Freundschaft

Patric J. Kaaf: Lucian Mason 3 – Und der Turm des Schatten

Inhalt:
Im dritten Schuljahr wird es alles andere einfach. Für Lucian, Ian, Silia und Haiden beginnt das Abenteuer mit einem Rückschlag: Sie verpassen die Polarfuchs, das mächtige Schiff zur Zauberschule Moridan. Nun müssen sie über Umwege ans Ziel gelangen, ein Weg, der voller Hindernisse und unerwarteter Gefahren steckt. Doch ihre Reise wird von rätselhaften Visionen überschattet:

Ein gigantischer Vogel mit schimmernden Flügeln und ein gewaltiger Turm, an dessen Spitze sich ein bedrohlischer Mahlstrom formiert. Ein Buch, das sich nicht öffnen lässt, Piraten greifen Seefahrer an und was hat ein Jäger in der Schule zu suchen. Welche dunklen Geheimnisse verbergen sich hinter all dem? Die vier Helden müssen nicht nur den Herausforderungen der Schule trotzden, sondern auch einem Rätsel auf die Spur kommen, das ihre Welt für immer verändern könnte. (Klappentext)

Einordnung in der Reihe:

Patric J. Kaaf: Lucian Mason 1 – Und der Splitter des Schicksals
Patric J. Kaaf: Lucian Mason 2 – Und der Baum der Erinnerungen
Patric J. Kaaf: Lucian Mason 3 – Und der Turm des Schatten
Patric J. Kaaf: Lucian Mason 4 – Und das Erwachen der Finsternis

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Rezension:

Noch düsterer als die vorangegangenen Bände gibt sich der dritte Teil der Reihe um Jungmagier Lucian Mason, dessen Start ins neue Schuljahr turbolenter nicht sein könnte. Nachdem dieser in seinem zweiten Jahr etwas mehr über die Vergangenheit seiner Geschichte erfahren konnte und der Halt seiner Freunde zu ihm auf die Probe gestellt wurde, gerät nun Lucian noch mehr als ohnehin schon ins Zentrum der Ereignisse. Doch ist schnell klar, egal, welchen Weg er wählen wird, diese Entscheidung wird alles verändern.

Die Fortsetzung des Urban Fantasy Abenteuers aus der Feder von Patric J. Kaaf könnte rasanter nicht beginnen. Gleich zu Anfang werden der Protagonist und seine Freunde auf die Probe gestellt, deren Reise uns Lesende noch mehr über die magische Welt erfahren lässt, die mehr denn je dem Abgrund nahe scheint. Rasant wird dieses Schuljahr erzählt, in dem neue Figuren eingeführt werden, insbesondere die Antagonisten bekommen vielschichtige Figuren zur Seite gestellt. Nichts ist, wie es scheint, doch wird so die Probe für Lucian und die anderen Protagonisten noch größer als bisher.

Das Spiel der verschiedenen Seiten verläuft rasanter als in den vorangegangenen Bänden, was nicht zuletzt an der Art des Erzählens liegt. Der dritte Band ist kompakter gehalten als die Vorgänger. Hier merkt man den Flow, in dem Patric J. Kaaf mehr und mehr hineingefunden hat. Zwar gibt es immer noch Flüchtigkeitsfehler in manchen Formulierungen, doch werden diese immer weniger, so dass man sich ganz auf dieses fesselnde Abenteuer einlassen kann, in welchem nicht nur der Protagonist sich von einer verletzlicheren Seite zeigen darf. Im Gegenteil, Lucian Mason darf auch hier Ecken und Kanten haben, Fehler machen, zeigt sich dabei lernfähig und reflektiert.

Dies macht den Hauptprotagonisten glaubhaft, wie auch, dass gerade seine Freunde nicht alles hinnehmen, sondern vielschichtig reagieren. So sehr, dass man manchmal zwei Seiten hervorblitzen sieht, was sich besonders an Ian als weiteren der vier Hauptfiguren festmachen lässt. Die Ausgestaltung der Gegenseite ist es jedoch, was diesen Band ausmacht, sowie auch die Zunahme weiterer Handlungsorte, die auch die große Japan-Liebe des Autoren hervorblitzen lässt, geschweige denn von praktisch filmreif durchchoreografierten Kampfszenen. Wobei, da könnte noch mehr gehen.

Lucian Mason ist zugleich Handlungstreiber, doch zunehmend bestimmen auch die Perspektiven anderer Figuren das Geschehen, welches in sich schlüssig ist, wenn auch mancher Übergang noch glatter daherkommen könnte. Trotzdem gelingt Patric J. Kaaf auch hier ein Spannungsbogen, der diesen Band nicht zu sehr nach Mittelstück aussehen lassen, woran viele vergelichbare Reihen in dieser Höhe einfach kranken. Das ist hier hoch anzurechnen. Auch die Einarbeitung von Rückblenden oder Buchsichten (Ja, die.) fügt sich hier logisch.

Die Zunahme von Handlungsorten erweitert die magische Welt, macht sie noch fassbarer, wobei dies auch der Tatsache geschuldet ist, dass in Teilen Band 3 ein magischer Roadmovie ist, dem man einfach gerne folgt. Cliffhanger verbinden dabei gekonnt die einzelnen Kapitel, deren Szenerien gut vorstellbar sind. Auch hierbei wird kein unnötiges Wort oder gar eines zu viel verloren.

Vom Gefühl her würde ich diesen Band noch zu den für jüngere Jugendliche geeigneten zählen. Wie es mit Teil 4 aussieht, darf man gespannt sein. Folgt da ein harter Bruch oder schafft es der Autor das Mitwachsen des Lesepublikums ebenso fließend zu gestalten, wie es ihm bisher gelungen ist? Das eine solche Wendung naht, lässt zumindest die zunehmende Rasantheit vermuten. Hier darf man gespannt sein, aber auch, welche Prüfungen magischer oder anderer Natur Lucian und seine Freunde noch bestehen werden müssen und wie sich deren Verhalten mit zunehmenden Alter und weiterer Erkenntnis verändert.

Alleine diese Fragen schon lohnt ein Blick in die nächsten Bände, die hoffentlich genau so spannungsreich wie vielschichtig werden. Man freut sich jedenfalls nach diesem auf weitere Abenteuer von Lucian und seinen Freunden.

Autor:

Schon immer von Games und Filmen fasziniert, wollte Patrick J. Kaaf in diese Branche Fuß fassen. Als dies nicht funktionierte, begann er auf Anregung hin, seine Ideen aufzuschreiben. So entstand u. a. sein Roman „Lucian Mason und der Splitter des Schicksals“, der den Auftakt einer neuen Fantasy-Reihe bildet.

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Hannah Richel: Das Wochenende

Inhalt:
Zur Einweohung ihres luxuriösen Campingplatzes in Cornwall haben Max und Annie ihre Studienfreunde samt Kindern eingeladen: TV-Star Dominic, die Ärztin Kira sowie die Freigeister Jim und Suze. Doch schon am ersten Abend kommt es am lagerfeuer zu einem handfesten Streit.

Am nächsten Tag zieht von der zerklüfteten Küste her ein Unwetter auf. Als eines der Kinder nicht vom Strandausflug zurückkehrt, eskaliert die Situation. Inmitten des tosenden Sturms sind die Freunde auf sich allein gestellt. Alte Konflikte brechen auf, neue Geheimnisse kommen ans Licht, und irgendjemand spielt ein tödliches Spiel … (Klappentext)

Rezension:
Dem Sturm ausgeliefert, offenbaren sich schnell menschliche Fehler, all die Schwächen und das zwischen den Jahren Ungesagte, als vier befreundete Familien plötzlich festsitzen und die ländliche Idylle plötzlich zur trügerischen Falle wird, derer sie nicht ausweichen können. Ein Wiedersehen zwischen Freunden sollte es werden, ein neuer Lebensabschnitt vielleicht, doch wird aus einem Wochenend-Ausflug schnell ein Höllentrip, der alles zwischen ihnen verändert.

