Leipziger Buchmesse 2017: Bericht Teil 3 – Wochenende auf der Messe

Am Samstag hatte ich mir nicht so viel vorgenommen, auch wenn ich hier wieder das Stativ mitgenommen hatte. Auch an diesem Tag sollte ein Interview stattfinden, doch zuvor habe ich mir einen Vortrag zu einem Reisebericht über Südkorea angehört.

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Leipziger Buchmesse 2017: Bericht Teil 2 – Freitag auf der Messe

An einem der Abende, an denen die Forenmitglieder des Büchertreffs ihren Messetag ausklingen lassen, habe ich mich von Divina Michaelis dazu überreden lassen, einen ihrer Romane zu lesen. Zwar nicht mein Genre aber was nicht ist oder warum auch nicht, ich werde einen jedenfalls in naher Zukunft lesen und rezensieren.

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Leipziger Buchmesse 2017

Es ist wieder so weit, die Leipziger Buchmesse beginnt in wenigen Tagen. Genauer gesagt, vom 23.-26. März auf dem Geländer der Neuen Messe in Leipzig. Ich werde alle vier Tage auf der Messe sein und für euch (und für mich) Lesungen, Podiumsdiskussionen und Buchvorstellungen besuchen. Ein paar kleine Überraschungen habe ich natürlich auch für euch im Gepäck. Jetzt wird jedoch noch nichts verraten. Wer nicht auf die Berichte zur Messe warten möchte, kann mir auf Twitter und Instagram folgen. Dort werde ich regelmäßig meine Eindrücke festhalten.

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Euer findo.

Lesung: Wladimir Kaminer – Goodbye, Moskau

Bevor ich es vergesse, wollte ich doch noch etwas über die gestrige lesung von Wladimir Kaminer schreiben.

Ich muss dazu sagen, dass ich diesen Autoren noch nie auf den Schirm gehabt, jerdoch allenfalls entfernt mit Klamauk in Verbindung gebracht habe. Doch, wirklich kannte ich weder seine Bücher noch seinen Film, trotzdem schaut man ja einen geschenkten Gaul nicht ins Maul. Die Eintrittskarte hatte ich nämlich zum Geburtstag bekommen und gestern war nun der Tag, diese endlich einzulösen. Immerhin, ich habe mich vorher informiert und langsam wurde Kaminer doch noch interessant.

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Sebastian Fitzek: AchtNacht

Inhalt:
Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Todeslotterie. Sie könnten den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen. In der „AchtNacht“, am 8.8. jeden Jahres, würde aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.

Der Auserwählte wäre eine AchtNacht lang vogelfrei, geächtet. Jeder in Deutschland dürfte ihn straffrei töten – und würde mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankienspiel. Sondern bitterer Ernst. Es ist ein massenpsychologisches Experiement, das aus dem Ruder lief. Und Ihr Name wurde gezogen!
(Verlagstext)

Rezension:
Wie weit würden Sie gehen, wenn auf eine Person ein Kopfgeld von zehn Millionen Euro ausgesetzt wäre? Was würden Sie tun, wenn dies Ihr Kopf wäre? Diese Fragen stellt Sebastian Fitzek und begibt sich mit dem Leser auf die Spuren Benjamin Rühmanns, dessen Name in der AchtNacht gezogen wurde.

Fortan ist der auf der Flucht und versucht zu überleben. Doch, wen kann er noch trauen? Wer hat seinen Namen überhaupt ins Spiel gebracht? Wer hast ihn so sehr, dass er ihn tot sehen möchte? Und wer hat überhaupt dieses perfide Spiel gestartet, welches immer ungeheurere Dimensionen annimmt?

Kaum ein paar Monate nach dem Paket bringt der Berliner Autor schon wieder die Bestsellerlisten durcheinander und spielt in „AchtNacht“ mit der Psyche seiner Leser. Angesiedelt irgendwo zwischen einem klassischen Psychothriller und einem Verschwörungsthriller packt Sebastian Fitzek die Leser in ihre Grundfesten und lässt Fragen aufkommen, denen wir uns hoffentlich nie in der Realität stellen müssen, die aber von der Wirklichkeit nicht allzuweit entfernt sind.

