Alberto Angela: Ein Tag im Alten Rom

Ein Tag im Alten Rom Book Cover
Ein Tag im Alten Rom Autor: Alberto Angela Übersetzerin: Julia Eisele Sachbuch Goldmann Verlag Erschienen am: 14.02.2011 Taschenbuch Seiten: 413 ISBN: 978-3-442-15638-2

Die Welt der Antike hautnah erleben!

Was ist ein Obolus? Wie wickelt man eine Toga? Wie teuer ist ein Sklave? Und wie fühlt es sich an, den Löwen zum Fraß vorgeworfen zu werden? Alberto Angela lässt uns einen Tag lang am bunten Treiben im antiken Rom teilnehmen:

Wir werfen einen Blick in prächtige Patrizierhäuser, dampfende Kochtöpfe und venusgefällige Schlafzimmer, erleben blutige Gladiatorenkämpfe im Kolosseum und nächtliche Festgelage am Ufer des Tibers. Mit allen Sinnen tauchen wir ein in die Alltagswelt und das Lebensgefühl der Alten Römer. Das ist Geschichte, wie sie lebendiger nicht sein könnte! (Klappentext)

Rezension:

Tausende Touristen erkunden heutzutage das, was vom einstigen Mittelpunkt der antiken Welt und von einem der ersten Imperien der Geschichte übrig geblieben ist. besonders in dessen ehemaligen Zentrum sind noch zahlreiche Überreste zu bestaunen, die einen kleinen Einblick über die ehemaligen Größe des antiken Roms geben.

Doch, die Ruinen auf den Palatin, den Kaiserforen oder das Colloseum sind durch die Jahrhunderte stark in Mitleidenschaft gezogen worden, und so ist es schwer vorstellbar, wie es war, das Leben im Rom der Antike.

Der italienische Paläontologe Alberto Angela nimmt seine Leser wieder gekonnt mit auf eine einmalige Zeitreise und lässt uns einen Tag im Leben eines römischen Bürgers nachvollziehen, der im Jahr 115 n. Chr., zur Zeit Trajans lebte. Von kurz vor Sonnenauf- bis nach Sonnenuntergang streifen wir durch die Gassen des Mittelpunktes der römischen Welt und erleben den Alltag aus vielen Blickwinkeln heraus.

Wir beobachten Sklaven, die eine Villa nach einem Festgelage am frühen Morgen säubern und sehen den domus und der domina beim Ankleiden zu. Detailliert schilder der Autor, welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten der Alltag in damaliger und heutiger Zeit aufweisen und begibt sich mit uns in Tempeln, in die Gladiatorenarena oder den römischen Thermen.

Akribisch werden Fragen geklärt, kurzweilig anhand von tatsächlichen Funden, wie Inschriften und Mosaiken, konstruiert, was tatsächlich passiert sein könnte. Welche gesellschaftlichen Schichten gab es im Rom der Antike?

Vor welchen problemen sahen sich Stadtherren und Politik schon damals gestellt und warum waren Toilettengänge ein Gemeinschaftserlebnis? Was spielten oder lernten römische Kinder und was landete neben Flamingo und Siebenschläfer sonst noch in den Kochtöpfen?

Erstaunen wird man darüber, was es früher schon gab und welche Lösungen die Römer für Probleme aller Art hatten, aber auch, wenn man vergleicht, wie weit die Entwicklung, ob gesellschaftlicher oder technischer Natur seitdem vorangeschritten ist. Ohne Vorkenntnisse kann man Alberto Angela gut durch die kurzweiligen Kapitel folgen, der manchmal ausschweifend erzählt, jedoch durchweg zu begeistern und interessieren vermag.

Es ist dabei kein wissenschaftliches Buch, sondern ein Werk, welches ein Thema der breiten Masse näher bringt, jedoch auf nachweisbaren Funden im Staube Roms beruht. Erlebbarer Geschichtsunterricht, der begeistert. Wer Rom aus seinen Besuchen heraus kennt, wird vieles erkennen. Wer noch nicht in der Ewigen Stadt gewesen ist, wird spätestens jetzt den wunsch verspüren, die antiken Stätten besichtigen zu können.

