Krieg

Claude K. Dubois: Akim rennt

Akim rennt Book Cover
Akim rennt Kinderbuch Moritzverlag Hardcover Seiten: 96 ISBN: 978-3-895652-684

Handlung:

Kurz zuvor hatte Akim noch mit anderen Kindern Krieg gespielt, nun bricht selbiger über sein Dorf herein, in dem er lebt. Bomben fallen, es gibt Tote und Verletzte. Das Dorf wird von Soldaten besetzt, doch Akim kann fliehen.

Im Chaos des Krieges aber wird er von seiner Mutter getrennt. Auf der Flucht lernt er Hunger und Kälte kennen aber auch Menschen, die sich seiner annehmen. Angekommen schließlich im Lager einer Hilfsorganisation geschieht das Unglaubliche. Er trifft seine Mutter wieder.

Rezension:

Die Geschichte ist schnell erzählt und leicht zu verstehen, nachzuvollziehen, weshalb hier kaum von Spoilern gesprochen werden kann. Denn, hauptsächlich handelt es sich um ein Bilderbuch und die Texte, eigentlich nur ein paar Sätze sind so verständlich, dass Erstleser, Schulanfänger damit mehr als zurechtkommen, wenn sie gerade angefangen haben Sätze flüssig zu lesen. Es geht hier aber auch mehr um die Bilder.

In beeindruckenden Schwarz-Weiß-Brauntönen gezeichnet, wird die Figur des kleinen Akim greif- und die Schrecken des Krieges, von Flucht und Vertreibung nachvollziehbar. Dabei bezieht sich Dubois nicht auf einen bestimmten Krieg, Ortsangaben werden nicht gemacht. Die Geschichte spielt in allen Konfliktregionen dieser Welt.

Dies ist die Stärke Dubois‘. Ohne viele Worte, nur mit Zeichnungen eine ganze Geschichte zu erzählen. Es ist ein Kinderbuch für alle Kleinen, die beginnen, angesichts der aktuellen Situation in Europa und der Welt Fragen zu stellen.

Kinder bekommen mehr mit als Erwachsene denken. „Akim rennt“ sollte dennoch nur begleitend gelesen werden. Zu erdrückend, ernst und komplex ist die Thematik. Es ist aber auch ein Buch für Erwachsene, die mal etwas anderes in den Händen haben wollen als politischer Hetz-Literatur a la Sarrazin und Co.

In Zusammenarbeit mit PRO ASYL und Amnesty International entstand dieses beeindruckende Werk, welches sich lohnt zu besitzen und zurecht den Deutschen Jugendliteratur-Preis bekommen hat. Für 12 Seiten Text (immer nur ein paar aussagekräftige kurze Sätze pro Seite), der Rest sind Zeichnungen. Weniger ist auch hier mehr.

Autor:

Claude K. Dubois, geboren 1960 in Verviers, Belgien, unterrichtet Illustration an einer berühmten Kaderschmiede dieses Faches, dem Institut Saint-Luc in Lüttich/Liège/Luik, wo sie auch selbst studiert hat. Sie veröffentlichte mehr als 40 Bilderbücher, von denen einige bereits im deutschsprachigen Raum erschienen sind.

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Michelle Cohen Corasanti: Der Junge, der vom Frieden träumte

Der Junge, der vom Frieden träumte Book Cover
Der Junge, der vom Frieden träumte Michelle Cohen Corasanti Fischer Taschenbuch Erschienen am: 25.05.2016 Seiten: 399 ISBN: 978-3-596-03283-9 Übersetzerin: Adelheid Zöfel

Inhalt:

Der zwölfjährige Palästinenserjunge Achmed kämpft um das Überleben seiner Familie, der einst eine blühende Orangenfarm gehörte. Auf der Jagd nach einem Schmetterling kommt seine zweijährige Schwester Amal in einem Minenfeld ums Leben.

Als auch noch sein Vater verhaftet und der Familie alles genommen wird, ist er der Einzige, der sie retten kann. Denn Ahmed ist ein Mathematikgenie und erhält eines der begehrten Stipendien an der Universität von Tel Aviv. Doch dort ist er der einzige Palästinenser unter Juden…

Rezension:

Beinahe bilden die Romane, deren Titel alle so ähnlich klingen, ein eigenes Subgenre. „Der Junge, der…“, „Das Mädchen, dass…“, „Der Hundertjährige, der…“. Sie alle beleuchten das fiktive Leben eines Protagonisten und geben dennoch ein beeindruckendes Bild einer bestimmten Zeitepoche wieder und man meint, beinahe übersättigt zu werden von Romanen dieser Art.

