Tanja Langer: Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday

Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday Book Cover
Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday Tanja Langer Rezensionsexemplar/Roman Mitteldeutscher Verlag Erschienen am: 06.08.2019 Taschenbuch Seiten: 416 ISBN: 978-3-96311-181-5

Inhalt:
Linda, Übersetzerin aus dem Persischen, lässt sich gern von ihren träumen lenken, und so findet sie sich eines Tages in Lüneburg wieder: Dort lebte ihre kaum gekannte Großmutter Ida unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, geflohen aus Oberschlesien, verwidmet, mit fünf Kindern.

Knapp eineinhalb Meter groß, „arbeitete sie für den Direktor des englischen Kinos“. Dieser Halbsatz entzündet Lindas Phantasie, und schon ist sie mitten in der Zeit der britischen Besatzung, von 1945 bis 1949. Ida schrubbt Wäsche für die Tommys, Ida begegnet Mr. Thursday, Ida fängt bei im im „Astra Cinema“ an, Und das Kino wird zum Gegenbild für die raue Wirklichkeit, durch die Ida und ihre kleine rasselbande sich als „Flüchter“ durchboxen… (Klappentext)

Rezension:
Lebensgeschichten stellen an sich gute Grundlagen für ausschweifende Erzählungen dar, in der man als Leser hineingesogen wird und mit den Protagonisten lebt, liebt oder leidet. Das gelingt auch regelmäßig, denn nichts ist ja spannender als das wahre Leben und so kann der Autor oder die Schriftstellerin schon mal mit der Themenwahl nicht viel falsch machen. Tanja Langer hat dies gewagt und ihrerseits die Geschichte ihrer Großmutter genommen und daraus eine an deren Biografie angelehnte Erzählung veröffentlicht, die nun im Mitteldeutschen Verlag erschienen ist.

Zunächst ist es natürlich die Geschichte einer Frau, die sich beginnt zu emanzipieren, weil sie durch die historischen umstände dazu gezwungen wird und am ende auch die Geschichte des Nachkriegdeutschlands, welches hauptsächlich von Frauen aufgebaut wurde. Die Männer waren entweder in den zurückliegenden Kriegsjahren gefallen oder befanden sich in Gefangenschaft, die Frauen befanden sich auf der Flucht und begannen auf den Trümmern der Geschichte sich einzurichten und ums Überleben zu kämpfen, schließlich sich und ihren Kindern eine Zukunft aufzubauen.

Im Roman ist dies dargestellt durch die Hauptprotagonistin Ida, die in den großflächigen Kapiteln eine starke Identifikationsfigur abgibt, neben der alle anderen verblassen. Über weite Strecken funktioniert dies, trotzdem das so manche Länge mit sich bringt. Hier gefällt besonders die Darstellung des Alltags in einer sehr sonderbaren Zeit. Auch die inneren Konflikte hat die Autorin sehr schön ausgestaltet.

In wechselnder Perspektive wird einmal aus der Sicht der Erzählerin die Gegenwart nachempfunden, hier findet sich die Autorin im Ich einer Übersetzerin des Persischen wieder und dann aus Sicht der Großmutter, die ihren Alltag inmitten der Nachkriegszeit bewältigen muss. Beides für sich genommen starke, suchende und kämpferische Sichtweisen, doch ein letzter Funke, das berühmte tüpfelchen auf dem I bleibt aus.

Das ist schade, denn gerade im Hinblick auf die Idee dahinter, hätte die Autorin detaillierter und ausschweifender erzählen können. Ständig Wiederholungen als Stilmittel stören zudem den Lesefluss, als wären Tanja Langer Synonyme ausgegangen. Das wird dann irgendwann schwierig.

Zu guter Letzt ist das Cover nach, und das ist jetzt persönliches Empfinden, keine gute Wahl. Natürlich hat diese Wahl viel mit Vermarktung und Aufmerksamkeitsziehung einer bestimmten Käuferschicht zu tun und mit Sicherheit eine Berechtigung, doch hätte es hier auch ein geschlechtsneutraleres Cover getan. Mit Abstrichen, wer Kino mag und Überlebensgeschichte in sonderbarer Zeit, sowie starke Frauen, wird sicherlich hier fündig.

Autorin:
Tanja Langer wurde 1962 geboren und ist eine deutsche Regisseurin und Schriftstellerin. Nach ihrem Abitur, 1982, studierte sie Vergleichende Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, philosophie und Politikwissehnschaften in Paris, München und Berlin.

