Kurzblick: #ComicMärz 2020

Nico vom Blog Buchwinkel rief die Literaturblogger zum #ComicMärz zusammen. Klar, dass auch ich mich gerne daran beteilige.

In meinen Beitrag möchte ich dies gerne auf Zeichentrick, sozusagen den bewegten Comic, erweitern und stelle ein wahrhaft europäisches Projekt vor. Die Zeichentrickserie „Als die Tiere den Wald verließen“.

Als die Tiere den Wald verließen

Theme-Song „Gib niemals auf!“

Als der 1943 in Groß-Britannien geborene Schriftsteller Colin Dann seinen ersten Roman veröffentlichte, ahnte er nicht, dass daraus einmal ein wahrhaft eurropäisches Gemeinschaftsprojekt werden würde, welches Kinder über Landesgrenzen hinweg begeistern, faszinieren und zum Nachdenken anregen sollte.

Heute sind die Themen seiner Bücher, die darauf basierende Fernsehserie aktueller denn je. Zeit, sie einmal wieder hervorzuholen.

Colin dann arbeitete eigentlich bei einem britischen Verlag, veröffentlichte jedoch 1980 selbst einen Roman mit dem Titel „Als die Tiere den Wald verließen“, in denen Themen wie die Zerstörung der Natur, Vertreibung von Tieren, Umweltverschmutzung, Tod und Liebe behandelt wurden.

Das alles in Romanform und ohne den geschönten Blick einer rosaroten Brille. Dieser Schriftsteller nahm, wie es Astrid Lindgren in Schweden tat, seine kleinen Leser und Leserinnen Ernst.

Die Geschichte an sich ist schnell erzählt. Der Wald, in dem die verschiedensten Tiere leben, muss den Menschen weichen. Zugunsten einer Wohnsiedlung. Der Teich wird zugeschüttet, Nester und Höhlen werden zerstört, der Bach verkommt zu einem schlammigen Rinnsal. Die Tiere kämpfen mehr und mehr ums Überleben. Guter Rat ist teuer.

Im Bau des Dachses versammeln sich die Tiere vom ängstlichen Kaninchen, der gerissenen Kreuzotter, bishin zum schlauen Fuch und beraten, was tun? Alleine die Kröte weiß Rat.

Colin Dann „Als die Tiere den Wald verließen“
Verlag: Beltz-Gulliver; Taschenbuch mit 368 Seiten.
ISBN: 978-3-4077-4395-4

Auf ihren Reisen ist sie einst an einem Naturschutzgebiet vorbeigekommen, wo Tiere unbehelligt von den Menschen, ja sogar von ihnen geschützt, leben können. Doch, der Weg dorthin ist weit und gefährlich. Soll man es also wagen?

Der Entschluss fällt nach einiger Diskussion und einem Schwur. Der -Eid zum gegenseitigen Schutz- soll die kleineren Tiere davor bewahren, von den Fleischfressern, nun ja, eben gefressen zu werden. So macht sich die bunt zusammengewürfelte Gruppe auf, ihren Wald Richtung Naturschutzgebiet zu verlassen.

Reihenfolge der Bücher von Colin Dann

Band 1 – Als die Tiere den Wald verließen

Band 2 – Was die Tiere im Park erlebten

Band 3 – Wie die Tiere das Fürchten lernten

Band 4 – Als die Tiere ums Überleben kämpften

Band 5 (Prequel) – Wo die Tiere zu Hause waren

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Nicht alle werden die Reise überleben. Viele Gefahren fordern unterwegs ihren Tribut. Doch, das gemeinsame Ziel schweißt zusammen.

Es ist diese Geschichte über Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Zusammenhalt, die mich als kleinen Jungen fasziniert hat, ebenso, dass Themen wie Liebe und Tod nicht ausgespart blieben. Der erste Wälzer, den ich gelesen hatte, zeitgleich die erste Zeichentrickserie, die ich mir bewusst angeschaut hatte. Die lief nämlich ab 1993 in der ARD.

Und war ein wirkliches Gemeinschaftsprojekt der EBU, die sich ansonsten für u.a. den Eurovision Song Contest auszeichnet. Unzählige Fernsehanstalten beteiligten sich unter Federführung der BBC und des WDR an der Umsetzung. Liebevoll im Zeichentrickstil animiert. Weit weg waren noch die Zeiten, in denen 3D-Animationen alltäglich wurden.

