Gesellschaft

Fabio Geda: Im Meer schwimmen Krokodile

Im Meer schwimmen Krokodile Book Cover
Im Meer schwimmen Krokodile Fabio Geda btb Verlag Seiten: 190 Taschenbuch ISBN: 978-3-570-40201-6

Inhalt:

Nachdem Enaiat von seiner Mutter aus Afghanistan geschmuggelt wurde, wacht er eines Morgens auf und ist allein. Er hat nichts als seine Erinnerungen und die drei Versprechen, die er ihr gegeben hat. Mit dem Ziel, ein besseres Leben zu finden, begibt Enaiat sich auf eine lange Reise Richtung Westen.

Er durchwandert die Länder des Ostens bis nach Europa, reist auf Lastwagen, arbeitet, schlägt sich durch, lernt das Leben von seiner grausamen Seite kennen.

Und trotzdem entdeckt er, was Glück ist… Fabio Geda erzählt die wahre Geschichte von Enaiatollah Akbari in einem zu Herzen gehenden Buch: Eine Geschichte, die uns den Glauben an das Gute zurückgibt. (Klappentext)

Rezension:

In Zeiten, wo die Flüchtlingsproblematik die Emotionen zum Kochen bringt, in der Diskussionen nicht mehr mit rationalen Argumenten geführt werden und Rechtspopulisten immer mehr Aufwind bekommen, sollten wir uns einmal die Geschichten hinter den Fernsehbildern in Erinnerung rufen.

Flüchtlinge, die wochen-, manchmal monatelang, nicht selten Jahre unterwegs sind, um Krieg, Verfolgung und Terror zu entfliehen. Nicht wenige davon im Kindes- und Jugendalter. Eine dieser Geschichten erzählt Fabio Geda, der den Bericht von Enaiatollah Akbari angenommen hat.

Dieser wurde von seiner Mutter aus dem von Krieg und Terror geplagten Afghanistan kurz vor den Terroranschlägen des 11. September außer Landes geschmuggelt. Von da an, auf sich selbst gestellt, beginnt er die gefährliche Reise nach Europa, trifft Menschen, die ihm aus unterschiedlichsten Gründen helfen und muss immer wieder Rückschläge verkraften.

Doch selbst in Europa ist nicht sicher, ob er bleiben darf oder wieder in seine Heimat, die gar keine ist, zurückkehren muss. Doch, Enaiatollah kämpft, wie er es schon von Kindesbeinen an kennt, für ein besseres Leben und eine sichere Zukunft. Es ist eines dieser Bücher, die es aus der Nische der Kinder- und Jugendliteratur hinein in den Bereich der Erwachsenen-Romane und damit zu größere Beachtung schaffen sollten.

Denn Fabio Gedas Roman liegt tatsächlich eher in der Kinder- und Jugendbuchecke aus, was einerseits gut ist, um Kinder an dieses sehr sensible Thema heranzuführen, andererseits schlecht, da man mehrheitlich das Gefühl haben kann, gerade die Erwachsenen sind es, die Aufklärung bedürfen.

Geda erzählt eindringlich die Geschichte eines der Flüchtlinge, die exemplarisch für alle stehen kann, die dieses Schicksal haben, ohne zu werten. Er lässt Akbari erzählen und so entstand eine wunderbare Geschichte über Hoffnung, Verzweiflung, Mut, Entschlossenheit und Durchhaltewillen gegen alle Widerstände.

Ohne Längen und in flüssigen Schreibstil, hier genügen wenige Seiten um ein eindrucksvolles Stück Geschichte zu beschreiben, ist mit „Im Meer schwimmen Krokodile“ ein kleines Juwel entstanden, was es in sich hat und zum Nachdenken anregt.

Zu versuchen, die Vorurteile einmal fallen zu lassen und sich wirklich den einzelnen Schicksalen anzunehmen, die Gründe nachzuvollziehen, warum jemand flüchtet und was das mit einem macht, sowie all jenen Respekt zu zollen, die wirklich helfen. Schließlich muss man nur den Umkehrschluss zumindest gedanklich zulassen, was wäre in einer umgekehrten Situation, wenn unsereins flüchten müsste. Wäre man da nicht auch dankbar für jede Hilfe?

Natürlich ist das Geschäft mit Schlepperbanden, auch von diesen Erfahrungen erzählen Akbari und Geda, zu verurteilen, aber auch dieses hat Ursachen und nicht ohne Grund greifen Menschen auch zu diesem Strohhalm, wenn es andere Hilfe nicht gibt.

Fabio Geda erzählt eine Geschichte voller Hoffnungen und Glück, Bangen und Warten, Mut und Verzweiflung, die man gelesen haben sollte. Wer dies tut, tut es sicherlich mit Gewinn. Hoffen wir, dass der echte Enaiatollah Akbari seinen Weg gehen wird. Der Leser wird darüber zumindest keine Zweifel haben.

Autor:

Fabio Geda wurde 1972 in Turin geboren und studierte nach der Schule Kommunikationswissenschaften. Danach arbeitete er als Lehrer und im sozialen Bereich, schrieb seinen ersten Roman, der 2014 ins Deutsche übersetzt wurde.

Sein zweiter Roman „Im Meer schwimmen Krokodile“ verhalf ihm zum internationalen Durchbruch. Die wahre Geschichte des Flüchtlings Enaiatollah Akbari wurde in 18 Ländern publiziert.