Dies ist die Geschichte „Das Wochenende“, eines Thrillers der britischen Schriftstellerin Hannah Richell, in denen die Protagonisten von ihrer Vergangenheit eingeholt werden und in einem Strudel geraten, dem sie sich nicht so einfach entziehen können, wie dies ihnen jahrelang zuvor in der Anonymität der Großstadt gelingt.

Dabei begegnen wir den Figuren als die Ereignisse sie längst überrollt haben, als die Polizei ihre Ermittlungen beginnt und sie ihre Sicht der Dinge erzählen. Nach und nach erfahren wir aus Sicht der verschiedenen Protagonisten von den Ereignissen der vergangenen drei Tage, deren Puzzleteile langsam ein immer klareres Bild ergeben.

Die Autorin schafft es trotz der Vielfalt an Protagonisten eine kompakte Erzählweise sowie alle Handlungsfäden bei sich zu bewahren. Der Charakter und die eigene Tonalität der jeweiligen Figuren bleibt durchweg erhalten, wobei das Tempo nach und nach anzieht. Zu Beginn ist es dabei schwer, den Überblick über das Ensemble zu bewahren, deren Stück einem Kammerspiel unter freiem Himmel gleicht, doch eine Personenliste, sowie eine Karte des Handlungsortes helfen, sich einzufinden und die Übersicht zu behalten.

Landschaftsbeschreibungen gelingen Hannah Richell ebenso wie ein Psychogram ihrer Figuren. Das eine hat man gleichsam wie ein Kinofilm vor Augen, während alle Protagonisten sowohl ihre hellen als auch ihre dunklen Seiten haben. Letztere spielen natürlich handlungstreibend die Hauptrolle in diesem Pageturner, der sich spannend liest, nur gegen Ende etwas vorhersehbar daherkommt.

Bei den Figuren mag ein jeder Anknüpfungspunkte finden, zudem die einzelnen Kapitel wechselseitig aus der jeweiligen Sichtweise erzählt wird. Immer wieder wird dabei zwischen Gegenwart und jüngster Vergangenheit hin- und hergewechselt, was den Spannungsmoment hochhält, zugleich jedoch Erklärungen für die innere Gefühlswelt der Protagonisten bietet.

Dieser stete Perspektiv- und Zeitenwechsel entfacht eine gut funktionierende Dynamik, besonders getrieben durch die inneren Gedankengänge der einzelnen Figuren. Die Erzählung ist dabei in sich schlüssig, die Wendung der Ereignisse nicht ganz so überraschend. Zumindest für geübte Thriller-Leser. Doch möchte man zumindest so weit dranbleiben, um die Auflösung zu erfahren. Immerhin gelingt es der Autorin zahlreiche Anknüpfungspunkte zu schaffen und im richtigen Moment zwischen Spannung und der sprichwörtlichen Ruhe vor dem Sturm zu wechseln.

Die Landschaftsbeschreibungen machen das ganze sehr filmisch. Die Handlungsorte sind greifbar. Man spürt jeden knackenden Ast, spürt die tosenden Wellen, wenn sie auf die Küste treffen, den sich verdunkelnden Himmel, der das Unheil verkündet. In anbetracht heutiger Thriller kommt Hannah Richell dabei mit erstaunlich wenig Gewalt aus. Die kommt zwar auch vor und wird dann treffend beschrieben, doch die inneren Gedankengänge der Figuren sind es vor allem, die hier handlungstreibend sind.

„Das Wochenende“, ist leichtgängige Lektüre, sobald man einmal in diese Dynamik eingefunden hat. Der große Überraschungseffekt bleibt zwar aus, doch liest man die Geschichte durchaus gern, zudem man in jeder Zeile merkt, dass die Autorin die Landschaft kennt, auch einen sehr viel friedlicheren Campingausflug dieser Art schon mal verbracht hat. Für jene, denen das ausreicht, ist dies durchaus eine lohnende Lektüre.

Autorin:
Hannah Richell ist eine britische Schriftstellerin. Sie schreibt Thriller und zudem für die Filmbranche. Nach ihremm Studium arbeitete sie in London und Sydney. Mittlerweile lebt Richell im Südwesten Englands. Ihre Werke sind internationale Bestseller, die in über zwanzig Sprachen übersetzt wurden.

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Jose Mauro de Vasconcelos: Mein kleiner Orangenbaum

Inhalt:
Sese kann keinen Streich widerstehen, und seine Familie glaubt, der Teufel stecke ihm im Leib. Um ihrem Groll zu entgehen, flüchtet sich Sese in seine Fantasie – eine Welt, in der die Hühner zu wilden Panthern werden und ein kleiner Orangenbaum ihn zu Abenteuern überredet. Und wo ganz, ganz sicher der beste Mensch der Welt auf ihn wartet. (Klappentext)

Rezension:
Zwischen fiktionalisierter Kindheitsbiografie und Coming of Age Geschichte schwankt die Erzählung des brasilianischen Schriftstellers Jose Mauro de Vasconcelos, die direkt nach Erscheinen 1968 Aufsehen erregte. Die kompakt gehaltene Novelle, in der beinahe durchgehend ein Orangenbaum der einzig positive Bezugspunkt für den kleinen jungen Protagonisten ist, verliert kein Wort zu viel und geht dennoch direkt unter die Haut.

Ich wollte nur noch in Liebesfilme gehen, wie die Großen sie nannten. Filme, in denen viele Küsse vorkommen und viel Zärtlichkeit und wo alle sich lieben. War ich selber nur dazu da, verprügelt zu werden, so konnte ich dort doch wenigstens sehen, wie andere Menschen sich gern mochten.

Jose Mauro de Vasconcelos: Mein kleiner Orangenbaum

Erzäht wird die Geschichte einer Kindheit, die einzig Trostlosigkeit in Hülle und Fülle zu bieten hat. Allen voran vor den Schlägen der Eltern und seiner älteren Geschwister flüchtet sich der kleine Hauptprotagonist in eine farbenfrohe Phantasiewelt, die ihn stets zu Streichen animiert, wofür es im nächsten Moment promt erneut Prügel hagelt, die den Jungen nach und nach seinen Glauben an sich selbst verlieren lässt, wobei auch nicht hilfreich ist, dass die stete Armut der Familie keine Perspektiven bietet. Selbst in Kinderaugen, die nur Wut und Verzweiflung in den Augen der Älteren sehen oder zu Weihnachten keine Geschenke.

„Ich weiß, warum. Weil ich wirklich gar nichts tauge. Ich bin so böse; weißt du, was Weihnachten passiert? Da kommt nicht das Jesuskind, da kommt das Teufelskind auf die Welt …!“
[…]
„Ich bin so schlecht, ich hätte gar nicht geboren werden dürfen. Das habe ich neulich auch schon zu Mama gesagt.“

Jose Mauro de Vasconcelos: Mein kleiner Orangenbaum

In der Erzählung, die kein überflüssiges Wort enthält, begleiten wir die Hauptfigur durch die erste Zeit des bewussten Erlebens in der Kindheit, der mit wachen Augen seine Umgebung wahrnimmt, um darauf zu reagieren und dann fast immer den kürzeren zu ziehen. Fürsprecher hat er wehrlos kaum, von der Familie ist es beinahe allein eine ältere Schwester, ansonsten werden nach und nach nur wenige außenstehende Erwachsene zu positiven Bezugspunkten aufgebaut. Alle anderen Figuren sind im Gegensatz zu Sese, dessen Verbrechen es ist, Kind zu sein in einer kinderfeindlichen Umgebung, aus dessen Sicht klare Antagonisten.

