Seb Hofmann: Froschperspektive

Inhalt:
Ein abgeliebter, zerschlissener Plüschfrosch ist der Ich-Ersatz und Sprachrohr des kleinen Ronny, der in zerrüttelten Verhältnissen aufwächst und schon in der Kindheit nicht zurechtkommt.

Das wird mit den Jahren nicht weniger schwierig und so steuert er durch Ängste, Illusionen und Sehnsüchte geradewegs in die Katastrophe. Immer mehr werden Ronny und der Plüschfrosch zu ein und der selben handelnden Person. (eigene Inhaltsangabe).

Seinen ersten Roman „Froschperspektive“ schrieb er 2017 auf seiner Pilgerreise, auf den Jakobsweg. Seit seiner Jugend verfasste er Gedichte und Kurzgeschichten, sowie Songtexte, er interessiert sich zudem für Drehbücher.

Rezension:
Es ist zum Verzweifeln und beinahe unerklärlich, warum gerade „Elendsliteratur“ eine so hohe Faszination bei uns hervorbringt. Weil es uns, mit unseren Alltagsproblemchen, die wir groß reden und in Wahrheit doch sehr klein sind, danach besser geht?

Weil wir die Extreme lieben, in menschliche Abgründe eintauchen möchten, das totale Kontrastprogramm zu unserem Alltag suchen? Warum haben Romane, die vor menschlichen Leid triefen, wie etwa „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara , nur solch einen Erfolg?

Eigentlich weiß man ja, was auf einem zukommt und irgendwie will man sich das alles ja dann doch nicht antun. Man liest dann trotzdem oder gerade deswegen weiter.

In dieser Sparte fällt ganz sicher auch diese kleine Novelle, in der ein kleiner Plüschfrosch zum Kanal für all das wird, was im Leben des kleinen Ronny nicht funktioniert. Die Mutter kaum alltagstauglich gibt ihren Sohn kaum halt, im Kindergarten ist er das, was heute wohl als hyperaktiv und unkontrollierbar eingestuft werden würde und die schulische Laufbahn scheitert schon in den ersten Jahren der Grundschule.

Wo der Protagonist da falsch abgebogen ist, lässt sich schon nach ein paar Seiten nicht mehr sagen, nur dass mit fortschreitenden Jahren der Abgrund immer näher rückt. Einzig das ranzige Plüschtier ist ein Freund, durch den der Bengel, mehr wird auch im weiteren Verlauf der Handlung nicht aus ihm, seine wahren Gefühle ausdrücken kann, der aber auch immer wieder die Gefühlswelt der Mitmenschen mit den Füßen tritt.

Das alles steuert rasant auf eine ungeheure Katastrophe zu, detailliert beschrieben mit der Lust das Elend weiterzuverfolgen. Als würde plötzlich ein drittklassiger Privatsender sein Nachmittagsprogramm zwischen zwei Buchdeckeln packen.

Funktioniert gut, hier jedoch auf höheren sprachlichen Niveau, kompakt beschriebene Situationen, die einem nicht loslassen und zum Nachdenken anregen, gleichwohl Ronny und seinen Mitmenschen nicht zu helfen ist. Man erfährt das alles aus der Ich-Perspektive des Protagonisten, was die Novelle zu einem eindrücklichen Leseerlebnis macht.

Seb Hofmann hat hier eine Geschichte aufgeschrieben, die man entweder hassen oder mögen wird. Dazwischen gibt es einfach nichts. Zu viele Kontraste werden gegeneinander gelegt, zu viel Konfrontation und zu unausweichlich die Perspektive des Frosches.

Die können ja in Sekundenschnelle Fliegen mit den Augen fixieren und mit einer Zungenbewegung verschlingen. Aber eben auch Protagonisten in den Abgrund reißen. Und da sage noch einer, die Hoffnung wäre grün.

Autor:
Seb Hoffmann wurde 1985 in sachsen geboren und studierte Jura, politikwissenschaften und Kommunikation in Jena, Leipzig und Wien. Er absolvierte eine Schauspielausbildung und verfügt zudem über einen US-Pilotenschein.

Seb Hofmann
Froschperspektive
Seiten: 233
ISBN: 978-3-96111-459-7
Self-Publishing/Nova MD

Stephan Lohse: Ein fauler Gott

Autor: Stephan Lohse
Titel: Ein fauler Gott
Seiten: 330
ISBN: 978-3-518-42587-9
Verlag: Suhrkamp

Inhalt:
Sommer 1972. Benjamin ist vor einigen Wochen elf geworden. Im nächsten Schuljahr wird er ein Herrenrad bekommen, eine Freundin und vielleicht eine tiefe Stimme. Doch dann stirbt sein kleiner Bruder Jonas. Nachts sitzt Bens Mutter auf einer Heizdecke und weint.

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Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben

Ein wenig Leben Book Cover
Ein wenig Leben Hanya Yanagihara Übersetzer: Stephan Kleiner Roman Hanser Verlag Erschienen am: 30.01.2017 Hardcover Seiten: 960 ISBN: 978-3-446-25471-8

Inhalt:
„Ein wenig Leben“ handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe – ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch.

