Michael Tsokos: Abgeschlagen

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Abgeschlagen Michael Tsokos Rezensionsexemplar/Thriller Droemer Knaur Erschienen am: 01.03.2019 Taschenbuch Seiten: 414 ISBN: 978-3-426-52438-1

Inhalt:

In einem Kieler Park werden ein toter nackter Mann und eine zerstückelte Frauenleiche entdeckt. Rechtsmediziner Paul Herzfeld ist überrascht, welche mysteriösen Reaktionen dieser Fall auslöst: Professor Schneider, Herzfelds Vorgesetzter, legt sich schon zu Beginn der Obduktion auffällig schnell auf eine Machete als Tatwaffe fest, während der Sektionsassistent vor lauter Nervosität kaum seine Arbeit verrichten kann.

Und dannkommt der Hausmeister des Instituts auch noch einem brisanten Geheimnis auf die Spur. Daraufhin stellt Herzfeld eigene Nachforschungen an und bringt sich und seine Familie in größte Gefahr. (Klappentext)

Rezension:

Es scheint immer mehr so zu sein, dass Crossover zu verschiedenen alltagstauglichen Berufen Bücher geschrieben werden und diese damit besonders gut funktionieren. Das merkt der Leser z.B. an Sebastian Fitzeks „Amokspiel“, einen Thriller, den man durchaus als Anspielung auf die Radiozeit des Bestseller-Autoren verstehen könnte, aber auch an die True-Crime-Werke von Michael Tsokos, Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, der bereits mit seiner Figur Fred Abel, einen weiteren erfolgreichen Quasi-Ermittler auf das Parkett der Buchhandlungen gebracht hat.

Nun jedoch, an das gemeinsame Werk „Abgeschnitten“ anknüpfend, welches der Autor zusammen mit Fitzek geschrieben hatte, ein gelungener wahrscheinlicher Auftakt zu einer neuen Serie.

Handelnder Hauptprotagonist ist Paul Herzfeld, den der Leser über sehr kurze Kapitel, die schnell aufeinander folgen, begleitet. Fachlich versiert und scharfsinnig bearbeitet der Kieler Rechtsmediziner seine Fälle, erstaunt jedoch als sich sein Vorgesetzter allzu leicht auf die Mordwaffe festlegt. Wie kann das sein? Zweiter Handlungsstrang, zumindest zu Beginn und zugleich Aufmacher des Thrillers ist die Geschichte eines freikommenden Mörders, welcher alleine dazu dient, die Handlung ins Rollen zu bringen.

Das funktioniert zunächst gemächlich. Sehr ruhig wird der Leser anfangs durch die Handlung geführt. Schnell ist ausgemacht, wer auf welche Seite steht. Für meinen Geschmack ein wenig zu schnell. Mit zunehmender Seitenzahl gewinnt die Geschichte dann jedoch an Tempo, der Spannungsbogen steigt kontinuierlich an und steuert gezielt auf ein großes Finale im verschneiten Schleswig-Holstein zu.

So viel zum Inhalt. Mehr darf und kann man jedoch auch nicht verraten. faszinierend sind die Details rechtsmedizinischer Arbeit, die Michael Tsokos in seine Werke, hier besonders stark, einfließen lässt. Fasst möchte man mitraten, wie viel von der Handlung wirklich wahr sind und welche fachlichen Anekdoten ihn zu diesem Thriller inspiriert haben.

Diese Gedankenspiele sind es, welches die Leser bei der Stange halten, auch die gute Ausarbeitung der Charaktere und gelungene Beschreibung der Arbeit im Obduktionssaal zeichnen sich verantwortlich für das gewisse Etwas. Wer allerdings Brutalität oder allzu blutige Szenen nicht lesen kann, sollte die Finger vom Buch lassen. Nur so als warnung.

Natürlich hat das Werk auch Schwächen, aber das liegt meines Erachtens daran, dass eben Michael Tsokos‘ Arbeit nicht hauptberuflich das Schreiben ist, sondern das Ergründen von Todesursachen, auch wenn dies nur einen kleinen Teil der Rechtsmedizin darstellt. In sofern sind Wortwiederholungen oder schwächere Formulierungen, die man vielleicht bei „hauptberuflichen“ Thriller-Autoren nicht durchgehen lassen würde, verzeihlich.

Legt euch also auf den Sektionstisch und taucht ein in ein mörderisches Szenario des winterlichen Kiel. Nicht nur für Schleswig-Holstein-Fans eine packende Geschichte. Nur eines gilt laut Danksagung übrigens als sicher. Paul Herzfeld wird uns voraussichtlich noch öfter begegnen.

Autoren:

Michael Tsokos wurde 1967 in Kiel geboren und ist ein deutscher Rechtsmediziner und Professor an der Charite in Berlin. Er leitet seit 2007 das dortige Institut für Rechtsmedzin, gleichzeitig das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berrlin-Moabit. Zudem ist er Leiter der Gewaltschutzambulanz der Charite.

1998-99 nahm er an der Exhuminierung und Identifizierung von Leichen aus Massengräbern des Bosnienkrieges und im Kosovo teil, 2004-05 war er im Auftrag des Bundeskriminalamtes zur Identifizierung der Tsunami-Opfer in Thailand täig. Er ist Autor mehrerer Fachzeitschriften, populärer Sachbücher und Mitautor mehrerer Thriller. Seit 2014 ist er Botschafter des Deutschen Kindervereins. Tsokos lebt mit seiner Familie in Berlin.

Wolf-Ulrich Schüler arbeitet als Journalist bei BILD, wurde 1980 geboren und lebt mit seiner Familie in Berlin.