Auf die Gefahr hin, dass dies passiert, hat auch der Fischerverlag zu solch einem Titel gegriffen, was hier jedoch keineswegs stört. Tatsächlich liegt mit Cohen Corasantis Roman ein beeindruckendes Werk vor, was sich unbedingt zu lesen lohnt.

Die Autorin erzählt die Geschichte eines Jungen, dessen Leben praktisch mit einem tiefen Fall in der Kindheit beginnt, geprägt von Armut, Verzweiflung aber auch ein wenig Hoffnung, den Kampf gegen alle Widerstände und schließlich dem Triumph der Hoffnung.

Einen Aufstieg, wie man es vielen Menschen in der Region gönnen, der jedoch nur höchst selten eben jenen gelingt. Corasanti zeichnet zudem sehr sensibel ein Bild der Palästinenser, die in einem schier unlösbaren Konflikt, die Israelis nicht minder, gefangen sind.

Auch das ein Punkt, der unbedingt beachtet werden sollte, verliert man doch diesen mit dem Abschalten der Nachrichten zu schnell aus den Augen. Der Autorin gelingt es, wenigstens für ein paar Stunden dem Leser einen Standpunkt einnehmen zu lassen ohne die andere Seite zu vernachlässigen. Eine große Kunst, dies auf vergleichsweise wenigen Seiten zu schaffen.

Natürlich ist das Ende mehr eine Wunschvorstellung der Autorin als ein realistisches Ereignis, doch man gönnt es den Protagonisten, der so viel durchmachen muss. Man leidet, freut und trauert mit ihm, triumphiert, hofft und bangt.

Der flüssige Schreibstil lässt einem in diese Welt, die gar nicht so weit entfernt ist von unserer eigenen, eintauchen und findet sich in einem von der Gesellschaft fast vergessenen ignorierten Konflikt wieder. Die Protagonisten und ihre Ansichten klingen glaubwürdig, ein „Böser“ macht eine schiere Wandlung durch, die beinahe schmerzt aber auch das gehört dazu.

Wie sonst wäre es wohl zu erklären, wie die Menschen in Palästina und Israel den Alltag dort aushalten können? Natürlich stellt sich die Autorin ganz klar auf eine Seite, was aber auch verständlich ist, wenn man ihre Geschichte betrachtet. Interessant nur, dass es nicht die „ihre“ Seite ist, sondern konkret die andere. Und dies glaubwürdig und ohne Groll.

Mit „Der Junge, der vom Frieden träumte“ sollte man sich ein paar Stunden Zeit nehmen, über den Konflikt Israel-Palästina nachzudenken und vor allem über die Menschen, die in dieser schier unlösbaren Situation sich zurechtfinden, eine Art Alltag leben müssen.

Egal, auf welcher Seite, es gibt unter beiden Schuldige und Anheizer, genau so wie Unschuldige, denen jedes Ausbrechen oder jeder Versuch verweigert wird, Frieden zu erwirken. Für sich und für andere.

Eine Region, die soviel politischen Sprengstoff für noch kommende Jahrzehnte birgen wird, deren Menschen hoffentlich eines Tages erkennen, dass sie nur zusammen all das überwinden und gemeinsam stark sein können.

Cohen Corasanti gibt die Hoffnung nicht auf, dass es dazu kommen wird, im Kleinen und Großen. Wenn mehr Menschen ihren Roman lesen würden, wenn es mehr dieser Ahmeds und Menachems geben würde, wie sie die Autorin beschreibt, wären wir auf einem guten Weg dorthin.

„Der Junge, der vom Frieden träumte“, eine faszinierende und wichtige Geschichtsstunde, vor allem aber ein großartiger Roman.

Autorin:

Michelle Cohen Corasanti ist eine in den USA geborene Jüdin. Ihre Eltern schickten sie nach Israel, um Hebräisch zu lernen, die jüdische Kultur und Religion zu studieren.

Sie besuchte die Hebrew University of Jerusalem, wo sie ihren Master in Nahostwissenschaften machte und arbeitete in Harvard für ihr Diplom. Inzwischen ist sie Anwältin für Menschenrechte. Dies ist ihr erster Roman.

