Peter van Gestel: Wintereis

Wintereis Book Cover
Wintereis Roman Gulliver/Beltz & Gelberg Taschenbuch Seiten: 335 ISBN: 978-3-40774163-9

Handlung:

Kurz nach Kriegsende streift der 12-jährige Thomas durch die Straßen Amsterdams. Ein harter Winter hat die Stadt fest im Griff. Die Mutter gestorben, der Vater arm und arbeitslos, wächst Thomas dennoch liebevoll umsorgt auf. In seiner Klasse lernt er den neuen Jungen Piet kennen, mit dem er sich schnell anfreundet. Dessen Familie ist so ganz anders als seine und trägt ein Gehemnis mit sich. Als sich ihm Piet, inzwischen Zwaan genannt, offenbart, festigt das die Freundschaft der beiden noch mehr. Doch, eines Tages trennen sich die Wege der Jungen, die doch nicht ohne den Anderen können.

Rezension:

Es ist ein kleiner unscheinbarer Roman, der da herausgegeben wurde, zumindest wenn man von der deutschen Ausgabe spricht. Das Cover in Rot- und Brauntönen gehalten, darauf ein spazierender Junge und die typisch niederländische Grachten-Ansicht vom Wasser aus. Und so unscheinbar, auch der Klappentext der Übersetzung verrät nicht viel, beginnt auch der Roman. Zwei Jungen, der eine Neuling in der Klasse, freunden sich erst zögerlich, dann immer mehr miteinander an, gleichwohl sie aus unterschiedlichen Verhältnissen stammen.

Und der eine wie der andere ist vom Gegenüber fasziniert. Thomas, hier der witzige, lausbübische Hauptprotagonist mehr von Zwaan als umgekehrt. Letzterer gibt sich geheimnisvoll und vorsichtig, intelligent und zurückhaltend. Als der Junge aber hinter das Geheimnis, nach und nach, seines neuen Klassenkamerades kommt, schweißt das die zwei noch enger zusammen.

Ein wunderbarer Roman über eine recht sonderbare Zeit als die Niederlande, direkt nach der Stunde Null im folgenden Winter im Kältechaos versanken, Hunger, Not und armut allgegenwärtig waren. Ein kleines Zeitportrait und ein Werk über Freundschaft, Vertrauen und Zusammenhalt.

Der Schreib- und Erzählstil, für Kinder und Jugendliche klar und gut lesbar gehalten, ist poetisch gehalten und der zwölfjährige Protagonist als pointierter frecher Erzähler. Ein toller kleiner Roman, der auch von Erwachsenen gelesen werden kann und gelesen werden sollte.

Autor:

Peter van Gestel wurde 1937 in Amsterdam geboren und besuchte zunächst die Schauspielschule, bevor er als Dramaturg und Autor für den niederländischen Rundfunk und das Fernsehen arbeitete.

Ende der 70er Jahre schrieb er Kurzgeschichten, später Romane für Kinder und Jugendliche, von denen einige ins Deutsche übersetzt wurden. Seine Werke wurden mehrfach ausgezeichnet. Für „Wintereis“ erhielt er den Theo-Tijssen-Preis, den Woutertje-Oreis und den Nienke van Hitchum-Preis.

Wolfgang Hohlbein: Mörderhotel

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Mörderhotel Wolfgang Holbein Bastei Lübbe Erschienen am: 26.05.2017 Seiten: 847 ISBN: 978-3-7857-2548-1

Inhalt:

Chicago, 1893. Die neunzehnte Weltausstellung öffnet ihre Tore. Millionen Besucher strömen in die Stadt und suchen ein Hotel. Herman Webster Mudgett besitzt ein solches. es ist eines der erstaunlichsten Häuser am Platz: Es hat Falltüren, verborgene Räume, Geheimgänge, einen Foltertisch, ein Säurebad und eine Gaskammer.

Viele Menschen gingen in dieses Hotel. Nur wenige verließen es wieder. Zumindest lebend … Wolfgang Hohlbeins neuer Roman erzählt die unglaubliche, aber wahre Geschichte um einen der ersten Serienkiller Amerikas! (Klappentext)

Rezension:

Die Menschen erstaunen ob der Wunder der Technik, die das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahrhunderts kennzeichnen. Sie strömen zur Weltausstellung in Chicago um elektrisches Licht, damals noch eine Besonderheit und andere Vorboten der Moderne zu bestaunen. Und natürlich benötigen all die Besucher eine Unterkunft.

Eine solche gibt es in einem Vorort, der wachsenden Stadt, doch ist sie mehr als außergewöhnlich. Nicht nur, dass sie beinahe leer steht, sondern mit ihrer neuartigen wuchtigen Bauweise einen zweifelhaften Ruf in der Umgebung hat, zumal dort ständig Menschen zu verschwinden schein.

Auch Arlis weiß darum und quartiert sich, auf der Suche nach ihrer Schwester zusammen mit dem Versicherungsdetektiv Geyer ein. Beide wissen nur, dass die Schwester zuletzt mit dem Besitzer des Hotels liiert war und dann spurlos verschwand.

Von den Dingen, die sich grausam hinter den Wänden des Hotels verbergen, haben sie jedoch keine Ahnung, was sich jedoch bald ändern wird.