Christian Hardinghaus: Die Spionin der Charite

Inhalt:

Lily Kolbe, ehemalige Sekretärin des weltbekannten Chirurgen Ferdinand Sauerbruch zerreißt wütend die Zeitung, als erneut an das Hitler-Attentat und den Widerstand um Stauffenberg erinnert wird, die Welt aber nichts vom Widerstand einer kleinen Gruppe bekannt ist, die sich innerhalb der Berliner Charite zu Kriegszeiten gebildet hatte.

Die acht Mitglieder hatten sich geschworen, ihre Aktionen geheim zu halten, doch jetzt will Lily ihr Schweigen brechen. Sie wendet sich an Eddie Bauer, einem Journalisten, erzählt ihre Geschichte, und bringt damit einen Stein ins rollen, der die Geister der Vergangenheit weckt. Plötzlich wird Lily von längst vergessenen Feinden bedroht, auch der Journalist verhält sich merkwürdig. Wen kann sie noch trauen? (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:

Es liegt in der Natur der Sache, dass ich mich schwer tue, wenn historischer Stoff ins Fiktionale übersetzt wird und aus wahren Begebenheiten eine Geschichte gestrickt wird. Tatsächlich bin ich jetzt kein Fan von historischen Romanen, zumal, wenn ich die Hintergründe der wahren Begebenheit kenne.

In sofern war es ein Fehler, das Sachbuch zur Thematik zuerst gelesen zu haben und erst dann den Roman, dennoch liegt mit „Der Spionin der Charite“ von Christian Hardinghaus im Europaverlag nun ein würdiges Äquivalent zum Sachbuch vor, welches der gleiche Autor über den Chirurgen der Charite, Ferdinand Sauerbruch, geschrieben hat.

Der Handlungsort des Romans ist dann auch im Wesentlichen die berühmte Klinik selbst, doch zunächst geht es etwas weniger weit zurück in die Vergangenheit. Der Leser erlebt Lily Kolbe, als wiederholt über das Attentat des 20. Juli 1994 berichtet wird. Es ist Jahrestag des selben und die ehemalige Sekretärin des oben erwähnten Chirurgen ärgert sich darüber, dass niemand vom ebenso mutigen Widerstand der Mitarbeiter der Klinik weiß.

Natürlich selbst schuld, da sich die Mitglieder des kleinen „Donnerstagclub“ geschworen hatten, niemanden etwas von ihren Aktionen zu sagen, doch in Lily brodelt es. Sie beschließt, den Journalisten Eddie Bauer zu kontaktieren und ihm ihre Geschichte zu erzählen. Doch, die Vergangenheit holt sie schneller ein als ihr lieb ist. Bald weiß sie nicht mehr, wen sie noch trauen kann. Auch Bauer verhält sich zunehmend merkwürdig.

Dies ist das Grundgerüst der Geschichte, die in größeren Abständen zwischen den Zeiträumen und damit auch der Handlungsebene wechselt. Mehr sei zum Inhalt jedoch auch nicht verraten. In kurzweilig einschlägigen Kapiteln schreitet die Handlung voran. Erst langsam, dann mit zunehmenden Tempo. Die Hauptprotagonistin gewinnt mit zunehmender Seitenzahl an Tiefe. Wahrheit und fiktion wurden hier, Zeile für Zeile, gekonnt miteinander verwoben.

Die Wendung zum Ende hin ist logisch, erfolgt aber gefühlt etwas zu abrupt. Das funktioniert, wenn man das Sachbuch „Ferdinand Sauerbruch und die Charite – Operationen gegen Hitler“ noch nicht gelesen und sich allgemein mit der Geschichte zu wenig beschäftigt hat. Anderenfalls verliert sich ein wenig die Wirkung, die der Autor erzielen wollte.

Hier hätten der Geschichte noch zwanzig bis fünfzig Seiten mehr gut getan, um die Lücke zu füllen, was aber durchaus anders sein kann, wenn man zuerst dieses Werk und dann das Sachbuch liest. Diesen kleinen Abstrich muss ich hier machen, kann jedoch ansonsten eine Empfehlung aussprechen für die, die gerne neuzeithistorische Romane lesen und etwas über ein wenig bekannteres Kapitel der deutschen Geschichte erfahren bzw. sich erst einmal da herantasten möchten. Es funktioniert.

Autor:

Christian Hardinghaus wurde 1978 in Osnabrück geboren und ist ein deutscher Historiker, Schriftsteller und Fachjournalist. Nach seinem Studium der Geschichte, Literatur- und Medienwissenschaft (Film und TV) promovierte er an der Universität Osnabrück im Bereich Propaganda- und Antisemitismusforschung.

Im gleichen Jahr absolvierte er den Lehrgang Fachjournalismus an der Freien Journalismusschule. 2016 erwarb er zudem den Abschluss für das gymnasiale Lehramt in den Fächern Deutsch und Geschichte. Er ist Autor zahlreicher Sachbücher und Romane. Hardinghaus lebt in Osnabrück.

Christian Hardinghaus
Die Spionin der Charite
Seiten: 240
ISBN: 978-3-95890-237-4
Europaverlag

Christian Hardinghaus: Ferdinand Sauerbruch und die Charite

Inhalt:

Ungeachtet seiner medizinischen Verdienste zählt Ferdinand Sauerbruch zu den umstrittensten Ärzten des letzten Jahrhunderts. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg dominierte ein fast heroisches Bild des Menschen und Mediziners, der ab 1928 als Professor für Chirugie an der Berliner Charite arbeitete. Dafür gesorgt hat er teilwesie selbst, doch seit Beginn unseres Jahrhunderts wird der Blick zunehmend kritischer.