„Keiner von seiner Familie hat Verständnis für dieses Kind. Ich habe noch nie einen Jungen gesehen, der so sensibel ist.“

Jose Mauro de Vasconcelos: Mein kleiner Orangenbaum

Das macht den kleinen und intelligenten Jungen zu einem klaren Sympathieträger, der so sensibel wie mutig sich einer Welt entgegen stellt, die dem Kinde überdrüssig ist, allen voran die eigenen Eltern. Nicht nur der Wechsel zwischen realen Erleben und Phantasie kennzeichnet die Dynamik der Erzählung, auch Seses tiefgängige Gedanken, natürlich auch die Streiche in dichter Abfolge provozieren geradezu ein hohes Lesetempo, welches man nur gegen Ende stocken lässt, um an den entsprechenden Stellen innehalten zu können.

Diesen Tempowechsel so gekonnt hinzubekommen, ist hier wirklich gelungen. Erwähnenswert, die Erzählung verliert dadurch nichts, sondern gewinnt eher. Alle Figuren ohne Ausnahme, haben ihre Ecken und Kanten. Keine ist zu blass gezeichnet, als dass man sie sich nicht vor dem inneren Auge vorstellen könnte. Auch Orte, wobei diese überschaubar an der Zahl sind, werden sehr plastisch dargestellt. Die Schilderung der Gefühlswelt Seses tut ihr übriges. Zudem werden wichtige Themen wie Geldsorgen und Armut, aber auch Gewalt in der Familie thematisiert. Bemerkenswert, wenn man die Entstehungszeit des Romans betrachtet.

All dies überein zu bringen, ist Jose Mauro de Vasconcelos mit „Mein kleiner Orangenbaum“, in der einfühlsamen Übersetzung von Marianne Jolowicz vorliegend, so gut gelungen, dass die kleine Novelle sich in das Gedächtnis eingräbt, wie die Wurzeln besagter Pflanze in die Erde. Mehr kann man da gar nicht verlangen.

Autor:
Jose Mauro de Vasconcelos wurde 1920 in Rio de Janeiro geboren und war ein brasilianischer Schriftsteller. Bereits 1942 erschien seine erste von zahlreichen Erzählungen, deren bekannteste „Mein kleiner Orangenbaum“ 1968 veröffentlicht und ein Jahr später ins Deutsche übersetzt wurde. Der Schriftsteller studierte Medizin, Jura, Philosophie und Malerei, arbeitete als Lehrer, Bananenlader, Krankenpfleger und Fischer, bevor er das Schreiben zu seinem Beruf machte. Vasconcelos starb 1984 in Sao Paulo.

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Patric J. Kaaf: Lucian Mason 2 – Und der Baum der Erinnerungen

Inhalt:

Lucian Mason kehrt nach Moridan zurück, doch diesmal ist alles anders. Nach seinem triumphalen Sieg über Sivenna erwartet Lucian ein ruhiges Schuljahr. Doch das Schicksal hat andere Pläne. Zusammen mit seinen Freunden wird er mit Geisterproblemen, Lichtklingen, Monstern und Streit konfrontiert. Eine mysteriöse Katze und ein geheimnisvoller Wolf kreuzen seinen Weg und stellen ihn vor ungeahnte Herausforderungen. Als Lucian plötzlich an einem Ort landet, wo ein gewaltiger Baum auf ihn wartet, muss er erneut seinen Mut beweisen. Das Abenteuer, das vor ihm liegt, übersteigt alles, was er sich je vorstellen konnte.

Tauche ein in eine magische Welt und erlebe ein Abenteuer voller Magie, Geheimnisse und Mut.

Denn wir sind Moridan.
(Klappentext)

Bücher der Reihe:

Patric J. Kaaf: Lucian Mason 1 – Und der Splitter des Schicksals
Patric J. Kaaf: Lucian Mason 2 – Und der Baum der Erinnerungen
Patric J. Kaaf: Lucian Mason 3 – Und der Turm des Schatten
Patric J. Kaaf: Lucian Mason 4 – Und das Erwachen der Finsternis

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Rezension:

In der Tradition typischer Internatsliteratur mit magischen Einsprengseln entführt uns Patric J. Kaaf erneut in die magische Welt Lucian Masons ein, der nun nach einem turbulenten ersten sein zweites Schuljahr im magischen Moridan beginnen soll. Die Geschichte, die erneut Coming of Age und Jugendliteratur gekonnt in eine Urban Fantasy einbindet, zeigt, wie eine Fortsetzung gelingen und ein zweiter Band keineswegs immer der schlechtere einer Reihe sein kann.

Dabei treten zu Beginn wieder Akteure auf, die für den Verlauf der Erzählung eine Rolle spielen werden, ohne zu viel vorweg zu nehmen, gleichzeitig gelingt es dem Autoren Lesende in den Bann einer Handlung zu ziehen, die zugleich ihre dunklen Schatten vorauswirft, ohne die jenigen zu verlieren, deren magische Reise mit den Auftaktband schon eine ganze Weile her ist.

Eine zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse bekommt man praktisch innerhalb des Anfangs der Geschichte mitgeliefert, so dass ein schneller Wiedereinstieg gelingt und man sich voll und ganz den Charakteren, ihren Abenteuern und den Herausforderungen widmen kann, vor denen diese stehen.

Wieder im Vordergrund steht der titelgebende Hauptprotagonist, der auch hier empfindsamer und vielschichtiger sein darf, als auch wortwitziger auftreten darf, als dass eine gewisse Figur eines britischen Epos‘ sein darf, was eine Wohltat ist, ebenso wie die feine Zeichnung von Nebencharakteren, die noch mehr Raum bekommen, ebenso Herausforderungen zu bestreiten. Lucians größte, sich auf Ruhmeszuschreibungen einzulassen und auch Neid und Missgunst zu widerstehen, zugleich seinen Gerechtigkeitssinn zu Tage treten zu lassen, gelingt hier durch den gesamten Handlungsstrang hinweg, der mit zunehmender Seitenzahl ordentlich am Tempo zieht.

Nebst der Darstellung der Charaktere muss das Worldbuilding hervorgehoben werden, sowie das Magiesystem, welches eine ganz besondere Rolle in diesem Band bekommt. Der Herausforderung, eine Lichtklinge zu erlangen, mächtiges magisches Instrument dieser Welt, sind nicht alle Schülerinnen und Schüler gewachsen, aber auch Grundlage und Handlungstreiber für allerhand Abenteuer, in denen sich Lucian ohne es zu wollen, wiederfindet.

Hier nicht den Faden zu verlieren, ohne größere Logikfehler und unglaubwürdigen Wendungen, hat funktioniert. Auch merkt man deutlich, wie sich Schreib- und Erzählstil Patric J. Kaafs verbessert haben, trotzdem der Auftaktband und dieser als Fortsetzung natürlich nur zusammen funktionieren.

Die temporeich erzählten Kapitel fördern eine Lesegeschwindigkeit, durchsetzt mit zahlreichen Spannungsmomenten, auch Gegensätze funktionieren in diesem Setting gut. Trotz eingearbeiteten Lektorat stößt man hin und wieder aber auf Rechtschreibfehler, trotzdem meine ich auch hier eine Besserung im Gegensatz zum Erstling zu bemerken. So widmet man sich, wenn man denn stolpert, schnell wieder den Kampf zwischen Gut und Böse, Lüge und Wahrheit und Lucians Willen, auch mehr über sich selbst herauszufinden und zu bestehen.

Auch spürt man das Brodeln unter der Oberfläche, wobei die Herausarbeitung des Temperaments vom besten Freund der Hauptfigur mal witzig, mal erschütternd ist zu verfolgen, jedoch immer gelungen. Man fiebert mit. Man leidet mit. Auch ist man mal wütend. Das schafft eine teilweise sehr filmische Beschreibung. Lucian Mason als Miniserie wäre hier sehr gut vorstellbar.

Zeitebenen und Perspektiven wechseln, rahmen vor allem die Geschichte ein, um sich dann und wann zu berühren und am Ende teilweise zu verschwimmen. Wenn man junge Jugendliche als Zielgruppe ansetzt, könnte das durchaus eine Herausforderung beim Lesen bedeuten, auch ist die stetige unterschwellige Bedrohung und Düsternis ein Markenzeichen des Bandes, der mit seinen Beschreibungen von Auseinandersetzungen an japanische Kampfszenen erinnert. Auch das ist ein Element, welches selten so gelungen beschrieben wird.