Der Horror-Roman, neuester Streich von Wolfgang Hohlbein, hat es in sich und enthält gleich zwei Geschichten, die sich nach und nach zusammenfügen zu einer gemeinsamen handlung. Zunächst das Werden des Massenmörders Herman Webster Mudgett, den es tatsächlich gegeben hat und dessen grausame Taten hier als Vorlage dienten, zum anderen die Geschichte der Aufdeckung seiner Taten.

Wobei sich kaumk sagen lässt, welcher Handlungsstrang grausamer oder abstoßender ist. Die Figuren tragen jedenfalls nicht dazu bei, dass man diese Geschichte zu mögen beginnt, soll man vielleicht auch nicht aber ein Roman selbst dieses Genres ohne Identifikationsfigur ist schon außergewöhnlich.

Und gewöhnungsbedürftig. tatsächlich geht dies sogar so weit, dass man, wenn auch nur für wenig mehr als einen Augenblick Sympathien für den Massenmörder hegt, dem Privatdetektiv Geyer aber alles Schlechte wünscht. Auch eine Variante aber eine, die es schwer macht, dieses Geschehen durchzuhalten.

Wolfgang Hohlbeins „Mörderhotel“ hat dabei keine Längen aber liest sich auch nicht gerade flüssig. Vielleicht hätte der ansonsten im fiktionalen Bereich sehr erfolgreiche Autor gut daran getan, die reale Geschichte zu recherchieren und als Sachbuch aufzuarbeiten.

Als Horror-Roman funktioniert es nur mittelmäßig, handwerklich im Stil klassischer Vorbilder, ansonsten springt der Funke (oder spritzt das Blut) hier nicht über. Dass die wenigen Morde (im Vergleich zum Versprechen des Klappentextes, an den man sich hier nicht halten sollte) sehr detailliert beschrieben werden, ist auch nicht dazu angetan, dieses Buch in einem Rutsch durchzulesen.

Nein, hier wird der Leser, der das sonst frei entscheiden kann, praktisch gezwungen ab und zu inne zu halten und an etwas anderes zu denken. Mag sein, dass dies der Stil eben ist in diesem Genre aber „Mörderhotel“ ist ein Roman, der wahrscheinlich als Film sogar besser funktioniert als in schriftlicher Form. Und ob dies für ein Buch eine Auszeichnung ist, wage ich zu bezweifeln.

Es wird mein vorerst letzter Roman, vielleicht tue ich Wolfgang Hohlbein ja auch Unrecht, in diesem Genre bleiben. Vielleicht ist es einfach nichts für mich. Wobei mich die reale Geschichte, die als Vorbild diente, mehr interessiert.

Im Vergleich z.B. mit Tom Rob Smiths „Kind 44“, der dort ebenfalls eine reale Mordserie verarbeitete, fällt „Mörderhotel“ leider deutlich ab. Und das bricht diesem Roman bei den Lesern, die zuerst den Krimi des englischen Schriftstellers gelesen haben, das Genick bzw. den Buchrücken. Für Wolfgang Hohlbeins Fans natürlich, wird auch „Mörderhotel“ wieder eine Sternstunde des Autoren werden.

Autor:

Wolfgang Hohlbein wurde 1953 in Weimar geboren und ist ein deutscher Schriftsteller im Genre Horror, Fantasy und Science-Fiction. er gehört zu den auflagenstärksten Autoren Deutschlands. Über 43 Millionen seiner Bücher wurden bisher verkauft.

Dem in Neuss lebenden Schriftsteller gelang mit seinem Roman „Märchenmord“ 1982 der Durchbruch. Schon als Jugendlicher begann er zu schreiben, lernte zunächst aber Industriekaufmann und arbeitete als Nachtwächter.

Die ersten Geschichten schrieb er unter Pseudonym. 2013/2014 wurde eine Fenrsehserie über seine Familie ausgestrahlt, die aber nach wenigen Folgen eingestellt wurde. Nach ihm wurde der Wolfgang-Hohlbein-Preis benannt.

Susan Hastings: Schusterjunge Karl

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Schusterjunge Karl Susan Hastings Roman Erschienen am: 08.10.2012 Seiten: 375 ISBN: 978-3-95537-000-8

Handlung:

Im Oktober 2013 jährt sich zum zweihundertsten Mal die große Völkerschlacht bei Leipzig. Napoleon mit seiner großen Armee wurde von den verbündeten Streitkräften der Russen, Österreicher, Preußen und Westfalen vernichtend geschlagen. Mittendrin wurde die sächsische Armee zwischen den Fronten aufgerieben.

Der sächsische König hielt bis zur Katastrophe zu Napoleon. Erst während der dreitägigen Schlacht wechselten die Sachsen die Fronten, was dem König nachträglich die Gefangenschaft einbrachte. Viel wurde und wird über die Feldherren dieser Schlacht geschrieben, ihre Heldentaten gepriesen, ihnen Denkmäler erbaut.

Kaum jemand aber weiß um die Schicksale der unzähligen Namenlosen, die unter dem Großmachtstreben wahnwitziger Tyrannen leiden mussten, die sowohl von Siegern wie Besiegten geplündert, geschändet, verletzt oder getötet wurden.

