Film

Unda Hörner: 1929 – Frauen im Jahr Babylon

1929 - Frauen im Jahr Babylon Book Cover
1929 – Frauen im Jahr Babylon Unda Hörner ebersbach & simon Erschienen am: 19.08.2020 Seiten: 253 ISBN: 978-3-86915-213-4

Inhalt:

1929 – die wilden Zwanziger entfalten noch einmal ihre volle Blüte, es ist ein letzter Tanz auf dem Vulkan. Marlene Dietrich spielt die Rolle ihres Lebens in Der Blaue Engel, Vicki Baum wird mit Menschen im Hotel weltberühmt und Lotte Jacobi zur Starfotografin der Berliner Prominenz.

Clärenore Stinnes tourt todesmutig im Auto um die Welt, Louise Brooks öffnet in Berlin Die Büchse der Pandora und Lotte Lenya feiert als Seeräuberin Jenny in der Dreigroschenoper triumphale Erfolge. Unda Hörner lädt ein zu einer faszinierenden Zeitreise auf den Spuren berühmter Frauen und entwirft ein facettenreiches Panorama weiblicher Kulturgeschichte im Jahr Babylon. (Klappentext)

Rezension:

Immer bedrohlicher zeigen sich dunkle Wolken am Himmel, als die letzten Monate des Jahres voranschreiten. Hetze in den Zeitungsblättern tritt deutlicher zu Tage, die Wirtschaft gerät ins Wanken. Doch, bevor es so weit ist, feiert sich die Welt noch einmal selbst. Mittelpunkt des Tanz‘ auf dem Vulkan ist die Metropole an der Spree, wo sich die Lebenswege ihrer Protagonistinnen kreuzen.

Die Autorin Unda Hörner nimmt uns mit auf eine Zeitreise, durch ein Jahr gleichsam als Sammlung kultureller Höhepunkte und legt damit einen wunderbaren Roman vor.

Der hat es in sich. Gegliedert nach Monaten beginnt die Zeitreise im Januar 1929. Kurzweilig sind die Abschnitte, handlich zu lesen die Kapitel. Mittelpunkt sind die Menschen, die das letzte Jahr der Goldenen Zwanziger prägten, wobei der Fokus hier auf die kulturelle und vor allem weibliche Seite gelegt wird.

Die studierte Germanistin begibt sich dabei auf den Spuren von Erika Mann, ebenso Marlene Dietrich, die den Dreh für einen Film beginnen wird, der ihr zum Durchbruch verhilft. Wir begleiten die Verlegerin an der Seite Erich Kästners und schauen durch die Linse Lotte Jacobis, die die Berliner Prominenz auf Zelluloid zu bannen weiß. Eine unvollständige, aber bezeichnende Sammlung in Romanform, die es in sich hat.

Es sollte das letzte Jahr friedlicher Unbeschwertheit sein, und so erlebt der Lesende Menschen, die gleichsam optimistisch und gespannt in die Zukunft blicken. Zumindest zunächst. Frauen, die bisher im Hintergrund tätig waren, treten nun nach vorne und bahnen sich sich zurecht ihren Weg. der führt dann schon einmal querfeldein durch Amerika oder in die dunklen Hallen des damals modernsten Studios für den damals noch relativ neuen und aufstrebenenden Tonfilm.

Geschickt hat die Autorin hier historische Fakten in einem historischen Roman eingewebt, der oftmals sehr still ist, mit Spannungsbögen sehr sparsam umgeht. Schließlich sind die Ereignisse ja bekannt. Was daraus Unda Hörner jedoch entwickelt hat, diese Dialoge, die die Erzählung lebendig werden lassen und tatsächlich so abgelaufen sein könnten, ist einfach schön.

Hier trifft es einmal, dass schöne Sprache nicht nur zu einem Kunstprodukt führt, sondern sich gut lesen lässt.

Wir begleiten Marlene Dietrich auf den Weg zu ihrer wohl größten Rolle und schauen Erika Mann über die Schulter, die versucht aus dem Schatten ihres übermächtigen Vaters herauszufinden, der den Nobelpreis bekommen wird. Wer diesen Roman liest, wird durch die Kameralinse von Lotte Jacobi schauen und eine Verlegerin bei der Suche nach einem Autoren begleiten, der ihr ein modernes Kinderbuch schreiben soll.

Alleine diese Geschichten schon sind interessant, ausgeschmückt mit vielen Details auf doch so wenigen Seiten kann man das letzte Jahr der 1920er Jahre hier praktisch durch die kulturelle Lupe betrachten. Sehr dicht wird das alles erzählt, Momente zum Innehalten, wie auch der Rausch der Zeit zu spüren ist, für jeden, der das liest.

Große Kunst ist das.

Autorin:

Unda Hörner wurde 1961 in Kaiserslautern geboren und ist eine deutsche Schriftstellerin. Zunächst studierte sie an der Freien Universität Berlin Germanistik und Romanistik, promovierte im letzteren 1993 über Elsa Triolet. Seither beschäftigt sie sich mit berühmten oder weniger berühmten Frauen und brachte mehrere Romane und zahlreiche Biografien zu Papier. Im Jahr 2001 erhielt sie den Bettina-von-Arnim-Preis.

Die Autorin, die auch als Journalistin, Übersetzerin und Herausgeberin tätig ist, veröffentlichte u.a. „1919 – Das Jahr der Frauen“, sowie „Kafka und Felice“, welches 2017 erschien.

Kurzblick: #ComicMärz 2020

Nico vom Blog Buchwinkel rief die Literaturblogger zum #ComicMärz zusammen. Klar, dass auch ich mich gerne daran beteilige.

In meinen Beitrag möchte ich dies gerne auf Zeichentrick, sozusagen den bewegten Comic, erweitern und stelle ein wahrhaft europäisches Projekt vor. Die Zeichentrickserie „Als die Tiere den Wald verließen“.

Als die Tiere den Wald verließen

Theme-Song „Gib niemals auf!“

Als der 1943 in Groß-Britannien geborene Schriftsteller Colin Dann seinen ersten Roman veröffentlichte, ahnte er nicht, dass daraus einmal ein wahrhaft eurropäisches Gemeinschaftsprojekt werden würde, welches Kinder über Landesgrenzen hinweg begeistern, faszinieren und zum Nachdenken anregen sollte.