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Fredy Gareis: 100 Gramm Wodka

100 Gramm Wodka Book Cover
100 Gramm Wodka Fredy Gareis Rezensionsexemplar/Reisebericht Malik Seiten: 252 ISBN: 978-3-89029-457-5

Inhalt:

Was hat es mit dem geheimnisvollen Himbeersee auf sich, an dem Fredy gareis‘ Großmutter in einem Straflager war? Und wieso trägt seine Mutter den Geburtsort „Soda Kombinat“ im Pass? Als Kind von Russlanddeutschen wächst Fredy gareis mit vielen offenen Fragen auf.

Um endlich Antworten zu finden, macht er sich auf den Weg. Drei Monate fährt er quer durch Russland und versucht zu ergründen, was es mit diesem Land auf sich hat, von dem es heißt, dass man es nicht mit dem Verstand fassen kann, sondern nur mit dem Herzen. (Klappentext)

Rezension:

Blut ist dicker als Wasser und so macht sich der Journalist Fredy Gareis auf Spurensuche nach der Vergangenheit seiner Familie und fährt dabei Russland einmal quer durch. Mit nicht vertrauenswürdig aussehenden ausrangierten Militärfahrzeugen, russischen PKW oder auf Schienenspur der Transibirischen Eisenbahn.

Vorbei am Moskauer Vorort-Villenviertel, wo sich Politiker und Oligarchen die Klinke in die Hand geben oder auf die Straße des Todes. Mit Hilfe von Freunden und fernen Verwandten und Bekannten bringt er Stück für Stück Licht ins Dunkel seiner Vergangenheit, der Vergangenheit seiner Familie, die ihm seine Eltern und Großeltern nicht erklären konnten oder wollten.

Dabei entstand eine eindrückliche Momentaufnahme des vergangenen und des heutigen Russlands, in dem sich die Älterern ihrer Vergangenheit beraubt und einer unsicheren Zukunft ausgesetzt sehen und die Jungen gegen die zunehmende Einengung des putinschen Systems ankämpfen. Zumeist, in dem sie zwei Leben leben. Ein öffentliches und ein privates. Oder ins Ausland gehen.

Der Autor legt hier ein wunderschönes Länder-Portrait und eine berührende Familiengeschichte vor, wie sie vielleicht nicht wenige Russlanddeutsche haben und lässt dem Leser an seine Gefühlswelt wehrend der Reise teilhaben.

Ein ständiges Auf und Ab, Zweifel an der Reise, Entdeckungen, Seltsames und immer wieder die Geschichten der Menschen auch vor Ort. Wie sie leben, was sie denken. Und er zeigt, wie schnell der russische Staat alle „notwendigen“ Informationen zusammenhat, um über jeden der im Land lebt und durch das Land reist im Bilde zu sein.

Zwar ist dies nur ein kleiner Teil, eine Episode dieser Tour von Sankt Petersburg bis nach Magadan aber die Ereignisse reihen sich auf einer solchen Reise wie die Perlen einer Kette aneinander.

Der Schreibstil lässt einen ruhigen Lesefluss zu und nur den. Man hat den Eindruck als wolle der Autor den Leser bewusst an sein gemächliches Reisetempo anpassen, was aber eben schnell ermüdend sein kann.

Denn, nicht für jeden mag dessen Familiengeschichte interessant sein oder zumindest nicht alle Aspekte. So sind dann Längen vorhanden, die der Autor nicht verschuldet hat, da für ihn natürlich diese Reise und die Familiengeschichte eine ganz andere Bedeutung hat.

Kann man aber ganz gut und gerne mit 100 Gramm Wodka überprüfen. Denn, obwohl Alkoholismus im Riesenland ein Problem darstellt, heißt es, dass es sogar wohltuend ist, 100 ml Wodka täglich zu trinken. Wer mehr konsumiert ist ein Säufer.

Autor:

Fredy Gareis wurde 1975 in Alma-Ata geboren und ist in Rüsselsheim aufgewachsen. Nach Nebenjobs als Putzmann, Taxifahrer und Barkeeper stieg er in den Journalismus ein, nachdem er die Münchener Journalistenschule besucht hatte.

Als freier Reporter schrieb er für die Zeitung „Die Zeit“, den Tagesspiegel und war unterwegs für Deutschlandradio. Von 2010 bis 2012 berichtete er aus Israel und dem Nahen Osten.

Für seine Reportage „Ein Picasso in Palästina“ wurde er mit dem Journalistenpreis des Deutschen Kulturrats ausgezeichnet. Im Sommer 2015 machte er sich für eine Reportage auf der Suche nach Raubkunst (kunstjagd.de).

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Robert Galbraith: Die Ernte des Bösen

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Die Ernte des Bösen Comoran Strike – 3 Kriminalroman blanvalet Hardcover Seiten: 670 ISBN: 978-3-7645-0574-5

Inhalt:

Nachdem Robin Ellacott ein mysteriöses Paket in Empfang genommen hat, muss sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass es ein abgetrenntes Frauenbein enthält. Ihr Chef, der private Ermittler Cormoran Strike, ist ebenfalls beunruhigt, jedoch kaum überrschaft.

Gleich vier Menschen aus seiner eigenen Vergangenheit fallen ihm ein, die für die Tat verantwortlich sein könnten – und Strike weiß, dass jeder von ihnen zu skrupelloser, unaussprechlicher Grausamkeit fähig ist.