Wie schnell passiert es heute, dass eine von den Medien vorgegebene Meinung als wahrhaftig hingenommen wird, ohne einer ernsthaften Überprüfung standhalten zu müssen? Wie schnell verbreiten sich behauptungen im Netz und wer mag noch unterscheiden zwischen Recht und Unrecht in einer Welt, die sich immer schneller dreht.

Und wer mag den entfesselten Mob aufhalten, zumal als Opfer?

In gewohnt nervenzerfetzender Manier hat Fitzek ein grausames Szenario entworfen, deren Wendungen so zahlreich wie vielfältig sind. Kurze Kapitel, temporeich geschrieben und zahlreiche Cliffhanger, zumal aus der Sicht der verschiedenen Akteuere.

Stilmittel, die der Autor beherrscht und auch hier wieder gekonnt einsetzt. Der Fan, der zudem andere Werke von ihm kennt, wird wieder einige Figuren vergangener Bücher entdecken, und, wer ganz genau liest, dann auch einen Logikfehler, der aber für sich genommen, nicht weiter ins Gewicht fällt und auch nicht verraten wird.

Schließlich würde sonst gespoilert werden, was keiner wollen kann. Jeder Leser soll ja seine persönliche AchtNacht erleben dürfen, wenn er auch das Glück hat, als nahstehender Beobachter zu agieren und das Buch am Ende des Tages zuklappen zu dürfen. Denn, Gott sei Dank, sind wir (noch) nicht so weit, das Szenario Realität nennen zu müssen.

Fitzek hat hier wieder bewiesen, dass er zu den Großen der deutschen Krimi- und Psychothrillerliteratur gehört, wenn auch das Lesevergnügen, mit kalten Schauer über den Rücken, nur ein paar Stunden anhält. Zu schnell liest sich auch dieser Thriller wieder.

Man sollte sich ihn gut einteilen. Etwas, was den wenigsten aber gelingen wird. Ohne viel Blut, aber mit den Gefühlen seiner Protagonisten, ist „AchtNacht“ ein erstaunliches Experiment, dem wir hoffentlich nie ausgeliefert werden.

Oder, hätten Sie vielleicht einen Namen noch für den Lostopf?

Autor:
Sebastian David Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren und ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er arbeitet in der Programmdirektion eines Berliner Radiosenders und studierte Jura bis zum ersten Staatsexamen. Er promovierte in Urheberrecht und arbeitete als Programmdirektor für verschiedene Radiostationen Deutschlands.

2006 erschien sein erster Psychothriller „Die Therapie“, welches promt ein Bestseller wurde und als bestes Krimi-Debüt für den Friedrich-Klauser-Preis nominiert wurde. 2012 wurde sein Roman „Das Kind“ verfilmt.

Merkmale seiner Bücher sind bestimmte Gimmicks zu seinen Büchern, wie wieder auftauchende Personen oder Extras in Form von Links oder Videos, auch sucht er Wege abseits der üblichen Wasserglas-Lesungen. 2016 feierte Fitzek zehnjähriges Autorenjubiläum.

Seine Bücher werden für’s Theater adaptiert, eine weitere Verfilmung ist in Arbeit. Fitzek wird in 24 Sprachen übersetzt.

Sebastian Fitzek
AchtNacht
Seiten: 408
ISBN: 978-3-426-52108-3
Verlag: Knaur

Saroo Brierley: LION – Der lange Weg nach Hause

Titel:
Dieses Buch erschien 2014 auch unter den Titel „Der lange weg nach Hause“, wurde aber zu Gunsten des 2016 gedrehten Films marginal umbenannt.

Rezension:
Vergleichsweise wenige Geschichten vermögen zu Tränen zu rühren. Eine solche ist sicherlich die von Saroo Brierley. In den ärmlcihen Verhältnissen Indiens aufgewachsen, stromerte das Kleinkind Sheru zusammen mit seinen Brüdern durch die Straßen seines Ortes, um Essen zu erbetteln und so den karegn Speiseplan aufzubessern.