Sympathie, ja sogar Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten, wirft man dem Chirugen vor. Christian Hardinghaus begab sich auf Spurensuche und recherchierte. Herausgekommen dabei ist die erste umfassende Biografie dieses Arztes. Quellen belegen seinen Einsatz für Juden und andere politisch Verfolgte und Sauerbruchs Unterstützung des Widerstands gegen Hitler. Der Mediziner Ferdinand Sauerbruch muss neu bewertet werden. (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:

Das berühmteste und bekannteste Krankenhaus Deutschlands, die Charite, hat eine lange und wechselhafte Geschichte vorzuweisen, die immer wieder auch medizinische Standards setzte und bedeutende Ärzte und Forscher hervorbrachte. Zu den Bekannteren unter ihnen gehört nicht zuletzt Ferdinand Sauerbruch, der in den 1930er Jahren dort als Chirug arbeitete und dessen Ruf ihn vorauseilte.

Doch, war er wirklich der „Halbgott in Weiß“, als der er in einer mit Hilfe eines Ghostwriters geschriebenen Biografie dargestellt wurde oder eher ein Kollaborateur der Nazis, wie ihn spätere Berichte nannten? Der Journalist und Autor Christian Sauerbruch begab sich auf Spurensuche. Herausgekommen dabei ist eine umfassende, alle Aspekte beleuchtende, Biografie.

Der Autor beginnt bewusst nicht mit der Geschichte Sauerbruchs selbst, sondern stellt zunächst in Kurzform die des Krankenhauses vor, was erklärt, warum die Charite später die Bedeutung erlangen konnte, die sie noch heute inne hat. Erst dann widmet sich Hardinghaus den Privat- und Berufsmenschen Sauerbruch und beschreibt, gestützt auf Tagebücher, niedergeschriebene Augenzeugenberichte und Archivmaterial, minutiös den Aufstieg und Werdegang eines Schülers zum Studenten, bis hin zum später bedeutenden Arzt.

Seine Genialität, die ihm half, medizinische Unterdruckkammern zu entwickeln, mit denen erstmals Operationen am offenen Brustkorb möglich wurden, wird ebenso beleuchtet, wie die eigene Entwicklung von protesen für Geschädigte des Ersten Weltkrieges, aber auch außergewöhnliche medizinische maßnahmen, die landesweit Aufsehen erregten.

Der Autor geht dabei sehr tief ins Detail und beleuchtet diese, wie auch die persönliche, etwas schwierigere Seite eines Mannes, den später vor allem in drei Punkten seines Lebens Anschuldigungen treffen sollten, die den Ruf des Mediziners auseinander nahmen.

Doch, was ist an den Kritikpunkten dran, auch dies verliert der Autor nicht aus den Blick. Jeder einzelne wird beleuchtet, Hintergründe erklärt und im Spiegel des Zeitgeschehens und dem, was wir heute wissen, beleuchtet.

Herausgekommen ist eine lesenswerte und vor allem kurzweilige Biografie, die ein differenziertes Bild auf einen Mediziner ermöglicht, dessen Wirken auch in Kriegszeiten weit über die Grenzen Deutschlands Beachtung fand, ihn und die direkt mit ihn in Kontakt Gestandenen schützten und vor allem ein Stück Berliner Personengeschichte, die nicht vergessen werden sollte.

Anhand von Augenzeugenberichten, Tagebucheinträgen und Archivmaterial, aufgelockert durch Fotografien und Skizzen, etwa medizinischer Apparaturen, ist ein bedeutendes Stück Medizingeschichte zu lesen. Selbst für medizinische Laien.

Der Schreibstil von Hardinghaus packt wie in einem Roman, nur dass mit „Ferdinand Sauerbruch und die Charite“ fast ein literarisches Sachbuch vorliegt. Wobei das Sachbuch eindeutig überwiegt. Die Recherchearbeit merkt man dabei auf jeder einzelnen Seite, das wirkliche Interesse, die Person zu ergründen, ebenso.

Der Autor zeigt einen Mann zwischen Berufsethos, Anpassung und Widerstandsgeist, Genie und Wahnsinn und einen besonderen Menschen in besonderer Zeit, der sich für nicht besonders hielt, seiner Wirkung aber bewusst war. Skalpell bitte.

Autor:

Christian Hardinghaus wurde 1978 in Osnabrück geboren und ist ein deutscher Historiker, Schriftsteller und Fachjournalist. Nach seinem Studium der Geschichte, Literatur- und Medienwissenschaft (Film und TV) promovierte er an der Universität Osnabrück im Bereich Propaganda- und Antisemitismusforschung.

Im gleichen Jahr absolvierte er den Lehrgang Fachjournalismus an der Freien Journalismusschule. 2016 erwarb er zudem den Abschluss für das gymnasiale Lehramt in den Fächern Deutsch und Geschichte. Er ist Autor zahlreicher Sachbücher und Romane. Hardinghaus lebt in Osnabrück.

Christian Hardinghaus
Ferdinand Sauerbruch und die Charite
Seiten: 234
ISBN: 978-3-95890-236-7
Europaberlag

Michael Tsokos: Sind Tote immer leichenblass?

