke zahlreicher Autoren geächtet wurden. Am Stand war auch ein Regal mit einer Auswahl an Büchern eben jener Schriftsteller zu finden. Dieses Projekt wird sich lohnen, es weiter zu verfolgen.

Großer Andrang überall, auch am Stand des Gastlandes Tschechien.

Danach ging es wieder durch die Hallen, denn bis zu meinen nächsten Termin hatte ich genügend Luft. Schlecht für mein Geldbeutel, weil ich auf der Messe dann zum Bücherkauf neige. So war es gut, dass ich zum Abschluss ein Gespräch mit der netten Blogger-Betreuerin von diogenes hatte, die mir das neue Programm des Verlages intensiv näher brachte.

Ich finde diese, fast immer einheitlichen, Cover ja ganz hübsch, auch wenn ich selten etwas aus den Verlag lese. Trotzdem das Programm ja ganz vielfältig ist, gehört diogenes für mich in die Kategorie -das besondere Buch-. Mal sehen, was ich daraus in Zukunft für mich mitnehmen kann?

Zuletzt entführte mich die Autorin Constanze John nach Georgien und stellte ihren Reisebericht vor, den ich bereits rezensiert habe. Live zu erleben, wie begeistert ein Mensch von einer Reise berichtet, ist für mich jedoch etwas besonderes und so hing ich an ihren Lippen, wie der Rest des Publikums und das war zahlreich erschienen. Wohlgemerkt zu einem Termin, der außerhalb des Messegeländes am Rande der Innenstadt stattfand.

Constanze John
40 Tage Georgien
Seiten: 412
ISBN: 978-3-7701-8293-0
Verlag: mairdumont

Ich glaube, nicht der Verlag und auch die Autorin selbst haben mit so viel Andrang gerechnet. Am Schluss nahm sich Frau John noch die Zeit für meine Fragen, was ebenfalls zu einem interessanten Gespräch führte. Ob ich das als solches oder als Artikel dann hier einstelle, muss ich mir noch überlegen, Bin noch nicht dazu gekommen, das Interview auszuwerten. Ihr werdet das aber mitbekommen, wenn’s so weit ist. Versprochen.

Damit endete dann auch der zweite Messetag für mich.

Fortsetzung folgt…

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Reinhold Messner: Gobi

Inhalt:

Mit 60 Jahren wagt Reinhold Messner einen letzten großen Grenzgang zwischen Leben und Tod. Einem alten Traum folgend, will er die Längsdurchquerung der Wüste gobi versuchen – allein und völlig auf sich gestellt. Die 2000 Kilometer lange Wanderung durch die Westgobi und über das Altai-gebirge wird für ihn zu einer nie dagewesenen Grenzerfahrung, physisch und psychisch, und zu einem Akt der Selbstbestimmung mit ungewissem Ausgang. (Klappentext)

Rezension:

Um so mehr Technologie und Infrastruktur entwickelt werden, um so bezwingbarer ist die Natur. Eisflächen werden schon aufgrund des Klimawandels überwindbar. Berge schrumpfen förmlich zu Hügeln. Die Zeiten, in denen Bergsteiger und Abenteurer für kleine Fehler mit ihren Leben bezahlen mussten, sind auf wenige Momente zusammengeschrumpft. Und doch, die Natur ist weiterhin in vielen Momenten unberechenbar. Der Bergsteiger und Extrem-Abenteurer Reinhold Messner machte sich 2004 auf, zu einer seiner letzten Expeditionen, dieses Mal nicht in der Vertikalen, sondern dem Horizont entgegen. Längs durch die Wüste Gobi.

Es ist ein eindrücklicher Erfahrungsbericht der hier neu aufgelegt wird. Ursprünglich 2005 in einem anderen Verlag erschienen, wird mit dieser Neuauflage einem der größten Abenteurer unserer Zeit noch einmal Tribut gezollt. Reinhold Messner hat in seinem Leben von Anfang an gezeigt, was mit genug Demut vor der Natur zu erreichen ist, nicht zuletzt, wenn man auf die örtlichen Gegebenheiten achtet und die Hilfe der Menschen vor Ort annimmt. Der Bergsteiger, der nach 60 Lebensjahren ahnt, dass seine Kräfte für künftige Unternehmungen der Superlative nicht mehr ausreichen werden, wollte es 2004 noch einmal wissen und begab sich auf einen Trip, der fast mehr noch als die Besteigung des Mount Everest, ihn fordern sollte.

