Hund

Achim Kinter: Ist das dein Ernst, Charlotte?

Inhalt:
Sie sind ein unzertrennliches Paar: der Erzähler Florian Hans und Charlotte, sein mittelgroßer schwarzer Hund. Gemeinsam gründen sie eine Detektei, spüren einem geheimnisvollen Krokodilzahn und einem Mord nach, sie beobachten die Menschen um sich herum und lassen die Leser an ihren Gesprächen und Überlegungen zu den großen Lebensfragen, zu Gut und Böse und ihrer Vorliebe für Kierkegaard teilhaben. – Eine hinreißende Erzählung, voller fantastischer Begebenheiten und gewürzt mit einer Prise allerfeinsten Humors.

Es gibt immer etwas Gutes in der Welt, meint der Erzähler – dieses Buch gehört auf jeden Fall dazu. (Inhalt lt. Verlag)

Rezension:
Eine Wundertüte voller Überraschungen steckt in manchen Romanen, besonders wenn sie von der Beziehung zwischen Haustieren und ihren Menschen erzählen. Diese meinen oft, sie zu besitzen, doch in Wahrheit sind die Tiere es, die auswählen und uns anschließend die Welt erklären. Das werden wohl fast alle Tierfreunde so unterschreiben können. Florian Hans und Charlotte jedenfalls können ein Lied davon bellen. Und so lassen uns die beiden Hauptprotagonisten an einer kuriosen Detektivgeschichte teilhaben, die zugleich eine philosophische Betrachtung scheint, vermischt mit Science Fiction zwischen vier Pfoten und zwei Beinen.

Träger dieser ungewöhnlichen Genrekombination, in die man sich zunächst Stück für Stück einfinden muss, um sie zu genießen, sind eben die zwei genannten Hauptprotagonisten, die zu einem Mord gerufen werden, bei dem mehr dahinter zu stecken scheint, als es sich zunächst darstellt. Auf Spurensuche werfen sich beide die Bälle zu und kommen aufgrund ihrer verschiedener Art der Wahrnehmung ihrer Umgebung der Rätsels Lösung immer näher, sowie der Beziehung zwischen sich selbst. Charlotte ist ja kein einfacher Hund. Immerzu spricht sie mit ihrem menschlichen Part und offenbart so mit jeder Seite mehr von sich selbst. Und Hans erklärt seinerseits die Sicht der Menschen auf ihre Umgebung. Gespräche, die der Umgebung verborgen bleiben sollen.

Diese Dialoge sind gespickt voller philosophischer Gedanken. Über das menschliche Handeln auf Erden, etwa wenn es um Gewalt und Kriege geht, aber auch die Unterschiede, die uns trotz allem miteinander verbinden und sogar zusammen stärker werden lassen. Gerade diese Parts sind die Stärken von Achim Kinters Roman, dessen Covermotiv die Künstlerin Martina Altschäfer so wunderbar lebendig gezeichnet hat. Aber auch die Betrachtungen zur Mensch-Tier-Beziehungen tragen einen Großteil der Erzählung, in der der phantastische Anteil damit leider etwas in den Hintergrund gerät. Dennoch kann diese Erzählung von jedem anders gelesen werden.

Der Balanceakt gelingt erst mit zunehmender Seitenzahl, wirkt zu Beginn etwas sperrig. Erst wenn man sich auf die Charaktere eingelassen hat, die der Autor so lebendig erzählen kann, wie er die Umgebung filmisch beschreibt, wird man Zugang dazu finden, dann jedoch macht die Dynamik dieser beiden ungleichen Protagonisten durchaus Spaß. Diese haben ihre Ecken und Kanten und ganz ehrlich, jeder von uns hat doch schon mal „Dialoge“ mit seinem Haustier geführt, oder? Nebencharaktere bringen zusätzlich Tempo und die eine oder andere Wendung in en Roman mit hinein, der zu weilen wie ein Kammerspiel wirkt.

Alleine die Perspektive eines Hundes ist schon ungewöhnlich. Charlotte folgt man gerne, durch die sonst schlüssige Erzählung, der an mancher Stelle ein Spannungsmoment mehr zu wünschen wäre. Aber wer weiß, vielleicht bekommen wir den noch? Ein zweiter Band aus der Feder von Achim Kinter ist bereits erhältlich. Der wird sicherlich genau so faszinieren, auch wenn man leider kein Tierbesitzer ist. Dem Autoren merkt man seine Liebe zu Tieren allgemein, zu Hunden im Besonderen in jeder Zeile an. Schön, dass er aber auch einen der Antagonisten vielsichtig zeichnet, so dass man sich all die Charaktere wie auch die Schauplätze wunderbar vor Augen führen kann.

Vielleicht ist die Geschichte an manchen Stellen etwas kitschig. Aber wo, wenn nicht in einer Erzählung mit Haustieren wäre denn Kitsch sonst erlaubt? Hier gehört eine Prise davon unbedingt dazu und so ist ein lieber kleiner Roman für zwischendurch entstanden, den man seine kleine Schwächen gerne verzeiht. Für Haustierbesitzende und Tierfreunde sollte das in jedem Fall gelten, wenn man keine Schwierigkeiten hat, Tiere bis zu einem gewissen Grade zu vermenschlichen. Dieser Balanceakt gelingt gut.

