Deutschland

Wolfram Christ: Die merkwürdigen Abenteuer der Marina Casanova aus Köln

Inhalt:
Erinnern Sie sich an den Juwelenraub im Grünen Gewölbe in Dresden? Obwohl sich viele Fachleute damals sicher waren, eine solche Tollheit könne nur die Auftragsarbeit eines Sammlers gewesen sein, in dessen Tresor die unbezahlbaren Prezisen nun für immer verloren seien, tauchte ein Teil davon später wieder auf. Was war schiefgegangen?
Die Antwort, die der Autor in diesem Kriminalroman liefert, ist so einfach wie verblüffend: Die Gangster hatten nicht mit Marina Casanova aus Köln gerechnet!

Rückblende. Im Frühsommer 2020 gerät die junge Kunsthistorikerin in Italien zufällig in den Strudel jener Geschehnisse. Anders als in Deutschland vermutet, sind internationale Interessen im Spiel. Und selbst die ‚Ndrangheta will ein Wörtchen bei der Sache mitreden. Marina erkennt schnell, dass sie eingreifen muss. Wie ihre Lieblingsromanheldin, Agatha Christies Miss Marple, braucht sie dafür aber keine Waffe. Charme und gesunder Menschenverstand genügen vollkommen. Und gute Freunde.

Rezension:
Neben all den gutgehenden internationalen Bestsellern scheinen die Werke hießiger Autorinnen und Autoren dieses Genres schon von Seiten der Verlage so viel Staub wie lokalen Mief mitzubringen, dass man sich unweigerlich fragt, wer diese Bücher überhaupt liest. Nur manchmal taucht unter ihnen ein kleiner Diamant auf, ein winziges Juwel. Nichts für die Karnevalistin Marina Casanova, die gerade mit ihrem Studium der Kunstgeschichte fertig ist, nach Italien reist, lieber einen Roman von Agatha Christie schmökert. Und sich unverhofft, in einem rasanten Spiel der Kräfte wiederfindet, in einer Zeit, als der Rest der Welt noch stillsteht. Lebendigwerden hat dieses wechselhafte Abenteuer der Schriftsteller Wolfram Christ. Nicht nur dessen Hauptprotagonistin weiß zu überraschen.

Der Krimanlroman „Die merkwürdigen Abenteuer der Marina Casanova aus Köln“ nimmt eine echte Nachricht als Grundlage, die zumindest die Welt der Künste seinerzeit erschütterte, würzt sie mit lokalem Hintergrundrauschen aus einer vollkommen anderen Ecke Deutschlands und verfrachtet das ganze in den Süden Europas. Ein Kriminalfall, der Grenzen sprengt, Feingefühl, Spürsinn und Reaktionsvermögen benötigt, wie geschaffen für die Hauptfigur dieser temporeichen Erzählung. Wolfram Christ zeigt sich dabei als Meister der Verknappung. Die Geschichte kommt nach wenigen Seiten Einführung schnell ins rollen. Die filmisch erzählten Kapitel sind kompakt gehalten. Trotzdem ist genug Raum vorhanden, der Entwicklung der Figuren nachzuspüren und sie lieben zu lernen.

Allen voran die titelgebende Hauptprotagonistin selbst, die mit einer Mischung aus Straßenschleue, viel Witz und Humor ihre Intuition zu nutzen und umzusetzen weiß, folgt man gerne. Schnell entstehen Bilder der Dynamik des Zwischenmenschlichen im Kopf, vor allem im Perspektivwechsel zwischen den Figuren, die allesamt ihre Ecken und Kanten aufweißen, deren Sichtweisen wir nach und nach immer detaillierter nachspüren. Keine ist das wirkliche Böse. Jede Figur hat für sein Handeln nachvollziehbare Gründe. Das Spiel mit den verschiedenen Schattierungen von Grautönen gelingt hier sehr gut, auch wenn eine Schippe weniger dem ganzen auch gut getan hätte. Tatsächlich mag man das eine oder andere Mal zusammenzucken, wenn sich noch eine weitere Ebene der Verflechtungen auftut. Krimineller Sammler, italienische Unterwelt, Korruption, alter und Öladel. Darf es auch etwas weniger sein, möchte man fragen.

Allein, es funktioniert sehr gut und hält das rasante Tempo aufrecht, welches den Handlungsstrang über die gesamte Länge trägt. Und das ist etwas, was man wohl kaum bei diesem dann doch für das Genre heute sperrigen Titel erwartet, der sich mehr an die alten Klassiker der Begründer der Kriminallieratur orientiert. Die Figuren, die Gegensätze sind nachvollziehbar, zudem aus wechselhafter Perspektive erzählt wird. Brüche sind nicht ganz so brachial vorhanden, wie man das zuweilen von Bestellerware kennt, der Autor hat es allerdings auch gekonnt vermieden, Gott sei Dank möchte man meinen, sich in Fallstricke zu verheddern oder unglasubwürdigen Wendungen zu begeben, die dann kaum aufzulösen sind. Es ist sehr wohltuend, dass es das in diesem Genre heute auch noch gibt. Nur das Hintergrundrauschen eines weltumspannenden Virus‘ hätte es nun wirklich, wirklich nicht gebraucht. Auch so das Getue um die Kölner Karnevalisten, ein Element, was man sich zumindest im Sinne der Geschichte erklären kann. Trotzdem, warum tut man so etwas?

Wolfram Christs Text merkt man dessen Fernseh- und Theatererfahrung an. Der Roman wirkt wie ein Kammerspiel, der seine Bühne Italien auszunutzen weiß. Schauplätze und Orte werden sehr plastisch beschrieben, auch die Figuren kann man sich gut vor dem inneren Auge vorstellen. Ein Krimi, der mehr kann als die Folge einer Vorabendserie und es durchaus mit den Klassikern aufnehmen kann, die einem unweigerlich als Vorbild in den Sinn kommen. Fast ohne Blut und ohne Beschreibung von allzu viel Gewalt um der Gewalt willen. Das geht also heute auch.

Für alle, die wieder einen Krimi lesen möchten, der sich mehr in Richtung der klassischen Vorbilder des Genres orientiert, ist diese Erzählung zu empfehlen, in der mehr die Ermittlung und die Beweggründe der handelnden Personen im Vordergrund stehen, als die sonst zu oft praktizierte Effekthascherei, auch wenn manches Element mir zumindest Augenrollen und genervtes Aufstöhnen verursacht hat. Zumindest innerlich. Der Weg zum Ziel ist hier das interssante, wenn gleich die Auflösung nicht von vorneherein feststeht. Der lose Bezug zu den wahren Geschehnissen um die Ereignisse im Grünen Gewölbe wurde hier zudem gelungen eingearbeitet. Wer für solch eine Mischung zu haben ist, dem sei dieses Werk empfohlen.

