Reinhard Kuhnert: In fremder Nähe

Inhalt:

Elias Effert ist Theatermann. Stückeschreiber, Regisseur und Liedermacher und feiert in der DDR große Erfolge, bis er zu sehr mit seinen Texten aneckt. Der Geschasste verlässt die DDR, nur einer holt ihn in Westberlin ab. Joachim, Chef eines Westberliner Theaters, will helfen.

Doch, Elias ist skeptisch, nach und nach stellen sich jedoch erste Erfolge ein. Effert erlebt aber auch die Zweifel und Schwierigkeiten, ein Westler zu werden. Eine Welt wurde ihm fremd, die andere wird nie ganz nah. Nach Jahren öffnet sich für Elias ein völlig unerwarteter Weg. (eigene Inhaltsangabe).

Rezension:

Wenn man den Umschlagstext und die Inhaltsangabe eines großen Verkaufsportals auf diese art und Weise zusammenfasst, könnte man fast den Eindruck bekommen, man hätte es hier mit einer spannenden und wendungsreichen Thematik zu tun, wird aber gleichsam auf den ersten Seiten enttäuscht werden. Und die gehören schon zu den spannendsten, welche der Künstlerroman zu bieten hat.

Geschrieben hat ihn Reinhart Kuhnert, der hier als Theatermensch seine eigene Biografie verarbeitet hat und von den Schwierigkeiten erzählt, zwischen Tür und Angel, in diesem Fall zwischen Ost und West zu leben und nirgendwo so richtig anzukommen.

Und genau das passiert zunächst auch mit den Leser. Vielleicht liegt es daran, dass mir das bewusste Erleben der DDR- und Wendezeit fehlt, jedenfalls ist das anfangs noch verständliche Verhalten und Denken des Hauptprotagonisten, welches ihn zu einer durchaus wandelbaren und interessanten Figur hätte machen können, mir sehr schnell gehörig auf die Nerven gegangen. Diese ständigen Selbstzweifel, das Jammern wird mit der Zeit so unerträglich, dass es auch nicht hilft, dass man aufgrund des Erzählstils geradezu durch die Seiten fliegt.

Zu nennen sind die beiden Hauptfiguren, Effert zum einen und zum anderen Kramert, die gleichsam gegensätzliche Pole ihrer Orientierung bilden, denen man jedoch beide gegen eine Ziegelmauer stoßen möchte. Fast möchte man beiden Protagonisten zu schreien, man kann sich aber auch anstellen.

Ansonsten bewegt sich außer der dahinplätschernden Handlung nicht viel. Sinnsuche, vielleicht nicht ohne Sinn aber ohne Ergebnis und irgendwie habe ich das von diesen Roman erwartet. War dann vielleicht auch ein Fehler von mir.

Interessant ist die Verschmelzung der Geschichte des Autors mit der seines Protagonisten. Hier erweißt sich das Reale wieder einmal spannender als die gesponnene Geschichte. Kuhnert hat selbst eine Dissidentenbiografie vorzuweisen und ging in den 1980er jahren in den Westen, musste als Künstler praktisch von Null auf starten, verarbeitete mit diesem Roman wahrscheinlich all die Gedanken, die ihn seither begleiteten.

Er verwendete dafür reale Texte, die er selbst für verschiedene Theaterbühnen schrieb und legte sie seinen Protagonisten in den Mund oder in der Füllertinte. Solch einen Kniff zu verwenden ist stark. Um so bedauerlicher, dass Kuhnert nicht mehr daraus gemacht hat als diesen Roman, der mich fragend zurücklässt und farblos erscheint.

Vielleicht wirkt die Geschichte anders, wenn man selbst eine ähnliche Biografie aufweisen kann oder zumindest der Generation des Autoren angehört oder dessen Berufsgruppe? Mir fehlte leider der Zugang.

Autor:

Reinhard Kuhnert ist Schauspieler, Regieassistent und Regisseur und arbeitete an verschiedenen Theatern in der DDR, später in Westberlin und im Ausland.. Bis 1983 wirkte er als erfolgreicher Dramatiker in Ostberlin, bevor er nach zunehmenden Konflikten mit der Zensur und den folgenden Rauswurf aus den Schriftstellerverband der DDR nach Westberlin übersieltelte.

Er schreibt Stücke für Theater, Funk und Fernsehen aber auch Romane und Gedichte.Von 1994 bis 2007 lebte er in Galway/Irland und war dort Gastdozent der dortigen Universität, sowie 2006 an der Universität und dem Victorian College of Arts Melbourne. Er erhielt 1999 den Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlins und 2017 die Goldene Schallplatte.