Die Gobi, uns Europäern nahezu unbekannte Wüste, Heimat eines stolzen Reitervolkes, Dschingis Khan. Mehr Assoziationen hat der Durchschnittseuropäer wohl nicht, um so faszinierender war für den Südtiroler die Erfahrung, sich von Nomadenlager zu Lager, von Jurte zu Jurte durchzuschlagen. Immer im Kampf mit den wechselhaften Temperaturen, den Durst und den durch die Expeditionen geschundenen eigenen Körper, durchquerte er dieses Land und lernt überall hilfsbereite Menschen kennen, deren Land und Gesellschaft sich im Umbruch befinden. Auf Basis seiner unmittelbar dort entstandenen Notizen beschreibt er seine inneren Kämpfe, wirft einen Blick zurück in seine Kindheit und den Herausforderungen des Abenteuers in der damaligen und in unserer Zeit.

Ein Bericht, der immer dann stark ist, wenn Messner seinen Blick auf Landschaft und Menschen schweifen lässt oder von seiner Familie erzählt, jedoch Schwächen insbesondere in der Länge aufweist. Schwierig ist es teilweise nachzuvollziehen, wenn man reisetechnisch ganz anders gestrickt ist, wobei schwer zu sagen ist, ob diese einmaligen Erfahrungen als Reise zu bezeichnen sind. Wenn schon, dann als ewige immerwährende Suche, Selbstfindung.

Reinhold Messner ist vieles in seinem Leben gelungen. Auch das Scheitern, welches natürlich andere Extreme aufwies, als wir es im Laufe unseres Lebens kennenlernen. Dieser Trip brachte ihn jedoch an körperliche Grenzen, die ihn fast zum Abbruch der Expedition zwingen sollten. Diesen inneren Kampf mit sich selbst Zeile für Zeile nachvollziehbar zu machen, ist die Leistung des Autors Messner, dessen Abenteuer Jungenträume real werden ließen. Die Gobi als gnadenlose Herausforderung und Weg zur Selbsterkenntnis. Positiv wie negativ.

Autor:

Reinhold Messner wurde 1944 in Brixen/Südtirol geboren und ist ein italienischer Extrembergsteiger, Abenteureer, Buchautor und Regionalpolitiker. Auf seinen Expeditionen bestieg er alle vierzehn Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff und hat zudem zahlreiche Erstbesteigungen vorzuweisen. Desweiteren durchquerte er die Antarktis , Grönland und die Wüste Gobi. Er ist zudem Begründer der Messner Mountain Museen und Autor zahlreicher Publikationen, rund um das Bergsteigen und seiner Geschichte. Er saß 5 Jahre lang im Europa-Palarment undist auch regionalpolitisch aktiv gewesen.

Reinhold Messner
Gobi
Seiten: 272
ISBN: 978-3-7701-8294-7
DuMont Reiseverlag/mairdumont

Kurzblick: Rom – Reiseführer im Test

Natürlich geht es hier im Blog hauptsächlich um Bücher, aber ab und zu bin ich auch unterwegs. Städtereisen sind meine zweite Leidenschaft. Ich liebe es, Metropolen zu erkunden, Museen und Sehenswürdigkeiten zu besuchen und die Besonderheiten der jeweiligen Stadt, sofern möglich, aufzuspüren. Einmal im Jahr breche ich deshalb aus meinem gewohnten Umfeld aus. Diesmal ging es für mich in die Ewige Stadt. Nach Rom. Nebenbei habe ich für Euch drei Reiseführer getestet.

Vorab zu sagen ist, ich bin Touristiker und damit vorgeschädigt. Das heißt, ich schaue sehr kritisch auf das, was mir die Reiseführer-Verlage vorlegen und nur mit einem Heft oder Büchlein mache ich mich nicht auf den Weg. Stattdessen sind es dieses Mal drei verschiedene gewesen, die ich für meine Planung verwendet habe. Ist ja auch vernünftig.