Autor:
Wolfram Christ ist ein deutscher Autor, Regisseur, Produzent und Verleger, wurde 1963 geboren Gelernt hat er beim Fernsehen der DDR und arbeitete nach der Wende für verschiedene Sender freiberuflich im Bereich Film- und Fernsehproduktion. Seit 2012 wirkt er zunehmend für die Theaterbühne. 2011 bis 2012 baute er die „comediantes“ zu einem Tournee-Theater um, ein Verlag für Hörbücher und Hörspiele folgte, der später um Lyrik und Belletristik erweitert wurde.

Der virtuelle Spendenhut

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich über eine virtuelle Spende. Vielen lieben Dank.

Wolfram Christ: Die merkwürdigen Abenteuer der Marina Casanova aus Köln Weiterlesen »

Tomi Ungerer: Die Gedanken sind frei

Inhalt:
Tomi Ungerer ist neun Jahre alt, als deutsche Truppen 1940 das Elsass besetzen. Deutsch wird die offizielle Sprache, Französisch bei Androhung strenger Strafen verboten, aus Jean-Thomas, von allen Tomi genannt, wird Hans. Tomi Ungerer erzählt vom Alltagsleben unter der Nazibesatzung, vom Krieg, von der liberation – und von den ganz normalen Streichen, Freuden und Erlebnissen eines heranwachsenden Jungen. Dank unzähliger Zeichnungen aus Tomi Ungerers Kindheit und seinem grenzenlosem Humor ein ungemein lebendiges Erinnerungsbuch. (Inhalt lt. Verlag)

Rezension:
Witz und Humor, das Talent sich auszudrücken und die Dinge aus einem besonderen Blickwinkel heraus zu betrachten, ist dem späteren Zeichner und Kinderbuchillustratoren Tomi Ungerer schon in seiner Kindheit gegeben, die dieser in turbolenten Zeiten durchlebt hat. Als die Deutschen während des Zweiten Weltkrieges den Elsass besetzten, wächst er in einem Vorort Colmars auf, als behütetes Nesthäkchen und ohne Vater. So betrachtet er die Widrigkeiten des Krieges, die in den Alltag der Familie hineinragen. Seine Erinnerungen an diese Zeit sind nun postum neu aufgelegt wurden.

Nicht nur Tagebuch, autobiografische Erzählung oder, wie man es sich vielleicht bei einem Illustratoren denken würde, eine Ansammlung von Zeichnungen und Karikaturen ist diese hier vorliegende Sammlung, sondern eine Wundertüte, die uns in eine wundersame Zeit eintauchen lässt, in der der Alltag im schlechtesten Sinne auf den Kopf gestellt war. Tomi Ungerer hat hier tief gegraben in seine Erinnerungskiste und Fotos sowie Kinderzeichnungen zusammengestellt, die den Humor des späteren Künstlers und vor allem dessen Stil schon früh zu Tage treten lassen. Aus den zahlreichen Puzzleteilen ergibt sich ein buntes Portrait aus Familienalltag, Einschränkungen durch Krieg und Besatzung, aber auch kindlichen Übermut, der nicht nur einen Schädelbruch zur Folge hatte.

Die Tonalität der Sprache ist geprägt von Leichtigkeit, vom ungetrübten Blick des Kindes, der alles als ein großes Abenteuer sieht, doch durchaus den Ernst der Lage erkennt, wenn er in der Rückschau betrachtet, wie die Mutter etwa sich einerseits wie eine Löwin schützend vor die Kinder stellt, andererseits aber auch er selbst Widerstand leistet, und sei es nur mit Karikaturen von Lehrern im Schulheft und Tagebuch. Tomi Ungerer ist es hier gelungen, das Leben unter einem Besatzungsregime nachzuzeichnen, welches sich natürlich von dem im Osten, aber auch dem im geteilten Frankreich selbst unterschied, ein Aspekt der bis dato viel zu wenig Beachtung fand.

In der Aufreihung der Bücher gegen das Vergessen ist dieses hier schon aufgrund der Zusammenführung des Materials durch Autor und Zeichner in Personalunion etwas besonderes, zudem es die Wurzeln des späteren Künstlers aufzeigt. Dabei sind es nicht nur die pointierten Zeichnungen, sondern auch punktuelle Formulierungen, Beschreibungen von Personen, die den kindlichen Scharfsinn vor Augen führen. Auch nicht die große Politik, die nur in sofern eine Rolle spielt, sofern sie in den Alltag des Heranwachsenden hinein greift. Das besondere liegt in der Beschreibung alltäglicher Dinge in einer nicht alltäglichen Situation, die nur mit Vorsicht, Angst und in seinem Falle mit einer großen Portion Witz, auch Galgenhumors, zu ertragen gewesen ist.

Für alle, die staubtrockene Ausführungen scheuen, Zugang zu diesen sehr besonderen Künstler finden möchten und die Zeit der Besatzung des Elsass durch das NS-Regime nachspüren wollen, ist dieses wichtige Buch eine geeignete Lektüre.

Website: tomiungerer.com

Tomi Ungerer Museum: Hier klicken.

Autor:
Jean-Thomas „Tomi“ Ungerer wurde 1931 in Straßburg geboren und war ein französischer Grafiker, Schrifsteller und Illustrator von Büchern für Kinder und Erwachsene. Erste Zeichnungen veröffentlichte er im Simplicissimus, er arbeitete in New York, kurzzeitig in Hamburg und lebte eine Zeit lang in Irland auf einer Farm, bevor es ihn wieder in den Elsass zurückzog. Er starb 2019 in Cork, Irland.

Der virtuelle Spendenhut

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich über eine virtuelle Spende. Vielen lieben Dank.

Tomi Ungerer: Die Gedanken sind frei Weiterlesen »

Melissa Müller: Mit dir steht die Welt nicht still

Inhalt:
London, 1951. Für Nanette ist es eine Zufallsbegegnung, für John ist es Liebe auf den ersten Blick. Doch John steht kurz vor seiner Auswanderung nach Brasilien. Ginge es nach ihm, würde er seinen Plan ändern, aber Nanette, die mit Anne Frank befreundet war und als Einzige ihrer Familie Bergen-Belsen überlebt hat, fürchtet sich vor dem Glück. Als sie einander Brief um Brief schreiben, gesteht sie sich langsam ein, dass sie mit ihm zurück ins Leben finden kann. Ein Buch über die rettende Kraft der Liebe. (Klappentext)

Rezension:
Entlang von Briefen erzählt Melissa Müller in ihrem neuen literarischen Sachbuch „Mit dir steht die Welt nicht still“ vom Überleben und Leben mit traumatischen Erfahrungshorizont, der Kraft der Liebe, sowie eine Geschichte von Hoffnung und Lebensmut. Dieser zuweilen schermütig melancholiche Bericht ist zugleich ein Buch der Erinnerung, eines gegen das Vergessen.

Briefe sind es gewesen, und eine Recherche über Anne Frank, deren Tagebuch nach dem Holocaust weltberühmt wurde, die die Autorin auf die Geschichte zweier Menschen brachte. Hintergrundinformationen, um ein umfassendes Bild zu bekommen, der Zeit und der Jugendlichen, die mit ihrer Familie in einem Amsterdamer Hinterhaus versteckt, schließlich verraten wurde und schließlich Bergen-Belsen nicht überleben konnte, wollte die Autorin recherchieren und stieß dabei auf Nanette Blitz‘ und John Konigs Geschichte, die ebenso aufschlussreich und beachtenswert ist. Nun liegt sie vor, in dieser wunderbar dokumentarisch-biografischen Aufarbeitung und macht jene zu Hauptfiguren, die das Puzzle um Anne Frank mit hin vervollständigen.