Die Zeitreise ist in übersichtliche Kapitel, anhand von Uhrzeiten, gegliedert. Ein Tagesablauf eben. Dazwischen immer wieder wieder Einschübe, die einen grundsätzlichen Überblick über bestimmte Fragen geben und so erklären, was z.B. ein Sesterz wert gewesen ist oder was die ersten „Wolkenkratzer“ Roms gewesen sind.

So verwoben bringt der Autor eine sehr komplexe Thematik verständlich näher, auch wenn es sich nur um einen ganz gewöhnlichen Tag im Antiken Rom und dessen Blütezeit handelt. Lebendiger geht Geschichte kaum.

Autor:

Alberto Angela wurde 1962 in Paris geboren, studierte nach dem Abitur in Frankreich und in Italien Naturwissenschaften, bevor er sich weiter auf Paläontologie und Paläoanthropogie spezialisierte. Er arbeitete an verschiedenen Orten der Welt an Ausgrabungen und Forschungen und veröffentlichte mehrere in Fachkreisen anerkannte Aufsätze.

Als Wissenschaftsjournalist arbeitete er für Fernsehsender und veröffentlichte mehrere Sachbücher über die menschliche Entwicklungsgeschichte und das Alte Rom. Er ist Mitglied des Instituts für Menschliche Paläontologie in Rom.

Kurzblick: Berlin im Wandel

Alte Pläne faszinieren mich. Ich liebe es, Karten aufzuklappen und mit Augen und Fingern zu erkunden, Orte zu entdecken, die ich aus unserer Zeit heraus kenne oder noch aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung habe, historischen Ereignissen nachzuspüren und einzutauchen in eine Welt, die nicht die meine ist. Für Berlin ist das jetzt möglich. Die Metropole an der Spree ist bei Touristen ohnehin beliebt. Kunst, Kultur und Geschichte sind praktisch auf jeden Quadratmeter erlebbar. Vor kurzem feierte die Serie „Babylon Berlin“ die Zeit der 1920er Jahre so spannend wie nie zuvor, und überdies lassen sich an jeder Ecke spannende Geschichten nachempfinden. Jetzt geht das auch anhand von historischen Stadtplänen.

Kaum eine andere Stadt hat so viel erlebt, wie Berlin selbst und kaum ein ort so viele Veränderungen erfahren. Dies erlebbar zu machen, hat sich der Verleger Gerd Gauglitz, der mit seinem Stadtplänen nicht nur den modernen Berliner versorgt, sondern auch Historisches nachfühlbar macht. In zwei Mappen kommen die insgesamt acht Pläne daher, die eine Stadt im Wandel zeigen.

Titel: „Berlin – Vier Stadtpläne im Vergleich – 1742-1875-1932-2017“
Autor/Verleger: Gerd Gauglitz
4 faltbare Stadtpläne, ein beidseitig bedrucktes Informationsblatt
ISBN: 978-3-933502-44-5
Verlag: Edition Gauglitz

Die erste Mappe, etwas größer als A5 sind sie beide, enthält aufgeklappt die Stadtpläne der Spreemetropole von 1742, 1875, 1932 und 2017. Kommentiert in einem eingelegten Faltblatt, kann man die Entwicklung vom Dorf zur Großstadt beobachten. es wird erklärt, welche städtischen Merkmale und markanten Punkte damals geschaffen wurden, wichtig waren, um bereits ein knappes jahrhundert der Stadtplanung lästig zu werden. Es wird berichtet, was aus der zeit die Wendungen der Geschichte überlebt hat und welche Grundzüge der Stadt heute noch erkennbar sind. Die Stadtpläne lassen sich dabei einzeln aufklappen, leider noch nicht herausnehmen, wie in der zweiten Mappe. Macht aber nichts. Die Aufmachung ist sehr handlich. Eine umständliche Falterei, wie bei manch modernen Stadtplan, der das heutige Berlin zeigt, ist nicht notwendig.

