Jorgo Chatzimarkakis: Tagebuch eines griechischen Euro

tagebuch-eines-griechischen-euro-coverAutor: Jorgo Chatzmarkakis
Titel: Tagebuch eines griechischen Euro
Seiten: 191
ISBN: 978-3-95771-073-4
Verlag: Größenwahn Verlag

Inhalt:
Am 08. April 2001 wird um 11:33 Uhr in der staatlichen Münzprägeanstalt Athens eine griechische Ein-Euro-Münze gestanzt. Der monetäre Newcomer beginnt spontan eine Art Tagebuch zu führen, erlebt die Einführung ebenso, wie die damit verbundenen Hoffnungen und Wünsche der Menschen aber auch ihre Sorgen und Nöte.

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Francois Durpaire: Die Präsidentin

Die Präsidentin Book Cover
Die Präsidentin Francois Durpaire (Autor) Farid Boudjellal (Zeichnungen) Graphic Novel Verlag: Jacoby Stuart Erschienen am: 31.08.2016 Hardcover Seiten: 160 ISBN: 978-3-946593-12-6

Handlung:

Niemand soll sagen können, er habe davon nichts gewusst.

In seiner Graphic Novel schildert François Durpaire die ersten 200 Tage von Marine Le Pen im Elysée-Palast, nachdem sie am 7. Mai 2017 in der Stichwahl gewonnen hat. Sie geht sofort ans Werk: 1. Rückkehr zum Franc; 2. NATO-Ausstieg; 3. Schließung der Grenzen; 4. sofortige Ausweisung aller »illegalen« Ausländer; 5. Arbeitsplätze nur noch für Franzosen; 6. Finanzielle Austrocknung der öffentlich-rechtlichen Sender.

Die Folgen sechs Monate nach Le Pens Amtsantritt: Ausländische Investoren meiden das Land, die Kaufkraft ist eingebrochen, die Arbeitslosigkeit in die Höhe geschnellt, und alle Bürger werden vom Geheimdienst bespitzelt … François Durpaire betont: »Ich als Historiker weiß, dass autoritäre Parteien eher dazu neigen, ihre Radikalität im Wahlkampf zu verbergen.

Um ihr dann, einmal im Amt, freien Lauf zu lassen.« Im Europa von heute bliebe eine derartige Entwicklung eines Landes nicht ohne Folgen für die anderen Nationen. Und als wäre das nicht genug, ist dieses Schreckensszenario nicht nur in Frankreich denkbar – ein hochaktuelles Buch für ganz Europa. (Verlagstext)

Das deutsche Vorwort stammt von Ulrich Wickert.

Zeichnungen:

Bis auf das farbige Cover sind alle Zeichnungen in Schwarz-Weiß-Ton gehalten. Dabei wechselt das Format der einzelnen Zeichnungen und die Menge der abgebildeten Szenen je nach Brisanz, Schärfe und gezeigter Situation. Die Schrift ist teils sehr klein gehalten. Viel Text ergänzt die Schärfe der Thematik,

Einordnung:

Dies ist der erste Teil einer Reihe. Der zweite wurde bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt.

Rezension:

Der Front National galt lange Zeit als abschreckendes Beispiel, doch rechte und populistische Parteien sind überall in Europa auf den Vormarsch. Während Michel Houllebecq mit seinem Roman „Unterwerfung“ das Szenario der Machtübernahme eines muslimischen Präsidenten vorweg nimmt, zeigen Francois Durpaire und Farid Boudjellal die für Frankreich realere Gefahr.

Die Wahl Marine Le Pens zur Präsidentin der Republik. Komplett düster gehalten, in Schwarz-Weiss-Grau, beobachtet der Leser eine Familie von Immigranten, die fassungslos die Verkündung der Ergebnisse der Wahlen vor dem Fernseher verfolgt und darauf beschließt, politisch aktiv zu werden.

Nicht, wie einst die Großmutter in der Bewegung der Resistence mit dem Gewehr, sondern mit der Macht des Wortes. Sie schreiben einen Blog, wissend um die drohende Gefahr, denn Marine Le Pen lässt ihrem Wahlkampf Taten folgen. Taten, die nicht nur für Frankreich, sondern auch für Tariq, Stephane und ihre Freunde Folgen haben werden.

Das Parteiprogramm des Front National analysierend, haben der Historiker und der Zeichner ein faszinierend erschreckendes Portrait dessen geschaffen, was mit Frankreich passiert, wenn es Le Pen und ihrer Partei gelingt, bei den nächsten Präsidentschaftswahlen den Sieg zu erringen.

