Knaur

Florian Schwiecker/Michael Tsokos: Eberhardt & Jarmer 3 – Die letzte LĂŒgnerin

BĂŒcher der Reihe:

Florian Schwiecker/Michael Tsokos: Eberhardt & Jarmer 1 – Die 7. Zeugin
Florian Schwiecker/Michael Tsokos: Eberhardt & Jarmer 2 – Der 13. Mann
Florian Schwiecker/Michael Tsokos: Eberhardt & Jarmer 3 – Die letzte LĂŒgnerin

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Inhalt:

Ein Polit-Skandal erschĂŒttert Berlin: In einem geleakten Video ist zu sehen, wie Bausenator Dieter Möller schmutzige Immobiliendeals mit einem russischen Oligarschen aushandelt – auch der Vater von Strafverteidiger Rocco Eberhadt soll darin verwickelt sein.

Als der fĂŒr das Video verantwortliche Tontechniker auf dem Seziertisch von Rechtsmediziner Dr. Justus jarmer landet, lautet die Anklage gegen Möller plötzlich auf Mord. In die Enge getrieben, bittet er Rocco um Hilfe und beteuert seine Unschuld.

Doch die ermittelnde Kommissarin findet immer mehr Beweise gegen den Bausenator, und Rocco muss sich fragen, ob sein Vater einen Mörder deckt … (Inhalt lt. Verlag)

Rezension:

Ein Treffen in den Hinterzimmern der Macht, eine heimliche Aufnahme und ein anonym weitergereichtes Video. Es gab Zeiten, da hat schon viel weniger auch große Politiker zu Fall gebracht und in sofern haben die Autoren, der Rechtsmediziner Michael Tsokos und der ehemalige Strafverteidiger Florian Schwiecker auch das Rad nicht neu erfunden, dennoch liegt mit „Die letzte LĂŒgnerin“ nun ein weiterer spannender Justiz- und Politkrimi vor.

Im dritten Band um Rechtsmediziner Justus Jarmer und Strafverteidiger Rocco Eberhardt entfĂŒhren uns die Schreibenden in die AbgrĂŒnde kommunalpolitischen Geschehens, welche sich zu einem handfesten Skandal auswachsen. Das Ausgangsszenario, siehe oben, ist klar gezeichnet. Ein GesprĂ€ch hinter verschlossenen TĂŒren, welches den Beteiligten um die Ohren fliegt und mehr als nur einen Stein ins Rollen bringt.

Auch ohne Vorkenntnisse der voranstehenden BĂ€nde findet man schnell den Einstieg in die Geschichte, derer beider Hauptprotagonisten klar umrissen sind. Dabei wirkt die Figur des Dr. Justus Jarmer nahezu blĂŒtenweiß, wĂ€hrend die Eberhardts schon zu Beginn Ecken und Kanten aufweist. Das muss auch so sein, schließlich muss sich der Strafverteidiger erneut auch mit seinem Vater auseinander setzen, ohne zu wissen, welche Kreise dies ziehen wird.

Mit Hilfe einer dichten Taktung in der ErzĂ€hlfolge wird, immerhin nicht ganz so blutig, die Handlung sehr rasant vorangebracht. Ein steter Perspektivwechsel und kurz hintereinander weg folgende Kapitel tun ihr ĂŒbrigens, um die Dynamik zu verschĂ€rfen.

Im Gegensatz zu anderen Werken aus der Feder Michael Tsokos‘ liegt hier der Fokus ganz klar auf die Erarbeitung des Falls im Gerichtssaal, in dem die Szenarien erarbeitet werden und die Figuren an Profil bekommen. Zu Beginn spielen die Autoren hier mit dem Gegensatz der um die beiden Hauptprotagonisten platzierten Figuren, welcher im Verlauf immer mehr und deutlichere Risse bekommt.

Der geĂŒbt Lesende ahnt eventuell sehr schnell des RĂ€tsels Lösung, doch tut dies der spannungsgeladenen AtmosphĂ€re keinen Abbruch. Die eine oder andere LĂ€nge im ErzĂ€hlstrang, dessen einzelne FĂ€den nie aus den Augen verloren werden, fĂ€llt da nicht weiter ins Gewicht.

In sich schlĂŒssig und ohne große Logikfehler ist die sehr kompakt wirkende ErzĂ€hlung aufgebaut, die vielleicht sprachlich nichts Besonderes hergibt, aber sehr gut unterhĂ€lt und ohne Splatter-Effekt auskommt. TatsĂ€chlich aber wird man sich bei dem Gedanken erwischen, dass es genau so lĂ€uft in der hauptstĂ€dtischen Politik, ohne jedoch Zeile fĂŒr Zeile eine Provinz-Schreibe ertragen zu mĂŒssen. Trotzdem kann man sich auch diesen, wie die anderen BĂ€nde zuvor sehr gut als Verfilmung vorstellen. So einprĂ€gsam sind Örtlichkeiten beschrieben.

Es ist spannend, Eberhardt und Jarmer auf ihrer Spurensuche zu begleiten, zudem auch diese beiden positiv besetzten Protagonisten in ihren Charaktereigenschaften doch gegensÀtzlich ausgestaltet wurden. Dem Text merkt man an, wo die Sachkenntnis welchem der beiden Autoren eingeflossen ist, was der ErzÀhlung gut tut.

Wer einfach nur gut unterhalten werden möchte, ohne große AnsprĂŒche einer Handlung folgen will, die spannend ist, jedoch ohne wirkliche Effekthascherei auskommt, ist auch mit diesem Band, den man unabhĂ€ngig von den VorgĂ€ngern lesen kann, bedient.

Der gerichtsmedizinische Anteil ist dabei gering gehalten. Blut fließt also nicht allzu viel. Vor allem die Gerichtsszenen, wahrscheinlich das, was im Deutschen am wahrscheinlichsten an einem Grisham herankommt, sind es, die „Die letzte LĂŒgnerin“ zu einer ĂŒber Strecken durchaus in den Bann ziehenden LektĂŒre machen.

Damit ist dann auch das Trio perfekt. Gegen einen weiteren Band wÀre dennoch nichts einzuwenden. Im Zusammenspiel mit den beiden Protagonisten könnte man noch so einige Geschichten erzÀhlen.

Autoren:

Michael Tsokos wurde 1967 in Kiel geboren und ist ein deutscher Rechtsmediziner und Professor an der Charite Berlin. Seit 2007 leitet er dort das Institut fĂŒr Rechtsmedizin und das Landesinstitut fĂŒr gerichtliche und soziale Medizin in Berlin-Moabit. Zudem ist er als Autor von SachbĂŒchern und Thrillern, oft in Kombination mit anderen Autoren tĂ€tig.Seit 2014 engagiert er sich als Botschafter des Deutschen Kindervereins.

Florian Schwiecker wurde 1972 in Kiel geboren und ist vom Beruf Strafverteidiger. 2017 erschien sein erster Thriller. FĂŒr eine Zeitung schreibt er regelmĂ€ĂŸig eine Thriller-Kolumne.