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Henner Fürtig: Geschichte des Irak

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Geschichte des Irak Henner Fürtig C.H. Beck Erschienen am: 09.03.2016 Seiten: 224 ISBN: 978-3-406-68798-3

Inhalt:

Ist der Irak ein gescheiterter Staat? Im Norden kontrollieren die Kurden und Islamisten riesige Gebite, im Süden rivalisieren Schiiten und Sunniten um die Macht, und zwischen diesen Fronten werden Minderheiten wie Christen oder Jesiden aufgerieben.

Henner Fürtig zeigt, dass die Ursachen für diesen Zerfall historisch weit zurückliegen. Er erzählt die Geschichte des Zweistromlandes von der kolonialen Staatsgründung 1921 über die brutale Diktatur Sadam Husseins und die amerikanische Invasion 2003 bis heute und fragt nach den Chancen für eine Rückkehr zum Frieden. (Klappentext)

Rezension:

Ob der Flüchtlingsproblematik gehen Berichte, direkt über dieses Land, derzeit ein wenig unter, wobei gerade dort und in den Nachbarstaaten einige der häufigen und dringlichen Fluchtursachen zu finden sind. Das Chaos, der Terror und der Zerfall des Iraks in seine Bestandteile, je nachdem, in welchem Landesteil man sich gerade befindet und welcher Glaubensrichtung man angehört.

Die Ursachen sind historisch bedingt und liegen weit zurück. Noch vor der Staatsgründung, vor dem Zerfall des Osmanischen Reiches, in dem sich die heutigen Gebiete des Landes befanden, wurde die Saat dafür gelegt, den Staat oder was daraus einmal werden sollte, ins Chaos zu stürzen.

Henner Fürtig zeigt, welche Weichen und Blockaden im Laufe der Geschichte von einheimischen und Fremdherrschern gleichermaßen gestellt wurden, um dien Irak zu dem zu machen, was er heute ist.

Ob gewollt oder ungewollt. Der Autor differenziert zwischen Sichtweisen und Problemen, beleuchtet alle Seiten der Medaille Irak gleichermaßen und zeigt die Gründe dafür auf, dass heute dieses kulturell so reichhaltige und geschichtsträchtige Land ums Überleben kämpfen muss.

Wer die Ursachen für die heutigen Probleme des Iraks und seine Gesellschaft näher kennenlernen möchte, muss tief in die Geschichte zurückblicken. Henner Fürtig ist dies gelungen, ohne zu übertreiben, ohne zu pauschalisieren. Neutral ausgewogen und auf den Punkt genau stellt er historische Zusammenhänge leicht verständlich dar.

Ein hoch interessantes Sachbuch ist dabei entstanden über ein ebensolches Land. Der flüssige Schreibstil und die gute Recherchearbeit tragen das übriges dazu bei, diese Ländergeschichte ungeschönt, vielseitig und spannend darzustellen. Der Ausgang bleibt dabei freilich offen. Keiner weiß heute, wie sich die Situation des Irak künftig entwickeln, ja, ob der Staat überhaupt als solcher überleben oder doch noch implodieren wird.

Zu wünschen wäre es nicht, eher, dass die Menschen im Zweistromland sich auf ihre Stärken und Gemeinsamkeiten besinnen, zusammenhalten, damit die Geschichte des Irak weiter geschrieben werden kann. Henner Fürtig mit einem Beitrag, der dies außerhalb des Iraks mit diesem Buch ins Bewusstsein der Menschen rückt und damit einen wertvollen Beitrag leistet.

Autor:

Henner Fürtig wurde 1953 geboren und ist Professor am Historischen Seminar der Universität Hamburg und Direktor des GIGA Institut für Nahost-Studien. Zuvor arbeitete er am oriientalischen Institut der Universität Leipzig sowie als Projektgruppenleiter am Zentrum Moderner Orient in Berlin.

Er ist Vorstandsmitglied des European Association of Middle East Studies (EURAMES). Fürtigs aktuelle Forschungsthemen befassen sich u.a. mit Potenzen und Grenzen nahöstlicher Führungsmächte sowie dem politischen Islam und dessen Faktor im „Arabischen Frühling“. Zu diesen und anderen Themen veröffentlichte Fürtig bereits zahlreiche Bücher und Aufsätze.