Der Austritt aus EU; Euro und NATO sind da noch die geringsten Punkte, viel schlimmer werden die Auswirkungen für die Wirtschaft und die Freiheit der Franzosen sein. Der Dreiklang Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit wird umgekehrt in ein totalitäres System, dessen Grausamkeiten sich wie ein Damokles-Schwert über die Republik erheben und bald nicht nur Immigranten in den Abgrund reißen.

So realitätsnah, wie möglich, beschrieben, zeigt dieses Comic noch viel besser, was nicht nur mit Frankreich, sondern auch in jedem anderen Land Europas passiert, wenn nicht nur Euro-Skeptiker sondern gleich die Rechten die Macht erlangen.

So könnte Marine Le Pen durchaus ersetzt werden, durch eine nicht näher genannte AfD-Politikerin und Frankreich durch Deutschland. Der Effekt wäre gleich. Eine Graphic Novel als letztes Mahnmal, zumindest seine Leser, nachdenklich zu stimmen und über die nächsten anstehenden politischen Wahlen nachzudenken.

Denn, wenn sich dieses Szenario bewahrheitet, könnten es die letzten sein, die einigermaßen geordnet und demokratisch im Mutterland der modernen Demokratie ablaufen werden. Doch, FN-Wähler werden die beiden wohl nicht erreichen, hoffentlich jedoch ein paar Nichtwähler, deren Nichtstimmen sonst den Rechten in die Hände spielen würden.

Denn am Ende gilt es, nicht nur mit Federstrich und Texten einen Wahlsieg der Populisten zu verhindern, sondern ihre Vorstellungen zu verhindern Wirklichkeit werden zu lassen. Am Ende der Geschichte, auf deren Fortsetzung wir in Deutschland, noch warten müssen, steht nicht nur Frankreich vor einem Scherbenhaufen, sondern auch Le Pen selbst. Das Szenario weiter gesponnen, so darf man erwarten, wird in der Fortsetzung jedoch nicht besser.

Ein erschreckendes gut gezeichnetes Szenario, im doppelten Sinne, welches auf- und wachrütteln kann und dies auch soll. Grundlage alleine, eine Analyse der Auswirkungen des Parteiprogrammes der franzöischen Rechten, wenn diese es umsetzen.

Das kann und darf niemand wollen, weshalb es nahezu Pflicht ist, sich mit den Alternativen zu beschäftigen, die allesamt besser sind als das, was uns erwartet. Nicht nur in Frankreich, sondern eben überall. Für Leser mit Brille mag es auf Dauer anstrengend sein, die Winzschrift von Text zu verfolgen (es ist derer viel), die detaillierten harten Zeichnungen entbehren jeder Freundlichkeit eines normalen Comics.

Doch lohnt es sich in die Handlung einzutauchen um eine solche zu verhindern.

Autor:

Francois Durpaire wurde am 14. August 1971 in Wien geboren und ist promovierter Historiker. Sein Spezialgebiet ist Bildung und kulturelle Vielfalt der Vereinigten Staaten von Amerika und Frankreich. Zu diesen Themen berät er regelmäßig Rundfunk- und Fernsehsender.

Seit 2013 ist er Dozent für Erziehungswissenschaften an der Universität Cergy-Pontoise, vorher veröffentlichte er zusammen mit Olivier Richomme eine der ersten nicht-englischsprachigen Biografien über US-Präsident Obama, dessen Sieg er in Frankreich als eine der ersten Kommentatoren voraussagte.

Von 2009 bis 2016 war er Mitglied des Nationalen Komitees Frankreichs zur Erinnerung an die Geschichte der Sklaverei. 2013 unterstützte er zudem eine Initiative von Immigranten für das Erlangen von Wahlrechten in Frankreich, ein Jahr zuvor die Präsidentschaftskampagne von Aurelien Tricot.

Zeichner:

Farid Boudjellal wurde 1953 in Toulon geboren und ist ein französischer Comicautor und Zeichner. Er stammt aus einer algerischstämmigen Familie, wuchs aber in Südfrankreich auf. Mit acht Jahren erkrankte er an Kinderlähmung.

Nach Schule und Universität veröffentlichte er 1978 erstmals Comicstrips in verschiedenen Magazinen, worauf bald sein erstes Album erschien. Seine hauptthemen sind Migration, Behinderungen und der Nahostkonflikt. In Deutschland verwendete Henryk M. Broder eines seiner Zeichnungen als Cover für „Die Irren von Zion“.