In diesem Zusammenspiel funktioniert diese Fortsetzung des Auftaktbandes noch besser, da insgesamt rasanter aber auch harmonischer wirkend. Gerne bleibt man dran, um mehr über Lucian und die magische Welt zu erfahren, der behutsam neue Elemente hinzugefügt werden, deren Ausgestaltung Patric J. Kaaf im Verlauf der Reihe noch weiter forcieren wird. Einige Nebenfiguren, auch neue, bekommen so mehr Raum, auch gelingt es dem Autor sich in den passenden Momenten zurückzunehmen und diese in den Vordergrund treten zu lassen.

Habe ich für den Auftaktband noch wohlwollende vier Sterne gegeben, hält diese Bewertung nun auch unter Zuhilfenahme strengerer Gesichtspunkte stand. Dass ich praktisch eine Version mit Anmerkungen des Lektorats erhalten habe, dürfte der Aufregung einerseits, andererseits meinem Kaufverhalten geschuldet sein. In einer späteren Version sind sie nicht mehr anzutreffen.

Die Reihe lohnt sich folglich, sie weiter zu verfolgen, zudem gerade aus dem deutsprachigen Raum ich wenig vergleichbares gefunden habe. Auch wer bestimmte Urban-Fantasy-Elemente in Verbindung mit einer Coming of Age Geschichte sucht, wird hier fündig werden. Abenteuersuchende ohnehin. Denn, wir alle sind Moridan.

Autor:

Schon immer von Games und Filmen fasziniert, wollte Patrick J. Kaaf in diese Branche Fuß fassen. Als dies nicht funktionierte, begann er auf Anregung hin, seine Ideen aufzuschreiben. So entstand u. a. sein Roman „Lucian Mason und der Splitter des Schicksals“, der den Auftakt einer neuen Fantasy-Reihe bildet.

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Murmel Clausen: Leming

Inhalt:
Sie ist nicht so leicht, diese Sache mit dem Leben als geradenoch-Teenager: Kolja, Verena und Reinhold treffen in einem Suizid-Forum im Internet aufeinander. Gemeinsam wollen sie, um dem Ganzen ein passend dramatisches Ende zu setzen, an den Plattensee, um in einen erloschenen Vulkan zu springen. Nur dass Kolja eigentlich mitfährt, um die anderen beiden von dem Vorhaben abzubringen. Doch können eine chaotische Reise in einem getunten Audi, ein toter Opa, eine wilde Partynacht am Balaton, eine Sonnenfinsternis und letztlich ihre Freundschaft Verena und Reinhold neuen Lebensmut schenken? (Klappentext)

Rezension:
Knallhart ehrlich und brutal im Umgang mit seinen Protagonisten ist das vorliegende Jugendbuch „Leming“, von Schriftsteller und Drehbuchautor Murmel Clausen, der sich behutsam einer Thematik widmet, die schon eine Altersgruppe weiter schwierig zu händeln ist. Doch liest sich diese kleine, aber feine kompakte Erzählung über Suizidalität erstaunlich leichtgängig und kann damit einen Anker für junge Menschen schaffen, einen Anknüpfungspunkt für Gespräche zu finden.

Ein solcher Anker im Buch ist Kolja, Hauptprotagonist des Romans, der sich vor allem von seinem Vater unverstanden fühlt, ansonsten jedoch seine Rolle bereits zu Beginn der Geschichte gefunden hat. Er ist die gute Seele eines düsteren Forums, in dem sich Menschen über suizidale Gedanken austauschen, redet auf dessen Mitglieder ein und versucht sie so von manch einem angestrebten allerletzten Schritt abzuhalten.

Fein ausgearbeitet erfahren wir nach und nach mehr über sein Leben un dessen Sicht, aus der wir der Erzählung begegnen. Wir begleiten ihn auf einen Roadtrip Richtung Ungarn, in dem er versuchen wird, zwei Mitglieder des Forums, denen er sich nahe fühlt, unter Vorgabe, dass er ebenfalls einen Schlusspunkt ans Leben setzen wolle, von eben diesem abzuhalten. Doch ist dies überhaupt eine händelbare Aufgabe für einen Jugendlichen oder nicht doch mehrere Nummern zu groß?

Diese Frage schwingt über die gesamte Erzählung immer mit, die von der Dynamik des Hauptprotagonisten im Zusammenspiel mit zwei weiteren Nebenfiguren lebt, die nach und nach an Ecken und Kanten gewinnen. Sie alle sind nachvollziehbar gezeichnet, wankend in ihren Gefühlswelten, ebenso ist der Abstand vom Alter der Protagonisten glaubwürdig in ihren Charakteren dargestellt.

Reinhold als Ältester wirkt abgeklärt und in seinem Willen klar, während Kolja als Jüngster in seinen Gedankengängen schwankend und zuweilen unsicher dargestellt wird. Das macht die Figuren fassbar, auch wenn der Autor nur wenige Seiten braucht, um um sie herum eine sehr einnehmende Sogwirkung zu entfalten. Tatsächlich lässt sich dieser kleine Roman flüssig lesen. Die ernste thematik wird dabei immer wieder unterbrochen von Stellen mit Leichtigkeit und durchaus feinsinnigen Humor. Dadurch ist die Geschichte nicht nur für die Zielgruppe, sondern auch darüber hinaus lesbar.

In die Figuren kann man sich gut hineinversetzen. Der Hauptprotagonist ist hier Taktgeber und guter Beobachter. Zwar ahnt man durchaus schnell, wie die Erzählung ausgehen wird, doch liegt das am Genre und der Zielgebung des Autoren selbst, der ein eigenes Erlebnis zum Schreibanlass genommen hat. Am Ende des Buches stehen dann auch Hinweise und Links in Form von QR-Codes zur Telefonseelsorge als Zeichen, dass man mit seinen Sorgen nicht allein sein muss und es durchaus Hilfsangebote da draußen gibt. So ist dieses Buch Gesprächsangebot und Denkanstoß zugleich, auch wohl sehr gut in Schulen als Diskussionsanstoß denkbar.

Das liegt an der Ausgestaltung und Nahbarkeit der Protagonisten, ebenso am filmischen Schreibstil, der die wenigen Handlungsorte sehr plastisch vor Augen führt. Irgendwie passend, dass der Autor die Schein- und Trostlosigkeit des Balatons genommen und zumindest bei mir einen sehr ermüdenden Balaton-Urlaub in Erinnerung gerufen hat. Hier gibt das einmal Pluspunkte. Jedenfalls kann man sich das alles gut vorstellen. Murmel Clausen spielt da seine Profession als Drehbuchautor sehr in die Hände. Auch hat er damit unglaubwürdige Wendungen und Sprünge vermieden, wenn man einmal von der Vorhersehbarkeit absieht, die in diesem Genre fast gegeben zu sein scheint. Trotzdem fühlt sich „Leming“ in etwa so an, wie ein „Tschick“. Nur eben düsterer.

Dieses Buch hat das Zeug zur Schullektüre, spricht vor allem Jugendliche an, kann aber dennoch darüber hinaus gut gelesen werden, ohne großartig Abstriche machen zu müssen. Es ist Murmel Clausens Aufforderung über ein gesellschaftliches Tabu ins Gespräch zu kommen, was nur selten aufs Tableau gebracht wird, wenn überhaupt, dann, wenn es bereits zu spät ist. Die Ausgewogenheit zwischen der Schwere der Hauptthematik und die Leichtigkeit eingestreuter, auch fröhlicher Momente, macht die Erzählung dem zugänglich.

Man darf sich mehr solche kleinen aufs Wesentliche konzentrierte Geschichten wünschen, die vor allem ihre Zielgruppe ernst nehmen. Es wäre für uns alle ein Gewinn.

