Günther Wessel: Alfred Wegener

Inhalt:
Schulen, Straßen, Stiftungen, Forschungsinstitute und sogar ein Mondkrater tragen seinen Namen. Zu Recht: Mit seiner genialen idee der Kontinentaldrift legte Alfred Wegener im anbrechenden zwanzigsten Jahrhundert den Grundstein für die Theorie der Plattentektonik und bewies bei seinen spektakulären Grönlandexpeditionen einen Wagemut, der seinesgleichen nur bei großen Polarhelden wie Amundsen, Scott & Co. findet. (Klappentext)

Rezension:
Immernoch gab es im ausgehenden 19. Jahrhundert weiße Flecken auf der Landkarte und Raum für große Abenteuer, doch war dies auch die Zeit für bahnbrechende natur- und geowissenschaftliche Überlegungen. Und die Jahre großer Männer, die wissenschaftliche Untersuchungen noch vor Geltungsdrang stellten. Der Journalist und Schriftsteller Günther Wessel hat einem der großen dieses neuen Typus‘ Wissenschaftler mit dem vorliegenden Sachbuch ein Denkmal gesetzt.

Alfred Wegener, dessen Name heutzutage eine Vielzahl von Orten und Institutionen tragen, war von Kindesbeinen an ein Mensch voller Forscherdrang, der sich schon früh Naturbeobachtungen widmete und zielstrebig bereits vor dem Ersten Weltkrieg in Kontakt mit der Polarforschung kam. Schon 1906 nahm er an einer von Dänen organisierten Forschungsreise nach Grönland teil. Die zweite folgte nur wenige Jahre später. Durch Wetterbeobachtungen, naturwissenschaftlichen Messungen aus Ballonfahrten heraus, machte er sich einen Namen, anfangs belächelt wurden seine Ideen von der Kontinentaldrift, die jedoch grundlegend sein sollte.

Dies beschreibt Günther Wessel in seinem beinahe literarisch anmutenden Sachbuch, ebenso warum es Wegener und andere immer wieder, teils verbundenen mit enormen menschlichen Strapazen, ins ewige Eis zog und dabei von Erfrierungen bis hin zum eigenen oder den Tod von Kameraden praktisch alles in Kauf nahmen und dabei beinahe unmenschliche Leistungen vollbrachten. Eingebettet im zeithistorischen Kontext und der, der wissenschaftlichen Entwicklung ist so viel mehr als nur die Biografie eines Abenteurers entstanden.

Kurzweilig lesen sich die Kapitel, aufgelockert durch Karten und Bildmaterial am Ende des Textes, welche uns gut recherchiert nicht nur Strapazen im Grönlandeis darlegen, sondern uns auch an den kleinen Triumphen Wegeners teilhaben lassen. Doch der Autor geht auch kritisch mit der Zeit und Alfred Wegener um. Günther Wessel stellt dar, warum andere Expeditionen nicht selten in Tragödien endeten und weshalb der Naturwissenschaftler, der als einer der wenigen seiner Zeit über die Grenzen seines Fachs hinaus dachte, am Ende nicht nur, aber eben auch an sich selbst scheiterte, trotzdem unvergessen bleibt.

Eine Biografie, die gleichsam Abenteuerbericht, Naturwissenschaftsgeschichte vereint und sich zuweilen wie ein Krimi liest, über Alfred Wegener, der Theorie und Praxis wie kein zweiter miteinander vereinbaren konnte, ist dieses hervorragende Sachbuch. Und zugleich ein Mahnmal, dass am Ende die Natur die Oberhand behalten wird. In welcher Form auch immer.

Autor:
Günther Wessel wurde 1959 geboren und ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Zunächst studierte er Germanistik und Philosophie, bevor er ein Volontariat in einem Sachbuchverlag absolvierte. Seit den 1990er Jahren schreibt er Reiseführer und Biografien, dazu Hörfunkfeatures für verschiedene Rundfunkanstalten. Als Sachbuchrezensent ist er regelmäßig bei Deutschlandradio Kultur zu hören. Von 1998 bis 2001 berichtete er aus den USA über US-amerikanische Kultur und Politik. Es folgten Stationen in Brüssel und Berlin. Er wurde verschiedenfach ausgezeichnet, u. a. mit dem ITB Buch Award, 2018.

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