Caroline Brothers: Niemandsland

produkt-10002021Autorin: Caroline Brothers
Titel: Niemandsland
Seiten: 284
ISBN: 978-3-8333-0898-7
Verlag: Berlin Verlag Taschenbuch
Übersetzung: Monika Schmalz

Inhalt:
KabulTeheranIstanbulAthenRomParisLondon. Jeden Abend betet Aryan seinem kleinen Bruder Kabir die Stationen ihrer Reise vor. Wie ein Glaubensbekenntnis, ein Mantra. Falls sie sich einmal verlieren sollten. Sie wollen nach England, wo alles besser wird. Da sind sie sich ganz sicher… (Klappentext)

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Michael Brenner: Israel – Traum und Wirklichkeit des jüdischen Staates

9783406688225_coverAutor: Michael Brenner
Titel: Israel – Traum und Wirklichkeit des Jüdischen Staates
Seiten: 288
ISBN: 978-3-406-68822-5
Verlag: C.H.Beck

Inhalt:
Juden waren über Jahrhunderte verfolgte Außenseiter. Die Gründung des Staatsollte endlich eine ganz normale Heimat für sie schaffen. Doch heute sieht sich der jüdische Staat selbst in der Rolle des misstrauisch beobachteten Außenseites.

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Anne-Laure Bondoux: Die Zeit der Wunder

9783551582416Titel: Die Zeit der Wunder
Autorin: Anne-Laure Bondoux
Seiten: 189
ISBN: 978-3-551-31285-3
Verlag: Carlsen
Übersetzung: Maja von Vogel

Inhalt:
Koumail ist Franzose, so hat seine Ziehmutter es ihm erzählt. Zusammen fliehen sie vor den Kriegswirren des Kaukasus nach Frankreich, ins Land der Menschenrechte. Dabei hat er ein klares Ziel: seine Mutter wiederfinden. Eine lange Odyssee liegt vor ihm, doch Koumail verliert nie den Mut – und auch nicht den Glauben an das Glück. (Klappentext)

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Alastair Bonnett: Die seltsamsten Orte der Welt

9783406674921_coverAutor: Alastair Bonnett
Titel: Die seltsamsten Orte der Welt
Seiten: 296
ISBN: 978-3-406-674921
Verlag: C.H. Beck

Inhalt:
Spätestens seit Google Earth ist die Welt bis in den letzten Winkel erforscht und vermessen. Es gibt keine unbekannten Orte mehr, keine unberührten Eilande, nichts mehr zu entdecken – oder etwa doch? Alastair Bonnett stellt in diesem Buch faszinierende und außergewöhnliche Orte vor, die unsere Vorstellungen von der Welt gehörig durcheinanderbringen.

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Rainer Hermann: Die Golfstaaten – Wohin geht das neue Arabien?

9783423408400Titel: Die Golfstaaten – Wohin geht das neue Arabien?
Autor: Rainer Hermann
Seiten: 360
ISBN: 978-3-423-24875-4
Verlag: dtv

Inhalt:
Umstürze, Konflikte und Neuaufbrüche kennzeichnen Anfang 2011 das Leben in Staaten wie Tunesien, Ägypten, Libyen und Syrien. Diese „Arabellionen“ des „alten Arabiens“ sind Resultat der Sehnsucht einer ganzen Generation, die den gleichen Wohlstand, die gleichen Chancen und die gleiche freiheitliche Gesellschaftsordnung errreichen will wie westliche Demokratien.

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Jürgen Todenhöfer: Inside IS – 10 Tage im Islamischen Staat

Inside IS - 10 Tage im "Islamischen Staat" Book Cover
Inside IS – 10 Tage im „Islamischen Staat“ Jürgen Todenhöfer Rezensionsexemplar/Sachbuch Erschienen am: 27.04.2015 Hardcover Seiten: 286 Bertelsmann ISBN: 978-3-570-10276-3

Thematik:

Zehn Tage reiste Jürgen Todenhöfer als erster westlicher Publizist in Begleitung schwer bewaffneter Jihadisten durch den „Islamischen Staat“. Eine abenteuerliche Unternehmung mit ungewissen Ausgang.

