Kurzblick

Kurzblick: Das Rafik-Schami-Nudelsalat-Problem oder meines mit Kurzgeschichten

Eine Rezension zu schreiben, geht mir normalerweise leicht von der Hand. Zu gerne lese und erzähle ich. Wenn man es genau nimmt, mache ich das Gleiche, wie ein Schriftsteller, nur eben in der Draufsicht. Das funktioniert gut, egal ob das beschriebene Werk die Bestnote erhält oder ein Verriss zu formulieren ist.

Beides macht im Übrigen Spaß. Schwierig ist es, den Mittelwert auszuloten. Auch das jedoch, gelingt mir meistens. Eine literarische Gattung hat es jedoch geschafft, mich zur Verzweiflung zu bringen.

Kurzgeschichten sind konzentriert auf den Augenblick gerichtet, enden zumeist abrupt und erzählen gleichsam einer Fotografie Momentaufnahmen. Das kann entspannend sein, für mich jedoch ist es eine Herausforderung. Zu wenig Zeit, um die Protagonisten auf sich wirken zu lassen, die Sprache, der sich der oder die Schreibende bedient hat, sowie so. Und so liegt ausgelesen hier das Werk von Rüdiger Saß „Sein letztes Lächeln“ vor mir.

Aus Gründen außerhalb der Wertung.
Rüdiger Saß „Sein letztes Lächeln“
Seiten: 140
ISBN: 978-3-948172-03-9
Verlag: container press

Rezensieren werde ich es nicht, jedenfalls nicht in der üblichen Form. Wieder einmal bin ich über das „Rafik-Schami-Nudelsalat“-Problem gestolpert. Weder ein Problem des Autoren, noch des unabhängigen Verlages „container press“, nur mein eigenes. Auf den Punkt gebracht, als Leser funktionieren Kurzgeschichten für mich nicht, zumal solche, wie diese, die ständige Konzentration abverlangen.

Nicht das Problem des Autoren oder des Verlages, mein eigenes.

Das beginnt bei den abgedrehten Namen der Protagonisten, endet dann bei absurden Handlungen, denen ich kaum folgen kann. Immer wieder suche ich das Schwarze Loch, in dem vermeintlich wichtige Inhalte verschwunden sind, die jedoch nicht beschrieben wurden, da Rüdiger Saß sich hier nur auf das absolut Notwendige beschränkt hat. Keine Ausschweifungen, keine durchgehenden Geschichten, einfach nur das Spiel mit den Mitteln der Sprache.

Wer dies als Aufgabe von Literatur sieht, ist hiermit gut bedient. Andere Lesende werden vielleicht auf ähnliche Probleme stoßen, wie ich. Eine Gattungsform zu haben, mit der man nicht zurechtkommt, und das hat mir nun Rüdiger Saß mit dieser Sammlung als zweiter Autor vor Augen geführt. An alle Anderen gebe ich gerne diese Herausforderung weiter.

Konzentration, abrupte Enden und Absurdität, und das ist jetzt positiv gemeint, wird man hier finden, sowie Möglichkeiten, was Sprache auch bewirken kann. Zumindest das hat Rüdiger Saß bei mir geschafft, aufzuzeigen. Ein Abbruch war es nicht. Eine Grenze jedoch, die es mir auch diesmal nicht gelungen ist, sie zu überschreiten.

Kurzblick: VDSIS – Von der Straße ins Studio

Natürlich ist das ein Buchblog und das wird auch im nun gerade angebrochenen neuen Jahr so bleiben, doch hin und wieder sind Ausblicke über den kulturellen Tellerrand erlaubt und genau dafür gibt es die Kategorie -Kurzblick-.

Hier gehört alles hinein, was nicht mit Büchern, Buchmessen, Lesungen oder gar Reisen zu tun hat. Selbst die haben hier eine, wenn auch sehr vernachlässigte, eigene Rubrik. Unser heutiger Ausflug führt uns in die Musik.