Während die Polizei sich auf den einen Verdächtigen konzentriert, der für Strike immer weniger als Täter infrage kommt, nehmen er und Robin die Dinge selbst in die Hand und wagen sich vor in die düsteren und verstörenden Welten der drei anderen Männer. Doch als weitere erschreckende Vorfälle London erschüttern, gerät das Ermittlerduo selbst mehr und mehr in Bedrängnis… (Klappentext)

Reihenfolge der Bücher:

Robert Galbraith: Cormoran Strike 1 – Der Ruf des Kuckucks

Robert Galbraith: Cormoran Strike 2 – Der Seidenspinner

Robert Galbraith: Cormoran Strike 3 – Die Ernte des Bösen

Robert Galbraith: Cormoran Strike 4 – Weißer Tod

[Einklappen]

Rezension:

Man kann darüber streiten, ob es Absicht war oder nicht, dass man Joanne K. Rowlings Pseudonym kurz nach Erscheinen des ersten bandes entzauberte, feststeht, auch der dritte Band der Cormoran Strike Reihe ist der Autorin würdig.

Sie kann, ohne Abstriche, zwischen den Genres hin und her wechseln und auch diese Geschichte, die Cormoran Strike und Robin Ellacott in die finstere Vergangenheit des Privatdetektivs führt, hat es in sich.

Viel erfährt man über dessen Geschichte und über die Abgründe des Täters, deren Handlungsstränge parallel zueinander erzählt werden, das Beziehungschaos Robins zu ihrem künftigen Mann mal außen vorgelassen.

Drei Handlungen, die sich nach und nach miteinander verweben und schließlich eins werden, im Finale des Bandes. Erst in einem langsamen Tempo, welches erst gegen Ende Fahrt aufnimmt, wird die mühsame Kleinarbeit des Ermittler-Duos geschildert und spiegelt so sehr gut die Realität wieder.

Ermittlungsarbeit ist langwierig und mitunter mit vielen Rückschlägen verbunden. Für mich ganz klar ein Pluspunkt, müssen sich Leser und Strike erst einmal durchbeißen, um mit einem Ergebnis belohnt zu werden. Als Leser darf man nur froh sein, dass es sich dabei nicht um ein abgeschnittenes Bein handelt. Das zu lesen reicht vollkommen.

Ein packender, immer schneller wirkender Schreibstil, der auch dieses Mal dazu beigetragen hat, für mich zumindest, zu einer Steigerung der Geschichte zu führen. tatsächlich ist für mich dieser Band der bisher stärkste innerhalb der Reihe, auf deren Fortsetzung ich nun sehnsüchtig warte.

Schließlich möchte ich noch viel von Joanne K. Rowling, auch wenn sie hier Galbraith heißt, lesen. Einziges Manko, ja, das Cover aber das ist nebensächlich, da man ohnehin im Regal den Buchrücken nur sieht und zweitens die Geschichte ohnehin alles ausgleicht.

Ein schöner, stimmiger und manchmal erschreckend derb-brutaler Krimi aus England. Auf weitere Fälle mit Cormoran Strike.

Autorin:

Joanne K. Rowling wurde durch die Romane um den Zauberlehrling Harry Potter weltberühmt. Unter dem Pseudonym Robert Galbraith schreibt sie Krimis. Zudem arbeitete sie mit, an einem Theaterstück als eine Art Nachfolger der Harry-Potter-Romane und hat beim Drehbuch des in die Kino kommenden Filmes „Newt- Scamander – Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ mitgewirkt.

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Joseph O’Neill: Niederland

Niederland Book Cover
Niederland Joseph O’Neill Rezensionsexemplar/Roman Rowohlt Taschenbuch Taschenbuch Seiten: 316 ISBN: 978-3-499-25227-3

Handlung:

Inmitten der Hysterie nbach dem 11. Septembver sucht der holländische Bankier Hans van den Broek nach einem neuen Leben in einer erschütterten Stadt. Er ist einsam, lebt verlassen von Frau und Kind unter den exentrischen Gestalten im legendären Chelsea Hotel. Doch dann lernt er Chuck Ramkisson kennen, einen dunkelhäutigen Westinder. Chuck ist einer der wenigen, die den amerikanischen Traum noch ungebrochen träumen und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Mit ihm macht Hans sich auf, ein ihm gänzlich unbekanntes New York zu entdecken und eine außergewöhnliche Freundschaft beginnt. Ein begeisterter und weiser Roman über New York, die Stadt, die eine Welt umfasst. (Klappentext)

Rezension:

Der Klappentext verspricht viel, was der Autor kaum halten kann dennoch liegt mit „Niederland“ ein Roman vor, der eine Brücke schlägt. Zwischen zwei Kontinenten, zwischen Menschen und städtischen Ansichten, die verschiedener nicht sein könnten.

Die Handlungsorte London und New York sind beides Schmelztiegel und Sammelpunkt unterschiedlicher Kulturen. Ein Mix von sonderbaren und besonderen Gestalten, der zu faszinieren mag. In dieser Welt bewegt sich Hans mit sicheren Schritt als erfolgreicher Angstellster und Analyst einer Großbank, doch beginnt gerade wärend seines Aufenthalts in New York der amerikanische Traum zu bröckeln.

Zwar schlägt noch nicht die Finanzkrise zu, doch die Großmacht bekommt erste Risse in ihrer Aura aus Unverwundbarkeit. Der Optimismus ist seit den Anschlägen ohnehin weggeblasen. In dieser Zeit trifft Hans auf den charismatischen Chuck, einem Westinder, der unbeirrt an den amerikanischen Traum zu glauben scheint, viel anpacken und umsetzen will.

Cricket hier als Fixpunkt zweier Menschen, deren Sicht auf die Welt anfangs nicht unterschiedlicher sein könnte. Hans beginnt sich immer mehr darauf zu fixieren wärend sein Privatleben ihm entgleited. Nicht ahnend, dass auch diese Traumwelt, wie so vieles in Amerika zerplatzt.

Joseph O’Neill hat mit „Niederland“ den Versuch gewagt, einen großartigen Amerika-Roman zu schreiben, was ihm leider gründlich misslungen ist.