Edition Gauglitz: „Berlin – Vier Stadtpläne im Vergleich – 1742-1875-1932-2017“

Die Stadtpläne sind, wer jetzt auch ein historisches Design erwartet, allesamt modern gehalten. Dies ermöglicht eine schnelle Orientierung und die Schaffung eines guten Überblicks. das moderne Auge muss sich an nichts anderes gewöhnen, als es es etwa von Google Maps kennt.

In der zweiten Mappe dagegen, finden sich die Stadtpläne aus den Jahren 1840, 1953, 1988 und ein Gedankenspiel, Hitlers „Germania“ um 1950. Das gleiche Spiel, bloß kann man die Karten komplett herausnehmen. Sie sind nicht an der Mappe selbst angeleimt und so ist das alles noch handlicher. Fast ist es so, als könnte man sich auf eine Zeitreise begeben und mit diesen Plan durch das Berlin des jeweiligen Jahres gehen. erlebbar wird die Geschichte, wenn man sich etwa an Erzählungen und Berichten über den Volksaufstand 1953 erinnert oder an das letzte Jahr des eingemauerten Westberlins. Auch  hier ist der moderne Look verknüpft mit den historischen Gegebenheiten ein Blickfang. Man bekommt ein Gefühl für die jeweilige Zeit und den Anforderungen der Stadtplanung.

Auch hier ist das ganze wieder in einem separaten Faltblatt kommentiert.

Besonderheit der Ergänzungspläne ist indes der vierte Plan. Der zeigt das Zentrum der Welthauptstadt „Germania“ um 1950, also jenes Hirngespinst Hitlers, welches nach den Plänen der Nazis nach dem Krieg verwirklicht werden sollte. Sogar ein Modell wurde in Teilen schon gebaut, zu sehen im Film „Der Untergang“ und heute in den Räumen des Vereins Berliner Unterwelten e.V. . Ein Großteil davon blieb, Gott sei Dank, unverwirklicht. Nur einzelne Gebäude aus dieser Zeit gibt es noch heute. Was die Nazis der historischen Bausubstanz Berlins angetan hätten, lässt sich hier nachvollziehen.

Titel: „Berlin Ergänzungspläne – Vier Stadtpläne im Vergleich -1840-1953-1988 und 1950 ‚Germania‘ „
Autor/Verleger: Gerd Gauglitz
4 herausnehmbare Stadtpläne, ein beidseitig bedrucktes Informationsblatt
ISBN: 978-3-933502-45-2
Verlag: Edition Gauglitz 

Gerd Gauglitz hat in dieser Edition Geschichte nachfühl- und erlebbar gemacht und zumindest gedanklich mit den Finger auf den Stadtplan eine Zeitreise ermöglicht. Vom Dorf zur Metropole, in all seinen Facetten und Wandlungen, wird nicht nur die Zeit des „Babylon Berlin“ erlebbar. Für Geschichtsfans und Liebhaber von alten Plänen und Interessenten an Architektur und historischen Ereignissen, sind diese beiden handlichen Mappen ein unbedingtes Muss. Viel Spaß also, bei der nächsten Zeitreise.

Philip Wilkinson: Atlas der nie gebauten Bauwerke

Atlas der nie gebauten Bauwerke Book Cover
Atlas der nie gebauten Bauwerke Philip Wilkinson Rezensionsexemplar/Sachbuch dtv Erschienen am: 26.10.2018 Hardcover seiten: 256 ISBN: 978-3-423-28976-4

Inhalt:

Leonardo da Vincis Stadt auf zwei Ebenen; ein Triumphmonument in Form eines Elefanten; ein Wolkenkratzer, der 1,6 Kilometer hoch ist und 528 Stockwerke hat; eine Glaskuppel, die den größten Teil Manhattans bedeckt; der Friedrichstraßen-Wolkenkratzer von Mies van der Rohe; El Lissitzkys Wolgenbügel:

… mit diesen und anderen nicht gebauten Projekten wurden anspruchsvolle neue Ideen erforscht, Konventionen hinterfragt und Wege in die Zukunft gewiesen. Einige von ihnen sind Meisterwerke, andere vergnügliche Fantasien. Gesellschaft, Politik und Ästhetik der Zeit spiegeln sich in diesen Visionen. Die Ideen erscheinen unglaublich kühn, doch sie verweisen auch auf Gebäude, die Jahrzehnte später entstanden sind. (Klappentext)

Rezension:

Nach den „Atlas der erfundenen Orte“ und den „Atlas der Länder, die es nicht mehr gibt“ ist kürzlich das dritte Werk erschienen, welches unbedingt in die Reihe der ungewöhnlichen, aber schönen Sachbücher gehört. Es handelt sich dabei um Philip Wilkinsons „Atlas der nie gebauten Bauwerke“.