Heute sind die Themen seiner Bücher, die darauf basierende Fernsehserie aktueller denn je. Zeit, sie einmal wieder hervorzuholen.

Colin dann arbeitete eigentlich bei einem britischen Verlag, veröffentlichte jedoch 1980 selbst einen Roman mit dem Titel „Als die Tiere den Wald verließen“, in denen Themen wie die Zerstörung der Natur, Vertreibung von Tieren, Umweltverschmutzung, Tod und Liebe behandelt wurden.

Das alles in Romanform und ohne den geschönten Blick einer rosaroten Brille. Dieser Schriftsteller nahm, wie es Astrid Lindgren in Schweden tat, seine kleinen Leser und Leserinnen Ernst.

Die Geschichte an sich ist schnell erzählt. Der Wald, in dem die verschiedensten Tiere leben, muss den Menschen weichen. Zugunsten einer Wohnsiedlung. Der Teich wird zugeschüttet, Nester und Höhlen werden zerstört, der Bach verkommt zu einem schlammigen Rinnsal. Die Tiere kämpfen mehr und mehr ums Überleben. Guter Rat ist teuer.

Im Bau des Dachses versammeln sich die Tiere vom ängstlichen Kaninchen, der gerissenen Kreuzotter, bishin zum schlauen Fuch und beraten, was tun? Alleine die Kröte weiß Rat.

Colin Dann „Als die Tiere den Wald verließen“
Verlag: Beltz-Gulliver; Taschenbuch mit 368 Seiten.
ISBN: 978-3-4077-4395-4

Auf ihren Reisen ist sie einst an einem Naturschutzgebiet vorbeigekommen, wo Tiere unbehelligt von den Menschen, ja sogar von ihnen geschützt, leben können. Doch, der Weg dorthin ist weit und gefährlich. Soll man es also wagen?

Der Entschluss fällt nach einiger Diskussion und einem Schwur. Der -Eid zum gegenseitigen Schutz- soll die kleineren Tiere davor bewahren, von den Fleischfressern, nun ja, eben gefressen zu werden. So macht sich die bunt zusammengewürfelte Gruppe auf, ihren Wald Richtung Naturschutzgebiet zu verlassen.

Reihenfolge der Bücher von Colin Dann

Band 1 – Als die Tiere den Wald verließen

Band 2 – Was die Tiere im Park erlebten

Band 3 – Wie die Tiere das Fürchten lernten

Band 4 – Als die Tiere ums Überleben kämpften

Band 5 (Prequel) – Wo die Tiere zu Hause waren

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Nicht alle werden die Reise überleben. Viele Gefahren fordern unterwegs ihren Tribut. Doch, das gemeinsame Ziel schweißt zusammen.

Es ist diese Geschichte über Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Zusammenhalt, die mich als kleinen Jungen fasziniert hat, ebenso, dass Themen wie Liebe und Tod nicht ausgespart blieben. Der erste Wälzer, den ich gelesen hatte, zeitgleich die erste Zeichentrickserie, die ich mir bewusst angeschaut hatte. Die lief nämlich ab 1993 in der ARD.

Und war ein wirkliches Gemeinschaftsprojekt der EBU, die sich ansonsten für u.a. den Eurovision Song Contest auszeichnet. Unzählige Fernsehanstalten beteiligten sich unter Federführung der BBC und des WDR an der Umsetzung. Liebevoll im Zeichentrickstil animiert. Weit weg waren noch die Zeiten, in denen 3D-Animationen alltäglich wurden.

Naturgetreu und liebevoll bis ins Detail flimmerte die Serie über die Fernsehbildschirme in die Wohnzimmer. Zeitweise begleitet von einer Heftreihe, die jedoch nicht so lange überlebte, wie die Serie selbst, die sich im späteren Verlauf lose an den Folgebänden von Colin Dann orientieren sollte.

Realistisch der Zeichnstil, wenn auch mit zunehmenden Staffeln, es gab derer insgesamt drei, teilweise aus Foten Finger wurden, was man besonders an den Wieseln sehen konnte.

Zu loben ist hierbei jedoch die Synchronisationsarbeit. Große Namen wie Martin Semmelrogge etwa, leihten den Tieren ihre Stimmen. hnlichen Aufwand betrieb man auch in den anderen beteiligten Ländern.

Staffel 1 von 3, allesamt auf DVD veröffentlicht.

Die Romane gibt es, bis auf den ersten, der inzwischen neu aufgelegt wurde, bisweilen nur mehr antiquarisch zu erwerben. Die Serie ist immerhin komplett auf DVD erhältlich. Beides lohnt sich. Gerade heute, wo Themen wie Klima- und Umweltschutz, Tierwohl, in aller Munde sind.

Die Serie ist zu Weilen grausam, die Natur ist es ja auch. Friede, Freude, Eierkuchen sind weit davon entfernt. Vielmehr bemühten sich die Macher um ein realistisches Bild (wenn man einmal vom Zusammenhalt über Tierartgrenzen hinweg absieht) und Romannähe, was zu honorieren ist.

Und für spannende Familiennachmittage zu empfehlen.

Filmblick: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Filmtrailer „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl„.
Regie: Caroline Link
Drehbuch: Judith Kerr (Vorlage), Anna Brüggemann
Schauspieler: Riva Krymalowski, Justus v. Dohnanyi, Oliver Masucci, Marinus Hohmann (u.a.)
Jahr: 2019/20
Land: D, CH (u.a.)
Verleih: Warner Bros., Sommerhaus Filmproduktion (u.a.)
Release D: 25.12.2019

Wenn es eine Geschichte gibt, die nachdenklich und traurig stimmt, zugleich jedoch lebensbejahend und fröhlich daherkommt, trotzdem nachhallt, so hat sie viele Facetten in sich vereint und das Potenzial, über die Lese- oder Seherfahrung hinaus im Gedächtnis zu bleiben.

Die Kinderbuchillustratorin Judith Kerr wurde mit ihrem Roman „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ international bekannt und so ist es nicht verwunderlich, dass auch diese Geschichte nun ihren Weg auf die Leinwand gefunden hat.