Entlang des Schriftwechsels durch die Zeit werden die zwei Leben erzählt, die zunächst scheu einander umkreisen, bald jedoch trotz der Distanz eines Ozeans zwischen ihnen nicht mehr ohne einander können. Immer klarer werden die beiden Charaktere, je mehr man über ihre Zeit und den Gegebenheiten erfährt. Vor allem Nanette traut den aufkeimenden Glück zu Beginn nicht genug, waren die zuvor erlebten Jahre doch zu unzurechenbar und forderten vor allem von ihrer Familie Opfer. Wie kann man sich da noch positive Gefühle erlauben, wenn man gerade so dem Unheil entkommen ist und so viel Tod und Unmenschlichkeit erlebt hat? John ist es, der sie behutsam ins Leben zurückfinden lässt. Alleine, die Narben bleiben für immer.

Dies steht schnell fest, je mehr man in diese literarische Reportage hineinfindet, die aufgrund der Zeitsprünge zunächst nur schwer zugänglich bleibt. Die österreichische Journalistin und Autorin Melissa Müller stellt die Frage nach dem Überwinden, nach dem Überleben eines Traumas. Was macht das mit uns, mit unserer Umgebung, mit der Familie? Wie gehen wir damit um? Diesen philosophischen Überbau zu durchdringen, fällt nicht leicht und erzeugt streckenweise Längen. Verbindungslinien zwischen den einzelnen Briefen zu halten, ist im Angesicht der Sprünge schwer. Trotzdem ist durchaus zu spüren, in welche Richtung die Autorin wollte und wohin sie die Beschäftigung mit zweier Leben letztendlich führte. Diese Differenz ist spannend zu erfahren, aber für Außenstehende nur schwer zu begreifen.

So lässt mich die Lektüre etwas ratlos zurück. Vielleicht hilft Lebenserfahrung, Abstand, vielleicht das fragmentarische Lesen einzelner Abschnitte, in denen sich Briefe und Verbindungslinien abwechselnd lesen, die Lektüre besser zu durchdringen. Eventuell war meine Erwartungshaltung auch eine andere, die in diesem Moment einfach nicht gepasst hat. Dennoch verdient auch diese dokumentarische Erzählung einen Platz im Regal der Bücher gegen das Vergessen. Der Stil alleine sollte nicht daran hindern, dies zu lesen.

Autorin:
Melissa Müller wurde 1967 in Wien geboren und ist eine österreichische Journalistin und Schriftstellerin. Zunächst studierte sie Germanistik und BWL, danach arbeitete sie für verschiedene Wirtschaftsredaktionen in Wien und München. Ihr Buch „Das Mädhcen Anne Frank wurde 1998 veröffentlicht und vielfach übersetzt. Danach wirkte Müller an einem Dokumentarfilm über Anne Frank mit. Bei Recherchen zu einem Folgeprojekt lernte sie Traudl Junge kennen, mit der sie sprach. Aus den gesprächen entstand ein Interview und eine Biografie. 2008 veröffentlichte sie ein Buch über jüdische Künstler und den Umgang mit ihnen, nach 1945.

Der virtuelle Spendenhut

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich über eine virtuelle Spende. Vielen lieben Dank.

Melissa Müller: Mit dir steht die Welt nicht still Weiterlesen »

Marc Raschke: Du hast die Wahl

Inhalt:
Welche Partei soll ich wählen? Es macht doch eigentlich eh keinen Unterschied, wen ich wähle – oder? Was wir jetzt dringend brauchen, ist Orientierung und Haltung. Beides liefert der bekannte Publizist, Politik-Influencer und Kommunikator Marc Raschke mit dieser Edition des TaschenRaschke zur Bundestagswahl 2025.

Mit „Du hast die Wahl“ ist es Ihnen möglich, sich als Mitte der Gesellschaft in debatten klar gegen den Rechtsruck in Deutschland zu stellen. Entlarven Sie Fake-News und Populismus, entdecken Sie die Zusammenhänge – auf den Punkt gebracht, so dass am Ende klar ist: Rechts kann keine Alternative sein. (Klappentext)

Rezension:
Wie langlebig sind eigentlich politische Argumentationshilfen und Streitschriften? Die meisten von ihnen können bereits mit der nächsten Wahl als veraltet gelten, andere widerum beweisen eine erstaunliche Zähigkeit gegenüber den Geschehnissen auf.

Der Publizist Marc Raschke hat diesen, seinen Aufruf, wählen zu gehen, in Blick auf die letzte Bundestagswahl geschrieben, die damals noch anstand und aus der Friedrich Merz als Sieger hervorgehen sollte. Heute darf man fragen, welche Teile der Argumentation Raschkes sich bewahrheitet haben und welche so langlebig sind, dass wir dieses kleine Taschenbuch weiterhin als wichtigen Debattenbeitrag sehen dürfen.

Dabei ist der Autor klar in seiner Position, gegen Rechts natürlich, gegen eine Radikalisierung der Mitte, die bereits eingetreten ist und unter den jetzt an den Schalthebeln der Macht sitzenden Menschen vorangetriebenen Polarisierung der Gesellschaft, die eher zu mehr Spaltung führt als wirklich hilft, das Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen. Ersteres ist bereits eingetreten, mit einer Regierung, die inzwischen auch immer mehr Teile ihrer Wählerschaft vor den Kopf stößt. Der Blick in die Kristallkugel hat also funktioniert.

Die Argumentationskette ist dabei klar. Zuerst stellt der Autor dar, warum man aus seiner Sicht überhaupt wählen sollte und warum Rechts keine Alternative sein kann, sowie wie es immer weniger Fakten schaffen, zu uns durchzudringen und statt dessen Fakenews viel zu oft die Oberhand erhalten. Mit klaren Punkten für seine Position nimmt er Bezug auf die Entwicklung der Medienlandschaft, die den Rechtsruck bereitwillig in die Bevölkerung hineintragen, um dann zu zeigen, wie mit Zahlen so lange falsch argumentiert wird, bis sie der eigenen Linie dienen.

Mit Hilfe kompakter und leichtgängig zu lesender Kapitel zieht sich so ein Faden durch das Sachbuch, welches man als Gegenstück zu all den Nuhrs oder Peter Hahnes sehen darf, die sich genau so wie eine gewisse Partei längst von mittigen Positionen verabschiedet haben. Letztere, den Gutteil der Geschichte der Bundesrepublik an der Macht, wird daher besonders betrachtet, weshalb zwangsläufig die Betrachtung der anderen politischen Kräfte kürzer aus-, wenn nicht gar ganz ausfallen muss.