Erstens hat sich mein Urlaub nicht nur auf die durchschnittlichen drei oder vier Tage beschränkt, ich habe mir neun Tage Rom gegönnt, zweitens sind die Reiseführer allesamt unterschiedlich. Der eine hat mehr Ausflugstipps, was Lokalitäten betrifft, der andere ausführliche Informationen zu Sehenswürdikeiten, während der dritte kurz und knapp schildert, was ist, dafür aber schöne Stadtrundgänge beschreibt und eine übersichtliche und handliche Straßenkarte beinhaltet.

Schon bei der ersten Durchsicht, noch vor der Reise selbst, während der Planung, hat sich gezeigt, dass es richtig ist, mehrgleisig zu „fahren“. Was dabei und in Rom selbst, herausgekommen ist, lest selbst.

Der Klassiker: BAEDEKER Smart – Rom

Titel: BAEDEKER Smart - Rom
Seiten: 223ISBN: 978-3-8297-3346-5
Verlag: Karl Baedeker / Mairdumont
Extras: herausnehmbarer Stadtplan

Wer eine gute Übersicht zu seinem Reiseziel haben möchte, greift zum Baedecker und dies gilt praktisch für sämtliche Destinationen, schließlich hat der verantwortliche Verlag eine lange Geschichte, die bis 1827 zurückreicht. Man hat also viel Erfahrung und weiß, wie man die örtlichen Gegebenheiten jemanden Unkundigen vermittelt. Den Baedecker selbst, gibt es in mehreren Varianten.

Kurz und prägnant als kleines Taschenbuch über das praktisch handliche Ringbuch, was hier vorgestellt wird, bis hin zum ausführlichen Buch, welches in meinen Augen eher geeignet ist, um zu Hause die Reiseplanung zu bewerkstelligen, vor Ort eher ungeeignet ist. Welche Variante man dann tatsächlich zur Hand nimmt, hängt dann wieder vom Reiseziel ab. Von Destination zu Destination unterscheidet sich die Qualität meines Erachtens sehr. Vor Ort, für Rom, genügt die hier vorgestellte Ringbuch-Variante.

Der Reiseführer vereint Überblicksinformationen, sehr schön gegliedert mit kurzen und prägnanten Hinweisen auf bestimmte Ortsteile, so wird zum Beispiel dem Zentrum von Rom oder dem Alten Rom und dem Vatikan jeweils ein Kapitel gewidmet. Innerhalb dieser gibt es eine Art Top 10 Liste an Sehenswürdigkeiten und zu einzelnen Punkten immer eine ausführliche Beschreibung, meist von ca. 2-4 Seiten, bei größeren Sehenswürdigkeiten auch mal mehr.

Erzählt wird etwas zur Geschichte und natürlich, was man dort jeweils genau zu sehen bekommt, wo lang man wie gehen muss. Am Ende der beschriebenen Sehenswürdigkeit ist zusammengefasst, wie man dorthin kommt, Öffnungszeiten, Preise und es gibt Tipps, die man allerdings schon bei der Planung berücksichtigen sollte, also vorab. Das ganze ist sehr übersichtlich, genau so wie der herausnehmbare Stadtplan handlich und durch seine Farbgebung angenehm zu lesen ist. Das Zusammenfalten ist übrigens keine Wissenschaft, geht hier ganz einfach.

Kritikpunkt, einige Preisangaben scheinen nicht mehr zu stimmen, wobei das kaum den Verlag anzulasten sein dürfte. Was kann der denn dafür, wenn für einige Sehenswürdigkeiten nach der Veröffentlichung an der Preisschraube gedreht wird? Zweitens, Straßenbezeichnungen. Sind in Rom wohl eine Sache für sich und sind mir praktisch bei allen Stadtplänen aufgefallen, die ich verwendet hatte. So auch hier.

Mal stimmten Straßennamen nicht mit denen, auf der Karte überein, mal war die Schreibweise falsch, dann gab es Straßen, die habe ich auf keiner Karte gefunden. Auch hier habe ich das Gefühl, dass es eher an der Stadt liegt als an den Informationen im Reiseführer selbst, oder an mir, der sich dadurch auch mal über den Stadtplanrand hinaus verirrt hat. Um einen Gesamtüberblick, auch vor Ort, auf die jeweiligen Sehenswürdigkeiten zu erhalten, ist dieser Reiseführer jedoch nicht wegzudenken.