Anmerkung: Bei der Altersempfehlung würde ich ab 12/13 Jahren ansetzen.

Autor:
Claus-Henric „Murmel“ Clausen wurde 1973 in München geboren und ist ein deutscher Drehbuch- und Romanautor. Zunächst arbeitete für das Radio, nevor er gemeinsam mit Michael Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz Drehbücher für verschiedene Fernsehshows zu schreiben begann. 2012 erschien sein erster Roman, dem weitere folgten, sowie Drehbücher zu mehreren Tatorten. Für seinen Roman „Leming“ wurde er 2024 mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis „Luchs“ von Radio Bremen und der Zeitung „Die Zeit“ ausgezeichnet.

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Sabine Lehmbeck: Benefiz

Inhalt:
Acht Frauen, acht Lebenswege, die miteinander verknüpft sind.

Jede hat ihre Träume, ihre Herkunft, ihre Ängste, Abhängigkeiten und Glücksmomente. Und ihre eigenen Umstände. Was können wir selbst ändern, was nicht? Und was lässt sich zusammen am besten meistern?

Ein Plädoyer für die Kraft der Solidarität und das Ausleben von Leidenschaften.
(Klappentext)

Rezension:
Auf leisen Sohlen kommt „Benefiz“ daher, ein Roman in unterschiedlichen Perspektiven unterschiedlicher Frauen, die alle miteinander verbunden sind und entfaltet mit wenigen Seiten eine unglaubliche Kraft. Dabei ist der Autorin ein vielseitiger Spiegel unserer Gesellschaft und der Themen gelungen, die dort verhandelt werden. In dieser Erzählung werden die Fäden zwischen ihnen gesponnen, die zeigen, dass unsere Stärken im Zusammenhalt und der Gemeinschaft liegen.

Aber vor allem ist der Roman zunächst einer über Frauen unterschiedlicher Generationen, Herkünften und Schichten, deren Leben im quirligen Hamburg und Umgebung zunächst uns Lesenden die Figuren offenbart. Jedes der kompakt gehaltenen Kapitel erzählt aus der Perspektive einer der Protagonistinnen, welche auf das Jahresende und einer von einigen derer mit organisierten Benefizveranstaltung zusteuert, zu Gunsten iranischer Frauen.

So schafft es die Autorin nicht nur eine Erzählung von gesellschaftlicher, Brisanz als auch von Debatten zu erzählen, wie sie glaubwürdig in jedweden Haushalt so ganz nebenbei täglich miteinander verhandelt werden. Ohne den Blick auf die Protagonistinnen zu verlieren, gelingt dies. Sabine Lehmbeck hat mit jedem Kapitel ein Puzzleteil mehr geschaffen, welches nach und nach ein ganzes Bild ergibt. Die Sichtweisen aufeinander ergänzen sich gut. Keine der Figuren ist perfekt, sie haben alle ihre Schwächen und Fehler und ergänzen sich dabei zusammen hervorragend.

Gegensätze werden praktisch im Nebensatz erzählt und erzeugen sowohl Spannungsfelder als auch Dynamiken. Durch die kompakt gehaltenen und doch überschaubaren Figurentableau gelingt es hier, beim Lesen den Überblick zu behalten. Man fühlt mit den Figuren, kann nachempfinden und versteht deren Handlungsweise. Etwas, was bei manch umfangreichen Roman viel weniger gelingt.

Wenn man etwas kritisieren wollte, ist es ausgerechnet das. Gerne würde man an mancher Stelle in der Erzählung noch länger verweilen, noch mehr erfahren über den weiteren Verlauf, der Vorgeschichte. Alles wird hier ohne Effekthascherei, Melancholie erzählt. Das wahre Leben eben, ohne Langeweile. Der Persketivwechsel bringt die Dynamik, wobei es der Autorin durchweg gelungen ist, den roten Faden in der Hand zu behalten und Handlungsstränge gekonnt zusammenzuführen. Auch kann man sich gut in die Umgebung der Figuren hineinfühlen, auch wenn für deren Beschreibungen ebenfalls kein Wort zu viel verloren wird.

Frauenrechte, Selbstbestimmung, Emanzipation, Veränderungen und Akzeptanz sind das Gerüst dieser Erzählung ohne Voyeurismus und ohne Wertung. Die Autorin, so scheint es, bringt zur Sprache, was ihr wichtig ist, ohne den Zeigefinger zu erheben und regt zum Nachdenken an. Das schafft der Roman durchaus, andererseits kann man ihn jedoch auch lesen, um gut unterhalten zu werden, ohne sich zu überladen. Das bekommt mit „Benefiz“, wer sich darauf einlässt.

An manchen Stellen zu kurz, da man gerne den einen oder anderen Blick mehr in das Leben der Protagonistinnen haben möchte, an vielen jedoch genau von der richtigen Länge ist diese Erzählung, in der die Männer nur eine kleine Nebenrolle spielen. Und tut sich dabei sehr gut. Das ist doch ganz schön.

Autorin:
Sabine Lehmbeck wurde 1969 geboren und ist eine deutsche Buchhändlerin und Autorin. In der Umgebung von Hamburg lebt sie und beschäftigt sich mit Frauenthemen und dem Wohlstandsgefälle in unserer Gesellschaft. Sie betreibt ein Antiquariat und hat 2022 ihren ersten Roman veröffentlicht. „Benefiz“ ist ihre zweite Erzählung.

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Amir Hassan Cheheltan: Die Rose von Nischapur

Inhalt:
Als sich David 2015 endlich seinen langjährigen Traum erfüllt und den Iran bereist, ahnt er noch nicht, dass sein Leben bei der Rückkehr nach England ein anderes sein wird. In Teheran trifft er den Schriftsteller Nader und dessen Freundin Nastaran. Schnell entwickelt sich durch ihre leidenschaftlichen Gespräche eine innige Freundschaft, die schon bald gefährlich zu kippen droht. „Die Rose von Nischapur“ ist ein bewegender Roman über Begehren, Misstrauen und die Sehnsucht nach einer Freiheit, die unerreichbar scheint. (Klappentext)

Rezension:
Zwischen den Welten entführt uns der vorliegende Roman „Die Rose von Nischapur“ des iranischen Schriftstellers Amir Hassan Cheheltan in die quirlige Hauptstadt des Landes, die sich fest in den Händen der herrschenden Mullahs befindet. Dazwischen jedoch, Leben. Die Menschen suchen und finden ihre Nischen.

Im Ausland jedoch kennt diese kaum jemand. David jedoch liebt das Werk des alten persischen Dichters und Philosophen Omar Khayyam. Nachdem er den Autoren Nader kennengelernt hat, beginnt er sich nicht nur einen Traum zu erfüllen. Seine Reise wird zur Herausforderung seiner neuen Bekannten werden und nicht zuletzt auch für sich selbst.

Beinahe poetisch wirkt der Roman, dessen Geschehen einige wenige Wochen umfasst und zahlreiche Konflikte aufmacht. So ist dies eine Erzählung über die Wirkung von Beziehungen, zugleich jedoch innerer Zerissenheit und Einsamkeit. Jede der handelnden Figuren sieht sich in dem festgefahrenen Land plötzlich seinen Ängsten oder Sehnsüchten ausgesetzt, die Geschehnisse in Gang setzen werden, die zunächst langsam, dann immer schneller ins Rollen geraten.

Auf das zunächst langsame Erzähltempo muss man sich einlassen, wird dafür jedoch mit einer schönen sprachlichen Ausgestaltung und interessanten philosophischen Betrachtungen belohnt. Letztere ziehen sich die gesamte Handlung hindurch und lassen sich gut auf den Alltag im Gottesstaat übertragen, die Zwänge und Herausforderungen, die damit verbunden sind.

