Stefanie de Velasco: Kein Teil der Welt

Titel: Kein Teil der Welt Book Cover
Titel: Kein Teil der Welt Stefanie de Velasco Rezensionsexemplar/Roman Kiepenheuer & Witsch Erschienen am: 10.10.2019 Hardcover Seiten: 432 ISBN: 978-3-462-05043-1

Inhalt:
Vom Aufwachsen in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas.

Mit unwiderstehlicher Kraft führt uns Stefanie de Velascos aufrüttelnder Roman in eine Welt, die mitten in der unsrigen existiert und dennoch kein Teil von ihr ist. Klug, rasant und herzzerreißend erzählt er vom Emanzipationsprozess einer jungen Frau, der sämtliche Fundamente zum Einstürzen bringt. (Klappentext)

Rezension:
Unser Grundgesetz legt fest, dass ein Jeder glauben darf, woran er oder sie möchte, so lange man seinem Gegenüber nicht schadet. Dies ist ein Privileg, zumal es noch genug Orte auf der Welt gibt oder es in der Geschichte gab, an denen die jenigen verfolgt wurden, die von den Meinungen der Mehrheitsgesellschaft abweichen oder ganz und gar ihre eigenen Wege gehen.

Doch, was ist, wenn sich die Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft zu sehr abschotten und sich selbst schaden? Stefanie de Velasco erzählt die fiktive Geschichte zweier Mädchen innerhalb der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas.

Die Autorin, die selbst lange Zeit Mitglied der Zeugen Jehovas gewesen ist, erzählt nicht ihre oder eine andere klassische Aussteigergeschichte, sondern stellt dem Leser zwei klassische identifikationsfiguren an die Seite, deren Schicksal man von Zeile zu Zeile atemlos verfolgt.

Zum einen ist da das Mädchen, welches den Glauben mit einer Ernsthaftigkeit praktiziert, dass man als Leser nur den Kopf schütteln kann, dioe jedoch später nach ersten Zweifeln beginnt, zu hinterfragen. Die Erzählerin indes ist die andere Protagonistin, die einfach ihre Ruhe haben, keinen Wandel möchte, doch vom Zweifel ihrer Freundin mitgerissen wird.

Im Wechsel der Zeitebenen wird die Geschichte erzählt. Rückblenden und Gegenwartseindrücke gehen nahtlos ineinander über.

Das ist die Stärke des Romans und zugleich seine Schwäche. Zu Beginn weiß man nicht, wo diese Geschichte einem hinführen wird, welches Ziel die Protagonisten verfolgen. Auch das Lesetempo, welches die Autorin einfordert ist nicht gerade einladend.

Am Anfang fließt der Erzählstrom langsam, doch schon nach dem ersten Drittel wird klar, dass die Figuren sich in immer rasanteren Tempo dem Abgrund nähern. Dies widerum tut der Handlung gut, wenn auch im Mittelteil die Wendung zu abrupt kommt. Hier hätten fünfzig Seiten mehr der Geschichte gut getan.

Stefanie de Velasco erzählt eine nur in Ansätzen autobiografische Geschichte und doch eine, wie sie passieren könnte. Sie zeigt, wie wichtig es ist, auch auf die jenigen zu achten, die außerhalb unserer Gemeinschaft stehen, ohne erhobenen Zeigefinger natürlich, aber dennoch Hilfe anzubieten, wenn stille Zeichen dazu Anlass geben.

Die Autorin erzählt, dass es wichtig ist, auf diese Menschen einzugehen, gleich dem wie fremd die einstige Denkweise sein mag, aber auch wie wichtig es ist, größere Katastrophen zu verhindern, sind doch die Einschnitte ohnehin brutal genug.

Mit der Kraft des Erzählens zeigt „Kein Teil der Welt“ jedoch auch, wie nah Freud und Leid beieinander liegen und das Freundschaft auch dann noch eine Wirkung hat, wenn diese längst vergangen ist. Und da sind dann die Protagonisten dann doch nicht so anders als die Welt um sie herum.

Einige Längen und ein allzu abrupter Wechsel im handlungsverlauf zum Trotz, zieht einem der Roman in seinem Bann, lässt einige Fragen offen und im Leser arbeiten. Das halboffene Ende passt dazu, insgesamt hätten der Erzählung ein paar Seiten mehr Ausführungen gut getan. Im Großen und Ganzen jedoch, lesenswert.

Autorin:
Stefanie de Velasco wurde 1978 geboren und ist eine deutsche Schriftstellerin. Aufgewachsen bei den Zeugen jehovas verließ sie die Religionsgemeinschaft im Alter von 15 Jahren. Nach der Schule studierte sie Europäische Ethnologie und Politikwissenschaft in Bonn, Berlin und Warschau.

Für das Berliner Stadtmagazin Zitty, die FAS und Zeit Online schreibt sie regelmäßig Beiträge. Im Jahr 2013 erschien ihr Debütroman „Tigermilch“, der verfilmt und zahlreich übersetzt wurde. Ein Jahr später wurde sie dafür für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. „Kein Teil der Welt“, ist ihr zweiter Roman.

Behnam T. Said: Geschichte al-Qaidas

Inhalt:
Die Terrororganisation al-Qaida scheint seit der Abspaltung des „Islamischen Staats“ der Vergangenheit anzugehören, doch in Wahrheit führt sie von Südasien über Nordafrika bis nach Europa einen Krieg an vielen Fronten.