Der Autor lebt in Berlin.

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Florian Schwiecker/Michael Tsokos: Eberhardt & Jarmer 2 – Der 13. Mann

Inhalt:

Ein Mann. Eine Leiche. Ein Abgrund.
Rocco Eberhardt kann kaum glauben, was den unscheinbaren Timo Krampe in seine Anwaltskanzlei fĂŒhrt: Timo wollte mit seinem Freund Jörg einen Skandal von enormer Sprengkraft aufdecken, doch nun ist Jörg verschwunden. Emordet, wie Rechtsmediziner Justus Jarmer angesichts der Wasserleiche auf seinem Tisch vermutet.

Und auch Timos Leben scheint in Gefahr, denn seine EnthĂŒllung ist wahrlich brisant: Im Rahmen des Granther-Experiments hatten Berliner JugendĂ€mter noch bis 2003 Pflegekinder bewusst an pĂ€dophile MĂ€nner vermittelt – auch Timo und Jörg. Und die Verantwortlichen sitzen inzwischen an den Schalthebeln der Macht… (Klappentext)

BĂŒcher der Reihe:

Rezension:

Ein rechtsmedizinisch, nur angehauchter, Justiz-Krimi ist das, was diesmal die Autoren Florian Schwiecker und Michael Tsokos vorgelegt haben, der jedoch um so spannender daherkommt, wie auch die Anlehnung an reale Geschehnisse hoch brisant ist.

Wieder enstpannt sich ein zunĂ€chst relativ harmloser, dennoch dĂŒster erscheinender Fall um das ungleiche Ermittler-Duo, den Rechtsmediziner Justus Jarmer, der eine aus einem Berliner Kanal geborgene Leiche obduzieren muss, und Strafverteidiger Rocco Eberhardt, der diesmal in die Verlegenheit kommt, ein Opfer mit einer unglaublichen Geschichte vertreten zu mĂŒssen. Beide FĂ€lle sind schnell einer und der wirbelt genug Staub auf, dass nicht nur die beiden Hauptprotagonisten sich bald einem gewaltigen Sturm gegenĂŒber sehen.

Dabei ist der ErzĂ€hlstil, wie auch schon mit Auftakt der Reihe, weiterhin sehr ruhig, wenn auch zahlreiche Thriller-Elemente, wie Kapitel, erzĂ€hlt aus den verschiedenen Sichtweisen der handlungsgebenden Figuren, vorhanden sind und genug Wendungen, um Lesende zu verwirren und aufs Glatteis zu fĂŒhren.

Dabei gelingt den Schreibenden die Protagonisten mit einer genĂŒgenden Prise RealitĂ€t auszustatten und sich entlang von Geschehnissen zu hangeln, die dennoch genĂŒgend verfremdet und abgewandelt wurden, wie man anhand des Nachworts erfĂ€hrt. Schließlich ist nichts grausamer als die RealitĂ€t.

Spannend ist hier die psychologische Komponente der Figur Timo Krampe herausgearbeitet, genau so, wie die des zuerst unscheinbar bleibenden Gegenspielenden. Dessen IdentitĂ€t und Rolle wird schnell klar, nur beinahe zu schnell. Mit wenigen Kapiteln rĂŒckt das Taktieren der Protagonisten in den Vordergrund, woraus eine interessante Dynamik entsteht.

Nicht ganz so detailliert sind gerichtsmedizinische Elemente, weshalb dieser Krimi durchaus, wenn auch mit Vorsicht, jene sich zu GemĂŒte fĂŒhren können, die es nicht ganz so blutig mögen. Insgesamt kann man den beiden Autoren zuschreiben, einen Band geschrieben zu haben, der nicht schwĂ€cher ist als der erste, an ErzĂ€hltempo zulegt und Lust macht, auf weitere FĂ€lle (die ansonsten unabhĂ€ngig voneinander gelesen werden können).

Autoren:

Michael Tsokos wurde 1967 in Kiel geboren und ist ein deutscher Rechtsmediziner und Professor an der Charite Berlin. Seit 2007 leitet er dort das Institut fĂŒr Rechtsmedizin und das Landesinstitut fĂŒr gerichtliche und soziale Medizin in Berlin-Moabit. Zudem ist er als Autor von SachbĂŒchern und Thrillern, oft in Kombination mit anderen Autoren tĂ€tig.Seit 2014 engagiert er sich als Botschafter des Deutschen Kindervereins.

Florian Schwiecker wurde 1972 in Kiel geboren und ist vom Beruf Strafverteidiger. 2017 erschien sein erster Thriller. FĂŒr eine Zeitung schreibt er regelmĂ€ĂŸig eine Thriller-Kolumne.

Der Autor lebt in Berlin.

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Michael Tsokos: Paul Herzfeld 3 – Abgetrennt

Inhalt:

Rechtsmediziner Dr. Paul Herzfeld ist zurĂŒck am Sektionstisch. Sofort wird er mit einem Fall konfrontiert, der ihn in seine eigenen Reihen fĂŒhrt. Gestohlene Leichenteile tauchen auf, darunter ein Arm mit einer seltenen, aber symboltrĂ€chtigen TĂ€towierung: einer schwarzen Sonne. Genau diesen Arm hatte Herzfeld schon einmal seziert. Der Rechtsmediziner ist alarmiert: Verkauft einer seiner Kollegen Leichenteile?

Voreilige SchlĂŒsse wĂŒrden den Ruf der Kieler Rechtsmedizin gefĂ€hrden, also ermittelt der smarte Rechtsmediziner auf eigene Faust und wird von einem skrubellosen TĂ€ter vor spektakulĂ€rer Kulisse in eine tödliche Falle gelockt. WĂ€hrenddessen lĂ€sst auch Herzfelds Todfeind Prof. Volker Schneider nichts unversucht, um sich an ihn zu rĂ€chen. (Klappentext)

BĂŒcher der Reihe:

Michael Tsokos/Sebastian Fitzek: Paul Herzfeld – Abgeschnitten (Stand Alone)

Michael Tsokos: Paul Herzfeld 1 – Abgeschlagen

Michael Tsokos: Paul Herzfeld 2 – Abgefackelt

Michael Tsokos: Paul Herzfeld 3 – Abgetrennt

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Rezension:

Gleichwohl ungefĂ€hr im selben Universum angesiedelt, wie die Schreibarbeiten von Sebastian Fitzek oder Veit Etzold, liegt mit „Abgetrennt“ ein weiterer, vergleichsweise ruhig daherkommender Thriller aus der Feder von Deutschlands bekanntesten Rechtsmediziners vor, der an Spannung nichts vermissen lĂ€sst.

Wieder einmal begibt sich hier Dr. Paul Herzfeld auf Spurensuche, am und fernab des Sektionstischs und auch diesmal mĂŒndet das ganze in einem aufsehenerregenden Showdown.