Die alleinerziehende Mutter schaffte es mit ihrer arbeit nicht, die Kinder zu versorgen. Bei einem dieser streifzüge, die der Junge zusammen mit seinem älteren Bruder unternahm, ging er verloren als er in einem leeren zug schlich und einschlief.

Einen halben Tag später erwachte er und fand sich auf den Bahnhof des Millionenmolochs Kalkutta wieder. Fortan schlug sich Sheru, so der richtige Name, den er jedoch immer falsch „Saroo“ aussprach, durch und landete schließlich in einem Waisenhaus, von wo er von einem Aaustralischen Ehepaar adoptiert wurde.

Wohl behütet und liebevoll umsorgt, hielt er die Erinnerungen an seine Heimat wach und machte sich als junger Erwachsener auf die Suche. Das Unglöaubliche passierte. Er fand seine Familie und lebt nun in beiden Welten.

Schnell erzählt ist sie, die Lebensgeschichte dieses faszinierenden Jungen Mannes, der in seiner Kindheit nicht nur den Schock des Verlorenseins sondern auch einen kompletten Wechsel der Kulturen verkraften musste.

Der Leser weiß auch von Anfang an um den positiven Ausgang, doch der Weg dorthin wird mit ebenso großem Enthusiasmus und Detailliebe erzählt, dass der Leser sich förmlich selbst als das Kind sieht, welches zuerst in ständiger Angst, dann Neugier und schließlich als suchender junger Mann seinen Weg bestreitet.

Und der ist wahrlich lang. Mehrere Jahrzehnte nach der Trennung begleiten wir Saroo beim Treffen mit seiner indischen Mutter aber erkennen auch, wie wichtig es ist, im Ersatz-Kulturkreis Liebe, Halt und Unterstützung zu haben.

Saroo Brierley hatte dieses Glück und teilt seine Geschichte, um anderen Mut und Hoffnung zu geben. Hunderttausende Kinder, so wird vermutet, die genaue Zahl kennt niemand, leben verwahrlost alleine ohne geringste Chancen auf den Straßen der Metropolen des indischen Subkontinents.

Die meisten erreichen nicht das Erwachsenenalter, denn dort regieren Banden, Mord, Totschlag, Krankheiten und Hunger. Nicht wenige werden Opfer von Pädophilenringen oder gar Organhändlern.

Darauf aufmerksam zu machen, und dass es manchmal ausreicht, sich dem einen oder anderen Kind anzunehmen, sieht Brierley als wichtigste Aufgabe für die Verbreitung seiner Geschichte.

Zwar ist jede Adoption nur ein Tropfen auf den heißen Stein, genau so wie die Unterstützung von Hilfsprogrammen und Waisenhäusern, doch irgendwo muss man anfangen.

Brierley schildert ausdrücklich seine innere Zetissenheit zwischen der Liebe seiner Ersatzeltern und der Suche nach seiner richtigen Familie und gewinnt dabei die Herzen der Leser, ganz ohne zu übertreiben. Er erzählt und zieht den Leser in seinen Bann.

Erlebnisberichte bedürfen keiner Wertung, doch diese ist so eindrucksvoll, dass sie für die Leinwand adaptiert wurde. Sunny Pawar spielt hervorragend die Rolle des kleinen Saroo und man nimmt ihn anstandslos alle Emotionen ab, die auch beim Zuschauer durch die am Ende des Filmes laufenden realen Bilder geschürt werden.

Genau so im Bericht des wahren Saroo Brierley, auch dieses ist aufgelockert durch zahlreiche Fotos im Innenteil der Klappenbroschur und dem Bildteil in der Mitte des Buches.

Die Hoffnung nicht aufzugeben, das Unmögliche zu träumen und wahr werden zu lassen und darum zu kämpfen, ist die Botschaft Brierleys. Sie ist ihm sehr gut gelungen.

Autor:
Saroo Brierley wurde 1981 in Khandwa, Indien, geboren und lebt in Australien. Im Alter von fünf Jahren schlief er versehentlich in einem Zug ein und erwachte rund 14 Stunden später in der ihm fremden Stadt Kalkutta.