Quelle: PIDAX-Film

Naturgetreu und liebevoll bis ins Detail flimmerte die Serie über die Fernsehbildschirme in die Wohnzimmer. Zeitweise begleitet von einer Heftreihe, die jedoch nicht so lange überlebte, wie die Serie selbst, die sich im späteren Verlauf lose an den Folgebänden von Colin Dann orientieren sollte.

Realistisch der Zeichnstil, wenn auch mit zunehmenden Staffeln, es gab derer insgesamt drei, teilweise aus Foten Finger wurden, was man besonders an den Wieseln sehen konnte.

Zu loben ist hierbei jedoch die Synchronisationsarbeit. Große Namen wie Martin Semmelrogge etwa, leihten den Tieren ihre Stimmen. hnlichen Aufwand betrieb man auch in den anderen beteiligten Ländern.

Staffel 1 von 3, allesamt auf DVD veröffentlicht.

Die Romane gibt es, bis auf den ersten, der inzwischen neu aufgelegt wurde, bisweilen nur mehr antiquarisch zu erwerben. Die Serie ist immerhin komplett auf DVD erhältlich. Beides lohnt sich. Gerade heute, wo Themen wie Klima- und Umweltschutz, Tierwohl, in aller Munde sind.

Die Serie ist zu Weilen grausam, die Natur ist es ja auch. Friede, Freude, Eierkuchen sind weit davon entfernt. Vielmehr bemühten sich die Macher um ein realistisches Bild (wenn man einmal vom Zusammenhalt über Tierartgrenzen hinweg absieht) und Romannähe, was zu honorieren ist.

Und für spannende Familiennachmittage zu empfehlen.

Susanne Foitzik: Weltmacht auf sechs Beinen

Weltmacht auf sechs Beinen Book Cover
Weltmacht auf sechs Beinen Susanne Foitzik/Olaf Fritsche Rowohlt Erschienen am: 15.10.2019 Seiten: 319 ISBN: 978-3-498-02140-5

Inhalt:
Klein, aber oho! Sie sind faszinierend – und sie sind überall: AMEISEN. Die Alleskönner unter den Insekten haben eigene Formen der Arbeitsteilung, Kommunikation und Selbstorganisation entwickelt – und sind uns Menschen damit gar nicht so unähnlich.

Sie legen Gärten an und züchten Pilze, halten sich Blattläuse als Nutzvieh und verteidigen es gegen Räuber. Sie entwickeln Abwherstoffe gegen Krankheitserreger und nutzen sogar Antibiotika. Weitgehend unbemerkt hat die Weltmacht auf sechs Beinen ein Imperium errichtet, das sich rund um den Globus spannt. Eines ist sicher: Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie Ameisen mit anderen Augen sehen. (Klappentext)

Rezension:
Auf dem ersten Blick klingt es nach einem Special-Interest-Titel, aber gerade dies ist das vorliegende, im Rowohlt Verlag erschiene Werk nun gerade nicht.

Tatsächlich gibt die Wissenschaftlerin Susanne Foitzik uns Lesern einen interessanten und spannenden Exkurs über das Leben der zunächst unscheinbar wirkenden kleinen Krabbeltiere, deren emsiges Treiben wir zuweilen in Wäldern, im Garten oder auch mal in der heimischen Küche beobachten dürfen, wenn es irgendwo eine undichte Stelle gibt und Nahrung für die Ameise nicht weit ist.

Doch, Ameisen sind so viel mehr als wir sie zu sehen bekommen. Tatsächlich reicht die Biomasse aller Tiere an die aller Menschen heran. Noch mehr spannende Fakten werden mit Augenzwinkern und viel Humor aneinander gereiht.

Die Biologin berichtet in kurzweiligen Kapiteln von ihrer Arbeit und darüber, welche Erkenntnisse wir bisher über das Leben und Sozialverhalten von Ameisen gewinnen konnten und wohin sich die Wissenschaft dahingehend gerade bewegt.

Im Fokus stehen dabei nicht nur unsere einheimischen Tiere, wir sprechen hier von um die hundert Arten, sondern auch die kuriosen Spielarten der Natur. Da gibt es spartanisch organisierte invasive Armeen, Ackerbauer und Viehzüchter sowie Sklavenhalter.

Susanne Foitzik nimmt uns mit in den Armeisenbau, der erstaunliche Ausmaße annehmen kann, mitunter jedoch auch in eine Eichel hineinpasst.