Das ist schade, dient aber der Sache in sofern als mit Marc Raschke eine Stimme gegen Populismus und Konservatismus, sowie Lobbyismus rechtzeitig vor der Wahl zu hören gewesen ist. Zumindest das Kapitel über letzteres, sowie jenes über den Umgang mit Fakten und Zahlen, sowie die Polemisierung der Argumentation ist auch heute nach der Wahl noch hoch aktuell, weshalb dieses Sachbuch eben auch derzeit lesenswert und wichtig ist.

Es ist erfrischend, dass was rechtskonservative Kräfte mittlerweile auf den Buchmarkt schaffen, auch auf der anderen Seite gelinkt, mit Argumenten, die einer genaueren Betrachtung und Auseinandersetzung auch standhalten, passt ja auch gut zur Ausrichtung des Verlags, der sich für die Sichtbarkeit für Menschen mit körperlichen Einschränkungen einsetzt und damit wie kein anderer für diese Positionierung prädestiniert ist. Man wünscht sich mehr solche Stimmen und dass die vorhandenen öfter gehört werden. Das zumindest bleibt nach dem Lesen eines Autoren, der natürlich weiß, mit Argumenten zu spielen, damit umzugehen. Auch klar.

Aber eben faktensicher und folgerichtig. Wie wohltuend, auch und gerade heute.

Autor:
Marc Rascghke wurde 1976 geboren und ist ein deutscher Journalist, Politik- und Kommunikationswissenschaftler, sowie Historiker. Bekanntheit erlangte er als Populismus- und Radikalisierungsexperte, sowie in der Pandemie, als er in den sozialen Medien Studien, politische und gesellschaftliche Themen niederschwellig erklärte.

Er erhielt 2024 den Deutschen Preis für Wirtschaftskommunikation und wurde drei Jahre zuvor zum Forschungssprecher des Jahres gekürt. Raschke ist Autor mehrerer Argumentations- und Streitschriften.

Der virtuelle Spendenhut

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich über eine virtuelle Spende. Vielen lieben Dank.

Marc Raschke: Du hast die Wahl Weiterlesen »

Uwe Wittstock: Karl Marx in Algier

Inhalt:
Am 18. Februar 1882 besteigt Karl Marx in Marseille den Dampfer Said und verlässt zum ersten Mal Europa. Den Tod seiner Frau Jenny drei Monate zuvor hat er nicht verwunden. Er ist krank und hofft auf Genesung in Algier. Während er dort die Eindrücke der neuen Kultur auf sich wirken lässt, zieht er unsentimental eine Art Resümee seines Daseins und Wirkens. Uwe Wittstock erzählt lebendig und fesselnd von der letzten großen Reise des großen Denkers und blickt mit ihm zurück auf sein außergewöhnliches Leben. (Klappentext)

Rezension:
Elf Monate vor seinem Tod ließ sich Karl Marx in Algier von Bart und Mähne befreien. Ob wegen des Wetters oder ob er ein Zeichen setzen wollte, ist nicht überliefert. Davor jedoch hatte der einstige sozialistische Untergrundkämpfer elf Monate in Algier verbracht, um zu genesen, was nicht gut gelang, ebenso wenig wie die weitere Arbeit an seinen Werken. Der Schriftsteller und Journalist Uwe Wittstock schaut zurück auf eine Zeit des selbst gewählten politischen Abseits, wie auch auf ein ebenso polarisierendes und bewegtes Leben und Wirken.

Noch vor der Betrachtung des Niedergangs des Kulturbetriebs, kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1930 und der großen Flucht der Literatur, mit der französischen Hafenstadt Marseille als Sammelpunkt, 1940, widmete sich Uwe Wittstock den letzten Monaten im Leben Karl Marx und versuchte sowohl der Atmosphäre Algiers jener Zeit nachzuspüren, auch eine kompakte Beschreibung des Wirkens dieser bis heute streitbaren Figur. Nun wurde das Sachbuch einmal überarbeitet und liegt jetzt ebenfalls bei C. H. Beck vor.

Die Struktur dieses informativen und teilweise auf bis dato neu recherchierten Quellen basierenden Werkes, gibt dessen Tonalität vor. Immer im Wechsel wird einerseits von Karl Marx‘ Aufenthalt in der nordafrikanischen Stadt berichtet, die zur damaligen Zeit noch Bestandteil des französischen Kolonialreiches gehörte, andererseits dessen Leben und Werk, mit all ihren Facetten und auch Widersprüchen beleuchtet. Das liest sich noch nicht ganz so flüssig, wie die unter Wittstocks Feder erschienen neueren Werke, doch auch hier ist die Form die eines literarischen Sachbuchs, welcher hervorragend geeignet ist, Geschichte spannend und lebendig zu erzählen.

Dargelegt werden nicht nur entscheidende Weichenstellungen und Begegnungen im Leben des Intelektuellen, wie mit Julius Fröbel oder Karl Liebknecht,der stets die gut bürgerliche Fassade wahren, diese jedoch nur aufrecht erhalten konnte, da vor allem Friedrich Engels ihn einen Großteil seines Lebens unterstützte, und ständig auf die Revolution der unteren Klassen hoffte, die nie so eintreten sollte, als auch sein ideologisches Wirken, welches ihn mehrfach zum Staatenlosen machte. Persönliche Feinde inklusive.

Seine Beweggründe wie auch das Werk werden in kompakter Form analysiert, ohne zu sehr ins Detail oder Theoretische zu gehen, zudem der Kontrast dieser Jahre zu seinem letzten Lebensabschnittes, dieses vor allem auch privat gebeutelten Mannes. Dabei ist nicht nur das Portrait einer streitbaren Figur, sondern auch eines Kontinents im Wandel jener Jahre entstanden, die da abgerundet durch ein umfangreiches Quellenverzeichnis und ein wenig Fotomaterial nun neu aufgelegt zur Verfügung steht. Wer mal einen ganz anderen Ansatz der Herangehensweise erlesen möchte, sich mit Karl Marx zu beschäftigen, der greife zu diesem Werk.

Autor:
Uwe Wittstock wurde 1955 in Leipzig geboren und ist ein deutscher Literaturkritiker, Lektor und Autor. Zunächst arbeitete er als Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er von 1980 bis 1989 der Literaturredaktion angehörte, danach wirkte er als Lektor beim S. Fischer Verlag.

Zur gleichen Zeit war er Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Neue Rundschau. Im Jahr 2000 wurde er stellvertretender Feuilletonchef der Tageszeitung Die Welt, zwei Jahre später Kulturkorrespondent in Frankfurt/Main. Bis 2017 arbeitete er als Literaturchef des Magazins Focus. Zu seinen Werken zählen mehrere Sachbücher. 1989 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis für Journalismus.

Der virtuelle Spendenhut

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich über eine virtuelle Spende. Vielen lieben Dank.