Wochenlang lebte er auf der Straße und hielt sich mit Bettelei über Wasser, bevor er in ein Waisenhaus kam. Da er nur ungenügende Angaben über seine Herkunft machen konnte, blieb die suche nach seiner Familie ergebnislos.

Schließlich wurde er von einem australischen Ehepaar adoptiert.

Als junger Erwachsener machte er sich mit Hilfe von Google Earth auf, Indien nach seinem Dorf aus den Erinnerungen zu durchsuchen. Er fand es 2012 und reiste nach Indien, wo er seine Familie wieder traf. Zwei Jahre später schrieb er seine Geschichte auf, die 2016 verfilmt wurde.

Saroo Brierley
LION – Der lange Weg nach Hause
Seiten: 255
ISBN: 978-3-548-37647-9
Verlag: ullstein

Kristina Ohlsson: Aschenputtel

Aschenputtel Book Cover
Aschenputtel Kristina Ohlsson Übersetzerin: Susanne Dahmann Krimi blanvalet Erschienen am: 17.09.2012 Taschenbuch Seiten: 477 ISBN: 978-3-8090-2591-7

Inhalt:

Hochsommer in Schweden. Es regnet Bindfäden. Der voll besetzte Schnellzug nach Stockholm muaa außerplanmäßig halten. Eine junge Frau tritt hinaus aufs Bahngleis, um ungestört zu telefonieren – und wird von ihrer Tochter getrennt, als der Zug ohne Vorwarnung weiterfährt.

Der Schaffner wird alarmiert, doch als er das kleine Mädchen abholen will, ist es spurlos verschwunden. Und Dutzende potentieller Zeugen haben nichts gesehen.

Das Ermittlerteam um Kommissar Alex Recht und Fahndungsspezialistin Fredrika Bergman wird auf den Fall angesetzt. Zunächst sieht es so aus, als stecke der Vater des Mädchens dahinter. Doch dann wird das Kind tot in Nordschweden gefunden.

Wenig später wird ein zweites Kind verschleppt, und der Fall entwickelt sich zu einem Albtraum – denn der Mörder ist nicht nur skrupellos, sondern geradezu brilliant in seinem Tun. Und er ist nicht allein… (Klappentext)

Rezension:

Es sollte eine ganz normale Zugfahrt werden, doch am Ende verschwindet das Kind spurlos. Die Mutter völlig aufgelöst, dass Ermittlerteam um den erfahrenen Kommissar Alex Recht neu zusammengestellt, noch in der Findungsphase. Klar, dass dort erst einmal Kompetenzen ausgelotet werden.

Insbesondere die neu hinzugekommene Analytikerin Fredrika Bergmann wird von den ausgebildeten Polizisten im Team kritisch beäugt. Das tut der Arbeit nicht gut und so kommt das Team nicht voran. Die Ermittlungen fahren sich fest.

Fredrika, noch nicht „betriebsblind“ lotet alle Möglichkeiten aus, wogegen die Kollegen sich auf eine allzu offensichtliche Spur konzentrieren.

Doch, auch der Täter selbst bleibt nicht untätig. Allen wird schließlich klar, dass die Zeit davonrennt als ein zweites Kind tot aufgefunden wird. Doch zwischen den zwei Leichen gibt es kaum Verbindungen.

Wo ansetzen? Als man sich schließlich zusammenrauft, schließen sich die Lücken. Bald hat man eine Vorstellung, doch die Wirklichkeit ist grausamer denn je.

Beim Blick in manchen Bücherregalen könnte man meinen, dass die Schweden ein gewalttätiges mordendes Volk wären, doch in Wahrheit schreiben sie nur gute Krimis. So auch Kristina Ohlsson, die mit ihrem Debüt „Aschenputtel“ einen fulminanten Auftakt liefert, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Zwar verzichtet die Autorin auf detaillierte Beschreibungen von Gewalt, der Schrecken spielt sich im Kopf des Lesers ab, doch psychisch vermag die Autorin um so mehr zu überraschen.