Zwar ist der Schreibstil durchaus flüssig, die Handlung nachvollziehbar und die Protagonisten genug skurill für New York, erfolgsverwöhnt für London beschrieben, doch der überwiegende Teil des Werkes wird dominiert von schier endlosen Beschreibungen von Cricket, einer Sportart, die sich mir auch nach der Lektüre nicht erschließen will.

Die Sportart stellt hier einen Dreh-und Angelpunkt, Hauptaugenmerk dar, der leider vieles kaputt macht, insbesondere die Faszination, die die Geschichte um Chuck und Hans durchaus hätte einnehmen können. Denn die ist durchaus spannend, kommt aber leider viel zu kurz.

Ein Roman, der durchaus hätte auf dem Niveau von „Extrem laut und unglaublich nah“ landen können. Diese Chance aber hat der Autor vertan.

Autor:

Joseph O’Neill wurde als Sohn eines Iren und einer Türkim im Cork der 1960er Jahre geboren und verbrachte Kindheit und Jugend in den Niederlanden. Nach der Schule studierte er in Cambridge Jura und arbeite als Anwalt in London.

Später ließ er sich als freuer Autor in New York nieder. Der Schriftsteller ist verheiratet und hat drei Söhne. Sein Roman „Niederland“ ist sein drittes Werk. Dieses wurde im Jahr 2009 mit dem PEN/Faulkner Award ausgezeichnet.

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Lisa O’Donnell: Die Geheimnisse der Welt

Die Geheimnisse der Welt Book Cover
Die Geheimnisse der Welt Lisa O’Donnell Roman Dumont Hardcover Seiten: 255 ISBN: 978-3-8321-9779-7

Inhalt:

Der elfjährige Michael Murray lebt mit seiner Familie auf einer kleinen schottischen Insel. Jeder kennt hier jeden, und alle glauben, alles über die anderen zu wissen. Doch gibt es auch Geheimnisse – und Michael muss bald herausfinden, wie gefährlich sie sein können. Vor allem, wenn es dabei um die eigene Mutter geht. (Klappentext)

Rezension:

Wer nicht gerade in einer anonymen Großsstadt sondern etwas kleinstädtisch ländlicher lebt, kennt das Gefühl alle zu kennen und selbst von jedem erkannt zu werden. Wie intensiv muss diese Art zu leben auf einer kleinen Insel sein?

Die Murrays, eine durch Arbeitslosigkeit, Tristesse und den jeweiligen Problemen der einzelnen Personen gebeutelte Familie müssen bald die Negativ-Erfahrung eines solchen Daseins machen. Rosemary, Michaels Mutter wird auf dem Weg durch das nahe Wäldchen überfallen und vergewaltigt.

Fortan beschließt die Familie, niemanden etwas zu verraten um Klatsch und Dorf-Tratsch zu entgehen. Und der elfjährige Michael wird plötzlich zum Träger dieses Geheimnisses, welches um so schwerer auf seinen Schultern lastet als es eine weitere Frau beinahe Opfer wird.

Eigentlich wächst Michael behütet auf, trotz aller Probleme, die seine Familie so schon hat aber in den turbulenten Zeiten der Thatcher-Jahre geht es niemanden richtig gut. Jeder ist betroffen. Doch mitder Entdeckung des Geheimnisses seiner Mutter bricht für ihn das ohnehin labile Konstrukt heiler Welt zusammen, welches die Erwachsenen um ihn herum aufgebaut haben.

Der Elfjährige sieht zum ersten Mal, das Erwachsene auch an überdimensionierten Problemen zerbrechen können und es aus manchen Situationen so schnell einen Ausweg nicht gibt. Dazu kommen seine eigenen Freunde, vor denen er plötzlich ein Geheimnis bewahren muss, welches zu groß für ihn ist und jedem, der darum weiß. Und er droht daran, wie seine Mutter zu zerbrechen.

Es ist ein starker Roman, den Lisa O’Donnell hier vorlegt mit nicht unbedingt leichter Kost. Ein Plädoyer dafür, offen zu sein, die Wahrheit zu sagen auch wenn sie schmerzlich ist und für die Liebe und Kraft, die eine Familie schenken kann.

Es ist ein Aufruf, in schwierigen Situationen zusammen zu halten und zu helfen, bei Problemen aufeinander zu zugehen und sich, ja, auch helfen zu lassen.

Ein Roman mit einer traurigen erschreckenden Thematik, die man keinem Menschen wünscht, sie jemals am eigenen Leib zu erfahren aber auch eine Geschichte, in der immer wieder Witz und Humor zum Vorschein kommt. Oder zumindest im Form vom Schmunzeln über bestimmte Eigenheiten der Charaktere der Dorfgemeinschaft.

Nichts ist so stark wie der Zusammenhalt einer Familie und besonders in schweren Zeiten kann es gelingen dadurch Halt zu finden und sich gegen Erdrückendes zu wehren. Lisa O’Donnell kommt dabei nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, offenbart aber Konflikte, denen die Opfer von Vergewaltigungen durch unserer Gesellschaft ausgesetzt sind.

In Form der Protagonisten, besonders Rosemary und Michael, die einem sofort sympathisch sind, zeigt sie, wie schwer es ist mit dem gesellschaftlichen Ansichten umzugehen und das, egal wie man handelt, es keinen richtigen aber viele falsche Wege gibt. Am Ende ist jedoch nur wichtig, dass man zusammenhält und füreinander da ist.

Ein schöner, trauriger, lebensbejahender toller Roman.