Es gibt viele Augenzeugenberichte aus der damaligen Zeit, die von dem unsäglichen Leid der Zivilbevölkerung erzählen, Briefe der Soldaten, die als Kanonenfutter ins Feld geschickt wurden. Dieses Buch ist all denen gewidmet, die in den Wirren der Besatzung und der Kriege ihr Hab und Gut, ihre Gesundheit und Unversehrtheit, ihre Würde und das Leben verloren haben. (Klappentext)

Rezension:

Die Völkerschlacht bei Leipzig ist ein großes geschichtliches Thema, besonders in der Messestadt an der Pleiße selbst und so wurde vor zwei Jahren die Zweihundert-Jahr-Feier mit entsprechenden Aufwand begangen. Ausstellungen in der ganzen Stadt, Vorträge, sogar die Schlacht selbst wurde in Teilen von Laien-Schauspielern dargestellt. In nie dagewesener Größenordnung.

Ein Jahr zuvor als die Vorbereitungen dafür schon in Gange waren und die Stadtoberen die Werbetrommel rührten´veröffentlichte Susan Hastings diesen Roman, der dass Schlachtengetümmel aus einer ganz besonderen und beeindruckenden Perspektive zeigt.

Aus Sicht der einfachen Bevölkerung, der Leipziger und der umliegenden Dörfer, die erst viel später zur Stadt selbst gehören sollten. Hauptprotagonist ist hier Karl, der sich in der Stadt als Lehrling eines Flickschusters verdienen muss und zunächst vom aufkommenden Kriege begeistert ist.

Obwohl die Stadt unter den auferlegten Befehlen Napoleons ächzt, sind doch die Ideen des Kaisers der Grande Nation zu verlockend. Doch Karl und seine Freunde, seine Verwandten und Bekannten erkennen schnell, was es heißt, mitten in einem Krieg zu sein, in dem es nur Verlierer gibt.

Ein beeindruckender Historienroman, der anfangs nur langsam ins Rollen kommt, dann aber mit geballter Wucht einschlägt. Wie eine Kanonenkugel oder das Bajonett der französischen Soldaten. Die Autorin zeichnet gewollt ein blutiges aber realistisches Bild vom Leiden der Leipziger und Geschehen in der Stadt, die unter den Kämpfen und der wechselnden Besatzung (erst Franzosen, dann Russen) zu leiden hatte und verschönigt nichts.

Dabei erkennt man als Einheimischer die beschriebenen Örtlichkeiten sehr gut wieder und fühlt sich sehr gut in die Lage der einfachen Bürger zurückversetzt, die dies ertragen mussten. Zwar hat Susan Hastings das alles in mehreren Liebesgeschichten eingebettet, man möge es ihr aber verzeihen.

Zu groß war die Begeisterung bei der Jubiläumsfeier für eine Schlacht, in der zu viele Menschen für nichts starben. Da tut es gut, gerade das Kriegsgeschehen, die Schlachten nicht verschönigt zu sehen.

Der Schreibstil ist flüssig, die Protagonisten und ihre charakterlichen Wandlungen nachvollziehbar, eingebettet in einem gut recherchierten und detailliert geschilderten Historienszenario. Dennoch bin ich froh, dass meine Heimat das Leipzig ein paar Jahrhunderte später ist.

Autorin:

Susan Hastings ist das Pseudonym einer deutschen Schriftstellerin. Sie wurde 1954 in Leipzig geboren und nach Ausbildung und Studium zur Diplom-Geologin war sie im Bergbau tätig. Als Sachverständige arbeitete sie dort in den Bereichen Geologie und Ökologie.

Um ihren Traum wahr werden zu lassen, eines Tages Bücher schreiben zu können, nahm sie ein Fernstudium auf und veröffentlichte zunächst Kurzgeschichten. Unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte sie Liebes-, Historien- und Heftromane.Sie ist Mitgründerin des Vereins deutscher Liebesroman-Autorinnen.

Chai Pinit: Bangkok Boy

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Bangkok Boy Chai Pinit Weltbild Erschienen am: 01.01.2016 Seiten: 223 ISBN: 978-3-8289-3293-7 Übersetzer: Bernhard Liesen

Inhalt:

Chai Pinit war ein ganz normaler thailändischer Junge – bis er von einem Lehrer sexuell missbraucht wurde. Verzweifelt, voller Scham und Selbstekel geriet er in einen entsetzlichen Sumpf von Sucht und Prostitution.

Doch mit Hilfe guter Freunde und ungeahnter innerer Kraft gelang ihm der Weg zurück aus den Rotlichtbezirken von Bangkok und Pattaya. Der Weg zurück ins Leben. Eine Geschichte voller Kraft, Hoffnung und Lebensmut. (Klappentext)

Rezension:

Wie eine Rezension beginnen, ohne über das verkorkste Leben, welches in dieser Halbbiografie beschrieben wird,. zu richten? Gebnau das tut man nämlich unweigerlich, wenn man Chai Pinits „Bangkok Boy“ liest. Kopfschüttelt begleitet man den Autor schon bei den Beschreibungen seiner verwöhnten Kindheit, die schon vor dem eigentlichen fanal des Missbrauchs durch einem Lehrer die unheilvolle Zukunft erahnen lässt.

Anders als der Klappentext vermuten lässt begann das Abrutschen des Autoren in den Dreck der Gesellschaft, man kann es wohl so formulieren, schon schleichend im zarten Jugendalter vor der Begegnung mit besagten Lehrer. Aus dem Sumpf sollte Chai Pinit Jahre lang nicht herausfinden.

Es ist eine merkwürdige abstoßende, aber seine Geschichte, die uns der Autor hier vorlegt. Darin beschrieben all der Abschaum, der durch zwielichtigen, gar nicht gut zu heißenden Tourismus gefördert wird und aus dessen Sumpf kaum jemand unbeschadet herausfindet, so er einmal darin versunken ist.