Nur, eine Frage am Ende bleibt: Wo führen Hans und Charlotte die Spuren als nächstes hin?

Autor:
Dr. Achim Kinter wurde 1959 in Oberhausen geboren. Er lebt mit Frau, Hunden und Hühnern in der Normandie. Er studierte Literatur und Philosophie und war danach viele Jahre lang Journalist, rezensierte Neuerscheinungen und schrieb Porträts von Schriftstellern. Als seine Töchter geboren wurden, begann er für Unternehmen zu arbeiten. Geschrieben hat er auch während dieser Zeit, allerdings Fachbücher. »Ist das dein Ernst, Charlotte?« ist Achim Kinters erste Erzählung. Damit hat er seine berufliche Aufgabe, seinen Lesern, Kunden und Kollegen die Welt zu erklären, endlich offiziell in weitaus berufenere Hände, genauer gesagt Pfoten, gelegt.

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Martina Borger: Wir holen alles nach

Wir holen alles nach Book Cover
Wir holen alles nach Martina Borger Erschienen am: 25.03.2020 Diogenes Seiten: 204 ISBN: 978-3-257-07130-6

Inhalt:

Job und Kind unter einen Hut – die alleinerziehende Sina jongliert damit seit Jahren. Seit kurzem wird sie von ihrem neuen Partner Torsten dabei unterstützt.

Und sie haben Ellen, Ende sechzig, die sich engagiert und liebevoll um Sinas Sohn Elvis kümmert und das hat, was er sich so wünscht: Zeit, Geduld – und einen Hund. Doch dann widerfährt dem sensiblen Jungen etwas Schlimmes. Da er sein Geheimnis nicht preisgibt, spinnt sich ein fatales Netz aus Gerüchten um die kleine Patchworkfamilie. (Klappentext)

Rezension:

Sobald man an der Oberfläche kratzt, zeigen sich erst kleine, dann immer größere Risse, die sich schnell zu tiefen unüberwindlichen Gräben ausweiten. Und das nicht einmal absichtlich. Grob könnte man damit die Handlung dieses, zu Beginn sehr betulichen Familienromans, beschreiben, wie sie so oft in den Regalen zu finden sind.

Doch hat die Geschichte aus der Feder Martina Borgers seine Berechtigung, mögen doch gerade die hier beschriebenen Szenen allzuoft in unserer Gesellschaft vorkommen.

In den Protagonisten mag man sich wiederfinden. Allesamt nachvollziehbare Charaktere. Die überarbeitete Mutter, deren berufliche Existenz zu wackeln beginnt, die ältere und hilfsbereite Dame aus der Nachbarschaft und der sensible Filius, Dreh- und Angelpunkt, zugleich Sorgenkind.

Dazu der neue Partner, auch Patchwork ist nichts Ungewohntes. Irgendwo findet man da seine Identifikationsfigur, die die Autorin behutsam ausgearbeitet hat. Der Erzählstil ist dabei von der ersten Zeile an sehr ruhig, um so erschütternder das Ereignis, welches einen Stein ins Rollen und Geschwindigkeit in die Handlung hineinbringt.

Kurzweilig und überschaubar sind die einzelnen Kapitel, beschrieben aus der Perspektive der jeweiligen Hauptperson, wobei hier die Sichtweise des Kindes nur aus der Beobachtung der Erwachsenen heraus, die ihre Schlüsse ziehen, wiedergegeben wird.

Martina Borger erzählt ohne Ausschweifungen von einem schrecklichen Verdacht und von Konsequenzen unseres Handelns, oder eben einer möglichen Nicht-Handlung. Zugleich bringt sie viele Probleme unter, die Gang und Gäbe sind, hier nicht im Detail auserzählt werden. Hier hätte manches Wort mehr geschrieben werden müssen, zumindest Elvis‘ Perspektive ausformuliert, wäre wünschenswert gewesen.

Die Erzählung kommt relativ unscheinbar daher, was aber nicht über die Wucht hinwegtäuschen sollte, die der Roman im Verlauf entfaltet. Martina Borger durchbricht die Stadt- und Kleinfamilienidylle, konfrontiert sie mit ihren Sorgen und Ängsten, zeigt, welche Kraft, ein einmal geäußerter Verdacht haben kann.

Doch, ist zu wenig Aufmerksamkeit an der falschen Stelle nicht erst Recht fatal? Leser werden es herausfinden.

Autorin:

Martina Borger wurde 1956 in Gunzenhausen geboren und ist eine deutsche Schriftstellerin. Nach der Schule durchlief sie eine Ausbildung als Produktionsassistentin und besuchte die DeutscheJournalistenschule in München. Von 1985-1997 erarbeitete sie u.a. Drehbücher für die Fernsehserie „Lindenstraße“. Seit 2001 veröffentlichte sie mehrere Romane. 2002 wurde sie mit dem Wiesbadener Frauenkrimipreis ausgezeichnet.