Sind Tote immer leichenblass? Book Cover
Sind Tote immer leichenblass? Michael Tsokos Sachbuch Droemer Knaur Erschienen am: 01.03.2018 Taschenbuch Seiten: 187 ISBN: 978-3-426-78824-0

Inhalt:

Werden Mordopfer tatsächlich von den Angehörigen in der Rechtsmedizin identifiziert? Sind Rechtsmediziner wirklich bei der Verhaftung eines Verdächtigen dabei? Nehmen sie gar an der Vernehmung von Zeugen teil? Szenen wie diese gehören zum Standardrepertoire von Fernsehkrimis. Doch mit der Realität haben sie nichts zu tun. Professor Michael Tsokos, Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, nimmt die bizarrsten Irrtümer aufs Korn. Er erläutert die teils groben Fehler und informiert so spannend wie realitätsnah über die Mittel und Methoden der Rechtsmedizin. (Klappentext)

Rezension:

Wer gerne sich von Krimis im Fernsehen berieseln lässt oder zur Entspannung einen Thriller in die Hand nimmt, sollte dieses Sachbuch, geschrieben von Deutschlands populärsten Rechtsmediziner, nicht lesen. Danach nämlich, wird man dieses Genre mit ganz anderen Augen und vor allem kritischer betrachten. Tatsächlich strotzen Sendungen wie CSI oder der Tatort nur so vor Fehlern und im Laufe der Zeit wurden dort dargestellte Szenen beinahe zu Tatsachen.

Zumindest für die jenigen, die wirklich nur per Bildschirm mit diesen doch sehr eigenwilligen Berufszweig in Berührung kommen. Doch, wie sieht es hinter den Kulissen wirklich aus? Was ist etwa der Unterschied zwischen der oftmals gleichgesetzten Pathologie und Rechtsmedzin? Sind tote immer leichenblass? Ist die Todesursache bei Erhängen immer Genickbruch? Diese und andere Fragen hat sich Michael Tsokos gestellt und klärt in kurzweiligen Kapiteln auf.

In kurzen Abschnitten werden jeweils vierzig Irrtümer aufgeklärt, die im Laufe der Zeit durch die Medien und durch das Halbwissen der Menschen entstanden sind. In einfacher Sprache, leicht verständlich, gibt der Autor Einblick in seine Arbeit, oft mit einem Augenzwinkern. Von wegen, Rechtsmediziner haben keinen Humor. Häppchenweise kann man sich der einen oder anderen Frage entledigen. Wer bisher gerne Krimis geschaut hat, für den ist das auch alles nicht zu starker Stoff. Allen Anderen sei Vorsicht geraten.

Witzig illustriert, der Tod hat Humor, ist dieses kleine Büchlein auch noch und so ergibt sich ein buntes Lexikon mit Fragen rund um die Rechtsmedizin, jedoch mit den Nachteil, dass man danach das, was uns täglich im Abendprogramm suggeriert wird, nicht mehr ernstnehmen kann. Dazu ist das Thema zu ernst und unterschätzt, ohnehin, gleichwohl der Autor zugibt, zugunsten der Dramaturgie so manche Szene als zulässig zu betrachten.

In vielen Punkten möchte Tsokos jedoch Verständnis und Wissen für seine Arbeit verschafen, was ihn hier zweifellos gelingt. In anderen Dingen hätte man sich manchmal sogar einen noch tieferen Einblick in die Rechtsmedizin gewünscht. Das, als einziger Kritikpunkt.

Autor:

Michael Tsokos wurde 1967 in Kiel geboren und ist ein deutscher Rechtsmediziner und Professor an der Charite in Berlin. Er leitet seit 2007 das dortige Institut für Rechtsmedzin, gleichzeitig das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berrlin-Moabit. Zudem ist er Leiter der Gewaltschutzambulanz der Charite.

1998-99 nahm er an der Exhuminierung und Identifizierung von Leichen aus Massengräbern des Bosnienkrieges und im Kosovo teil, 2004-05 war er im Auftrag des Bundeskriminalamtes zur Identifizierung der Tsunami-Opfer in Thailand täig. Er ist Autor mehrerer Fachzeitschriften, populärer Sachbücher und Mitautor mehrerer Thriller. Seit 2014 ist er Botschafter des Deutschen Kindervereins. Tsokos lebt mit seiner Familie in Berlin.

Sharad P. Paul: Die Wunderwelt der Gene

Inhalt:
Unsere evolutionäre Vergangenheit und unsere genetische Veranlagung bestimmen die Funktionsweise unseres Körpers. Der Arzt und Evolutionsbiologe Dr. Sharad P. Paul hat einen revolutionären Ansatz entwickelt, der es uns ermöglicht, unsere Gesundheit über unsere Gene positiv zu beeinflussen – für schöne Haut in jedem Alter, ein gesundes Herz, mehr Energie sowie ein gesteigertes Erinnerungsvermögen.

Er beschreibt die Rolle der Gene in unserem Körper, geht ihrer Entwicklung nach und zeigt, wie wir sie für unsere Gesundheit nutzen können. Dr. Sharad P. Paul bietet eine spannende Einführung in die Zusammenhänge wischen Evolution, Gesundheit und der Wunderwelt der Gene und wie diese durch Lebensstil, Ernährung, Bewegung, Stressmanagement und Lebenseinstellung beeinflusst werden. Mit zahlreichen Fallbeispielen und Studien. (Verlagstext)

Rezension:
Äußere Umwelteinflüsse verändern unseren genetischen Code, auch mit unserer eigenen Lebensführung nehmen wir darauf Einfluss. Eine Gleichung, die jahrhundertelang funktioniert hat, gerät ins Wanken. Immer mehr Menschen entwickeln Unverträglichkeiten, etwa gegen Gluten oder gegen Milch, andere sind so eingespannt, dass Stressfaktoren Tumore begünstigen. Woran liegt das?

Gerät das genetische Gleichgewicht ins Wanken oder ist das ein Prozess, den wir für uns selbst ins Positive verändern können? Der Arzt Dr. Sharad P. Paul untersucht seit Jahren unsere Gene und deren Wirkung, hinterfragt, welche Gene dafür sorgen, dass wir bestimmte Fette zu uns nehmen können, andere nur schlecht verarbeiten, warum Einige von uns Kaffee vertragen, andere nicht und welche Auswirkungen es auf’s Gehirn hat, wenn wir durchschnittlich immer dicker werden. Alles eine Sache der Gene.