Der Detailreiche: DK – Vis-a-Vis Rom

Titel: DK Vis-a-Vis Rom
Seiten: 440ISBN: 978-3-7342-0152-3
Verlag: Dorling Kindersley
Extras: Mini-Kochbuch, angehängter Stadtplan

Schwergewicht meiner Reise war tatsächlich dieses Buch. Direkt vor Ort ziemlich unhandlich, bietet der Verlag hiermit jedoch eine ganze Menge an Informationen zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten, säuberlich aufgegliedert nach den Stadtteilen, in denen sie sich befinden. Als ausführliche Ergänzung zum BAEDEKER kann man diesen nutzen, um sich vor der Besichtigung über die Geschichte der jeweiligen Sehenswürdigkeit zu informieren.

Das Mitschleppen durch den Tag empfehle ich dagegen nicht, gleichwohl DK hier sehr gute Rundgänge und Ausstellungsbeschreibungen durch etwa Museen anbietet, erklärt, was zu sehen ist und interessante Stadtrundgänge, von denen man in jedem Falle ein oder zwei austesten sollte. Ich hatte mir Trastevere und den Bernini-Spaziergang herausgesucht und mich beim zweiten heillos verlaufen.

Nun sind in Rom die Sehenswürdigkeiten fußläufig zu erreichen, aber wenn man den ganzen Tag unterwegs ist, schlaucht es dann doch. Anderer Punkt, es ist einfach unhandlich, mit diesen Reiseführer, den man eben nicht mal einfach so in seine Kamera-Tasche quetschen kann, herum zu stromern, ein Restaurant-Tipp wollte ich auch testen, hatte das betroffene Lokal jedoch trotz Beschreibung und Karte nicht finden können.

Die Karte ist übrigens mit den Reiseführer verleimt, hängt also dran und wird dadurch ziemlich unhandlich, wenn man etwa auf einen überfüllten Platz oder noch schlimmer, in der überlasteten U-Bahn Roms damit herumzuhantieren gedenkt. Da hat wieder der BAEDEKER gepunktet, im Gegensatz zum Trastevere-Rundgang des DK-Reiseführers, den ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Auch hier stellten sich Differenzen bei den Straßenbezeichnungen im Stadtplan heraus, die mich mehrmals in die Irre führten, auch Unterschiede zur Karte des obigen Reiseführers habe ich bemerkt. Die Farbgebung macht den Plan zudem nicht so schön übersichtlich. Der Plan ist jedoch robust, weil gummiert, was jedoch Markierungen, etwa mit Kugelschreiber zu einer schmierigen Angelegenheit macht. Im Reiseführer selbst stimmten teilweise Preisangaben nicht.

Der Überblickende: National Geographic ROM City-Atlas

Titel: National Geographic ROM City-Atlas
Seiten:44
ISBN: 978-3-9555-9263-9
Verlag: National Geographic Verlag
Extras: Pocket-Format, umklappbare Übersichten

Wer mit kleinen Gepäck reisen möchte, schnell einen Überblick über die im Zielgebiet existierenden Sehenswürdigkeiten, gastronomischen Einrichtungen und Shopping-Möglichkeiten bekommen möchte, ist mit diesem kleinen Buch sehr gut bedient.

Es lässt sich bequem sogar in die Jackentasche stecken und man merkt es ob der geringen Seitenanzahl nicht, es gibt allerdings auch keinen großen Stadtplan, nur viele kleine, aufgeteilt nach den Stadtvierteln. Zu jedem gibt es die Adressen und Lagen der dortigen Lokalitäten und Sehenswürdigkeiten, dort sehr schön eingezeichnet, wer ausführlichere Informationen haben möchte, ist jedoch mit diesem Reiseführer nicht gut bedient.

Man kann damit Routen planen, Haltepunkte oder abhaken, was man an Sehenswürdigkeiten, nun ja, eben angesehen hat. Für mehr ist dieser kleine Überblicksgeber nicht gedacht und wurde deshalb von mir auch kaum verwendet. Schließlich möchte ich noch mehr Infos haben als nur die Standortbeschreibung und einen Satz über die Sehenswürdigkeit.

Diese habe ich dann lieber mit den großen Karten der anderen beiden Reiseführer aufgesucht. Wer aber eh nur ein paar Tage reist, nur mit Handgepäck etwa, kann diesen verwenden, um keine Monster-Bücher mitzuschleppen und so Gewicht zu sparen. Ein richtiger Reiseführer ist dies jedoch in meinen Augen nicht.