Pinit beschreibt eine Fülle von abstoßenden Situationen, für die er teils selbst die Schuld trägt, die Erkenntnis kam beinahe zu spät, teils aber auch nicht alleine bewältigt hätte. Dies aber so detailliert und erdrückend, dass es schon als Leser an manchen Stellen kaum zu ertragen ist. Oft genug muss man das Buch zuseite legen, oft genug inne halten und durchatmen. Um dann wieder der nächsten Episode im Leben des Autoren folgen zu können.

Erdrückend erzählt er uns von der Schattenwelt seines Lebens und der berüchtigten Metropolen Bangkok und Pattayas, um so bewundernswerter, wie er letztendlich aus diesen Sumpf herausgefunden hat. Dieser Mann hat mehr als neun Leben, doch ist ihm klar, dass ein weiteres wohl nicht mehr zur Verfügung steht.

Darum dieses Buch, welches als Biografie, Aufarbeitung und Verarbeitung von Erlebnissen gelten kann, die dramatischer nicht sein könnten. „Bangkok Boy“ über ein Leben am untersten Rand der Gesellschaft, nahe dem Tod inmitten von Alkohol, Drogen und Sex aber auch über fast zu späte Einsichten, Wendungen und Schicksalsschläge und dem Weg zurück ins Leben.

Autor:

Chai Pinit wurde in einem Dorf in der nordostthailändischen Provinz Sisaket als ältester Sohn einer wohlhabenden und angesehenen Familie geboren. Nach Missbrauch durch einem Lehrer rutschte er in einem Sumpf aus Alkohl, Sex und Drogen und arbeitete als Gogo-Boy in Bangkok und Pattaya. Inzwischen lebt er mit Frau und Kindern in Bangkok und arbeitet als Reiseleiter. Dies ist sein erstes Buch.

Gudrun Pausewang: Auf einem langen Weg

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Auf einem langen Weg Gudrun Pausewang Ravensburger Erschienen am: 01.08.1996 Seiten: 191 ISBN: 978-3-473-52041-1

Handlung:

„Jetzt ist es so weit“, rief die Mutter nervös. „Wir müssen weg. Heute Abend müssen wir auf dem Bahnhof sein. Wir werden in den Westen gebracht.“ Achim verstand nicht, worum es ging. Er war ja auch erst sechs Jahre alt.

Werner aber wusste, was das bedeutete: Die Stadt würde bald beschossen werden. Deshalb sollten vorher alle Frauen und Kinder und alle Alten und Kranken forgebracht werden. Der Zug kommt jedoch nicht weit. Bei einem Bombenangriff werden Werner und Achim von der Mutter getrennt. Sie haben nichts als ihre Wintermäntel. Und eine Adresse: Glauchau. (Klappentext)

Rezension:

Es ist das Schicksal hunderter Kinder, was Gudrun Pausewang hier beschreibt, denn nach Kriegsende gab es wohl unzählige kleine Werner und Achims, deren Familien Richtung Westen flüchteten um den „Horden“ der Roten Armee zu entkommen.

Viele Kinder verloren auf dem langen und beschwerlichen, gefährlichen Weg ihre Eltern ganz oder teilweise aus den Augen und mussten sich alleine durchschlagen. In der Hoffnung, die Eltern wieder zu finden und einfach nur zu überleben.

Dies gelingt Pausewang einfühlsam zu beschreiben, verständlich selbst für junge Leser, die sich wohl mit dieser Thematik, die nur die Groß- oder Urgroßelter-Generation betrifft, beschreibt und so einen Zugang ebnet für die Geschichten vieler Familien.

Der Schreibstil ermöglicht dabei ein leichtes flüssiges Lesen. Die Figuren sind überwiegend sympathisch, vor allem die Brüder Werner udn Achim eignen sich als Identifikationsfiguren.

Ihr Weg, ihre Abenteuer, ihre Gefühle und ihr Kampf ums Überleben werden gerade für Kinder einfühlsam beschrieben, wenn auch gerade Pausewangs Ausdruck auf jüngste Leser geradezu geeicht und für ältere Leser entweder etwas altmodisch aber zumindest manchmal angestrengt rüberkommt.

Inzwischen gibt es viele veröffentlichte Berichte, teilweise von den Zeitzeugen selbst, über die sog. „Wolfskinder“, die ihre Eltern in den letzten Kriegswirren verloren hatten und sich nun alleine durchschlagen mussten. Oft noch über das Kriegsende hinaus, jahrelang. „

Auf einem langen Weg“ ist eine würdige Verarbeitung dieser Thematik und eröffnet für die Kleinsten einen Zugang, so verständlich und einfühlsam, dass diese Geschichte bereits 1984 verfilmt wurde. Das Cover zeigt die beiden Jungschauspieler.

Autorin:

Gudrun Pausewang wurde 1928 in Wichstadtl in Böhmen geboren und floh mit ihrer Familie nach Kriegsende nach Westdeutschland. In Wiesbaden machte sie ihr Abitur und studierte Pädagogik. Danach unterrichtete sie als Grund- und Hauptschullehrerin.

Ab 1965 unterrichtete sie fünf Jahre an der Deutschen Schule in Chile und bereiste wärend dieser Zeit Südamerika. Ende 1963 ging sie nach Deutschland zurück, studierte Germanistik und war wieder als Grundschullehrerin tätig.

Nach einem kurzen Wechsel an einer Deutschen Schule in Kolumbien, kehrte sie entgültig nach Deutschland zurück und schrieb neben ihrer Berufstätigkeit Romane wie „Die Wolke“, wofür sie 1988 den Deutschen Jugendliteraturpreis bekam. 1998 promovierte sie an der Universität in Frankfurt/Main.

Gilles Paris: Der Glühwürmchensommer

Der Glühwürmchensommer Book Cover
Der Glühwürmchensommer Gilles Paris Bloomsbury Berlin Erschienen am: 30.03.2015 Seiten: 221 ISBN: 978-3-8270-12229-6 Übersetzerin: Carina v. Enzenberg

Inhalt:

Eine Mutter, die den lieben langen Tag nur Bücher liest. Eine zweite Mutter, die Landschaften ohne Menschen malt. Und ein Vater, der nicht erwachsen werden will. Ganz normale Familien sehen anders aus. Und doch wünscht sich der neunjährige Victor nichts sehnlicher als das.

In einem denkwürdigen Sommer an der Cote d’Azur könnte sein Wunsch in Erfüllung gehen, wenn er auf die Magie der Glühwürmchen vertraut. (Klappentext)

Rezension:

Jede Familie hat ihre Geheimnisse und die werden selbst vor den eigenen Kindern geheim gehalten. Denn, die sind schließlich zu klein um zu verstehen. Zumindest denken das die Erwachsenen. Und so besteht auch Victors Umgebung für ihn aus lauter Fragezeichen.

Die große Schwester, die ihren Bruder liebt aber ansonsten nur Augen für gleichaltrige Jungs hat und nie den Richtigen findet, ein Vater, der weder mit Menschen und noch weniger mit Geld umgehen kann, Eltern, die sich lieben aber irgendwie auch nicht und sich getrennt haben und zwei Mütter. Ganz und gar chaotisch.

Und so ist Victor froh als er ein wenig Ablenkung in den Sommerferien am Meer erfährt. Dort gibt es nämlich ein gleichaltriges Mädchen, seltsame Zwillingsjungen und auch Spuren, die Victor zur Lösung eines der vielen Rätsel seiner Familie führen werden. Und der Junge weiß, dass nach diesem Sommer nichts mehr so sein wird wie zuvor.

Es ist ein leichter Roman, keine schwere Kost aber allemal amüsant zu lesen, was Gilles Paris sich da aus den Fingern gesogen hat. Es passiert hier nicht viel und wenn, dann nur aus der Sicht des neunjährigen Protagonisten, der die Welt aus Kinderaugen naturgemäß ganz anders sieht als die Erwachsenen in seiner Umgebung.

Wohlfühlliteratur für den Sommer, etwas kitschig aber gerade noch im Rahmen. Man mag Vicotr einfach, von Beginn an und die ganze schrullige etwas chaotische Familie, sucht vielleicht als Leser gleich Parallelen zu seiner eigenen. Irgendetwas wird sich da schon finden.

Die Geschichte lässt sich insgesamt flüssig lesen, auch die nur für Victor spannenden Stellen lassen nicht wirklich inne halten. Müssen sie auch nicht. Insgesamt halte ich aber den Roman, nicht nur wegen dem Cover für schön, schließlich vermag sich doch fast jeder an einen besonderen Sommer seiner Kindheit erinnern, in der die Welt noch perfekt war, es viel zu entdecken und noch einiges an Rätsel gab. Und vielleicht auch diese besondere Magie der Glühwürmchen.

Autor:

Gilles Paris wurde 1959 in Suresnes/Ile de France geboren und jobbte nach seinem Abitur als Kellner, Medikamententester und Bürohilfe. Nach seinem Studium arbeitete er im Ministerium für Jugend und war in verschiedenen Buchverlagen tätig.

Paris gründete eine Agentur für Öffentlichkeitsarbeit und schrieb als freier Journalist Artikel für mehrere französische Zeitungen. Er ist Pressechef eines französischen Verlagshauses und veröffentlichte 1991 seinen ersten Roman. Eines seiner Bücher wird gerade verfilmt. „Der Glühwürmchensommer“ ist sein vierter Roman.

Matt Ruff: Mirage

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Mirage Matt Ruf dtv Erschienen am: 19.06.2015 Seiten: 492 ISBN: 978-3-423-21594-7 (eigentl. 2 1/2 Sterne)

Inhalt:

Das Attentat erschütztert die Vereinigten Arabischen Staaten (VAS) bis ins Mark: am 9.11.2001 fliegen zwei Flugzeuge in die Türme des Welthandelszentrums von Bagdad, ein drittes ins arabische Verteidigungsministerium in Riad, ein viertes stürzt in der Wüste ab.

Die wirtschaftliche Supermacht sagt dem Terror den Kampf an und besetzt die Ostküste von Amerika – ein unbedeutendes Entwicklungsland und vermutlich die Heimat der Terroristen.

Acht Jahre später, die Gefahr ist noch immer nicht gebannt, gelingt es Mustafa al-Bagdadi, Bundesagent für Innere Sicherheit, einen mutmaßlichen Selbstmordattentäter zu verhaften. Von ihm erfährt er Unglaubliches: In Wahrheit seien nicht die VAS die Großmacht, sondern Amerika!

