Bertolt Brecht: Leben des Galilei

Inhalt:
Bertholt Brechts weltberühmtes Theaterstück erzählt die Geschichte des italienischen Universalgelehrten Galileo Galilei, eines Wissenschaftlichers im Gewissenskonflikt zwischen Wahrheitsanspruch und Autorität, Auflehnung und Anpassung. Im 17. Jahrhundert bewies Galilei, dass nicht die Erde Mittelpunkt des Universums ist und widersprach damit dem herrschenden ptolomäischen Weltbild. Dies führte zum Konflikt mit der katholischen Kirche. Aus Angst vor Inquisition und Folter widerrief Galilei schließlich seine Entdeckung.

Das Schauspiel stellt die bis heute zentrale Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaftler:innen und bleibt somit zeitlos aktuell. (Inhalt lt. Verlag)

Rezension:
In Konflikt mit der katholischen Kirche musste der italienische Universalgelehrte Galileo Galilei einige Punkte seiner Entdeckungen widerrufen, da sie den damaligen herrschenden, vor allem dem ptolomäischen Weltbild, widersprachen. Er tat dies aus Angst vor Inqusitation und Folter. Erst 1992 wurde der Astronom von der Kirche formal rehabilitiert. 2008 distanzierte sich der Vatikan erneut von der Vorurteilung durch die päpstliche Inqusitation.

In den 1930er Jahren begann der Lyriker und Dramaturg Bertholt Brecht sich mit dem Leben Galileis zu beschäftigen, woraus in mehreren Fassungen später eines seiner bedeutenden Theaterstücke entstehen sollte. Die hier vorliegende Berliner Fassung entstand Mitte der 1950er Jahre. Zum 70. Todestag von Bertholt Brecht hat Suhrkamp mehrerer dieser Stücke neu aufgelegt.

Das vorliegende Werk gliedert sich in die Theaterfassung an sich, die natürlich wie ein Drehbuch für die Bühne gehalten ist und entsprechend mit einer kompakten Personenübersicht beginnt. Diese ist zwar nicht unbedingt notwendig, lernt man doch die handelnden Figuren Szene für Szene kennen, behutsam werden wir auch in die einzelnen Szenen eingeführt. Eine ausführliche Überschrift rahmt jede Szene ein, zudem eine Beschreibung des Handlungsortes, so dass man sich dies wunderbar vor Augen und als Bühnenstück, welches es ist, vorstellen kann.

Und das funktioniert noch heute. Das Theaterstück lässt sich gut lesen, die einzelnen Szenerien sind vorstellbar, auch die Sprache trägt die Handlung sehr schön. Brecht wusste unter der Mitarbeit von Margarete Steffin zu formulieren, um bestimmte Wirkmechanismen in Gang zu setzen, die den Spannungsbogen durchweg halten, gleichwohl natürlich man weiß, wie die Geschichte für den realen Galilei verlief. Der Weg dahin, ist feinsinnig ausgearbeitet, auch ist das Figurentableau nicht übermächtig. Der Überblick bleibt über die gesamte Länge erhalten.

Im Anschluss finden sich in der vorliegenden Ausgabe je eine Zeittafel zu Galilei selbst und zum Leben und der Arbeit Bertholt Brechts, ohne eine politische Wertung vorzunehmen. Für diese Ausgabe steht das Theaterstück für sich. Die Interpretation des Theaterstücks, die Bedeutung Bertholt Brechts im politischen Sinne muss man selbst vornehmen, wenn man nicht einfach nur sich der Form des Bühnenstücks hingeben möchte. Das Stück, stehend für sich, beeindruckt alleine schon im Umgang mit der Sprache, wurde bis heute mehrfach verfilmt und für die Bühne adaptiert. Das Lesen macht in jedem Fall Lust, das auch mal live zu erleben.

Leseprobe von Suhrkamp: Hier klicken.

Autor:
Bertholt Brecht wurde 1898 in Augsburg geboren und war ein deutscher Dramatiker, Librettist, Epiker und Lyriker, der das dialektische Theater mit begründet hat. Er starb 1956 in Ost-Berlin.

Margarete Steffin wurde 1908 in Rummelsburg geboren und starb 1941 in Moskau. Die Schauspielerin und Schriftstellerin war eine der engsten Mitarbeiterin Brechts.

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