Festa

Joe R. Lansdale: Moon Lake

Inhalt:
Daniel Russell war erst 13 Jahre alt, als sein Vater versuchte, sich selbst und seinen Sohn zu töten. Er fuhr von einer Brücke direkt in die Fluten des Moon Lake in Ost-Texas. Doch wie durch ein Wunder überlebte der Junge. Jahre später, nachdem er neue Informationen über sein Kindheitstrauma erhalten hat, kehrt Daniel zurück an den Moon Lake. Er hofft, das Auto und die Knochen seines Vaters bergen zu können. Aber tief verborgen unter dem glitzernden Wasser des Sees entdeckt er etwas Schockierendes, das mit einer Reihe ungewöhnlicher Morde in Verbindung steht … (Klappentext)

Rezension:
Beinahe kingest erzählt der gefeierte Schriftsteller Joe R. Lansdale von menschlichen Abgründen, Seilschaften und düsteren Geheimnissen, die während einer Dürre zu Tage treten und Ereignisse in Gang setzen, die immer mehr Erschreckendes offenbaren. Der Roman „Moon Lake“ entführt uns mit seiner Mischung aus Krimi- und Thrillerelementen, Mystery und Horror in die amerikanische Provinz und beschreibt rasant Verbindungen, die ihre Figuren in einem ewigen Würgegriff zu halten scheinen. Die Fesseln einmal losgelöst, scheint es kein Zurück mehr zu geben. Eine Spirale, die unweigerlich in den Abgrund führen muss.

Der leichtgängig zu lesende und mit zunehmender Seitenzahl immer rasanter werdende Roman, erzählt einerseits dicht, andererseits ausschweifend die dichte Abfolge von Ereignissen, die einmal in Gang gesetzt, den Staub von den Straßen des Provinzortes gehörig aufwirbeln wird, an deren Ende nichts mehr so sein wird, wie es mal war. Der Anfang der Handlung führt uns dabei in die Vergangenheit des Hauptprotagonisten, aus dessen Sicht die gesamte Geschichte erzählt wird. Daniel ist es, zunächst Teenager, später Journalist und angehender Schriftsteller, letzteres nur eine der Gemeinsamkeiten mit vielen Protagonisten vom amerikanischen Autoren Stephen King, der zunächst als Teenager dem Tod entkommen kann, um später im Erwachsenenalter an den Ort seiner Kindheit zurückkehren, nicht ahnend, welchen Ereignissen er auf den Grund gehen werden wird. Sprichwörtlich.

Gleich zu Beginn werden wenige Hauptfiguren eingeführt, auf die sich auch im späteren Verlauf die Erzählung konzentriert. Verschrobene und dem Ort Gesichter gebende Personen, die die Dynamik der Handlung bestimmen. Mit Daniel, aus dessen Sicht wir die gesamte Geschichte erleben, gibt es einen starken Protagonisten, auch Ronnie ist als Haupt-Nebencharakter durchweg positiv gestaltet, während andere Figuren Ecken und Kanten, durchaus mehrere Seiten und Interessen besitzen.

Dieses Spiel, welche da von die Oberhand gewinnen, ist einer der Handlungstreiber. Ohne dass es allzu absurd wirkt, hat man den Eindruck einer sich immer rasanter drehenden Spirale beizuwohnen, die man sowohl als Politthriller oder auch Gesellschaftskritik, Krimi lesen kann. So viel steckt tatsächlich zwischen den Zeilen, ohne dass man sich in der Interpretätion anstrengen muss. Popcornkino in Buchform ist das, aber vom feinsten, welches mit dem Hauptprotagonisten hoffen und bangen lässt. Das gelingt durch ausführliche Beschreibungen von Gefühlswelten, deren Änderungen gleichsam Aggregatszustände sehr detailliert geschildert werden. Ein anderes Plus sind die fast filmhaften Darstellungen der Handlungsorte, die so einem recht plastisch vor Augen geführt werden.

Der Leser deckt gemeinsam mit den Protagonisten die Geheimnisse der dunklen Vergangenheit und Gegenwart des Ortes auf, ist immer auf den gleichen Stand. Ungläubige Wendungen, irre Ausreißer wird man vergeblich suchen. Hier ist es dem Autoren gelungen, den richtigen Spagat zwischen stets weilender unterschwelliger Spannung und einem gewissen Logik zu bewahren, die zumindest gut vorstellbar ist. Figuren geben dabei der Handlung, sowie der Hauptfigur, immer weitere Impulse, die man gemeinsam mit ihr gerne verfolgt. Gefühlt steht dabei der Umfang der Erzählung im krassen Gegensatz zur tatsächlichen Anzahl von Worten. man hat eher den Eindruck eine dicht gepackte Novelle, tatsächlich mit einigen entsprechenden Elementen, vor sich zu haben, als einen ausschweifenden Mystery- und Politthriller.

Wer einerseits Erzählungen gerne liest, die sich auf wenige Handlungsorte konzentrieren, andererseits eine gute Mischung aus Krimi-, Thrillerelementen mit einem Hauch von Horror bereithalten, wird mit „Moon Lake“ sicher auf seine Kosten kommen. Es ist ein Roman, der gut unterhält, gar nicht den Anspruch hat, hohe Literatur zu sein. Für das, was Lansdale hiermit wollte, ist dies eine spannende Geschichte, die man Zeile für Zeile gerne verfolgt. Das ist doch auch ganz schön.