Dabei muss man Caroline Link als Regisseurin ihren Sinn für gute Vorlagen lassen, hatte sie schon im Jahr 2018 mit „Der Junge muss an die frische Luft“ einen wahren Glücksgriff gelandet, scheint ihr dies mit dieser Geschichte wieder zu gelingen.

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Erzählt wird die Geschichte eines für seine Worte und deutlichen Äußerungen gefürchteten Theaterkritikers, der Hals über Kopf das Land verlassen muss, als die Nazis die Macht in Berlin 1933 übernehmen. Die Familie folgt schnell darauf. Nur wenige Habseligkeiten dürfen mit. Auch das rosa Kaninchen, geliebtes Stofftier der neunjährigen Anna, alter Ego der Autorin, muss zurückbleiben.

Gespielt wird Anna von Riva Krymalowski, die im gleichen Alter wie ihre Rolle, es schafft, den gesamten Film zu tragen, gleichzeitig Identifikationsfigur zu sein und nahezu sämtliche Erwachsene an die Wand zu spielen.

Das heißt aber nicht viel, denn der Cast ist hier ein weiterer Glücksgriff von Caroline Link, die mit Justus von Dohnanyi oder Carla Juri und Oliver Masucci hervorragende Charakterdarsteller gewonnen hat, aber auch bei der Auswahl sämtlicher anderer Rollen ein gutes Auge hatte.

Natürlich ist auch diese Geschichte gerafft, doch der Geist des Romans kommt sicher rüber, was, wenn das Gegenteil der Fall wäre, hier sicher auffallen würde.

Die Romanvorlage gibt es als Einzelband, sowie inzwischen, als Sammelband. Insgesamt umfasst die Geschichte von Judith Kerr drei Romane, die den Weg ihrer Protagonisten, aber im Prinzip ihren eigenen durch die Exilzeit beschreiben.

Das Kaninchen als Symbol für verloren gegangene Heimat und eine passende musikalische Untermalung, auch wenn die an einigen Stellen etwas zu dick auf die Tränendrüse drückt (Funktioniert!), sorgen für eine gute Verfilmung, die generationsübergreifend wirken dürfte.

Übertragen auf den heutigen Umgang mit Flüchtlingen lassen sich natürlich Parallelen finden.

Das Einfinden in das Neue, das Trauern um das Verlorene, werden ebenso nachvollziehbar dargestellt, wie die immer mal aufkommenden Momente der Verzweiflung, aber auch die des kleinen Glücks. In diesem Sinne ist es ein wertiger Film, der ohne erhobenen Zeigefinger auskommt, aber dennoch zum Nachdenken anregt.

Niemand verlässt freiwillig und gerne seine Heimat. Es gibt immer Gründe, die Ungewissheit von Risiken auf sich zu nehmen. Für alle Beteiligten ist das schwer. Sollte man sich das eine oder andere Mal ins Gewissen rufen.

Dies kann der Film, der eine wahre Geschichte stilvoll erzählt und keine einzige Länge aufweißt. Die Strapazen der Flucht, der Suche merkt man den Schauspielern an, die, allen voran Riva Krymalowski und Marinus Hohmann, mit ihren Rollen für den Film eins wurden und so zum Gelingen beitrugen. In diesem Sinne, unbedingt ansehen.

Tanja Langer: Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday

Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday Book Cover
Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday Tanja Langer Mitteldeutscher Verlag Erschienen am: 06.08.2019 Seiten: 416 ISBN: 978-3-96311-181-5

Inhalt:
Linda, Übersetzerin aus dem Persischen, lässt sich gern von ihren träumen lenken, und so findet sie sich eines Tages in Lüneburg wieder: Dort lebte ihre kaum gekannte Großmutter Ida unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, geflohen aus Oberschlesien, verwidmet, mit fünf Kindern.

Knapp eineinhalb Meter groß, „arbeitete sie für den Direktor des englischen Kinos“. Dieser Halbsatz entzündet Lindas Phantasie, und schon ist sie mitten in der Zeit der britischen Besatzung, von 1945 bis 1949. Ida schrubbt Wäsche für die Tommys, Ida begegnet Mr. Thursday, Ida fängt bei im im „Astra Cinema“ an, Und das Kino wird zum Gegenbild für die raue Wirklichkeit, durch die Ida und ihre kleine rasselbande sich als „Flüchter“ durchboxen… (Klappentext)

Rezension:
Lebensgeschichten stellen an sich gute Grundlagen für ausschweifende Erzählungen dar, in der man als Leser hineingesogen wird und mit den Protagonisten lebt, liebt oder leidet. Das gelingt auch regelmäßig, denn nichts ist ja spannender als das wahre Leben und so kann der Autor oder die Schriftstellerin schon mal mit der Themenwahl nicht viel falsch machen. Tanja Langer hat dies gewagt und ihrerseits die Geschichte ihrer Großmutter genommen und daraus eine an deren Biografie angelehnte Erzählung veröffentlicht, die nun im Mitteldeutschen Verlag erschienen ist.

Zunächst ist es natürlich die Geschichte einer Frau, die sich beginnt zu emanzipieren, weil sie durch die historischen umstände dazu gezwungen wird und am ende auch die Geschichte des Nachkriegdeutschlands, welches hauptsächlich von Frauen aufgebaut wurde. Die Männer waren entweder in den zurückliegenden Kriegsjahren gefallen oder befanden sich in Gefangenschaft, die Frauen befanden sich auf der Flucht und begannen auf den Trümmern der Geschichte sich einzurichten und ums Überleben zu kämpfen, schließlich sich und ihren Kindern eine Zukunft aufzubauen.

Im Roman ist dies dargestellt durch die Hauptprotagonistin Ida, die in den großflächigen Kapiteln eine starke Identifikationsfigur abgibt, neben der alle anderen verblassen. Über weite Strecken funktioniert dies, trotzdem das so manche Länge mit sich bringt. Hier gefällt besonders die Darstellung des Alltags in einer sehr sonderbaren Zeit. Auch die inneren Konflikte hat die Autorin sehr schön ausgestaltet.

In wechselnder Perspektive wird einmal aus der Sicht der Erzählerin die Gegenwart nachempfunden, hier findet sich die Autorin im Ich einer Übersetzerin des Persischen wieder und dann aus Sicht der Großmutter, die ihren Alltag inmitten der Nachkriegszeit bewältigen muss. Beides für sich genommen starke, suchende und kämpferische Sichtweisen, doch ein letzter Funke, das berühmte tüpfelchen auf dem I bleibt aus.