Nach dem spekatkulÀren Verschwinden seines ehemaligen Vorgesetzten und Erzfeindes Volker Schneider beginnt Paul Herzfeld nach einer Auszeit seine Arbeit am Rechtsmediznischen Institut in Kiel wieder aufzunehmen und wird kurz darauf mit einem mysteriösen Fall auf den Sektionstisch konfrontiert.

Der Titel des Thrillers ist hier Programm. Die sich daraus fĂŒr den Hauptprotagonisten ergebenden Fragen stehen zu Beginn einer immer rĂ€tselhafteren Handlung.

Michael Tsokos, Deutschlands profiliertester Rechtsmediziner kann nicht nur Fachartikel schreiben und seine Expertise in spektakulĂ€ren FĂ€llen zur VerfĂŒgung stellen. Mit seinen Thrillern und kurzweiligen SachbĂŒchern hat er mittlerweile zur PopularitĂ€t der Rechtsmedizin abseits aufmerksamkeitsheischender US-Krimiserien begetragen.

Dennoch sind seine Thriller nicht minder spannend und auch dieser Band, den man unabhÀngig lesen kann (Dem Rezensenten, sprich: mir, fehlt Band Zwei.), lÀsst nichts von dem vermissen, was man von dem Autoren erwarten kann.

Nicht ganz so wendungsreich wie etwa bei Sebastian Fitzek wird hier eher der Fokus auf die Ermittlungsarbeit am Sektionstisch gelegt. Das muss man mögen. Wer detaillierte Beschreibungen von Sektionen, GerĂŒchen und GerĂ€uchen, wenn etwa der Arm vom Körper abgetrennt wird, nicht lesen mag, sollte die Finger davon lassen. Alle anderen werden ohnehin genau das erwarten.

WĂ€hrend die ersten Thriller von Michael Tsokos sich vergleichsweise hölzern laßen, Wechsel zu abrupt und so manches Mal nicht gerade nachvollziehbar waren, ist der Autor offenbar mittlerweile in Übung und legt flĂŒssig zu lesende Schreibarbeiten vor, in der keine roten FĂ€den, Hautfetzen oder Blutspuren verloren gehen.

Nur am Ende merkt man es hier dann doch, dass Tsokos fĂŒr gewöhnlich etwas anderes macht als zu schreiben. Hier wĂ€re ein etwas anderer Schreib- oder ErzĂ€hlstil von Vorteil gewesen. Nichts destotrotz bleibt dann doch der ĂŒberwiegend mit Spannung aufwartende Handlunsgverlauf in Erinnerung, in der mal der Hauptprotagonist uns Lesenden einen Schritt voraus ist, um dies dann wieder umzukehren.

Drei HandlungsstrĂ€nge fĂŒhren hier zu einem Showdown, bei den man schwanken mag, ob dies dann doch nicht zu viel des Guten ist oder genau das richtige Maß trifft. Die Ausarbeitung der Protagonisten, die ausfĂŒhrliche Beschreibung gerichtsmedizinischer Spurensuche, hier entfaltet Michael Tsokos noch einmal sein ganzes Potenzial, die kurzweiligen Kapitelwechsel und der logische Aufbau entschĂ€digen jedoch fĂŒr kleinere MĂ€ngel, die dann kaum mehr erwĂ€hnenswert erscheinen.

Es lohnt sich also, darauf zu warten, was Michael Tsokos uns als nÀchstes auf den Sektionstisch legt. Das nÀchste Mal vielleicht kein Arm.

Autor:

Michael Tsokos wurde 1967 in Kiel geboren und ist ein deutscher Rechtsmediziner und Professor an der Charite in Berlin. Er leitet seit 2007 das dortige Institut fĂŒr Rechtsmedzin, gleichzeitig das Landesinstitut fĂŒr gerichtliche und soziale Medizin in Berrlin-Moabit. Zudem ist er Leiter der Gewaltschutzambulanz der Charite.

1998-99 nahm er an der Exhuminierung und Identifizierung von Leichen aus MassengrĂ€bern des Bosnienkrieges und im Kosovo teil, 2004-05 war er im Auftrag des Bundeskriminalamtes zur Identifizierung der Tsunami-Opfer in Thailand tĂ€ig. Er ist Autor mehrerer Fachzeitschriften, populĂ€rer SachbĂŒcher und Mitautor mehrerer Thriller. Seit 2014 ist er Botschafter des Deutschen Kindervereins. Tsokos lebt mit seiner Familie in Berlin.

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Hans Peter SchĂŒtz: Wolfgang SchĂ€uble – Zwei Leben

Inhalt:

Wolfgang SchĂ€uble prĂ€gt seit einem halben Jahrhundert die deutsche Politik: Bundestagsabgeordneter der CDU, spĂ€ter Innenminister, Finanzminister und jetzt BundestagsprĂ€sident. Sein Intellekt, seine Disziplin und LoyalitĂ€t sind auch beim politischen Gegner anerkannt. Hans Peter SchĂŒtz hat fĂŒr seine umfassend aktualisierte und erweiterte Biografie mit SchĂ€uble und dessen Familie gesprochen, WeggefĂ€hrten und politische Gegner befragt. So schildert er nicht nur den Weg eines Ausnahmepolitikers, sonder auch die weniger bekannte Seite des Menschen schĂ€uble. (Klappentext)

Rezension:

Als die SchĂŒsse fielen, verĂ€nderte sich sein Leben von einem Moment auf den anderen komplett. Seit dem 12. Oktober 1990 ist der heute dienstĂ€lteste Politiker des deutschen Bundestags gelĂ€hmt und an den Rollstuhl gefesselt. Seit dem gibt es fĂŒr Wolfgang SchĂ€uble ein Leben vor dem Attentat und eines danach. Wer ist der Mann aus dem baden-wĂŒrttembergischen Offenburg, der hart gegen sich selbst, beinahe ohne RĂŒcksicht auf seine Gesundheit, Politik gemacht und dessen Genauigkeit, Durchhaltevermögen und Detailversessenheit bei politischen Gegnern und Freunden berĂŒhmt, zu weilen auch berĂŒchtigt ist?

Warum scheiterte SchĂ€uble daran, Bundeskanzler oder -prĂ€sident zu werden, gleichwohl er fĂŒr seine politische Arbeit geachtet und manchmal auch gefĂŒrchtet wurde. Der Journalist Hans Peter SchĂŒtz hat ĂŒber Jahre den Politiker begleitet, Freunde, WeggefĂ€hrten, Familie und Gegner gesprochen. Herausgekommen dabei ist 2012 ein vielschichtiges PortrĂ€t. Nun liegt seine Aktualisierung vor.

Politische Biografen begehen hÀufig einen kaum zu gelingenden Balanceakt. Bindet man die zu portrÀtierende Person sehr stark mit ein, besteht die Gefahr, den objektiven Blick zu verlieren und wenig Kritik zu zulassen. HÀlt man sich dagegen nur an externe Quellen entfernt man sich von dem Menschen, dessen Vielschichtigkeit dann gar nicht gut genug herausgearbeitet werden kann.