Sie gründete eine Theatergruppe, schrieb und inszenierte eigene Stücke, verlegte sich jedoch ab 1993 auf das Schreiben von Büchern und Beiträgen für Tageszeitungen. 1999 veröffentlichte sie ihren ersten Roman und gründete 2016 ihren eigenen Verlag, den Bülbül Verlag, in Berlin, wo sie mit ihrer Familie lebt.

Edgar Rai: Im Licht der Zeit

Im Licht der Zeit Book Cover
Im Licht der Zeit Edgar Rai Rezensionsexemplar/Roman Piper Erschienen am: 05.08.2019 Hardcover Seiten: 512 ISBN: 978-3-492-05886-5

Inhalt:

In Amerika hat der Tonfilm längst die Kinos erobert, Deutschland verliert mit seinem Stummfilm den Anschluss. Nun soll die mächtige UFA das Land wieder an die Spitze bringen, koste es, was es wolle.

Karl Vollmöller hat fast alles beisammen. Einen gefeierten Oscar-Preisträger, das modernste Tonfilmatelier, den besten Stoff und einen genialen Regisseur. Sein Film „Der blaue Engel“ soll ein neues Zeitalter einläuten, nur die Hauptdarstellerin fehlt noch. Die Dietrich vielleicht? Als Revuegirl ist sie klasse? Doch, sie besitzt keinerlei schauspielerisches Talent, so sagt man. Dennoch… (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:

Kurz vor Beginn der Weltwirtschaftskrise blüht in Berlin das kuturelle Leben. Bars und Revues gibt es nahezu überall, beinahe wöchentlich eröffnen neue Kinos. Schriftsteller, Musiker und Schauspieler geben sich in der deutschen Hauptstadt die Klinke in die Hand. Die Welt dreht sich und Berlin ist kurz vor dem Höhepunkt, im Tanz auf den Vulkan. Es ist das Ende der 1920er Jahre, alles ist erlaubt und noch haben die Nationalsozialisten nicht die Macht ergriffen. Es ist zugleich das Ende und der Beginn einer Ära.

Der Berliner Schriftsteller Edgar Rai entführt uns in das Berlin Heinrich Manns, Erich Kästners und Hans Albers‘ und zeigt, wie der Tonfilm in zuerst kleinen, dann immer größeren Schritten seinen Durchbruch feierte. Zwar gab es schon längst erste Versuche, Bild und Ton in Einklang zu bringen, doch kamen sie vor allem von der anderen Seite des großen Teiches. Noch konnten Stars wie Henny Porten Erfolg um Erfolg feiern. Die neue Zeit hielt dies nicht zurück, Förderer und Visionären wie Karl Vollmöller sei Dank.

In mühevoller Recherchearbeit durch die Berliner Archive ist es hier Edgar Rai gelungen, ein bewegendes Stück Zeit- und Kulturgeschichte in Romanform umzuwandeln. Aus wechselnder Perspektive erlebt der Leser, wie ein Film erschaffen wurde, der für lange Zeit Maßstäbe setzen sollte. Dies gelingt, sind die Protagonisten allesamt greifbar und wandlungsfähig, Identifikationsfiguren die meisten. Vieles wird sich so oder ähnlich abgespielt haben. Die klirrende Athmosphäre ist sehr nah.

Dabei ist dies kein Marlene Dietrich Roman. Biografien und entsprechende Werke gibt es schon zu Hauf, viel mehr findet der Leser eine Liebeserklärung an die Hauptstadt Deutschlands, an eine damals noch neue und nicht wenig kritisch beäugte Filmära und an die Filmschaffenden in Babelsberg, die danach noch häufiger den „Ton angeben“ sollten.

Zweifelhafte Aspekte lässt Edgar Rai jedoch auch nicht außer Acht, so wird das Aufstreben nationalistisch gesinnter Kräfte ebenso thematisiert, wie auch die Fallgräben des Showgeschäfts, denen sich Stars wie Marlene Dietrich oder auch Emil Jannings gegenüber sahen. Vor, während oder nach ihrer eigentlichen Karriere.

Diese Mischung macht den Roman einzigartig und auch oder gerade, wer sich nur am Rande für Marlene Dietrich interessiert, aber Stimmungen aufsaugen und ein wenig Berlin 1920er Jahre spüren möchte, zu einem einzigartigen Schriftstück, dem es sich lohnt, sich hinzugeben.