Uwe Wittstock: Karl Marx in Algier Weiterlesen »

Manfred Koch: Rilke – Dichter der Angst

Inhalt:
Rainer Maria Rilke gilt als einer der größten Dichter des 20. Jahrhunderts. Seine Kunst sei „Dinge machen aus Angst“, schreibt er im Juli 1903 seiner ehemaligen Geliebten Lou Andreas-Salome. Manfred Koch zeigt in seiner neuen, Leben und Werk gleichermaßen in den Blick nehmenden Biographie Rilke als hochsensibles Echolot und geschlechtlich fluidesten Dichter der heraufziehenden Moderne. So entsteht die mitreißende Erzählung eines radikalen Lebens, das ganz Kunst sein will und dadurch eine Wahrnehmungssensibilität entfaltet, die erschreckend nah in Berührung kommt mit den Abgründen in ihm selbst und in seiner Zeit. (Klappentext)

Rezension:
Rilke, für den Dichtung alles war, kann man vielleicht als einen der ersten wirklichen Europäer bezeichnen, der er dies zu einer Zeit gewesen ist, als der Nationalismus um sich greifen und den ersten Weltenbrand entfachen sollte, der den Kontinent erschütterte. Bis dahin und in der danch folgenden kurzen Zeit der Stabilisierung hatte der Dichterfürst nicht nur die Schweiz gesehen, auch in Ländern wie Frankreich, Russland oder Spanien und Italien war er auf der Suche nach sich selbst gewesen, nach Inspiration und Unterstützung. Diesen Weg zum einen, zum anderen über Rilkes Texte folgt der Literaturwissenschaftler und Essayist Manfred Koch.

Entstanden ist dabei eine in mehreren Aspekten bezeichnende Biografie.

Lesefreundlich gegliedert sind die einzelnen Lebesstationen überschriebenen Kapiteln in kompakte Abschnitte, in denen wir über das Werk Rainer Maria Rilke kennen, dessen Kindheit prägende und komplizierte Mutter-Sohn-Beziehung bezeichnend sein sollte für die Entstehung und den Zugang des Dichters zu seinen Texten selbst, sowie zu den späteren Beziehungen zu seinen Mitmenschen. In seiner Form handlich, lernt man so einen Großteil des Schaffens Rilkes kennen, was die Biografie zur empfehlenswerten Lektüre macht, kennt man vorher nur ein wenig davon. Zugleich schildert der Autor so viel Zeitgeschehen und gibt hier auch, was sich bei einem solch umtriebigen Menschen anbietet, einen guten Überblick über den Kulturbetrieb Europas jener Jahre.

Manfred Koch beschönigt jedoch nichts, sondern zeigt auch auf, wie problematisch die Beziehungen Rilkes vor allem zu den von ihnen umschwärmenden und umschwärmten Frauen gerade für diese selbst werden konnten, aber auch, den psychischen Leidensdruck auf, der Rilke zu meisterhaften Texten befähigte, jedoch Zeit seines Lebens ihn selbst und seine Umgebung auch schadete, und dies nicht zu knapp. Es ergibt sich dabei in vielen Fascetten absolut kein symphatisches Bild, welches man wohl in anderen Biografien suchen muss, doch eine umfassende Analyse eines Schaffens, welches Grenzen vieler Art zu durchbrechen vermochte.

Den Weg zu gehen, einmal umgedreht vom Werk zu den einzelnen Lebensstationen, ist eine mal andere Variante, ein Leben zu betrachten und darf als gelungen bezeichnet werden, zudem hier wirklich auf viele Texte eingegangen wird, die Rilke im Laufe der Jahre geschaffen hat. Auch die Kompliziertheit und fast krankhafte Unerbittlichkeit des Dichters gegenüber sich selbst und seiner Arbeit herauszustellen, dies in einer kompakten und doch hinreichend detaillierten Form zu packen, hat Manfred Koch geschafft, dessen Fachkenntnis und Anerkennung für Rilkes Werk in jeder Zeile zu spüren ist, denen eine jahrelange Recherchearbeit vorausging.

Eine umfangreiche Quellenlage, sowie ein ausgewählter Bildteil ergänzen die Lektüre. Nur die ist zu bewerten. Würden wir dies nach Umschlagen der letzten Seite auf Rilke als Person ausweiten wollen, müssten für ihn selbst so einige Abzüge gemacht werden.

Autor:
Manfred Koch wurde 1955 in Stuttgart geboren und ist ein deutscher Literaturwissenschaftler und Essayist. Er studierte zunächst in Tübingen Philosophie, Germanistik und Geschichte, bevor er ebenda promovierte. Von 1988 an arbeitete er als Lektor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Thessaloniki, derer sich eine wissenschaftliche Assistenzstelle in Gießen anschloss. Von 2001 bis 2003 hatte er eine Vertretungsprofessor in Tübingen inne, von 2004 an war er Mitorganisator der Poetik-Dzentur. Von 2009 bis 2021 lehrte er in Basel als Privatdozent und unterrichtete anschließend in Vermond. Er schrieb Beiträge für die Neue Zürcher Zeitung, publizierte und verfasste Radio-Essays für den SWR2.

Der virtuelle Spendenhut

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich über eine virtuelle Spende. Vielen lieben Dank.

Folgt mir auf folgeden Plattformen:

Manfred Koch: Rilke – Dichter der Angst Weiterlesen »

Inga Gaile: Der Geschmack von schwarzer Erde

Inhalt:
Drei Generationen von Frauen und die Schrecken des 20. Jahrhunderts: „Der Geschmack von schwarzer Erde“ von Inga Gaile erzählt schonungslos von ihren Schicksalen im KZ Ravensbrück, im sowjetischen Lettland und nach dem Ende des Kalten Krieges.

Der Roman zeigt die Traumata, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hat, unabhängig von Nation und sozialer Stellung, und verwebt die Lebensgeschichten dieser Menschen miteinander. Eine KZ-Gefangene, eine traumatisierte Patientin, eine Deportierte, eine, die nach der Wahrheit über sich selbst sucht – sie alle sind die Schönen. Wie bleibt man menschlich im Angesicht des Unmenschlichen?
(Klappentext)

Rezension:
Es ist nicht nur die Geschichte dreier Frauen, deren Schicksale über die Generationen hinweg miteinander verwoben sind, die die lettische Schriftstellerin Inga Gaile hier entstehen lässt, sondern vor allem die eines Landes, welches über Jahrzehnte hinweg immer wieder vom Schicksal gebeutelt wurde. In „Der Geschmack von schwarzer Erde“ durchziehen Düsternis und Brutalität einen fast durchgehend blutroten Faden diese Erzählung, durchbrochen nur von wenigen Momenten der Hoffnung. Was macht das mit den Menschen?

Was gehen nachfolgende Generationen, in denen Täter und Opfer miteinander konfrontiert werden, mit den Schrecken der Vergangenheit um, die sich bis ins Mark ihrer Familien eingebrannt haben?

Die Beantwortung dieser Frage ist vielschichtig, darf man auch von dieser Erzählung vollständig nicht verlangen, doch offenbaren sich viele Scherben, die die Befindlichkeiten und das Denken im heutigen Baltikum verständlich machen. Der Weg dahin indes ist kompliziert. Das wird schon am Auftakt dieses Romans deutlich. Eine nicht benannte Erzählstimme führt in die Handlung ein, deren folgende Abschnitte zumindest namentlich benannt werden und im Verlauf dann mit Jahreszahlen überschrieben.