Autorin:

Lisa O’Donnell ist Drehbuchautorin und Schriftstellerin und wurde für Ihr Drehbuch „The Wedding Gift“ mit dem Orange Screenwriting Prize ausgezeichnet. Ihr Debutroman „Bienensterben“ erschien 2013 im DuMont-Verlag. Auch dieses wurde ausgezeichnet. Mit ihrer Familie lebt sie in Schottland. „Die Geheimnisse der Welt“ ist ihr zweiter Roman.

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Alan Weisman: Countdown – Hat die Erde eine Zukunft?

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Countdown – Hat die Erde eine Zukunft? Alan Weisman Piper Taschenbuch Seiten: 573 ISBN: 978-3-492-30551-8

Inhalt:

Alle 108 Stunden gibt es eine Million mehr Menschen auf der Erde. Wie lange dauert es noch, bis sie kollabiert?

Der Countdown hat begonnen: Die Erde kann uns nicht mehr lange (er)tragen – immer mehr Menschen produzieren imer mehr Müll, verbrauchen mehr Ressourcen und stoßen mehr CO2 aus.

Alan Weisman nimmt uns mit auf eine aufrüttelnde Reise durch über 20 Länder und zeigt, wie nur eine drastische Reduzierung der Bevölkerungszahl unser Überleben auf der Erde sichern kann – provokativ und Augen öffnend! (Klappentext)

Rezension:

Der Mensch hat als einzige Spezies auf unserem Planeten das Potential sich selbst auszurotten und das alleine durch seine Anwesenheit und schier unaufhörlich wachsende Zahl. Immer mehr Menschen teilen sich Lebensraum, Nahrung, Wasser und Energie-Rohstoffe, immer mehr Menschen hungern und andere leben im Überfluss und der dadurch unermesslichen Wegwerf-Gesellschaft. Immer mehr Müll und immer mehr Kohlenstoffdioxid verpesten Luft, Wasser und Boden. Doch, wann ist die Grenze erreicht?

Wann der Zeitpunkt, an dem es einen Menschen mehr gibt als die Erde ertragen kann? Wann zerstört homo sapiens seine Lebensgrundlagen entgültig? Diesen Fragen stellt sich Alan Weismann, zugleich auf der Suche nach der Lösung dieses Problems, welches uns innerhalb des Jahrhunderts wohl treffen wird.

Und er sucht zugleich nach der Lösung. Was wäre, wenn wir einfach weniger Menschen würden? Wenn die Geburrtenraten aller Länder nur der Ersatzrate entsprechen, überall Bevölkerungsprogramme, Familienplanung stattfänden?

Wenn arme Menschen in den Entwicklungsländern flächendeckend Zugang zu kostenfreier Bildung, Aufklärung und Verhütungsmitteln hätten? Reiche Länder (etwa in Europa) ihr Bevölkerungsschrumpfen nicht als Hemmnis sondern als Chance begreifen und der Anbau von Nahrungsmitteln auf mehrheitlich biologischen Anbau zurückgeführt würde? Die Verwendung von Stcikstoffdünger reduziert und der Fleichkonsum zurückgefahren wird?

Alan Weisman hat mit „Countdown – Hat die Erde eine Zukunft?“ erneut ein sehr fundiertes und detailliertes Sachbuch veröffentlicht, was unbedingte Beachtung verdient. Gestützt auf zahlreiche wissenschaftliche Quellen entwirft er ein Szenario zur Rettung unserer Spezies, die kurz davor ist, sich selbst auszurotten und bietet Lösungsansätze an, wie dies gelingen kann.

Er zeigt die Folgen vom Nicht-Handeln auf aber auch Projekte, überall auf der ganzen Welt, selbst in Ländern, in denen man es nicht erwartet, die hoffen lassen auf eine glücklichere Zukunft unseres Planeten. Gespickt mit Zahlen und unter Mitarbeit von Wissenschaftlern von Biologen über Historikern, Chemikern, Meteorolgen und Agrarwissenschaftlern schickt Weisman den Leser auf eine Reise, die nicht ohne Folgen bleibt.

Denn eines ist unbestritten, die Erde kann auch ohne uns überleben, wird dies auch tun. Die Frage ist, ob wir wirklich das Überleben unserer Spezies auf’s Spiel setzen möchten?

Autor:

Alan Weisman wurde 1947 in Minneapolis, Minnesota geboren und ist ein US-amerikanischer Autor und Journalist. Zahlreiche Auslandsreportagen rund um die Welt schrieb er für Zeitschriften wie „Harper’s Magazine“, „The Atlantic Monthly“ aber auch für die legendäre New York Times oder das „Discover Magazine“.

Zudem ist er als Radio-Produzent tätig. Weisman ist Professort für Journalismus an der Universiät von Arizina. Sein Buch „Die Erde ohne uns“, welches 2007 erschien, war die Grundlage einer gleichnamigen Serie, die sich mit der Entwicklung der Natur und der Erdgeschichte nach dem Verschwinden des Menschen befasste.

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Ferdinand von Schirach: Terror

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Terror Theaterstück-Drehbuch Piper Hardcover Seiten: 176 ISBN: 978-3-442-71496-4

Inhalt:

Ein Terrorist kapert eine Passagiermaschine und zwingt die Piloten, Kurs auf ein voll besetztes Fußballstadion zu nehmen. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt ein Kampfpilot der Luftwaffe das Flugzeug in letzter Minute ab, alle Passagiere sterben.

