Stephan Orth: Couchsurfing in China

Couchsurfing in China Book Cover
Couchsurfing in China Stephan Orth Sachbuch Piper/Malik Erschienen am: 01.03.2019 Taschenbuch Seiten: 250 ISBN: 978-3-89029-490-2

Inhalt:
Er reist mit Vorliebe durch Länder mit einem schlechten Ruf: Drei Monate lang erkundet Bestsellerautor Stephan Orth China, um herauszufinden, wie die neue Weltmacht tickt. Er besucht Metropolen, die mit totaler Überwachung experimentieren, und abgeschiedene Dörfer, in denen fürs Willkommensessen der Hund geschlachtet wird. Auf seiner Reise von Couch zu Couch versucht er sich als Wettkampf-Korbflechter, tanzender Englischlehrer und Casino-Glücksritter – und lernt, welche Träume und Ängste die Menschen bewegen. (Klappentext)

Rezension:

In Zeiten, in denen die Menschen immer mehr zusammenwachsen, Grenzen aufgrund der wirtschaftlichen Globalisierung aufweichen und alte Industrienationen zunehmend ins Hintertreffen geraten, kristallisiert sich im fernen Osten eine neue Weltmacht heraus.

Das Reich der Mitte, einst billige Werkbank und berüchtigt für Raukopien und Ideenklau, zudem mit Klischees belegt, gibt in Politik und Wirtschaft immer öfter den Ton an und ist in einigen technologischen Bereichen schon heute führend. Der Rest der Welt reibt sich verwundert die Augen, doch wie erleben die Menschen dort den Wandel, der einem kaum Schritt halten lässt? Stephan Orth begab sich auf die Suche nach Antworten und kehrte mit Erkenntnissen und vielen Fragen zurück.

So weit zur Thematik, erzählt der Journalist und Autor in gewohnter Manier von seiner liebsten Form des Reisens. Couchsurfing. Man stelle sein Sofa oder eine andere Schlafmöglichkeit Menschen aus aller Welt zur Verfügung und bekommt im Gegenzug selbige ebenfalls in aller Welt. So erkundete Stephan Orth bereits den Iran und Russland, bekam dabei Perspektiven eröffnet, die normalen Touristen verschlossen bleiben.

Wie lebt sich der Alltag abseits der großen und kleinen Plätze, für besucher hergerichtete Sehenswürdigkeiten und wie nehmen vor allem die Einheimischen ihr Land wahr? Ganz Journalist begab sich Orth nun nach China und reiste kreuz und quer durch ein Land voller Kontraste, die größer nirgendwo sonst ausfallen.

„Das wäre wirklich nicht nöig gewesen“, sage ich dann. Nie habe ich diesen Satz so ernst gemeint.

Stephan Orth zu einem seiner Gastgeber, nach der Erwähnung eines besonderen Mahls ihm zu Ehren.

In kurzweiligen Kapiteln, die jeweils nach Reiseetappen und Orten gegliedert sind, schildert er die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten und die Begegnungen mit Menschen, die so unterschiedlich wie vielfältig sind. Die chinesische Polizistin etwa, die die Vorteile einer überwachten Nation sieht, es jedoch mit den Regeln der politischen Indoktrination nicht so genau nimmt, die Künstlerin, die tagtäglich förmlich gezwungen ist, die Grenzen der freiheit bis zur Zensur auszutesten oder Kapitalismus im Kommunismus. Kasinos funktionieren auch im Reich der Mitte.

Mit genauen Blick schildert er Situationen, die man hierzulande nur als Kultrschock bezeichnen kann, aber auch den technologischen Fortschritt, der dort innerhalb weniger Monate Anlauf nimmt, in unsererheimat jedoch schon in der Planungsphase stecken bleibt.

Das hat alles Vor- und Nachteile, Kritik bleibt nicht aus, jedoch überwiegt das Staunen, welches Orth immer wieder antreibt, um so den Menschen auf dem Zahn zu fühlen, eine Momentaufnahme dieses Landes zu erhaschen. Das ist nicht vollkommen, ein sehr subjektiver Einblick wird hier gezeigt. Gut möglich, dass ein jeder Andere diese Eindrücke anders werten kann. Das Land ist einfach zu groß, die Gesellschaft zu schnelllebig. Was heute aktuell ist, ist morgen veraltet. Hochspannend ist es allemal.

Stephan Ort ist ins Gelingen verliebt und zeigt die Unterschiede zwischen politischen System und einem Querschnitt der Gesellschaft. Die böse Weltmacht aus den Nachrichten gibt es eben nicht nur, sondern auch Menschen unterschiedlichster Couleur, die ihren Teil dazu beitragen und ansonsten ihren Alltag bewältigen. Selbstbewusst, unsicher, arm oder reich, Anhänger des Systems, Mitläufer oder Andersdenkende.