Das ist schade, denn gerade im Hinblick auf die Idee dahinter, hätte die Autorin detaillierter und ausschweifender erzählen können. Ständig Wiederholungen als Stilmittel stören zudem den Lesefluss, als wären Tanja Langer Synonyme ausgegangen. Das wird dann irgendwann schwierig.

Zu guter Letzt ist das Cover nach, und das ist jetzt persönliches Empfinden, keine gute Wahl. Natürlich hat diese Wahl viel mit Vermarktung und Aufmerksamkeitsziehung einer bestimmten Käuferschicht zu tun und mit Sicherheit eine Berechtigung, doch hätte es hier auch ein geschlechtsneutraleres Cover getan. Mit Abstrichen, wer Kino mag und Überlebensgeschichte in sonderbarer Zeit, sowie starke Frauen, wird sicherlich hier fündig.

Autorin:
Tanja Langer wurde 1962 geboren und ist eine deutsche Regisseurin und Schriftstellerin. Nach ihrem Abitur, 1982, studierte sie Vergleichende Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, philosophie und Politikwissehnschaften in Paris, München und Berlin.

Sie gründete eine Theatergruppe, schrieb und inszenierte eigene Stücke, verlegte sich jedoch ab 1993 auf das Schreiben von Büchern und Beiträgen für Tageszeitungen. 1999 veröffentlichte sie ihren ersten Roman und gründete 2016 ihren eigenen Verlag, den Bülbül Verlag, in Berlin, wo sie mit ihrer Familie lebt.

Edgar Rai: Im Licht der Zeit

Im Licht der Zeit Book Cover
Im Licht der Zeit Rezensionsexemplar/Roman Piper Hardcover Seiten: 512 ISBN: 978-3-492-05886-5

Inhalt:

In Amerika hat der Tonfilm längst die Kinos erobert, Deutschland verliert mit seinem Stummfilm den Anschluss. Nun soll die mächtige UFA das Land wieder an die Spitze bringen, koste es, was es wolle.

Karl Vollmöller hat fast alles beisammen. Einen gefeierten Oscar-Preisträger, das modernste Tonfilmatelier, den besten Stoff und einen genialen Regisseur. Sein Film „Der blaue Engel“ soll ein neues Zeitalter einläuten, nur die Hauptdarstellerin fehlt noch. Die Dietrich vielleicht? Als Revuegirl ist sie klasse? Doch, sie besitzt keinerlei schauspielerisches Talent, so sagt man. Dennoch… (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:

Kurz vor Beginn der Weltwirtschaftskrise blüht in Berlin das kuturelle Leben. Bars und Revues gibt es nahezu überall, beinahe wöchentlich eröffnen neue Kinos. Schriftsteller, Musiker und Schauspieler geben sich in der deutschen Hauptstadt die Klinke in die Hand. Die Welt dreht sich und Berlin ist kurz vor dem Höhepunkt, im Tanz auf den Vulkan. Es ist das Ende der 1920er Jahre, alles ist erlaubt und noch haben die Nationalsozialisten nicht die Macht ergriffen. Es ist zugleich das Ende und der Beginn einer Ära.

Der Berliner Schriftsteller Edgar Rai entführt uns in das Berlin Heinrich Manns, Erich Kästners und Hans Albers‘ und zeigt, wie der Tonfilm in zuerst kleinen, dann immer größeren Schritten seinen Durchbruch feierte. Zwar gab es schon längst erste Versuche, Bild und Ton in Einklang zu bringen, doch kamen sie vor allem von der anderen Seite des großen Teiches. Noch konnten Stars wie Henny Porten Erfolg um Erfolg feiern. Die neue Zeit hielt dies nicht zurück, Förderer und Visionären wie Karl Vollmöller sei Dank.

In mühevoller Recherchearbeit durch die Berliner Archive ist es hier Edgar Rai gelungen, ein bewegendes Stück Zeit- und Kulturgeschichte in Romanform umzuwandeln. Aus wechselnder Perspektive erlebt der Leser, wie ein Film erschaffen wurde, der für lange Zeit Maßstäbe setzen sollte. Dies gelingt, sind die Protagonisten allesamt greifbar und wandlungsfähig, Identifikationsfiguren die meisten. Vieles wird sich so oder ähnlich abgespielt haben. Die klirrende Athmosphäre ist sehr nah.

Dabei ist dies kein Marlene Dietrich Roman. Biografien und entsprechende Werke gibt es schon zu Hauf, viel mehr findet der Leser eine Liebeserklärung an die Hauptstadt Deutschlands, an eine damals noch neue und nicht wenig kritisch beäugte Filmära und an die Filmschaffenden in Babelsberg, die danach noch häufiger den „Ton angeben“ sollten.

Zweifelhafte Aspekte lässt Edgar Rai jedoch auch nicht außer Acht, so wird das Aufstreben nationalistisch gesinnter Kräfte ebenso thematisiert, wie auch die Fallgräben des Showgeschäfts, denen sich Stars wie Marlene Dietrich oder auch Emil Jannings gegenüber sahen. Vor, während oder nach ihrer eigentlichen Karriere.

Diese Mischung macht den Roman einzigartig und auch oder gerade, wer sich nur am Rande für Marlene Dietrich interessiert, aber Stimmungen aufsaugen und ein wenig Berlin 1920er Jahre spüren möchte, zu einem einzigartigen Schriftstück, dem es sich lohnt, sich hinzugeben.

Es ist empfehlenswert, von einnehmender Sprache und kurzweiligen Inhalt, soll auch bald verfilmt werden. Es bleibt zu hoffen, dass dann der Film genau so beeindruckend wird, wie edgar Rais literarische Vorlage. Heutige Leser wissen ja, dass Marlene Dietrich durchaus schauspielerisches Talent besaß.

In diesem Sinne, unbedingt lesen.

