Andreas Höll: Am Ende des Schattens

Inhalt:

Berlin in den Dreißigern. Der britische Korrespondent Segal Dolphin schreibt eine Reportage über ein Berliner Forschungsinstitut, an dem „Rassehygieniker“ die „Eingeborenen“ im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika vermessen. Als ihm eines Abends die geheimnisvolle Dodo Liebermann – deutsche Jüdin, bisexuell, Fotografin und Avantgardekünstlerin – begegnet, wird daraus der Beginn einer aufreibenden Amour fou. Doch er ahnt nicht, dass Dodo von einem undurchsichtigen Mann erpresst wird. Auf ihn trifft dolphin schließlich im Südwesten Afrikas, wo es zum Showdown kommt. (Klappentext)

Rezension:

Längere Zeit ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Rezensionsexemplare und auch sonst bei der Lektüre zu haben, bedeutet auch anzuerkennen, dass irgendwann der Bruch kommen muss. Der erfolgt dann um so härter, je länger man vorher lesen konnte, wo man schnell Zugang fand und auf Erzählebene ist dieser Bruch bei mir nun der Debütroman von Andreas Höll „Am Ende des Schattens“.

Dabei ist das Grundgerüst, der historische Stoff und die Anlehnung der Figuren an reale Vorbilder durchaus dazu angetan, über die gesamte Handlung hin zu tragen. Schon alleine die Szenerie eines Berlins zu Beginn der 1930er Jahre birgt für Schreibende ungeheuer viel Material, zu erzählen. Um mit etwas Positiven zu beginnen, dies zumindest beschreibt der Autor so plastisch, dass man sich gleichsam in eine Zeitreise wähnt, auch der gleich zu Beginn eingeführte Hauptprotagonist bietet, mit all den formulierten Ecken und Kanten viel Potenzial für die Entwicklung der Geschichte.

Darauf konzentriert hätte dies ein wunderbares und spannendes Leseerlebnis werden können, doch der Genre-Mix verlangt hier einiges ab, hat Brüche zwischen den Szenewechseln entstehen lassen und zumindest bei mir nicht dafür sorgen können, der Erzählung die notwendige Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen, die sie vielleicht verdient hätte. Ständig hatte ich hier das Gefühl, schon wieder irgendein vielleicht wichtiges Detail überlesen zu haben.

Zudem mangelt es hier an wirklichen Sympathieträgern unter den Figuren. Nicht einmal an die beiden Hauptprotagonisten mag man sich halten. Für mich entstand so leider der Eindruck, dass hier viel gewollt und nicht viele der Gedanken wirklich bis zum Ende hin verfolgt wurden. Gleichzeitig wird hier versucht, Fans verschiedener Genres zu bedienen. Wenn jedoch nicht eine Linie einmal etwas konsequenter verfolgt wird, kann der Funke auch nicht überspringen. Egal, bei wen.

Tatsächlich lesen die letzten Seiten so, wie ich mir den gesamten Roman gewünscht hätte. Ich hoffe nur, dass sich jemand findet, der sich mehr darauf einlassen kann, als ich das konnte. Unter den derzeitigen Eindruck stehend, ist es mir nicht möglich, eine Leseempfehlung zu geben.

Autor:

Andreas Höll studierte Allgemeine Rhetorik, Germanistik und Empirische Kulturwissenschaften in Tübingen sowie an der Stanford University in Kalifornien. Nach Volontariaten beim Ammann Verlag in Zürich und bei RIAS Berlin/Deutschlandradio wurde er Kunstredakteur beim Kulturradio des Mitteldeutschen Rundfunks. Neben zahlreichen Katalogtexten zur zeitgenössischen Kunst erschien 2004 sein Buch »Halbzeiten für die Ewigkeit« im Gustav Kiepenheuer Verlag.

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