Reinhard Kuhnert
In fremder Nähe
Seiten: 272
ISBN: 978-3-9818484-9-6
mirabilis Verlag

Autorenkollektiv: Heimat – Eine Hymne an Deutschland in Gedichten

Heimat - Eine Hymne an Deutschland in Gedichten Book Cover
Heimat – Eine Hymne an Deutschland in Gedichten Autoren: Autorenkollektiv Rezensionsexemplar/Poesie Erschienen am: 12.03.2018 Seiten: 128 ISBN: 978-3-7423-0533-6

Inhalt:
Nirgendwo ist es so schön wie daheim. Das wusste schon Heinrich Heine, der einst über seine Heimat dichtete: »Mit seinen Eichen, seinen Linden, werd ich es immer wiederfinden.« Im Sommer 2017 rief die Bild-Zeitung ihre Leser dazu auf, es Heine gleichzutun und eine Ode an ihre Heimat zu verfassen.

Gesucht wurden die schönsten Reime über der Deutschen liebste Plätze und Orte – von der Nordsee bis ins Allgäu, vom Rhein bis zum Erzgebirge. Die Reaktion war überwältigend: Allein in den ersten Tagen erreichten die Bild-Redaktion mehr als 800 Werke.

Die Aktion zeigte: Die Deutschen lieben nicht nur ihre Heimat, sie sind auch immer noch ein Land der Dichter. Dieser schmucke Band versammelt die besten und schönsten Gedichte. Hochwertig ausgestattet und mit vielen Bildern unserer zauberhaften Landschaften versehen hat diese Auswahl das Zeug, eine echte lyrische Reiseapotheke zu werden. (Klappentext)

Rezension:
Das kulturelle Erbe der Deutschen ist, zumindest, was Kunst und Dichtung angeht, immer noch ein Exportartikel. In asien hört man die klassischen Chöre von den Thomanern bis zu den Regensburger Domspatzen ebenso, wie man Goethe und Schiller in den Schulen kennenlernt. Doch, sind die Deutschen immer noch ein Volk der Dichter?

Die BILD-Zeitung wollte dies herausfinden und rief im Sommer 2017 zu einem Wettbewerb auf. Die Aufgabe: Die heimat in Reimform darzustellen, und somit die liebsten Orte und Plätze zu beschreiben. Schon in den ersten Tagen gab es Hunderte von Einsendungen. Die schönsten gedichte sind nun in diesem Band versammelt.

Lyrik gehört seit meinem Schulende nun nicht gerade zu dem, was ich lese und so war ich ob eines Ausfluges in diesen Bereich sehr gespannt, ob sie außerhalb des Deutsch-Unterrichtes überhaupt noch bei mir funktioniert.
Abseits aller Analysen und Interpretationen, wo es doch hier nur darum ging, die Deutschen zu fragen, was für sie Heimat ausmacht bzw. welche Orte in Deutschland diese beschreiben.

Mehr nicht, wobei ein größerer Anspruch hier nicht erwartet werden darf. Muss auch nicht sein, denn eines wird schnell klar. Der unterschiedlichen Qualität zum Trotz bestätigt sich der Gedanke von regelmäßigen Zuschauern dritter Fernsehprogramme, dass Lokalpatriotismus irgendwie immer funktioniert. Im Fernsehen ist es der drölfzigste Tatort oder bayerns idyllischste Eisenbahnstrecken, so werden in diesem Band Städte wie Duisburg hervorgehoben, die Deiche an der Nordsee oder das schöne Weimar.

Und danach hat man dann erst einmal genug davon, und möchte tatsächlich entweder an die besagten Orte reisen oder, mehrheitlich, in die Ferne schweifen, gleichwohl alle Gedichte ausnehmend positiv, nur manches Mal augenzwinkernd sind.

Deutschland, so scheint es, ist doch kein Volk der Kulturbanausen, sondern immer noch eines der Kreativen, der Dichter und Denker, die sich ein paar Minuten Zeit genommen haben, um kurz mehr oder weniger gelungen, ihre Heimat zu beschreiben.

Abseits des Populismuses, der solche wirren Dinge wie ein Heimatministerium hervorbringt, oder Hunderte gegen Immigranten anschreien lässt, tut ein „wenig für’s Herz“ einmal ganz gut, dann reicht es aber auch. Für die Teilnehmer und vor allem für die, deren Gedichten nun abgedruckt sind, eine schöne Erinnerung, für alle anderen Leser kein Must-Have.

Als Anregung, welche Örtlichkeiten in Deutschland man mal besuchen könnte, allemal gangbar. Mehr nicht. Ansonsten hilft es vielleicht, mal wieder Goethe und Schiller in die Hände zu nehmen. Wäre hilfreich.

Autoren:
Leser und Leserinnen der BILD-Zeitung, im Rahmen eines Wettbewerbs, über ihre Heimat zu dichten und der Deutschen liebste Orte lyrisch zu gedenken.