Es ist empfehlenswert, von einnehmender Sprache und kurzweiligen Inhalt, soll auch bald verfilmt werden. Es bleibt zu hoffen, dass dann der Film genau so beeindruckend wird, wie edgar Rais literarische Vorlage. Heutige Leser wissen ja, dass Marlene Dietrich durchaus schauspielerisches Talent besaß.

In diesem Sinne, unbedingt lesen.

Autor:

Edgar Rai wurde 1967 geboren und ist ein deutscher Übersetzer und Schriftsteller. Zunächst studierte er Musikwissenschaften und Anglistik, bevor er seit 2012 Mitarbeiter einer literarischen Buchhandlung in Berlin wurde. Unter Pseudonym und unter eigenem namen schrieb er verschiedene Romane, lehrte von 2003-2008 an der FU Berlin Kreatives Schreiben. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Rezensiert wurde ein Vorabexemplar des Verlages, daher noch keine Angaben in der Rezension zu Schreibfehlern etc., die gab es nämlich in der Vorabvariante einige. In der Hoffnung, dass der Verlag diese überarbeitet hat, bleiben diese in der Rezension unerwähnt.

Filmblick: Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück

Einen vorhandenen Filmstoff neu zu interpretieren, ist inzwischen Standard in Deutschland geworden und so flimmert auf den Bildschirmen zu Hause und vorher natürlich auf den Kinoleinwänden oft genug alt bekanntes und leider wenig neues. Fast möchte man fragen, ob denn den Filmemachern keine neuen Ideen kämen, doch manchmal lohnt sich der Blick ins Archiv und eine alte geschichte kreativ neu zu erzählen. So geschehen, mit einer Kindergeschichte von Gerhard Holtz-Baumert.

Als der Schriftsteller und SED-Funktionär 1958 die ersten Geschichten über den wohl größten Pechvogel aller Zeiten schrieb, konnte niemand ahnen, welchen Sog diese entwickeln würde, doch schnell wurde die Kinderbuchfigur populär und der erste Film folgte dem zweiten Band auf den Fuße. Das war vier Jahre danach, 1966. Helmut Rossmann, später Physiker, spielte den Jungen im DEFA-Streifen, eine Serie folgte 1986, ebenfalls für das DDR-Fernsehen.

Das Filmplakat zur Neuverfilmung.

Die Hauptfigur Alfons ist ein zehn- bis zwölfjähriger Junge, dessen größter Traum es ist Kosmonaut zu werden und dafür einiges auf sich nimmt. Um sein Ziel zu erreichen, absolviert er ein selbst kreiertes Training, was vor allem aus Karusellfahrten und rohen Eiern besteht, bis ihm schlecht wird. Das Pech ist dabei sein stets treuer Begleiter, wie auch sein Nachname, mit dem er hadert, doch der Junge schlägt sich durch und fällt schon mal vom Sprungbrett einen ehemaligen Schulfreund seines Vaters auf den Kopf. Klar, dass das Ärger gibt, doch mit seinen kreativen Ideen schlägt sich der Blondschopf durch. Der Weg ist das Ziel und Alfons verfolgt dies aller Unkenrufe zum Trotz.

Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück (2019)

Drehbuch: Anja Flade-Schlichter, Mark Schlichter (u.a.)
Regie: Mark Schlichter
Produktion: Nicole Kellerhals, Uwe Schott, Stefan Arndt
Darsteller: Tilman Döbler, Leopold Schill, Lisa Moell (u.a.)
FSK: 0
Verleih: X Verleih

In der Neuverfilmung nun, ist einiges anders. Der Kosmonaut ist nun Astronaut und Alfons‘ größtes Vorbild ist nicht Sigmund Jähn, sondern Alexander Gerst. In „Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück“ spielt neben dem Gros mitteldeutscher Schauspieler (Wolfgang und Stefanie Stumph, Olaf Schubert, Katharina Thalbach, Devid Striesow u.a.) ein hervorragender Tilman Döbler in der Hauptrolle die Erwachsenen an die Wand, darf Emotionen zeigen, besonders in traurigen Momenten unheimlich stark, und von einer Panne in die nächste schlittern. Es gilt, einen Fluggerätewettbewerb zu gewinnen, das Pech abzuschütteln und mit seinen Freunden Benni (Leopold Schill) und Emilia (Lisa Moell) gegen Klassenkameraden und Lehrer zu bestehen. Klar, dass dies für allerhand Wirbel sorgt.