Der Architekturkenner begibt sich auf eine Reise durch die Baugeschichte und zeigt, welche Ideen für ein besseres oder anderes Leben erdacht wurden, wie sie entstanden und woran sie scheiterten, aber auch, welche Strahlkraft sie heute noch besitzen.

Sein detaillierter Blick in die Geschichte zeigt, dass nicht immer nur das Rennen um das höchste, schönste oder nützlichste Gebäude die Baukunst bestimmte, sondern auch der Zweck, denen die Gebäude haben sollten.

Wilkinson beginnt mit den Klosterplan von St. Gallen, der ca. 820 n. Chr. für eine neue Arbeits- und Lebenswelt der dortigen Mönche sorgen sollte, streift durch die Geschichte Pläne Leonardo da Vincis, Walter Gropius‘ bishin in die Neuzeit, in der ganze Städte auf den Reißbrett enstehen.

Der Autor schildert die Entstehung von Plänen, die als Gedankenspiel entstanden und letztlich an den verschiedenen problemstellungen von Geldmangel bis Geltungssucht scheitern sollten, er beschreibt damit auch das Arbeiten großer Konstrukteure und Architekten, die vielerseits mit anderen Bauwerken glänzen konnten, an einigen ihrer Projekte jedoch scheiterten.

Mit der Liebe zum Detail weißt der Autor aber auch auf die Zukunft hin, vom nicht umgesetzten 1,6 km hohen Wolkenkratzer bis zum derzeit höchsten Gebäude der Welt ist es gar nicht so weit gewesen und dass die Menschen irgendwann auch die damals noch unrealistischen Höhen erreichen werden, steht außer Frage.

Er verweißt auf Ideen, die später bei anderen Projekten, als die technischen Voraussetzungen gegeben waren, anders umgesetzt werden konnten und zeigt, dass Architektur immer auch eines war, der Spiegel ihrer Zeit.

Kurzweilige Umrisse auf je 4 Seiten erläutern, unterlegt von Skizzen aus den Händen der dort aufgeführten Konstrukteure und Architekten, was diese erdachten und erklären, vor welchen Problemen und Fragestellungen sie standen. Baugeschichte kann spannend sein, zumal wenn man bedenkt, was heute wäre, wenn man das eine oder andere Projekt tatsächlich so umgesetzt hätte.

Die Bolschewiken etwa hätten sich einen futuristischen Turm in ihre Hauptstadt gesetzt, der satirisch sehr leicht hätte umgedeutet werden können, hätten die Genossen sich darauf eingelassen.

Architektur ist eben immer auch mit den Gedankengängen der jeweiligen Zeit verbunden. Wilkinson zeigt zugleich, welche Ideen heute schon für unser Leben in der Zukunft zirkulieren und schafft dabei einen Überblick, der sehr beeindruckend ist.

Ein überaus lesenswertes Sachbuch zum schnellen Stöbern oder gezielten Durchlesen, auf jeden fall wird man danach die Gebäude um einen herum mit anderen Augen betrachten. Viel Spaß dabei.

Autor:

Philip Wilkinson wurde 1955 geboren und ist ein britischer Autor von Werken für Kinder und Erwachsene. Der in Cheltenham/England aufgewachsene Wilkinson arbeitete zunächst als Redakteur, u.a. für Dorling Kindersley, widmete sich bald den Themen Kunst, Architektur und veröffentlichte mehrere Sachbücher, auch über Religion und Glaubenssysteme, nachdem er u.a. am Corpus Christi College in Oxford studiert hatte.

Sein beständiges Interesse gilt aber besonderen Gebäuden. In seinem Blog „English Buildings“ erläutert er die Geschichte historischer Gebäude Großbritanniens. Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet.