Abenteuer

Hans Fricke: Unterwegs im blauen Universum

Unterwegs im blauen Universum Book Cover
Unterwegs im blauen Universum Hans Fricke Galiani Berlin Erschienen am: 05.03.2020 Seiten: 347 ISBN: 978-3-86971-202-4

Inhalt:

Abenteuer Wissenschaft: Hans Fricke ist eine Mischung aus Jacques Cousteau, Konrad Lorenz und Indiana Jones, ein besessener Meeresforscher und Taucher.

Mit dem Fahrrad fuhr er bis ans Rote Meer, um dort zu tauchen, baute ohne eigene finanzielle Mittel ein Unterwasserhaus und suchte nach einem einzigen Aalei in den Weiten des Pazifiks. Der Meeresbiologe erzählt von seinen Forschungsstationen, in denen er nach Quastenflossern, Wasserflöhen und alten historischen Rätseln suchte. Immer unterwegs im blauen Universum. (abgewandelter Inhaltstext)

Rezension:

Mit Feuerlöscher und Gasmaske baute sich der elfjährige Junge, der später einer der profiliertesten deutschen Meeresbiologen werden sollte, eine eigene Tauchausrüstung und begann damit ein beispielloses Stück Wissenschaftsgeschichte zu schreiben.

Später, aus der DDR geflohen, wurde Hans Fricke zum Bewunderer und Schüler von Konrad Lorenz, schlüpfte in die Schuppenhaut der Fische und begann das blaue Universum zu erforschen. Nun liegt im Verlag Galiani Berlin seine erstaunliche Biografie vor, voller spannender Episoden aus seinem Forscherleben.

Wissenschaft ist keinesfalls dröge, sondern derart facettenreich, dass man sich schon auf einzelne Personen konzentrieren muss, um den interessanten Anekdoten hinter einzelnen Forschungsprojekten auf der Spur zu kommen.

Hans Fricke erzählt von seinen Projekten und damit auch ein Stück Wissenschaftsgeschichte, die er selbst mit viel Improvisationstalent zu bewältigen musste. Meeresbiologie so zeigt der Autor, ist eben nicht nur das Beobachten von Korallen oder bestimmten Fischarten, sondern führt an erstaunliche Orte, deren faszinierende Welt sich erst unter der Wasseroberfläche erschließt.

Dabei kann man dann auch schon mal in tiefe Brunnen absteigen oder zum Bergungshelfer der örtlichen Polizei werden.

Diese Aneinanderreihung der Ereignisse ist es, die Hans Frickes Mischung aus Biografie, Geschichte und Sachbuch so lesenswert macht. Nachvollziehbar und keineswegs abgehoben erzählt er von Herausforderungen, die ihm zu technischen Meisterleistungen angetrieben haben, aber auch von den Grenzen der Wissenschaft, die nicht selten durch behördliche Zwänge entstehen.

Dabei wird deutlich, dass Forschungssprojekte zunächst wahre Geduldsproben sind und des Rätsels Lösung mitunter erst nach Jahren zufällig auftaucht, was einzelne Objekte betrifft. In kurzweiligen Kapiteln berichtet der Meeresbiologe aus seinem Leben.

Man lese und staune, was alles zu Forschungsprojekten eines solchen werden kann und dass es oft das kleine Unscheinbare ist, welches die erhofften oder ganz und gar überraschende Erkenntnisse erbringt.

In der deutschen Forscherriege hat sich Hans Fricke nicht zuletzt durch seine mit selbst konstruierten U-Boote einen Namen gemacht, aber auch sonst ist dieses Stück Wissenschaftsgeschichte unterhaltsam zu lesen, wenn auch einige Episoden gerne etwas ausführlicher beschrieben werden können.

Hans Fricke zeigt aber auch ein Stück Naturgeschichte und erklärt, wie unsere Riffe sich im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert haben, worauf künftige Generationen achten müssen, um es nicht zu verlieren. Der Autor ist zugleich jedoch Inspiration für große und kleine Forscher, zeigt, was möglich ist, wenn man nur Ausdauer entwickelt, Ideen nachgeht und Träume verfolgt. Zur Not auch unter Wasser.

Autor:

Hans Fricke wurde 1941 in Schönbeck(Elbe) geboren und ist ein deutscher Biologe und Tierfilmer. Er studierte zunächst Biologie in Berlin, promiverte 1968 und habilitierte 1978 in München im Fach Zoologie.

Als Gastwissenschaftler war er am Max-Planck-Institut für Verhaltenspsychologie in Seewiesen tätig, wo er mit Konrad Lorenz zusammenarbeitete, später nahm er eine Gastprofessur der hebräischen Universität Jerusalem an.

Seit 1988 ist er in München tätig. Forschungsgebiete sind die Ökologie und das Sozialverhalten mariner Organismen.

Für Zeitschriften und Magazine schrieb er zahlreiche Artikel. Für Dokumentationen wurde er mehrfach ausgezeichnet. Bekannt wurde er durch den Einsatz mit- und selbstkonstruierter U-Boote Geo und Jago, mit denen er u.a. das Verhalten der Quastenflosser erforschte.

Der Meeresbiologie hat 10.000 Stunden unter Wasser verbracht und isst kein Fisch.

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Christopher Kloeble: Das Museum der Welt

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Das Museum der Welt Autor: Christopher Kloeble Verlag: dtv Erschienen am: 21.02.2020 Seiten: 528 ISBN: 978-3-423-28218-5

Inhalt:

Bartholomäus ist ein Waisenjunge aus Bombay, er ist mindestens zwölf Jahre alt und spricht fast ebenso viele Sprachen.

Als Übersetzer für die deutschen Brüder Schlagintweit, die 1854 mit Unterstützung Alexander von Humboldts zur größten Forschungsexpedition ihrer Zeit aufbrechen, durchquert er Indien und den Himalaya.

Bartholomäus verfolgt jedoch einen ganz eigenen Plan: Er selbst möchte das erste Museum seines großen und widersprüchlichen Landes gründen. Dafür riskiert er alles, was ihm etwas bedeutet, sogar sein Leben. (Klappentext)

Rezension:

Als das British Empire an seinen Rändern erste Auflösungserscheinungen zeigt, die Kolonien in Neuengland strebten Mitte des 19. Jahrhunderts nach Unabhängigkeit, begann man anderswo gerade erst, seine Vorherrschaft zu festigen.

Mit Hilfe von Pionieren, Glücksrittern und Entdeckern, dem Handel und starken Militär sicherte sich England den riesigen indischen Subkontinent im Spiel der Großmächte. Expeditionen wurden gefördert, um weiße Flecken von der Landkarte zu tilgen und Besitzanspruch zu markieren. Mittendrin drei Deutsche, deren Weg heute fast vergessen ist.

Unter Fürsprache des preußischen Königs und Empfehlung Alexander von Humboldts machten sich 1854 die Gebrüder Schlagintweit auf, Indien für das englische Königshaus und die britische East India Company zu ergründen. Die Bergsteiger und Wissenschaftler unternahmen eine bis dato beispiellose Expedition, erforschten mal gemeinsam, mal getrennt, von Bombay ausgehend, atemberaubende Landschaften, drangen bis nach Nepal und Tibet vor, um ihren in Europa gegebenen Auftrag zu erfüllen.

Unter all den Dingen, zu denen ich mitgewirkt, ist Ihre Expedition bzb eube der wichtigsten geblieben. Es wird mich dieselbe noch im Sterben erfreuen.

Alexander v. Humboldt, Brief an die Brüder Schlagintweit, im Roman abgedrucktes Zitat.

Der Schriftsteller Christopher Kloeble hat sich nun diesem historischen Stoff angenommen und daraus einen Abenteuer- und Expeditionsroman gewoben, der seines Gleichen sucht. Hauptfigur hier, der Waisenjunge Bartholomäus, der zunächst unwillig die drei Brüder begleitet, beobachtet und nicht nur die Ingrez, Indien und schließlich sich selbst kennenlernt.

Aus der Sicht des Hauptprotagonisten wird die Geschichte erzählt. Detailreich lässt der Autor das Indien der Kolonialzeit wieder aufleben, zeigt, wie erste zarte Sprosse einer Unabhängigkeitsbewegung wuchsen, die erst etwa hundert Jahre später zum Erfolg führen sollten.

Zugleich ist dem Autor ein wunderbarere Coming of Age Roman gelungen, der feinfühlig vom Aufwachsen in unklaren Verhältnissen, Ängsten berichtet, parallel Bartholomäus mit zunehmender Seitenzahl Erfahrung und Selbstsicherheit angedeihen lässt. Umgeben von Lüge und Verrat.

Werde ich den Verräter auch bald als Freund bezeichnen?

Der Hauptprotagonist Batholomäus in „Das Museum der Welt“ von Christopher Kloeble.

Die Spannung eines solchen starken Stoffes fehlt nicht. Tatsächlich hat Kloeble hier keine Längen entstehen lassen, sondern das richtige Maß gefunden, etwa zwischen ausführlicher Beschreibung von Handlungen und Landschaften, ohne in irgendeinem Bereich zu übertreiben oder seine Leser zu unterfordern. Auch kitschig wirkt das alles nicht.

Die Kapitelgliederung folgt der Expedition, deren Beschreibung nahe an der Wahrheit liegt, zumindest im Verlauf, und den Beobachtungen des jungen Bartholomäus‘. So werden nicht nur Orte und Gegenstände zu bemerkenswerten Objekten, auch die Protagonisten unter dem sensiblen Augenmerk des Hauptprotagonisten.

Dies hält den Spannungsbogen, der von der klaren und dichten Sprache des Autoren bestimmt ist. Dieser Roman ist eine gelungene Mischung aus Expeditionsgeschichte, Abenteuer und Coming of Age, Gesellschaftskritik und Landesgeschichte, wie sie nur selten zu finden ist. Somit ist das Werk Teil des Museums der Welt, des ersten Museum Indiens, welches Bartholomäus zusammentragen möchte.

Ich kann nur jedem Leser empfehlen, es zu ergründen.

Autor:

Christopher Kloeble wurde 1982 in München geboren und ist ein deutscher Schriftsteller und Drehbuchautor. Er war Mitglied im Tölzer Knabenchor und besuchte bereits als Schüler den Manuskriptum-Kurs der Ludwig-Maximillians-Universität München.

Er studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und veröffentlichte in diversen Zeitschriften. Parallel dazu schrieb er diverse Drehbücher für Film und Fernsehproduktionen. Für seine Werke erhielt er zahlreiche Stipendien und Preise. Kloeble lebt in Neu-Dehli und Berlin.

Zusatzinformationen:

Die Nachfahren der realen Gebrüder Schlagintweit haben hier Informationen und Hintergründe zur Geschichte ihrer Vorfahren zusammengestellt. Die abgebildete Karte findet sich auch im Roman wieder.

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Peter Balko: Zusammen sind wir unbesiegbar

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Zusammen sind wir unbesiegbar Peter Balko Hanser/Zsolnay Verlag Erschienen am: 17.02.2020 Seiten: 157 ISBN: 978-3-552-05974-0 Übersetzerin: Zorka Ciklaminy

Inhalt:

Nichts kann sie auseinander-bringen, davon sind Leviathan und Kapia überzeugt. Bis eines Tages die Ereignisse rund um einen harmlosen Kuss ihre Freundschaft doch gefährden… Peter Balko erzählt unterhaltsam und sehr warmherzig die Geschichte von Tom Sawyer und Huckleberry Finn an der ungarisch-slowakischen Grenze. (Klappentext)

Rezension:

Eine Geschichte wie ein Knall und eine Erzählung, die ihre Leser fordert. So kommt Peter Balkos Kurzroman, gleichsam Novelle, „Zusammen sind wir unbesiegbar“ daher, die kürzlich aus dem Slowakischen übersetzt wird.

Das Autorendebüt nimmt sich den Zusammenhalt, oder auch nicht, einer Kinderfreundschaft vor, die zumindest auf den ersten Blick ungewöhnlicher nicht sein könnte. Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und gleichen sich zuweilen aus.

Eine Kleinstadt an der slowakischen ungarischen Grenze, lebendig durch die Beschreibung ihrer schrulligen Protagonisten, erlebt durch die zwei Hauptfiguren, die dies zu ihrem Kindheitsparadies machen. Erzähler ist der etwa achtjährige Leviathan, Anspielungen an die mysthische Figur aus antiker Zeit sind durchaus gewollt, der ungelenk und schüchtern seinen Platz in der Familie, der Klasse und seiner Umgebung sucht.

Sein Blick ist es, an dem die Leser sich heften und die Geschichte verfolgen werden, auch auf den gegensätzlichen Freund Kapia schauen, der grob, brutal, doch voller Phantasie und loyal gegenüber Leviathan ist. Beide schließen ob der Ereignisse um ihnen herum eine scheinbar unüberbrückbare Freundschaft.

Erzählt wird vom rauen und nicht einfachen Leben in einer Kleinstadt, in der jeder jeden kennt und die einzelnen Marotten ihrer Bewohner den Verlauf der Geschichte bestimmt. Schule, Kinderstreiche und -ängste bestimmen den Alltag, bei genauerer Sicht auch das Schicksal zerüttelter Familien und die Nachwirkungen der Zeit.

Die heilt, zumindest hier, nicht alle Wunden. Die erste Liebe wird ebenso thematisiert, wie der Tod, dies alles mit einem humorigen Blick, den der Autor behutsam einfließen lässt. Wie käme man sonst dazu, ein Meerschwein Ivan den Schrecklichen zu nennen?

Die Mischung wird nicht jedem liegen. Über Strecken ergeben sich Längen, die die Erzählung nicht schnell konsumieren lassen. Doch insgesamt funktioniert die Vielfalt gut, wenn Peter Balko auch gut daran getan hätte, hier und da zu kürzen, zu verdichten, an anderer Stelle widerum mehrere Seiten hinzuzufügen.

Das Ende der Geschichte geben Klappentext und die Namen der Protagonisten vor. Der Knall könnte kaum größer sein. Der Autor scheint überhaupt eine Vorliebe für scharfe Brüche zu haben. Hier passt es mal.

Wer schwierige flirrende Novellen nicht scheut, ist mit dieser Geschichte gut bedient. Für alle anderen braucht’s schon eine besondere Stimmung, sich diese Erzählung zu Gemüte zu führen, zumal der Autor sich nicht ganz einfacher Elemente seiner Biografie bedient. Als wäre alles andere nicht schon Stoff genug.

Autor:

Peter Balko wurde 1988 in Lucenec geboren und ist ein slowakischer Schriftsteller und Drehbuchautor. „Zusammen sind wir unbesiegbar“, ist sein Autorendebüt, für das er bereits zahlreiche Preise erworben hat. Sein Werk wurde 2020 erstmalig ins Deutsche übersetz

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Edward Brooke-Hitching: Der Goldene Atlas

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Der Goldene Atlas Edward Brooke-Hitching Verlag: dtv Erschienen am: 25.10.2019 Seiten: 256 ISBN: 978-3-423-28207-9 Übersetzer: Lutz-W. Wolff

Inhalt:
Das Zeitalter der großen Entdeckung reichte von der Antike bis hinein ins vergangene Jahrhundert. Die Erkundungsfahrten von arabischen und persischen Flotten trugen ebenso zu unserem Verständnis von der Welt bei, wie die der Schatzsucher und Glücksritter, bis hin zu den zum Scheitern verurteilten Polarreisenden, die das arktische Eis verschlang.

Dieser Band versammelt Bekanntes und Unbekanntes voller überraschender Fakten und bislang unveröffentlichten Karten. Unterhaltsam berichtet der Autor davon, wie die weißen Flecken der Welt langsam verschwanden. (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:
Das Zeitalter großer Entdeckungen ist noch gar nicht so lange her, schon muten die Geschichten darüber an, wie Legenden oder Märchen. Doch waren verlustreiche Fahrten und Expeditionen nötig, um in Zeiten vor Google Maps und satellitengestützter Geografie, sich einen Überblick über die bestehenden Verhältnisse zu verschaffen.

Wagemut, Glück und Unglück, Gier oder Machtstreben lagen nah bei einander, sehr viel später sollte reine Entdeckerlust oder gar Reisefreude ausschlaggebend sein, um die letzten weißen Flecken auf den Landkarten mit Informationen zu füllen.

Der englische Autor Edward Brooke-Hitching fühlt anhand von Karten- und Archivmaterial den Werdegang der großen Expeditionen und Forschungsreisen nach, die unseren Blick auf die Welt für Jahrhunderte schärfen sollten.

Schon mit den Vorgänger-Band hat der Autor unter Beweis gestellt, dass anhand von Kartenmaterial die erstaunlichsten Geschichten zu erzählen sind. Dies führt er in gewohnter Weise mit seinem neuesten Werk „Der Goldene Atlas“ fort.

Sind es diesmal nicht Pseudo-Inseln oder andere geografische Phänomene, die es an sich gar nicht gibt, spielen diesmal die großen Erkundungsfahrten der Seefahrer die Hauptrolle.

In kurzweiligen Kapiteln, immer ergänzt und grafisch aufbereitet mit ausgiebigen Karten- und anderen Bildmaterial, erzählt Brooke-Hitching von den Polarexpeditionen Amudsens und Scotts, aber auch von den Reisen Marco Polos, der Wikinger und noch zahlreichen weiteren, mit deren Hilfe unsere Vorfahren sich die Welt erschlossen.

Einem Zeitstrahl folgend, bewegt sich der Autor von der Antike bis hinein ins zwanzigste Jahrhundert und stellt dabei nicht nur die genannten, schon bekannteren Expeditionen vor, sondern auch jene wagemutigen Männer, später auch Frauen, die bei diesen Unternehmungen manchmal mehr als Kopf und Kragen riskierten.

Wieder ist dies kein tröger Geschichtsunterricht zwischen zwei Buchdeckeln, sondern eine Einladung, zumindest gedanklich diese Abenteuer mit zu erleben. Auch zahlreiche, überwiegend unbekannte Entdeckerfahrten sind in diesem Band aufgelistet, dessen Aufmachung schön, wie Informationsgehalt berauschend ist.

Auch für dieses Werk hat der Autor wieder seine ganze Leidenschaft und eine unglaubliche Menge an Archiv- und Recherchearbeit einfließen lassen, so dass das Zeitalter der Entdeckungen förmlich greifbar ist. Eine Hand voll Seiten pro Expedition, mehr braucht es da nicht.

Wer die Augen schließt oder in die Betrachtung der Karten versinkt, kann förmlich die Strapazen der Expeditionen Humboldts, Magellans oder Berings auf der eigenen Haut spüren. Edward Brooke-Hitching zeigt, wie nah oft Erfolg und Misserfolg bei einander lagen und was auch gescheiterte Unternehmungen zum Verständnis unserer Welt beitrugen.

Die Hartnäckigkeit etwa, mit der nach Wasserstraßen und Wegen rund um den Erdball gesucht wurde, ist zu bewundern. Die Motive und Erfolge der Teilnehmer solcher Reisen mögen unterschiedlich gewesen sein, Brooke-Hitching zollt diesem jeden einzelnen Unternehmen großen Respekt.

Sicher ist nur eines. Immer noch gibt es genug Flecken auf der Erde, die es zu erkunden gilt.

Autor:
Edward Brooke-Hitching ist Sohn eines Antiquars und arbeitete bei mehreren Zeitungen und am Theater, bevor er einen Abschluss in Filmwissenschaft an der University of Exeter machte. Als Dokumentarfilmer gewann er mehrere Preise. Im Jahr 2016 wurde seine „Enzyklopädie der vergessenen Sportarten“ veröffentlicht.

Ausgangspunkt zu seiner Recherche geografischer Phänomene war eine alte Landkarte im Familienbesitz. Brooke-Hitching sammelt Werke über englische Forscher und Entdecker und lebt in London.

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Aimee Carter: Animox 1 – Das Heulen der Wölfe

Das Heulen der Wölfe Book Cover
Das Heulen der Wölfe Animox – Band 1 Kinderbuch/Jugendbuch Oetinger Hardcover Seiten: 376 ISBN: 978-3-7891-4623-7

Inhalt:
Simon ist ein ganz normaler Junge – mit einem großen Geheimnis: er kann mit Tieren sprechen. Doch als ein Adler ihn vor den wilden Bestien des Tierreichs warnt und seine Mutter von einer Horde ratten entführt wird, verändert sich Simons Leben schlagartig.

Endlich erfährt er die Wahrheit über seine Gabe: Er ist ein Animox – ein Mensch, der sich in ein Tier verwandeln kann! Wird auch er zum Wolf animagieren wie sein Onkel? Schon steckt Simon mitten in der erbitterten Schlacht der fünf Tierkönigreiche und erkennt bald seine wahre Bestimmung: Er muss die geheime Welt der Animox vor der Vernichtung retten… (Klappentext)

Zuordnung:
Dies ist der erste Band der Reihe „Animox“.

Rezension:
Die Fähigkeit, mit Tieren zu sprechen, ist für Simon Thorn, einen zwölfjährigen Jungen, Alltag und zugelich Handicap, gilt er dadurch zugleich als Sonderling in seiner Umgebung. Der Junge, der kaum Freunde hat und nahezu täglich in Konfrontation mit seinen Klassenkameraden gerät, möchte mit den Wechsel in die neue Schule nicht auffallen, was gar nicht so leicht ist, gerät er gleich zu Beginn in eine Auseinandersetzung. Zu allem Überfluss scheint auch noch die Tierwelt verrückt zu spielen.

Schnell kommt Simon einem Geheimnis auf die Spur. Er ist ein Animox, ein Gestaltwandler. Doch, in welches Tier er sich verwandeln kann, ist zunächst unklar und auch unwichtig, muss sich der Junge einer drängenden Frage stellen. Wer hat ihn, und warum, von seiner Mutter und seinem Onkel getrennt? Nur die Vertreter der Tierreiche können ihn jetzt noch helfen. Doch, wem soll Simon vertrauen?

Ein spannender Reihenauftakt und eines der ersten Bücher, der gerade in Mode zu scheinenden Reihen, die das Thema Gestaltwandlung zur Geltung bringen. Wieder einmal in Amerika spielend, wo die Mythen der Urbevölkerung genug Stoff für interessante Ansätze bieten, wird hier der Inhalt in den Großstadtdchungel übertragen und eine Auseinanderfigur zum Hauptptagonisten erwählt, mit dem sich junge Leser gut identifizieren können.

Dabei geht es gleich zum Auftakt rasanter zu als etwa in der Variante „Woodwalkers“ der deutschen Autorin Katja Brandis, was für erheblichen Schwung im Handlungsverlauf sorgt, der bis zum Ende des ersten Bandes auch durchgehalten wird. Nichts destotrotz hat „Das Heulen der Wölfe“ seine ruhigen Momente, wenn sie auch rar gesät sind.

Die Protagonisten sind feinfühlig ausgearbeitet und gerade zu Beginn nicht dem üblichen Gut-Böse-Schema leicht zuzuordnen, welches man heutzutage allzuoft in Kinderbüchern findet. Aimee Carter traut ihren Lesern offenbar zu, sich auch zwischen Graustufen zurecht zu finden, was sich sehr angenehm liest.

Ein weiterer Pluspunkt, mit den „Animox“-Büchern findet sich eine weitere Reihe in den Regalen, die auch das Interesse von Jungen weckt, eine für Verlage traditionell schwerer zu erreichende Zielgruppe, wenngleich es auch für Mädchen hier vielschichtige Protagonisten gibt, mit denen man sich identifizieren kann.

Kurzweilige und fassbare Kapitel mit zahlreichen Cliffhangern und überraschenden Wendungen tragen zum Lesegenuss bei. Der Spannungsbogen und klare Handlungsverlauf wird bis zum Ende zielgerichtet verwoben. Protagonisten mit vielschichtigen Charkterzügen und Absichten tragen das Ihrige dazu bei.

Es ist Urban Fantasy für Kinder oder junge Jugendliche, die spannender kaum ausgearbeitet sein könnte, so dass auch ältere Leser ihren Spaß an dieser Reihe haben können. Vorausgesetzt, Aimee Carter hält die spannende Erzählstruktur und klare Sprache bis zum Ende durch. Für den Auftakt gilt dies in jedem Fall.

Eine klare Leseempfehlung gibt es hierbei und auch gleich einmal kuriose Fakten zur Entstehung und Publizierung dieser Reihe. Die Autorin ist im englischen Sprachraum zu Hause und diese, ihre ersten Bücher, wurden in Amerika durchaus gut vom Publikum aufgenommen, waren erfolgreich.

Der amerikanische Verlag glaubte jedoch nicht an den weiteren Erfolg der Reihe und so warten die amerikanischen und englischen Kinder und Jugendlichen nach Band 3 händeringend auf die Fortsetzung der Reihe.

Deutsche Leser haben da mehr Glück, ein Verdienst des Verlages Oetinger, der sein Publikum nicht auf den Trockenen sitzen ließ und alle geschriebenen Bände auch publizierte. Meist ist es eher umgekehrt, doch hier können die deutschsprachigen Leser mit Simon Thorn den vollständigen Weg durch die Welten der Tierreiche beschreiten, wozu man nach diesem Band unbedingt Lust hat, diese Reihe weiter zu verfolgen.

Es lohnt sich.

Autorin:
Aimee Carter wurde 1986 geboren und ist eine amerikanische Jugendbuch- und Young-Adult-Schriftstellerin. Sie studierte an der Universität Michigan und schrieb mehrere Reihen für Kinder und Jugendliche. Sie wurde 2017 mit der Kalbacher Klapperschlange ausgezeeichnet, einen undotierten Literaturpreis, der durch eine Kinderjury vergeben wird.

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Catherine Bruton: Der Nine Eleven Junge

Der Nine Eleven Junge Book Cover
Der Nine Eleven Junge Autorin: Catherine Bruton Jugendbuch Bastei Lübbe/Baumhaus Hardcover (vergriffen) Seiten: 385 ISBN: 978-3-8339-0032-7
Verlinkt ist das E-Book.

Inhalt:

Ben war erst zwei jahre alt, als sein Vater bei den Anschlägen auf das World Trade Center ums leben kam und hat kaum Erinnerungen an ihn. Seitdem Ereignis hat er eine Sonderstellung, ist der Nine-Eleven-Junge. Zusammen mit seinem Cousin Jed verbringt er den Sommer bei seinen Großeltern und mit den Nachbarsmädchen Priti möchten sie Helden sein.

Held ist, wer Ehrenmorde verhindern kann und Terroristen schon von Weitem erkennt. Doch, wie so oft, kommt alles anders als man denkt. Ein Roman über die Folgen des 11. September für unser Denken in der Gesellschaft, über Trauer und Verlust, Vergessen, Familie und Freundschaft, Vorurteilen und falschen Verdächtigen, der zeigt, wie Nine-Eleven bis heute nachwirkt. (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:

Zunächst ist es immer hilfreich, wenn sich ein Roman irgendwie in ein Genre einordnen lässt, doch diesen Gefallen tut uns Catherine Bruton mit ihrem Debüt nicht wirklich. Zwar wird „Der Nine Eleven Junge“ als Jugendbuch vertrieben, in der deutschen Übersetzung von Dietmar Schmitt als ein Imprint von Bastei Lübbe, doch kann man dieses Werk auch viel weiter fassen.

Vom Alter der Protagonisten her ist es eher an der Schwelle zum Jugendbuch einzuordnen, ansonsten All-Age-Literatur, mit ihrer Thematik ohnehin speziell.

Erzählt wird die Geschichte des zwölfjährigen Ben, der mit seinem ein Jahr älteren Cousin Jed und den Nachbarsmädchen Priti einen unvergesslichen Sommer verbringt. Alle drei haben einen besonderen Hintergrund, allen voran der scharf gezeichnete Hauptprotagonist, dessen Vater als einer der wenigen britischen Staatsbürger bei den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 ums Leben kam.

Ben hat seitdem eine Art Sonderstellung, aber auch Jed und Priti haben jeweils ihre eigene Geschichte und freunden sich, so ungleich sie auch sind, miteinander an. Die Autorin erzählt dabei von Suche und Wahrheitsfindung, Verarbeitung und falschen Verdächtigungen, Schuld und in wie fern dieses schreckliche Ereignis auch heute noch wirkt.

Die Sprache der Protagonisten, nicht des Romans, ist zuweilen plump und bleibt oberflächlich, dennoch hat Catherine Bruton wandlungsfähige Protagonisten geschaffen und sich parallel entwickelnde Handlungsstränge, wobei der Fokus ganz klar auf die drei angehenden Teenies angelegt ist. Leider kommt dabei der erhobene Zeigefinger nicht allzu kurz, jedoch ist dieses Element der, aus der Ich-Perspektive geschriebenen, Geschichte vielleicht auch typisch für ein Jugendbuch, welches die Autorin wohl geschaffen haben wollte.

Die Handlung an sich ist schlüssig, hat aber einige Schwachstellen. Diese sind schon in den Charaktereigenschaften der Protagonisten angelegt, die gerade am Beginn der Geschichte einen gewissen Nervfaktor besitzen.

Davon abgesehen jedoch, liest sich der Roman flüssig und schnell, hat als kleinen Clou sogar am Ende einen Manga-Comic eingebaut, verbindet damit ohnehin schon verschiedene Genre der Literatur. Der Comic selbst spielt mit seiner Entstehung eine entscheidende Rolle im Buch, ist das Produkt der Verarbeitung der Geschehnisse um den Hauptprotagonisten. Mehr soll und kann nicht verraten werden.

Es lohnt sich jedoch, beide Teile als Einheit zu betrachten.

Die Geschichte mit Schwächen handelt von Freundschaft und Vertrauen, Verstehen wollen und Verarbeitung, jedoch auch von falschen Verdächtigungen und was sie auslösen. Catherine Bruton zeigt, wie dieses Ereignis teilweise immer noch das Denken der Gesellschaft prägt und welche Nachwirkungen daraus entstanden sind.

Nochmal, der Roman wird als Jugendbuch gehandelt, ist jedoch viel mehr. Als solche sollte er behandelt werden.

Autorin:

Catherine Bruton studierte in Oxford und unterichtete später selbst als Lehrerin. Für Online Portale und angesehene Zeitungen und Magazine, wie The Times oder the Guardian arbeitete sie als Journalistin. Mit ihrer Familie lebt sie in London. Dies ist ihr erstes Jugendbuch.

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Reinhold Messner: Gobi

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Gobi – Die Wüste in mir Reinhold Messner Dumont/mairdumont Erschienen am: 25.01.2019 Seiten: 272 ISBN: 978-3-7701-8294-7

Inhalt:

Mit 60 Jahren wagt Reinhold Messner einen letzten großen Grenzgang zwischen Leben und Tod. Einem alten Traum folgend, will er die Längsdurchquerung der Wüste Gobi versuchen – allein und völlig auf sich gestellt. Die 2000 Kilometer lange Wanderung durch die Westgobi und über das Altai-gebirge wird für ihn zu einer nie dagewesenen Grenzerfahrung, physisch und psychisch, und zu einem Akt der Selbstbestimmung mit ungewissem Ausgang. (Klappentext)

Rezension:

Um so mehr Technologie und Infrastruktur entwickelt werden, um so bezwingbarer ist die Natur. Eisflächen werden schon aufgrund des Klimawandels überwindbar. Berge schrumpfen förmlich zu Hügeln. Die Zeiten, in denen Bergsteiger und Abenteurer für kleine Fehler mit ihren Leben bezahlen mussten, sind auf wenige Momente zusammengeschrumpft.

Und doch, die Natur ist weiterhin in vielen Momenten unberechenbar. Der Bergsteiger und Extrem-Abenteurer Reinhold Messner machte sich 2004 auf, zu einer seiner letzten Expeditionen, dieses Mal nicht in der Vertikalen, sondern dem Horizont entgegen. Längs durch die Wüste Gobi.

Es ist ein eindrücklicher Erfahrungsbericht der hier neu aufgelegt wird. Ursprünglich 2005 in einem anderen Verlag erschienen, wird mit dieser Neuauflage einem der größten Abenteurer unserer Zeit noch einmal Tribut gezollt. Reinhold Messner hat in seinem Leben von Anfang an gezeigt, was mit genug Demut vor der Natur zu erreichen ist, nicht zuletzt, wenn man auf die örtlichen Gegebenheiten achtet und die Hilfe der Menschen vor Ort annimmt.

Der Bergsteiger, der nach 60 Lebensjahren ahnt, dass seine Kräfte für künftige Unternehmungen der Superlative nicht mehr ausreichen werden, wollte es 2004 noch einmal wissen und begab sich auf einen Trip, der fast mehr noch als die Besteigung des Mount Everest, ihn fordern sollte.

Die Gobi, uns Europäern nahezu unbekannte Wüste, Heimat eines stolzen Reitervolkes, Dschingis Khan. Mehr Assoziationen hat der Durchschnittseuropäer wohl nicht, um so faszinierender war für den Südtiroler die Erfahrung, sich von Nomadenlager zu Lager, von Jurte zu Jurte durchzuschlagen.

Immer im Kampf mit den wechselhaften Temperaturen, den Durst und den durch die Expeditionen geschundenen eigenen Körper, durchquerte er dieses Land und lernt überall hilfsbereite Menschen kennen, deren Land und Gesellschaft sich im Umbruch befinden. Auf Basis seiner unmittelbar dort entstandenen Notizen beschreibt er seine inneren Kämpfe, wirft einen Blick zurück in seine Kindheit und den Herausforderungen des Abenteuers in der damaligen und in unserer Zeit.

Ein Bericht, der immer dann stark ist, wenn Messner seinen Blick auf Landschaft und Menschen schweifen lässt oder von seiner Familie erzählt, jedoch Schwächen insbesondere in der Länge aufweist. Schwierig ist es teilweise nachzuvollziehen, wenn man reisetechnisch ganz anders gestrickt ist, wobei schwer zu sagen ist, ob diese einmaligen Erfahrungen als Reise zu bezeichnen sind. Wenn schon, dann als ewige immerwährende Suche, Selbstfindung.

Reinhold Messner ist vieles in seinem Leben gelungen. Auch das Scheitern, welches natürlich andere Extreme aufwies, als wir es im Laufe unseres Lebens kennenlernen. Dieser Trip brachte ihn jedoch an körperliche Grenzen, die ihn fast zum Abbruch der Expedition zwingen sollten. Diesen inneren Kampf mit sich selbst Zeile für Zeile nachvollziehbar zu machen, ist die Leistung des Autors Messner, dessen Abenteuer Jungenträume real werden ließen. Die Gobi als gnadenlose Herausforderung und Weg zur Selbsterkenntnis. Positiv wie negativ.

Autor:

Reinhold Messner wurde 1944 in Brixen/Südtirol geboren und ist ein italienischer Extrembergsteiger, Abenteureer, Buchautor und Regionalpolitiker. Auf seinen Expeditionen bestieg er alle vierzehn Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff und hat zudem zahlreiche Erstbesteigungen vorzuweisen.

Desweiteren durchquerte er die Antarktis , Grönland und die Wüste Gobi. Er ist zudem Begründer der Messner Mountain Museen und Autor zahlreicher Publikationen, rund um das Bergsteigen und seiner Geschichte. Er saß fünf Jahre lang im Europa-Palarment undist auch regionalpolitisch aktiv gewesen.

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Dave Eggers: Bis an die Grenze

Bis an die Grenze Book Cover
Bis an die Grenze Rezensionsexemplar/Roman Kiepenheuer & Witsch Taschenbuch Seiten: 496 ISBN: 978-3-462-05185-8

Inhalt:

Josie weiß nicht mehr weiter. Alleinerziehend mit zwei Kindern, ohne Einkommen, nachdem sie gerade ihre Zahnarztpraxis hat schließen müssen, versetzt ein Anruf ihres Exmannes sie in Panik. Spontan nimmt sie Reißaus, flieht mit beiden Kindern nach Alaska, mietet ein Wohnmobil und versucht, sich in der Wildnis neu zu finden.

Doch auf ihrem Abenteuertrip werden die drei nicht nur von einem hartnäckigen Buschfeuer gejagt, auch die Geister der Vergangenheit verfolgen sie bis an die Grenze der Zivilisation. (Klappentext)

Rezension:

Szenarien, die förmlich dazu eignen, sie zu erzählen, eine Geschichte um sie herum zu entwickeln und den Leser dazu veranlassen, in sie zu versinken, gibt es einige im Literaturbetrieb. Eines, was gut funktioniert, ist sicherlich der Roadtrip. Das Figurenensemble übersichtlich gehalten, durch den Platz im jeweils gewählten Gefährt, die Handlung selbst durch den Weg, der gleichsam das Ziel ist.

