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Anna Maria Sanders: Ich dreh gleich durch!

Ich dreh gleich durch! Book Cover
Ich dreh gleich durch! Anna Maria Sanders Gütersloher Verlagshaus Erschienen am: 25.04.2016 Seiten: 304 ISBN: 978-3-579-08633-0

Inhalt:

Max, 11 Jahre alt, lebhaft, quirlig, impulsiv, planlos, vergesslich, eine richtige Nervensäge, aber auch ein äußerst liebenswerter Zappelphilipp – ein Kind mit ADHS.

Wie mag sich ein solches Kind in seinem Alltag mit all dem Chaos fühlen? In diesem Buch kommt zum ersten Mal ein ADHS-Kind selbst zu Wort. Max erzählt witzige Episoden aus seinem Leben.

Er lässt uns lachen, weinen und nachdenklich sein und verhilft uns durch seine entwaffnende Offenheit zu einer Riesenportion Verständnis und Gelassenheit. Auch diejenigen, die mit ihm zu tun haben, schreiben sich in einem erfrischenden Perspektivwechsel ihre liebe Not mit dem Energiebündel von der Seele. (Klappentext)

Rezension:

Ich halte nichts davon, Probleme mit Ratgeberbüchern zu lösen, die aufgrund ihrer Fülle und Lösungsansätze Probleme nicht lösen, sondern eher dazu beitragen, noch mehr zu verwirren. Dieses Buch hier aber, ist anders.

Erstmals wird in Tagebuchform aus der Sicht eines von ADHS betroffenen Kindes dessen Alltag beschrieben, der nicht nur für seine Umgebung, Eltern, Klassenkameraden und Lehrer äußerst anstrengend ist, sondern eben auch für Max.

Der Elfjährige, der völlig uncool zu seinem Geburtstag ein Tagebuch geschenkt bekommt, beginnt sich den Alltagsfrust von der Seele zu schreiben und bringt dabei allerhand witzige, traurige und nachdenklich machende Begebenheiten zur Sprache, ebenso wie seine Eltern, sein Großvater, seine schreckliche Tante und die Lehrerschaft, die die Mutter mit E-Mails ob der Schandtaten ihres Sohnes bombardieren und oft nicht wissen, wie umgehen mit dem kleinen Energiebündel.

Und nach und nach beginnen alle Seiten die jeweils andere zu verstehen. Max lernt sich selbst besser kennen, seine Eltern verlassen sich nicht allein auf Bücher oder aber wohlmeinende, kontraproduktive Verwandte, sondern vor allem auf Liebe, Einfühlungsvermögen, ihre erprobten Nerven und Intuition.

Nach und nach lernt man den Jungen einfach nur lieben und versteht, dass gerade Kinder mit solch einem Handicap ganz besonders sind.

Literarisch natürlich ist dieses Buch kein großer Wurf. Muss es auch nicht sein. Der Ansatz ist es, welcher diesen Ratgeber, der keiner sein will, so interessant macht. Warum nicht einfach einmal einen Betroffenen, zumal noch Kind, selbst zu Wort kommen lassen?

Gerade im Bereich ADHS, welcher von kontroversen debatten bestimmt und überdies noch nicht zur Gänze erforscht ist, eion radikaler Neuversuch, dieses Syndrom zu betrachten.

Die Autorin lässt dabei die Erfahrungen aus der Erziehung ihres jüngsten Sohnes, der ebenfalls an ADHS leidet, mit einfließen, sowie aus diversen medizinischen Studios und, ja, auch Ratgeberbüchern vor allem wissenschaftliche Betrachtungen mit einfließen.

Die Lösung aber findet sie selbst, ohne Medikamente, die sie laut ihrer Homepage aber auch nicht verteufeln will, denn sie können eine mögliche Lösung sein. Je nach dem. Schließlich muss jeder Fall individuell betrachtet werden. Allein, bei Max helfen andere Dinge.

Dieses Buch soll all jenenen Mut machen, die unter ADHS leiden oder mit Betroffenen einen oft sehr viel schwereren Alltag meistern müssen als die meisten von uns. Es ist auch jenen zu empfehlen, die vielleicht nicht direkt aber in der Verwandtschaft oder als Lehrer und Erzieher mit ADHS-Kindern zu tun haben.

Einen solchen Einblick können viele Fachbücher so nicht bieten und viele Lösungsansätze sind zu stark fokussiert, ohne dass äußere vom Tellerrand zu betrachten. Gespickt mit fachlichen Informationen, Erläuterungen zum realen Vorbild von Max Bergmann und den Tagebucheinträgen, die sich zum teil aus dem real Erlebten der Autorin, ihres Sohnes und der Familie speisen, ist dieses Buch unglaublich wertvoll und jedem zu empfehlen.

„Ich dreh gleich durch!“, sollte zur Pflichtliteratur aller Eltern und Betroffenen werden, die mit ADHS in Berührung kommen. Am Ende ist Verständnis der Weg zum Ziel.

Autorin:

Anna Maria Sanders wurde 1961 geboren und lebt verheratet mit ihrer Familie in Salzburg. Nachdem sie 1980 die Schule mit dem Abitur abgeschlossen hat verbrachte sie mehrere längere Aufenthalte in den USA und studierte in Salzburg Germanistik.