Der Pilot muss sich vor Gericht für sein Handeln verantworten. Seine Richter sind die Theaterbesucher, sie müssen über Schuld oder Unschuld urteilen. Ferdinand von Schirachs »Terror« ist ein Theaterstück von bedrückender Aktualität. Es stellt die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Werden wir uns für die Freiheit oder für die Sicherheit entscheiden? Wollen wir, dass die Würde des Menschen trotz der Terroranschläge noch gilt? … (Verlagstext)

Rezension:

Ein Gedankenspiel als Theaterstück aufgeführt. Eine vollbesetzte Passagiermaschine wird entführt und von Terroristen auf ein Stadion gelenkt, in welchem sich 70.000 Menschen befinden. Die Verantwortlichen haben nur Sekunden, um sich zu entscheiden.

Entweder das Flugzeug abzuschießen und damit ein paar 100 Menschen zu töten oder das Leben von 70.000 Menschen zu riskieren. Die Verantwortlichen handeln, schießen die Maschine ab und stehen nun vor Gericht. Sicher ist, die Verfassung, das Grundgesetz verbietet es Menschenleben gegen Menschenleben aufzuwiegen. Egal, wie viele sterben und wie viele dagegen gerettet werden können.

Die Menschenwürde ist unantastbar. Sicher ist auch, keiner kann wissen, ob es den Passagierern nicht doch gelingt, in letzter Minute die Entführer zu überwältigen und das Flugzeug unter Kontrolle zu bringen. Oder ob es nicht zuerst gelingt, das vollbesetzte Stadion zu evakuieren.

Immerhin gibt es Evakuierungspläne. Es kann aber auch niemand mit Sicherheit sagen, ob die Verantwortlichen nicht richtig gehandelt und reagiert haben. Und der Theaterzuschauer muss am Ende entscheiden. Verurteilung oder Freispruch?

Ferdinand von Schirach stellt mit diesem Theaterstück die Grundsätze unseres Denkens und unserer Moralvorstellungen auf Probe und so entschieden die Zuschauer in den allermeisten Vorführungen, den Angeklagten Herr Koch, Major der Luftwaffe freizusprechen. Der Abschuss zwar nicht mit dem Grundgesetz vereinbar aber eben doch in dem Moment die richtige Option. Nur in einer Aufführung bisher wurde der Angeklagte von den Zuschauern frei gesprochen.

Im vorliegenden Buch, Drehbuch zum Theaterstück kann man, wenn man keine Chance hatte, das Theaterstück zu verfolgen, der Verhandlung beiwohnen und selbst entscheiden, ob man der Argumentation des Angeklagten und seines Verteidigers oder eher der staatsanwältin und der Nebenkläger folgt. Gute Argumente gibt es für beide Seiten.

Schirach hat dabei das Drehbuch so entworfen, dass man sich als Leser nicht vom Autor zu einer Antwort, die so einfach ja nicht ist, gedrängt fühlt, sondern nach dem Lesen erst einmal in Ruhe darüber nachdenken muss.

Das Für und Wider aller Beteiligten abzuwägen und dann eine Entscheidung zu treffen. Je nach dem, wie diese ausfällt, kann man dann entweder Freispruch oder Verurteilung lesen. Das Ende selbst bestimmen, gleichwohl es Bauchschmerzen verursacht. Egal, wie man sich entscheidet.

Der Schreibstil und der Wechsel, die aufgeführten Diskussionen lassen eine Gerichtsverhandlung sehr gut nachvollziehbar sein, auch für juristisch weniger versierte.

Technische und juristische Fachtermini, die auch mal vorkommen, letztere nicht so arg, werden für den Laien schnell geklärt, durch die Erklärungen der handelnden Personen. Das Drehbuch lässt sich als solches gut lesen. Man kann sich vorstellen, in der Gerichtsverhandlung zu sitzen. Ich habe mich nach langen Überlegungen für eine Verurteilung entschieden.

Autor:

Ferdinand von Schirach wurde 1964 in München geboren und ist ein deutscher Strafverteidiger und Schriftsteller. Schirach besuchte das Jesuiten-Kolleg St. Blasien und stuiderte in Bonn Rechtswissenschaften. Nach seinem Referendariat ließ er sich 1994 als Rechtsanwalt nieder und spezialisierte sich auf Strafrecht.

Er vertrat dabei den BND-Spion Norbert Juretzko und u.a. Günter Schabowski, und machte sich damit einen Namen als „Prominentenanwalt“.

Mit 45 Jahren veröffentlichte er erste Kurzgeschichten und avancierte schnell zu einem der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller. Seine Bücher sind international Bestseller und erscheinen in über 40 Ländern.

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Ester Verhoef: Gegenlicht

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Gegenlicht Rezensionsexemplar/Roman btb Verlag Taschenbuch Seiten: 606 ISBN: 978-3-442-74744-3

Inhalt:

Als Kind hatte sie es nicht einfach. Die Mutter verbrachte die meiste Zeit in einer psychiatrischen Klinik. Beim Vater herrschte ein strenges Regiment. Und in der Schule gemobbt zu werden war eher die Regel als die Ausnahme.

Noch als Erwachsene leidet Vera unter Selbstzweifeln, obwohl sie seit zwanzig Jahren mit dem erfolgreichen Unternehmer Lucien Reinders verheiratet ist. Ihre Ehe, ihre Arbeit als Fotografin und ihr Haus sind die Säulen, auf die sich ihr Leben stützt.

Als die Beziehung mit Lucien Risse bekommt, verfällt Vera in Panik und flüchtet sich in eine prickelnde Affäre. Und mit einem Mal gerät ihr gesamtes Leben ins Wanken. Langsam aber sicher verliert sie die Kontrolle. (Text Amazon)

Rezension:

Es ist nicht die Art und Weise von Büchern, die ich sonst lese und dahingehend muss ich gestehen, dass ich eben doch öfter als mir lieb ist, ein reiner Cover-Käufer bin. Wenn es nämlich nur nach der Gestaltung gehen würde, hätte ich nie zu dem Buch gegriffen.