Dahinplätschernd beginnt die Geschichte um das charismatische Ermittlerteam, dessen Mitglieder alle ihre Eigenheiten haben und an Vielschichtigkeit in den einzelnen Kapiteln gewinnen.

Der Leser lernt jeden aus Alex Rechts Team kennen, sein Privatleben und Arbeitsauffassung und nach und nach die Sympathie für die Protagonisten. Auch die Täterpersonen bleiben nicht blaß.

Das zumindest hat der Leser Recht und Bergman voraus. Das tempo derweil zieht spätestens zur Mitte der Handlung an. Stockholm ist selten so spannend wie hier.

Ein Schweden-Krimi ohne die sonst übliche Melancholie. Der Auftakt ist gelungen, die Geschichte spannend und glaubwürdig und vor allem in sich abgeschlossen. zwar iost es schön, die Bücher in ihrer Reiehenfolge zu lesen, alleine wegen den Entwicklungen des Privatlebens der Ermittler.

Man kommt aber auch so klar. Die Charaktere wachsen einem an’s Herz. Während sonst einsame eigenbrötelerische Ermittler, allenfalls Duos die Druckseiten füllen, hat Ohlsson gut daran getan, ein ganzes Team antreten zu lassen.

Ihren Fokus auf den Rand der schwedischen Gesellschaft, den Finger in die Wunde des nordischen Mustersozialstaates gelegt, ist es auch spannend verpackte Gesellschaftskritik, diese nicht aus den Augen zu verlieren.

Und wenn doch, darf man sich wenigstens auf weitere Krimis von Kristina Ohlsson freuen, die mit ihrem flüssigen Schreib- und Erzählstil, ständig wechselnden Perspektiven und einer interessanten Handlung zu fesseln vermag.

Autorin:

Kristina Ohlsson wurde 1979 in Kristianstad geboren und arbeitete nach ihrem Studium der Politikwissenschaften im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium als Expertin für EU-Außenpolitik und Nahostfragen. Bei der nationalen schwedischen Polizeibehörde ebenso und als Terrorismusexpertin bei der OSZE in Wien.

2009 veröffentlichte sie ihren Debütroman „Aschenputtel“, mit dem ihr der Durchbruch als Autorin gelang. Die Reihe um die Polizisten Alex Recht und Fredrika Bergman wurde ein internationaler Erfolg. 2013 schrieb sie ihr erstes Jugendbuch, welches ein Jahr später in Deutschland erschien.

Alberto Angela: Pompeji – Die größte Tragödie der Antike

Pompeji - Die größte Tragödie der Antike Book Cover
Pompeji – Die größte Tragödie der Antike Alberto Angela Rezensionsexemplar/Sachbuch Goldmann Verlag Erschienen am: 28.11.2018 Hardcover Seiten: 511 ISBN: 978-3-442-31427-0

Inhalt: Am 23. Oktober 79 n. Chr. feiert die illustre Gesellschaft Pompejis ein opulentes Fest. Doch der bebende Vesuv wird das bunte Treiben in der Stadt der Ausschweifungen und Intrigen jäh beenden… Auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse rekonstruiert der renommierte Wissenschaftsjournalist und Bestsellerautor Alberto Angela in einem atemberaubenden Countdown Stunde um Stunde den Untergang der Stadt.

Alberto Angela führt uns durch belebte gassen, in prächtige Salons, kleine Läden und winzige Wohnstätten. Unaufhaltsam steuern wir mit den Pompejanern auf den verheerenden Ausbruch des Vesuvs zu.
Eine sinnliche Reise in die Welt der Antike, die tiefen Einblick gibt in das faszinierende Alltagsleben der Römer am Golf von Neapolis vor 2000 Jahren. (Klappentext)

Rezension:
Es war die wohl größte Tragödie der Antike. Als Rauchsäulen emporstiegen, die Erde bebte und ihr Innerstes preisgab, schien es, als würde der letzte Tag der Menschheit anbrechen und die Welt, wie sie die Bewohner Pompejis, Herculaneums und Stabiaes kannten, für immer untergehen.