Der revolutionäre Ansatz, einen Lebensstil angepasst an unsere Gene zu führen, die bei jedem von uns unterschiedlich stark ausgeprägt sind, setzt sich immer mehr durch. Schließlich kann heute auf vielerlei Unverträglichkeiten hin getestet werden, es gibt Medikamente, die unseren Körper gegen Volkskrankheiten wie Diabetis unterstützen und Gentests, die vorbeugend genutzt werden können, um mit unserer Lebensführung dann gezielt entgegen zu wirken.

Dabei predigt der Autor nicht mit erhobenen Zeigefinger, sondern mahnt, mehr auf unser eigenes Körpergefühl zu achten, darauf zu schauen, was und wie wir essen und letztendlich leben. Er zeigt, dass unsere Gene Schlüssel von allem sind, aber auch, wie wir mit unserem Einfluss uns ein besseres und längeres Leben verschaffen können.

Paul zeigt auf, wie sich unsere Gene im Laufe der Evolutionsgeschichte entwickelten und welche Auswirkungen dies noch heute hat, in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft schnelllebiger ist als jede genetische Veränderung es sein kann.

Es ist ein interessantes aber hoch komplexes Thema und so kommt der Autor nicht ganz weg von seiner sehr wissenschaftlichen Denk- und letztendlich Schreibweise. Das ist dem Thema durchaus angemessen, macht aber das Lesen ohne Vorbildung ungemein schwierig.

Welcher Laie kann sich schon die Unterschiede zwischen recht ähnlich bezeichneten Genen auf Anhieb merken, wenn immer wieder mit Abkürzungen gearbeitet wird, die vielleicht im Fachjargon geläufig sind, aber den Leser zum ersten Mal vor die Füße geworfen werden? Ständig erwischt man sich beim Hin- und Herblättern. Moment, wie war das nochmal?

Das ist schade, denn der Ansatz, ein Buch für Laien zu dieser Thematik zu verfassen, ist großartig und man findet auch irgendwann hinein, in die Erklräungen, die in sich geschlossen und logisch sind, aber bis dahin, mindestens aber die Hälfte des Buches über, muss man sich durchkämpfen.

Und das zehrt an den Nerven, wobei man sich, und da sind wir wieder beim Thema, fragt, ob dies an den Genen des Lesers liegt oder eben an der Art des Autoren Dinge verständlich machen zu wollen.

Im großen und ganzen wird hier aber ein neuer medizinischer Ansatz vorgestellt, der immer mehr an Boden gewinnt. Warum nicht einfach Unverträglichkeiten, nur ein Beispiel, annehmen und unsere Lebensweise darauf umstellen, durch unsere Lebensführung unsere Gene dann so beeinflussen, dass sie uns keine Lebensqualität nehmen, ja sogar, dass wir welche dazugewinnen.

Bitterer Beigeschmack, diesen Gentest, der über 21 Gene und ihre Auswirkungen teset, vom Autoren mit entwickelt, wird am Ende angepriesen. Theoretisch kann ihn jeder machen, anhand einer Speichelprobe. Die Testergebnisse bekommt man dann in englischer Sprache zugeschickt.

Allerdings nur, wenn man sich das auch leisten kann. Der Schlüssel zur Gesundheit liegt eben nicht nur in unserer DNA, leider eben auch im Portemonaie.

Autor:
Dr. Sharad P. Paul ist Arzt, Chirug und Evolitionsbiologe. Zudem arbeitet er als außerordentlicher Professor an der Auckland University of Technology sowie als Dozent an verschiedenen anderen neuseeländischen Universitäten. 2003 wurde ihm der Health Innovation Award verliehen, 2012 der Chair’s Award.

Geboren in England, seine Kindheit in Indien verbracht, lebt er heute in Australien unde Neuseeland. Er ist Mitentwickler eines Gentests, mit denen sich die meisten körperlichen Unverträglichkeiten auffinden lassen, die durch unseren Alltag zustande kommen.

Dr. Sharad P. Paul
Die Wunderwelt der Gene
Seiten: 348
ISBN: 978-3-95803-137-1
Verlag: Scorpio

Lorenz Wagner: Der Junge, der zu viel fühlte

Der Junge, der zu viel fühlte Book Cover
Der Junge, der zu viel fühlte Lorenz Wagner Rezensionsexemplar/Sachbuch Europaverlag Erschienen am: 21.09.2018 Hardcover Seiten: 214 ISBN: 978-3-95890-229-9

Inhalt:

Henry Makram zählt zu den bekanntesten Hirnforschern der Welt. Seine Arbeiten gewinnen Preise, die größten Universitäten umwerben ihn, doch dann wird sein Sohn Kai geboren. Schnell wird klar: Kai ist anders, er ist Autist. Henry fühlt sich so hilflos wie alle Eltern. Schmerzhaft wird ihn bewusst, wie wenig seine vielbeachteten Aufsätze ihn zu helfen vermögen und so stürzt sich der Forscher auf die Frage, was Autismus wirklich ist.

Erst als sich der Blick des Wissenschaftlers mit dem des Vaters verbindet, gelingt nach Jahren der Durchbruch. Seine Erkenntnisse stürzen um, was wir bisher über Autismus zu wissen glaubten. Lorenz Wagner hat Makram und seinen Sohn begleitet. Beide haben ihm ihre Geschichte erzählt.