Hervorragend sind die drei Kinderbücher, das letzte 1995 erschienen, in die heutige Zeit übertragen und die Zuschauer von Damals werden viele Szenen wiederfinden, die Kinder von heute vielleicht sich begeistern für die Bücher von damals. Der hervorragende Cast, sowohl auf der erwachsenen Seite als auch der der Kinderdarsteller versetzt im Kolorit einer Kleinstadt, lässt das Ganze zu einer hervorragenden Familienunterhaltung werden, die man sich zielgruppenunabhängig anschauen kann.

Für die Kinder von damals gibt es ein Suchspiel in der Neuverfilmung. Helmut Rossmann, der Darsteller von 1966, hat eine kleine Gastrolle im Film. Na dann, Zitterbacke Hühnerk… .


Filmblick: Ballon

Es ist vielleicht einer der wichtigsten Filme des Jahres. Auf jeden Fall aber einer der interessanteren, wobei die Geschichte hinlänglich bekannt ist.

Zwei Familien beschließen, in einem Dorf der DDR lebend, einen Ballon zu bauen, um in den Westen zu fliehen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Seine Meinung kann man nicht frei äußern, Mangelerscheinungen und Verfall sind Gang und Gäbe und die Zukunft der Kinder ist alles andere als selbstbestimmt. Warum also nicht einmal den Versuch wagen? Schließlich könnte es im Westen allen besser gehen.

Titel: Ballon
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Schauspieler: Thomas Kretschmann, Karoline Schuck, Friedrich Mücke, Jonas Holdenrieder, Tilman Döbler (u.a.)
Länge: 125 Minuten
FSK: 12
Verleih: Studiocanal

Gesagt, getan. In der ganzen Republik kauft man sich den Stoff zusammen. Es wird gerechnet, genäht und konstruiert. Der erste Versuch hebt nicht mal ab, der zweite wandelt sich zur Katastrophe im Sperrgebiet. Erst der der dritte Ballon verhilft zur Freiheit. Bis dahin zieht sich die Schlinge des Ministeriums für Staatssicherheit immer enger, die die Flucht auf jeden Fall verhindern will und auch nach dem Erfolg das Leben beider Familien diesen so unangenehm wie möglich macht. Rache ist süß. Davon aber, erzählt der Film schon nicht mehr.

Genauer gesagt, beide Filme. 1980 bereits wurde mit den Dreharbeiten des ersten Films „Mit den Wind nach Westen“ begonnen. Damals noch unter der Ägide von Disney. Nun hat man sich in Deutschland dieser deutschen Geschichte angenommen. Regisseur ist niemand Geringerer als Michael „Bully“ Herbig, der mit den neuen Film „Ballon“ nun ins ernste Fach wechselt.

Der Versuch ist gelungen. Über sieben Jahre Arbeit, Recherche und Gespräche mit beiden Familien steckte der Bayer in die Vorbereitungen hinein, Stasi-Akten wurden gewälzt und Details liebevoll rekonstruiert. Selbst einen Ballon baute man, um auf digitale Effekte verzichten zu können. Das macht sich in der Qualität des Filmes bemerkbar, der zudem den Fokus der Widersprüchlichkeit und der Jagd der Stasi auf beide Familien noch mehr als sein Vorgänger setzt.

Nicht allen ging es in der DDR schlecht, auch nicht unbedingt den beiden Familien. Es ist aber bezeichnend, wenn der Nachbar, der für Mielkes Ministerium im Ort arbeitete, Westfernsehen empfangen möchte und der Schuldirektor in seiner Rede auf der Jugendweihe-Feier die Jugendlichen erinnert, sie immer im Blick zu haben. Den daraus sich ergebenden Spagat haben die Macher des Filmes überzeugend auf die Leinwand gebracht.

Das liegt zum einem an die detailliert ausgearbeiteten Kulissen. Straßenzüge eines Ortes wurden dafür tagelang abgesperrt und umgestaltet, Trabis wurden angemietet und in Grenzmuseen gedreht. Aber auch, und nicht zuletzt, eben an der Auswahl an Schauspielern. Thomas Kretschmann spielt den Stasi-Offizier so überzeugend, dass es einem nur Schauer über den Rücken laufen lässt. Nicht vergessen, auch Kretschmann hat in seiner Biografie eine Fluchtgeschichte drinnen.