Den ersten Beweis liefert die „New York Times“ vom 12.9.2001, die man in der Wohnung des Terroristen findet: „Angriff auf die USA- Entführte Jets zerstören die Twin Towers und treffen das Pentagon“. Je weiter sich Mustafa und sein Team in Terror- und Spionagekreise vorwagen, desto mehr Fragen bleiben ohne verstandesmäßig erfassbare Antwort… (Klappentext)

Rezension:

Es ist ein interessantes Szenario, das Weltgeschehen einfach mal umzudrehen und diese Idee weiter zu spinnen. Was wäre wenn? Was wäre, wenn die arabische Welt Supermacht wäre und nicht die USA? Was wäre, wenn christliche Fundamentalisten dort einen Anschlag verübt und tausende Menschen getötet hätten?

Und was wäre, wenn sich die arabische Welt in ihrem Feldzug gegen den stattgefundenen Terror verheddert hätte? Was wäre, wenn Sadam Hussein ein zwielichtiger Geschöftsmann mit Verbindungen zur Politik und Osama Bin Laden Senator wäre und arabische Behörden im Streit der Zuständigkeiten um Meinungs- und Ermittlungshoheit kämpfen würden?

So liest sich der Roman von Matt Ruff in einer Mischung aus gesellschaftlichen Spiegel, Fiction und andersartiger Betrachtugn durchaus spannend, zumindest am Anfang. Dann jedoch, so schnell wie die Geschichte an Fahrt aufnimmt, tatsächlich nimmt der Anschlag selbst nur wenige Seiten ein, verliert das Szenario an Geschwindigkeit.

Wie in der realen Welt die Amerikaner, bleibt auch Matt Ruffs Roman buchstäblich im Wüstensand stecken und zeichnet sich vor allem durch Längen aus, die es zu überwinden gilt. Ob das nur ein interessanter Scachzug eben gleich der tatsächlichen Ereignisse ist oder ungewollt, bleibt jedem selbst überlassen.

Jedenfalls wird aus einem spannenden Fiction-Roman hier ganz schnell eine mäßig interessante Geschichte und das liegt nicht an den Beschreibungen skuriler Figuren. Sadam Hussein als gerissener Geschöftsmann hat schon was oder Bin Laden als sich einsetzender exentrischer Politiker.

„Mirage“ ist ein Roman mit einer guten Idee, der sich beruhigt lesen lässt ohne die Terroranschläge an sich ins Lächerliche zu ziehen, doch hätte man aus der Geschichte mehr machen können.

Immerhin hat Jonathan Safran-Foer mit „Extrem laut und unglaublich nah“ gezeigt, wie es sehr viel besser gelingt. So bleibt Ruffs Roman einer, den man gelesen haben kann aber nicht unbedingt muss. Leider.

Autor:

MattRuff wurde 1965 in Queeens/New York geboren und studierte nach der Schule Englische Literatur und Kreatives Schreiben. Er soll bereits mit fünf Jahren beschlossen haben zu schreiben. Seine Magisterarbeit im Studium war gleichzeitig seine erster Roman.

Inzwischen sind von ihm fünf Romane veröffentlicht wurden. 2012 die Parallelgeschichte zu den Terroranschlägen am 11. September. Für seine Romane erhielt Ruff einige Auszeichnungen, wie den Wahington State Book Award for Fiction.

Ralf Rothmann: Junges Licht

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Junges Licht Ralf Rothmann Suhrkamp Erschienen am: 27.02.2006 Seiten: 237 ISBN: 978-3-518-45754-2

Inhalt:

Ralf Rothmann erzählt in der ihm eigenen, eindringlichen Sprache von den letzten Wochen der Kindheit, ihren leisen Schrecken und dem erhellenden Trost: »Wenn du dich für die Freiheit entschieden hast, kann dir gar nichts passieren. Nie.« (Klappentext)

Rezension:

Julian, von allen Juli genannt („Hau ab, Juli. Wir haben August.“), erlebt den letzten Sommer der Kindheit im Ruhrgebiet, in einer kleinen Arbeitersiedlung nahe der Zeche, wo sein Vater und andereKohle abbauen und ans Tageslicht befördern.

So schwer und anstrengend, wie die körperliche Arbeit der Bergleute ist, erlebt der Junge die Tage, die er wenig mit Freunden, oft alleine, verbringt. Merkt, wie seine Kindheit immer schneller ihm entrinnt und ihn in die Welt der Jugendlichen und Erwachsenen treibt.

Er sieht ihren Zwiespalt, ihre Scheinheiligkeiten, Schwierigkeiten und ihre Verlockungen, hier im Rahmen des Nachbarmädchens Marusha. Und immer wieder steht er zwischen den Stühlen, wenn er mal wieder unverschuldet in das eine oder andere Missgeschick und schließlich unter Mamas Kochlöffel gerät oder als intelligenter und künstlerisch begabter Außenseiter von seinen Freunden misstrauisch beäugt wird.

Der Zwölfjährige schlägt sich durch, nimmt alles Positive aus und schafft es, dem grauen Alltag immer wieder auch positive Seiten abzugewinnen. Der letzte Sommer der Kindheit ist ein ganz besonderer.

Sprachlich einfach geschrieben und doch sehr eindrucksvoll präsentiert Ralf Rothmann die Geschichte eines seiner bisher jüngsten Protagonisten im Rahmen seiner „Ruhrgebietsromane“, die man ruhig als eigenes Genre betrachten darf. Die Stimmung im Zechengebiet gut getroffen, nimmt man dem Autoren die Erlebnisse des Jungen ab und taucht damit auch in ein Stück deutscher Geschichte ein, die eine nicht ganz unbedeutende Rolle für dieses damals noch junge Land gespielt hat.