Rezension:

Wer über Autismus spricht, meint zumeist eine bestimmte Spielart dieses Syndroms. Wir alle kennen Filme wie Mercury Puzzle oder Rain Men. Einigen von uns ist vielleicht die Reportage im Gedächtnis, wo für ein Autist über eine Häuserskyline geflogen wurde und diese hinterher fenstergenau auf einen Bogen Papier zeichnen konnte.

Zwischen vollständiger Zurückgezogenheit und Hochintelligenz scheint es nichts anderes zu geben und doch umfasst Autismus unzählige Varianten. Wer einen Autisten kennt, kennt genau einen und so ist es schwierig, ein allgemeingültiges Bild zu bekommen.

Das gilt für Laien, aber auch für die Wissenschaft. Zumindest seit kurzem. Einem, den das schmerzhaft bewusst wurde, ist der Hirnforscher Henry Makram. Der Journalist Lorenz Wagner hat ihn einige Wochen begleitet und dessen Geschichte aufgeschrieben.

Henry Makram ist nicht irgendwer, sondern jemand, der sein Fachgebiet versteht. Dort anerkannt, forschte er über Jahre hinweg über Zusammensetzung und Kommunikation zwischen Gehirnzellen und entwickelte sich zu einem gefragten Experten.

Seine Aufsätze waren viel beachtet, doch muss selbst eine Koryphäe irgendwann an seine Grenzen stoßen. Das geschah bei Makram jedoch nicht im wissenschaftlichen, sondern im privaten Bereich, als sein Sohn geboren wurde, der sich anders und langsamer entwickelte als gleichaltrige Kinder.

Schnell ist klar, Kai ist Autist und so stürzte Henry sich zur Problemlösung auch hier in die Forschungen. Was ist Autismus? Wodurch wird es ausgelöst? Wie kann man Betroffenen helfen und zugleich Verständnis der Mitmenschen für eben diese fördern?

Ein ums andere Mal stehen der Hirnforscher und sein Team vor einer Lösung, scheitern jedoch immer wieder, bis sie alle bisherigen Erkenntnisse in Frage stellen. Dann gelingt der Durchbruch. Lassen sich die Erkenntnisse auf die Allgemeinheit der Autisten übertragen? Der Rest der wissenschaftlichen Welt ist skeptisch und Kai, seinem Sohn, ist noch immer nicht geholfen.

Lorenz Wagner hat die Familie Makram über Wochen begleitet, für eine Reportageriehe des SZ-Magazins, aus der dieses Buch entstand.

Zunächst skeptisch, da ich selbst mit einer Spielart von Autismus umgehen muss, auch mit anderen Autisten im Alltag zu tun habe, Vorurteile kenne und Verallgemeinerungen skeptisch gegenüber stehe, war ich doch neugierig über die Ansichten Henry Makrams, der eine neue Sichtweise in die noch junge Autismusforschung hinein gebracht hat, die jedoch immer mehr Anhänger gewinnt.

Bisher war es so, dass in der Arbeit mit Autisten empfohlen wurde, diese bestimmten Reizen auszusetzen, um sie so in die „normale“ Welt zurück zu holen. was aber, wenn genau das falsch ist?

Wenn man eher die Zurückgezogenheit und Reizarmut fördern sollte, um sich so der Gefühlswelt von Autisten anzunähern? Was, wenn Autisten nicht gefühlsarm wären, sondern sich zurückzogen, weil sie in einer reizüberfluteten Welt zu viel fühlen mussten?

Waren dann nicht alle bisherigen Behandlungsansätze falsch? Wie genau muss sich unser Bild von Autismus ändern, damit Betroffene als vollwertig angesehen werden? Muss sich die Umgebung nicht den Autisten anpassen, nicht umgekehrt?

Der Journalist, der den Forscher und dessen Familie begleitet hat, entwarf das interessante Portrait eben dieser, welches zugleich den jüngeren Wandel in der Autismusforschung wiederspiegelt. Entstanden ist ein hoch interessantes Buch, welches die neuen Ansätze, die langsam in Betrachtung der Autisten Fuß fassen, Laien und Interessierten, sowie Angehörigen von Betroffenen, verständlich näher bringt.

Tatsächlich kann ich nicht wenige Erkenntnisse Makrams auf mich übertragen, die aus den Betrachtungen seines Sohnes Kai und aus seinen Forschungen heraus entstanden. Die neuen Ansätze werden in Zukunft helfen, einen freundlicheren und verständnisvolleren Umgang mit Autisten zu fördern, alleine dies ist schon ein großer Verdienst Makrams für die Forschung, denWagner hier hervorhebt.

Es geht jedoch noch weiter. Der Journalist beschreibt in verständlicher und einfacher Sprache, Laien zugänglich, in wie weit Henrys Arbeiten dazu beigetragen haben, Aktivitäten des menschlichen Gehirns zu entschlüsseln, wobei man mit den Forschungen noch lange nicht am Ende ist, und warum Tierversuche bis zu einem gewissen Punkt wichtig waren, um heute vielfach ohne Tierversuche auszukommen.

Diese kleinen Exkurse, die alle aus der beschäftigung mit Autismus heraus entstanden, zeigen zugleich den Wandel der medizinischen Wissenschaft und der Wirkung, die neue Erkenntnisse haben können.

In sofern ist dieses Portrait eben nicht nur Betroffenheitsbericht und Familiengeschichte, sondern zeigt auch den Wandel in der jüngeren Medizingeschichte. So einfach und verständnisvoll, dabei nicht einseitig und sehr aufgeschlossen betrachtet, liest man dies noch viel zu selten, weshalb jeden Interessierten die Lektüre zu empfehlen ist.

Manche Erläuterungen zwar, hätte ich mir persönlich etwas ausführlicher gewünscht, doch auch so dürfte Wagners feinfühlige Erzählweise und Makrams differenzierte Autismusforschung das Bild verändern, welches wir von Autisten haben. Dies ist Beider Verdienst.