Die Kinder, die von Jonas Holdenrieder etwa oder Tilman Döbler dargestellt werden, machen ihre Sache ebenfalls mit Bravour. Der Pubertäre, der eigentlich gegen seinen Vater rebellieren müsste, tut dies, wenn auch im begrenzten Rahmen, denn die Kellerarbeiten müssen auch von der Tochter des Stasi-Nachbarn geheimgehalten werden und sein kleiner Bruder beginnt sich zu fragen, was zum Teufel ihm die Erwachsenen nur verheimlichen? Kann man ihn denn nicht vertrauen?

Das alles wird rasanter erzählt als in der ersten Verfilmung. Das Damoklesschwert ist noch stärker zu spüren. Alles wirkt drängender, düster und gefährlicher. Am Ende ist es zwar ein wenig zu groß geraten, zu kitschig, aber es sei den Machern verzeihen. Insgesamt liefert „Ballon“ ein solides Ergebnis ab. Kein Popcorn-Kino, in Ergänzung zum amerikanischen Film eine moderne Aufarbeitung historischen Stoffes.

Dieser Film ist wichtig, wie oben bereits beschrieben, erzählt er doch eine Geschichte, die die Jüngeren unter uns schon längst nicht mehr im Kopf haben, zudem ist er eine Parabel dafür, dass es früher auch Deutsche gab, die geflüchtet sind. Den Fingerzeig zum Heute kann man da leicht ziehen. Herbig setzt dabei auf interessiertes Publikum, welches die Geschichte kennt oder sich trotz des bekannten Ausgangs noch einmal näher damit beschäftigen will. Es lohnt sich. Mit oder ohne Vorwissen. Ein Film, den man in jedem Fall eine Chance geben sollte.

IMDb.com – Mit dem Wind nach Westen
IMDb.com – Ballon
Ballonflucht.de
Presseheft zum Film

Rezension zu: Jürgen Petschull – Mit dem Wind nach Westen (Buch)

Marc Sumerak: The art of Harry Potter

Autor: Marc Sumerak
Titel: The art of Harry Potter – Das große Harry-Potter-Buch
Seiten: 364
ISBN: 978-3-8332-3581-8
Verlag: Panini

Inhalt:
Nachdem das Kinopublikum erstmals Bekanntschaft mit den Zauberlehrling mit der blitzförmigen Narbe machte, wurden die Harry-Potter-Filme schnell zur beliebtesten Filmreihe der jüngeren Geschichte. Dieses Buch präsentiert eine visuelle Chronik von Arbeiten der beteiligten Künstler und Filmemacher.

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Jens Bey: Film ab! – Eine Reise zu den spannendsten Drehorten der Welt

https3-eu-west-1-amazonaws-commairdumont-covercloud9783829726702Autor: Laurence Phelan
Bearbeitung: Jens Bey
Titel: Film ab! – Eine Reise zu den spannendsten Drehorten der Welt
Seiten: 128
ISBN: 978-3-8297-2670-2
Verlag: Mairdumont / lonely planet

Inhalt:
Eine Entdeckungsreise zu den Orten, an denen berühmte Filme und TV-Serien gedreht wurden! Mit mehr als 100 Klassikern aus Kino und Fernsehen. (klappentext)

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Kurzblick 2: VDSIS – Still und Stumm – Kurzfilm

Inzwischen ist er gelaufen und hat, auf der Premiere wie auch in den Social Media Kanälen, einen ungeheuren Zuspruch erhalten.

Der VDSIS-Film „Still und Stumm“. Im Januar wurde hier über das Projekt -Von der Straße ins Studio- berichtet, welches im Zusammenhang mit dem Verein Schule ohne Gewalt e.V. Projekte mit Kindern und Jugendlichen initiiert, die eine Alternative zur handfesten Mentalität unserer Öffentlichkeit aufzeigen, die teilnehmenden Kinder in Kommunikation und Selbstbewusstsein stärken sollen.

Dies tut der Verein, in dem er Kinder in die Produktion von kleinen Musik-Clips einbindet. Ob als Darsteller, Ideengeber, Textschreiber, vor oder hinter der Kamera, hier dürfen Jugendliche sich ausprobieren, und am Ende stolz ihr jeweiliges Projekt präsentieren.

Die Resonanz ist dabei von Anfang an sehr hoch gewesen und es war nur folgerichtig, dass über kurz oder lang eine größere Arbeit entstand. Und die wurde am 25.02. in einem Fuldaer Kino präsentiert. Der Film „Still und Stumm„.