Fazit

Wer nach Rom reist, sollte mehrere Reiseführer verwenden, die sich gegenseitig ergänzen. Am besten einem, mit handlichen Stadtplan, der vollkommen herausnehmbar ist und einen guten Überblick über die Stadt bietet und einen anderen, der ausführlichere Informationen und vielleicht den einen oder anderen schönen Stadtrundgang bietet. Den jedoch sollte man im Hotel lassen und dann eher für die Planung des Folgetages verwenden.

Man muss das ja sonst alles durch die Gegend schleppen. Die beiden erstgenannten Reiseführer ergänzten sich gut, hatten beide Fehler im Stadtplan, was ich aber nicht den Verlagen, sondern eher rom selbst anlasten möchte und glichen sich gegenseitig aus.

Den letzt genannten Reiseführer empfehle ich nur denen, die nur mit Handgepäck reisen und Gewicht im Rucksack sparen wollen. Da ist der National Geopgraphic City-Atlas einfach unschlagbar, ansonsten für längere Reisen oder die jenigen, wie mich, die nicht durch Sehenswürdigkeiten durchrennen, sondern sich in aller Ruhe damit beschäftigen möchten, nicht die richtige Wahl.

Ein ausführlicher Reisebericht zu Rom folgt noch und es sei auch gesagt, dass für andere Reiseziele sich eine andere Kombination an Reiseführern als günstiger erweisen kann. Man muss sich vorab darüber klar werden, wie lange man reist, wie intensiv man sich mit Sehenswürdigkeiten etwa auseinandersetzt und wie viel Zeit man für die Planung aufwenden möchte.

Ich habe eine 9-Tagesreise in eine Metropole gemacht, drei Mal so lang wie eine durchschnittliche Städtereise. Sollte ich wieder eine solche oder ähnliche Reise machen, schaue ich mir die Ausgaben von BAEDEKER und DK auf jeden Fall an.

Birgit Weidt: Das Lächeln der Vergangenheit

Das Lächeln der Vergangenheit Book Cover
Das Lächeln der Vergangenheit Birgit Weidt Rezensionsexemplar/Sachbuch Mairdumont Erschienen am: 04.04.2018 Taschenbuch Seiten: 239 ISBN: 978-3-7701-8291-6

Inhalt:

Neukaledonien, Archipel am anderen Ender der Welt. Hier begibt sich Birgit weidt auf die Suche nach der geschichte hinter einem mysteriösen Talisman. Sie taucht ein in eine Welt, in der Schamanen die Zukunft aus Palmblättern voraussagen, Unterschiede zwischen den Geschlechtern anhand von Wurzeln erklärt werden und Frauen ihre Gesichtsfalten tragen wie kostbaren Schmuck. Eine Reise, die den Blick für das Magische öffnet, das uns überall und jederzeit umgibt. (Klappentext)

Rezension:

Unweit von Australien und doch am anderen Ende der welt erstreckt sich eine kleine Gruppe von Inseln, die in Europa kaum jemand kennt, und doch (noch) französisches Überseegebiet sind. Neukaledonien. Das ist die Heimat der Muskatnuss und das Gebiet des weltgrößten Nickelvorkommens. Und es war das Sehnsuchtsziel von Birigt Weidt.

Die freie Journalistin machte sich auf, um zu erfahren, wie die Menschen dort leben, was sie bewegt und beschäftigt, wie sehr ihr Leben sich von unserem unterscheidet und um ein Geheimnis zu lüften. Doch die Reise hält mehr Überraschungen und Begegnungen bereit, als die Autorin zu träumen gewagt hätte.

Sie erlebt uralte Bräuche, die Wirkung von tropischen Regen und warum die älteren Bewohner dieser Südseeinseln das Wasser scheuen. Doch vor allem öffnen die Bewohner Grande Terres, Lifou und Ouveas ihre Herzen und geben Einblick in ihr Leben. Fortan ist Weidt der Faszination Neukaledoniens erlegen.