Das Reich der Mitte, so die Erkenntnis, ist wandelbar und vielfältig, trotz versuchter Gleichschaltung und allgegenwertiger Kontrolle. Wer aufmerksam liest, bekommt zudem mit, wem genau das Buch gewidmet ist. Alleine dies ist für Europäer schon aufregend genug und muss der Leser selbst herausfinden. Viel Glück dabei.

Ami Vitale: Pandas – Das verborgene Leben der Großen Bären

Pandas -Das verborgene Leben der großen Bären Book Cover
Pandas -Das verborgene Leben der großen Bären Ami Vitale Rezensionsexemplar/Fotobuch Riva Verlag Erschienen am: 10.09.2018 Hardcover Seiten: 159 ISBN: 978-3-7423-0680-7

Inhalt:

Der Große Panda ist ein faszinierendes Tier: majestätisch und drollig zugleich strahlt der plüchige Riese eine angenehme Ruhe auf viele Menschen aus. Doch der Panda ist vom Aussterben bedroht. Nur noch wenige Tiere leben in freier Wildbahn in Naturschutzgebieten in China.

Durch den unermüdlichen Einsatz vieler Tierschützer konnte der Bestand in den letzten Jahren dort aber wieder vergrößert werden. Die Fotografin Ami Vitale hat es geschafft, den sanften Bären ganz nahe zu kommen. Dieses Buch zeigt ihre interessantesten und spektakulärsten Fotos aus Aufzuchtstation und freier Wildbahn.

Gemeinsam mit spannenden Hintergrundinformation entstand so ein bezaubernder Bildband für alle Panda-Fans. (Klappentext)

Rezension:

Es gibt nur noch wenige hundert Exemplare seiner Art, doch bei kaum einem anderen Tier sind die Bemühungen, diese nachzuzüchten, auch so intensiv. Der Große Panda, das Symbol Chinas, welches selbiges Land nur als Staatsgeschenk verlassen darf, ist faszinierend und zugleich ein geeigneter Botschafter dafür, warum Artenschutz wichtig ist.

Abseits der Pandadiplomatie, die der Staat betreibt, um anderen Ländern sein Wohlwollen zu zeigen oder eben auch zu entziehen und gleichzeitig, die Chancen für das Überleben dieses Symbols zu steigern, erzielt China jedoch auch Erfolge beim Nachzüchten, die noch vor wenigen Jahren so nicht denkbar waren.

Die amerikanische Naturfotografin Ami Vintage hat sie gesucht, in der Wildnis und einer Aufzuchtstation, wo versucht wird, für Nachwuchs zu sorgen und die Pandabären auszuwildern. Entstanden ist ein kleiner süßer Bildband.

Emotionen werden entweder durch berührende Texte ausgelöst oder durch eben solche Bilder. Vom Ersteren hat dieses Buch nicht viel, braucht es auch nicht. Bilder sagen mehr als tausend worte und so kann sich der Leser selbst einen Eindruck von der Schön- und Erhabenheit dieser Tiere verschaffen und weiß dann genau, wie wichtig die intensive Arbeit ist, die in China von Wissenschaftlern und Veterinärmedizinern betrieben wird, um das Überleben der sanften Riesen zu sichern. Das ist schön und berührend.

Der Knackpunkt ist jedoch der, dass Coffetable-Bildbände zwar schön aussehen, jedoch nicht viel bringen. Zwar erfährt man einige interessante Aspekte, etwa in der Frage, warum Chinas Wissenschaftler sich selbst als Panda verkleiden müssen, doch der Gehalt des Buches ist ansonsten gering.

Die Bilder müssen hier für sich wirken. Alleine das Format vergibt da viele Chancen. Im Überformat, so denkt man gleich, würde die Wirkung noch intensiver ausfallen, ein Eye-Catcher halt. Dieser Schritt fehlt etwas. Und, ob sich die leser für den Schutz von Pandas engagieren, ist noch mal eine andere Sache.

Wenn das jedoch bei wenigen Lesern gelingt, ist Ami Vitales Projekt ein voller Erfolg, den man sich nur wünschen kann. Das wäre ja schon mal etwas.

Autorin:

Ami Vitale wurde 1971 geboren und ist eine US-amerikanische Fotojournalistin und Dokumentarfilmerin. Sie arbeitet für National Geographic und lebt in Montana. Sie studierte zunächst an der University of North Carolina International Studies, sowie an der University of Miami.

Nach ihrem Studium arbeitete sie für Associated Press und erstellte Fotoreportagen über Guina-Bissau und Indien. ihre Reportagen erscheinen in den großen amerikanischen Zeitungen. Austellungen und Arbeiten Vitales wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.