Autor:
Joe R. Lansdale ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er wurde 1951 in Texas geboren und schreibt Kriminal-, Horror und Science-Fiction-, sowie historische Romane, die bereits mehrfach Grundlage verschiedener Filme wurden. Lansdale erhielt für seine Arbeiten zahlreiche Auszeichnungen, wie den British Fantasy Award oder den American Horror Awarf, mehrfach auch den Bram Stoker Award. Seine Werke wurden bereits in mehreren Sprachen übersetzt.

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Graham Masterton: Bleiche Knochen

Bleiche Knochen Book Cover
Bleiche Knochen Graham Masterton Festa Verlag Erschienen am: 19.09.2017 Seiten: 443 ISBN: 978-3-86552-558-1 Übersetzerin: Doris Hummel

Inhalt:

Die Skelette von elf Frauen werden bei Bauarbeiten auf einer Farm im ländlichen Irland gefunden, grausam verstümmelt und bei lebendigen Leib gehäutet. Die Ermittlerin Katie Maguire erfährt nach den ersten Untersuchungen, dass die Toten schon seit vielen Jahrzehnten unter der Erde liegen.

Ihr Vorgesetzter will den Fall bereits zu den Akten legen, da taucht ein frisches opfer auf. Welche Verbindung besteht zwischen dem Killer der Gegenwart und dem Toten aus der Vergangenheit? Und warum sind merkwürdige Stoffpuppen an die Oberschenkelknochen sämtlicher Leichen gebunden?

Katie Maguire stößt auf ein uraltes Ritual und muss den Mörder stoppen, bevor er erneut zuschlägt. (Klappentext)

Rezension:

Dem Schauerroman liegt eine lange, vor allem englische Tradition zu Grunde, die heutzutage durch gute Horrorliteratur ergänzt wird. Graham Masterton ist ein Meister dieses Genres und so liegt mit „Bleiche Knochen“ eine spannende Geschichte vor, die mit Vorsicht zu genießen ist.

Wenn davon überhaupt die Rede sein kann. Zunächst ist es eine der klassischen Ermittler-Geschichten, wie sie zu Hauf von den britischen Inseln kommen.

Eine Ermittlerin stolpert mit ihrem Team praktisch über Leichen und immer mehr details schälen sich an die Oberfläche. Heraus kommt das grausame Machwerk eines Täters, der die Umgebung im Atem hält.

Als wäre das nicht genug, stößt Katie Maguire auch noch auf eine uralte Legende und einen politischen Hintergrund, der nichts weiter als den freiden in Irland gefährden könnte. Größer geht’s kaum.

Dieses Szenario hätte schief gehen können. Andere Autoren wären mit dieser Geschichte gegen die Wand gefahren. Graham Masterton schafft es dagegen, sie großartig, sehr detailliert in Szene zu setzen. Sehr feinsinnig stellt er die Ermittlungen der irischen Polizistin dar, was ihn aber nicht daran hindert, auch die Mordszenen ebenso zu erzählen.

Tatsächlich sollte sich überlegen, wer gerade gegessen hat, dass Buch zu lesen. Für zart Besaitete nichts, wobei es auch in diesem Genre Steigerungen gibt, besonders wenn sie im Verlag Festa erscheinen.

Beim Leser schleicht sich eine Faszination für’s Morbide, für’s Böse ein. zeile für Zeile wird er in die Geschichte hineingesogen, will manchmal loslassen, kann jedoch sich kaum den beschriebenen Grausamkeiten entziehen und rätselt dann auch mit, wer der Täter ist.

Oder sind es gar mehrere? Und am Ende kommt doch alles ganz anders. Als Einstieg in die Horrorliteratur unbedingt geeignet, in manchen Teilen eines Stephen King würdig, doch Graham Mastertons Schreib- und Erzählstil ist sehr eigen, und macht mit seinen Perspektivwechseln und Wendungen einen Großteil der Faszination aus, die diese Geschichte trägt.

Die Protagonisten sind glaubwürdig, mit Ecken und Kanten versehen, und bekommen im Laufe der Geschichte eine Tiefe, die sicherlich in Folgebänden weiter ausgebaut werden wird. Auch „böse“ Figuren haben ihre sympathischen Seiten, doch wer sich in Gafhar begibt, kommt darin um.

Zum Glück blättert man als Leser nur Seiten um, doch hat man das Gefühl, mitten im Geschehen zu stehen. Die Einbindung einer uralten Legende passt zur Handlungsumgebung, sowie auch die Verarbeitung der Landesgeschichte hier einen wichtigen Stellenwert für den Verlauf einnimmt.

Für nicht so ganz zarte Gemüter eine unbedingte Empfehlung, wer qualitativ gute Krimi-Horrorliteratur lesen möchte, und nicht weiß, wo er ansetzen muss. Graham Mastertons „Bleiche Knochen“ ist da ein guter Einstieg, den man sich hingeben kann. Beschreibung expliziter Szenen inklusive. Diese Warnung muss jedoch sein.

Autor:

Graham Masterton wurde 1946 in Edinburgh geboren und ist ein britischer Autor von Horrorliteratur. Nach seiner Ausbildung zum Zeitungsreporter arbeitete er als Redakteur beim Magazin Penthouse.

In dieser Zeit schrieb er eine Reihe von Erotikratgebern, betätigte sich jedoch auch als Schreiber verschiedener anderer Magazine. 1976 veröffentlichte Masterton seine erste Horrorgeschichte, und schrieb seitdem über hundert Romane, Horrorliteratur, Thriller und Katastrophen-Romane. Er wurde mehrfach ausgezeichnet.

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