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Bruno Apitz: Nackt unter Wölfen

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Nackt unter Wölfen Roman Aufbau Verlag Taschenbuch Seiten: 586 ISBN: 978-3-7466-3026-7

Handlung:
Der Roman „Nackt unter Wölfen“ erzählt die bewegende Geschichte eines dreijährigen Kindes, das unter den unmenschlichen Bedingungen des KZ Buchenwald von Häftlingen gerettet wird. Aber er handelt ebenso von den Konflikten seiner Retter, die ihrem Gewissen folgen und dabei die Gesetze des kommunistischen Lagerwiderstands brechen. (Klappentext)

Rezension:
Genau so wie das Werk von Bruno Apitz neu verfilmt wurde, gab der aufbau-Verlag 2015 eine neue Ausgabe eines Weltbestsellers heraus, der er anfangs gar nicht werden sollte. Als Bruno Apitz die Geschichte schrieb war er länger auf der Suche nach einem Verlag.

Nicht wenige lehnten die Geschichte ab. Sie passte anfangs nicht in das Geschichtsbild und Bewusstsein, was der damals noch junge Staat DDR von sich hatte und man wusste auch noch nicht, wie man damit am besten umgehen sollte.
Schließlich waren die Jahre der NS-Diktatur noch allzu frisch und der Umgang mit früheren Zeiten mehr als heikel. Zumal unter ideologischen Gesichtspunkten des ostdeutschen Staates. Nachdem zahlreiche Verlage der DDR die Geschichte abgelehnt hatten, sagte schließlich der Mitteldeutsche Verlag zu, druckte eine kleine Auflage.

Nach unzähligen Änderungen. Zum Einen wurde die Geschichte der Buchenwalder Kommunisten von der Staatsführung kritisch beäugt, zum anderen war man sich uneins über bestimmte einprägsame Szenen, die den Alltag im KZ beschrieben. Zwischen Leben und Sterben. Doch der Roman avancierte schnell zum Erfolg und war bald restlos ausverkauft.

So bewegend wie die Geschichte an sich, ist auch die des Autors und die der Entstehung des Romans, sowie des ersten Filmes. Dies rechtfertigt schon alleine diese Neuauflage, die nicht nur die weltbekannte Fassung, sondern auch alle Änderungen sichtbar macht, die Bruno Apitz zähneknirschend hinnehmen musste, um seinen Roman veröffentlichen zu können.

Ergänzt wird dies durch eine Biografie des Autors sowie der Erläuterung der Entstehungsgeschichte des Romans, welche als Zusätze diese Ausgabe zu etwas Besonderen machen. Dabei wird auch auf die tatsächliche Geschichte des Stefan Jerzy „Buchenwald-Kindes“ aufmerksam gemacht, die nur in der von Apitz veränderten Form zu DDR-Zeiten Beachtung fand und als Tatsache hingestellt wurde.

Dies tut der Großartigkeit des Rimans keinen Abbruch. Er ist aufrüttelnd und spannend, sofern man davon reden mag, zugleich. Der Schreibstil tut sein übriges dazu und mehr gibt es an sich nicht zu sagen, doch empfiehlt es sich wirklich auch mit der Geschichte von Buchenwald an sich und mit der wahren Geschichte von Stefan Jerzy zu beschäftigen.

Auch, wenn dies ins Uferlose führt, für ein umfassendes Gesamtbild ist dies unerlässlich. Ich kann für diese Ausgabe eine unbedingte Empfehlung aussprechen, sei es auch nur wegen der Ergänzungen, die andere Ausgaben nicht haben. Es lohnt sich.

Autor:
Bruno Apitz wurde 1900 in Leipzig geboren und kam 1917 wegen Antikriegspropaganda ins Gefängnis. Danach begann er eine Buchhändlerlehrhre und betätigte sich als Schauspieler. Seit 1927 Mitglied der KPD wurde er ab 1933 mehrfach inhaftiert.

Von 1937 bis zurBefreiung war er im KZ Bucvhenwald interniert. In der DDR betätigte er sich als Redakteur, Verwaltungsdirektor der Städtischen Bühnen Leipzig und Dramaturg bei der DEFA. 1955 lebte er als freier Autor in Berlin und starb 1979. Sein erster Roman „Nackt unter Wölfen“ wurde 1963 verfilmt, vor kurzem neu verfilmt.

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