So pink-lila gestaltet, ist es nach meinem Empfinden eher an Frauen als Zielgruppe gerichtet. Wenn, ja wenn da nicht die Geschichte selbst wäre und um die geht es ja immer noch hauptsächlich. Denn die hat es in sich. Die Hauptprotagonistin ist hier der Ich-Erzähler, sowohl in Rückblenden ihrer Kindheit als auch im Hier und Jetzt, in beiden Zeiten in zerrüttelten Verhältnissen, die alles sind.

Nur nicht gesund. Und so bestimmen die Erfahrungen mit ihrem Vater und Lucien, ihrem Mann, ihr Leben, in dass sie sich einfügt und dieses Gefühls-Korsett später sich nicht traut zu verlassen.

Doch erkennt sie bald, dass sie sich, um selbst nicht unterzugehen, davon befreien muss. Der Weg dahin ist jedoch schwer und voller Selbstzweifel am eigenen Denken und Handeln. Esther Verhoef hat hier eine Geschichte geschrieben, die nur langsam und anfangs sehr schwerfällig ins Rollen kommt und fast befürchtet man den staubigen Mehltau von Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen.

Doch, mit der zunehmenden Anzahl der Figuren kommt die Geschichte ins Rollen und lässt sich immer flüssiger lesen, man taucht tiefer in die Gedankenwelt der Protagonisten ein, die alle so ihre ganz eigenen Probleme haben.

Da ist Lucien, der seinen Hass auf den Vaterpflegt, der die Familie wegen einer anderen verließ, Vera, die zwar in dieser Beziehung einen festen Anker sieht, ausbrechen will aber nicht kann oder Nico, zu dem sie eine oberflächliche Beziehung pflegt, die sie nicht vertiefen will. Er schon.

Und natürlich Luciens Familie, die anfangs nur erwähnt, später aber zum Haupthandlungsstrang des Buches werden. So setzt Verhoef dem Leser anfangs einzelne Puzzleteile vor, die sich nach und nach zusammensetzen. Das Buch könnte gut die Grundlage für eine Vorabendserie im Öffentlich-Rechtlichen werden.

Insgesamt ist die Geschichte aber durchdacht, logisch und so oder ähnlich kann sich tatsächlich Familienleben abspielen. Da gibt es eben zerbrochene Beziehungen, aufkeimendes Glück, Zweifel und Affären, Krankheit und Tod oder neues Leben. Normalzustand. Nichts anderes beschreibt die Autorin hier und die eine oder andere nachdenkliche Stelle bleibt nicht aus. Auch dies ein Plus.

Ein normaler Roman über eine Vergangenheit, die die Protagonistin einholt und über ganz normales Familienleben eben. Ein ruhiges Buch, was man durchaus lesen kann.

Autorin:

Esther Verhoef wurde 1968 in d’s-Hertogenbosch geboren und ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der Niederlande. Dabei ist ihre Bandbreite breit gefächert. Über 50 Sachbücher über Tiere und noch dazu Kriminalromane schrieb sie von 1995 bis 2005.

Unter dem Pseudonym Maruque Maas veröffentlichte sie zudem erotische Romane. Zusammen mit ihrem Mann schrieb sie, ebenfalls unter Pseudonym, Thriller.

Die heute in Frankreich lebende Autorin wurde bereits mehrfach für verschiedene niederländische und belgische Krimi-Preise nominiert., ersteren gewann sie auch. Der Roman „Gegenlicht“ war nach seiner Veröffentlichung sofort auf Platz 1 der niederländischen Bestsellerlisten.

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Chai Pinit: Bangkok Boy

Bangkok Boy Book Cover
Bangkok Boy Chai Pinit Weltbild Erschienen am: 01.01.2016 Seiten: 223 ISBN: 978-3-8289-3293-7 Übersetzer: Bernhard Liesen

Inhalt:

Chai Pinit war ein ganz normaler thailändischer Junge – bis er von einem Lehrer sexuell missbraucht wurde. Verzweifelt, voller Scham und Selbstekel geriet er in einen entsetzlichen Sumpf von Sucht und Prostitution.

Doch mit Hilfe guter Freunde und ungeahnter innerer Kraft gelang ihm der Weg zurück aus den Rotlichtbezirken von Bangkok und Pattaya. Der Weg zurück ins Leben. Eine Geschichte voller Kraft, Hoffnung und Lebensmut. (Klappentext)

Rezension:

Wie eine Rezension beginnen, ohne über das verkorkste Leben, welches in dieser Halbbiografie beschrieben wird,. zu richten? Gebnau das tut man nämlich unweigerlich, wenn man Chai Pinits „Bangkok Boy“ liest. Kopfschüttelt begleitet man den Autor schon bei den Beschreibungen seiner verwöhnten Kindheit, die schon vor dem eigentlichen fanal des Missbrauchs durch einem Lehrer die unheilvolle Zukunft erahnen lässt.

Anders als der Klappentext vermuten lässt begann das Abrutschen des Autoren in den Dreck der Gesellschaft, man kann es wohl so formulieren, schon schleichend im zarten Jugendalter vor der Begegnung mit besagten Lehrer. Aus dem Sumpf sollte Chai Pinit Jahre lang nicht herausfinden.

Es ist eine merkwürdige abstoßende, aber seine Geschichte, die uns der Autor hier vorlegt. Darin beschrieben all der Abschaum, der durch zwielichtigen, gar nicht gut zu heißenden Tourismus gefördert wird und aus dessen Sumpf kaum jemand unbeschadet herausfindet, so er einmal darin versunken ist.

