Thomas Böhm/Carsten Pfeiffer (Hrsg.): Die Wunderkammer der deutschen Sprache

Die Wunderkammer der deutschen Sprache Book Cover
Die Wunderkammer der deutschen Sprache Thomas Böhm/Carsten Pfeiffer (Hrsg.) Erschienen am: 01.09.2019 Verlag: Das kulturelle Gedächtnis Seiten: 300 ISBN: 978-3-946990-31-4

Inhalt:
Wenn es ein Wimmelbuch für Erwachsene gibt, so ist es wohl dieses. Gefüllt mit Geheimsprachen und Figurengedichten üben wir Zungenbrecher und Beschimpfungen.

Die Alchemie des Deutschen auf den Zahn gefühlt und Wortschätze mit Küchenlatein vermischt. Wo sagt man wie 6:15 Uhr und kennt ihr Schnadahüpfeln schon?

Die deutsche Sprache ist nicht nur nicht in gut dreißig Jahren zu lernen, sie steckt voller Geschichten und Wunder, die es zu entdecken gilt. Steigt ein, in diese Wunderkammer. (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:
Wer eigene Kinder hat oder früher selbst eines gewesen ist (Einige erinnern sich.), kennt sie. Wimmelbücher. Bildgewaltig kommen sie daher und detailreich sowie so. Auf jeder Seite gibt es viel zu entdecken und zu bestaunen.

Nun gibt es dergleichen auch für Erwachsene, eine Art Wimmeltextbuch. Zusammengetragen und erstellt haben es Thomas Böhm und Carsten Pfeiffer vom Verlag -Das kulturelle Gedächtnis-. Gestalterisch eine Wucht, in diesem kräftigen Blau und Orange gehalten, eröffnet sich zwischen den Buchdeckeln die Vielfalt der deutschen Sprache.

Abseits jeder zum Abgewöhnen stattfindenden Rechtschreibform tut sich Seite für Seite ein Füllhorn auf. Landkarten der Sprache gibt es, auf denen man mit dem Fingern zwischen Brötchen und Schrippen etwa entlangwandern oder für den nächsten Hamburg-Trip das Nachtjargon Sankt Paulis üben kann.

Vielleicht erklimmt ein Leser des Buches den babylonischen Turm der Kriechtiere, um dann bei den Polynomen zu landen? Was waren, gleich nochmal Homonyme? Hier wird all das und noch viel mehr erklärt und beispiel-, wie meisterhaft gezeigt.

Figurengedichte sind dort zu finden. Plötzlich kann ein Leser den Fontane-Code entschlüsseln. Deutsche Sprache, schwere Sprache, zumal nach nur dreißig Jahren in aller Gänze zu erlernen, sagte einst Mark Twain. Wie heißt wo die Stechmücke?

Wie koch man mit Teekesselchen im Fundus der Wörter und welche sind eigentlich Erik Fosnes Hansen liebste? Einen irren Spaß muss es gemacht haben, diese und andere Schätze zusammenzustellen. Schwer muss die Auswahl gefallen sein.

Intensive Recherche, Lust am Stöbern und eine „Gestaltungswut“, die ihres Gleichen sucht, haben zu diesem sprachlich bunten Feuerwerk geführt, in dem Namdeutsch ebenso eine Rolle spielt, wie Seemannsprache. Wenn man so will, ist dies die witzige Variante des trögen Deutsch-Buches aus Schulzeiten oder ein Duden für Humorvolle.

Schnadahüpfln wird ein Leser nach der Lektüre ebenso kennen, neu wissen, welche Wörter das Kosovo-Albanische aus dem Deutschen übernommen hat.

Wer bis hier hin den Überblick behalten hat, wird ihn spätestens nach der Lektüre verloren oder vertieft haben, in jedem Fall aber, eine Liebe zur deutschen Sprache neu entdecken.

Autoren:
Thomas Böhm und Carsten Pfeiffer sind Herausgeber und Autoren für den Verlag -Das kulturelle Gedächtnis- und Liebhaber der deutschen Sprache. Ersterer wurde 1968 in Oberhausen geboren, lebt aber in Berlin und ist Literaturvermittler, Schriftsteller und Moderator.

Nach einer Mitarbeit für eine Literaturzeitschrift, für die er als Lektor und als Redakteur arbeitete, übernahm er die Programmleitung des Literaturhauses Köln, moderierte ein Literaturfestival, schreibt sich um Kopf und Kragen.

Carsten Pfeiffer ist Mitgesellschafter beim für das Buch verantwortlichen Verlag, war vorher bei Egmont tätig, sowie bei Cornelsen. Spezialgebiet, Marketing und Vertrieb.