So kam es auch. Die Zeichen der bevorstehenden Katastrophe nicht deuten könnend, wurden die Bewohner des Golf von Neapolis von den Urgewalten der Natur überrascht.

Der Berg, damals noch nicht als Vulkan erkennbar, eher ein fruchtbarer Hügel, erwachte zum Leben und der Zorn der Götter, so schien es, brach über die Menschen herein. Beim Ausbruch des Vesuviuvs starben Tausende, nur wenige konnten fliehen.

Alberto Angela nimmt seine Leser mit auf eine Zeitreise, verfolgt die jenigen, die überleben sollten und die, die starben und führt sie durch die Tage, nach denen nichts mehr so sein sollte, wie vorher. Der Autor, der in Fachkreisen schon mit einigen anerkannten Aufsätzen für Aufsehen gesorgt hat, hat für sein neuestes Werk eine ungeheure Recherchearbeit geleistet und von Vulkanologen, Historikern über Archäo- und Geologen die neuesten Erkenntnisse über das Leben im Römischen Reich im Allgemeinen und am Golf von Neapel im Besonderen zusammengetragen.

Herausgekommen dabei ist ein facettenreiches Portrait der Menschen jener Zeit, Der Leser begleitet die Einwohner Pompejis durch die letzten Tage der Katastrophe und sieht die Vorzeichen der Katastrophe, die der Autor ausführlich und doch leicht verständlich erklärt.

Wie konnte es zu diesem Vulkanausbruch kommen? Wie lebten und reagierten die Menschen auf dieses bis dato unbekannte Naturereignis? Wer schaffte es, sich und seine Familie, Freunde oder Sklaven in Sicherheit zu bringen und für wen war auch nur der Versuch, dem Unglück zu entfliehen, ein Schritt in den Tod?
Gestützt auf antiken Quellen und Forschungen anderer Vulkanausbrüche, sowie den Erkenntnissen aus den Ausgrabungen von Pompeji und Herkulaneum rekonstruiert Angela minutiös die Geschehnisse.

Dabei kommen auch neueste Theorien und Kenntnisse zur Sprache, sehr dicht recherchiert. Haben wir bisher den Ausbruch des Vulkans falsch datiert? Wer hatte die größten Überlebenschancen? Welche Klischees in der Denkweise über die Katastrophe sind schlichtweg falsch?

Erzählt wird von den einzelnen Schichten der antiken Gesellschaft und ihrem Umgang mit den Ereignissen, vorher mit dem, was sie umtrieb, womit sie sich in ihrem Alltag beschäftigten und weshalb die Katastrophe nicht nur im besagten Ausbruch sondern in mehreren Schüben der Naturgewalt bestand.

Der Leser indes fühlt sich inmitten der Geschehnisse. Spannender als jeder historische Roman, der je darüber geschrieben werden kann. Alberto Angela entfesselt für uns eine Katastrophe, die jederzeit erneut, dieses Mal über die Bewohner Neapels, hereinbrechen kann.

Fast als würde man selbst den Rauch sehen und die giftigen Dämpfe einatmen, unter Vulkangestein begraben oder von pyroklastischen Strömen überrollt werden. Wer dieses Standartwerk über Pompeji gelesen hat wird die Ausgrabungen und den Vesuv selbst künftig mit anderen Augen sehen.

Autor:
Alberto Angela wurde 1962 in Paris geboren, studierte nach dem Abitur in Frankreich und in Italien Naturwissenschaften, bevor er sich weiter auf Paläontologie und Paläoanthropogie spezialisierte. Er arbeitete an verschiedenen Orten der Welt an Ausgrabungen und Forschungen und veröffentlichte mehrere in Fachkreisen anerkannte Aufsätze.

Als Wissenschaftsjournalist arbeitete er für Fernsehsender und veröffentlichte mehrere Sachbücher über die menschliche Entwicklungsgeschichte und das Alte Rom. Er ist Mitglied des Instituts für Menschliche Paläontologie in Rom.