Pinit beschreibt eine Fülle von abstoßenden Situationen, für die er teils selbst die Schuld trägt, die Erkenntnis kam beinahe zu spät, teils aber auch nicht alleine bewältigt hätte. Dies aber so detailliert und erdrückend, dass es schon als Leser an manchen Stellen kaum zu ertragen ist. Oft genug muss man das Buch zuseite legen, oft genug inne halten und durchatmen. Um dann wieder der nächsten Episode im Leben des Autoren folgen zu können.

Erdrückend erzählt er uns von der Schattenwelt seines Lebens und der berüchtigten Metropolen Bangkok und Pattayas, um so bewundernswerter, wie er letztendlich aus diesen Sumpf herausgefunden hat. Dieser Mann hat mehr als neun Leben, doch ist ihm klar, dass ein weiteres wohl nicht mehr zur Verfügung steht.

Darum dieses Buch, welches als Biografie, Aufarbeitung und Verarbeitung von Erlebnissen gelten kann, die dramatischer nicht sein könnten. „Bangkok Boy“ über ein Leben am untersten Rand der Gesellschaft, nahe dem Tod inmitten von Alkohol, Drogen und Sex aber auch über fast zu späte Einsichten, Wendungen und Schicksalsschläge und dem Weg zurück ins Leben.

Autor:

Chai Pinit wurde in einem Dorf in der nordostthailändischen Provinz Sisaket als ältester Sohn einer wohlhabenden und angesehenen Familie geboren. Nach Missbrauch durch einem Lehrer rutschte er in einem Sumpf aus Alkohl, Sex und Drogen und arbeitete als Gogo-Boy in Bangkok und Pattaya. Inzwischen lebt er mit Frau und Kindern in Bangkok und arbeitet als Reiseleiter. Dies ist sein erstes Buch.

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Gilles Paris: Der Glühwürmchensommer

Der Glühwürmchensommer Book Cover
Der Glühwürmchensommer Gilles Paris Bloomsbury Berlin Erschienen am: 30.03.2015 Seiten: 221 ISBN: 978-3-8270-12229-6 Übersetzerin: Carina v. Enzenberg

Inhalt:

Eine Mutter, die den lieben langen Tag nur Bücher liest. Eine zweite Mutter, die Landschaften ohne Menschen malt. Und ein Vater, der nicht erwachsen werden will. Ganz normale Familien sehen anders aus. Und doch wünscht sich der neunjährige Victor nichts sehnlicher als das.

In einem denkwürdigen Sommer an der Cote d’Azur könnte sein Wunsch in Erfüllung gehen, wenn er auf die Magie der Glühwürmchen vertraut. (Klappentext)

Rezension:

Jede Familie hat ihre Geheimnisse und die werden selbst vor den eigenen Kindern geheim gehalten. Denn, die sind schließlich zu klein um zu verstehen. Zumindest denken das die Erwachsenen. Und so besteht auch Victors Umgebung für ihn aus lauter Fragezeichen.

Die große Schwester, die ihren Bruder liebt aber ansonsten nur Augen für gleichaltrige Jungs hat und nie den Richtigen findet, ein Vater, der weder mit Menschen und noch weniger mit Geld umgehen kann, Eltern, die sich lieben aber irgendwie auch nicht und sich getrennt haben und zwei Mütter. Ganz und gar chaotisch.

Und so ist Victor froh als er ein wenig Ablenkung in den Sommerferien am Meer erfährt. Dort gibt es nämlich ein gleichaltriges Mädchen, seltsame Zwillingsjungen und auch Spuren, die Victor zur Lösung eines der vielen Rätsel seiner Familie führen werden. Und der Junge weiß, dass nach diesem Sommer nichts mehr so sein wird wie zuvor.

Es ist ein leichter Roman, keine schwere Kost aber allemal amüsant zu lesen, was Gilles Paris sich da aus den Fingern gesogen hat. Es passiert hier nicht viel und wenn, dann nur aus der Sicht des neunjährigen Protagonisten, der die Welt aus Kinderaugen naturgemäß ganz anders sieht als die Erwachsenen in seiner Umgebung.

Wohlfühlliteratur für den Sommer, etwas kitschig aber gerade noch im Rahmen. Man mag Vicotr einfach, von Beginn an und die ganze schrullige etwas chaotische Familie, sucht vielleicht als Leser gleich Parallelen zu seiner eigenen. Irgendetwas wird sich da schon finden.

Die Geschichte lässt sich insgesamt flüssig lesen, auch die nur für Victor spannenden Stellen lassen nicht wirklich inne halten. Müssen sie auch nicht. Insgesamt halte ich aber den Roman, nicht nur wegen dem Cover für schön, schließlich vermag sich doch fast jeder an einen besonderen Sommer seiner Kindheit erinnern, in der die Welt noch perfekt war, es viel zu entdecken und noch einiges an Rätsel gab. Und vielleicht auch diese besondere Magie der Glühwürmchen.

Autor:

Gilles Paris wurde 1959 in Suresnes/Ile de France geboren und jobbte nach seinem Abitur als Kellner, Medikamententester und Bürohilfe. Nach seinem Studium arbeitete er im Ministerium für Jugend und war in verschiedenen Buchverlagen tätig.

Paris gründete eine Agentur für Öffentlichkeitsarbeit und schrieb als freier Journalist Artikel für mehrere französische Zeitungen. Er ist Pressechef eines französischen Verlagshauses und veröffentlichte 1991 seinen ersten Roman. Eines seiner Bücher wird gerade verfilmt. „Der Glühwürmchensommer“ ist sein vierter Roman.

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