Die Zeilen fließen nur so dahin, der junge Protagonist ist sympathisch, sowie auch die meisten ihm umgebenden Figuren, wenn man von der psychisch angeschlagenen Mutter absieht, die ihre Kinder mit den Kochlöffel züchtigt.

Doch, insgesamt lässt der Roman den Leser nicht wirklich zufrieden zurück. Zwar ist der Abschluss der Geschichte schön, eine „runde Sache“ ist er dennoch nicht. Ein Abschlusskapitel fehlt gefühlsmäßig, was natürlich darauf hindeuten kann, dass die Reihe noch nicht abgeschlossen ist aber unabhängig davon kann man die „Ruhrgebietsromane“ wohl einzeln lesen, ohne die Vorgänger zu kennen.

So ist es zumindest hier der Fall und da tut es der eigentlich sehr guten Geschichte eben nicht gut, keinen Abschluss zu haben. Zwar kann man mit dem Ende leben aber das Tüpfelchen auf dem I, das letzte abgebaute stück Kohle, um in den Sphären des Romans zu bleiben, fehlt. Ralf Rothmanns „Junges Licht“ ist in meinen Augen unspektakulär, wobei das natürlich zu den meisten aller Kindheitssommer passt. Lesenswert ja, leider aber kein großer Wurf, der er hätte werden können.

Autor:

Ralf Rothmann wurde 1953 in Schleswig geboren und ist ein deutscher Schriftsteller. Nach Volks- und einem Besuch einer Handelsschule machte er zunächst eine Lehre als Maurer und nahm danach verschiedene Jobs an, bevor er sich 1976 in Berlin niederließ.

Dort veröffentlichte er 1984 einen Lyrik-Band. Dafür erhielt er 1986 ein Stipendium für Literatur. Sein erster Roman erschien 1991. Er lebt heute als freier Autor in Berlin, verarbeitete seine Kindheit in den sog. „Ruhrgebietsromanen“, die allesamt eine autobiografische Färbung aufweisen und erhielt zahlreiche Preise dafür. Sein Roman „Junges Licht“ wurde 2016 verfilmt.

Max Rhode: Die Blutschule

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Die Blutschule Max Rhode Bastei Lübbe Erschienen am: 14.10.2016 Seiten: 255 ISBN: 978-3-404-17267-2 Alias: Sebastian Fitzek

Handlung:

Die Teenager Mark und Simon können sich keinen größeren Horror vorstellen, als aus der Metropole Berlin in die Einöde Brandenburgs zu ziehen. Das Einzige, worauf sie sich freuen, sind sechs Wochen Sommerferien., doch auch hier macht ihnen ihr Vater einen Strich dirch die Rechnung.

Er nimmt sie mit auf einen Ausflug zu einer ganz besonderen Schule. Gelegen mitten im Wald auf einer einsamen Insel. Mit einem grausamen Lehrplan, nach dem sonst nur in der Hölle unterrichtet wird… (Klappentext)

Gimmick:

Dieses Buch ist ein Gimmick zu Sebastian Fitzeks neuesten Thriller „Das Joshua-Profil“ und sollte vorher gelesen werden. Der Pseudonym Max Rhode ist zugleich Hauptcharakter des letztgenannten.

Rezension:

Ungesehen kann man von Fitzek fast jedes Buch kaufen, auch wenn er es unter einem Pseudonym schreibt. Insebesondere dann, wenn das Pseudonym selbst zur handelnden Figur in seinem nächsten Thriller wird und so lässt sich in der „Blutschule“ ein interessanter und spannender Tag verbringen. Mehr wird man, am Stück, nicht brauchen um das Buch zu beenden.

Die Story selbst hat es in sich. In gewohnter Gruselmanier, hier fast schon Horror, wandelt sich ein an sich friedliches Szenario nach wenigen Seiten in Grauen und Düsternis. Die beiden Hauptfiguren, der 14-jährige Mark und der ein Jahr jüngere Bruder Simon, wachsen einem sofort ans Herz. Um so schlimmer ist das, was sie durchleben müssen.

Der Vater, von einer Art bösen Geist befallen, nimmt sie mit auf eine Insel, um sie auf’s Leben vorzubereiten, was dann heißt, sie seelisch zu zerstören. Aufgaben, wie das Töten eines Tieres oder das Suchen eines Fingers werden nicht nur für die Opfer zur Frage des Überlebens.

Spannung von Anfang an, die auf den letzten Seiten zusätzlich noch einmal verstärkt wird. So stark, dass man es kaum mehr aushält. Weniger Psycho- als Horror-Thriller. Der Schreibstil lässt, wie von Fitzek gewohnt, flüssiges Lesen zu, wozu auch die kurzen Kapitel und unzählige Cliffhanger beitragen.

Ein typischer Fitzek und dann auch wieder nicht. Handlungsmäßig kehrt der Autor aber damit wieder in das Berliner Umland zurück, nachdem sein letztes Werk auf hoher See gespielt hat. Für Fitzek- und Horror-Thriller-Fans ein Muss, für alle anderen nicht allzu leicht genießbare Kost.

Autor:

Das Pseudonym Max Rhode gehört dem Autoren Sebastian Fitzek. Dieser wurde 1971 in Berlin geboren und studierte Jura bis zum ersten Staatsexamen. Danach arbeitete er als Chefredakteur und Programmdirektor für verschiedene Radiosender in Deutschland. Seit 2006 schreibt er Psychothriller, die inzwischen in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden.