In kurzen und handlichen Kapiteln berichten die Autoren vom Leben im Ameisenstaate und versammeln dabei Fakten, die zum Staunen einladen und den Blick auf die kleinen Krabbeltiere verändern werden.

Ohne Ameisen, so viel steht nach wenigen Sätzen bereits fest, würde das ökologische Gleichgewicht unseres Planeten durcheinander geraten, gleichwohl sie es im Kleinen selbstständig ins Wanken bringen können. Auch Ameisen schaffen und bewirtschaften Monokulturen und übernehmen im Handstreich ganze Regionen, verdrängen dabei andere Tier- und natürlich Ameisenarten.

Der heimischen Waldameise geht es gut, aber wer wusste vorher schon, dass manch andere Arten sich im letzten Ausweg selbst in die Luft sprengen können, als Floße fungieren oder mit Antibiotika Krankheiten bekämpfen können, dass der Einzelne dem Untergang geweit und nur in der Masse das Überleben garantiert ist?

Wenn nicht ein anderes Ameisenvolk einen Blick auf Bau und Nahrungskonkurrenz wirft. Welcbe Erkenntnisse haben wir über das Leben dieser nur scheinbar unscheinbaren Tiere bereits gewonnen und welchen Weg geht die Wissenschaft mit den Ameisen derzeit?

Verhaltensbiologie ist seit Darwin kaum spannender gewesen. Abschließend bleibt nur die Erkenntnis, das nichts so ist, wie es scheint und auch kleine Tiere eine große Wirkung haben können.

Eben klein, aber oho!

Autoren:
Prof. Dr. Susanne Foitzik ist eine international renommierte Evolutionsbiologin und studierte zunächst Biologie und Zoologie in Würzburg und Regensburg.

Nach einem Aufenthalt in den USA arbeitete sie u.a. in München und hält aktuell einen Lehrstuhl am Institut für Molekularbiologie der Universität Mainz inne. Dort erforscht sie das Sozialverhalten von Ameisen und publizierte ihre Ergebnisse in über 100 Veröffentlichungen.

Dr. Olaf Fritsche ist Biophysiker und promovietrer Biologe. Als Redakteur für „Spektrum der Wissenschaften“, sowie als Autor oder freuer Journalist berichtet er über die neuesten Erkenntnisse aus Natur und Technik.

Stefanie de Velasco: Kein Teil der Welt

Titel: Kein Teil der Welt Book Cover
Titel: Kein Teil der Welt Stefanie de Velasco Kiepenheuer & Witsch Erschienen am: 10.10.2019 Seiten: 432 ISBN: 978-3-462-05043-1

Inhalt:
Vom Aufwachsen in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas.

Mit unwiderstehlicher Kraft führt uns Stefanie de Velascos aufrüttelnder Roman in eine Welt, die mitten in der unsrigen existiert und dennoch kein Teil von ihr ist. Klug, rasant und herzzerreißend erzählt er vom Emanzipationsprozess einer jungen Frau, der sämtliche Fundamente zum Einstürzen bringt. (Klappentext)

Rezension:
Unser Grundgesetz legt fest, dass ein Jeder glauben darf, woran er oder sie möchte, so lange man seinem Gegenüber nicht schadet. Dies ist ein Privileg, zumal es noch genug Orte auf der Welt gibt oder es in der Geschichte gab, an denen die jenigen verfolgt wurden, die von den Meinungen der Mehrheitsgesellschaft abweichen oder ganz und gar ihre eigenen Wege gehen.

Doch, was ist, wenn sich die Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft zu sehr abschotten und sich selbst schaden? Stefanie de Velasco erzählt die fiktive Geschichte zweier Mädchen innerhalb der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas.

Die Autorin, die selbst lange Zeit Mitglied der Zeugen Jehovas gewesen ist, erzählt nicht ihre oder eine andere klassische Aussteigergeschichte, sondern stellt dem Leser zwei klassische identifikationsfiguren an die Seite, deren Schicksal man von Zeile zu Zeile atemlos verfolgt.

Zum einen ist da das Mädchen, welches den Glauben mit einer Ernsthaftigkeit praktiziert, dass man als Leser nur den Kopf schütteln kann, dioe jedoch später nach ersten Zweifeln beginnt, zu hinterfragen. Die Erzählerin indes ist die andere Protagonistin, die einfach ihre Ruhe haben, keinen Wandel möchte, doch vom Zweifel ihrer Freundin mitgerissen wird.