Autor:

Edgar Rai wurde 1967 geboren und ist ein deutscher Übersetzer und Schriftsteller. Zunächst studierte er Musikwissenschaften und Anglistik, bevor er seit 2012 Mitarbeiter einer literarischen Buchhandlung in Berlin wurde. Unter Pseudonym und unter eigenem namen schrieb er verschiedene Romane, lehrte von 2003-2008 an der FU Berlin Kreatives Schreiben. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Rezensiert wurde ein Vorabexemplar des Verlages, daher noch keine Angaben in der Rezension zu Schreibfehlern etc., die gab es nämlich in der Vorabvariante einige. In der Hoffnung, dass der Verlag diese überarbeitet hat, bleiben diese in der Rezension unerwähnt.

Filmblick: Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück

Einen vorhandenen Filmstoff neu zu interpretieren, ist inzwischen Standard in Deutschland geworden und so flimmert auf den Bildschirmen zu Hause und vorher natürlich auf den Kinoleinwänden oft genug alt bekanntes und leider wenig neues. Fast möchte man fragen, ob denn den Filmemachern keine neuen Ideen kämen, doch manchmal lohnt sich der Blick ins Archiv und eine alte geschichte kreativ neu zu erzählen. So geschehen, mit einer Kindergeschichte von Gerhard Holtz-Baumert.

Als der Schriftsteller und SED-Funktionär 1958 die ersten Geschichten über den wohl größten Pechvogel aller Zeiten schrieb, konnte niemand ahnen, welchen Sog diese entwickeln würde, doch schnell wurde die Kinderbuchfigur populär und der erste Film folgte dem zweiten Band auf den Fuße. Das war vier Jahre danach, 1966. Helmut Rossmann, später Physiker, spielte den Jungen im DEFA-Streifen, eine Serie folgte 1986, ebenfalls für das DDR-Fernsehen.

Die Hauptfigur Alfons ist ein zehn- bis zwölfjähriger Junge, dessen größter Traum es ist Kosmonaut zu werden und dafür einiges auf sich nimmt. Um sein Ziel zu erreichen, absolviert er ein selbst kreiertes Training, was vor allem aus Karusellfahrten und rohen Eiern besteht, bis ihm schlecht wird. Das Pech ist dabei sein stets treuer Begleiter, wie auch sein Nachname, mit dem er hadert, doch der Junge schlägt sich durch und fällt schon mal vom Sprungbrett einen ehemaligen Schulfreund seines Vaters auf den Kopf. Klar, dass das Ärger gibt, doch mit seinen kreativen Ideen schlägt sich der Blondschopf durch. Der Weg ist das Ziel und Alfons verfolgt dies aller Unkenrufe zum Trotz.

Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück (2019)

Drehbuch: Anja Flade-Schlichter, Mark Schlichter (u.a.)
Regie: Mark Schlichter
Produktion: Nicole Kellerhals, Uwe Schott, Stefan Arndt
Darsteller: Tilman Döbler, Leopold Schill, Lisa Moell (u.a.)
FSK: 0
Verleih: X Verleih

In der Neuverfilmung nun, ist einiges anders. Der Kosmonaut ist nun Astronaut und Alfons‘ größtes Vorbild ist nicht Sigmund Jähn, sondern Alexander Gerst. In „Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück“ spielt neben dem Gros mitteldeutscher Schauspieler (Wolfgang und Stefanie Stumph, Olaf Schubert, Katharina Thalbach, Devid Striesow u.a.) ein hervorragender Tilman Döbler in der Hauptrolle die Erwachsenen an die Wand, darf Emotionen zeigen, besonders in traurigen Momenten unheimlich stark, und von einer Panne in die nächste schlittern. Es gilt, einen Fluggerätewettbewerb zu gewinnen, das Pech abzuschütteln und mit seinen Freunden Benni (Leopold Schill) und Emilia (Lisa Moell) gegen Klassenkameraden und Lehrer zu bestehen. Klar, dass dies für allerhand Wirbel sorgt.

Hervorragend sind die drei Kinderbücher, das letzte 1995 erschienen, in die heutige Zeit übertragen und die Zuschauer von Damals werden viele Szenen wiederfinden, die Kinder von heute vielleicht sich begeistern für die Bücher von damals. Der hervorragende Cast, sowohl auf der erwachsenen Seite als auch der der Kinderdarsteller versetzt im Kolorit einer Kleinstadt, lässt das Ganze zu einer hervorragenden Familienunterhaltung werden, die man sich zielgruppenunabhängig anschauen kann.

Für die Kinder von damals gibt es ein Suchspiel in der Neuverfilmung. Helmut Rossmann, der Darsteller von 1966, hat eine kleine Gastrolle im Film. Na dann, Zitterbacke Hühnerk… .


Filmblick: Ballon

Es ist vielleicht einer der wichtigsten Filme des Jahres. Auf jeden Fall aber einer der interessanteren, wobei die Geschichte hinlänglich bekannt ist.

Zwei Familien beschließen, in einem Dorf der DDR lebend, einen Ballon zu bauen, um in den Westen zu fliehen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Seine Meinung kann man nicht frei äußern, Mangelerscheinungen und Verfall sind Gang und Gäbe und die Zukunft der Kinder ist alles andere als selbstbestimmt. Warum also nicht einmal den Versuch wagen? Schließlich könnte es im Westen allen besser gehen.

Titel: Ballon
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Schauspieler: Thomas Kretschmann, Karoline Schuck, Friedrich Mücke, Jonas Holdenrieder, Tilman Döbler (u.a.)
Länge: 125 Minuten
FSK: 12
Verleih: Studiocanal

Gesagt, getan. In der ganzen Republik kauft man sich den Stoff zusammen. Es wird gerechnet, genäht und konstruiert. Der erste Versuch hebt nicht mal ab, der zweite wandelt sich zur Katastrophe im Sperrgebiet. Erst der der dritte Ballon verhilft zur Freiheit. Bis dahin zieht sich die Schlinge des Ministeriums für Staatssicherheit immer enger, die die Flucht auf jeden Fall verhindern will und auch nach dem Erfolg das Leben beider Familien diesen so unangenehm wie möglich macht. Rache ist süß. Davon aber, erzählt der Film schon nicht mehr.