Als Autor wurde er vor allem über Internet-Foren bekannt. Seine Bücher beinhalten des Öfteren sog. Gimmicks. Ein weiteres Merkmal von Fitzek als Autor sind experimentelle Lesungen und die intensive Nutzung von Social Media, um mit den Lesern in Kontakt zu treten.

Timothee de Fombelle: Tobie Lolness I – Ein Leben in der Schwebe

Tobi Lolness - Ein Leben in der Schwebe Book Cover
Tobi Lolness – Ein Leben in der Schwebe Timothee de Fombelle Kinderbuch/Jugendbuch dtv junior Taschenbuch Seiten: 408 ISBN: 978-3-423-71412-9

Handlung:

Seit Anbeginn der Zeit lebt Tobias Volk auf der uralten, mächtigen Eiche. Doch nun schwebt Tobie, 13 Jahre alt und gerade mal anderthalb Millimeter groß, in höchster Gefahr – und nicht nur er: Das Leben seiner Eltern und überhaupt des ganzen Baumes liegt plötzlich in seinen Händen. Doch Tobie bleibt wenig Zeit. Eine atemlose Jagd durch die sagenhafte Baumwelt beginnt. (Klappentext)

Reihenfolge der Bücher:

Timothee de Fombelle – Tobi Lolness I – Ein Leben in der Schwebe

Timothee de Fombelle – Tobi Lolness II – Die Augen von Elisha

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Rezension:

Hinter großartigen Covern muss noch lange keine ebenso große Geschichte stecken, doch lohnt es sich hier auf beide Facetten des Buches einzugehen. Weil hier sich eines zum anderen fügt und tatsächlich die „Verpackung“ dem Inhalt gerecht wird.

So hat Francois Plate hier schon einen echten Blickfang aus einem grünen Blätterwald geliefert, über den die Hauptfigur sprintet. Dazu noch der Titel-Schriftzug, der sich fühlbar leicht vom Buchumschlag abhebt, in den selben Grüntönen und ein Cover-Kauf ist vorprogrammiert. Freudig zu sehen, dass sich diese Liebe zu zeichnerischen Details in der Geschichte fortsetzt. Wunderschöne Grauton-Zeichnungen begleiten den Leser durch die Geschichte.

Fast mag man sich an die Geschichte vom kleinen Nick erinnert fühlen, die zwei andere große Franzosen geschrieben und ja, eben gezeichnet haben. Letztere Zeichnungen haben Kultstatus erreicht, Plates Zeichnungen sind insgesamt jedoch detaillierter und ebenso liebevoll.

Die Geschichte selbst könnte auch in unserer Welt spielen. Skrupelloser Bauunternehmer biegt Gesetze für sich zurecht, um seine Pläne zu verwirklichen, beeinflusst die Regierenden und räumt unliebsame Gegner aus dem Weg. Nur würde das in der Zielgruppe Kinder/Beinahe-Jugendlicher wohl keiner lesen.

Und so verpackt de Fombelle diese Erzählung sprichwörtlich luftige Höhen, lässt die Menschenwelt auf Millimeter-Größe schrumpfen und macht einen 13-jährigen Knirps zum Helden. Gerade einmal anderthalb Millimeter groß wird Tobie vom brutalen Bauunternehmer Jo Mitch gejagd, schließlich ist er der Einzige, der seine grausamen Pläne gefährdet.

Die Eltern von Tobie, seine Mutter und sein Vater, Wissenschaftler, die sich für Fragen interessieren, wie „Gibt es Leben außerhalb des Baumes?“, sind da schon längst kalt gestellt. Doch Tobie gibt nicht auf. Doch, um seine Eltern zu retten, muss er an Jo Mitch und seine Schergen vorbei.

Eine wunderbare Geschichte über Freundschaft und Verrat, Mut und Angst, Umwelt und dem empfindlichen Gleichgewicht von Leben. Unserer realen Welt nicht unähnlich erlebt auch Tobie, wie eine empfindliche Störung des ökologischen Gleichgewichts nicht nur seine Welt, sondern auch sein Leben zerstört.

Doch, er lernt auch sich zu behaupten, in einer ihm feindlich gesinnten Umgebung und dass es Hoffnung ist, die bekanntlich zuletzt stirbt. Sehr gut lesbar für alle Altersgruppen, zu empfehlen auch für Erwachsene, die die Verantwortung dafür tragen, einen lebenswerten Planeten der nächsten Generation zu übergeben. Denn, sonst muss diese irgendwann genau so kämpfen zu Überleben wie Tobie Lolness selbst. Wir sollten uns selbst überlegen, ob wir das wirklich wollen.

Autor:

Timothee de Fombelle wurde 1973 in Paris geboren und ist ein französischer Schriftsteller und Dramatiker. Mit 17 Jahren gründete de Fombelle eine Theatergruppe, für die er selbst Stücke schrieb und inszenierte. Für eines dieser Stücke erhielt er in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Clement Sibony den Prix du Souffleur (2002) und wurde als Theaterautor bekannt. Heue ist er einer der bekanntesten franzöischen Schriftsteller.

Sein Jugendbuch „Tobie Lolness“ wurde in 26 Sprachen übersetzt und u.a. mit den meisten französischen Jugendliteraturpreisen sowie den italienischen Andersen-Preis ausgezeichnet. Der Auftakt der Duologie errschien erstmals 2008 in Deutschland.