Cheheletan beschränkt sich auf wenige Figuren, wobei Nader allen voran sein alter Ego sein dürfte. Natürlich mit Abwandlungen, jedoch merkt man dem Protagonisten die gleiche Vorliebe zur persischen Dichtkunst und Philosophie an, wie sie auch dem Autoren innewohnen wird, als auch die Kenntnisse der inneren Gefühlswelt während des Krieges.

Auch hier könnten wenigstens in Spuren gewisse Parallelen liegen. Auch die anderen Hauptprotagonisten haben so ihre Ecken und Kanten, wobei die als „Rose von Nischapur“ betitelte, die interessanteste sein dürfte, um sie dreht sich schließlich alles. Nebenfiguren gibt es kaum. Eine wenigstens bildet einen Kontrast zu David, was sie jedoch nicht gerade sympathisch macht. Mit ihrer westlichen Logik ist sie jedoch Handlungstreiber oder zumindest ein nicht zu ignorierender Impulsgeber für die Erzählung, die das Tempo anziehen lässt.

Die Perspektiven wechseln stets zwischen den drei Hauptfiguren, auch innerhalb der kompakten Kapitel. Ihre Reaktionen aufeinander machen den Roman interessant, wenn auch dadurch entstandene Wendungen, so man sie als solche bezeichnen darf, eher langsam entstehen. Wenige Rückblenden als Erinnerung der Protagonisten durchbrechen die Erzählstruktur nicht zu stark, als dass das störend wirken würde. Doch ergibt sich in dieser Kombination eine Art „Romeo und Julia“ auf Persisch.

Melancholie ohne Mehltau und ein paar Alltagsszenen, wie Familienzusammenkünfte sind stark in der Beschreibung. Man kann sich die Herzlichkeit der Menschen einerseits praktisch bildlich vorstellen, andererseits aber auch die Zwänge, unter denen die Protagonisten leben.

In diesem Roman stimmt das Verhältnis poetischer Sprache und interessanter Momente, die sich aus dem Miteinander der Figuren ergeben. Wer ruhige Erzählungen mag, die kompakt sind und sich dennoch Zeit nehmen, ein gewisses Tempo zu erlangen, ist mit „Die Rose von Nischapur“ gut bedient, man muss jedoch diesen Stil mögen und den Zugang dazu finden. Der iranische Autor Amir Hassan Cheheltan hat es hiermit zumindest bei mir geschafft.

Autor:
Amir Hassan Cheheltan wurde 1956 in Teheran geboren und ist ein iranischer Ingenieur und Schriftsteller. Zunächst studierte er Elektrotechnik, schriftstellerisch ist er seit den 1970er Jahren tätig. Sein erster Erzählband erschien 1976. Ein paar Jahre später gelang ihn der Durchbruch. Während des ersten Gofkriegs war er Soldat und stand zwischenzeitlich, 1998, auf einer Liste verfemter Schriftsteller.

Mit einem Stependium lebte er für einige Jahre in Italien, verfasste später Drehbücher. 2007 wurde sein Roman „Iranische Morgenröte“ im Iran für den Buchpreis nominiert, derer er sich wegen Zensur und Publikationsverbote verwehrte. Seine Romane dürfen im Iran nicht erscheinen, dennoch lebt der Schriftsteller in Teheran.

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Theodoros Iatridis: Das weiße Haus mit den weißen Dachziegeln

Inhalt:
Irgendwann werden wir aufwachen und nichts wird mehr so sein, wie es gewesen ist.

Ich schaue nach links und dort steht ein türkisfarbenes Haus mit türkisfarbenen Dachziegeln und blauen Fensterläden. Ich verlasse meinen Trampelpfad und öffne die türkisfarbene Tür und trete ein. Es ist ein Cafe und es fühlt sich an, als wäre das Heute ein Gestern und alles, was ich gerade tue, ist bereits vollbracht worden.

Folgt Thomas auf seiner absonderlichen Abenteuerreise und werdet Zeugen einer grotesken Welt.

Eine Geschichte über die Liebe eines Mannes, an einem bizarren Tag, der kein Ende zu finden scheint.
(Klappentext)

Rezension:
Einmal im Monat betrinkt Thomas sich. In einem Rausch durchlebt er den Tag. heute hat ihn sein Chef freigegeben, nicht ohne das Problem anzusprechen. Doch jetzt ist er allein mit sich und seinen Gedanken. Oder ist er gar nicht allein? Ein Spaziergang wird vermutlich helfen, den Kopf frei zu bekommen. Auf seinem Spaziergang verliert er sich in bizarren Begegnungen. Ist das alles wirklich? Thomas beginnt Vergangenes zu verarbeiten. Ob es ihm gelingen wird?

„Das weiße Haus mit den weißen Dachziegeln“, ist eine kleine Novelle aus der Feder von Thodoros Iatridis, der damit eine Erzählung über Trauer und Verarbeitung, dem Begreifen und Erfassen geschrieben, dies in einem sehr poetischen Ton verfasst hat. Beim Lesen des kompakten Textes begleiten wir den Protagonisten, erfahren zunächst wenig über den Hintergrund, der sich nur langsam erschließen wird. Der Protagonist selbst ist ebenfalls lange Zeit nicht wirklich zu greifen. Was treibt ihn an, was treibt ihn um? Warum begibt er sich in einem Zustand, in der die Phantasie überhand nimmt und die reale Welt in den Hintergrund rücken lässt.

Surrealistisch und abstrakt wirkt der Text. Fast ist es so, als würde man von Gemälde zu Gemälde springen. Wer liest bekommt viel Zeit zur Interpretation. Das Erzähltempo ist langsam. Ein wirklicher Lesefluss mag sich dabei nicht einstellen. Vielmehr reihen sich Momente zum Innehalten aneinander, wie auf eine Perlenkette. Der Protagonist, so begreift man dann, ist in einer Phase der Trauer, noch nicht bereit loszulassen, aber kurz davor. Was zuvor passiert ist, bleibt länger im Dunkeln.

Sehr poetisch ist der Ton. Die Sprache wirkt zuweilen sehr geschliffen. Und erreicht nur, wenn man in der richtigen Stimmung für diese Art von Literatur ist, ansonsten bleibt man davon merkwürdig unberührt. Das fühlt sich falsch an, wo man doch weiß, dass es einem nahegehen müsste, gerade wenn man die Ebenen dahinter erfasst hat. Die Mischung aus Erzähltempo und Tonalität ist jedoch sehr besonders und macht den Einstieg nicht gerade leicht.

Kurz und kompakt sind die Kapitel gestaltet. Der Protagonist wird in ihnen mit seinen Gedanken und Gefühlen konfrontiert. Ständige Wiederholungen unterstreichen die tiefen Narben, deren Herkunft sich erst spät erschließen wird. Der Takt der Wiederholungen von Sprachbildern lässt den Text sehr kantig wirken. Das ist nur den sehr geduligen Lesenden zuträglich. Alle anderen bleiben leider auf der Strecke. Innerhalb der Ebenen, wenn es um Trauer und Verarbeitung geht, um das sich Erinnern, ist die Erzählung dennoch schlüssig, auf seine eigen bizarre Art und Weise. Manchmal wirkt es so, als hat der Autor sich hier nicht entscheiden können, ob er nun ausschweifend oder detailliert formulieren wolle. Das merkt man durchaus an der einen oder anderen Stelle.

Lücken erschließen sich gegen Ende des kleinen Romans, dessen Phantasiewelten im Kopf des Protagonisten man sich durchaus plastisch vorstellen kann. Schauplätze vermag Iatridis vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Reicht das aber aus? Wer keinen Zugang zum Surrealen findet, dem wird dies leider nicht genügen. Eventuell wirkt das anders, wenn man selbst schon trauern musste? Das möchte ich dem Autoren gerne zugestehen, habe mich selbst zum Glück aber bisher noch nie in dieser Lage befunden.