Genauer gesagt, beide Filme. 1980 bereits wurde mit den Dreharbeiten des ersten Films „Mit den Wind nach Westen“ begonnen. Damals noch unter der Ägide von Disney. Nun hat man sich in Deutschland dieser deutschen Geschichte angenommen. Regisseur ist niemand Geringerer als Michael „Bully“ Herbig, der mit den neuen Film „Ballon“ nun ins ernste Fach wechselt.

Der Versuch ist gelungen. Über sieben Jahre Arbeit, Recherche und Gespräche mit beiden Familien steckte der Bayer in die Vorbereitungen hinein, Stasi-Akten wurden gewälzt und Details liebevoll rekonstruiert. Selbst einen Ballon baute man, um auf digitale Effekte verzichten zu können. Das macht sich in der Qualität des Filmes bemerkbar, der zudem den Fokus der Widersprüchlichkeit und der Jagd der Stasi auf beide Familien noch mehr als sein Vorgänger setzt.

Nicht allen ging es in der DDR schlecht, auch nicht unbedingt den beiden Familien. Es ist aber bezeichnend, wenn der Nachbar, der für Mielkes Ministerium im Ort arbeitete, Westfernsehen empfangen möchte und der Schuldirektor in seiner Rede auf der Jugendweihe-Feier die Jugendlichen erinnert, sie immer im Blick zu haben. Den daraus sich ergebenden Spagat haben die Macher des Filmes überzeugend auf die Leinwand gebracht.

Das liegt zum einem an die detailliert ausgearbeiteten Kulissen. Straßenzüge eines Ortes wurden dafür tagelang abgesperrt und umgestaltet, Trabis wurden angemietet und in Grenzmuseen gedreht. Aber auch, und nicht zuletzt, eben an der Auswahl an Schauspielern. Thomas Kretschmann spielt den Stasi-Offizier so überzeugend, dass es einem nur Schauer über den Rücken laufen lässt. Nicht vergessen, auch Kretschmann hat in seiner Biografie eine Fluchtgeschichte drinnen.

Die Kinder, die von Jonas Holdenrieder etwa oder Tilman Döbler dargestellt werden, machen ihre Sache ebenfalls mit Bravour. Der Pubertäre, der eigentlich gegen seinen Vater rebellieren müsste, tut dies, wenn auch im begrenzten Rahmen, denn die Kellerarbeiten müssen auch von der Tochter des Stasi-Nachbarn geheimgehalten werden und sein kleiner Bruder beginnt sich zu fragen, was zum Teufel ihm die Erwachsenen nur verheimlichen? Kann man ihn denn nicht vertrauen?

Das alles wird rasanter erzählt als in der ersten Verfilmung. Das Damoklesschwert ist noch stärker zu spüren. Alles wirkt drängender, düster und gefährlicher. Am Ende ist es zwar ein wenig zu groß geraten, zu kitschig, aber es sei den Machern verzeihen. Insgesamt liefert „Ballon“ ein solides Ergebnis ab. Kein Popcorn-Kino, in Ergänzung zum amerikanischen Film eine moderne Aufarbeitung historischen Stoffes.

Dieser Film ist wichtig, wie oben bereits beschrieben, erzählt er doch eine Geschichte, die die Jüngeren unter uns schon längst nicht mehr im Kopf haben, zudem ist er eine Parabel dafür, dass es früher auch Deutsche gab, die geflüchtet sind. Den Fingerzeig zum Heute kann man da leicht ziehen. Herbig setzt dabei auf interessiertes Publikum, welches die Geschichte kennt oder sich trotz des bekannten Ausgangs noch einmal näher damit beschäftigen will. Es lohnt sich. Mit oder ohne Vorwissen. Ein Film, den man in jedem Fall eine Chance geben sollte.

IMDb.com – Mit dem Wind nach Westen
IMDb.com – Ballon
Ballonflucht.de
Presseheft zum Film

Rezension zu: Jürgen Petschull – Mit dem Wind nach Westen (Buch)

Marc Sumerak: The art of Harry Potter

The art of Harry Potter Book Cover
The art of Harry Potter Marc Sumerak Verlag: Panini Erschienen am: 26.02.2018 Seiten: 364 ISBN: 978-3-8332-3581-8

Inhalt:

Nachdem das Kinopublikum erstmals Bekanntschaft mit den Zauberlehrling mit der blitzförmigen Narbe machte, wurden die Harry-Potter-Filme schnell zur beliebtesten Filmreihe der jüngeren Geschichte. Dieses Buch präsentiert eine visuelle Chronik von Arbeiten der beteiligten Künstler und Filmemacher.

Von den ersten Skizzen und Entwürfen, Produktionszeichnungen, Details wie die Etiketten von Zaubertrankflaschen oder Kostümentwürfen, Umschläge der Lockhart-Bücher oder den Titelblättern des Tagespropheten, der Wandteppich der Blacks oder der Gestaltung der Weasleyschen Zauberscherzartikel, wird klar, mit welcher Liebe zum Detail die Macher arbeiteten und die Magie zum Leben erweckten.

Ein Buch für alle Potter-Heads, um noch tiefer in die magische Welt einzutauchen. (eigener Text)

Rezension:

Beim Schreiben von Rezensionen versuche ich möglichst sachlich, neutral und überhaupt so zu schreiben, dass der Text am Ende auch in einer seriösen Zeitung stehen könnte. Am Ende soll der Leser sich, so meine Vorstellung, zwischen den aufgeführten Pros und Contras ein Bild machen und selbst entscheiden, ob er deswegen dieses Werk etwas näher als andere betrachtet oder ganz links liegen lässt.

Das gelingt mir mal mehr oder weniger gut, hier aber sehe ich mich schon zu Beginn zum Scheitern verurteilt.

Ich bin ein großer Harry Potter Fan, liebe die Bücher, das Zusatzmaterial, was um die Geschichte herum zu bekommen ist, sauge jede neue Information, jeden Schnipsel Text begierig auf, ebenso geht es mir mit den Filmen, den Darstellern und überhaupt warte ich heute noch auf die Eule, die endlich mal diesen verdammten Brief aus Hogwarts bringen möge.

Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Dies wird also keine neutrale Rezension werden. Ich hoffe, ihr verzeiht es mir. dazu bin ich einfach zu sehr Fan-Boy.