Sie arbeitete als Sprachlehrerin und beschäftigt sich seit der Geburt ihres zweiten Sohnes mit ADHS, worüber sie 2014 begann ihre Erfahrungen mit den Familienalltag eines ADHS-Kindes aufzuschreiben.

Die Autorin: http://www.anna-maria-sanders.com/autorin/

Manuela Kuffner: Mogli – Der Kampf um mein wunderbares Kind

Mogli - Der Kampf um mein wunderbares Kind Book Cover
Mogli – Der Kampf um mein wunderbares Kind Manuela Kuffner Knaur Erschienen am: 03.08.2012 Seiten: 348 ISBN: 978-3-426-65483-5

Inhalt:

Aljoscha erklimmt die höchsten Bäume und rennt barfuß durch den Wald. Seine Lieblingsplätze sind nah am Himmel, doch sein Paradies ist voller Gefahren. Denn der Junge, der von seiner Familie liebevoll Mogli genannt wird, ist schwer krank.

Durch eine seltene Form der Epilepsie verlor er als Dreijähriger Sprache und jedes Empfinden für Angst oder Schmerz. Seitdem bewegt er sich furchtlos durch eine Welt, deren Bedrohungen er nicht erkennt.

Und das Leben von Aljoschas Mutter hat nur noch den einen Inhalt: „Ich muss meinen Sohn vor sich selbst schützen, jeden Tag, jede Stunde.“ Doch es gibt Hoffnung: Mit Einsetzen der Pubertät könnte sich Aljoschas Zustand deutlich bessern … (Verlagsseite)

Rezension:

Wenn Aljoscha, Mogli genannt, wieder einmal einen seiner Anfälle hat, hat seine Mutter keine ruhige Minute. Ständig muss sie aufpassen, dass ihr sohn nicht ohnmächtig wird oder bei einem seiner Wutanfälle Mitmenschen nicht verletzt, Dinge kaputtmacht oder durcheinander bringt.

Und dann, am Abend, wenn ihr Sohn schläft, versucht Manuela Kuffner wenigstens für ein paar Stunden zur Ruhe zu kommen um genug Energie für den folgenden ebenso stressigen Tag zu sammeln. Eine Aufgabe, die ihr immer schwerer fällt, doch ein Mogli fordert und seine Mutter ist bereit um ihn zu kämpfen.

Diese Geschichte macht Mut. All jenen, die mit unterschiedlichen harten Schicksalschlägen zu kämpfen haben, aus denen selbst erprobte Mediziner keinen Ausweg wissen und denen, die tatgtäglich mit dem Besonderen zu kämpfen haben.

Was hier meint, die Abweichung von dem, was allgemein als normal betrachtet wird. Und dabei kann man nur den Hut ziehen, vor dieser Frau, die sich in aller Öffentlichkeit rechtfertigen muss, wenn ihr Sohn zum wiederholten Male Läden, Straßenfeste und „ruhige“ Ferienorte aufmischt, ohne etwas dafür zu können.

Manuela Kuffner gibt in ihrem Buch einen eindrucksvollen Blick in ihre Welt und die ihres Sohnes, die durch ein äußerst seltenes Krankheitsbild bestimmt wird. Man mag es sich nicht vorstellen, wie es ist, auch nur einen Tag unter diesen Anforderungen zu verbringen, immer nur auf eine Besserung des Zustandes hoffen zu können und stattdessen immer wieder Rückschläge zu erleben.

Der Leser fragt sich zunehmend imm er mehr, woher die Frau bloß die Kraft nimmt, dies durchzustehen, ihren Sohn nicht aufzugeben oder in ein Heim abzuschieben, wo andere längst kapituliert hätten. Man erfährt es auch nicht.

Die Autorin weiß es oft genug selbst nicht. Sie berichtet ungeschönt von ihrer verzweiflung, von immer neuen ärztlichen Versuchen, ihrem Sohn zu helfen, vom Zerbröseln ihrer sozialen Kontakte, selbst das Auseinanderbrechen Ihrer Ehe durch die Krankheit ihres Kindes und die Vernachlässigung des Erstgeborenen, da Aljoscha alle Aufmerksamkeit braucht, die seine Eltern ihm geben können.

Stellenweise möchte man schreien, kommen einen die Tränen, wird mit seinen Gefühlen hin und her geworfen, um dann in ruhigen Momenten das Durchhaltevermögen der Frau zu bestaunen. Ein wunderbares Buch, welches den Anstoß geben kann, Menschen die von der Norm abweichen, mit anderen Augen zu betrachten.

Vielleicht gelingt es ja den einem oder anderen Leser, daraus Kraft für sich und andere zu ziehen. Dann hätte Manuela Kuffner mehr erreicht als nur, sich ihre Geschichte und die Ihres Sohnes von der Seele zu schreiben. Ein starkes Buch unter den Erfahrungs-/Lebenshilfeberichten, ehrlich und ungeschönt.

Autorin:

Manuela Kuffner wurde 1961 geboren und lebt mit ihren Söhnen im Allgäu. Ihr jüngster Sohn Aljoscha leidet am Landau-Kleffner-Syndrom. Diese seltene Form der Epilepsie führt innerhalb weniger Tage nach Ausbruch zu einer völligen Wesensveränderung. Aljoscha besucht heute eine Förderschule für Gehörlose