Dabei passiert zumeist nicht viel, aber das, was passiert, bleibt hängen. Das ganze kann dann sehr schrill wirken oder tiefenentspannt. Alles Zutaten für einen guten und ausgewogenen Roman. Dave Eggers hat sich daran versucht.

In „Bis an die Grenze“ erzählt der Autor die Geschichte von Josie, die eine ganze Reihe von Schicksalsschlägen privater und beruflicher Natur zu verkraften hatte und sich in einer Art Kurzschlussreaktion ihre Kinder schnappt, um das Gewesene hinter sich zu lassen. Und so beginnt eine muntere Irrfahrt durch den nördlichsten Bundesstaat der USA, fernab der Zivilsation zunächst.

Nach und nach finden die drei einen neuen Rhythmus und Gefallen am Vagabundenleben, welches tiefenentspannt träge erzählt wird, aber nicht so, dass es langweilig werden würde. Tatsächlich gewinnen Protagonisten und Leser den Blick für’s Detail, aufgeloggert durch Rückblenden in die vorherige Situation der Hauptfigur ergibt sich ein melancholischer Blick auf die Umgebung, die Menschen.

Was war, was ist und was wird oder sind diese Frage nicht vollkommen egal, wie auch das Ziel nicht feststeht? Schließlich ist es doch wichtig, überhaupt voranzukommen. Wer diese Quintessenz aus „Bis an die Grenze“ ziehen kann, hat schon viel gewonnen, auch, wenn hier und da eine Begegnung oder gleich ein ganzer Waldbrand vor Augen führt, dass die Realität dann eben doch nicht vorgibt, in den Tag hineinleben zu dürfen.

Einzig das Ende aber fand ich nicht ganz so schlüssig, gerade im letzten Viertel hätte sich der Autor einen handlungsstrang sparen können. Das halboffene Ende ist dann wieder logisch. Schließlich ist man ja nach dem lesen tiefenentspannt, um sich selbst seinen Teil dazu zu denken. Hat man auch nicht immer.

Autor:

Dave Eggers wurde 1970 in Boston geboren und ist ein US-amerikanischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Herausgeber verschiedener Literaturzeitschriften. Er gründete einen Verlag und veöffentlichte mehrere Romane, wurde für den Pulitzer-Preis nominiert und fungierte zudem als Drehbuchautor. Bekannt wurde er einer breiteren Leserschaft durch „The circle“, seinem Roman, der zugleich verfilmt wurde. Er lebt in der Gegend von San Francisco.

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Andreas Neuenkirchen: Happy Tokio

Happy Tokio Book Cover
Happy Tokio Reisebericht mairdumont Taschenbuch Seiten: 293 ISBN: 978-3-7701-8290-0

Inhalt:
Das Magazin Monocle kürte Tokio drei Jahre in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt. Und doch findet sich in so gut wie jedem Reiseführerung: „Tokio ist keine schöne Stadt.“ Andreas Neuenkirchen ist dennoch zusammen mit seiner Frau und seinem Kind geblieben und lüftet wunderbar unterhaltsam das Geheimnis, warum seine neue Wahlheimat auf ihre ganz eigene Weise glücklich macht. (Klappentext)

Rezension:
Seinen Lebensmittelpunkt zu ändern kann schon mal ein kleiner Schock sein. Dieser wird um so größer, geht man gleich ins Ausland, wechselt man aber den kompletten Kulturkreis ist das Chaos perfekt. Dabei ist alles so schön organisiert. Die Klimaanlage der Wohnung spricht mit ihren Nutzern und führt auch sonst ein Eigenleben, Züge fahren nur scheinbar pünktlich und Tokio selbst ist eigentlich ein Organismus aus mehreren eigenständig funktionierenden Stadtteilen mit ihren jeweiligen Eigenheiten. Was will man da noch mehr?

Andreas Neuenkirchen hat sich aufgemacht, um in dieser faszinierenden Stadt mit seiner Familie zu leben und berichtet von erfolglosen Karaoke-Versuchen, der Besonderheit von Nudeln auf Bahnsteigen und den Versuch, Konversation mit den Einheimischen an der Ladenkasse zu betreiben. Ein amüsanter Reise-, nein, Lebensbericht, aus einer Metropole, die unterschätzter kaum sein könnte.

Eine Reise nach Tokio mag schon alleine vom Verkehr und den Menschenmassen her gewöhnungsbedürftig sein. Wie aber ist es, dort zu leben? Andreas Neuenkirchen probiert es aus und nimmt uns mit, auf dieses Abenteuer, welches täglich Unwägbarkeiten und Überraschungen bereithält. Dies macht er auf eine solch witzige Art und Weise, dass man es selbst gerne ausprobieren möchte, andererseits froh ist, nur mit den Schrullen der Heimat konfrontiert zu sein, und eben nicht in der Masse japanischer Schriftzeichen zu versinken. Wobei es auch in Tokio Oktoberfeste zu geben scheint. das ganze Jahr über.

Mit viel Humor nimmt der Autor uns mit in sein Familienleben, welches inzwischen eine Art Alltag in Tokio gefunden hat, zeigt, dass es für den Japan-Kenner dennoch ständig Neues zu entdecken gibt, nimmt uns mit in Cafes, deren Besitzer schon mal Opernarien schmettern und besucht das Glaswaldmuseum in Hakone.
Er führt uns durch das Hannover Japans und zeigt Yokohamas Chinesenviertel, doch nichts geht über Tokio, wo CD-Läden unbeeindruckt von der digitalen Revolution boomen und Süßkartoffelspeiseeis den Beginn einer neuen Jahreszeit verkündet.

Dieser etwas andere Einblick in den japanischen Großstadtdschungel, voller Neugier und Interesse am Skurilen, spielt der Autor zum Leser, der fasziniert sein wird, von der Vielfalt auf solch engen Raum. Humorige Vergleiche zwischen den Leben, etwa in München und Tokio, runden die Betrachtungen ab. Herausgekommen ist ein eigenwilliges, aber immer positives Portrait wunderbarer Menschen in einer besonderen Stadt. Für nichts anderes scheinen die Japaner Tokio, welches oft fälschlicherweise mit Y geschrieben wird, zu halten.