Behnam T. Said erzählt anhand neu erschlosssener Dokumente erstmals die ganze Geschichte des geheimen Netzwerks, das seit dem Niedergang des IS zum Auffangbecken für Tausende Dschihadisten geworden ist und an vielen Orten den Krieg schürt. (Klappentext)

Rezension:
Es gibt wohl kaum ein Thema, welches mit so vielen Emotionen belastet ist, wie Terrorismus und die Auswirkungen, die Anschläge im Namen des Terrors haben. Nicht wenige gehen davon auf das Konto gut vernetzter Organisationen, wie etwa den „Islamischen Staat“ oder al-Qaida, die den größten aller Anschläge am 11. September 2001 durchführen ließen.

Mit Folgen, die in der gesamten Welt noch heute zu spüren sind. Doch, die Geschichte al-Qaidas ist lang. Der Islamwissenschafter Behnam T. Said erzählt sie anhand von neu veröffentlichten Dokumenten, die die USA bei der Tötung Bin Ladens sicherstellen konnten und nun freigegeben haben.

Dicht und gut recherchiertes Überblickswissen, nicht immer einfach zu lesen, detailliert genug, um mehr als das in den Nachrichtenportalen befindliche Material bewerten zu können, aber auch nicht zu hoch gegriffen, so dass man als Laie den Ausführungen folgen kann.

Dies bietet die „Geschichte al-Qaidas“, mit Hilfe der der Autor dem Leser nahebringen möchte, wie sich al-Qaida entwickeln konnte, welche Personen mit welchen Hintergründen entscheidende Strippenzieher waren und sind, und vor allem warum. Said beschreibt minutiös, welche Ziele Männer wie al-Zawahiri und Bin Laden verfolgten und welche Strömungen innerhalb der Organisation, diese so wandlungsfähig und gefährlich machen.

Eine übersichtliche Gliederung beleuchtet zunächst Personenbiografien, bevor es dann zu den Anfängen und Stationen der Wegbereiter des Terrorismus‘ übergeht, gefolgt von den Anschlägen des 11. September und seiner Folgen. Für die einzelnen betroffenen Länder, wie auch den arabischen raum und für al-Qaida selbst.

Said verfolgt ebenso die jüngere Geschichte des „Islamischen Staats“ und wagt einen Ausblick auf die Zukunft der Terrororganisation, beschreibt zugleich, warum diese immer wieder Menschen für ihre ideologien zu vereinnamen vermag.

Sehr dichte, alte und neue Quellen, ergeben so ein Gesamtbild, welches eines der ersten sein dürfte, wobei selbst der Autor dieses für nicht statisch hält. Vielmehr weißt er daraufhin, dass in Zukunft noch mehr Dokumente etwa erschlossen werden könnten, wenn die USA diesen Fundus irgendwann vollständig freigibt.

Bis dahin sind kaum mehr als diese Rundblicke möglich und so könnte Saids Werk bis dahin zum Standard avancieren, für alle, die sich ein wenig mehr als mit zweiminütigen Beiträgen in Fernseh- und Nachrichtenmagazinen beschäftigen und vertiefendes Wissen zu diesem schrecklichen Kapitel der jüngeren Geschichte erfahren möchten.

Autor:
Behnam Timo Said wurde 1982 geboren und ist ein deutscher Islamwissenschaftlicher, Buchautor und ehemals nachrichtendienstlicher Analyst. Said studierte in Hamburg islam- und Politikwissenschaft, sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Seit Februar 2018 arbeitet er für die Justizbehörde Hamburg. 2014 promovierte er an der Universität Jena. Insbesondere beschäftigt er sich in den Bereichen Islamismus, Salafismus und Jihadismus, in diesen widerum mit Extremismusprävention und Resozialisierung.

Behnam T. Said
Geschichte al-Quaidas
Seiten: 239
ISBN: 978-3-406-72585-2
Verlag: C.H. Beck

Jan Gerber: Karl Marx in Paris

csm_produkt-10003751_c95a6cca76Autor: Jan Gerber
Titel: Karl Marx in Paris – Die Entdeckung des Kommunismus
Seiten: 239
ISBN: 978-3-492-05891-9
Verlag: Piper

Inhalt:
Seitdem sich die Elendszonen des Weltmarkts erneut ausweiten und die westlichen Metropolen erreichen, wird auch dort wieder verstärkt von Arbeit und Kapital, der Klasse und ihrem Kampf gesprochen: Im 200. Jahr nach seiner Geburt hat Marx erneut Hochkonjunktur.

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John Boyne: Der Junge auf dem Berg

u1_978-3-7373-4062-5Autor: John Boyne
Titel: Der Junge auf dem Berg
Seiten: 302
ISBN: 978-3-7373-4062-5
Verlag: Fischer

Inhalt:
Als Pierrot seine Eltern verliert, nimmt ihn seine Tante zu sich in den deutschen Haushalt, in dem sie Dienst tut. Aber dies ist keine gewöhnliche Zeit: Der Zweite Weltkrieg steht unmittelbar bevor. Und es ist kein gewöhnliches Haus: Es ist der Berghof – Adolf Hitlers Sommerresidenz.

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