Titelsong des Films. "Kinder dieser Erde", gesungen von Julian Busse und einem Kinderchor der VDSIS.

In diesem Film steht die Freundschaft zweier Jungen im Fokus, die Träume wie alle anderen Zehn- oder Elfjährigen haben, doch deren Erreichbarkeit in weiter Ferne liegt. Beide sind Waisen, wachsen bei Pflegefamilien auf und gehen in die örtliche Schule, die von einem drakonischen Direktor geleitet wird, der nichts mehr liebt als Disziplin und Ordnung.

Film: Still und Stumm
Darsteller: Kristo Krebs, Janis Bausch, Jörg Alt
Projekt: VDSIS / Schule ohne Gewalt
Jahr: 2018
Laufzeit: 37:02 Minuten
Produktion: Fulda und Umgebung
Regie: Timm Fütterer
Kamera: Dennis Steib

Und natürlich das Machtausüben über seine Schützlinge, die auch mal mit den Zeigestock gemaßregelt werden. Unbehelligt von anderen Erwachsenen, getragen vom Druck der Kinder untereinander. Keiner sagt und tut etwas dagegen.

Max und Oskar, hervorragend gespielt durch die Schüler Kristo Krebs und Janis Bausch, sind die Leidtragenden.

Letzterer besonders, der ein Freigeist ist und als solcher positiv zu denken vermag und immer wieder bei dem selbstherrlichen Schulrektor (Jörg Alt) unangenehm auffällt. Es passiert, was passieren muss. es komnmt zur Katastrophe, denn alle haben weggesehen, eben still und stumm.

Es ist ein hervorragender Film, der Gewalt, gleich woher sie kommt, verurteilt und dabei ohne erhobenen Zeigefinger aufruft, einzuschreiten, wo immer man sie sieht. Ob nun, wie im dargestellten Fall an Schulen oder auch sonst.

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Kristo Krebs (Max), Jörg Alt (Direktor), Janis Bausch (Oskar)

Das einfühlsame Spiel der Jungen, die Interpretation Jörg alts seiner Rolle als grausamer Rektor oder auch die zahlreichen Nebenrollen, die ihrerseits zum gelungenen Spiel beitragen.

Zusammen mit den Drehorten, die den gemeinen Fuldaer leidlich bekannt sein dürften, ergibt sich eine stimmige Geschichte, wie sie durchaus passieren könnte. um so eindringlicher ist die Botschaft der Filmemacher.

Gleichwohl merkt man dem Projekt an, dass es sich um eine Lowbudget-Produktion (übrigens die erste Filmproduktion in Fulda seit Jahrzehnten) handelt, wenn die Hintergrundmusik zu laut ist oder der gesprochene Text wie abgelesen oder eben ein Gedicht auswendig gelernt und aufgesagt wird, aber es darf hier eben nicht der Maßstab einer professionellen Filmproduktion angesetzt werden.

Hier geht es um mehr. Um den Inhalt, die Leidenschaft, mit denen die Macher und Darsteller für dieses Projekt stehen, und den Potential insbesondere von Janis Bausch und Kristo Krebs, die sicherlich in weiteren Clips der VDSIS auftauchen werden. Vielleicht irgendwann wieder einmal in einem Film? Wünschenswert wäre es.

Euer findo.

Der Film ist auf den Youtube-Kanal VDSIS zu sehen. Hier klicken. Er soll keine Kritik an Lehrkräfte oder Schulen darstellen, da Gewalt an Kindern überall stattfindet. Der dargestellte Direktor ist Symbol für alle Erwachsenen, die Kindern gegenüber gewalttätig werden. Auf dem Youtube-Kanal finden sich weitere Videos, Making-of oder Einblicke in die Premiere, sowie der Filmproduktion selbst.

Filmblick: Wunder

Titel: Wunder (OT: Wonder)
Schauspieler: Jacob Tremblay, Owen Wilson, Julia Roberts, Noah Jupe u.a.
Regie: Stephen Chbosky
Drehbuch: Stephen Chbosky, Steve Conrad, Jackk Thorne, Raquel J. Palacio
Land: USA
Länge: 113 Minuten
Verleih: Studiocanal

Buchverfilmungen haben es nicht leicht, da sie zumeist von vorn herein verloren haben. Dinge, die im Buch vorkommen, werden herausgestrichen, da der Film sonst Überlänge hätte oder schlicht und einfach nicht so umzusetzen sind, wie Autor und Fans sich das vorstellen. Besonders, wenn die Literaturvorlage ohnehin beliebt ist, hat jede filmische Interpretation schlechte Karten. „Wunder“ allerdings, könnte eines der Jahreshighlights werden, für jeden Kinobesucher und auch sonst.