Autorenkollektiv: Heimat – Eine Hymne an Deutschland in Gedichten

Heimat - Eine Hymne an Deutschland in Gedichten Book Cover
Heimat – Eine Hymne an Deutschland in Gedichten Autoren: Autorenkollektiv Rezensionsexemplar/Poesie Erschienen am: 12.03.2018 Seiten: 128 ISBN: 978-3-7423-0533-6

Inhalt:
Nirgendwo ist es so schön wie daheim. Das wusste schon Heinrich Heine, der einst über seine Heimat dichtete: »Mit seinen Eichen, seinen Linden, werd ich es immer wiederfinden.« Im Sommer 2017 rief die Bild-Zeitung ihre Leser dazu auf, es Heine gleichzutun und eine Ode an ihre Heimat zu verfassen.

Gesucht wurden die schönsten Reime über der Deutschen liebste Plätze und Orte – von der Nordsee bis ins Allgäu, vom Rhein bis zum Erzgebirge. Die Reaktion war überwältigend: Allein in den ersten Tagen erreichten die Bild-Redaktion mehr als 800 Werke.

Die Aktion zeigte: Die Deutschen lieben nicht nur ihre Heimat, sie sind auch immer noch ein Land der Dichter. Dieser schmucke Band versammelt die besten und schönsten Gedichte. Hochwertig ausgestattet und mit vielen Bildern unserer zauberhaften Landschaften versehen hat diese Auswahl das Zeug, eine echte lyrische Reiseapotheke zu werden. (Klappentext)

Rezension:
Das kulturelle Erbe der Deutschen ist, zumindest, was Kunst und Dichtung angeht, immer noch ein Exportartikel. In asien hört man die klassischen Chöre von den Thomanern bis zu den Regensburger Domspatzen ebenso, wie man Goethe und Schiller in den Schulen kennenlernt. Doch, sind die Deutschen immer noch ein Volk der Dichter?

Die BILD-Zeitung wollte dies herausfinden und rief im Sommer 2017 zu einem Wettbewerb auf. Die Aufgabe: Die heimat in Reimform darzustellen, und somit die liebsten Orte und Plätze zu beschreiben. Schon in den ersten Tagen gab es Hunderte von Einsendungen. Die schönsten gedichte sind nun in diesem Band versammelt.

Lyrik gehört seit meinem Schulende nun nicht gerade zu dem, was ich lese und so war ich ob eines Ausfluges in diesen Bereich sehr gespannt, ob sie außerhalb des Deutsch-Unterrichtes überhaupt noch bei mir funktioniert.
Abseits aller Analysen und Interpretationen, wo es doch hier nur darum ging, die Deutschen zu fragen, was für sie Heimat ausmacht bzw. welche Orte in Deutschland diese beschreiben.

Mehr nicht, wobei ein größerer Anspruch hier nicht erwartet werden darf. Muss auch nicht sein, denn eines wird schnell klar. Der unterschiedlichen Qualität zum Trotz bestätigt sich der Gedanke von regelmäßigen Zuschauern dritter Fernsehprogramme, dass Lokalpatriotismus irgendwie immer funktioniert. Im Fernsehen ist es der drölfzigste Tatort oder bayerns idyllischste Eisenbahnstrecken, so werden in diesem Band Städte wie Duisburg hervorgehoben, die Deiche an der Nordsee oder das schöne Weimar.

Und danach hat man dann erst einmal genug davon, und möchte tatsächlich entweder an die besagten Orte reisen oder, mehrheitlich, in die Ferne schweifen, gleichwohl alle Gedichte ausnehmend positiv, nur manches Mal augenzwinkernd sind.

Deutschland, so scheint es, ist doch kein Volk der Kulturbanausen, sondern immer noch eines der Kreativen, der Dichter und Denker, die sich ein paar Minuten Zeit genommen haben, um kurz mehr oder weniger gelungen, ihre Heimat zu beschreiben.

Abseits des Populismuses, der solche wirren Dinge wie ein Heimatministerium hervorbringt, oder Hunderte gegen Immigranten anschreien lässt, tut ein „wenig für’s Herz“ einmal ganz gut, dann reicht es aber auch. Für die Teilnehmer und vor allem für die, deren Gedichten nun abgedruckt sind, eine schöne Erinnerung, für alle anderen Leser kein Must-Have.

Als Anregung, welche Örtlichkeiten in Deutschland man mal besuchen könnte, allemal gangbar. Mehr nicht. Ansonsten hilft es vielleicht, mal wieder Goethe und Schiller in die Hände zu nehmen. Wäre hilfreich.

Autoren:
Leser und Leserinnen der BILD-Zeitung, im Rahmen eines Wettbewerbs, über ihre Heimat zu dichten und der Deutschen liebste Orte lyrisch zu gedenken.