Im Wechsel der Zeitebenen wird die Geschichte erzählt. Rückblenden und Gegenwartseindrücke gehen nahtlos ineinander über.

Das ist die Stärke des Romans und zugleich seine Schwäche. Zu Beginn weiß man nicht, wo diese Geschichte einem hinführen wird, welches Ziel die Protagonisten verfolgen. Auch das Lesetempo, welches die Autorin einfordert ist nicht gerade einladend.

Am Anfang fließt der Erzählstrom langsam, doch schon nach dem ersten Drittel wird klar, dass die Figuren sich in immer rasanteren Tempo dem Abgrund nähern. Dies widerum tut der Handlung gut, wenn auch im Mittelteil die Wendung zu abrupt kommt. Hier hätten fünfzig Seiten mehr der Geschichte gut getan.

Stefanie de Velasco erzählt eine nur in Ansätzen autobiografische Geschichte und doch eine, wie sie passieren könnte. Sie zeigt, wie wichtig es ist, auch auf die jenigen zu achten, die außerhalb unserer Gemeinschaft stehen, ohne erhobenen Zeigefinger natürlich, aber dennoch Hilfe anzubieten, wenn stille Zeichen dazu Anlass geben.

Die Autorin erzählt, dass es wichtig ist, auf diese Menschen einzugehen, gleich dem wie fremd die einstige Denkweise sein mag, aber auch wie wichtig es ist, größere Katastrophen zu verhindern, sind doch die Einschnitte ohnehin brutal genug.

Mit der Kraft des Erzählens zeigt „Kein Teil der Welt“ jedoch auch, wie nah Freud und Leid beieinander liegen und das Freundschaft auch dann noch eine Wirkung hat, wenn diese längst vergangen ist. Und da sind dann die Protagonisten dann doch nicht so anders als die Welt um sie herum.

Einige Längen und ein allzu abrupter Wechsel im handlungsverlauf zum Trotz, zieht einem der Roman in seinem Bann, lässt einige Fragen offen und im Leser arbeiten. Das halboffene Ende passt dazu, insgesamt hätten der Erzählung ein paar Seiten mehr Ausführungen gut getan. Im Großen und Ganzen jedoch, lesenswert.

Autorin:
Stefanie de Velasco wurde 1978 geboren und ist eine deutsche Schriftstellerin. Aufgewachsen bei den Zeugen jehovas verließ sie die Religionsgemeinschaft im Alter von 15 Jahren. Nach der Schule studierte sie Europäische Ethnologie und Politikwissenschaft in Bonn, Berlin und Warschau.

Für das Berliner Stadtmagazin Zitty, die FAS und Zeit Online schreibt sie regelmäßig Beiträge. Im Jahr 2013 erschien ihr Debütroman „Tigermilch“, der verfilmt und zahlreich übersetzt wurde. Ein Jahr später wurde sie dafür für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. „Kein Teil der Welt“, ist ihr zweiter Roman.

Mikey Walsh: Jungen weinen nicht

Jungen weinen nicht - Meine Kindheit bei den Roma Book Cover
Jungen weinen nicht – Meine Kindheit bei den Roma Autor: Mikey Walsh Bastei Lübbe Erschienen am: 30.09.2019 Seiten: 317 ISBN: 978-3-404-61149-2 Übersetzerin: Katja Bendels

Inhalt:
„Bist du bereit, Mikey?“, fragt ihn sein Vater, bevor er ihn mit erbarmungslosen Schlägen traktiert.

Der Box-Champion einer archaischen Roma-Community will, dass sein Sohn ein genauso harter und gnadenloser Mann wird wie er. Doch der sensible, nachdenkliche Junge entspricht so gar nicht seinen Erwartungen.

Jahrelang wird mikey von seinem Vater deswegen gequält und gedemütigt, sein Onkel tut ihm Unaussprechliches an, und in der verschworenen Roma-Gemeinschaft findet er niemanden, dem er sich anvertrauen kann.

Als er sich schließlich in einen Mann verliebt, wird ihm klar, dass sein Leben in Gefahr ist, denn eine schwule Liebe würde sein Vater niemals akzeptieren… (Klappentext)

Rezension:
Wie bewertet man den Bericht über eine Kindheit? Wie bewertet man eine Biografie? Ist es mit der Sternenvergabe nicht so, als würde man das Urteil über ein Leben fällen? Den „Daumen hoch“ für „gut gemacht“, den „Daumen runter“ für einen verpfuschten Lebenslauf.