Der Versuch Hans Peter SchĂŒtz‘ gelingt zu großen Teilen, dies einmal vorab, da beide Seiten des vor allem politischen Leben Wolfgang SchĂ€ubles herausgearbeitet werden. Der Blick des Journalisten richtet sich dennoch an die Wegmarken des Ausnahmetalents, dessen LoyalitĂ€t hĂ€ufig missbraucht wurde, dennoch dieser einstweilen wie Sisyphos immerzu neue Herausforderungen in der Politik suchte. Oft genug fanden sie ihn.

Der Autor und Journalist schildert, wie das Attentat das politische Leben und Arbeiten YSchĂ€uble verĂ€nderten, welche Rolle dieser einnahm in der Neuregelung der Hauptstadtfrage und wie zu den Architekten der Einheit von bundesdeutscher Seite aus nicht nur Kohl oder Genscher, sondern auch SchĂ€uble gezĂ€hlt werden mĂŒssen und worin heute seine politischen Leitlinien bestehen.

Kritik wird da geĂ€ußert, wo der Politiker seinen selbstgestellten Anforderungen nicht gerecht wurde oder SchĂ€ubles Ungeduld und HĂ€rte in die falsche Richtung wirkte. Dabei spannt SchĂŒtz einen großen Bogen von den politischen AnfĂ€ngen in den 1960er Jahren bis heute, erzĂ€hlt detail- und kenntnisreich von den kleinen und großen Anekdoten SchĂ€ubles, ohne wichtiges aus den Augen zu verlieren. UnterstĂŒtzt wird dies durch die zahlreichen Interviews und Befragungen von Wegbegleitern und politischen Gegnern.

NatĂŒrlich orientiert sich die Biografie kapitelmĂ€ĂŸig an einer Art Zeitstrahl, dennoch hat man nicht unbedingt das GefĂŒhl ein starres Konstrukt sich zu gemĂŒte zu fĂŒhren. So ist dieser Text, der weder SchmĂ€hschrift noch Huldigung ist, leicht zugĂ€nglich. Es stellt sich die Frage, wie die Politik aussehe, wenn es mehr Politiker vom Format SchĂ€ubles geben wĂŒrde? Diese Frage muss man nach dem Leben sich selbst beantworten.

Autor:

Hans Peter SchĂŒtz wurde 1939 in Donaueschingen geboren und war ein deutscher Politikjournalist und Autor. ZunĂ€chst studierte er Soziologie an der Freien UniversitĂ€t Berlin und begann ein Volontariat beim SchwĂ€bischen Tagblatt in TĂŒbingen, bevor er als Politikredakteur der Ulmer SĂŒdwest Presse arbeitete.

FĂŒr diese und die Stuttgarter Nachrichten war er 1974 bis 1988 Korrespondent in Bonn. 1988 wurde er Leiter des Bonner BĂŒros des Nachrichtenmagazins Stern, ab 1992 stellvertretender Chefredaktuer bei der SĂŒdwest presse. 1996 ĂŒbernahm er die Ressortleitung Politik beim Stern. seit 2007 arbeitete er als freier Autor. 2012 veröffentlichte er eine Biografie zu Wolfgang SchĂ€uble, die 2021 nochmals aktualisiert wurde. SchĂŒtz starb am 17. Mai 2021 bei Berlin.

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Michael Tsokos: Kaltes Land – Ein Fall fĂŒr Sabine Yao

Inhalt:

Ein Anruf reißt Rechtsmedizinerin Sabine Yao jĂ€h aus ihrem Berliner Arbeitsalltag im Sektionssaal. Eine Wasserleiche wurde im Umland von Kiel geborgen. Es handelt sich um ihre verschollene Tante. Alles deutet auf Mord hin. Yao fĂ€ngt an, auf eigene Faust zu ermitteln. Und wĂ€hrend sie erkennt, wie wenig sie von ihrer Tante wusste, schließt sich um sie ein Kreis gnadenloser Gewalt… (Klappentext)

Einordnung:

Die Geschichte ist Teil der Short Reads Thriller verschiedener Autoren von Droemer Knaur und kann unabhĂ€ngig von anderen Geschichten des Autoren gelesen werden, sowie auch von den BĂŒchern der Reihe.

Rezension:

FĂŒr spannungs- und wendungsreiche Thriller, die sich im Blick auf Protagonisten und Handlung ĂŒberkreuzen und dennoch unabhĂ€ngig von einander gelesen werden können, zudem immer wieder in VerknĂŒpfung zu Werken anderer Autoren, gibt es zurzeit eine adresse und die liegt im Droemer Knaur Verlag mit dessen Autoren von Sebastian Fitzek bis Michael Tsokos.

Man kennt sich untereinander, tauscht sich aus und schafft zumeist sehr lesenswerte Trilogien. FĂŒr die Leserschaft ergeben sich damit folgende Fragen. Ist dies etwas fĂŒr mich? Womit beginnen? Zumindest den ErzĂ€hl- und Schreibstil von Michael Tsokos kann man nun antesten. Mit „Kaltes Land“ hat der Autor eine lesenswerte Kurzgeschichte geschaffen.

Beginnen umfangreichere Thriller aus seiner Feder zunĂ€chst eher gemĂ€chlich, steigt man hier direkt in eine Handlung ein, die schon nach wenigen Zeilen Fahrt aufnimmt. Aus wechselnden Perspektiven wird schnell eine Handlung aufgebaut, die in sich schlĂŒssig ist und natĂŒrlich die Rechtsmedizin, Fachgebiet des Autoren, als Hintergrund hat. Allzu blutig wird es dabei nicht, dennoch lassen genug Details Schauer aufkommen, wenn auch der Fokus auf die ermittelnde Hauptprotagonistin außerhalb ihres Spezialgebiets gelegt wird.

Das funktioniert wunderbar. Stakkatohaft reihen sich die Kapitel aneinander und erzĂ€hlen nicht ganz so wendungsreich, wie gewohnt, die Geschichte. Schnell ĂŒberliest man da Details, manches wĂŒnscht man sich im Nachhinein ausfĂŒhrlicher dargestellt. Einen Langroman mit der Handlung ist gut vorstellbar. Manche Wechsel wirken zu abrupt. Das fĂ€llt dies bei dieser Kurzgeschichte nicht ganz so stark ins Gewicht, gibt aber ein GefĂŒhl fĂŒr Tsokos‘ Art, seine ErzĂ€hlungen wirken zu lassen.

Wer dann noch mehr lesen möchte, kann Rechtsmedizinerin Sabine Yao als eine der zahlreichen Figuren in den anderen Thrillern verfolgen.