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VDSIS – Von der Straße ins Studio

Es ist so ein Zufallsfund, den ich hier präsentiere. Kennt wahrscheinlich jeder. Man sucht etwas, googlet nach einem bestimmten Thema, liest sich rein und klickt dann hier und dort, landet sichließlich ganz woanders.

Ich zumeist auf Youtube, wo mir dann das eine oder andere Video heraufgespült wird, welches Youtube meint, ich mir unbedingt anschauen muss. Und da ich gerade Zeit hatte, habe ich das tatsächlich getan und diese tolle Entdeckung gemacht.

Das Kürzel VDSIS ist eher unscheinbar, doch präsentiert sich dahinter ein hochspannendes Projekt. Alleine, weil es das gibt, lohnt sich schon die Vorstellung und je mehr man darüber erfährt, um so interessanter wird es.

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Ausgeschrieben bedeutet VDSIS nichts anders als „Von der Straße ins Studio“ und bezeichnet ein Rapp-Projekt für Kinder und Jugendliche, welches 2010 ins Leben gerufen wurde.

Im Rahmen des Vereins SMOG e.V: (wieder so ein Kürzel), Schule machen ohne Gewalt e.V., arbeiten hier Jugendliche in Workshops zusammen, drehen gemeinsam Musik-Videos, nehmen an Auftritten und Studio-Aufnahmen teil. Mitunter mit selbst geschriebenen Texten, unterstützt von deutschen Rappern, Produktionsfirmen und professionellen Agenturen.

Die Texte greifen Themen auf, die Kinder und Jugendliche bewegen und gesellschaftlich mitunter kontrovers diskutiert werden (sollten).

So sollen die Kinder, dass ist das erklärte Ziel, alternative Wege aufgezeigt bekommen, Emotionen zu verarbeiten, sich mitzuteilen und zu präsentieren lernen.

Das Gemeinschaftserlebnis steht dabei im Vordergrund und hat bisher nicht nur zahlreiche Videoclips auf den hauseigenen Youtube-Kanal hervorgebracht, sondern auch mehrere Preise, sowie die notwenidge mediale Aufmerksamkeit, von der solche Projekte leben.

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Ein Rappmusical ist inzwischen ebenso entstanden, wie auch ein Film, der demnächst präsentiert werden soll.

Wenn es so weit ist, wird im Blog natürlich wieder darauf aufmerksam gemacht werden. Versprochen.

Die klangliche und musikalische Qualiät ist, soweit ich das beurteilen kann, sehr hoch, jedoch nicht das Hauptmerkmal, auf das wert gelegt wird.

Das Projekt zeigt jedoch, inzwischen in Deutschland, Schweiz und auch Österreich, was die gemeinsame Arbeit an einem Interesse bewirken kann und kann viel mehr als nur Musik anbieten.

So z.B. Workshops zu verschiedenen Themen, wie etwa das Entwickeln eines Videos von der ersten Idee bis zur Nachbereitung des Endproduktes. Motivationstraining und Selbstreflexion inklusive.

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Ein Projekt ist VDSIS, welches mit seiner Arbeit auch die Integrationsdebatte beeinflusst hat und noch vieles mehr. Auf Homepage und Youtube-Kanal, die ich euch beide hier verlinke, findet ihr noch mehr Informationen und vielleicht stößt es ja bei dem einen oder anderen musikbegabten Kind auf Interesse?

VDSIS beeinflusste mit seinen Beiträgen auch die laufende Integrationsdebatte.

Einfach mal im Bekanntenkreis umschauen. Vielleicht gibt es ja einen kleinen Musiker oder Schauspieler, der sich ausprobieren mag? Bewerbungen und Interessenten werden jedenfalls gerne gesehen.

Mitmachen bei VDSIS:
http://www.vonderstrasseinsstudio.com/talentforderung/

Das Projekt selbst: Von der Straße ins Studio

Euer findo.

Der Beitrag wird unterstützt von VDSIS. Bildentnahmen sind abgesprochen und Eigentum von VDSIS.