Richard Adams: Unten am Fluss – Graphic Novel

Version:
Rezensiert wird hier die Adaption des Romans als Graphic Novel.
Inhalt:
In einer apokalyptischen Vision sieht Hazels jĂŒngerer Bruder Fiver die Zerstörung ihrer Heimat voraus. Sie wissen: Einzig die Flucht kann ihre Kolonie vor dem Untergang retten. Doch kaum jemand will auf sie hören. Und so macht sich nur eine kleine Schar Kaninchen auf, ein neues Zuhause zu finden. Unterwegs durchleben sie zahllose Abenteuer, Meuterei, Verrat und Heldentum, Schlachten mit hohem Blutzoll, bis sie schlieĂlich ins Land der Freiheit und des Friedens einziehen. (Klappentext)
Rezension:
Wie viele Kinder durften sich eigentlich die Trickfilm-Adaption des Romans „Watership Down“ ansehen, um danach nachhaltig wochenlang unter der Angst vor AlptrĂ€umen wach zu liegen? Es dĂŒrften so einige gewesen sein, schlieĂlich gab es Zeiten, in der auch Eltern, vor allem hierzulande darauf vertraut haben, einen Zeichentrickfilm Kindern ohne Bedenken zeigen zu können.
Die Hauptfiguren sind schlieĂlich flauschige Kaninchen, was also soll schon passieren? Alles, natĂŒrlich. So habe ich mich erst Jahrzehnte spĂ€ter an eine andere Adaption des Romans herangetraut, der hier nun vorliegenden Graphic Novel, wĂ€hrend ich den Film mir wohl in meinem Leben kein zweites Mal mir ansehen werde und auch der eigentliche Roman noch eine ganze Weile warten darf.
Das GrundgerĂŒst der 1972 erstmalig erschienen ErzĂ€hlung ist schnell erklĂ€rt. Eine Gruppe von Wildkaninchen macht sich auf die Suche nach einer neuen Heimat, nachdem einem von ihnen einer Version vollkommener Zerstörung und Vernichtung anheimfĂ€llt. Diese fast epilepsieartigen AnfĂ€lle Fivers leiten die Gruppe, die sich von ihrer ursprĂŒnglichen Sippe entfernt und eine neue Heimat sucht. WĂ€hrend der Reise ins Ungewisse begegnet diese Gemeinschaft zahlreichen Gefahren und Herausforderungen, die sie nur gemeinsam meistern können. Von Beginn an klar, nicht alle werden es schaffen.
Viel Dramatik ist in dieser beinahe George Orwell anmutenden Geschichte enthalten, die sich zeichnerisch gut in Szene setzen lĂ€sst. Dabei wirken die einzelnen Panels beinahe wie in „Winnie the Pooh“, doch zugleich dĂŒster und bedrohlicher gehalten. Das gewĂ€hlte Format und die Entscheidung, ausfĂŒhrlich zu erzĂ€hlen, transportieren den Geist der ErzĂ€hlung, so das trotz notwendiger Verdichtung nicht das GefĂŒhl aufkommt, es wĂŒrde etwas fehlen.
Der Adaption geschuldet, verschmelzen mehrere Nebenfiguren zu einer einzigen, bekommen andere mehr Raum als dies wahrscheinlich im Romantext der Fall ist, doch folgen auch Zeichner und Texter einem kontinuierlichen Spannungsverlauf, der sich fast bis zum Nervenkitzel steigert.
Auch die Graphic Novel ist nichts fĂŒr Kinder, was hier jedoch auch nicht behauptet wird. Da ich nun zwei Varianten, diese und die Verfilmung kenne, bezweifle ich dies erst recht fĂŒr den Roman selbst, gleichwohl der Autor diesen wohl selbst seinen eigenen Kindern vorgelesen haben soll.
Roman und Verfilmung haben jeweils mehrere Ebenen, was sich natĂŒrlich in zeichnerischer Form besonders gut umsetzen lĂ€sst. FlieĂende ĂbergĂ€nge sorgen fĂŒr kurzes Innehalten. Die Figuren sind hier gut ausgearbeitet, eine klare Abgrenzung zwischen Gut und Böse liefert Identifikationspotenzial bzw. die Antagonisten. Und ja, Natur ist auch in dieser Version grausam. Warum auch nicht. Ein Verwischen wĂŒrde die Graphic Novel zu weit vom Original entfernen.
Perspektivwechsel sind hier mit Vorsicht zu genieĂen. Man kann bei der Anzahl an Charakteren durchaus das eine oder andere Mal durcheinander geraten. DĂŒstere Momente sind dabei in relativ dunklen Farben gehalten, wĂ€hrend Erd- und GrĂŒntöne die hauptsĂ€chlichen Panels beherrschen, beinahe pastellartig, was zum Versinken einlĂ€dt. Der Verlag prĂ€sentiert hier ein manchmal schwer verdauliches, in jedem Fall gewichtiges Coffee Table Book.
Da schon Richard Adams eine reale Landschaft zum Handlungsort gewĂ€hlt hat, fiel es auch hier leicht, dies grafisch zu ĂŒbertragen. Die Orte existieren, auch das Leben der Protagonisten ist so eindrĂŒcklich dargestellt, dass es glaubwĂŒrdig wirkt. Von der Ăbertragung her und vor allem zeichnerisch ist James Sturm und Joe Sutphin hier mit Richard Adams Geschichte etwas groĂes gelungen, was mich am Ende doch ein wenig mit meinem Kindheitserlebnis versöhnt.
FĂŒr Liebhaber der ErzĂ€hlung ist es zugleich ein wertiges Sammelobjekt, welches hiermit vorliegt.
Autor:
Richard George Adams wurde 1920 in Newbury geboren und war ein britischer Schriftsteller. Nach seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg schloss er 1948 sein Studium der neueren Geschichte ab und arbeitetebis 1974 als Beamter fĂŒr den VorlĂ€ufer des spĂ€teren britischen Umweltministeriums. 1972 veröffentlichte er seinen Roman „Unten am Fluss“ und widmete sich fortan hauptsĂ€chlich der Schriftstellerei. Er engagierte sich fĂŒr den Tierschutz und der Einstellung der Fuchsjagd. SpĂ€ter lebte er auf der Isle of Man und starb 2016 in Oxford.
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