Autor:

Michael Tsokos wurde 1967 in Kiel geboren und ist ein deutscher Rechtsmediziner und Professor an der Charite in Berlin. Er leitet seit 2007 das dortige Institut fĂŒr Rechtsmedzin, gleichzeitig das Landesinstitut fĂŒr gerichtliche und soziale Medizin in Berrlin-Moabit. Zudem ist er Leiter der Gewaltschutzambulanz der Charite.

1998-99 nahm er an der Exhuminierung und Identifizierung von Leichen aus MassengrĂ€bern des Bosnienkrieges und im Kosovo teil, 2004-05 war er im Auftrag des Bundeskriminalamtes zur Identifizierung der Tsunami-Opfer in Thailand tĂ€ig. Er ist Autor mehrerer Fachzeitschriften, populĂ€rer SachbĂŒcher und Mitautor mehrerer Thriller. Seit 2014 ist er Botschafter des Deutschen Kindervereins. Tsokos lebt mit seiner Familie in Berlin.

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Eddie Jaku: Der glĂŒcklichste Mensch der Welt

Inhalt:

„Mein lieber neuer Freund, meine liebe neue Freundin,

ich lebe jetzt schon ein Jahrhundert lang und weiß, was es heißt, dem Bösen ins Antlitz zu blicken. Ich habe die grĂ¶ĂŸten Übel der Menschheit gesehen, das Grauen der Todeslager, den Versuch der Nazis, mein Leben und mein ganzes Volk auszulöschen. Doch heute betrachte ich mich als den glĂŒcklichsten Menschen der Welt. In all meinen Jahren habe ich gelernt: Das Leben kann schön sein, wenn wir es schön machen. Ich will dir meine Geschichte erzĂ€hlen.“

Eddie Jaku

(Klappentext)

Rezension:

Was macht es mit einem Menschen, wenn man ihn mehrmals durch die Hölle auf Erden schickt? Wenn dieser nicht weiß, ob er vor Schmerz, Hunger, KĂ€lte, Grausamkeit und abgrundtiefer Gewalt den nĂ€chsten Tagen, den nĂ€chsten Abend erleben wird? Der Holocaust-Überlebende Eddie Yaku erzĂ€hlt es uns.

Eddie Yaku wurde 1920 als Abraham Salomon Jakubowicz in Leipzig geboren und begann erst im hohen Alter seine bewegende geschichte zu erzĂ€hlen. Hundert Jahre nach seiner Geburt hat er sie zu Papier gebracht und nun liegt sie in ĂŒbersetzter Form vor, in dem Land, welches ihn einst jedwedes Recht zum Leben absprach.

Doch Jaku hegt keinen Groll, sondern blickt positiv auf das Leben. Bemerkenswert bei all dem, was er durchmachen und erleiden musste. Er erzĂ€hlt von der Machtergreifung der Nazis in Deutschland ebenso, vom Verstecktwerden und Verstecktsein, von LĂŒge und Verrat, dem Ausgeliefertsein in der Hölle auf Erden, aber auch vom kleinen GlĂŒck, welches half, den Willen zum Überleben zu bewahren.

Wenn du heute die Gelegenheit dazu hast, bitte, geh nach Hause und sag deiner Mutter, wie sehr du sie liebst. Tu es fĂŒr deine Mutter. Und tu es fĂŒr deinen neuen Freund Eddie, der es seiner Mutter nicht mehr sagen kann.

Eddie Jaku: Der glĂŒcklichste Mensch der Welt

Holocaust-Biografien gibt es inzwischen viele zu lesen. Wichtige Zeitzeugen-Berichte sind dies, die, so sie noch nicht geschrieben sind, festgehalten werden mĂŒssen. In ein paar Jahren schon, sind die ErzĂ€hlenden nicht mehr, doch wird man diese Dokumente in Zukunft benötigen, um zu erinnern und nicht zu vergessen.

Eddie Yakus Bericht ist dabei eines der positiveren, die man sich erlesen kann. So viel EinfĂŒhlsamkeit, auch Fragen erwartet man kaum beim Lesen. Unterteilt ist die Biografie in Maximen, die ihm im jeweiligen Lebensabschnitt geholfen haben, sich zu orientieren und zu ĂŒberleben.

Alleine dies ist schon sehr besonders, zudem die direkte Ansprache. Fast wirkt es so, als sĂ€ĂŸe man dem Autoren gegenĂŒber und wĂŒrde einem Vortrag ĂŒber dessen Leben lauschen. Alles wird plastisch, die kleinen und großen Momente des Grauens, aber auch des GlĂŒcks. Es ist die Biografie eines besonderen Menschen, der sich nie besonders nahm, ein Dokument, welches mahnt, ohne mahnend zu wirken.

Ein beeindruckender Mensch. Auch dessen Geschichte sollte nicht vergessen werden.

Den Anfang macht dieser Bericht.

Autor:

Eddie Yaku wurde 1920 in Leipzig als Abraham Salomon Jakubowicz geboren und machte eine Ausbildung zum Feinmechaniker, bevor er 1938 von den Nazis in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert wurde. Nach Flucht und Versteck in den Niederlanden und Belgien wurden er und seine Familie nach Auschwitz deportiert, seine Familie ermordet. 1950 wanderte er nach Australien aus, wo er seit dem lebte. Er grĂŒndete zusammen mit anderen Überlebenden das Sidney Jewish Museum.

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Veit Etzold: Clara Vidalis 8 – Höllenkind

Inhalt:

Es ist ein einmaliges Ereignis fĂŒr den vatikan und ganz Rom: die Verbindung der alten römischen adelsfamilien Sforza und Visconti durch eine prunkvolle Hochzeit in der Sixtinischen Kapelle. Doch plötzlich krĂŒmmt sich die Braut vor Schmerz, und auf ihrem strahlend weißen Hochzeitskleid erblĂŒhen große rote Flecke. Bevor irgendjemand eingreifen kann, bricht sie tot zusammen.

Der zustĂ€ndige Ermittler des Vatikans, Commendatore Adami, ahnt, dass er allein in diesem außergewöhnlichen Fall nicht weiterkommt. In Rom kursiert schon lĂ€nger der Name einer Patho-Psychologin, die bereits in einen Fall von Satanismus involviwert gewesen war: Clara Vidalis vom LKA Berlin … (Klappentext)

Reihenfolge der BĂŒcher:

Veit Etzold: Clara Vidalis 1 – Final Cut

Veit Etzold: Clara Vidalis 2 – Seelenangst

Veit Etzold: Clara Vidalis 3 – TodeswĂ€chter

Veit Etzold: Clara Vidalis 4 – Der Todenzeichner

Veit Etzold: Clara Vidalis 5 – TrĂ€nenbringer

Veit Etzold: Clara Vidalis 6 – Schmerzmacher

Veit Etzold: Clara Vidalis 7 – Blutgott

Veit Etzold: Clara Vidalis 8 – Höllenkind

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Rezension:

Schon beim Lesen der ersten Zeilen des hier vorliegenden Thrillers möchte man an ein Eigenleben der Protagonisten glauben. Wie sonst ist dieser neue Fall von Clara Vidalis zu erklÀren, der nun aus der Feder Veit Etzolds vorliegt?