Die Harry Potter Filme finde ich allesamt großartig. Genau so, wie die Macher sie auf die Leinwand gebracht haben, habe ich es mir beim Lesen vorgestellt. Großartige Schauspieler, tolle Kostüme, unzählige Requisiten und Details, die es beim Schauen zu entdecken gilt.

Selbst heute, ich sehe sie jedes Jahr mindestens einmal, einige Teile sogar mehrmals an, finde ich immer wieder neue Dinge, die mich begeistern. So viel Arbeit und kreative Energie steckt darin, die man sich erst einmal erschließen muss.

Marc Sumerak hat nun all die Grundlagen für diese wahrhafte Magie zusammengetragen, die nach den Vorgaben von Joanne K. Rowling, diese faszinierende Welt haben lebendig werden lassen.

Entwürfe für Reqisitenzeichnungen, der Kleidung der Schauspieler bis hin zum einzelnen Flaschenetikett der Zaubertränke, die in Snapes Büro zu finden sind, die Arbeit der beteiligten Grafiker, Designer und anderer Beteiligter ist eine Meisterleistung, die der Autor würdigt.

Ein paar einleitende Worte und sonst nur Randbemerkungen, sowie Zitate aus den Filmen, machen dieses Buch im Überformat zu einem ganz besonderen Bildband, der gleichsam Filmgeschichte festhält.

Dieses Buch ist für all jene, die die Arbeit an den Filmen etwas näher kennenlernen wollen, besonders was die gestalterische Leistung angeht und natürlich ein Werk, welches vor allem für die Fans der Filme interessant ist.

Ideal als Ergänzung zum ebenfalls im Verlag erschienenen Buch „Harry Potter – Das große Film-Universum“ und ein anderes, „Harry Potter – Der große Film-Zauber“, komplettiert es das Regalbrett so lange, bis erneut weiteres Material den Fans zugänglich gemacht wird.

Wenn ich eine Kritik anbringen darf, das ist jetzt Meckern auf hohem Niveau, ist es die, dass natürlich alles auch in den Filmstudios in London besichtigt werden kann und auch auf den bisherigen Silberscheiben-Veröffentlichungen genug Making-of zu finden ist, so dass man den Fans nicht noch weiter Geld aus den Taschen ziehen muss.

Doch, wer dieses Buch einmal in den Händen hat, wird verstehen, warum es der relativ hohe Kaufpreis wert ist, gezahlt zu werden. Jeder einzelne Cent ist berechtigt, für Fans sowie so und alleine schon der Arbeit der Kreativen wegen, weshalb eine ganze Generation gerne mit den kleinen Zauberling aufgewachsen ist.

Autor:

Marc Sumerak wurde 1978 geboren und ist ein freier Schrfitsteller und Redakteur. In den 1990er Jahren begann er seine schriftstellerische Karriere als Co-Autor zahlreicher Comics und war unter anderen für Marvel Comics tätig. Er betreuteüber 500 Veröffentlichungen und widmet sich seit 2003 der Arbeit als freier Schreiber.

Er entwickelte handlungsstränge für Videospiele und gibt Kurse für Comics Experience. Daneben veröffentlicht er immer noch selbst zahlreiche Comics und Graphic Novels, für die er bereits mehrfach Preise erhielt. Mit seiner Familie lebt er in Cleveland/Ohio.

Kurzblick 2: VDSIS – Still und Stumm – Kurzfilm

Inzwischen ist er gelaufen und hat, auf der Premiere wie auch in den Social Media Kanälen, einen ungeheuren Zuspruch erhalten.

Der VDSIS-Film „Still und Stumm“. Im Januar wurde hier über das Projekt -Von der Straße ins Studio- berichtet, welches im Zusammenhang mit dem Verein Schule ohne Gewalt e.V. Projekte mit Kindern und Jugendlichen initiiert, die eine Alternative zur handfesten Mentalität unserer Öffentlichkeit aufzeigen, die teilnehmenden Kinder in Kommunikation und Selbstbewusstsein stärken sollen.

Dies tut der Verein, in dem er Kinder in die Produktion von kleinen Musik-Clips einbindet. Ob als Darsteller, Ideengeber, Textschreiber, vor oder hinter der Kamera, hier dürfen Jugendliche sich ausprobieren, und am Ende stolz ihr jeweiliges Projekt präsentieren.

Die Resonanz ist dabei von Anfang an sehr hoch gewesen und es war nur folgerichtig, dass über kurz oder lang eine größere Arbeit entstand. Und die wurde am 25.02. in einem Fuldaer Kino präsentiert. Der Film „Still und Stumm„.

Titelsong des Films. "Kinder dieser Erde", gesungen von Julian Busse und einem Kinderchor der VDSIS.

In diesem Film steht die Freundschaft zweier Jungen im Fokus, die Träume wie alle anderen Zehn- oder Elfjährigen haben, doch deren Erreichbarkeit in weiter Ferne liegt. Beide sind Waisen, wachsen bei Pflegefamilien auf und gehen in die örtliche Schule, die von einem drakonischen Direktor geleitet wird, der nichts mehr liebt als Disziplin und Ordnung.

Film: Still und Stumm
Darsteller: Kristo Krebs, Janis Bausch, Jörg Alt
Projekt: VDSIS / Schule ohne Gewalt
Jahr: 2018
Laufzeit: 37:02 Minuten
Produktion: Fulda und Umgebung
Regie: Timm Fütterer
Kamera: Dennis Steib

Und natürlich das Machtausüben über seine Schützlinge, die auch mal mit den Zeigestock gemaßregelt werden. Unbehelligt von anderen Erwachsenen, getragen vom Druck der Kinder untereinander. Keiner sagt und tut etwas dagegen.

Max und Oskar, hervorragend gespielt durch die Schüler Kristo Krebs und Janis Bausch, sind die Leidtragenden.

Letzterer besonders, der ein Freigeist ist und als solcher positiv zu denken vermag und immer wieder bei dem selbstherrlichen Schulrektor (Jörg Alt) unangenehm auffällt. Es passiert, was passieren muss. es komnmt zur Katastrophe, denn alle haben weggesehen, eben still und stumm.

Es ist ein hervorragender Film, der Gewalt, gleich woher sie kommt, verurteilt und dabei ohne erhobenen Zeigefinger aufruft, einzuschreiten, wo immer man sie sieht. Ob nun, wie im dargestellten Fall an Schulen oder auch sonst.