Doch nur so ist es möglich, das Leben der gefährlichsten Terroristen der Welt hautnah nachzuvollziehen, ihren Alltag, ihre Motive. Bislang ist es niemanden gelungen, den IS so genau zu recherchieren. Todenhöfer: „Man muss dort gewesen sein, um das IS-Phänomen zu verstehen. Man muss seine Feinde kennen, wenn man sie besiegen will.“

Eindringlich wird vor den radikalen und unmenschlichenn Zielen des IS gewarnt, für die es keine Rechtfertigung gibt. Vor allem keine islamische. Der IS sei ein Kind des völkerrechtswidrigen Krieges gegen den Irak.

Todenhöfers dramatischer Report aus dem „Reich des Bösen“ ist eine eindringliche Mahnung, um einen politischen Ausweg aus der Gewaltspirale im Mittleren Osten zu finden. Und ein Plädoyer für eine klügere Antiterrorpolitik. (Klappentext)

Rezension:

Jürgfen Todenhofer ist ein durchaus umstrittener Journalist und Publizist. Nicht nur, weil er thematisch immer wieder kontroverse Themen aufgreift sondern stets mit beiden Seiten spricht. Mit Terroristen von etwa al-Qaida oder umstrittenen Machthabern wie den syrischen Präsidenten Assad auf der einen Seite, wie auch mit den ganz normalen Bürgern, mit Flüchtlingen und Menschenrechtlern auf der anderen.

Unter Journalisten umstritten, versucht er trotz Anfeindungen so ein ausgewogenes Bild von oftmals verqueren Situationen zu zeichnen, die sonst unverständlich bleiben. Für sein neuestes Projekt, dessen Erlöse wie immer für soziale Projekte gespendet werden, bereiste er mit Sohn Frederic den „Islamischen Staat“.

Wie funktioniert der Terrorstaat im Inneren? Was denken die Menschen, was die Machthaber? Was sind ihre Ziele und wie ist das mit dem Islam vereinbar, von dem diese predigen, den einzig wahren zu leben? Diese Fragen stellt sich Todenhöfer und nimmt dazu Kontakt auf, mit den gefährlichsten Männern der Welt.

Mit einer Sicherheitsgarantie des Kalifen macht er sich über die türkische Grenze auf, die Leute zu besuchen, die inzwischen zum Synonym für Terror und Grausamkeit schlechthin geworden sind. Rückkehr ungewiss. Das Medikament zur Selbsttötung immer griffbereit, um nicht zum Spielball des IS zu werden, sich dem im Notfall zu entziehen.

Und die Machthaber wissen um seine Einstellung, seine Arbeit, seine Meinung und versuchen ihre Ziele zu erklären. Offen und nicht weniger schrecklich als in den propaganda-Videos, die weltweit über das Internet flimmern.

Es kommt zu lautstarken Auseinandersetzungen aber auch zu intensiven Gesprächen und Beobachtungen auf den Marktplatz von Mosul oder im Kampfgebiet. Es geht um die Auslegung von islamischen Glaubenssätzen, Todenhöfer stellt sich dem mit fundierten Kenntnissen entgegen und entlarvt die Terroristen als unislamisch, diese widerum gewähren Einblick in ihre Weltsicht.

Eine gefährliche Reise, um wenigstens einen kleinen Einblick in das Funktionieren, den Alltag eines Gewalt-Regimes zu erhalten, dass sich im schlechtesten Falle noch mehr ausbreiten könnte und unmenschliche Folgen hätte. Im besten Falle ist dieser Bericht ein kleiner Stein auf den Weg zum Sieg über Grausamkeit und Terror.

Denn, „man muss seine Feinde versuchen zu verstehen, um sie zu besiegen“, so Todenhöfer selbst. Seine Reise gewährt einen Einblick und klärt vielleicht nicht alle Fragen, gibt aber Antworten. Antworten, über die es sich lohnt nachzudenken. Ein Plädoyer für den Islam und gegen die Gewalt der „Unislamisten“.

Eine Schrift für eine klügere Außenpolitik. Keinesfalls Propaganda für den „Islamischen Staat“, falls sich das die Machthaber erhofft haben als sie Todenhöfer in ihr „Land“ ließen. Dieser Versuch ist fehlgeschlagen.

Autor:

Jürgen Todenhöfer wurde 1940 geboren und saß 18 Jahre für die CDU im Bundestag. Er war Fraktionssprecher für Entwicklungshilfe und Rüstungskontrolle. Anschließend arbeitete er 22 Jahre an der Spitze eines großen Medienunternehmens. Immer wieder bereiste er Kriegs- und Krisenschauplätze im Mittleren Osten, vor allem Afghanistan, Irak, Syrien und Palästina.