Reisereportagen müssen den Spagat schaffen, journalistisch neutral aber gut recherchiert, spannend erzählt zu sein, aber auch die persönliche Komponente, den Eindruck, mit einzubringen. Kippt die Waage Richtung einer Seite entsteht ein Ungleichgewicht, welches entweder dazu führt, dass man es nur noch mit reinem Faktenwissen zu tun hat oder zur anderen Seite, und dann hat der Leser eine Gefühlsduselei sondergleichen vor Augen.

Birgit Weidt zumindest gelingt dieser Spagat weitgehend sehr gut, wenn auch zum Ende hin ein paar Ausrutscher zu verzeichnen sind. Doch, die autorin schafft es ungemein ein Gefühl des Fernwehs zu erzeugen. Praktisch so, als wäre man mit dabei, begleitet die Autorin auf ein Insel-Filmfest und beobachtet sie beim Vollrichten eines uralten Brauches, um Einblick in das Leben der Ureinwohner zu erhalten.

Viel erfährt man darüber, doch hat man unweigerlich das Gefühl selbst Neukaledonien bereisen zu müssen, um das Geschriebene nachzuvollziehen. Der Sand in den Schuhen, das Ploppen der Kokusnüsse, wenn sie reif von der Palme auf den Boden fallen, und die Suche nach dem richtigen Mittelweg zwischen Tradition und Moderne.

An manchen Stellen wirkt die Autorin selbst etwas überdreht, starkes Kontrastprogramm zur sonst nüchtern und beobachtend gehaltenen Erzählweise, die Informationen über die Inselwelten so ganz nebenbei einfließen lassen.

Wie sehen die Einwohner die Zukunft dieser bedrohten Idylle, wo Chancen, was macht es aus, dieses Leben? Birigt Weidt sucht diese Fragen und antworten darauf zwar nicht, doch stößt sie darauf, lässt sich treiben. Sie begegnet Businessfrauen, die ganz aus ihrer traditionellen Rolle fallen und Künstler, die sich von der sie umgebenden Natur inspirieren lassen, Wunderheiler und Häuptlinge, denen in der Gesellschaft immer noch ein hoher Stellenwert zukommt.

Der Leser wird sich wünschen, dass die Menschen Neukaledoniens auch weiter so ihren Weg gehen können und wird mit einer Fülle von Eindrücken die letzte Seite umschlagen, vielleicht eine Reise buchen, so als wäre man (fast) da gewesen. Und das ist doch etwas.

Wer dann immer noch nicht genug hat, kann auch die auf ihren Reisen durch die Südsee gesammelten Rezepte nachkochen. Damit wäre man dann auch endlich reif für die Inseln.

Autorin:

Birgit Weidt wurde 1962 geboren und lebt in Berlin. Die freie Journalistin schreibt Reisereportagen u.a. für GEO Saison, DIE ZEIT, Frankfurter Allgemeine Zeitung und NZZ. Zuletzt wurde sie für ihre Reportagen mit den unabhängigen Journalistenpreis des Niederländischen Büros für Tourismus & Convention ausgezichnet

Jens Bey: Film ab! – Eine Reise zu den spannendsten Drehorten der Welt

https3-eu-west-1-amazonaws-commairdumont-covercloud9783829726702Autor: Laurence Phelan
Bearbeitung: Jens Bey
Titel: Film ab! – Eine Reise zu den spannendsten Drehorten der Welt
Seiten: 128
ISBN: 978-3-8297-2670-2
Verlag: Mairdumont / lonely planet

Inhalt:
Eine Entdeckungsreise zu den Orten, an denen berühmte Filme und TV-Serien gedreht wurden! Mit mehr als 100 Klassikern aus Kino und Fernsehen. (klappentext)

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Dennis Freischlad: Diesseits der Tage

freischlad-diesseits-der-tage-300dpiAutor: Dennis Freischlad
Titel: Diesseits der Tage
Seiten: 319
ISBN: 978-3-77018287-9
Verlag: Dumont / Mairdumont

Inhalt:
„Das Glück Kubas bleibt eine simple rechnung: Dreißig Leute gehen vorbei, siebenundzwanzig davon lachen und grüßen.“ Dennis Freischlad taucht in das wahre Leben auf der Karibikinsel ein. Einen Sommer lang fängt er Stimmungen und Momente ein, lässt sich treiben in der Hauptstadt Santiago de Cuba, tanzt und boxt, was die Beine und Fäuste hergeben.

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