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Kristo Krebs (Max), Jörg Alt (Direktor), Janis Bausch (Oskar)

Das einfühlsame Spiel der Jungen, die Interpretation Jörg alts seiner Rolle als grausamer Rektor oder auch die zahlreichen Nebenrollen, die ihrerseits zum gelungenen Spiel beitragen.

Zusammen mit den Drehorten, die den gemeinen Fuldaer leidlich bekannt sein dürften, ergibt sich eine stimmige Geschichte, wie sie durchaus passieren könnte. um so eindringlicher ist die Botschaft der Filmemacher.

Gleichwohl merkt man dem Projekt an, dass es sich um eine Lowbudget-Produktion (übrigens die erste Filmproduktion in Fulda seit Jahrzehnten) handelt, wenn die Hintergrundmusik zu laut ist oder der gesprochene Text wie abgelesen oder eben ein Gedicht auswendig gelernt und aufgesagt wird, aber es darf hier eben nicht der Maßstab einer professionellen Filmproduktion angesetzt werden.

Hier geht es um mehr. Um den Inhalt, die Leidenschaft, mit denen die Macher und Darsteller für dieses Projekt stehen, und den Potential insbesondere von Janis Bausch und Kristo Krebs, die sicherlich in weiteren Clips der VDSIS auftauchen werden. Vielleicht irgendwann wieder einmal in einem Film? Wünschenswert wäre es.

Euer findo.

Der Film ist auf den Youtube-Kanal VDSIS zu sehen. Hier klicken. Er soll keine Kritik an Lehrkräfte oder Schulen darstellen, da Gewalt an Kindern überall stattfindet. Der dargestellte Direktor ist Symbol für alle Erwachsenen, die Kindern gegenüber gewalttätig werden. Auf dem Youtube-Kanal finden sich weitere Videos, Making-of oder Einblicke in die Premiere, sowie der Filmproduktion selbst.

Filmblick: Wunder

Titel: Wunder (OT: Wonder)
Schauspieler: Jacob Tremblay, Owen Wilson, Julia Roberts, Noah Jupe u.a.
Regie: Stephen Chbosky
Drehbuch: Stephen Chbosky, Steve Conrad, Jackk Thorne, Raquel J. Palacio
Land: USA
Länge: 113 Minuten
Verleih: Studiocanal

Buchverfilmungen haben es nicht leicht, da sie zumeist von vorn herein verloren haben. Dinge, die im Buch vorkommen, werden herausgestrichen, da der Film sonst Überlänge hätte oder schlicht und einfach nicht so umzusetzen sind, wie Autor und Fans sich das vorstellen. Besonders, wenn die Literaturvorlage ohnehin beliebt ist, hat jede filmische Interpretation schlechte Karten. „Wunder“ allerdings, könnte eines der Jahreshighlights werden, für jeden Kinobesucher und auch sonst.

Zentrale Hauptfigur ist August, von seiner Familie liebevoll Auggie genannt, der aufgrund eines Gendefekts jahrelang zu Hause unterrichtet wurde. Er hat ein entstelltes Gesicht. Erst zahlreiche Operationen ermöglichten ihm ein halbwegs normales Leben.

Jetzt soll er zum ersten Mal eine normale Schule besuchen, der Junge, der am liebsten einen Spielzeug-Astronautenhelm trägt, weil ihn darunter niemand sehen kann. Die Schule stellt ihn jedoch vor der großen Herausforderung, mit anderen Mitschülern sich zu konfrontieren. Mit allen Konsequenzen. Mobbing, Ausgrenzung, aber auch echter Freundschaft und Zusammenhalt. Es wird Auggies größtes Abenteuer werden.

Hervorragend umgesetzt haben Stephen Chbosky als Regisseur und seine Drehbuchautoren die Buchvorlage von Raquel J. Palacio, die sich mit „Wonder“ in die Bestsellerlisten schrieb.

Die tragende Hauptfigur wird gespielt von Jacob Tremblay, der schon in Filmen wie „Raum“ zu begeistern vermochte und hier unter einer zentimeterdicken Maske sein ganzes schauspielerisches Können in die Waagschale wirft, damit mühelos mit den Erwachsenen Julia Roberts und Owen Wilson mithalten kann.

Jacob spielt den Jungen intelligent, sanft, verletzlich und mit einer großartigen Portion Humor. Förmlich merkt man ihn die intensive Beschäftigung im Vorab der Produktion an, die auch den Kontakt mit Kindern umfasste, die diesen seltenen Gendefekt tragen und täglich mit den Konsequenzen leben müssen.

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Junge Nachwuchstalente wie Noah Jupe als Auggies bester Freund oder Izabela Vidovic und andere, komplettieren die Besetzung des Casts, der sich durch die Bank sehen lassen kann.

Bilttechnisch konzentriert sich der Film auf warme Farben, sowohl im Haus von Auggies Familie, welches konsequent als schützenswerter Raum dargestellt wird, als auch auf das Schulhaus, welches Begehen zur ständigen Herausforderung für den Jungen wird. Emotionale Szenen werden reichlich verwendet, um die Zuschauer zu berühren, doch immer wieder aufgelockert, so wie im Buch es immer wieder Hoffnungsschimmer für den Leser gibt. 

Der Film hält sich an die Stärken seiner Vorlage und lässt die Szenen aus der Sicht ihrer Hauptfiguren spielen. Diese Einteilung in Kapitel ist in der filmischen Umsetzung mutig, hier aber notwendig, um dem Stoff gerecht zu werden, der es mit sich bringt, dass man sich mit den Themen noch nach dem Anschauen auseinandersetzen wird.

Es ist ein starkes Highlight gleich zu Beginn des Jahres, welches nur schwer zu toppen ist. Ich behaupte mal, es ist kaum möglich. Nichts ist hier zu wenig, nichts ist hier zu viel. Ein interessanter und wichtiger Film, über Mobbing, Freundschaft und den Mut, man selbst zu sein. Hochwertig und wertvoll für jeden Zuschauer, auch Liebhaber der Buchvorlage werden es mögen.

Zusatz:
Beide Bücher von Raquel J. Palacio wurden, siehe Rezensionsverzeichnis, hier bereits rezensiert.