Immer tiefer werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. „Ein wenig Leben“ ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch. (Verlagstext)

Rezension:
Kein anderer Roman schafft es, das Leben seiner Leser so durcheinander zu wirbeln, so in Frage zu stellen, wie „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Der Werbesatz des Hanser-Verlages: „Sie werden darüber reden wollen.“, ist kein Gerede, sondern Programm.

Nach Beenden der Lektüre wird man sein Leben, seine Freundschaften, seine Beziehungen hinterfragen wollen und nicht nur die der Protagonisten. Dabei beginnt alles recht harmlos.

Wir begleiten vier Freunde, die sich auf den College kennengelernt haben über Jahrzehnte durch ihren Alltag. Erleben ihr privates Glück und ihre Fehlschläge, ihren beruflichen Werdegang und die kleinen Gemeinheiten des Alltags. so weit, so normal. Der Knall natürlich, erfolgt schnell und erwischt den Leser kalt.
Jude, ein charismatischer junger Anwalt, ist die Hauptfigur des Romans, Fixpunkt des Vierergespanns. Alle anderen umkreisen ihn. Niemand kommt nah an ihn heran. Denn, Jude ist es auch, der eine tragische Vergangenheit vor seinen Mitmenschen verbirgt.

Seite für Seite erfährt der Leser darüber mehr, viel mehr als er wissen möchte, und sieht sich einer Abwärtsspirale ausgesetzt aus der es kein Entkommen gibt.
Dicht ist die Abfolge der beschriebenen Ereignisse, erzählt aus den wechselnden Perspektiven der einzelnen Protagonisten. Feinfühlig geht Yanagihara mit ihren Figuren um, allesamt mit Ecken udn Kanten und einer tiefe, die man so manch anderen Roman wünschen würde.

Doch, es ist schwere Kost, welche die Autorin hier vorsetzt. Sensible Gemüter, die keine psychologischen Querelen aushalten können, sei die Geschichte nicht empfohlen. Wer sich aber auf sie einlässt, erlebt vielleicht mit eines der besten Werke der vergangenen Jahre.
„Ein wenig Leben“ erzählt so viel, dass man alles das bekommt, was man erwartet und noch eine ganze Portion mehr. Natürlich ist man ab und an genervt von den Protagonisten.

Natürlich ist es unmöglich, dieses Buch in einem Rutsch zu lesen, ist man nicht gerade so gefühllos wie ein Teelöffel und natürlich wird dieser Roman nicht so schnell verdrängt werden können, zumal die erzählten fiktiven Ereignisse zu nahe gehen dürften aber diese Erfahrungen sind es schon wert, sich darauf einzulassen.
Das gesammelte Elend trifft hier einen einzigen Menschen, der sich sein Leben lang nicht freimachen kann und doch ist es ein Text für eben dieses. Alleine, wer lebt wird triumphieren. Manchmal aber, will man diesen Sieg nicht haben. Aus guten Gründen.

Hanya Yanagiharas Roman lässt uns unser Leben hinterfragen und sollte daher nur mit Beipackzettel verkauft werden. Entweder die Nebenwirkungen sind positiv und negativ. Persönlich gesehen finde ich, abgesehen von einigen Längen in den Kapiteln, ist der Autorin ein großartiges Meisterwerk gelungen.

Wieder andere werden den Roman aufgrund seiner Dichte, Abfolge der Ereignisse, geschilderten Grausamkeiten womöglich hassen. Eben wie in unser aller wenig Leben.

Autorin:
Hanya Yanagihara wurde 1974 in Los Angeles/Kalifornien geboren und ist eine US-amerikanische Journalistin und Autorin. Sie arbeitete als Redakteurin eines amerikanischen Reisemagazins, bevor sie stellvertretende Herausgeberin der Wochenbeilage T: The New York Times Stile Magazine wurde.

Davor lebte sie in Maryland und Texas. Yanigaharas erster Roman erschien 2013. Ihr Roman „A little life“ erschien 2015. Das 2017 im Deutschen erschienene Werk stand auf der Shortlist verschiedener Literaturpreise und wochenlang auf den Bestsellerlisten.

Raquel J. Palacio: Wunder – Julian, Christopher & Charlotte erzählen

Palacio_25528_MR.inddAutorin: Raquel J. Palacio
Titel: Wunder – Julian, Christopher & Charlotte erzählen
Seiten: 350
ISBN: 978-3-446-25528-9
Verlag: Hanser
Übersetzung: Andre Mumot

Inhalt:

Der Welterfolg „Wunder“ erzählt von Auggie, dem Außenseiter mit dem entstellten Gesicht. Nun kommen Julian, Christopher und Charlotte zu Wort. Julian, der Mobber: Eigentlich hat er keinen Grund, so gemein zu sein. Doch durch Auggies Ankunft kehren seine überwunden geglaubten Albträume zurück.

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