Mit seinen Buchhonoraren unterstützt er verschiedene Projekte, wie ein Waisenhaus in Afghanistan, ein HIV-Kinderkrankenhaus im Kongo oder ein israelisch-palästinensisches Versöhnungsprojekt. Das Honorar dieses Buches geht an syrische und irakische Flüchtlinge sowie an Kinder in Gaza.

Pu Yi: Ich war Kaiser von China

Ich war Kaiser von China Book Cover
Ich war Kaiser von China Autor: Pu Yi Autobiografie dtv Verlag Ausgabe erschien: 01.10.2009 Taschenbuch Seiten: 453 ISBN: 978-3-423-21168-0

Inhalt:
Seine Majestät das Kind: Das Leben des letzten Kaisers von China ist eine der unglaublichsten und aufregendsten Geschichten des 20. Jahrhunderts. Mit zweieinhalb Jahren inthronisiert, muß Pu Yi bereits 1912 unter dem Druck der ersten chinesischen Revolution abdanken. Seine Gedanken konzentrieren sich fortan nur auf ein Ziel: die Rückkehr auf den Drachenthron.

Um dies zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht. Pu Yis spannende Autobiographie, Vorlage für Bertoluccis mit neun Oscars ausgezeichnenten Film ›Der letzte Kaiser‹ gewährt absurde und zugleich faszinierende Einblicke in die mit ihm versunkene Welt der Verbotenen Stadt und führt über die Wirren des chinesischen Bürgerkriegs in die Gefängnisse der Volksrepublik, wo Pu Yi neun Jahre lang eine Umerziehung zuteil wurde, die aus dem ehemaligen Herscher über Millionen einen überzeugten Anhänger Maos, den »Neuen Menschen« machte. (Klappentext)

Rezension:
Ein Viereck, geteilt mit einem durchgehenden Strich. Das chinesische Zeichen für Mitte. Und genau als dass sah sich China, als Mitte der Welt, selbst, als es längst gedemütigt war durch die imperialistischen Großmächte Europas.

Das Kaiserreich in seinen letzten Atemzügen setzte den kleinen Pu Yi als Kaiser ein, damit im Hintergrund die grausame Tse Hsi ihre Macht als Regentin halten konnte und trieb dabei China nch mehr in den Abgrund. Dem Kind blieben schließlich nur noch die Scherben einer einst glanzvollen Macht. Und Pu Yi erzählt davon.

Vom Aufwachsen in der Verbotenen Stadt, vom Leben als Prinz und vom zeitlichen Wandel, den er zunächst nicht begreifen konnte und auch nicht wollte. Er erzählt, wie er versuchte durch Japan im Zweiten Weltkrieg seine ursprüngliche Macht zurück zu erlangen und schließlich an den japanischen Machthabern scheiterte und wie Gefankenschaft und Umerziehung aus ihm einen neuen Menschen machten.

Natürlich ist gerade dieser letzte Abschnitt sehr ideologisch, sehr wohlwollend geschrieben aber Pu Yi stand da unter dem Eindruck eines Lebens, was fast nur den Abstieg kannte und sicherlich den Eindruck des chinesischen Zensors, der wie ein Damokles-Schwert immer über ihn geschwebt haben muss.

Trotzdem ist dies ein bewegendes Zeitdokument, an einigen Stellen aufgrund der chinesisch Namen und des Schreibstils schwer zu lesen, welches hier vorliegt. Der scharfe Blick, mit dem der Ex-Kaiser sein Leben darstellt, genügte hier um dieses Werk lesenswert und eindücklich zu gestalten. Ein großartiges Buch, Vorlage für einen ebenso großen Film.

Autor:
Pu Yi wurde 1906 geboren und zwei Jahre später als Kaiser Hsüan Tung inthronisiert. 1912 musste er abdanken und wurde 12 Jahre später aus Peking vertrieben. Dann Exil in Tientsing, bevor er Kaiser des Japüanischen Satellitenstaates Mandschugo wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er in sowjetische Gefangenschaft, danach wurde er an China ausgeliefert. 1959 wurde er durch ein Gnadenerlass Maos freigelassen und arbeitete als Gärtner und Geschichtsforscher. Pu Yi lebte zuletzt als einfacher Bürger in Peking und starb 1967 an Nierenkrebs.