Die Tonalität verheißt nichts als Trostlosig- und Traurigkeit, war das Land doch lange ein Spielball der Mächtigen um sie herum. Deutsche, Russen. Immer ging es um Land, Einfluss und Macht. Die Schriftstellerin spürt diesen Griffen nach, fragt durch ihre Figuren, die zunächst kaum greifbar sind, wie Traumata entstanden, wie damit umgegangen wird und was vielleicht auch die lettische Identität, das Denken der Menschen dort ausmacht.

Kompakt gehalten sind die einzelnen Kapitel. Im Angesicht des Grauen wird sparsam mit Worten hantiert. Dadurch bleiben die Figuren zunächst unnahbar, beinahe kalt. Erst im Verlauf der Handlung kann zu einzelnen Protagonisten die Distanz überwunden werden. Erst nach und nach entstehen Sympathien. Hauptfiguren sind derer drei, deren Weg wir durch die Geschichte ihres Landes begleiten. Ein Familienroman vor dem Hintergrund einer Landesgeschichte, die zur ständigen Habacht-Stellung gemahnt.

Immer lauschen die Figuren nach Nuancen, die den nächsten großen Knall ankündigen. Die Autorin beschreibt körperliche und seelische Wunden teilweise so treffend, dass es förmlich beim Lesen wehtut. Was zwischen den Zeilen so steht, wirkt dabei noch heftiger.

Wir begleiten Violette, Magdalena und Duks. Die eine durchlebt die Schrecken des Konzentrationslagers, die andere den stalinschen Terror, die dritte das Ende des Kalten Krieges. Sämtliche prägende Epochen der jüngeren Geschichte Lettlands verdichten sich in den Figuren, denen die Autorin die Kraft des Überlebens in die Hand gegeben hat. Ihre Wege verfolgen wir, ihre Narben, die ihnen durch andere zugefügt werden, die wir ebenso kennenlernen. Die Protagonistinnen sind die Spielbälle, erkämpfen sich jeden Tag, jedes Jahr neu. So ist „Der Geschmack von schwarzer Erde“ auch eine Erzählung, was Überlebenswille zu leisten vermag.

Inga Gaile schafft es, seelische Grausamkeiten und Kälte vor dem inneren Auge entstehen zu lassen und deren Wirkung auf andere aufzuzeigen. Die Schriftstellerin offenbart, was das Denken und Handeln ihres Heimatlandes, vor allem gegenüber den übermächtigen großen Nachbarn und auch sonst, noch heute bestimmt, ohne manchen Schrecken wortwörtlich zu benennen. Anderer wird plastisch, beinahe filmisch dargestellt. Der Wechsel der Perspektiven erfolgt behutsam, ist dennoch so gesetzt, dass eine Dynamik daraus entsteht, derer man sich nicht entziehen kann. Wenn man sich in der Tonalität eingefunden hat, was nicht einfach ist und mehr als einen Moment benötigt.

Aus Sicht der verschiedenen Figuren werden die einzelnen Kapitel erzählt, deren Handlungsfäden langsam ineinander übergreifen. Mit ein wenig geschichtlichen Verständnis und auch Interesse daran, ist es leichter, dort hinein zu finden. Das Tempo der Erzählung ist vergleichsweise gemächlich. Mit der kompakt gehaltenen Form trägt die Autorin dem Rechnung. Immer wieder stechen einzelne Sätze hervor, nach denen man innehalten muss, da sie einem mehr als nachdenklich zurücklassen.

Schauplätze und Protagonisten vermag die Schriftstellerin filmisch zu beschreiben, ohne zu viele Worte zu verlieren. Und doch genügen sie. Schon lange war ein Generationenepos nicht mehr so kompakt wie dieser. Es ist ein behutsamer Text, der vieles klarer werden und uns innehalten lässt, der die Themen vereint, wie wir mit unserer Familiengeschichte umgehen und was Erlebnisse und Taten unserer Großeltern und Eltern mit uns machen?

Wie gehen wir damit um? Wofür sind wir verantwortlich? Wofür nicht? Was können wir für uns daraus ziehen? Was macht uns zu dem, was wir sind? Ziemlich viele Fragen, deren Beantwortung Inga Gaile anhand ihrer Figuren uns überlässt, vor dem spannenden Hintergrund eines Landes, welches heute sehr genau hinschaut, eben deshalb, was an seinen Grenzen und außerhalb passiert. In dieser kompakten Form ist das, etwas kantig zwar, gelungen.

Autorin:
Inga Gaile ist eine lettische Autorin und Verfasserin von Romanen, Theaterstücken und Gedichten. Die derzeitige Präsidentin des lettischen PEN thematisiert in ihrem Roman „Der Geschmack von schwarzer Erde“ die dunkelsten Seiten der lettischen und deutschen Geschichte.

Der virtuelle Spendenhut

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich über eine virtuelle Spende. Vielen lieben Dank.

Folgt mir auf folgenden Plattformen:

Inga Gaile: Der Geschmack von schwarzer Erde Weiterlesen »

Marcus Bensmann/David Schraven: Europas Brandstifter – Putins Krieg gegen den Westen

Inhalt:
Wladimir Putins Einfluss in Europa wächst. Damit er Russland wieder zu vergangener Größe und Macht führen kann, muss die Westbindung Europas fallen. Seinen Griff nach der Vorherrschaft auf dem Kontinent hat der russische Präsident lange vorbereitet: Über zweieinhalb Jahrzehnte hat Russland unter Putin seine Netzwerke in Europa ausgebaut und Deutschland abhängig gemacht von seinem Gas.

Desinformationskampagnen, Cyberattacken und Sabotageaktionen destabilisieren die Ordnung und den Frieden in der EU. Parteien wie AfD und BSW nähern sich ideologisch dem Kreml und vertreten dessen Positionen, während das transatlantische Bündnis zersetzt wird.

„Europas Brandstifter“ bündelt die Russland-Recherchen des gemeinnützigen Medienhauses Correctiv aus den vergangengen zehn Jahren. Wir haben alte Stasi-Akten zu Putins frühen Jahren in Dresden ausgewertet, das Lobbynetzwerk um Gazprom mit seinen Verstrickungen bis tief in die deutsche Politik transparant gemacht und über Russlands Verrohung berichtet, über die Korruption im Justizsystem, über die Gewalterziehung in der Armee und die Kriegsverbrechen russischer Soldaten. Dieses Buch erzählt die Geschichte eines jahrzehntelangen Angriffs. Europa muss sich ihm endlich stellen. (Klappentext)

Rezension:
Spätestens seit den Überfall auf die Ukraine, aber Cyberattacken, die ganze Verwaltungen im Westen zeitweise lahmgelegt haben, ist klar, das Russland unter Putin versucht mit vielfältigen Möglichkeiten eine Lücke zu schließen, die nach Ansicht Putins seit dem Zerfall der Sowjetunion bestand. Sei es geopolitischer Natur, aber auch gegen Kritiker eines Systems, welches spätestens seit der Machtübernahme Putins ganz und gar auf dem ersten Mann im Kreml zugeschnitten wird, unterstützt von einer Gesellschaft, deren Verrohungen der Gewalt von Soldaten und brachialer Methoden der russischen Geheimdienste kennzeichnend sind.