Definitiv keine leichtgängige Lektüre ist „Das weiße Haus mit den weißen Dachziegeln“, die man unbedingt in der richtigen Stimmung lesen sollte, um sie wirken zu lassen. Anders funktioniert es hier nicht. Zu abstrakt ist da der Text und damit auch nicht wirklich greifbar. Und das ist schade, denn manches sprachliches Bild darin ist durchaus schön.

Autor:
Theodoros Iatridis ist 1984 geboren und ein deutscher Schriftsteller. Mit seinem Debüt „klein ist die Seele“ durfte er an der Veranstaltungsreihe „das erste Buch“ vom Raabe-Haus, Literaturzentrum Braunschweig, teilnehmen. Er ist Autor mehrerer Erzählungen.

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Michaela Göhr: Fantastische Abenteuer 1 – Ein unglaubliches Band

Inhalt:
Timo findet sich eigentlich ganz normal. Und mal ehrlich – kann er was dazu, dass er zufällig blind ist? Eines Tages zieht im Nachbarhaus eine Familie mit einem Jungen in seinem Alter ein. Und der ist nun echt nicht normal! Alles, was Simon sich vorstellt, wird wirklich – egal, ob es sich um Schokotorte, Inline-Skates oder einen megastarken Riesen handelt. Schnell freunden sich die beiden ungleichen Jungen an und erleben aufregende Abenteuer zusammen. Eigentlich läuft alles perfekt – bis finstere Gestalten aus Simons Vergangenheit auftauchen und sowohl die Freunde als auch ihre Familien in große Gefahr bringen. (Klappentext)

Reihe:
Dies ist der erste Band der Kinderbuchreihe „Fantastische Abenteuer“, von Michaela Göhr. Parallel dazu gibt es eine Jugend-/Erwachsenenbuchreihe „Der Fantast“, die im Bereich Urban Fantasy den Protagonisten Simon durch sein Leben begleitet. Beide Reihen können unabhängig von einander gelesen werden.

Rezension:
Parallel zu der Urban-Fantasy-Reihe „Der Fantast“, ist aus der Feder von Michaela Göhr eine andere entstanden, die sich mehr an jüngere Leserinnen und Leser richtet. Mit „Fantastische Abenteuer“ sprengt die Autorin jede Einsortierung von sich selbst, in den Grenzen von Genres bis zu Zielgruppen und hat hier für Kinder eine ganz wunderbare Erzählung geschaffen, die die Kindheit der bereits in den Bänden für eine, nur etwas, ältere Leserschaft, noch einmal näher beleuchtet. Entstanden dabei ist eine Reihe über Freundschaft, Mut, Zusammenhalt und des über sich Hinauswachsens.

Nicht ganz so rasant wie in „Der Fantast“, lässt die Autorin hier die Geschichte aus Sicht des Freundes von Timo erzählen, der mit seiner Begabung, Dinge aus seiner Vorstellung heraus Wirklichkeit werden zu lassen, nicht nur das Zusammensein und Spielen zur Herausforderung werden lässt. Auch Begehrlichkeiten bei finsteren Menschen hat Simon längst geweckt, die seine Fantasie für ihre Zwecke einspannen wollen. Dies ist der Grund, warum der Junge und seine Familie in Timos Nachbarschaft ziehen.

Und Timo hat mit einer ganz eigenen Herausforderung zu kämpfen. Er ist blind und muss sich daher auf seine anderen Sinne verlassen. Doch sein neuer Freund wird ihn helfen, über sich hinauszuwachsen, sich auch mal etwas zu trauen, dabei jedoch als gleichrangig angesehen wird. Schon damit ist die Erzählung ungeheuer stark. Einw Einschränkung erzählt Michaela Göhr in ihrem kurzweiligen Roman nicht als Schwäche, sondern als Chance, zudem auch Timo sehr schnell die Rolle sowohl als Simons Korrekturat einnimmt. Zudem wird der Junge sehr schnell entdecken, dass auch der scheinbar perfekte Freund mit ganz eigenen Grenzen zu kämpfen hat.

Dies ist hier etwas anders herausgearbeitet als in der Jugendbuch- und Erwachsenenreihe. Eine Spur behutsamer. Während in „Der Fantast“, Simon, aus dessen Sicht heraus dort die Geschichte erzählt wird, manchmal eine Spur zu egositisch und sich selbst überschätzend, rüberkommt, wirkt hier der Wechsel der Perspektive sich wohltuend aus. Die Kindheit beider wird hier auf mehrere Bände gestreckt erzählt, in kompakten Kapiteln, immer wieder aufgelockert durch kleine Zeichnungen und im Anschluss mit einem kleinem Glossar, in denen vorkommende Begriffe, wie die Braille-Schrift, kindgerecht erklärt werden.

Nicht zuletzt die beiden Hauptprotagonisten sind auch hier feinsinnig ausgearbeitet, mit all ihren Schwächen und Stärken. Wie Inklusion funktioniert, natürlich im Sinne der Geschichte, zeigt die Autorin sehr unaufgeregt, ohne erhobenen Zeigefinger. Alle Figuren haben so ihre Ecken und Kanten. Selbst die Antagonisten sind nachvollziehbar gestaltet. Gegensätze, schon in Bezug der beiden Hauptfiguren zueinander, fügen sich in die Erzählung ein, ohne Lücken oder unerklärliche Wendungen entstehen zu lassen.

Insbesondere Timo ist als Identifikationsfigur gut herausgearbeitet. Nicht nur, dass man die Welt einmal aus einer gänzlich anderen Perspektive wahrnimmt, sondern auch seinen Gefühlen ob der Sprunghaftigkeit und Abenteuerlust, was milde ausgedrückt ist, seines Freundes gegenüber. Er ist schon ob seiner Voraussetzungen der ruhigere, überlegende nachdenkliche Part der beiden. Auch das ist hier als Plus-Punkt anzusehen, einmal einen solcher Art gestalteten Hauptcharakter zu haben.

Die Erzählung selbst ist nachvollziehbar und in sich schlüssig gestaltet. Rasante Momente wechseln sich hier etwas regelmäßiger als in „Der Fantast“, mit etwas ruhigeren ab. Diese gehören auch mit den darin formulierten Beschreibungen zu den stärkeren der Geschichte. Diese lebt insbesondere von kleinen Details, die ab und an eingestreut werden. Wie fühlt sich das an, wenn man, wortwörtlich, den Boden unter den Füßen verliert, den Grund dafür vielleicht zu wissen, aber eben nicht zu sehen? Das und anderes wird hier so ganz nebenbei kindgerecht erzählt und schafft „Einblick“ in eine sonst nicht oft zur Sprache gebrachten Welt.

Und trotzdem oder gerade deswegen kann man sich das Beschriebene bildlich gut vorstellen, sowohl was Orte als auch Figuren und ihre Handlungen angeht. Die Reihe funktioniert dabei für sich alleine, ebenso auch in Ergänzung zum parallel existierenden „Fantasten“. Hier ist Mitwachsen möglich. Wer Erzählungen für Kinder sucht, die unaufgeregt, Themen wie Inklusion und Freundschaft, Zusammenhalt, näherbringen, liegt hier in jedem Fall richtig. Auch die Einbindung fantastischer Elemente in die reale Welt funktioniert hier im Übrigen.

Michaela Göhr, die auch hier wieder Erfahrungen aus ihrer Arbeit in der Sonderpädagogik eingebracht hat, hat es mit diesem Buch noch einmal mehr geschafft, sich schriftstellerisch zu steigern und auch den Spagat zwischen Kinder- und Jugend- oder junger Erwachsenenliteratur hinzubekommen. Den fünften Stern möchte ich einmal offen lassen, um zu sehen, was da noch kommt.