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Sy Montgomery: Einfach Mensch sein

Einfach Mensch sein  Book Cover
Einfach Mensch sein Sy Montgomery Erschienen am: 20.03.2019 Diogenes Seiten: 207 ISBN: 978-3-257-07064-4 Übersetzerin: Heide Sommer

Inhalt:

Machen uns Tiere zu besseren Menschen? Vertrauen, Instinkt und Gespür: Im Einssein mit der Natur finden wir unsere Lebendigkeit wieder. Im Beisein der Tiere wachsen wir manchmal über uns selbst hinaus. Ein Weisheitsbuch für unsere Zeit mit vielen Illustrationen und einem Nachwort von Donna Leon. (Klappentext)

Rezension:

In wie weit verändern uns zufällige Begegnungen mit Tieren? Welchen Einfluss nehmen Haus- und Nutztiere auf unser Leben? Viel ist schon darüber geschrieben worden. Ganze Aufsätze gibt es etwa über die Domestikation des Wolfes, woraus die verschiedenen Haushunde entstanden, die Unabhängigkeit der Katze, die den Mensch als „Dosenöffner“ duldet oder etwa in der Landwirtschaft der Nutzen von Schweinen und Kühen, der sich für viele in die Anzahl von Litern Milch bzw. Kilogramm Schwein fassen lässt.

Doch, was machen Tier mit unserer Psyche? Welchen Einfluss nehmen sie auf unser Wohlbefinden und was können wir von ihnen lernen? Die Autorin und Naturforscherin Sy Montgomery nimmt uns mit, auf eine erstaunliche Reise.

Nach dem durchschlagenden Erfolg ihres Bestsellers „Rendezvouz mit einem Oktopus“ erweitert die Schriftstellerin das Spektrum und wirft einen Blick auf verschiedene Tierarten. zwar ist ein achtarmiges Exemplar auch wieder dabei, doch geht es diesmal auch um schräge Vögel, einem Schwein und eigensinnigen Hunden. Montgomery schaut zurück auf diese Begegnungen und erklärt an der Wirkung auf sie selbst den Einfluss unserer tierischen Begleiter.

Kapitelweise widmet sie sich einer Bekanntschaft nmit einem Tier, nicht selten auch ein Wegbegleiter und zeigt nebenbei, wie man auch Lebensabschnitte in solche Portionen einteilen. Nach dem Haustier in der Kindheit etwa oder der schönsten Spinne Clarabelle.

Kurzweilig und melancholisch schildert sie ihr Leben mit und neben Tieren, zeigt, dass wir an ihnen wachsen, ebenso unserem eigenen Leben einen Sinn geben können. Ein jeder Haustierbesitzer kann das bestätigen. Fast literarisch mutet ihr Sachbuch an, schöne Umschreibungen, wie man sie selten in solchen Werken findet. Hier ist die Autorin unglaublich stark.

Genau da jedoch beginnt auch ihre große Schwäche, die sich schon in „Rendezvouz mit einem Oktopus“ allzu deutlich gezeigt hat. Natürlich sind manche Begegnungen mit Tieren sehr emotional, können uns aus der Bahn werfen und ausbremsen, doch Verklärungen, wie es einer Naturkennerin wie Montgomery nicht passieren darf; gut, lassen wir mal haustiere außen vor, aber selbst dann; hier jedoch zu oft geschehen, sind fehl am Platz. Ein Tier ist schließlich immer noch ein Tier.

Das ist Kritik auf hohem Niveau, zumal sich die Autorin immer wieder fängt und nochmals die Kurve bekommt. Dieses Werk, am ehesten ein literarisches Sachbuch, macht neugierig sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung. Wie würde wohl ein Roman der Schriftstellerin Montgomery über ihre Tierbegegnungen sich lesen oder ein reines Sachbuch der Wissenschaftlerin?

Der Perspektivwechsel würde sich interessant machen. Bis dahin bleibt nur, entweder das Buch zu lesen oder das eigene Haustier (und andere Tiere) mit anderen Augen zu betrachten. Und vielleicht lernen wir dabei noch etwas anderes? Zum Beispiel, einfach Mensch zu sein.

Autorin:

Sy Montgomery wurde 1958 in Frankfurt/Main geboren und ist eine Naturforscherin, Schriftstellerin und Drehbuchautorin. 1979 schloss sie ihr Studium an der Syracuse University in den Fächern Journalismus, Französisch und Literatur ab, sowie in Psychologie. Ihr wurden zwei Ehrendoktortitel verlieren.

Ihre Bücher, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, wurden für verschiedene Preise nominiert, u,.a. den National Book Award im Bereich Sachbuch. Sie schreibt Drehbücher u.a. für National Geographic TV und beteiligt sich an wissenschaftlichen Studien und Expeditionen im Bereich der Naturforschung.

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