Das journalistische Netzwerk Correctiv hat nun seine Reportagen der vergangenen Jahre aktualisiert und gebündelt, unter Federführung der Autoren Marcus Bensmann und David Schraven zusammengestellt. In „Europas Brandstifter – Putins Krieg gegen den Westen“ verfolgen sie die Spuren des KGB-Mann Putins von Dresden aus, bis in die höchsten Ebenen der russischen Politik und zeigen auf, wie Putin einerseits treue Gefolgsleute in Position gebracht und diese sich selbst lange Jahre danach erkenntlich zeigen, bis tief hinein in die deutsche Wirtschaft und Politik.

Wie funktioniert das Lobby-Netzwerk von politischen Entscheidungen im Kreml und der Geheimdienste bis hinein zu beinahe undurchsichtigen Firmengeflechten, die in Deutschland auch bis nach Beginn des Ukraine-Krieges abhängig machen sollen einerseits und gleichzeitig unsere demokratische Grundordnung destabilisieren? Durch Hackerattacken des FSB, bis hin zu Anschlägen auf missliebige Personen, die sich kritisch zeigen.

Correctiv schlüsselt auf, zeigt detailliert und genau diese Verstrickungen auf und zieht Linien von Putins Biografie bishin zu den brutalsten Auswirkungen im Ukraine-Krieg, der in Russland selbst nur Spezialoperation genannt werden darf, ohne auch die Mauern des Schweigens voller Erinnerungslücken zu verschweigen, auf die die Journalisten stoßen, wenn sie Personen zu bestimmten Lobby-Veranstaltungen, etwa in Sotchi, befragen oder dass sich Wehren von Politikern, die ihr Anteil an der Abhängigkeit von Moskau nicht gerne Schwarz auf Weiss sehen wollten. Dabei stellt sich mittendrin auch die Frage, wie umfassend oder für die Masse übersichtlich, kann Journalismus noch sein, wenn dies geschieht?

Die Autoren der Reportagen versuchen dies und schaffen es in einer Deutlichkeit ihr Anliegen an uns, und vor allem an die Politik mit klaren Worten zu formulieren. Das Russland-Bild, welches manche Entscheidungsträger hierzulande noch in sich tragen, ist gefährlich veraltet oder gar romantisiert, wenn auch einige wenige Stellschrauben seit Erscheinen des Buches nun anders gestellt wurden. Bündig klärt Correctiv hier die Fascette hinter dem auf, was gerade passiert und was Putin und seine Getreuen über Mittelsmänner und staatliche Organe versuchen zu erreichen.

Nichts weniger als die Zerstörung des Zusammenhalts der westlichen Gesellschaft und das Abhängigmachen zu Gunsten von Macht und Einfluss. Wer diese Verflechtungen verstehen möchte, ist daher mit der Lektüre bestens bedient, die einerseits dem Zeitstrahl der Biografie Putins und der russischen Aktivitäten folgt, andererseits Strategien, Gewalt und das politische System, sowie das Lobbynetzwerk im Einzelnen aufschlüsselt. Jede Thematik für sich würde ausreichen, ein eigenes Buch noch ausführlicher zu füllen. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt.

Autoren:
Marcus Bensmann wurde 1969 geboren und ist ein deutscher Journalist. Bekannt wurde er durch seine Augenzeugenberichte über die Unruhen in Usbekistan, 2005, wegen der er schließlich gezwungen wurde, das Land zu verlassen. Im Jahr 2014 untersuchte er die russische Urheberschaft des MH-17-Abschusses. Der Invesitigativjournalist arbeitete für verschiedene Zeitungen und Magazine und ist seit 2014 Mitglied des Recherchenetzwerks Collectiv. Dort recherchiert er zu Russland und zur AfD.

David Schraven wurde 1970 in Bottrop geboren und ist ein deutscher Journalist. Schon während des Studiums arbeitete er als freier Journalist für verschiedene Zeitungen und Magazine und war Mitgründer des Nachrichtenbüros Zentralasien/Kirgisien. 1996 wurde er Gründungsgeschäftsführer der taz-Redaktion Ruhr. Daneben arbeitete er mehrere Jahre als Dozent im Bereich Nachrichtenschreiben der Universität Essen. Nach verschiedenen Stationen leitet er seit 2014 das gemeinnützige Recherchebüro Correctiv und gründete2017 zusammen mit Corndt Schnibben die Online-Journalistenschule Reporterfabrik. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet.

Der virtuelle Spendenhut

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich über eine virtuelle Spende. Vielen lieben Dank.

Folgt mir auf folgenden Plattformen:

Marcus Bensmann/David Schraven: Europas Brandstifter – Putins Krieg gegen den Westen Weiterlesen »

Günther Wessel: Alfred Wegener

Inhalt:
Schulen, Straßen, Stiftungen, Forschungsinstitute und sogar ein Mondkrater tragen seinen Namen. Zu Recht: Mit seiner genialen idee der Kontinentaldrift legte Alfred Wegener im anbrechenden zwanzigsten Jahrhundert den Grundstein für die Theorie der Plattentektonik und bewies bei seinen spektakulären Grönlandexpeditionen einen Wagemut, der seinesgleichen nur bei großen Polarhelden wie Amundsen, Scott & Co. findet. (Klappentext)

Rezension:
Immernoch gab es im ausgehenden 19. Jahrhundert weiße Flecken auf der Landkarte und Raum für große Abenteuer, doch war dies auch die Zeit für bahnbrechende natur- und geowissenschaftliche Überlegungen. Und die Jahre großer Männer, die wissenschaftliche Untersuchungen noch vor Geltungsdrang stellten. Der Journalist und Schriftsteller Günther Wessel hat einem der großen dieses neuen Typus‘ Wissenschaftler mit dem vorliegenden Sachbuch ein Denkmal gesetzt.

Alfred Wegener, dessen Name heutzutage eine Vielzahl von Orten und Institutionen tragen, war von Kindesbeinen an ein Mensch voller Forscherdrang, der sich schon früh Naturbeobachtungen widmete und zielstrebig bereits vor dem Ersten Weltkrieg in Kontakt mit der Polarforschung kam. Schon 1906 nahm er an einer von Dänen organisierten Forschungsreise nach Grönland teil. Die zweite folgte nur wenige Jahre später. Durch Wetterbeobachtungen, naturwissenschaftlichen Messungen aus Ballonfahrten heraus, machte er sich einen Namen, anfangs belächelt wurden seine Ideen von der Kontinentaldrift, die jedoch grundlegend sein sollte.