Autorin:
Michaela Göhr ist eine deutsche Schriftstellerin und wurde 1972 im Sauerland geboren. Zunächst studierte sie Sonderpädagogik und arbeitet seit vielen Jahren an einer Förderschule Sehen. Mit dem Schreiben von Geschichten begann sie bereits in ihrer Kindheit. Ihren ersten Roman verfasste sie 2014. Seitdem schreibt sie Urban Fantasy für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

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Michaela Göhr: Der Fantast 1

Inhalt:
Simon erscheint auf den ersten Blick wie ein durchschnittlicher junger Mann. Seine mentale Kraft ist jedoch phänomenal: Alles, was er sich vorstellt, wird real, gegenständlich, lebendig! Merkwürdige, aufreibende Ereignisse sind seit seiner frühesten Kindheit an der Tagesordnung, was die verzweifelten Eltern dazu bringt, sich Spezialisten anzuvertrauen. Ein Entschluss, der das Leben der kleinen Familie in große Gefahr bringt. Simon wehrt sich auf seine ganz eigene Art. Seine Vorstellung wächst mit ihm, bis er mit der geballten Macht seiner Fantasie zurückschlägt …

Mit diesem Buch beginnt die spannende Lebensgeschichte des Fantasten, einem der ungewöhnlichsten Helden unserer Zeit. (Klappentext)

Reihe:
Dies ist der Auftaktband, also Band 1, der Reihe „Der Fantast“, der mit der Kindheit des Protagonisten beginnt und ein ganzes Leben erzählt. Parallel zu der aus fünf Bänden bestehenden Reihe, gibt es eine Kinderbuch-Reihe, die die Kindheit und Jugend des Protagonisten aus Sicht seines Freundes erzählt und breiter ausfächert, die hier mit Band 1 beschrieben ist.

Rezension:
In einer Mischung aus Fantasy-Roman und Jugendbuch nimmt Schriftstellerin Michaela Göhr ihre Leserschaft auf eine Reise voller Abenteuer und Gedanken, die die Welt verändern werden. Entstehen tun diese im Kopf des Protagonisten, der sie zu Gegenständen und Objekten formt, die wirklich werden, ohne sichtbar zu sein. Schon früh jedoch werden darauf andere aufmerksam, die diese Fähigkeiten für ihre eigenen Zwecke nutzen wollen. Mit zunehmenden Alter aber lernt Simon diese Kräfte immer besser zu formen und zu beherrschen, um für das Gute zu kämpfen. Gegen alle Widerstände.

Der Auftaktband, die seinen Fokus auf Kindheit und Jugend, bis hinein ins junge Erwachsenenalter des Protagonisten legt, ist eine Genre-Mischung par excellence und verbindet darüber hinaus auch noch zwei Reihen über Altersgrenzen hinweg. Mit „Der Fantast“ wird die Lebensgeschichte von Simon begonnen zu erzählen, der mit seiner ungewöhnlichen Begabung Begehrlichkeiten weckt, jedoch diese in etwas Positives umwandeln möchte, die davon abzweigende Reihe „Fantastische Abenteuer“ ist dagegen unter den Kinder- und frühen Jugendbüchern angesiedelt. Sie erzählt die Abenteuer der Kindheit und Jugend, aus Sicht des besten Freundes des Protagonisten, der trotz seiner Einschränkungen, Timo ist blind, im übertragenen Sinne zum Auge Simons, und auch dessen Gewissen, wird.

Doch mit „Der Fantast“ führt die Autorin in das Leben beider Protagonisten ein, die sich ob ihrer Einschränkungen und Begabungen gegenseitig ergänzen. Schon mit den ersten Konturen der Geschichte werden Ecken und Kanten der protagonisten sichtbar, die bei aller beschriebener Perfektion, die Simons Fähigkeiten hervorzubringen scheinen, Risse und Herausforderungen erscheinen lassen. Oberflächlich scheint der Protagonist das Mary Sue Klischee in Reinform zu bedienen, doch gerade im Zusammen- und Gegenspiel zu anderen Figuren zeigt sich das Unperfekte, auch in den Charakterzügen Simons. Gerade wenn dieser zweifelt und an seine Grenzen gelangt, die, ja, in anderen Sphären liegen als die ihn umgebender Menschen, zeigt sich eine gewisse Bandbreite, woraus kurze Momente des Innehaltens entstehen. Hier hat Michaela Göhr nicht nur ruhige Augenblicke, sondern besonders starke Szenen geschaffen.

Die Antagonisten sind klar definiert, zum Teil jedoch vielschichtiger und wandlungsfähiger als der Hauptprotagonist selbst, wobei dieser durch die Autorin in den Folgebänden sicherlich noch weiter entwickelt wird. Trotzdem kann man sich in beide Seiten gut hineinversetzen, gerade auch in deren Zusammenspiel. Daraus entstehende Szenen bleiben eher im Gedächtnis, trotzdem die Geschichte kaum Atempause zulässt, was manchmal des Guten zu viel wirkt, als vorkommende Dialoge. Die Stärke des Romans liegt vor allem in der Beschreibung von Aktionen der Figuren.

Perspektivisch wird die Geschichte vor allem aus der Sicht Simons erzählt, während andere Sichtweisen nur durch Dialoge und Wortwechsel zum Tragen kommen. Das Erzähltempo schafft spannungsreiche Momente, die aneinandergereiht wie auf eine Perlenkette durch die Erzählung führen, was zwar ein flüssiges Lesen schafft, andererseits auf Dauer jedoch ermüdet. Kurz den Roman pausieren lassen, um dann weiterzulesen, sollte jedoch hier helfen. An der einen oder anderen Stelle hätten hier ruhigere Momente dem Text gut getan, aber auch hier muss man eventuell den Band im Kontext der Reihe oder, wenn man die Kinderbuchreihe dazu nimmt, von Michaela Göhr geschaffenen Welt betrachten.

Positiv hervorzuheben ist, dass keine größeren Lücken oder unlogischen Wendungen im Sinne der Geschichte zu finden sind, was einem nicht stocken lässt, im Gegensatz zu ein paar Schreibfehlern, die aber gut und gerne in darauf folgenden Auflagen korrigiert werden könnten. Ansonsten fallen diese nicht weiter ins Gewicht.

Michaela Göhr beflügelt jedoch die Fantasie. Wenn Gedanken wirklich werden könnten, was würde man selbst damit anfangen? Beginnend beim Schokoeis, welches dann tatsächlich sich so anfühlt und auch so schmeckt wie echtes, ansonsten aber unsichtbar ist, bis hin zu Gegenständen oder Fluggeräten. Würdet ihr euch in einen Hubschrauber setzen, den ihr zwar fühlen, berühren, dessen Türen ihr öffnen, ihn aber ansonsten nicht sehen könntet? Und wenn er euren eigenen Kopf entspringen würde?

Mit ein paar Abzügen in der B-Note, jedoch Potenzial nach oben, zieht dieser Roman mit diesen Gedankengängen in die Geschichte hinein, zudem man sich das alles vorstellen kann. Noch spannender wird es dann sicher im weiteren Verlauf, wenn noch mehr Facetten, vor allem von Simon, sichtbar werden.

Da „Der Fantast“ sich weder an normale menschliche noch an Genre-Grenzen hält, ist diese Urban-Fantasy-Erzählung sowohl im Jugendbuchbereich lesbar, mit leichter Gewichtung zum zweiten. Elemente wie Freundschaft, Zusammenhalt, Mut und Über-sich-Hinauswachsen und ja, auch das Erkennen von Möglichkeiten und das Treffen von Entscheidungen werden hier thematisiert. Sehr viel schon für einen Auftakt, bei dem man gespannt sein darf, was Michaela Göhr in den Folgebänden daraus bereits gemacht hat.

In diesem Sinne gibt es hier gerne eine Leseempfehlung.

Autorin:
Michaela Göhr ist eine deutsche Schriftstellerin und wurde 1972 im Sauerland geboren. Zunächst studierte sie Sonderpädagogik und arbeitet seit vielen Jahren an einer Förderschule Sehen. Mit dem Schreiben von Geschichten begann sie bereits in ihrer Kindheit. Ihren ersten Roman verfasste sie 2014. Seitdem schreibt sie Urban Fantasy für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

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