Vorab, die Geschehnisse sind im Klappentext zur GenĂŒge beschrieben. Mehr muss man nicht verraten. Es sei jedoch festgestellt, dass man die vorangegangenen BĂ€nde der Reihe nicht gelesen haben muss, um der Geschichte, insbesondere den Hauptprotagonisten folgen zu können.

Der Autor hat die EinfĂŒhrung in seine Geschichten mittlerweile perfektioniert und legt auch hier wieder den Fokus auf die eigentliche Handlung, wenn auch Kenntnisse aus anderen BĂ€nden zumindest Anspielungen erkennen lassen. Bemerkungen der Protagonisten in Bezug auf vergangene FĂ€lle sind mit Sternchen-Verweis zu den anderen Werken der Reihe versehen.

Es ist ein moderner Thriller, der kompakt und vor allem in schnellen ErzĂ€hltempo kaum Atempausen lĂ€sst, nachdem die Geschichte ins Rollen gekommen ist. Dabei verfolgen wir mehrere zunĂ€chst unabhĂ€ngige HandlungsstrĂ€nge, die erst nach und nach ein Gesamtbild ergeben. Im Gegensatz zu manch anderen Werken, greifen diese schlĂŒssig ineinander und auch Wendungen werden sinnvoll zu Ende gefĂŒhrt. Cliffhanger gibt es zahlreiche.

Das Leben war eine Hölle, die bis zum Tod ging.

Veit Etzold: Clara Vidalis 8 – Höllenkind

Besonders plastisch wird es fĂŒr die jenigen, die den Vatikan und seine GebĂ€ude, die sie umgebende Stadt Rom und vielleicht auch das ferne Florenz schon einmal mit eigenen Augen gesehen haben. Veit Etzold zieht mit seinen Beschreibungen die Lesenden förmlich in diese Szenarien. Die Protagonisten, nicht nur die Hauptfiguren sind wunderbar differenziert ausgestaltet und vielseitig.

Fast wirkt es, als wĂŒrde man sich mit den Protagonisten im gleichen Raum befinden. Man fĂŒhlt das römische Kopfsteinpflaster, die Erhabenheit der römischen Villen in jeder einzelnen Zeile, sowie die menschlichen Tragödien ihrer Protagonisten, die der Autor so wunderbar in Szene setzt. Gekonnt im Wechsel von HandlungsstrĂ€ngen und Orten.

Mit einem ĂŒberraschenden Twist, auf dem ich beim Lesen nicht im Leben gekommen wĂ€re, setzt Etzold zudem den Grundstein fĂŒr weitere Geschichten um Clara Vidalis, einer Reihe, die wohl nur dann beendet wird, wenn dem Autoren die Ideen ausgehen. Zumindest aktuell wirkt es nicht so, als ob dies der Fall wĂ€re.

Autor:

Veit Etzold wurde 1973 in Bremen geboren und ist ein deutscher Schriftsteller, zudem Hochschullehrer fĂŒr marketing. Nach seiner Ausbildung studierte er Anglistik, Kunstgeschichte, Medienwissenschafen und General Management in Oldenburg, London und Barcelona. Im jahr 2005 promovierte er in Medienwissenschaften.

Neben Belletristik verfasst er SachbĂŒcher in diesem Bereich. An der Hochschule Aalen unterrichtet er Storytelling, marketing und Positionierung. 2010 wurde sein erster Thriller veröffentlicht. Bei Bastei LĂŒbbe und Droemer Knaur erfolgten weitere. Bekannt ist er fĂŒr seine Reihe um die Berliner Kriminalkommissaren Clara Vidalis. Etzold lebt in Berlin.

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Sebastian Fitzek: Der Heimweg

Der Heimweg Book Cover
Der Heimweg Sebastian Fitzek Droemer Knaur Erschienen am: 21.10.2020 Seiten: 400 ISBN: 978-3-426-28155-0

Inhalt:

Wer das Datum seines Todes kennt, hat mit dem Sterben schon begonnen…

Samstag, kurz vor Mitternacht. Jules Tannberg sitzt am Begleittelefon, ein Service fĂŒr Frauen, die nachts auf ihrem Heimweg Angst bekommen und eine beruhigende Stimme brauchen. So wie Klara. Die junge Frau glaubt, von einem Psychopathen verfolgt zu werden, der vor Wochen mit Blut ein Datum auf ihre Schlafzimmerwand malte: Klaras Todestag! Und dieser Tag bricht gerade an… (Klappentext)

Rezension:

FĂŒr seinen Freund ĂŒbernimmt er die Schicht am Begleittelefon, einen ehrenamtlichen Service fĂŒr Frauen, um diesen mit beruhigender Stimme Sicherheit auf ihrem Heimweg zu geben. GeĂŒbt, mit ruhiger Stimme, spricht Jules ihnen Mut zu. Seine Mission, ihnen Sicherheit zu geben. Komme, was da wolle. Mit diesem Anruf jedoch hat er nicht gerechnet und so gerĂ€t Jules zusammen mit Klara, die ihrem Leben anfangs selbst ein Ende setzen möchte, um den zuvor zu kommen, der ihr eine schreckliche Frist gesetzt hatte, in ein grausames Verwirrspiel.

Deutschlands meist gelesener Autor fĂŒr Psychothriller nimmt wieder einmal eine Gegebenheit aus der realen Welt zum Anlass, um dieses mit den tiefsten menschlichen AbgrĂŒnden zu verweben, die man sich nur denken kann. In kurzweiligen Kapiteln und stetig steigender Spannungslinie hat er eine Geschichte um eine real existierende Hotline geschrieben, die chaotischer nicht sein könnte.

Aus wechselnden Perspektiven wird „Der Heimweg“ erzĂ€hlt, wobei beide Protagonisten ihre dunklen Seiten aufweisen, die nach und nach aufgedeckt werden, und die Lesenden förmlich dazu einladen, das aufgegebene RĂ€tsel zu lösen. ZugĂ€nglich werden beide Figuren nicht wirklich zugĂ€nglich, zudem der Titel nur im ĂŒbertragenen Sinne zu lesen ist und der Klappentext einmal mehr so viel wie wenig mit dem eigentlichen Inhalt zu tun hat.

Wer Fitzeks ErzĂ€hlstil kennt, weiß jedoch, worauf man sich einlĂ€sst, rĂ€t mit, um am Ende doch noch ĂŒberrascht zu werden. Sebastian Fitzek schreibt eben Unterhaltungsliteratur, ohne Ziel, KriminalitĂ€t realitĂ€tsnah abzubilden. Wer sich das wĂŒnscht, kann getrost jeden zweiten Krimi im Fernsehen und in Papierform fĂŒr sich streichen.