Zentrale Hauptfigur ist August, von seiner Familie liebevoll Auggie genannt, der aufgrund eines Gendefekts jahrelang zu Hause unterrichtet wurde. Er hat ein entstelltes Gesicht. Erst zahlreiche Operationen ermöglichten ihm ein halbwegs normales Leben.

Jetzt soll er zum ersten Mal eine normale Schule besuchen, der Junge, der am liebsten einen Spielzeug-Astronautenhelm trägt, weil ihn darunter niemand sehen kann. Die Schule stellt ihn jedoch vor der großen Herausforderung, mit anderen Mitschülern sich zu konfrontieren. Mit allen Konsequenzen. Mobbing, Ausgrenzung, aber auch echter Freundschaft und Zusammenhalt. Es wird Auggies größtes Abenteuer werden.

Hervorragend umgesetzt haben Stephen Chbosky als Regisseur und seine Drehbuchautoren die Buchvorlage von Raquel J. Palacio, die sich mit „Wonder“ in die Bestsellerlisten schrieb.

Die tragende Hauptfigur wird gespielt von Jacob Tremblay, der schon in Filmen wie „Raum“ zu begeistern vermochte und hier unter einer zentimeterdicken Maske sein ganzes schauspielerisches Können in die Waagschale wirft, damit mühelos mit den Erwachsenen Julia Roberts und Owen Wilson mithalten kann.

Jacob spielt den Jungen intelligent, sanft, verletzlich und mit einer großartigen Portion Humor. Förmlich merkt man ihn die intensive Beschäftigung im Vorab der Produktion an, die auch den Kontakt mit Kindern umfasste, die diesen seltenen Gendefekt tragen und täglich mit den Konsequenzen leben müssen.

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Junge Nachwuchstalente wie Noah Jupe als Auggies bester Freund oder Izabela Vidovic und andere, komplettieren die Besetzung des Casts, der sich durch die Bank sehen lassen kann.

Bilttechnisch konzentriert sich der Film auf warme Farben, sowohl im Haus von Auggies Familie, welches konsequent als schützenswerter Raum dargestellt wird, als auch auf das Schulhaus, welches Begehen zur ständigen Herausforderung für den Jungen wird. Emotionale Szenen werden reichlich verwendet, um die Zuschauer zu berühren, doch immer wieder aufgelockert, so wie im Buch es immer wieder Hoffnungsschimmer für den Leser gibt. 

Der Film hält sich an die Stärken seiner Vorlage und lässt die Szenen aus der Sicht ihrer Hauptfiguren spielen. Diese Einteilung in Kapitel ist in der filmischen Umsetzung mutig, hier aber notwendig, um dem Stoff gerecht zu werden, der es mit sich bringt, dass man sich mit den Themen noch nach dem Anschauen auseinandersetzen wird.

Es ist ein starkes Highlight gleich zu Beginn des Jahres, welches nur schwer zu toppen ist. Ich behaupte mal, es ist kaum möglich. Nichts ist hier zu wenig, nichts ist hier zu viel. Ein interessanter und wichtiger Film, über Mobbing, Freundschaft und den Mut, man selbst zu sein. Hochwertig und wertvoll für jeden Zuschauer, auch Liebhaber der Buchvorlage werden es mögen.

Zusatz:
Beide Bücher von Raquel J. Palacio wurden, siehe Rezensionsverzeichnis, hier bereits rezensiert.

Klaus-Dieter Felsmann: Deutsche Kinderfilme aus Babelsberg

th24d1472a-07a7-4920-9b1e-13bc92063487Autoren: Klaus-Dieter Felsmann/Bernd Sahling
Titel: Deutsche Kinderfilme aus Babelsberg
Seiten: 172
ISBN: 978-3-00-030098-1
Verlag: DEFA Stiftung

Inhalt:
Der DEFA-Kinderfilm erfreute sich aufgrund seiner liebevollen Machart und thematischen Vielfalt großer Beliebtheit beim DDR-Publikum. Klaus-Dieter Felsmann beleuchtet nun zum ersten Mal, welche Rolle der DEFA-Kinderfilm in der Bundesrepublik Deutschland spielte.