Autor:

Lorenz Wagner wurde 1970 geboren, studierte u.a. Romanistik und schloss ein Wirtschaftsstudium ab. Nach dem Volontariat arbeitete er für die Financial Times Deutschland als Redakteur, derzeit schreibt er für das Magazin der Süddeutschen Zeitung. Bekannt wurde er durch das einzige private Interview mit BMW-Erbin Susanne Klatten.

Seine Artikel wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit den Theodor-Wolff-Preis. Zu den meistgelesenen Artikeln wurde die Erzählung der Geschichte des Hirnforschers Henry Makrams und seines autistischen Sohnes, woraus dieses Buch entstand.

S.E. Miederer: Arme Schlucker – wahre Geschichten aus dem Leib gezogen

Inhalt:
Die Gründe, aus denen Menschen Dinge verschlucken, sind so unterschiedlich wie die Gegenstände selbst. Ob nun der Insassse eines Gefängnisses, der sich ein paar Tage Krankenhaus erschleichen möchte, oder der Gast einer Party, der aus Versehen das Häppchen samt ungenießbarer Deko verschluckt – dank medizinischer Errungenschaften können in den meisten Fällen die Fremdkörper komplikationslos wieder entfernt werden.

Prof. Dr. S. E. Miederer erzählt erschreckende, witzige, skurrile Geschichten aus seinem Alltag als Gastroenterologe – dokumentiert mit zahlreichen abbildungen. Die hier vorgestellte Sammlung ist zum Teil im Deutschen Museum Bonn zu besichtigen. (Klappentext)

Rezension:
Entscheidend ist, was hinten raus kommt. Wenn etwas raus kommt. Im schlechten Falle bleibt es stecken. Dabei können erstaunlich viele Dinge den menschlichen Verdauungstrakt problemlos passieren, auch wenn sie überhaupt nicht zum Verzehr geeignet sind. Manchmal jedoch hilft nur ein kleiner medizinischer Eingriff, um der Lage Herr zu werden.

Prof Dr. Miederer, erfahrener langjähriger Gastroenterologe erzählt, anonymisiert natürlich, die Geschichten seiner Patienten und der Fundstücke, die er seiner Sammlung im Laufe der Jahre einverleibte. Warum verschluckte ein kleiner Junge etwa eine Batterie, was passiert, wenn die Leidenschaft Leiden schafft und wenn mal Ebbe im Portemonaie ist, kann der Blick -ins- eigene Kind nicht schaden? Vielleicht findet sich ja dort noch die eine oder andere Münze.

Da fällt die in meiner Kindheit verschluckte Platik-Pommesgabel nicht mal ins Gewicht. 🙂 Sie fand den natürlichen Weg.

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Angehenden Medizinern und all den anderen Interessierten ist dieses kleine Büchlein zu empfehlen, in dem mit viel Humor beschrieben wird, wie die Patienten aus ihrer misslichen Lage befreit wurden, die dann zumeist (nicht immer) im Positiven endete.

Amüsant zu lesen sind die Geschichten und irgendwie ist es auch beruhigend, dass die meisten Gegenstände problemlos entfernt werden können. Nicht zu unterschätzen ist dennoch der Struwwelpeter-Effekt, den die Lektüre zweifellos haben dürfte, bei Kindern und Erwachsenen. Die Sammlung der Gegenstände ist heutzutage in Bonn zu bewundern.

Kurzweilig, lockerer Schreibstil, sehr episodenhaft gliedert sich das Buch. Die Kapitel gliedern sich in die Art des „Verschwindens“ der Gegenstände mit derer erfolgten Auflistung und dann der jeweiligen Situationsbeschreibung.

Medizinisches Fachchinesisch hat der Autor vermieden, wo er jedoch nicht umhinkommt, entsprechendes Vokabular zu verwenden, wird dieses im Text erklärt, sowie der jeweilige Eingriff anschaulich beschrieben. Die jeweiligen Gegenstände sind entsprechend abgebildet. Wer ein wenig schmunzeln möchte, für den ist dieses Büchlein zu empfehlen. Für alle anderen auch. Nur aufpassen sollte man, falls man sich dabei etwas in den Mund steckt. Man könnte es ja verschlucken.

Autor:
Prof Dr. S.E. Miederer wurde 1942 in Berlin geboren, wuchs in bayern auf und studierte an der Universität Erlangen Medizin, wo er promovierte. Er ist Mit-Entdecker des lebenswichtigen Akute-Phase-Eiweißes Haptoglobin und entwickelte 1976 das weltweit erste Desinfektionsgerät für flexible Endoskope. Habilitierte er sich für das Fach Innere Medizin und war bis 1987 Leiter der Gastroenterologischen Abteilung, bevor er Direktor der Medizinischen Klinik des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld wurde. Er lebt in Berlin und Bielefeld.

S.E. Miederer
Arme Schlucker – wahre Geschichten aus dem Leib gezogen
Seiten: 95
ISBN: 978-3-86455-841-2
Verlag: edition fischer

Robert H. Lustig: Brainwashed

Inhalt:
Die Lebensmittelindustrie beeinflusst unser Glücksempfinden und schafft es, die entscheidenden Botenstoffe Dopamion und Serotonin zu manipulieren. Doch, wie entsteht aus Belohnung Abhängigkeit und wie lässt sich die endlose Spirale aus Verlangen und schneller Befriedigung durch Konsum durchbrechen?