Davon abgesehen ist die nervenzerrende Spannung dieses Werkes nichts fĂŒr zarte GemĂŒter. Phasenweise ist die erzĂ€hlte Geschichte brutal. Der deutsche Psychothriller-Autor nĂ€hert sich da sehr manchen britischen oder amerikanischen Kollegen an, wenn auch nicht ganz so absurd wie etwa Cody McFadyen, der kaum lesbar ist.

Hier bekommt Fitzek immer wieder die Kurve, auch wenn es dieses eine Mal hart an der Grenze ist und er immer wieder eine Zehe drĂŒber setzt. Der Autor hat einmal gesagt, dass, um so schöner die Umgebung ist, in der er schreibt, um so erschreckender werden seine Geschichten. Fitzek hatte offenbar viel Zeit, sich eine entsprechende Schreibumgebung hierfĂŒr zu schaffen.

So fĂŒgt sich das Werk nahtlos in die Reihe der bisher geschriebenen ein und beweist einmal mehr, weshalb der Autor in schöner regelmĂ€ĂŸig weiter oben auf den BĂŒchertischen landet. Die Hotline existiert derweil in der RealitĂ€t und ist anders als in der Geschichte ansonsten fĂŒr jedem verfĂŒgbar, der sie benötigt.

In diesem Sinne darauf aufmerksam und den Service etwas bekannter zu machen, ist ja auch mal ganz schön, zumal Sebastian Fitzek durchaus viele Menschen erreicht. Schön ist auch, wer aufmerksam liest, entdeckt zudem einen Protagonisten in einer ErwĂ€hnung, aus einem der anderen BĂŒcher.

Und wenn dies das Werk schafft, ist mit einer grausamen RĂ€tselgeschichte auch einmal etwas Gutes getan worden.

Das reale Heimwegtelefon ist ĂŒbrigens nicht nur ein Service fĂŒr Frauen, sondern fĂŒr alle, die eine beruhigende Stimme auf ihrem Weg brauchen.

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Autor:

Sebastian Fitzek wurde 1971 geboren und ist ein deutscher Schriftsteller. Mit seinem DebĂŒt „Die Therapie“ war er so gleich erfolgreich und so landet seit 2006 beinahe jedes seiner BĂŒcher auf den Bestsellerlisten. Mehrerer seiner Romane wurden bereits verfilmt, zudem fĂŒr die TheaterbĂŒhne adaptiert.

Im Jahr 2018 erhielt Fitzek den EuropĂ€ischen Preis fĂŒr Kriminalliteratur und war damit der erste deutsche Autor, der damit ausgezeichnet wurde. Zusammen mit anderen Autoren ging Fitzek bereits mehrere Kooperationen ein. Kennzeichen seiner Erstauflagen sind immer besondere Gimmicks, die seine Werke von anderen auf den BĂŒchertischen abheben. Sebastian Fitzek lebt in Berlin.

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Michael Tsokos: Fred Abel 4 – Zerrissen

Zerrissen Book Cover
Zerrissen Reihe: Fred Abel – 4 Rezensionsexemplar/Thriller Knaur Taschenbuch Seiten: 400 ISBN: 978-3-426-52549-4

Inhalt:

Rechtsmediziner Dr. Fred Abel, stellvertretender Leiter der BKA-Einheit „Extremdelikte“, muss als Gutachter in einem besonders schweren Fall aussagen. Ein heikler Umstand: Das Opfer ist die Nichte seiner Kollegin Sabine Yao.

Kurz darauf landen zwei spektakulĂ€re Morde auf Abels Sektionstisch. Seit Monaten ermittelt die Berliner Polizei gegen vier BrĂŒder eines libanesischen Clans. Abel erkennt, dass die Machenschaften der BrĂŒder schon lĂ€nger seinen Weg kreuzen, und stellt eigene Nachvorschungen an. Doch das bleibt dem Clan nicht verborgen, und plötzlich ist das Leben von Abels schwangerer LebensgefĂ€hrtin Lisa in höchster Gefahr. (Klappentext)

BĂŒcher der Reihe:

Michael Tsokos: Fred Abel 1 – Zerschunden

Michael Tsokos: Fred Abel 2 – Zersetzt

Michael Tsokos: Fred Abel 3 – Zerbrochen

Michael Tsokos: Fred Abel 4 – Zerrissen

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Rezension:

Wechselhafte und dicht geschriebene Thriller scheinen zurzeit in Mode. Wer möchte, findetr da viel Lesestoff. Spannend sind vor allem die, die sich an tatsĂ€chliche Geschehnisse anlehnen. Schließlich schreibt das wahre Leben mitunter die besten Geschichten, die, hĂ€tte man sie erfunden, mehr oder weniger auf Unglauben stoßen wĂŒrden. Doch ist es auch hier notwendig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Der Rechtsmediziner Michael Tsokos ist jemand, den dieser Spagat beim Schreiben gelingt. Seine Inspiration ist oft genug auf den Sektionstischen der Rechtsmedizin zu finden. So auch die Grundlagen fĂŒr den neuen Fall um Rechtsmediziner Dr. Fred Abel.

Die Gemengenlage der Spree-Metropole und noch einige andere FĂ€lle aus dem Erfahrungsschatz des Autoren bilden erneut die Grundlagen fĂŒr eine spannende Verwicklung, in der schon zum vierten Mal die Figur des Protagonisten Dr. Fred Abel die Hauptrolle einnimmt.

Gleich mehrere FĂ€lle werden so fiktionalisiert verwoben, so dass nicht nur erneut berufliche und private Grenzen der handelnden Personen sich vermischen, sondern auch eine dichte Taktung kaum Spannungstiefen erscheinen lassen. Kurzweilig sind die schnell zu lesenden Kapitel zu lesen. Ein Sog entsteht, den man sich als LeserIn kaum entziehen mag.

Es geht um Clan-KriminalitĂ€t, Kindesmisshandlung, DrogenkriminalitĂ€t und noch so einiges mehr. Die Grenze um Too-much-Moment ist nicht weit, wird zwar gestreift, dennoch nicht ĂŒberschritten. Wenn auch nur, gerade noch so. Haarscharfe Wendungen sind folgerrichtig, wenn man sich auch manchmal beim Lesen selbst bremsen muss, um den einen oder anderen Spannungsmoment wirklich aufzunehmen, da der fĂŒr die nachfolgende Handlung wichtig werden könnte.

Das funktioniert hier noch, auch wenn der Autor das eine ums andere Mal etwas zu sehr ins Medizinische abdriftet. Das dĂŒrfte den Fans von Tsokos nicht neu sein, jedoch andere Thriller-Leser vielleicht abschrecken.

Den vierten Band der Reihe kann man losgelöst von den vorangegangenen lesen. Keinerlei Faktenwissen darasu notwendig. Wer jedoch schon mehr Geschichten um die Rechtsmediziner Abel und Herzfeld gelesen hat, dem werden Anspielungen und ZusammenhĂ€nge auffallen, zudem auch, dass Tsokos immer geĂŒbter wird, wahrheit und Fiktion zu verbinden.