Wie anmaßend ist dass denn? Was bei der Auswahl zwischen Bewerbern um eine Stelle noch mit den Blick auf Eignung und Fähigkeiten für einen bestimmten Berufsweg gehen mag, finde ich hier kritisch und so bin ich bei Autobiografien eher geneigt, eine höhrer Wertung zu geben, da das Schema sie nun einmal verlangt. Wie auch hier.

Im Bericht „Jungen weinen nicht“, lässt nun Mikey Walsh seine Kindheit Revue passieren. Einfühlsam übersetzt von Katja Bendels, liegt dieser nun im Deutschen, erschienen bei Bastei Lübbe vor. Darin geschrieben, ungeheuerliches.

Der Roma erzählt von einer Kindheit, wie man sie keinem Jungen oder Mädchen wünschen mag, einem archaischen und uns so fremden Leben, dass man als Leser kaum das Geschehene erfassen, geschweige denn begreifen mag und davon, wie viel Eltern auch falsch, kaputt machen können, so dass man zwangsläufig ausbrechen und für sich kämpfen muss.

In prägnanten Kapiteln beschreibt der Autor die Situation seiner Familie und eine für den Außenstehenden hoch komplexe, aber undurchschaubare und aus der Zeit gefallenen Gemeinschaft der Roma, die schon seit Jahrzehnten ums Überleben kämpft.

Dies wirkt sich prekär auf die Lebenssituation aus, in der viele gewzungen sind, sich als Tagelöhner durchzuschlagen, kriminellen oder nur ansatzsweise nachvollziehbaren Geschäften nachzugehen, zumal Tradition und Familie wichtiger zu sein scheinen, als den Anschluss an eine sich immer schneller drehende Welt zu finden.

Doch, Mikey Walsh passte von früh an nicht so wirklich dazu. Diese Empfindung traf den Autoren schon in seiner Kindheit, was sich bis hinein ins junge Erwachsenenalter zog. Der sensible und einfühlsame Junge, nicht geschaffen für die archaische Kultur und den immerwährenden Kampf zwischen den Familienclans erlebte Schreckliches und nicht zu Erzählendes.

Als Leser überkommt einem das stille Entsetzen über Eltern, die unfähig sind, ihr Kind so zu akzeptieren, wie es ist, über eine Gemeinschaft, die die Zeichen der Zeit nicht erkennt und über einen Jungen, der im Kampf gegen eine Mauer aus Unverständnis ihn gegenüber beinahe zerbricht, daran zugleich wächst, von dem man aber letztendlich weiß, dass er seinen Weg gehen wird.

Das ist dann vielleicht auch die größte Erkentnis, die man aus der Lektüre ziehen kann, die dann noch wirkt, wenn man schon längst die letzte Seite aufgeschlagen und die letzte Zeile gelesen hat.

Irgendwie geht es weiter, irgendwann kommen gute Zeiten, für die es sich zu kämpfen und zu leben lohnt.

Vielleicht können dies gerade Menschen wie Mikey Walsh, da sie eben auch die Schattenseite, Lieb- und Trostlosigkeit kennengelernt haben und wenn nicht für die daraus folgende einfühlsame und nahegehende Erzählung dessen, wofür dann, sollte es hier die Höchstwertung geben. Womit wir wieder beim bereits geschilderten Problem wären. Nun, denn.

Autor:
Mikey Walsh ist ein britischer Schriftsteller und Schauspiellehrer. Als Sohn einer Roma-Familie, 1980 geboren, verließ er diese Gemeinschaft mit 15 Jahren und lebt in London als Schauspiellehrer, engagiert sich für die Rechte Homosexueller.

Er schreibt Kolumnen für verschiedene Zeitungen, seine Kindheits-Biografie veröffentlichte er im Jahr 2010. Diese wurde bereits verfilmt.

Tim Krohn: Herr Brechbühl sucht eine Katze

9783869711478Autor: Tim Krohn
Titel: Herr Brechbühl sucht eine Katze
Seiten: 473
ISBN: 978-3-68971-147-8
Verlag: Galiani Berlin

Inhalt:
Das Jahrtausend beginnt für den pensionierten Tramfahrer Hubert Brechbühl mit großen Plänen und ohne Katze. Für das junge Paar Pit und Petzi mit viel Sex. Für Julia Sommer ohne Sex. Für Selina May ohne Arbeit. Für Efgenia Costa mit Drogen.

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