Wie gefährlich ist der Überschuss des einen Hormons im Gegensatz zum anderen und wie können wir uns gegen den manipulativen Einfluss der Industrie wehren und den richtigen Weg zum Glück finden? (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:
Zucker kann man heutzutage durchaus als eine legale Droge gelten lassen, die zumindest in der westlichen Welt in vielen Ländern subventioniert wird. Doch, was macht es mit uns, wenn sich der weiße Stoff in nahezu allen Lebensmitteln befindet, selbst dort, wo man es nicht vermutet? Wie abhängig werden wir und was ist das überhaupt für ein Prozess, der in unserem Inneren stattfindet?

Der Arzt und Fachmann Dr. Robert H. Lustig hat sich auf die Suche nach Antworten begeben, geforscht und recherchiert. Wie ist das Gleichgewicht von Dopamin und Serotonin, die beiden Botenstoffe, die für unser Glücksempfinden entscheidend sind, durcheinander geraten? Welche Rolle spielt die Lebensmittelindustrie und wie können wir uns dagegen wehren?

Interessante und wichtige Fragestellung werden gestellt und durchziehen diese Publikation, die mehr als Nebenprodukt zu der wissenschaftlichen Forschung des Autors entstanden ist. Zunächst jedoch wird es sehr wissenschaftlich. Beginnend, erklärt der Autor, wie Serotonin und Dopamin in unserem Körper wirken, was das überhaupt ist und welche Weichen dadurch gestellt werden, die dafür sorgen, wie wir z.B. essen und unser Glücksempfinden (oder das vermeintliche) entwickeln.

Diese sehr spezifischen Ausführungen muss man überstehen, um dann die Gedanken des Arztes weiter zu verfolgen, die dieser sich über die Auswirkungen in unserer Gesellschaft, deren Zustand und Auswege daraus entsinnt. Nicht mehr ganz so viel Nachdenken erfordernd, ist dies der leichtere, viel kürze Teil des Buches, denen die meisten Leser wohl folgen können.

Spannend und vielsagen sind beide Abschnitte, doch muss der Leser zunächst eine sehr lange fachliche Erklärung über mehrere Kapitel über sich ergehen lassen, die viele Interessierte wohl bereits die Waffen niederstrecken lässt. Zwar aufgelockert durch ein paar Skizzen der beschriebenen biologischen und chemischen Prozesse, muss man sie vielleicht mehrmals lesen, um sie zu verstehen.

Der letzte Teil, sehr viel weniger umfangreich, dafür verständlicher, ist um so interessanter, doch gerät der Autor oft gefährlich nahe an den Rand so einiger populistischer Werke, die zudem sehr auf die amerikanische Leserschaft gerichtet sind. zwar werden immer wieder auch Vergleiche mit Deutschland aufgeführt, doch hätte man hier deutlicher werden können, um die Gefahr des Hormonbotenstoff-Ungleichgewichts hervorzuheben. Außerdem hat der letzte Abschnitt auch etwas von gewissen Selbsthilfe-Büchern, die alles tun, nur eben nicht helfen.

So ist und bleibt, obwohl schwierig zu lesen und zu verstehen, der wissenschaftliche Teil der inhaltlich stärkste und der, der den Lesern von größerem Nutzen ist. Dafür lohnt es sich, sich durch die Seiten zu kämpfen, bestimmte Abschnitte wiederholt zu lesen und sich vielleicht die eine oder andere Stelle zu markieren.

Man erfährt aus medizinischer Sicht vielleicht nichts Neues, aber der Laie kann ein wenig mehr Verständnis für die zur Sucht und Übergewicht führenden Vorgänge in unseren Körper und Gehirn entwickeln. Und damit wäre doch schon einmal ein wichtiger Schritt getan, oder?

Autor:
Dr. Robert H. Lustig wurde 1957 geboren und ist ein US-amerikanischer Kinderarzt und Professor für Neuroendokrinologie. In new York aufgewachsen studierte er zunächst an der Cornell University Medizin, bevor er an der Rockefeller University auf den Gebiet der Neuroendokrinologie forschte.

Neben zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, erwarb er 2013 einen Master auf den Gebiet der Rechtswissenschaften und gründete eine gemeinnützige Organisation zur Bekämpfung des Metapolischen Syndroms. 2009 wurde er einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als er einen Vortrag über die Rolle von Zucker hielt, für dessen Regulierung er sich einsetzt.

Dr. Robert H. Lustig
Brainwashed
Seiten: 365
ISBN: 978-3-7423-0536-7
Verlag: riva/mvg

Maia Szalavitz: Clean – Sucht verstehen und überwinden

9783868828504-jpg-400x0_q65Autor: Maia Szalavitz
Titel: Clean – Sucht verstehen und überwinden
Seiten: 416
ISBN: 978-3-8688-28504
Verlag: mvg Verlag
Übersetzung: Martin: Rometsch

Inhalt:
Alkohol, Drogen, verschreibungspflichtige Medikamente, Sex, Glücksspiel, Pornografie oder das Internet – heute gibt es mehr Menschen denn je, die von einer Sucht betroffen sind. Doch trotz der hohen medialen Aufmerksamkeit beruhen unser Erklärungsansatz und unsere Therapiemethoden auf veralteten Ideen und Annahmen.

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Michael Schulte-Markwort: Burnout-Kids

978-3-629-13065-5_druck-jpg-34877161Autor: Michael Schulte-Markwort
Titel: Burnout-Kids – Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert
Seiten: 269
ISBN: 978-3-426-78815-8
Verlag: Knaur (Taschenbuch)

Inhalt:
Sie sind einfach fertig. Sie müssen perfekt gestylt sein für den Auftritt in der Klasse. Die Noten müssen sowieso stimmen. Nach Schulschluss wartet schon der Trainer, dann die Klavierlehrerin.

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