Dies beschreibt Günther Wessel in seinem beinahe literarisch anmutenden Sachbuch, ebenso warum es Wegener und andere immer wieder, teils verbundenen mit enormen menschlichen Strapazen, ins ewige Eis zog und dabei von Erfrierungen bis hin zum eigenen oder den Tod von Kameraden praktisch alles in Kauf nahmen und dabei beinahe unmenschliche Leistungen vollbrachten. Eingebettet im zeithistorischen Kontext und der, der wissenschaftlichen Entwicklung ist so viel mehr als nur die Biografie eines Abenteurers entstanden.

Kurzweilig lesen sich die Kapitel, aufgelockert durch Karten und Bildmaterial am Ende des Textes, welche uns gut recherchiert nicht nur Strapazen im Grönlandeis darlegen, sondern uns auch an den kleinen Triumphen Wegeners teilhaben lassen. Doch der Autor geht auch kritisch mit der Zeit und Alfred Wegener um. Günther Wessel stellt dar, warum andere Expeditionen nicht selten in Tragödien endeten und weshalb der Naturwissenschaftler, der als einer der wenigen seiner Zeit über die Grenzen seines Fachs hinaus dachte, am Ende nicht nur, aber eben auch an sich selbst scheiterte, trotzdem unvergessen bleibt.

Eine Biografie, die gleichsam Abenteuerbericht, Naturwissenschaftsgeschichte vereint und sich zuweilen wie ein Krimi liest, über Alfred Wegener, der Theorie und Praxis wie kein zweiter miteinander vereinbaren konnte, ist dieses hervorragende Sachbuch. Und zugleich ein Mahnmal, dass am Ende die Natur die Oberhand behalten wird. In welcher Form auch immer.

Autor:
Günther Wessel wurde 1959 geboren und ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Zunächst studierte er Germanistik und Philosophie, bevor er ein Volontariat in einem Sachbuchverlag absolvierte. Seit den 1990er Jahren schreibt er Reiseführer und Biografien, dazu Hörfunkfeatures für verschiedene Rundfunkanstalten. Als Sachbuchrezensent ist er regelmäßig bei Deutschlandradio Kultur zu hören. Von 1998 bis 2001 berichtete er aus den USA über US-amerikanische Kultur und Politik. Es folgten Stationen in Brüssel und Berlin. Er wurde verschiedenfach ausgezeichnet, u. a. mit dem ITB Buch Award, 2018.

Der virtuelle Spendenhut

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich über eine virtuelle Spende. Vielen lieben Dank.

Folgt mir auf folgenden Plattformen:

Günther Wessel: Alfred Wegener Weiterlesen »

Gregor Eisenhauer: Emigrant des Lebens – Erich Kästners letzte Jahre

Inhalt:
Erich Kästner (1899-1974), dessen Todestag sich 2024 zum 50. Mal jährt, war ein deutscher Kinderbuchautor. Bücher wie „Pünktchen und Anton“ (1931) oder „Das doppelte Lottchen“ (1949) wurden geliebt, millionenfach verkauft, vielfach verfilmt – und sind noch immer nicht vergessen. Kästners Leben Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre lässt sich als Komödie erzählen. Er schrieb in kurzer Zeit drei Gedichtsbände, die ihn zum Liebling der Leser und vor allem der Leserinnen machten. Er wurde mit „Emil und die Detektive“ (1929) über Nacht weltberühmt. Und er verdiente sehr viel Geld.

Was in Vergessenheit geriet, Erich Kästner war in seinen letzten Lebensjahren ein tieftrauriger mensch, der zusehends versteinerte. Davon handelt dieses Buch. Es erzählt, wie es dazu kam: dass einer, der allen Grund hatte, glücklich zu sein, einsam starb. (Klappentext)

Rezension:
Die Figuren seiner Bücher unterscheiden sich. Trennlinien lassen sich ziehen, zwischen denen, die in seinen Büchern für Erwachsene und für Kinder eine Rolle spielen, noch mehr Unterschiede zwischen den Zeilen entdeckt man, wenn man die Texte des berühmten Schriftstellers in jene unterteilt, die dieser vor und nach Kriegsende geschrieben hat. So erfährt man viel, jedoch nicht all das, warum ihn, der geblieben war, um Zeitzeuge zu sein, nach 1945 zu sehr die Worte fehlten. Der Schriftsteller Gregor Eisenhauer begibt sich auf Emils Spuren und folgt dem Idol seiner Kindheit. Daraus entstanden ist diese Biografie Erich Kästners letzter Jahre.

Es ist eine ungewöhnliche Annäherung an eine große Persönlichkeit. Viele biografische Schriften weisen eine weit nüchterne Tonalität auf, als diese, die sehr individuell daherkommt. Der Autor nähert sich über seine eigene Gefühlswelt für die Texte, für die Person Kästners und seiner Werke einem Leben, welches von Glück durchdrungen schien. Gregor Eisenhauer aber blickt hinter die Fassade.

Diese bekommt erste Risse, so erfahren wir, bereits zu Beginn seiner journalistischen und später schriftstellerischen Laufbahn, die rein karriertechnisch die Erfolgsspur lange nicht verlässt. Über diese Risse wird er erst später Andeutungen verlauten lassen. Erdrückende Mutterliebe, die ihn bis über deren Tod hinaus, die Luft zum Atmen nimmt.

Diese Fakten und all das, was da kommt, sind bereits bekannt, neu ist jedoch die Einordnung und auch Gegenüberstellung gegenüber den Personen, ohne die Erich Kästner nicht sein konnte, aber auch, die ohne ihn nicht sein wollten. Auch die Inbezugnahme Kästners literarischer Arbeiten im Blick auf dessen letzter Jahre ist so bisher noch nicht zu lesen. Immer wieder schimmert der persönliche Bezug des Autoren zu Erich Kästner hindurch, der sich einer fundierten Quellenlage bedient hat und erläutert, wie und warum Schaffenskraft in den Hintergrund trat oder auch, dass eine große Buch, welches alle nach dem Krieg von ihm erwartet hatten, von Kästner nicht geschrieben werden konnte.

In kurzen übersichtlichen und kompakten Kapiteln verfolgt Gregor Eisenhauer mehrere Möglichkeiten der Annäherung und die Frage, was Erwartungen mit einem der Großen gemacht haben, die dieser nicht erfüllen konnte, zudem nachdem immer mehr Ursachen sich mit den Jahren ihn in den Vordergrund geschoben haben. Wer gleich Emil sich auf diese Spurensuche begeben möchte, ist mit der Lektüre hier gut bedient.

Autor:
Gregor Eisenhauer wurde 1960 in Mosbach geboren und ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er studierte zunächst Germanistik in heidelberg und promovierte anschließend in Berlin in Philosophie. Er ist verfasser von Romanen und Erzählungen, sowie Rundfunk-Features und erhielt 1996 ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. Für den Berliner Tagesspiegel schreibt er regelmäßig Nachrufe zu verstorbenen Menschen.

Der virtuelle Spendenhut

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich über eine virtuelle Spende. Vielen lieben Dank.

Folge mir auf folgenden Plattformen:

Gregor Eisenhauer: Emigrant des Lebens – Erich Kästners letzte Jahre Weiterlesen »