Trotz der einen oder anderen Länge, die Neuenkirchen oder der Verlag nicht aus den Text hinausgenommen haben, ergibt sich ein stimmiges Bild, welches Lust macht auf die nächste Reise nach Tokio und vielleicht mehr als die Touristenorte zu entdecken. Und wenn man sich dabei Häschenohren aufsetzt und vom Cafepersonal veräppeln lässt. Auch das mit Augenzwinkern und einer großen Portion japanischen Humors. Viel Spaß dabei.

Autor:
Andreas Neuenkirchen wurde 1969 in Bremen geboren und arbeitet seit 1993 als Journalist. Zunächst zuständig für Bremer Stadtmagazine und Tageszeitungen, arbeitete er von 1998 bis 2016 als Redakteur in München. Nebenher arbeitete er als Autor für Hörspiele, Heftromane, Rundfunkreklame, Bücher und Filme. Die meisten haben Japan-Bezug. Seit 2016 lebt er mit seiner japanischen Frau und der gemeinsamen Tochter in Tokio.

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Stephen Davies: Titanic – 24 Stunden bis zum Untergang

Titanic - 24 Stunden bis zum Untergang Book Cover
Titanic – 24 Stunden bis zum Untergang Stephen Davies Aladin Verlag Erschienen am: 28.02.2018 Seiten: 128 ISBN: 978-3-8489-2103-4

Inhalt:

Die Titanic sticht in See – und Jimmy und Omar sind mit an Bord. Die beiden erkunden den Ozeanriesen bis in den letzten Winkel, schleichen sich zu Mitternachtspartys, entdecken Drachenblut im Frachtraum und dringen sogar bis in den Gymnastikraum der 1. Klasse vor. Für sie ist das Schiff wie ein großer Freizeitpark. Doch als es einen Eisberg rammt, wird der Traum zum Albtraum: Es gibt nur 20 Rettungsboote – nicht annähernd genug für 2228 Passagiere. (Klappentext)

Rezension:

Anfang des 20. Jahrhunderts ist der Glaube an den Fortschritt, an die Technik und der Bezwingbarkeit der Natur noch ungebrochen, als das damals größte Passagierschiff der Welt in See sticht. Ziel Amerika, Sehnsuchtsort für unzählige Menschen, die ihr Glück in der Neuen Welt versuchen und die Trostlosigkeit, vor allem Armut, ihrer alten Heimat hinter sich lassen wollen.

Nicht ahnend, dass der Traum für nicht wenige nach ein paar Tagen zur tödlichen Falle werden würde.

Stephen Davies erzählt, grafisch schon aufbereitet durch Torben Kuhlmann, die Geschichte zweier Jungen, die es so tatsächlich an Bord der Titanic gegeben haben könnte. Zunächst erscheint für die beiden Protagonisten alles wie ein einzig großes Abenteuer.

Zusammen schleichen sich Omar und Jimmy, die sich zu Beginn finden und schnell anfreunden, wie es Kinder in dem Alter eben tun, des Nachts aus ihren Kabinen und erkunden dieses technische Wunderwerk. Sie schleichen sich durch Mannschafts- und Frachträume, einmal bis zum großen imposanten Treppenaufgang der Ersten Klasse und kommen aus den Staunen nicht mehr heraus.

Immer auf der Hut, von den Erwachsenen, insbesondere den Mannschaftspersonal, nicht erwischt zu werden. Dabei machen sie interessante Entdeckungen, wie sie nur 10- bis 12-jährige Jungen berauschend finden, die von solch einem Luxus, beide sind Passagiere der Dritten Klasse, nur träumen dürfen.

Sie begegnen imposanten John Jacob Astor, damals einer der reichsten Männer der Welt und Kapitän Edward Smith. Plötzlich jedoch, befinden sich Jimmy und Omar inmitten einer Katastrophe. Jetzt zählt nur noch, einen der raren Plätze in den Rettungsbooten zu bekommen. Doch, die Familien beider schlafen nichts ahnend in ihren Kabinen.

Kinderbücher können spannend sein und dabei Interessen wecken, wahre Begebenheiten verständlich und fassbar rüberbringen. Genau da tut Stephen Davies, der Jimmy, seinen Hauptprotagonisten aus der Ich-Perspektive erzählen lässt, dabei die Grausamkeit, Absurdität der Ereignisse und die menschlichen Qualen nicht verschweigt, aber für das Zielpublikum altersgerecht verpackt.

Aufgelockert mit Zeichnungen erschließt sich so ein historisches Ereignis, welches für Friedenszeiten eine der größten menschlichen Katastrophen werden sollte, deren Blickwinkel auf Technik und menschliches Beherrschungsvermögen über die Naturgewalten für immer verändert werden sollten.

Für technikinteressierte Kinder und denen, die kleine kompakt aber kurzweilige Geschichten mögen, ist dieser kleine Roman ideal. Davies orientiert sich sehr an verbürgte Ereignisse des Untergangs, die wege der Jungen waren so möglich und auch das im Klappentext erwähnte Drachenblut gab es tatsächlich. was es allerdings damit auf sich hat, muss man schon selbst nachlesen.

Davies verschönt nichts, gibt der Geschichte aber bereits zu Beginn eine sinnvolle Richtung, die nicht verschreckt und zudem Eigenschaften wie Mut, Freundschaft und Zusammenhalt als Grundstock nimmt. Natürlich, für Erwachsene ist vorhersehbar, wie es für speziell Omar und Jimmy ausgeht, dennoch für diese Altersgruppe eine spannende Geschichte, die Lust darauf macht, mehr erfahren zu wollen und einlädt, zu recherchieren. Bitte mehr von dieser Sorte ganz wunderbarer Kinderbücher.

Autor:

Stephen Davies wurde 1976 geboren und ist ein britischer Kinderbuchautor. Er lebte von 2001 bis 2014 in Burkina Faso. Davies arbeitete schon als Erntehelfer, Missionär, Englisch-Lehrer, schrieb Reiseberichte für verschiedene Zeitungen, bevor er 2006 sein erstes Kinderbuch veröffentlichte. Seine Reiseberichte und Kinderbücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Der Autor lebt mit seiner Familie in London.

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