In den Sommern unserer Kindheit haben viele von uns innerhalb kurzer Zeit ganze Phantasiewelten erschaffen. Plötzlich tummelten sich dort, wo zuvor nur graue leblose Fläche war, Tiere und Menschen und es entstanden bunte Landschaften aus Kreidestaub, die im besten Fall erst mit dem nächsten Regen verschwanden, so dass dann Platz für neue Bilder geschaffen war. Kreide war eines der ersten Zeichenmittel, zusammen mit Holzkohle ist es noch heute zudem eines der günstigeren. Beide Zeichenmaterialien genügen dem amerikanischen Straßenkünstler David Zinn, im urbanen Raum wunderbare und witzige Motive entstehen zu lassen.
Von der posierlichen Maus bis hin zum geflügelten Schwein, welche nur aus einem bestimmten Blickwinkel mit 3D-Effekt lebendig zu werden scheinen. In seinem Buch „Vorsicht an der Bordsteinkante! – Neue Streetart“, in der deutschen Übersetzung von Angelika Arend beim Mitteldeutschen Verlag erschienen, zeigt er einige seiner gelungensten Motive, die er vor allem in Ann Arbor, seiner Heimatstadt im US-Bundesstaat Michigan nicht nur auf Gehwegen und Bordsteinkanten geschaffen hat. Und da Kunst bekanntlich im Auge des Betrachtenden liegt, ich überdies finde, dass man diese kleinen Kunstwerke unbedingt auf sich wirken lassen sollte, gibt es diesmal ohne Wertung diesen wunderbaren Buchtipp von mir.
In diesem sind die Ergebnisse zu sehen, nach Fertigstellung abfotografiert, da die meisten Bilder David Zinns schon des verwendeten Materials wegen, vergänglich sind. Dies macht den Reiz für den Straßenkünstler aus, ebenso mit den Phantasiewesen unserer Kindheit zu spielen oder, anders formuliert, dahin wieder zurückzufinden und praktisch auf der Straße vor sich hin zu doodlen. Unter Einbeziehung dessen, was wir Menschen geschaffen haben, mit Schraffuren und Rissen, sogar Gullideckeln oder dem sich durch die Gehwegritze kämpfenden Unkraut.
Mit seinen Zeichnungen möchte David Zinn anregen, es ihn gleichzutun, wieder kindliche Phantasie lebendig werden zu lassen und selbst kreativ zu werden. Gerade wenn es einem vor der großen Leinwand graut, aber natürlich von einem geflügelten Wesen, welches einem Comic entsprungen zu sein scheint, es einem niemand vorschreiben kann, wie das auszusehen hat.

Posierliche Mäuse, Hamster, Aliens, Drachen und geflügelte Schweinchen aus Straßenmalkreide – Zinns fantasievolle Wesen wirken, als seine sie Kinderbüchern entsprungen und lebendig geworden. Seine Zeichnungen integriert er ins Stadtbild: Hier betreibt Sluggo „Fliegenfischerei“ an einem Himmelsloch, dort liefert Phil ein Geschenkpaket an die Unterwelt und wieder woanders schiebt sich eine kurzsichtige, sechsbeinige Grasschwanzechse übers Pflaster. Was er zeichnet, fotografiert der amerikanische Straßenkünstler. Die schönsten Motive seiner Arbeit sind nun in diesem Bildband versammelt. (Klappentext)
Homepage: zinnart.com
Instagram: @davidzinn
Youtube: Street Art by David Zinn
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