Die ersten BĂ€nde lesen sich nicht ganz so flĂŒssig, wie dieser nun vorliegende. Um so erfreulicher, dass auch hier Ausssicht auf Fortsetzung besteht.

Autor:

Michael Tsokos wurde 1967 in Kiel geboren und ist ein deutscher Rechtsmediziner und Professor an der Charite in Berlin. Er leitet seit 2007 das dortige Institut fĂŒr Rechtsmedzin, gleichzeitig das Landesinstitut fĂŒr gerichtliche und soziale Medizin in Berrlin-Moabit. Zudem ist er Leiter der Gewaltschutzambulanz der Charite. 1998-99 nahm er an der Exhuminierung und Identifizierung von Leichen aus MassengrĂ€bern des Bosnienkrieges und im Kosovo teil.

2004-05 war er im Auftrag des Bundeskriminalamtes zur Identifizierung der Tsunami-Opfer in Thailand tĂ€ig. Er ist Autor mehrerer Fachzeitschriften, populĂ€rer SachbĂŒcher und Mitautor mehrerer Thriller. Seit 2014 ist er Botschafter des Deutschen Kindervereins. Tsokos lebt mit seiner Familie in Berlin.

Wolf-Ulrich SchĂŒler arbeitet als Journalist und lebt mit seiner Familie in der NĂ€he von Köln.

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Thomas Finn: Bermuda

Bermuda Book Cover
Bermuda Thomas Finn Droemer Knaur Erschienen am: 01.09.2020 Seiten: 522 ISBN: 978-3-426-22719-0

Inhalt:

Nur knapp ĂŒberleben der Biologe Alex Kirchner und die Kreuzfahrt-Mitarbeiterin Itzil Perez den Untergang ihres Luxusliners, der mitten im Atlantik in einen schrecklichen Hurrikan gerĂ€t. Zusammen mit einem Dutzend weiterer Überlebender werden die beiden am Strand einer Vulkaninsel angespĂŒlt.

Doch die vermeintliche Rettung erweist sich schnell als tödliche Falle: Weder Handys noch Kompasse funktionieren; mumifizierte Leichen werden angespĂŒlt und nachts kommt es zu unheimlichen Licht- und GerĂ€uchphĂ€nomenen. Schließlich kommt der erste SchiffsbrĂŒchige ums Leben. Schleifspuren fĂŒhren in den Mangrovendschungel, in dem ein namenoses Grauen lauert. (abgewandelter Klappentext)

Rezension:

Nördlich der Karibik liegt ein legendenumwobenes und zu Teilen gefĂŒrchtetes atlantisches Seengebiet, in dem bereits mehrere Schiffe und Flugzeuge spurlos verschwunden sein sollen. Von der kleinen Jolle bis zum großen Frachtschiff sollen unzĂ€hlige Objekte Opfer der Fluten geworden sein und so ist es kein Wunder, dass auch in der Literatur das Bermuda-Dreieck Grundlage fĂŒr unzĂ€hlige Geschichten bietet.

Zuletzt fĂŒr den hier vorliegenden Horrorthriller des deutschen Autoren Thomas Finn.

Eine verlegerische Entscheidung sicherlich, ist die Ausformulierung von Klappentexten, doch verrĂ€t dieser beinahe zu viel, wenn auch nicht so, als dass es gespoilert wĂ€re, doch beginnt mit der AusfĂŒhrlichkeit eine Grauzone, die mit Vorsicht zu genießen ist.

Ein zwei SĂ€tze weniger hĂ€tten es auch getan. FĂŒr diese Rezension habe ich mich daher entschlossen, den Klappentext etwas abzuwandeln. Ansonsten ist dies nĂ€mlich ein solider Horrorthriller, der alle AlptrĂ€ume wahr werden lĂ€sst.

Das Motiv der idyllisch wirkenden Tropeninsel, auf der sich nach und nach die Hölle auf Erden entwickelt, sei es durch dem Schauplatz selbst oder durch die Protagonisten, ist nicht neu. TatsĂ€chlich werden hier Elemente aus „Robinson Crusoe“ ebenso aufgegriffen, als auch aus „Der Herr der Fliegen“, das gilt zum einen fĂŒr den Schauplatz als auch fĂŒr den fĂŒr die Handlung zufĂ€llig zusammengewĂŒrfelten Personenkreis.

Der Autor bringt von den ersten Seiten an, Tempo in die Handlung, deren Spannungsbogen sich rasant entwickelt. Dem Lesenden wird so schnell wie den Protagonisten, die sich deutlich in Sympathie- und AntipathietrÀger unterscheiden, klar, welches Grauen auf dem Eiland vorherrschen muss.

Ein jeder geht damit anders um, zum Überleben oder Nachteil der Gruppe gereichend.

Solche Geschichten lesen sich sehr flĂŒssig, doch gilt es kleinere Logikfehler und so manches Mal harte SprĂŒnge zu ignorieren, zwecks Lesegenuss. Der kommt auf, wirkt zum Teilen jedoch wie ein Horrorzweiteiler in den Öffentlich Rechtlichen, zumindest, was diese als solche bezeichnen.

Eine solide Speise ist das, die man essen kann, von der man satt wird, BegeisterungsstĂŒrme jedoch nicht auslöst. Einige Überraschungen gegen Ende runden die Geschichte jedoch in soweit ab, dass die Geschichte kein Fehlschlag ist.

Hervorzuheben ist das ErzĂ€hltempo und der Spannungsbogen, sowie das formulierte Ende. FĂŒr meinen Geschmack hĂ€tten der Geschichte jedoch ein paar mehr Seiten gut getan, sowie die Konzentration auf ein paar weniger Genre-Spielarten, als man diese hier vorfindet.

An manchen Stellen wirkt der Mix aus Horror, Historientrhiller, Wissenschaftsthriller, Science Fiction einfach ein wenig zu sehr over the top, von der fehlenden SubtilitĂ€t einmal ganz abgesehen. Dass man dies ĂŒber weite Strecken ignorieren kann, liegt allein an der Formulierungsleistung Thomas Finns.

Autor:

Thomas Finn wurde 1967 in Evanston/Chicago geboren und ist ein Schriftsteller und Journalist. Nach der Schule studierte er Volkswirtschaft in Hamburg und arbeitetete parallel als Journalist und Autor fĂŒr diverse Verlage. Zuvor hatte er außerdem eine Lehre als Werbekaufmann absolviert. 1992 erhielt er den „ZauberZeit-Lesepreis“. Seit 2001 arbeitet er als Roman-, Spiele- und Drehbuchautor.

Bis 2011 war er zudem im Redaktionsstab des Rollenspiels „Das schwarze Auge“ (DSA) tĂ€tig. Finn lebt und arbeitet in Hamburg.

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