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Filmblick: Den Sternen so nah

Regie: Peter Chelsom
Drehbuch: Allan Loeb, Stewart Schill, Richard Barton Lewis
Original-Titel: The Space Between Us
Land: USA
Schauspieler: u.a. Gary Oldman, Asa Butterfield, Britt Robertson
Länge: 120 Minuten
Verleih: Tobis
FSK: 6
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Die Wissenschaftler der NASA und ESA spielen schon seit einigen Jahren mit den Gedanken, einen Menschen zum Mars zu bringen und wieder zurück. Eine Reise, die uns heute noh ein abenteuerliches Gedankenspiel scheint, jedoch schon bald Realität werden könnte. Einen kleinen Schritt weiter und wir sind dabei, den roten Planeten urbar zu machen und zu besiedeln.

Die Technik dafür wird heute schon entwickelt, Autoren beschäftigen sich mit diversen Szenarien (Andy Weir „Der Marsianer“ oder T.C. Boyle „Die Terranauten“) und so ist ein weiterer Film mit einer ähnlichen Thematik nicht verwunderlich, beschreibt er doch den Entdecker-, Forschungsdrang und die Abenteuerlust des Menschen schlechthin.

Hier wird eine Crew in zusammenarbeit der NASA und eines privaten Forschungsunternehmen zu einer dieser ersten Mars-Missionen geschickt, allein, die Kommandantin des Teams ist bzw. wird schwanger und muss auf den Mars entbinden, auf den zuvor schon ein anderes Team diverse Kapseln als Behausungen hinterlassen hat.

Sarah Elliot stirbt dabei und hinterlässt einen Jungen, der fortan unter Wissenschaftlern aufwächst. In einer Blase, einen Käfig aus roten Sand und Gestein. Niemand auf der Erde weiß von seiner existenz, um die Marsmissionen und andere Projekte, v.a. der privaten kooperierenden Forschungsfirma, nicht zu gefährden.

Doch Gardner wächst zunächst ohne Probleme als erster Mensch auf, der auf den Mars geboren wurde, chattet mit einem gleichaltrigen Mädchen, Tulsa, und träumt davon, mit ihr auf der Erde zu leben.

Doch, dies ist ein Problem. Sein Herz und seine Lunge würden den Druck auf der Erde, die Atmosphäre nicht aushalten. Gardner setzt sich jedoch durch.

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Nach einigen medizinischen Tests darf er zur Erde fliegen und versucht Tulsa zu treffen, der er seine Herkunft bislang verschweigen musste. Nicht ahnend, dass trotz der Tests sein Körper nicht bereit ist, für ein Leben auf den blauen Planeten. Die Gefahr bricht sich ihre Bahnen.

Ein interessantes Science-Fiction-Szenario, welches die Frage aufwirft, wie weit Wissenschaft gehen und über unser Leben bestimmen darf und auch sollte, gepackt leider, in eine gerade zum Ende hin übermelodramatische Teenager-Romanze, deren Schwülstigkeit kaum zu überbieten ist.

Alleine der hervorragende Cast vermag den Film zu retten und nicht ins zu sehr Kitschige abgleiten zu lassen. Asa Butterfield („Enders Game“, 2013) scheint wie gebucht für Weltraumfilme und Gary Oldman als Wissenschaftler und Unternehmer zwischen den Stühlen spielt sowie so überragend.

Die Bilder lassen einem in Gedanken schwelgen. Ja, genau so und nicht anders, stellt man sich ein Mars-Leben vor (Wunderbar auf die Schippe genommen, wenn Gardner auf der Erde den gleichnamigen Schokoriegel verputzt.) oder die Schwierigkeiten und wundersamen Erlebnisse neue unbekannte Welten zu entdecken.

Der romantische Anteil ist gerade so an der Grenze zum Erträglichen, die Handlung mit ein wenig Biegen glaubwürdig. Die ethischen Fragen, die der Film aufwirft, sind um so interessanter. Wäre der Film 20 oder 30 Jahre früher gedreht worden, man hätte sich nicht einmal ansatzweise dieses Szenario als Wirklichkeit vorstellen können.

Heute ist die Wissenschaft immerhin so weit, ernsthaft über eine bemannte Mission zum roten Planeten nachdenken, sie vielleicht sogar umsetzen zu können. Und wer weiß, vielleicht leben in ein paar Jahrzehnten dann tatsächlich Menschen, nicht die grünen, auf den roten Planeten. Der nächste große Schritt für die Menschheit.